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GEBIET DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung betrifft Materialien und Verfahren im Zusammenhang
mit einem isolierten Cyr61-Fragment, das zumindest eine biologische
Funktion von menschlichem Cyr61 behält, worin das Fragment eine
Sequenz aus Aminosäuren
innerhalb der Domäne
III von Cyr61 mit Seq.-ID Nr. 2 oder von menschlichem Cyr61 mit
Seq.-ID Nr. 4 umfasst und aus Seq.-ID Nr. 33 besteht oder aus einer
Aminosäuresequenz besteht,
die zu zumindest 95 % ähnlich
zu Seq.-ID Nr. 33 ist.
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HINTERGRUND DER ERFINDUNG
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Das
Wachstum von Säugetierzellen
ist durch Polypeptid-Wachstumsfaktoren streng reguliert. Im erwachsenen
Tier sind die meisten Zellen metabolisch aktiv, sind jedoch in Bezug
auf die Zellteilung ruhend. Unter bestimmten Bedingungen können diese
Zellen stimuliert werden, um wieder in den Zellzyklus einzutreten und
sich zu teilen. So wie die ruhenden Zellen in die aktiven Wachstums-
und Teilungsphasen des Zellzyklus wiedereintreten, werden eine Reihe
von spezifischen Genen, die unmittelbar frühen Gene, rasch aktiviert.
Der Wiedereintritt in den aktiven Zellzyklus ist notwendigerweise
streng reguliert, da ein Zusammenbruch dieser Kontrolle unkontrolliertes,
häufig
als Krebs erkanntes Wachstum bewirken kann. Der kontrollierte Wiedereintritt bestimmter
Zellen in die Wachstumsphase ist für solche Prozesse wie Angiogenese
(z.B. Blutgefäß-Wachstum und
-Reparatur), Chondrogenese (z.B. Skelettentwicklung und Prothesenintegration),
Onkogenese (z.B. Krebszellenmetastase und Tumor-Neovaskularisierung) und andere ein
Wachstum erfordernde Prozesse essenziell.
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Angiogenese,
die Bildung neuer Blutgefäße aus den
Endothelzellen bereits bestehender Blutgefäße, ist ein komplexer Vorgang,
der ein sich veränderndes
Profil der Endothelzellen-Genexpression in Verbindung mit Zellmigration,
-vermehrung und -differenzierung umfasst. Angiogenese beginnt mit
lokalisiertem Abbau der Basalmembran des Stamm-Gefäßes. In
vivo unterstützen
die Basalmembranen (in erster Linie aus Laminin, Collagen Typ IV,
Nidogen/Entacin und Proteoglykan zusammen gesetzt) die Endothelzellen
und sorgen für
eine Barriere, die diese Zellen vom darunter liegenden Stroma trennt.
Die Basalmembran beeinflusst ferner eine Vielzahl von biologischen
Aktivitäten,
einschließlich
Zelladhäsion,
-migration und -wachstum während
Entwicklung und Differenzierung.
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Nach
dem Abbau der Basalmembran migrieren Endothelzellen vom Stamm-Gefäß weg in
die interstitielle extrazelluläre
Matrix (ECM), zumindest teilweise aufgrund chemisch anziehend wirkender
Gradienten. Die migrierenden Endothelzellen bilden einen Kapillarspross,
der sich streckt. Diese Streckung ist das Ergebnis von Migration
und Vermehrung von Zellen im Spross. In der führenden Kapillarspitze lokalisierte
Zellen migrieren zum angiogenen Stimulus, synthetisieren jedoch
keine DNA und teilen sich nicht. Unterdessen unterziehen sich hinter
diesen führenden
Spitzenzellen andere Endothelzellen einer schnellen Teilung, um
eine ausreichende Versorgung von Endothelzellen zur Bildung des
neuen Gefäßes sicherzustellen.
Kapillarsprossen verzweigen sich dann an ihren Spitzen, die Zweige
erfahren Anastomose oder vereinigen sich miteinander, um ein Lumen
zu bilden, die Basalmembran wird wiederhergestellt, und es wird
eine Gefäßverbindung
errichtet, was zum Blutfluss führt.
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Veränderungen
von zumindest drei Endothelzellen-Funktionen treten während der
Angiogenese auf: 1) Modulierungen der Wechselwirkungen mit der ECM,
die Änderungen
der Zellmatrixkontakte und die Herstellung von Matrix-abbauenden
proteolytischen Enzymen erfordern; 2) eine anfängliche Erhöhung und anschließende Verminderung
der Endothelzellen-Migration, was eine Zellverlagerung zum angiogenen
Stimulus bewirkt; und 3) ein vorübergehender
Anstieg der Zellvermehrung, die Zellen für das wachsende und sich streckende
Gefäß bereitstellt,
mit einer anschließenden
Rückkehr
zum ruhenden Zellzustand, wenn sich das Gefäß gebildet hat. Diese drei
Funktionen werden durch adhäsive,
chemotaktische und mitogene Wechselwirkungen bzw. Reaktionen verwirklicht.
Daher erfordert die Kontrolle der Angiogenese den Eingriff in drei
unterschiedliche Zellaktivitäten:
1) Zelladhäsion,
2) Zellmigration und 3) Zellvermehrung. Ein weiterer biologischer Prozess,
der eine ähnlich
komplexe Reihe von Zellaktivitäten
umfasst, ist die Chondrogenese.
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Chondrogenese
ist der für
die Skelettorganisation verantwortliche Zellprozess, einschließlich der
Entwicklung von Knochen und Knorpel. Chondrogenese umfasst wie Angiogenese
den kontrollierten Wiedereintritt ruhender Zellen in die Wachstumsphase
des Zellzyklus. Der Wachstumsphasenübergang ist mit veränderten
Zelladhäsionseigenschaften,
veränderten
Mustern von Zellmigration und vorübergehend erhöhter Zellvermehrung
verbunden. Chondrogenese umfasst die anfängliche Entwicklung chondrogener
Fähigkeit
(d.h. des protodifferenzierten Stadiums) durch primitive undifferenzierte
Mesenchymzellen. Dieses Stadium umfasst die Produktion Chondrozyten-spezifischer
Marker ohne die Fähigkeit,
eine typische Knorpel-ECM zu bilden. Anschließend entwickeln die Zellen
die Fähigkeit,
eine Knorpel-spezifische ECM zu produzieren, wenn sie sich zu Chondrozyten
entwickeln. Langille, Microscop. Res. & Tech. 28, 455-469 (1994). Chondrozyten-Migration, -Adhäsion und
-Vermehrung tragen zur Entwicklung des knöchernen und knorpeligen Skeletts
bei. Die abnormale Elaboration der programmierten Entwicklung von
Zellen, die am Prozess der Chondrogenese teilnehmen, resultiert
in Skelettdefekten, die Probleme aufwirft, die von kosmetischen
Belangen bis zu lebensbedrohenden Störungen reichen.
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Wie
die Angiogenese und Chondrogenese ist die Onkogenese durch Veränderungen
der Zelladhäsion,
-migration und -vermehrung charakterisiert. Metastasierende Krebszellen
zeigen veränderte
Adhäsions- und
Migrationseigenschaften. Die Etablierung von Tumormassen erfordert
eine erhöhte
Zellvermehrung und die Elaboration der Zelleigenschaften, die für Angiogenese
während
der Neovaskularisierung von Tumoren charakteristisch ist.
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Die
abnormale Progression von Angiogenese oder Chondrogenese sowie die
bloße
Progression der Onkogenese beeinträchtigt die Lebensqualität für befallene
Individuen wesentlich und erhöht
die Kosten der modernen medizinischen Versorgung. Die diesen komplexen
biologischen Prozessen gemeinsamen Eigenschaften, die veränderte Zelladhäsion, -migration
und -vermehrung umfassen, legen nahe, dass Mittel, die zur Beeinflussung
aller drei dieser Zellaktivitäten
fähig sind,
zum Screenen und Modulieren der oben genannten komplexen biologischen
Prozesse wirksam sein sollten. Obgleich die Wissenschaft von Mitteln
Kenntnis hat, die die einzelnen Zellak tivitäten beeinflussen, z.B. Integrine
und Selectine (Zelladhäsion),
Chemokine (Zellmigration) und eine Vielzahl von Wachstumsfaktoren
oder Zytokinen (Zellvermehrung), ist bis vor kurzem kein Mittel
identifiziert worden, das einen Einfluss auf alle drei Zellaktivitäten im Menschen
ausübt.
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Maus-Cyr61
(CYstein-Reiches Protein) ist ein Protein, das in aktiv wachsenden
und sich teilenden Zellen exprimiert wird, das möglicherweise alle diese drei
Zellaktivitäten
beeinflusst. RNase-Schutz-Analysen haben gezeigt, dass das für Maus-Cyr61
kodierende Gen, Maus-cyr61, im sich entwickelnden Mausembryo transkribiert
wird. O'Brian et
al., Cell Growth & Diff.
3, 645-654 (1992). In-situ-Hybridisierungsanalyse zeigte, dass die
Expression von cyr61 während
der Maus-Embryogenese eng mit der Differenzierung von aus Ektoderm und
Mesoderm hergeleiteten Mesenchymzellen in Chondrozyten korreliert.
Zusätzlich
wird cyr61 in den Gefäßwänden des
sich entwickelnden Kreislaufsystems exprimiert. Diese Beobachtungen
weisen darauf hin, dass Maus-cyr61 während der Zellvermehrung und
-differenzierung exprimiert wird, die Charakteristika der Expression
von Genen sind, die an den Regulationskaskaden beteiligt sind, die
den Zellwachstumszyklus kontrollieren.
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Die
weitere Charakterisierung des Cyr61-Polypeptids ist durch das Unvermögen behindert
worden, brauchbare Mengen des Proteins zu reinigen. Bemühungen,
Cyr61 in größeren Mengen
durch Überexpression aus
entweder eukaryotischen oder prokaryotischen Zellen zu reinigen,
gelingen typischerweise nicht. Yang, University of Illinois at Chicago,
Dissertation (1993). Ein mit dem Versuch, brauchbare Mengen von
Cyr61 zu erhalten, verbundenes Problem ist die Reduktion der Säugetierwachstumsraten,
die durch die Überexpression von
Cyr61 induziert wird. Ein weiteres Problem bei der Cyr61-Reinigung
ist, dass sich das Cystein-reiche Polypeptid, wenn es unter Anwendung
rekombinanter DNA-Techniken in Bakterienzellen exprimiert wird,
häufig in
unlöslichen
Proteinmassen findet. Trotzdem ist Cyr61 als ein Polypeptid von
349 Aminosäuren
charakterisiert worden, das 39 Cysteinreste, eine hydrophobe mutmaßliche N-terminale
Signalsequenz und potentielle N-gebundene Glykosylierungsstellen
(Asn28 und Asn235)
enthält.
US-Patent Nr. 5.408.040 bei Spalte 3, Zeilen 41-54, Grotendorst et al. (das „040"-Patent). In jüngster Zeit
sind mit Cyr61 verwandte Proteine charakterisiert worden. Beispielsweise
ist ein Humanprotein, Bindegewebswachstumsfaktor (CTGF), identifiziert
worden. (Siehe 040-Patent). CTGF wird in aktiv wachsenden Zellen,
wie z.B. Fibroblasten und Endothelzellen, exprimiert (040-Patent, in Spalte
5, Zeilen 62-64), ein Expressionsmuster, das von Cyr61 geteilt wird.
Bezüglich
der Funktion ist CTGF als Proteinwachstumsfaktor beschrieben worden,
da seine Mitogenität
zu seiner primären biologischen
Aktivität
erklärt
worden ist (040-Patent,
Spalte 2, Zeilen 25-27 und 53-55). Zusätzlich zeigt CTGF angeblich
chemotaktische Aktivität.
040-Patent, Spalte 2, Zeilen 56-59. Bezüglich ihrer Struktur sind die
für CTGF
kodierende Polynucleotidsequenz und die Aminosäuresequenz von CTGF publiziert
worden. 040-Patent, Seq.-ID Nr. 7 bzw. Seq.-ID Nr. 8.
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Ein
weiteres, scheinbar verwandtes Protein ist das Mausprotein Fisp12
(Flbroblasten-Sekretiertes Protein). Fisp12 ist einer Aminosäuresequenzanalyse
unterzogen worden, was eine an Cystein reiche Primärstruktur
offenbarte. Ryseck et al., Cell Growth & Diff. 2, 225-233 (1991). Das Protein
besitzt auch eine hydrophobe N-terminale
Sequenz, die eine für
sekretierte Proteine charakteristische Signalsequenz andeutet.
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Sequenzanalysen,
die Cyr61, Fisp12, CTGF und andere Proteine umfassen, haben zur
Identifizierung einer Familie Cystein-reicher sekretierter Proteine
beigetragen. Elemente der Familie weisen ähnliche Primärstrukturen
auf, die von Genen kodiert werden, die ähnliche Sequenzen aufweisen.
Jedes der Proteine in dieser aufkommenden Familie ist weiters durch
die Gegenwart einer hydrophoben N-terminalen Signalsequenz und 38
Cysteinresten in den sekretierten Formen des Proteins gekennzeichnet.
Elemente der Familie, die bis dato identifiziert sind, umfassen
die oben genannten Cyr61 (Human und Maus), Fisp12 (Maus) und CTGF
(das Human-Ortholog von Fisp12) sowie CEF10 (Huhn) und Nov (vogelartig).
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Eine
von mehreren Anwendungen für
ein gereinigtes Protein, das zur Beeinflussung der Zelladhäsions-,
-migrations- und -vermehrungseigenschaften fähig ist, umfasst die Entwicklung
stabiler, hämatopoetischer
Langzeit-ex-vivo-Stammzellkulturen. Hoch dosierter Chemotherapie
unterzogene Patienten weisen unterdrückte Hämato poese auf; die Expansion
von Stammzellen, ihre Reifung zu verschiedenen hämatopoetischen Linien und Mobilisierung
reifer Zellen in den Blutkreislauf dauern für gewöhnlich viele Wochen, bis sie abgeschlossen
sind. Für
solche Patienten und andere, die eine hämatopoetische Zelltransplantation
benötigen,
ist die Einführung
autologer Stammzellen, die manipuliert und in Kultur vermehrt worden
sind, in Patienten vorteilhaft. Solche hämatopoetische Stammzellen (HSC)
exprimieren das CD34-Stammzellenantigen,
exprimieren jedoch nicht Linienbindungsantigene („lineage
commitment antigens").
Diese Zellen können
letztlich zu allen Blutzelllinien führen (z.B. Erythrozyten, Lymphozyten
und Myelozyten). Hämatopoetische
Vorläufer-Zellen, die Langzeitkulturen
initiieren und aufrechterhalten können (d.h. Langzeitkultur-System-initiierende
Zellen oder LTC-IC), stellen eine primitive Population von Stammzellen
dar. Die Häufigkeit
von LTC-IC ist mit nur 1-2 je 104 Zellen
im normalen Human-Knochenmark und nur ungefähr 1 je 50-100 Zellen in einer
hochgereinigten CD34+-Subpopulation geschätzt worden.
Folglich wäre
es zweckdienlich, über
Verfahren und Systeme für Langzeitzellkultur
zu verfügen,
die primitive, pluripotente Human-HSC aufrechterhalten und vermehren,
um sie für
die Neupopulation des hämatopoetischen
Systems in vivo zu verwenden.
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Zellkulturmodelle
der Hämatopoese
haben eine Vielzahl von Zytokinen offenbart, die eine Rolle im Hämatopoese-Prozess
zu spielen scheinen, einschließlich
zahlreicher koloniestimulierender Faktoren, Interleukinen, Stammzellenfaktor
und des c-kit-Liganden. In Ex-vivo-Kulturen begünstigen verschiedene Kombinationen dieser
Zytokine jedoch die Vermehrung verschiedener Gruppen festgelegter
Vorläufer.
Beispielsweise verstärkte
ein Faktor im Nabelschnurblutplasma die Vermehrung der Vorläufer der
Granulozyten-Erythrozyten-Makrophagen-Megakaryozyten-Kolonie-bildenden
Einheit (CFU-GEMM), jedoch begünstigte
die Vermehrung in diesen Kulturen die reiferen Untergruppen von
Zellen. Daher ist es schwierig gewesen, ein Kultursystem zu etablieren,
das die In-vivo-Hämatopoese
nachahmt.
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Ein
HSC-Kultursystem sollte eine große Anzahl von multi- oder pluripotenten
Stammzellen aufrechterhalten und vermehren, die sowohl zur Langzeit-Neupopulation
als auch zur letztlichen Linien-Bindung unter geeigneter Induktion
fähig sind.
In den meisten Ex-vivo-Kultursystemen sinkt jedoch der Anteil der
aus LTC-IC bestehenden Zellpopulation mit fortdauernder Kultivierung
stetig ab und fällt
nach mehreren Wochen häufig auf
20 % ihres Anfangswerts ab, so wie die Kultur von reiferen Untergruppen
hämatopoetischer
Vorläufer-Zellen
besiedelt wird, die nicht mehr pluripotent sind. Darüber hinaus
kann die von einzelnen LTC-IC gezeigte Vermehrungsfähigkeit
stark variieren. Folglich besteht auf dem Gebiet der Erfindung ein
Bedarf an HSC-Kultursystemen,
die biologische Mittel umfassen, die das pluripotente Potenzial
von Zellen, wie z.B. LTC-IC-Zellen, aufrechterhalten oder fördern. Zusätzlich zu
einer Rolle bei der Entwicklung von Ex-vivo-HSC-Kulturen sind biologische
Mittel, die die Zelladhäsion,
-migration und -vermehrung beeinflussen, in einer Reihe von anderen Zusammenhängen zweckdienlich.
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Proteine,
die die Aktivität
von Mitogenen potenzieren, jedoch selbst keine mitogene Aktivität aufweisen,
können
wichtige Rollen als Signalmoleküle
in solchen Prozessen wie der Hämatopoese
spielen. Außerdem
könnten
diese Signalproteine auch als Sonden bei der Suche nach weiteren
Mitogenen dienen, von denen viele nicht identifiziert oder charakterisiert
worden sind. Von mehreren biologischen Faktoren ist gezeigt worden,
dass sie die mitogene Aktivität
anderer Faktoren potenzieren, ohne selbst mitogen zu sein. Manche
dieser Potenziatoren sind mit der Zelloberfläche und/oder der extrazellulären Matrix
assoziiert. In dieser Gruppe umfasst sind ein sekretiertes basisches
Fibroblasten-Wachstumsfaktor-bindendes Protein (bFGF-bindendes Protein),
das Basalmembran-Protein Perlecan und das Human-Immundefizienz-Virus-1-TAT-Protein,
wobei jedes Protein fähig
ist, die bFGF-induzierte Zellvermehrung und Angiogenese zu fördern. Ebenfalls
in dieser Gruppe von Mitogen-Potenziatoren umfasst sind Thrombospondin,
das zur Aktivierung einer latenten Form des Transformierenden Wachstumsfaktors β fähig ist,
und ein nicht identifizierter sekretierter Wachstums-potenzierender Faktor
aus vaskulären
Glattmuskelzellen (Nakano et al., J. Biol. Chem. 270, 5702-5705
(1995)), wobei der letztere Faktor für die effiziente Aktivierung
der Epidermal-Wachstumsfaktor- oder Thrombin-induzierten DNA-Synthese
erforderlich ist. Weiters ist der B-Zellen-stimulierende Faktor-1/Interleukin-4,
ein T-Zellen-Produkt mit keiner nachweisbaren mitogenen Aktivität, fähig, 1)
die Vermehrungsreaktion von Granulozyten-Makrophagen-Vorläufern auf
Gra nulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor zu verstärken, 2)
die Vermehrungsreaktion von Erythrozyten-Vorläufern auf Erythropoietin zu
verstärken
und 3) gemeinsam mit Erythropoietin die Koloniebildung durch multipotente
Vorläuferzellen
zu induzieren. Gleichermaßen
verstärkte
Interleukin-7 die Stammzellenfaktor-induzierte Koloniebildung durch
primitive Maus-Knochenmark-Vorläufer,
obgleich Interleukin-7 selbst keine proliferative Wirkung aufwies.
Außerdem
hat sich gezeigt, dass Lymphozyten-Wachstumsverstärkungs-Faktor (LGEF) die Mitogen-stimulierte
Vermehrung von Human-Peripherblut-Lymphozyten (PBL) oder gereinigten
T-Zellen auf dosisabhängige
Weise verstärkte.
LGEF alleine stimulierte die PBL- oder T-Zellen-Vermehrung nicht.
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Daher
besteht weiterhin ein Bedarf an biologischen Mitteln, die fähig sind,
einen aufeinander abgestimmten Einfluss auf eine oder mehrere der
spezifizierten Funktionen (z.B. Zelladhäsion, Zellmigration und Zellproliferation)
auszuüben,
die gemeinsam solche komplexen biologischen Prozesse wie Angiogenese, Chondrogenese
und Onkogenese kennzeichnen. Außerdem
besteht auf dem Gebiet der Erfindung ein Bedarf an Mitteln, die
zur Reproduktion dieser In-vivo-Prozesse in einer Ex-vivo-Umgebung beitragen,
z.B. die Entwicklung von HSC-Kulturen. Weiters besteht weiterhin
ein Bedarf an Werkzeugen zur Suche nach den verbleibenden biologischen
Komponenten dieser komplexen Prozesse, z.B. an Mitogen-Sonden, deren
Fehlen Bemühungen
behindert, solche Prozesse vorteilhaft zu modulieren und damit zu
kontrollieren.
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In
WO 99/39660 (L. Iruele-Arispe et al.) und den entsprechenden Hinterlegungen
bei der GSP-Datenbank [Online] (Zugangsnummern AAY49506 und AAY49503;
10. Jänner
2003) sind die antiangiogenen Proteine, die menschlichen Metalloproteasenthrombospondin-(METH-)
Proteine METH1 und METH2 und dafür
kodierende isolierte Nucleinsäuremoleküle beschrieben.
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In
EP 0443404 (W.R. Grace & Co. (1991)) sind
Peptidfragmente und Analoga von menschlichem Thrombospondin sowie
Verfahren für
ihre Verwendung als thrombospondinartige Mittel beschrieben.
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In
WO 96/39486 (Human Genome Sciences Inc.) sind ein menschliches kleines
CCN-artiges Wachstumsfaktor-Polypeptid (SCGF) und für solch
ein Polypeptid kodierende DNA (RNA) beschrieben.
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In
WO 97/33995 (Munin Corp.) sind die biologischen Aktivitäten von
ECM-Signalmolekülen, Fragmente
von ECM-Signalmolekülen,
Antikörperprodukte,
die Cy161 erkennen, und ihre Anwendungen beschrieben.
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ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung stellt ein isoliertes Cyr61-Fragment bereit,
das die Haftung bzw. Adhäsion von
Endothelzellen und Fibroblasten unterstützt, worin das Fragment eine
Sequenz aus Aminosäuren
innerhalb der Domäne
III von Cyr61 mit Seq.-ID Nr. 2 oder von menschlichem Cyr61 mit
Seq.-ID Nr. 4 umfasst und aus Seq.-ID Nr. 33 besteht oder aus einer
Aminosäuresequenz
besteht, die zu zumindest 95 % ähnlich
zu Seq.-ID Nr. 33 ist. Die vorliegende Erfindung stellt außerdem Polynucleotide,
die für
solche Fragmente kodieren, und Antikörper, die spezifisch an solche
Fragmente binden, bereit. Weiters stellt die Erfindung die Verwendung
einer Zusammensetzung, die solch ein Fragment oder einen Antikörper, wie
sie oben beschrieben sind, umfasst, zur Herstellung eines Medikaments
zur Behandlung von Erkrankungen oder Leiden im Zusammenhang mit
Angiogenese oder Onkogenese bereit.
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Eine
biologische Aktivität
eines ECM-Signalmoleküls
(z.B. Cyr61) kann die Fähigkeit
sein, Zelladhäsion,
Zellmigration oder Zellvermehrung zu stimulieren; die Fähigkeit,
Angiogenese, Chondrogenese oder Onkogenese zu modulieren; Immunogenität oder die
Fähigkeit,
eine Immunantwort hervorzurufen; und die Fähigkeit, an Polypeptide zu
binden, die spezifische Bindungsstellen für ECM-Signalmoleküle aufweisen,
einschließlich
Antikörpern
und Integrinen. Die Fragmente der Erfindung können native oder rekombinante
Moleküle
sein. Für
menschliche Cyr61-Fragmente, die bezüglich der Erfindung in Frage
kommen, kann ein Polynucleotid kodieren, das eine Sequenz umfasst,
die zu zumindest 95 % (wie beschrieben unter Einsatz von BLAST-Software
mit Standardeinstellungen) ähnlich
zu einem Polynucleotid ist, das für ein Polypeptid mit der unter
Seq.-ID Nr. 33 angeführten
Sequenz kodiert, worin das Polypeptid zumindest eine biologische
Funktion von menschlichem Cyr61 beibehält. Außerdem können die Fragmente der Erfindung
underivatisiert oder in Übereinstimmung
mit einem nativen oder nicht-nativen Derivatisierungsmuster derivatisiert
sein. Die Erfindung erstreckt sich weiters auf Fragmente, die eine
native oder natürlich
auftretende Aminosäuresequenz
aufweisen, und auf Varianten (d.h. Fragmente, die unterschiedliche
Aminosäuresequenzen
aufweisen), Analoga (d.h. Fragmente, die eine Nicht-Standard-Aminosäure oder
eine andere strukturelle Abweichung vom herkömmlichen Satz von Aminosäuren aufweisen)
und Homologe (d.h. Fragmente, die einen evolutionären Vorläufer mit einem
anderen Fragment gemeinsam haben) davon. Fragmente, die kovalent
an andere Verbindungen, wie z.B. Polyethylenglykol, oder andere
Proteine oder Peptide gebunden sind, d.h. Fusionsproteine, sind
in der Erfindung ebenfalls vorgesehen.
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ECM-Signalmoleküle umfassen
Cyr61-, Fisp12- und CTGF-Polypeptid von Säugetieren. Die Erfindung umfasst
Antikörperprodukte,
die spezifisch an ein Fragment der Erfindung binden. Eine breite
Vielfalt von Antikörperprodukten
liegt im Schutzumfang der Erfindung, einschließlich polyklonaler und monoklonaler
Antikörper,
Antikörperfragmenten,
chimären
Antikörpern,
durch CDR-Grafting hergestellten Antikörpern, „humanisierten" Antikörpern und
anderen Antikörperformen,
die auf dem Gebiet der Erfindung bekannt sind. Andere Moleküle, wie
z.B. Peptide, Kohlenhydrate oder Lipide, können so konstruiert sein, dass
sie an eine aktive Stelle von ECM-Molekülen binden und dadurch ihre
Aktivitäten
hemmen. Moleküle,
wie z.B. Peptide, können
jedoch die Aktivitäten
von ECM-Molekülen
verstärken
oder potenzieren. Eine pharmazeutische Zusammensetzung kann eine
biologisch wirksame Menge eines Polypeptids und einen) pharmazeutisch
annehmbares/n Adjuvans, Verdünner
oder Träger
umfassen. Eine „biologisch
wirksame Menge" des
Biomaterials ist eine Menge, die ausreicht, um eine nachweisbare
Reaktion in der biologischen Probe zu bewirken, wenn sie mit einer
Kontrolle verglichen wird, der das Biomaterial fehlt.
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Ein
weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein gereinigtes und isoliertes
Polynucleotid, das eine Sequenz umfasst, die für ein Fragment der Erfindung
kodiert. Ein Polynucleotid gemäß der Erfindung
kann DNA oder RNA sein, einzel- oder doppelsträngig, und kann von einer nativen
Quelle gereinigt und isoliert werden oder kann unter Anwendung synthetischer
oder Rekombinationstechniken, die auf dem Gebiet der Erfindung bekannt
sind, produziert werden. Vektoren, die ein Polynucleotid gemäß der Erfindung
umfassen, sind ebenfalls vorgesehen. Außerdem können Wirtszellen mit solch
einem Polynucleotid oder Vektor transformiert oder transfiziert
werden.
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Ein
Verfahren zur Herstellung eines Fragments gemäß der Erfindung kann das Exprimieren
eines Polynucleotids, das für
ein Fragment gemäß der vorliegenden
Erfindung kodiert, in einer geeigneten Wirtszelle und das Reinigen
des Fragments umfassen. Andere Verfahren zum Herstellen eines Fragments
der Erfindung verwenden Techniken, die auf dem Gebiet der Erfindung
bekannt sind, wie z.B. die Isolierung und Reinigung nativer Polypeptide
oder die Verwendung synthetischer Techniken zur Polypeptidproduktion.
Im Speziellen umfasst ein Verfahren der Reinigung eines ECM-Signalmoleküls, wie
z.B. menschliches Cyr61, die Schritte des Identifizierens einer
Quelle, die menschliches Cyr61 enthält, des Aussetzens der Quelle
gegenüber
einem für
menschliches Cyr61 spezifischen Biomolekül, das Cyr61 bindet, wie z.B.
Anti-Human-Cyr61-Antikörper, und
des Eluierens des menschlichen Cyr61 vom Antikörper oder anderen Biomolekül, wodurch
das menschliche Cyr61 gereinigt wird.
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Ein
Verfahren zur Behandlung eines massiven Tumors kann den Schritt
der Zufuhr einer therapeutisch wirksamen Menge eines Cyr61-Inhibitors
an ein Individuum umfassen, wodurch die Neovaskularisierung des Tumors
gehemmt wird. Inhibitoren umfassen, sind jedoch nicht eingeschränkt auf,
Inhibitorpeptide, wie z.B. Peptide, die ein „RGD"-Motiv aufweisen, und Zytotoxine, die
frei oder an Moleküle,
wie z.B. Cyr61, gebunden sein können.
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Eine
biologisch wirksame Menge eines ECM-Signalmoleküls, z.B. Cyr61, kann an ein
Tier verabreicht werden, um die Organregeneration zu fördern. Das
beeinträchtigte
Organ kann das Ergebnis eines Traumas, z.B. eines chirurgischen
Eingriffs, oder einer Krankheit sein. Ein weiteres Verfahren betrifft
das Verbessern der Vaskularisierung von Transplantaten, z.B. Hauttransplantaten.
Ein weiteres Verfahren betrifft einen Prozess zur Förderung
von Knochenimplantation, einschließlich Knochentransplantaten.
Das Verfahren zur Förderung der
Knochenimplantation umfasst gegebenenfalls den Schritt des Kontaktierens
eines Knochenimplantats oder einer Rezeptorstelle mit einer biologisch
wirksamen (d.h. chondrogenisch wirksamen) Menge eines ECM-Signalmoleküls. Der
Kontaktierungsschritt kann durch Aufbringen des ECM-Signalmoleküls auf einen
biokompatiblen Verband, wie z.B. einer bioabbaubaren Gaze, und Kontaktieren
des Verbands mit einem Knochenimplantat bewirkt werden, wodurch
die Knochenimplantation gefördert
wird. Die Knochenimplantate umfassen natürliche Knochen und Fragmente
davon sowie leblose natürliche
und synthetische Materialien, die biokompatibel sind, wie z.B. Prothesen.
Zusätzlich
zur direkten Aufbringung eines ECM-Signalmoleküls auf eine(n) Knochen, Prothese
oder Rezeptorstelle können
auch Matrixmaterialien zur kontrollierten Freisetzung des ECM-Signalmoleküls verwendet
werden, zusätzlich
zu solchen Applikationsmaterialien wie Gazen.
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Verfahren
zur Behandlung von Erkrankungen oder Leiden, wie z.B. Erkrankungen
im Zusammenhang mit der Genunter- oder -überexpression, können die
Zufuhr einer therapeutisch wirksamen Menge eines ECM-Signalmoleküls (z.B.
eines Cyr61-Polypeptids,
Fisp12, CTGF) oder eines biologisch aktiven Fragments davon oder
eines Modulators einer Cyr61-Integrin-Rezeptor-Wechselwirkung umfassen,
wobei ein auf dem Gebiet der Erfindung bekanntes Zufuhrmittel eingesetzt
wird. Ein Verfahren zur Modulation von Genexpression kann den Schritt
des Verabreichens einer biologisch wirksamen Menge eines menschlichen
Cyr61-Fragments an eine Zelle umfassen, die zu einer Cyr61-modulierten
Genexpression in der Lage ist.
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Ein
Verfahren zur Behandlung eines Leidens, das durch einen Defekt in
glattem Muskelgewebe in einem Säugetier
gekennzeichnet ist, umfasst gegebenenfalls folgende Schritte: (a)
Identifizieren eines Säugetiers,
das eine Behandlung des Leidens benötigt, und (b) Verabreichen
einer Zusammensetzung an das Säugetier,
die einen Modulator einer Wechselwirkung zwischen Cyr61 und einem α6β1-Integrin-Rezeptor
umfasst, in einer Menge, die zur Linderung der Symptome des Leidens
im Säugetier
wirksam ist. Ein Beispiel für
einen Modulator ist aus der Gruppe ausgewählt, die aus Heparin, Heparansulfat
und einem Polypeptid besteht, das einen α6β1-Integrin-Rezeptor bindet.
Eines aus einer Vielzahl von geeigneten Mitteln zur Verabreichung
der Zusammensetzung umfasst das Exprimieren einer exogenen Polypeptid-Kodierregion in Zellen
des Typs, der vom Leiden betroffen ist. Wiederum umfassen Beispiele
für Cyr61-Polypeptid
Fragmente von Cyr61, wie z.B. ein Fragment, das eine Sequenz umfasst,
die aus der aus den Resten 280-290 der Seq.-ID Nr. 4 und den Resten
306-312 der Seq.-ID Nr. 4 bestehenden Gruppe ausgewählt ist.
Leiden, die durch das Verfahren behandelt werden können, umfassen
ein Leiden, das aus der aus Atherosklerose, Herzerkrankungen, Tumorwachstum, Tumormetastasen,
Fibrose, Leiden in Zusammenhang mit inadäquater Angiogenese, Leiden
in Zusammenhang mit aberrierender Granulationsgewebeentwicklung,
aberrierendem Fibroblastenwachstum und Wunden bestehenden Gruppe
ausgewählt
ist.
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Zahlreiche
weitere Aspekte und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden bei
Betrachtung der folgenden Abbildung und ausführlichen Beschreibung offensichtlich.
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KURZBESCHREIBUNG DER ABBILDUNG
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1 stellt
die vergleichenden Aminosäuresequenzen
von Elementen der Cysteinreichen Proteinfamilie wachstumsregulierender
Proteine dar.
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AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
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Bei
der Maus wurde gezeigt, dass das Cyr61-Protein die Zelladhäsion, -migration
und -vermehrung beeinflusst. Das cyr61-Gen, das für Cyr61
kodiert, ist ein unmittelbar frühes
Gen, das durch Serum-Wachstumsfaktoren in Maus-Fibroblasten transkriptionell
aktiviert wird. Lau et al., EMBO J. 4, 3145-3151 (1985); Lau et
al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84, 1182-1186 (1987). Die für Maus-cyr61-cDNA
kodierende Sequenz ist in Seq.-ID Nr. 1 dargelegt. (Die für Human-cyr61-cDNA
kodierende Sequenz wird in Seq.-ID Nr. 3 bereitgestellt.) Die Aminosäuresequenz
von Maus-Cyr61 ist in Seq.-ID Nr. 2 dargelegt. (Die Human-Cyr61-Aminosäuresequenz
ist in Seq.-ID Nr. 4 dargestellt.) Cyr61 ist ein Polypeptid von
41 kDa Länge,
das 39 Cysteinreste enthält, wobei
ungefähr
10 % der 379 Aminosäuren
das unprozessierte Enzym ausmachen. Yang et al., Cell Growth & Diff. 2, 351-357
(1991). Untersuchungen haben offenbart, dass Maus-Cyr61 Heparin
bindet und sekretiert wird. Yang et al. Im Einklang mit der beobachteten
Sekretion von Cyr61 steht die Identifizierung einer N-terminalen Signalsequenz
im naszierenden Cyr61, die von der Untersuchung der Maus-cyr61-cDNA-Sequenz
abgeleitet wurde. Yang et al. Außerdem findet sich Cyr61 nicht
im konditionierten Medium kultivierter, cyr6l exprimierender Zellen,
findet sich jedoch mit der extrazellulären Matrix (ECM) und der Zelloberfläche assoziiert. Yang
et al. Strukturell ähnliche,
Cystein-reiche Säugetierproteine
sind charakterisiert worden.
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Fisp12,
ein Cystein-reiches Maus-Protein, zeigt strukturelle Ähnlichkeit
mit Cyr61. Die für
Fisp12 kodierende cDNA-Sequenz ist in Seq.-ID Nr. 5 dargelegt; die
Aminosäuresequenz
von Fisp12 ist in Seq.-ID Nr. 6 dargestellt. Maus-Fisp12 beeinflusst
wie Cyr61 die Zelladhäsion,
-vermehrung und -migration. Das Human-Ortholog von Fisp12 ist Bindegewebe-Wachstumsfaktor
(CGTF), ein Protein mit ähnlicher
Struktur und Funktion wie Cyr61. Fisp12 und CTGF sind jedoch von
Cyr61 unterscheidbar. Beispielsweise findet sich ein höherer Anteil
von sekretiertem Fisp12 im Kulturmedium als es für Cyr61 der Fall ist; ein entsprechend
niedrigerer Anteil von Fisp12, als es für Cyr61 der Fall ist, ist im
Bereich exprimierender Zellen (Zelloberfläche und nahe gelegene extrazelluläre Matrix)
lokalisiert. Zusätzliche Ähnlichkeiten
und Unterschiedlichkeiten unter den ECM-Signalmolekülen der
Erfindung umfassenden Proteinen werden in den hierin unten stehenden
Ausführungen
offensichtlich.
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Beispiel
1 beschreibt die Klonierung von Polynucleotiden, die für Elemente
der Cystein-reichen Proteinfamilie von ECM-Signalmolekülen kodieren;
Beispiel 2 beschreibt Sequenzanalysen; Beispiel 3 beschreibt RNA-Analysen;
Beispiel 4 beschreibt die Produktion transgener Tiere; Beispiel
5 beschreibt die Expression von Cyr61-Polypeptiden; Beispiel 6 beschreibt
die Expression von Fisp12-Polypeptiden; Beispiel 7 legt Verfahren der
Polypeptidreinigung dar; Beispiel 8 stellt eine Charakterisierung
von Cyr61-Polypeptiden bereit; Beispiel 9 offenbart einen Heparin-Bindungstest für die Polypeptid-Elemente
der Cystein-reichen Proteinfamilie; Beispiel 10 betrifft Rezeptoren
für Cyr61-Polypeptide;
Beispiel 11 beschreibt Anti-ECM-Signalmolekül-Antikörper; Beispiel
12 betrifft inhibierende Peptide; Beispiel 13 beschreibt Zelladhäsion und
auf Polypeptid basierende Verfahren zum Beeinflussen des Prozesses
der Zelladhäsion;
Beispiel 14 beschreibt Polypeptid-beeinflusste Migration von Fibroblasten;
Beispiel 15 beschreibt die Migration von Endothelzellen und In-vitro-Tests
für die
Migration; Beispiel 16 beschreibt einen In-vitro-Test für Inhibitoren
der Endothelzellen-Migration; Beispiel 17 beschreibt einen In-vivo-Test
für Endothelzellen-Migration;
Beispiel 18 beschreibt Mitogen-Potenzierung durch Cyr61- und Fisp12-Polypeptide;
Beispiel 19 beschreibt einen In-vivo-Hornhaut-Test für angiogene
Faktoren und Modulatoren; Beispiel 20 betrifft Verfahren zum Beeinflussen
der Blutgerinnung unter Verwendung von ECM-Signalmolekülen; Beispiel
21 offenbart die Verwendung der Polypeptide für hämatopoetische Ex-vivo-Stammzellenkulturen;
Beispiel 22 betrifft Organregeneration; Beispiel 23 beschreibt Chondrogenese
und die Expression von extrazellulären Matrix-Signalmolekülen und
Mesenchymzellen; Beispiel 24 beschreibt die Förderung von Zelladhäsion im
Chondrogenese-Prozess
unter Verwendung von Cyr61-Polypeptiden; Beispiel 25 beschreibt
Chondrogenese und den Einfluss von Cyr61-Polypeptiden auf die Zellaggregation;
Beispiel 26 beschreibt die Förderung
der Zellvermehrung durch Cyr61-Polypeptide im Chondrogenese-Prozess;
Beispiel 27 betrifft Verfahren zur Verwendung der ECM-Signalmoleküle, um Chondrogense
zu beeinflussen; Beispiel 28 stellt genetische Ansätze zur
Verwendung der ECM-Signalmoleküle
bereit; Beispiel 29 beschreibt Fibroblastenadhäsion; Beispiel 30 betrifft
Angiogenese; Beispiel 31 bezieht sich auf Insertionsinaktivierung
oder Knock-out-Genkonstrukte; Beispiel 32 beschreibt die Adhäsion an
Blutplättchen
und Makrophagen; und Beispiel 33 beschreibt Peptidmodulatoren von
Cyr61-Aktivität.
Diese Beispiele sind zur Illustration und sollten nicht dahingehend
ausgelegt werden, dass sie den Schutzumfang der Erfindung einschränken.
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Beispiel 1
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Polynucleotid-Klonierung
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Zuerst
wurde der Versuch unternommen, eine Human-cyr61-cDNA aus einer Human-Plazenta-cDNA-Bibliothek
durch Sondieren mit der Maus-cyr61-cDNA-Sequenz unter Anwendung
von Techniken zu isolieren, die auf dem Gebiet der Erfindung standardmäßig eingesetzt
werden. Siehe Sambrook et al. Die Isolierung der vollständigen Maus-cyr61-cDNA
aus einer BALB/c-3T3-(ATCC CRL-1658) cDNA-Bibliothek ist beschrieben
worden. O'Brien
et al., Mol. Cell. Biol. 10, 3569-3577 (1990). Die Nucleotid- und
abgeleiteten Aminosäuresequenzen
von Maus-cyr61 sind von der GenBank-Datenbank unter der Zugangsnummer
M32490 erhältlich.
Die Nucleotidsequenz von Maus-cyr61 ist in Seq.-ID Nr. 1 dargestellt,
die Maus-Cyr61-Aminosäuresequenz
ist in Seq.-ID Nr. 2 dargestellt.
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Die
Human-cDNA-Bibliothek wurde unter Verwendung von λgt11 (Promega
Corp., Madison, WI) als Vektor konstruiert, der in E. coli transfiziert
und auf LB-Agar ausplattiert wurde. Ein in pGEM-2 (O'Brian et al. (1990))
kloniertes Maus-cDNA-Expressionskonstrukt, das die gesamte für Maus-cyr61
kodierende Sequenz (Nucleotide 56-1560, unter Anwendung der Nummerierung
von O'Brian et al.
(1990); siehe Seq.-ID
Nr. 1) enthielt, wurde als Sonde verwendet. Die Maus-cDNA-Sonde
wurde durch Standardtechniken auf dem Gebiet der Erfindung radioaktiv
markiert. Sambrook et al. Plaque-Screenings unter Verwendung der
Maus-Sonde wurden mittels Standardtechniken durchgeführt. Sambrook
et al.
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Im
Spezielleren wurden Agarplatten, die die oben beschriebene Human-cDNA
enthielten, gegenüber Nitrozellulosefiltern
(BA85, 82 mm, Schleicher & Schuell,
Keene, NH) ausgesetzt und auf jede Platte gegeben. Nach Adsorption
der Plaques (ungefähr
20 Minuten) wurden die Filter entfernt und ungefähr 30 Minuten lang luftgetrocknet.
Anschließend
wurde jedes Filter nacheinander für 30-60 Sekunden in 0,2 M NaOH,
1,5 M NaCl (100 ml); 2 × SSC,
0,4 M Tris-HCl, pH 7,4 (100 ml); und 0,2 × SSC (100 ml) eingetaucht.
Die Filter wurden dann bei Raumtemperatur ungefähr 1 Stunde lang getrocknet
und bei 80°C
unter Vakuum 2 Stunden lang behandelt. Die Filter wurden mit radiomarkierter
Maus-cyr61-cDNA sondiert. Die übermäßig hohe
Anzahl an Signalen, die auf einen hohen Wert an falschen positiven
Signalen von verwandten Sequenzen hinweist, verhinderte die Identifikation
von cyr61-cDNA.
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Unter
Zuhilfenahme einer komplizierten, cyr61-spezifischen Klonierungsstrategie
wurden Human-cyr61-cDNA-Klone mit Sonden identifiziert, die mittels
RT-PCR erzeugt wurden. Im Speziellen war die Sonde für das Screening
der Human-Plazenta-cDNA-Bibliothek
ein mit degenerierten Primern mittels RT-PCR von Gesamt-RNA aus
logarithmisch wachsenden WI38-Zellen erzeugtes PCR-Fragment. Die
Primer wurden von denjenigen Sequenzen hergeleitet, die der am meisten
konservierten Region des offenen Leserasters der Maus-cyr61-cDNA
entsprechen. Einer der Primer, H61-5 [5'-GGGAATTCTG(TC)GG(GATC)TG(TC)TG(TC)AA(GA)GT(GC)TG-3'] genannt, enthält eine
degenerierte Sequenz, die mit Ausnahme der „GGGAATTC"-Sequenz
am 5'-Ende, die
zur Einführung
einer EcoRI-Stelle verwendet wurde, von den Nucleotiden 327-346
(Sinn-Strang) der in Seq.-ID Nr. 1 dargelegten Maus-cyr61-Sequenz hergeleitet
ist. Die Degenerierungen treten in Positionen auf, die der dritten
Position der Codons in Seq.-ID Nr. 1 entsprechen. Der zweite für die PCR-Amplifizierung einer
Human-cyr61-Sequenz verwendete Primer wurde H61-3 [5'-CCGGATCC(GA)CA(GA)TT(GA)TA(GA)TT(GA)CA-3'] genannt, der mit
Ausnahme der 5'-Sequenz „CCGGATCC", die zur Einführung einer
BamHI-Stelle verwendet wurde, dem Anti-Sense-Strang entspricht, der
zu den Nucleotiden 1236-1250 der in Seq.-ID Nr. 1 dargelegten Maus-cyr61-Sequenz
komplementär
ist. Die Degenerierungen treten in Positionen auf, die zu den dritten
Positionen der in Seq.-ID Nr. 1 dargelegten Codons in Maus-cyr61
komplementär
sind. Die amplifizierte cyr61-cDNA
wurde in pBlueScript-SK+-Vektor (Stratagene,
La Jolla, CA) kloniert und mit einem Sequenase-II-Set (U.S. Biochemicals,
Cleveland, OH) sequenziert.
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Reihen-Screenings
der Human-Plazenta-cDNA-Bibliothek führten zur Isolierung eines
Klons, der eine Human-cyr61-cDNA enthielt. Die Human-cyr61-cDNA
hat eine Länge
von ungefähr
1.500 Basenpaaren. Die Human-cDNA ist auf einem in die EcoRI-Stelle
in pGEM-2 klonierten EcoRI-Fragment enthalten. Wie in Seq.-ID Nr.
3 gezeigt, umfasst die Human-cDNA-Sequenz die gesamte kodierende
Region für
Human-Cyr61, gemeinsam mit 120 bp 5'-flankierender Sequenz und ungefähr 150 bp
3'-flankierender
Sequenz.
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Die
Polynucleotide der Erfindung können
völlig
oder teilweise synthetisch, DNA oder RNA und einzel- oder doppelsträngig sein.
Weil Polynucleotide der Erfindung für Fragmente eines Cyr61-Proteins
kodieren, kodieren die Polynucleotide für eine Teilsequenz von Cyr61.
Polynucleotidsequenzen der Erfindung sind für die Produktion von Cyr61
durch Rekombinationsverfahren und als Hybridisierungssonden für Polynucleotide zweckdienlich,
die für
Cyr61 kodieren.
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DNA-Polynucleotide
gemäß der Erfindung
umfassen genomische DNAs, cDNAs und Oligonucleotide, die eine kodierende
Sequenz eines Cyr61-Fragments oder eines Analogons davon wie oben
beschrieben umfassen, das zumindest eine der biologischen Aktivitäten eines
ECM-Signalmoleküls
beibehält,
wie z.B. die Fähigkeit,
Zelladhäsion,
Zellmigration oder Zellvermehrung in solchen biologischen Prozessen
wie Angiogenese, Chondrogenese und Onkogenese zu fördern, oder
die Fähigkeit,
einen ein ECM-Signalmolekül
erkennenden Antikörper
hervorzurufen.
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Andere
Polynucleotide gemäß der Erfindung
unterscheiden sich in ihrer Sequenz von Sequenzen, die innerhalb
nativer Cyr61-Polynucleotide enthalten sind (d.h. durch die Addition,
Deletion, Insertion oder Substitution von Nucleotiden), unter der
Voraussetzung, dass die Polynucleotide für ein Protein kodieren, das
zumindest eine der biologischen Aktivitäten eines ECM-Signalmoleküls beibehält. Eine
Polynucleotidsequenz der Erfindung kann sich von einer nativen Cyr61-Polynucleotidsequenz
durch stille Mutationen unterscheiden, die die Sequenz der darin
kodierten Aminosäuren
nicht verändern.
Außerdem
können
Polynucleotide der Erfindung ein Cyr61-Fragment festlegen, das sich in der
Aminosäuresequenz
von nativen Cyr61-Fragmenten
wie oben beschrieben unterscheidet. Beispielsweise sind Polynucleotide,
die für
Polypeptide kodieren, die sich in ihrer Aminosäuresequenz von nativen Cyr61-Fragmenten
durch konservativen Ersatz eines oder mehrerer Aminosäurereste
unterscheiden, in der Erfindung vorgesehen. Die Polynucleotide der
Erfindung können
unter standardmäßigen stringenten
Bedingungen an Polynucleotide hybridisieren, die für ein Cyr61-Fragment
der Erfindung kodieren, oder die hybridisieren würden, wenn es keine Degeneration
des genetischen Codes gäbe.
Beispielhafte stringente Hybridisierungsbedingungen umfassen die
Hybridisierung bei 42°C
in 50 % Formamid, 5 × SSC,
20 mM Na·PO4, pH 6,8 und Waschen in 0,2 × SSC bei
55°C. Dem
Fachkundigen ist klar, dass die Variation dieser Bedingungen auf
Basis der Länge
und des GC-Nucleotidgehalts der zu hybridisierenden Sequenzen erfolgt.
Formeln, die auf dem Gebiet der Erfindung standardmäßig verwendet
werden, sind für
die Ermittlung der exakten Hybridisierungsbedingungen geeignet.
Siehe Sambrook et al., Molecular Cloning: A Laboratory Manual, 2.
Aufl., Cold Spring Harbor Laboratory Press, §§ 9.47-9.51 (1989).
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Cyr61-Polynucleotide,
die RNA umfassen, liegen ebenfalls im Schutzumfang der vorliegenden
Erfindung. Andere RNA-Polynucleotide der Erfindung umfassen RNAs,
die sich von einer nativen Cyr61-mRNA durch die Insertion, Deletion,
Addition oder Substitution von Nucleotiden (siehe oben) unterscheiden,
unter der Voraussetzung, dass sie für ein Polypeptid kodieren,
das eine mit einem ECM-Signalmolekül in Verbindung stehende biologische
Aktivität
beibehält.
Weitere RNAs der Erfindung umfassen Anti-Sense-RNAs (d.h. RNAs, die
eine RNA-Sequenz umfassen, die zu einer Cyr61-mRNA komplementär ist).
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Demgemäß wurde
ein Satz von DNA-Fragmenten, die gemeinsam die Human-cyr61-cDNA umfassen, in
pGEM-2 und M13-Derivaten unter Anwendung von Verfahren geklont,
die auf dem Gebiet der Erfindung wohl bekannt sind, um die Nucleotidsequenzanalysen
zu erleichtern. Die pGEM-2-Klone stellten Substrate für die enzymatische
Erzeugung von Reihen-Deletionen unter Anwendung von Techniken bereit,
die auf dem Gebiet der Erfindung bekannt sind. Diese Sammlung von
Klonen, die gemeinsam eine Reihe von DNA-Fragmenten enthielten,
die verschiedene Abschnitte der für cyr61-cDNA kodierenden Region
umfassten, sind in den Verfahren der Erfindung zweckdienlich. Die
resultierenden Reihen von geschachtelten pGEM-2-Klonen stellten ihrerseits Substrate
für Nucleotidsequenzanalysen
unter Verwendung der enzymatischen Kettenterminationstechnik bereit.
Die Fragmente sind auch als Nucleinsäuresonden und zur Herstellung
von Cyr61-Deletions- oder Trunkations-Analoga zweckdienlich. Beispielsweise
können
die cyr61-cDNA-Klone verwendet werden, um cyr61-Klone aus Human-Gen-Bibliotheken,
die im Handel erhältlich
sind, zu isolieren. (Clontech Laboratories Inc., Palo Alto, CA.)
Genomische Klone können
ihrerseits verwendet werden, um den cyr61-Locus, einen Locus, der
mit einem bekannten Krankheits-Locus assoziiert ist, im Human-Genom
zu kartieren.
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Die
Polynucleotide der Erfindung können
in einer Vielzahl von Vektoren enthalten sein, einschließlich Plasmid-,
Virus- (z.B. prokaryotischen und eukaryotischen Virusvektoren, die
von Lambda-Phagen, Herpesviren, Adenovirus, Adeno-assoziierten Viren,
Cytomegalovirus, Vacciniavirus, der M13-f1-fd-Familie von Viren, Retroviren,
Baculovirus und anderen hergeleitet sind), Phagemid-, Cosmid- und
YAC- (d.h. Yeast-Artificial-Chromosome) Vektoren.
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Die
Polynucleotide der Erfindung können
innerhalb von heterologen Polynucleotid-Umgebungen enthalten sein. Polynucleotide
der Erfindung sind in heterologe Genome insertiert worden, wodurch
Transgene und transgene Tiere gemäß der Erfindung erzeugt wurden.
Im Speziellen sind zwei Arten von Genfusionen, die Maus-cyr612-Teilgensequenzen
enthalten, verwendet worden, um transgene Mäuse zu erzeugen. (Siehe unten.)
Eine Art von fusioniertem Gen rekombinierte die kodierende Sequenz
von cyr61 mit einem von drei verschiedenen Promotoren: 1) dem Keratin-Promotor
K14, 2) dem β-Actinpromotor
oder 3) dem Phosphoglycerokinase-Promotor. Adra et al., Gene 60,
65-74 (1987). Diese Fusionskonstrukte wurden unter Anwendung von
Standardtechniken, wie unten im Zusammenhang mit einer Phosphoglycerokinase-Promotor- (pgk-1-) cyr61-Fusion
beschrieben wird, erzeugt. Ein genomisches XhoI-Scal-DNA-Fragment, das die gesamte für cyr61
kodierende Region und alle Introns enthält, dem jedoch die Transkriptionsinitiationsstelle
und das Polyadenylierungssignal fehlt, wurde in Plasmid pgk/β-gal kloniert,
wobei die für
lacZ kodierende Sequenz ersetzt wurde. Das resultierende Konstrukt
stellte cyr61 unter die Kontrolle des starken pgk-1-Promotors, der
in allen Zellen aktiv ist.
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Die
zweite Art der Genfusion rekombinierte die cyr61-Expressionskontrollsequenzen
(d.h. Promotor) mit der für
E.-coli-β-Galactosidase
kodierenden Sequenz. Das cyr61-lacZ-Fusionsgen
wurde unter Anwendung des folgenden Ansatzes konstruiert. Ein die
Nucleotide –2065
bis +65 in Bezug auf das Transkriptionsinitiationsnucleotid umfassendes
DNA-Fragment wurde verwendet, um den pgk-1-Promotor (Adra et al.,
Gene 60, 65-74 (1987)) im Plasmid pgk/β-gal durch stumpfendige Klonierung
zu ersetzen. Zusätzlich
wurde das Polyadenylierungssignal aus dem Rinder-Wachstumshormon-Gen
in das das Fusionsgen enthaltende Plasmid kloniert. Das resultierende
Konstrukt, Plasmid 2/lacZ, weist das E.-coli-lacZ-Gen unter transkriptioneller
Kontrolle eines 2-kb-DNA-Fragments auf, das den cyr61-Promotor enthält. Das
verwandte Plasmid 1.4/lacZ wurde von Plasmid 2lacZ durch Entfernen
von ungefähr
600 bp cyr61-DNA, die sich stromauf einer AflII-Stelle finden, hergeleitet.
Auch ähnelt
Plasmid 2M/lacZ dem Plasmid 2/lacZ mit der Ausnahme eines mittels
PCR erzeugten C→T-Übergangs
in der CArG-Box. Diese Konstrukte wurden aus den Vektoren durch
NotI-Verdau herausgeschnitten, mittels GeneClean (Bio101 Inc., La
Jolla, CA) gereinigt und dazu verwendet, um transgene Mäuse zu erzeugen
(siehe unten).
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Ein
für Maus-fisp12
kodierendes cDNA-Fragment ist ebenfalls mittels Standardtechniken
kloniert worden. Ryseck et al., Cell Growth & Diff. 2, 225-233 (1991), hierin
durch Verweis aufgenommen. Die Klonierung wurde durch Ligieren eines
die für
fisp12-cDNA kodierende Region enthaltenden XhoII-Fragments in BamHI-gespaltetes
pBlueScriptBacIII, einem Baculovirus-Expressionsvektor (Invitrogen
Corp., San Diego, CA), erzielt. Rekombinante Baculovirus-Klone wurden
wie in Summers et al., TX Ag. Exp. Sta., Bulletin 1555 (1987), beschrieben
erhalten.
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Das
Human-Ortholog von fisp12, das für
CTGF kodierende Gen, wurde durch Screenen einer Fusions-cDNA-Bibliothek
mit Anti-Blutplättchen-hergeleiteten
Wachstumsfaktor- (Anti-Platelet-Derived-Growth-Factor-, Anti-PDGF-)
Antikörpern,
wie in US-Patent
Nr. 5.408.040, Spalte 12, Zeile 16, bis Spalte 13, Zeile 29, beschrieben
kloniert. Die Screening-Strategie nutzte die immunologische Kreuzreaktivität von CTGF
und PDGF.
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Die
klonierten Kopien der cyr61-, fisp12- und ctgf-cDNAs stellen eine
fertige Quelle für
Polynucleotidsonden bereit, um die Isolierung genomischer kodierender
Regionen sowie allelischer Varianten der genomischen DNAs oder cDNAs
zu erleichtern. Außerdem
können
die existierenden cDNA-Klone oder Klone, die durch Sondieren wie
oben beschrieben isoliert wurden, verwendet werden, um transgene
Organismen zu erzeugen. Beispielsweise sind transgene Mäuse, die
cyr61 beherbergen, unter Anwendung von Standardtechniken wie im
nächsten
Beispiel beschrieben erzeugt worden.
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Ein
Klon, hCyr61-cDNA, der die in Seq.-ID Nr. 3 dargelegte Human-cyr61-cDNA-Sequenz
enthält,
und ein mit diesem Klon transformierter Bakterienstamm, Escherichia
coli DH5a (hCyr61cDNA), wurden bei der American Type Culture Collection,
12301 Parklawn Drive, Rockville, MD, 20852 USA, am 14. März 1997
hinterlegt.
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Beispiel 2
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Sequenzanalysen
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Die
Nucleotidsequenz von Maus-cyr61 ist beschrieben worden, O'Brian et al. (1990);
Latinkic et al., Nucl. Acids Res. 19, 3261-3267 (1991), und ist
hierin als Seq.-ID Nr. 1 dargelegt.
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Die
abgeleitete Aminosäuresequenz
von Maus-Cyr61 ist beschrieben worden, O'Brian et al. (1990), und ist in Seq.-ID
Nr. 2 dargelegt.
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Die
Nucleotidsequenz der Human-cyr61-cDNA wurde unter Anwendung des
Verfahrens von Sanger, wie in Sambrook et al. beschrieben, ermittelt.
Es wurden Sequenzierungstemplate durch Konstruieren einer Reihe
von verschachtelten Deletionen aus einem pGEM-2-Human-cyr61-cDNA-Klon
wie oben in Beispiel 1 beschrieben erzeugt. Die Human-cyr61-cDNA-Sequenz
ist in Seq.-ID Nr. 3 dargelegt. Die Aminosäuresequenz von Human-Cyr61
wurde von der Human-cyr61-cDNA-Sequenz abgeleitet und ist in Seq.-ID
Nr. 4 dargelegt.
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Ein
Vergleich von Maus- und Human-Cyr6l-Sequenzen, die in Seq.-ID Nr.
2 bzw. Seq.-ID Nr. 4 dargestellt sind, offenbart 91 % Ähnlichkeit.
Beide Sequenzen zeigen eine N-terminale Signalsequenz, die für ein prozessiertes
und sekretiertes Protein kennzeichnend ist; beide Proteine enthalten
ferner 38 Cysteinreste, die bei beiden Proteinen über das
gesamte Protein verteilt sind, jedoch den zentralen Regionen von
Maus- sowie Human-Cyr61 in besonderem Maße fehlen. Beachtenswerterweise
ist diese zentrale, von Cysteinresten freie Region diejenige Region
der höchsten
Sequenzabweichung zwischen den für
Maus- und Human-Cyr61 kodierenden Regionen. Jedoch sind die 5'-untranslatierten
Regionen der Maus- und Human-cyr61-cDNAs sogar stärker voneinander abweichend
(67 % Ähnlichkeit).
Im Gegensatz dazu sind die 3'-untranslatierten
Regionen die ähnlichsten
Regionen (91 % Ähnlichkeit).
Die Gesamtlänge
des kodierten Maus-Cyr61 beträgt
379 Aminosäuren;
die der Human-Cyr61 beträgt
381 Aminosäuren.
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Eine
fisp12-cDNA-Sequenz ist ebenfalls ermittelt worden und ist in Seq.-ID
Nr. 5 dargelegt. Die Aminosäuresequenz
von Fisp12 ist von der fisp12-cDNA-Sequenz abgeleitet worden und
ist in Seq.-ID Nr. 6 dargelegt. Ein Vergleich der Aminosäuresequenzen
von Maus-Cyr61 und -Fisp12 offenbart, dass die beiden Proteine zu
65 % identisch sind. Die Strukturähnlichkeit von Cyr61 und Fisp12
steht im Einklang mit ähnlichen Funktionseigenschaften
der beiden Proteine, die unten beschrieben sind.
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Eine
cDNA-Teilsequenz von CTGF, die die gesamte für CTGF kodierende Region enthält, ist
ebenfalls ermittelt worden. Die CTGF-cDNA-Sequenz wurde unter Verwendung
von M13-Klonen als Template für
die enzymatischen Sequenzierungsreaktionen wie beschrieben erhalten.
040-Patent, in Spalte 12, Zeile 68, bis Spalte 13, Zeile 14. Zusätzliche
Klonierung, gekoppelt mit doppelsträngigen enzymatischen Sequenzierungsreaktionen,
klärte
die gesamte Sequenz der für
CTGF kodierenden cDNA auf. US-Patent Nr. 5.408.040, Spalte 14, Zeile
44, bis Spalte 15, Zeile 8. Die Nucleotidsequenz der für CTGF kodierenden
cDNA ist hierin in Seq.-ID Nr. 7 dargestellt. Die abgeleitete Aminosäuresequenz
der für
CTGF kodierenden cDNA ist in Seq.-ID Nr. 8 dargestellt.
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Beispiel 3
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RNA-Analysen
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Polynucleotidsonden
sind zweckdienliche diagnostische Werkzeuge für angiogene und andere mit Cyr61-Expression
in Beziehung stehende Störungen,
da geeignet konstruierte Sonden Ort und Ausmaß der cyr6l-Genexpression auf
transkriptioneller Ebene offenbaren kann. Die Expression von cyr61
zeigt ihrerseits an, ob Gene, die den Prozess der Angiogenese kontrollieren,
in typischen oder erwarteten Ausmaßen exprimiert werden oder
nicht.
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Unter
Verwendung dieser Werkzeuge wurde das Maus-cyr61-mRNA-Expressionsmuster
unter Anwendung einer RNase-Schutztechnik ermittelt. O'Brian et al. (1992).
Im Speziellen wurde eine Antisense-Ribosonde mit 289 Nucleotiden
verwendet, die für
gewöhnlich
246 Nucleotide der Maus-cyr61-mRNA schützt (Nucleotide 67 bis 313
unter Verwendung der Nummerierung von O'Brian et al.). Die Tests zeigten das
Auftreten von cyr61-mRNA in PSA-1-Zellen (10 μg Gesamt-RNA) des undifferenzierten
Stadiums oder der Stadien 1, 2 und 3 der Differenzierung (PSA-1-Zellen
erfahren drei Stadien der Zelldifferenzierung, die Maus-Embryozellen
der folgenden Trächtigkeitsalter
in Tagen entsprechen: 4,5-6,5 (PSA-1-Stadium 1); 6,5-8,5 (PSA-1-Stadium
2); 8,5-10.5 (PSA-1-Stadium 3)). Ein Vergleich des Schutzes von
Embryo- und Plazenta-Gesamt-RNAs (je 20 μg) zeigte, dass cyr61 in embryonalen
Geweben zu Zeitpunkten exprimiert wird, die mit den Prozessen der
Zelldifferenzierung und -vermehrung zusammenfallen.
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Expressionscharakteristika
von Human-cyr61 wurden durch Northern-Analyse unter Anwendung von Techniken
ermittelt, die auf dem Gebiet der Erfindung standardmäßig eingesetzt
werden. Sambrook et al. RNA wurde aus der diploiden Human-Fibroblasten-Zelllinie
WI38 (ATCC CCL-75) isoliert. Außerdem
wurde RNA aus Rattenzellen (REF52), Hamsterzellen (CHO) und Affenzellen
(BSC40) isoliert. Jede dieser Zelllinien wurde in MEM-10 (Eagle's Minimal Essential
Medium mit Earle's
Salzen (Gibco-BRL Inc.), 2 mM Glutamin und 10 % Fötalkälberserum
(fcs)) zur Konfluenz gezüchtet
und zwei Tage lang in MEM-0,5 (ein Medium mit 0,5 % Serum) gehalten.
Die Kulturen wurden dann mit 20 % fcs in An- und Abwesenheit von
Cycloheximid durch auf dem Gebiet der Erfindung bekannte Verfahren
stimuliert. Lau et al. (1985, 1987). Zehn-Mikrogramm-Aliquoten von aus
diesen Zelllinien isolierter RNA wurden dann mittels Formaldehyd-Agarose-Gelelektrophorese
fraktioniert, transferiert und an Nitrozellulosefiltern immobilisiert
und gegenüber
einer [32P]-radiomarkierten Volllängen-Maus-cyr61-cDNA-Sonde
unter Hybridisierungsbedingungen hoher Stringenz ausgesetzt. Die
Human-cyr61-RNA-Expression war der Maus-cyr61-Expression ähnlich.
Sowohl Maus- als auch Human-cyr61-Expression lieferten RNAs von
ungefähr
2 Kilobasen. Sowohl die Maus- als auch die Human-Expression von
Cyr61 wurden außerdem
durch Serum stimuliert und waren gegen Cycloheximid resistent.
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Die
Verteilung von Human-cyr61-mRNA wurde ferner unter Verwendung mehrfacher
Gewebe-Northern-Blots (Clontech) untersucht. Die Blots wurden in
einer Express-Hyb-Lösung (Clontech)
gemäß den Anleitungen
des Herstellers hybridisiert. Die Ergebnisse zeigten, dass cyr61-mRNA
in menschlichem/r Herz, Lunge, Pankreas und Plazenta reichlich vorhanden
ist; in niedrigen Mengen in Skelettmuskel, Niere und Hirn vorhanden
ist; und in Leber nicht detektierbar ist. Diese Ergebnisse stehen
im Einklang mit der Expression von cyr61 in Mausgeweben.
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Außerdem wurde
zelluläre
Gesamt-RNA aus Human-Hautfibroblasten (HSFs) isoliert, die entweder
ruhend, exponentiell wachsend, von Serum stimuliert oder gegenüber Cycloheximid
ausgesetzt waren. HUVE-Zellen (ATCC CRL 1730) wurden in Ham's F12-Medium gehalten,
das mit 10 % fbs (Intergene), 100 μg/ml Heparin (Gibco BRL) und
30 μg/ml
Endothelzellen-Wachstumsergänzung
(Collaborative Biomedical Products) ergänzt war. Human-Hautfibroblasten
(HSF, ATCC CRL-1475) und WI38-Fibroblasten (ATCC CCL-75) wurden in
Dulbecco's Modified
Eagle's Medium (DMEM)
gezüchtet,
das mit 10 % fbs ergänzt
war. Ruhende HSFs wurden durch Züchten
in mit 10 % fbs ergänztem
DMEM bis zur Konfluenz, gefolgt von Mediumswechsel gegen 0,1 % fbs
enthaltendes DMEM 2 Tage lang hergestellt. Serum-Stimulierung wurde
durch Mediumswechsel auf 20 % fbs 1 Stunde lang durchgeführt. Wo angezeigt,
wurde Cycloheximid auf 10 μg/ml
gleichzeitig mit Serum 3 Stunden lang zugesetzt.
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RNAs
aus den oben erwähnten
Zellen wurden unter Anwendung einer Guanidinium-Isothiocyanat-Arbeitsvorschrift isoliert.
Chomczynski et al., Anal. Biochem. 162, 156-159 (1987). RNA-Proben wurden durch elektrophoretische
Trennung in Formaldehyd-Agarose-Gelen analysiert, gefolgt vom Transfer
auf Nylon-Filter. Die Blots wurden mit willkürlich geprimten Sonden hybridisiert,
die unter Verwendung von entweder cyr61 oder GAPDH als Templat erzeugt
wurden. Adams et al., Nature 355, 632-634 (1992). Die Ergebnisse zeigten an, dass
Human-cyr61-mRNA in ruhenden Human-Hautfibroblasten nicht nachweisbar,
in logarithmisch wachsenden und Serumstimulierten HSFs reichlich
vorhanden ist und durch Cycloheximid superinduziert wird.
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Die
Analyse von RNA, die für
CTGF kodiert, umfasste auch Techniken, die auf dem Gebiet der Erfindung
standardmäßig eingesetzt
werden. Im Speziellen umfasste die Untersuchung von RNA, die für CTGF kodiert,
die Isolierung von zellulärer
Gesamt-RNA und Northern-Analysen,
die wie in US-Patent Nr. 5.408.040, Spalte 11, Zeile 59, bis Spalte
12, Zeile 14, und Spalte 13, Zeilen 10-29. Es wurde eine 2,4-kb-RNA
identifiziert. Die Expression von CTGF war hoch in Plazenta, Lunge,
Herz, Niere, Skelettmuskel und Pankreas. Jedoch war die CTGF-Expression
in Leber und Hirn niedrig.
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Beispiel 4
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Transgene Tiere
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Die
Konstruktion transgener Mäuse,
die integrierte Kopien rekombinanter cyr61-Sequenzen trugen, wurde
unter Verwendung linearer DNA-Fragmente erzielt, die ein Fusionsgen
enthielten. Die für
cyr61 kodierende Sequenz wurde unabhängig voneinander an die β-Actin-,
K14- und pgk-Promotoren wie oben beschrieben fusioniert. Die Expression
von cyr61 wurde von diesen Promotoren in den transgenen Tieren angetrieben. Das
Fusionsgen wurde durch geeignete Restriktionsendonuclease-Verdauungen
mittels Standardtechniken produziert. Die Fusionsgenfragmente wurden
in Einzelzell-Zygoten von Swiss-Webster-Mäusen injiziert. Die injizierten
Zygoten wurden dann in scheinträchtige
Weibchen implantiert. Mehrere Würfe
von Mäusen
wurden auf diese Weise produziert. Neugeborene, die ungewöhnliche
Phänotypen
zeigten, wurden weiteren Analysen unterzogen. Beispielsweise zeigten
neugeborene tansgene Mäuse,
die cyr61 unter dem pgk-Promotor exprimierten, Skelettdeformationen,
einschließlich
gewellter Schwänze,
unbeweglicher Gelenke und verdrehter Extremitäten, was Fortbewegungsschwierigkeiten
bewirkte. Diese Mäuse
waren typischerweise verkümmert
und verendeten innerhalb von sieben Tagen nach der Geburt. Transgene
Mäuse,
die cyr61 unter dem β-Actin-Promotor
exprimierten, zeigten keinen offensichtlichen Phänotyp, außer dass die Mäuse kleiner
waren. Wenn Mäuse,
die das Transgen trugen, zum Inzucht-Stamm C57BL/6 rückgekreuzt
wurden, verkümmerten
die Nachkommen der Mäuse
mit fortgesetzter Rückkreuzung
in zunehmendem Maße.
Nach drei oder vier solcher Rückkreuzungen überleben
im Wesentlichen keine Nachkommen zur Reproduktion. Transgene Mäuse, die
cyr61 unter dem K14-Promotor exprimierten, zeigten eine Form von
fibrotischer Dermatitis. Die Pathologie umfasste ausgeprägte Oberflächenkratzwunden,
die manchmal in Blutungen resultierten. Transgene Organismen, die Knockout-Mutationen
von cyr61 aufwiesen, können
unter Anwendung dieser Standardtechniken ebenfalls erzeugt werden
(Hogan et al., Manipulating the Mouse Embryo: A Laboratory Manual,
Cold Spring Harbor Laboratory Press (1994)) und sind zweckdienlich
als Modelle von Krankheitszuständen.
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Beispiel 5
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Cyr61-Expression
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Natives
Cyr61 wird in Embryogeweben exprimiert und wird in einer Vielzahl
verwundeter Gewebe induziert. Siehe unten; siehe auch O'Brian et al. (1992).
Die Gewebeverteilung von Cyr61 wurde mit polyklonalen Kaninchen-Anti-Cyr61-Antikörpern untersucht,
die unter Anwendung herkömmlicher
immunologischer Technik (Harlow et al. (1987)) hervorgerufen und
affinitätsgereinigt
wurden. Unter Verwendung affinitätsgereinigter
polyklonaler Anti-Cyr61-Antikörper
wurde cyr61-Expression in einer Vielzahl von Geweben gefunden, einschließlich Glattmuskel,
Kardiomyozyten und Endothelen des kardiovaskulären Systems; Hirn, Rückenmark,
Ganglien und Neuronen und Retina des Nervensystems; Knorpel und
Knochen des Skelettsystems; Epidermis, Haar, Mund-Epithel und Hornhaut
der Haut; Bronchiolen und Blutgefäßen der Lunge; und Plazenta-Geweben.
Zusätzlich
zu den auf natives cyr61 (mRNA und Protein) gerichteten Expressionsuntersuchungen
haben Untersuchungen unter Verwendung von oben beschriebenen cyr61-Transgenen
zum Verständnis
der Erfinder über die
Cyr61-Expression beigetragen. Die Verwendung von Transgenfusionen,
die die Expressionskontrollsequenzen von cyr61 und die kodierende
Sequenz von lacZ (für β-Galactosidase
kodierend) umfassen, hat einen zweckmäßigen kolorimetrischen Test
für die
Proteinexpression bereitgestellt.
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Der
kolorimetrische Test umfasst die Verwendung von 5-Brom-4-chlor-3-indolyl-β-D-galactopyranosid (d.h.
X-Gal) als Substrat für β-Galactosidase,
das Genprodukt von lacZ. Die enzymatische Spaltung von X-Gal durch β-Galactosidase
produziert einen intensiv gefärbten
Indigo-Farbstoff, der für
histochemische Färbung zweckdienlich
ist. In der Praxis werden der Analyse unterzogene embryonale und
adulte Gewebe seziert und in 2 % Formaldehyd, 0,2 % Glutaraldehyd,
0,02 % Nonidet P-40 und 0,01 Natriumdesoxycholat in standardmäßiger phosphatgepufferter
Kochsalzlösung
(PBS) fixiert. Die Fixierungszeiten variierten von 15-120 Minuten in
Abhängigkeit
von der Größe und Dichte
von Organ- oder Embryoproben, die der Analyse unterzogen werden.
Anschließend
wurden die Proben in PBS gewaschen und über Nacht bei 37°C in einer
PBS-Lösung
gefärbt,
die 5 mM Kaliumferrocyanid, 5 mM Kaliumferricyanid, 2 mM MgCl
2, 0,02 % Nonidet P-40, 0,01 % Natriumdesoxycholat
und 1 mg/ml X-Gal (40 mg/ml in Dimethylsulfoxid (DMSO)) enthielt.
Die Proben wurden dann in PBS gespült, in 4 % Paraformaldehyd
1-2 Stunden lang nachfixiert und in 70 % Ethanol bei 4°C gelagert, bis
sie der mikroskopischen Untersuchung unterzogen wurden. Mäuse, die
das cyr61-lacZ-Transgen enthalten, wurden verwendet, um das Expressionsprofil
von cyr61 zu kartieren. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 für embryonales
Gewebe am Tag 12,5 dargestellt. Tabelle
1
- 1Transgene
Linien, S- stabile (etablierte) transgene Linien; T- vorübergehende
Linien
- 2 +/– Expressionsmuster nur teilweise
reproduziert.
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Die
Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cyr61 in einer Vielzahl embryonaler
Zelltypen exprimiert wird. Zusätzliche
Information wurden der ektopischen Expression von Cyr61 entnommen,
die aus einem anderen Typ von Transgenfusion resultiert, die eine
an die kodierende Sequenz von cyr61 gekoppelte heterologe Expressionskontrollsequenz
umfasst. Die Kontrollsequenzen, der K14-Keratin-Promotor, der β-Actin-Promotor und der
Phosphoglycerokinase-Promotor, steuerten die Expression von Cyr61
in einem Muster, das sich von seiner nativen Expression unterschied.
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Transgene
Mäuse,
die Cyr61 ektopisch exprimierten, waren üblicherweise kleiner als Mäuse der
Wildform und zeigten eine Verringerung der durchschnittlichen Lebensdauer.
Darüber
hinaus hatten diese transgenen Mäuse
abnormale Herzen (d.h. verdickte Kammerwände mit einer entsprechenden
Verminderung der inneren Kapazität)
und abnormale Skelette, die durch gekrümmte Wirbelsäulen, geschwollene
Gelenke bis zur Unbeweglichkeit und gewellte Schwänze gekennzeichnet
waren. Daher stört
die ektopische Expression von Cyr61 die Angiogenese (Blutgefäßentwicklung und
Herzentwicklung) und Chondrogenese (Skelettentwicklung). Außerdem können transgene
Mäuse,
die Knockout-Mutationen von cyr6l tragen, als Modelle von Krankheitszuständen entwickelt
und getestet werden, die mit dem Fehlen von Cyr61-Aktivität in Verbindung
stehen.
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Eine
Strategie für
die Expression von rekombinantem cyr61 wurde unter Verwendung eines
Baculovirus-Expressionsvektors in Sf9-Zellen konstruiert. Baculovirus-Expressionsvektoren
und Sf9-Zellen umfassende Expressionssysteme sind in Current Protocols
in Molecular Biology, Ausubel et al. (Hrsg.), §§ 16.9.1-16.12.6 (1987), beschrieben.
Die Expressionsstrategie wurde auf eine Weise durchgeführt, indem
die Maus-cyr61-cDNA in pBlueBac2, einem Transfervektor, kloniert
wurde. Der rekombinante Klon wurde gemeinsam mit AcMNPV- (d.h. Autographa-california-Kern-Polyhedrose-Virus
oder Baculovirus) Ziel-DNA zu Sf9-Zellen mittels Liposomvermittelter
Transfektion unter Verwendung des MaxBac-Sets (Invitrogen Inc.,
San Diego, CA) gemäß den Anleitungen
des Herstellers zugeführt.
Das rekombinante Virus wurde Plaque-gereinigt und durch drei Passagen
durch Sf9-Zellen über
Infektion amplifiziert.
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Konditioniertes
Medium von Sf9-Insektenzellen, die mit einem Baculovirus-Konstrukt
infiziert waren, das die Synthese von Maus-Cyr61 antreibt, wurde
als Quelle zur Reinigung von Cyr61 verwendet (siehe unten). Das
gereinigte rekombinante Cyr61 behält gewisse Eigenschaften des
endogenen Proteins bei, z.B. die Heparin-Bindungsaktivität von Cyr61
(unten beschrieben) aus 3T3-Fibroblastenzellen, und wies eine Struktur auf,
die dem endogenen Protein ähnlich
ist, wie durch unabhängige
Peptid-Profile offenbart
wurde, die durch Teilproteolyse unter Verwendung von Chymotrypsin
oder Trypsin (Sequenzierqualität;
Boehringer-Mannheim Inc., Indianapolis, IN) produziert wurden.
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Human-cyr61
wurde ebenfalls mit dem Baculovirus-System exprimiert. Ein Smal-HindIII-Fragment (den
Nucleotiden 100-1649 der Seq.-ID Nr. 3 entsprechend) von cyr61-cDNA,
das das gesamte offene Leseraster von Human-cyr61 umfasste, wurde
in einen pBlueBac3-Baculovirus-Expressionsvektor (Invitrogen) subkloniert.
Rekom binante Baculovirus-Klone wurden erhalten, Plaque-gereinigt
und durch drei Passagen von Sf9-Infektion unter Anwendung herkömmlicher
Techniken amplifiziert. Die Infektion von Sf9-Zellen und Human-Cyr61-
(hCyr61-) Reinigung wurde unter Anwendung von Standardtechniken
mit einigen Modifizierungen durchgeführt. Sf9-Zellen wurden in Serum-freiem
Sf900-II-Medium (Sigma) gehalten. Sf9-Zellen wurden zu 2-3 × 106 Zellen je 150-mm-Petrischale in Monolayer-Kulturen
ausgesät
und wurden mit 5 Plaque-bildenden Einheiten (PFU) des rekombinanten
Virus pro Zelle infiziert. Das konditionierte Medium wurde nach
8 und 96 Stunden nach Infektion gesammelt, durch Zentrifugation
(5000 × g,
5 Minuten) geklärt
und auf 50 mM MES (2-(N-Morpholino)ethansulfonsäure), pH
6,0, 1 mM PMSF (Phenylmethylsulfonylfluorid) und 1 mM EDTA eingestellt.
Das Medium wurde in einem Verhältnis
von 5 ml Sepharose-S-Perlen je 500 ml konditioniertem Medium mit
Sepharose-S-Perlen gemischt, die mit Beladungspuffer (50 mM MES,
pH 6,0, 1 mM PMSF, 1 mM EDTA, 150 mM NaCl) äquilibriert waren, und die
Proteine wurden bei 4°C
(über Nacht)
unter sanftem Schütteln an
die Sepharose S binden gelassen. Die Sepharose-S-Perlen wurden durch
Sedimentation ohne Rühren
20 Minuten lang gesammelt und auf die Säule aufgegeben. Die Säule wurde
mit 6 Volumina 0,3 M NaCl in Beladungspuffer gewaschen, und rekombinantes
Human-Cyr61 wurde mit einem Stufengradienten von NaCl (0,4-0,8 M)
in Beladungspuffer von der Säule
eluiert. Diese Prozedur resultierte in 3-4 Milligramm gereinigtem Cyr61-Protein
aus 500 ml konditioniertem Medium, und das gereinigte Cyr61 war
zu über
90 % rein, wie durch Coomassie-Blau-Färbung
von SDS-Gelen beurteilt wurde.
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Die
vollständige
Human-cyr61-cDNA kann alternativ in einen Cytomegalovirus-Vektor, wie z.B. pBK-CMV
(Stratagene, LaJolla, CA), unter Verwendung der Polymerasekettenreaktion
(Hayashi, in: PCR: The Polymerase Chain Reaction, Mullis et al.
(Hrsg.), Birkhauser, 3-13 (1994)) und Taq-Polymerase mit Editing-Funktion
kloniert werden, gefolgt von herkömmlichen Klonierungstechniken,
um das PCR-Fragment in einen Vektor zu insertieren. Der Expressionsvektor
wird dann durch Liposomvermittelte Transfektion in HUVE-Zellen eingeführt. Empfänger-Klone,
die das Vektor-getragene neo-Gen enthalten, werden mittels G418 selektiert.
Selektierte Klone werden vermehrt und die Cyr61-Expression mittels
Reverse-Transkription-Poly merasekettenreaktion (d.h. RT-PCR; Chelly
et al., in: PCR: The Polymerase Chain Reaction, Mullis et al. (Hrsg.),
Birkhauser, 97-109 (1994)) oder Enzyme-Linked-Immunosorbent-Assays
(d.h. ELISA; Stites et al., in: Basic and Clinical Immunology, Stites
et al. (Hrsg.), Appleton & Lange,
243 (1991)) identifiziert.
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Cyr61-Protein
kann auch in Bakterienzellen oder anderen Expressionssystemen (z.B.
Hefe) exprimiert werden, und zwar unter Verwendung der für cyr61-cDNA
kodierenden Region, die an Promotoren gebunden ist, die im verwendeten
Zelltyp operativ sind. Unter Verwendung von einem dieser Ansätze kann
Cyr61-Protein in einer Form erhalten werden, die direkt an Patienten,
z.B. durch intravenöse
Wege, verabreicht werden kann, um angiogene, chondrogene oder onkogene
Störungen
zu behandeln. Ein Fachkundiger wird üblicherweise anerkennen, dass
andere Verabreichungswege ebenfalls verfügbar sind, wie z.B. topische
oder lokale Anwendung, Liposom-vermittelte Abgabetechniken oder
subkutane, intradermale, intraperitoneale oder intramuskuläre Injektion.
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Beispiel 6
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Fisp12-Expression
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Die
Expression von Fisp12 und ein Vergleich der Expressionseigenschaften
von Cyr61 und Fisp12 wurden unter Anwendung immunhistochemischer
Techniken untersucht. Für
diese immunhistochemischen Analysen wurden Gewebeproben (siehe unten)
zunächst
2-4 lang Stunden einer Behandlung mit Methyl-Carnoy's-Fixiermittel (60
% Methanol, 30 % Chloroform und 10 % Eisessig) unterzogen. Dann
wurden sie entwässert,
geklärt
und in Paraplast-X-tra-Wachs bei 55-56°C für eine minimale Zeit infiltriert.
7 μm dicke
Abschnitte wurden auf mit Poly-L-Lysin beschichteten Objektträgern (Sigma)
gesammelt, montiert und entwachst. Dann wurden sie mit einer 0,03%igen
H2O2-Lösung in
Methanol 30 Minuten lang behandelt, um endogene Peroxidaseaktivität zu inaktivieren.
Nach Rehydratisierung wurden die Abschnitte 15 Minuten lang in Tris-gepufferte Kochsalzlösung (TBS:
10 mM Tris, pH 7,6 und 140 mM NaCl) gegeben. An diesem Punkt wurden
die Abschnitte geblottet, um überschüssi ges TBS
mit Papiertüchern
zu entfernen, und mit 3%igem normalen Ziegenserum in TBS 10 Minuten
lang in einer feuchten Kammer blockiert. Überschüssiger Puffer wurde dann abgetropft
und primäre
Antikörper
aufgegeben. Affinitätsgereinigte
Anti-Cyr61-Antikörper wurden
1:50 in 3%iger Normal-Ziegenserum-TBS-Lösung verdünnt. Die Verdünnung für affinitätsgereinigte
Anti-Fisp12-Antiköper
betrug 1:25. Die routinemäßige Kontrolle
war 3%iges Normal-Ziegenserum-TBS oder ein irrelevanter Antikörper (beispielsweise
monoklonales Anti-Glattmuskelzellen-a-Actin). Die Spezifität der Färbung wurde
durch Inkubation von Anti-Cyr61- oder Anti-Fisp12-Antikörpern mit
einem Überschuss
des entsprechenden Antigens auf Eis für zumindest zwei Stunden vor
dem Aufgeben auf Abschnitte bestätigt.
Es wurde vollständige
Konkurrenz beobachtet. Im Gegensatz dazu trat keine Kreuz-Konkurrenz
(Inkubation von Cyr61-Antikörpern
mit Fisp12-Antigen und umgekehrt) auf.
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Die
primären
Antikörper
wurden über
Nacht bei 4°C
auf den Abschnitten belassen. Sie wurden dann zweimal mit TBS gewaschen
und einer 30-minütigen
Inkubation mit Sekundärantikörpern bei
Raumtemperatur unterzogen. Die verwendeten Sekundärantikörper waren
Ziege-Anti-Kaninchen-Meerrettichperoxidase-Konjugate von Boehringer-Mannheim
Inc., Indianapolis, IN (in einer Verdünnung von 1:400 verwendet).
Die Abschnitte wurden zweimal in TBS gewaschen, und es wurde chromogenes
Meerrettichperoxidase-Substrat 5 Minuten lang angewendet (1 mg/ml
Diaminobenzidin in 50 mM Tris-HCl, pH 7,2 und 0,03 % H2O2). Die Abschnitte wurden dann in Ehrlichschem
Hämatoxylin
oder in Alcian-Blau gegengefärbt,
entwässert
und in Permount montiert.
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Maus-Embryos
zwischen Neuralfalten- (E8.5, Embryo-Tag 8,5) und spätem Organogenese-
(E18.5) Stadium der Entwicklung wurden geschnitten und der Immunfärbung mit
Antigen-affinitätsgereinigten
Kaninchen-Anti-Cyr61- und Anti-Fisp12-Antikörpern unterzogen. Während sich
verschiedene Organe im Zuge der Embryogenese entwickelten, wurde
die Anwesenheit von Cyr61 und Fisp12 bestimmt. Cyr61 und Fisp12
waren gemeinsam in einer Reihe von Geweben und Organen lokalisiert.
Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Plazenta, wo beide Proteine
leicht detektierbar waren. Im Speziellen wurden Cyr61 sowie Fisp12
in tropoblastischen Riesenzellen und um diese herum gefunden, was
die frühere
Detektion von cyr61-mRNA in diesen Zellen durch In-situ-Hybridisierung
(O'Brian und Lau
(1992)) bestätigt.
Sowohl Cyr61- als
auch Fisp12-Signale der immunhistochemischen Färbung wurden vom entsprechenden
Cyr61- oder Fisp12-Antigen blockiert, jedoch weder untereinander
noch durch irrelevante Proteine, was die Spezifität belegt.
Im Allgemeinen konnten Cyr61- und
Fisp12-Proteine sowohl intrazellulär, als auch extrazellulär detektiert
werden.
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Zusätzlich zur
Plazenta wurden sowohl Cyr61 als auch Fisp12 im kardiovaskulären System
detektiert, einschließlich
im Glattmuskel, in den Kardiomyozyten und Endothelen. Beide Proteine
wurden auch in den Bronchiolen und Blutgefäßen der Lunge gefunden. Niedrige
Ausmaße
an Anti-Cyr61- und Anti-Fisp12-Färbung
konnten vorübergehend
im Skelettmuskel detektiert werden. Diese Färbung ist mit der Bindegewebshülle und
nicht mit Myozyten assoziiert; in diesem Fall war das Färbemuster
eindeutig extrazellulär.
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Ein
komplexeres Verteilungsmuster wurde in der Epidermis und der Epithelen
gefunden. Sowohl Cyr61- als auch Fisp12-Färbung konnten in der frühen Einzelzellschicht
der embryonalen Epidermis sowie in der späteren mehrschichtigen, sich
differenzierenden Epidermis detektiert werden. Fisp12 in der Epidermis sank
mit dem Ende der Trächtigkeit
auf nicht nachweisbare Mengen ab und blieb so während der adulten Phase, wogegen
Cyr61 in der Epidermis leicht detektierbar war. Im Neugeborenen
wurde eine starke Färbung
von Fisp12 im Mund-Epithel beobachtet, wo die Cyr61-Färbung viel schwächer war,
während
Cyr61 im oberen Kieferknochen gefunden wurde, wo Fisp12 nicht beobachtet
wurde. Das Anti-Fisp12-Signal im Mund-Epithel erhöhte sich
allmählich
und blieb bis in die adulte Phase intensiv. In der Zunge wurden
sowohl Cyr61 als auch Fisp12 im keratinisierten Epithel beobachtet,
obgleich das Fisp12-Färbemuster,
nicht jedoch das von Cyr61, die Papilla filiformis ausschloss.
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Abgesehen
von den oben erwähnten
Stellen der Lokalisierung waren Cyr61 und Fisp12 ferner einzeln in
mehreren Organsystemen zugegen. Beispielsweise war Cyr61, nicht
jedoch Fisp12 in den Skelett- und Nervensystemen vorhanden. Wie
von den In-situ-Hybridisierungsexperimenten zu erwarten war (O'Brian und Lau (1992)),
konnte Cyr61-Protein in den Sklerotom-Massen von Somiten und in
Knorpel und Knochen in späteren Entwicklungsstadien
leicht detektiert werden. Im Gegensatz dazu war Fisp12 im Skelettsystem
nicht nachweisbar. Da die Korrelation mit der chondrozytischen Differenzierung
eine der markantesten Eigenschaften der cyr61-Expression ist (O'Brian und Lau (1992)),
könnte
das Fehlen von Fisp12 im Skelettsystem einen wichtigen Unterschied
bezüglich
der biologischen Rollen von Cyr61 und Fisp12 unterbewerten. Im E14.5-Embryo konnte
Cyr61 im ventralen Rückenmark,
in Dorsalganglien, Axialmuskel und Sklerotom-hergeleiteten knorpeligen
Wirbeln detektiert werden. Fisp12 wurde jedoch in diesen Geweben
nicht detektiert.
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Im
Gegensatz dazu war Fisp12 in verschiedenen Sekretionsgeweben für sich alleine
vorhanden. Beginnend bei E16.5 konnte Fisp12 in Pankreas, Nieren
und Speicheldrüse
detektiert werden. Im Pankreas war Fisp12 strikt auf die Peripherie
der Langerhans-Inseln begrenzt. In der Niere wurde eine starke Fisp12-Färbung in
den Sammelröhrchen
und Henle-Schleifen beobachtet, Regionen, wo Cyr61 nicht gefunden
wurde. In der schleimartigen submandibularen Speicheldrüse färbten sich
nur die Sammelkanäle
auf Fisp12, wogegen in der gemischten schleimig/serösen Submandibulardrüse sich
sowohl die serösen
Azini als auch die Sammelkanäle
färbten.
Das Signal in den Azini war peripher, was die Möglichkeit erhebt, dass Fisp12
Kapsel-assoziiert ist. In einfachen holokrinen Talgdrüsen wurde
ein starkes azelluläres
Fisp12-Signal detektiert.
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Zusammenfassend
sind Cyr61 und Fisp12 gemeinsam in der Plazenta, im kardiovaskulären System, in
Lunge und Haut lokalisiert worden. Kein Protein wurde weder im Verdauungssystem
noch in den endokrinen Drüsen
detektiert. Einzigartige Lokalisierung von Cyr61 kann im Skelettmuskel
und Zentralnervensystem detektiert werden, und Fisp12 findet sich
in Sekretionsgeweben, wo sich kein Cyr61 findet.
-
Ein
mit der Proteinexpression in engem Zusammenhang stehendes Thema
betrifft das metabolische Schicksal der exprimierten Proteine. Elemente
der Cystein-reichen Proteinfamilie sind lokalisiert worden. Wie oben
erörtert,
findet sich sekretiertes Cyr61 in der ECM und an der Zelloberfläche, nicht
jedoch im Kulturmedium (Yang und Lau (1991)), jedoch konnte Fisp12
im Kulturmedium leicht detektiert werden (Ryseck et al. (1991)).
Um die Frage anzusprechen, ob Fisp12 ebenfalls ECM-assoziiert ist,
wurde das Schicksal von Cyr61 sowie Fisp12 mittels Pulse-Chase-Experimenten
verfolgt. Serum-stimulierte, subkonfluente NIH-3T3-Fibroblasten
wurden metabolisch 1 Stunde lang Pulse-markiert und in kaltem Medium
für verschiedene
Zeitspannen verfolgt. Die Proben wurden in Zell-, ECM- und Medium-Fraktionen
fraktioniert, gefolgt von Immunpräzipitation, um Cyr61 und Fisp12
zu detektieren. Beide Proteine hatten eine ähnliche Halbwertszeit von ungefähr 30 Minuten
in der Zellfraktion, die neu synthetisierte intrazelluläre Proteine
sowie mit der Zelloberfläche
assoziierte, sekretierte Proteine (Yang und Lau (1991)) einschließt. Es sollte
angemerkt werden, dass der Hauptanteil von sekretiertem Cyr61 mit
der Zelloberfläche
assoziiert ist, da Cyr61 nach der Synthese quantitativ sekretiert
wird und nur ein geringfügiger
Anteil stabil mit der ECM assoziiert ist (Yang und Lau (1991)).
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Ein
Anteil von Cyr61 wurde in die ECM getrieben, wo es mehrere Stunden
lang stabil war. Neu synthetisiertes Fisp12 wurde ebenfalls in die
ECM getrieben, wo seine Halbwertszeit nur ungefähr 1 Stunde betrug. Ein größerer Anteil
von Fisp12 wurde in das konditionierte Medium getrieben, wo kein
Cyr61 detektierbar war. Fisp12 im konditionierten Medium hatte ebenfalls
eine kurze Halbwertszeit von ungefähr 2 Stunden. Folglich ist
Fisp12 eher übergangsmäßig mit
der ECM assoziiert, wogegen Cyr61 stark mit der ECM assoziiert ist. Dieses
Ergebnis legt nahe, dass Fisp12 in der Lage sein könnte, an
einer Stelle fern vom Ort seiner Synthese und Sekretion zu wirken,
wogegen Cyr61 eher lokal wirken könnte.
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Da
viele ECM-Proteine über
eine Wechselwirkung mit Heparinsulfat-Proteoglykanen mit der Matrix
assoziieren, könnte
die Affinität,
mit der ein Protein Heparin bindet, ein Faktor seiner Wechselwirkung
mit der ECM sein. Die unten beschriebenen Ergebnisse von Heparin-Bindungstests
stehen mit dieser Hypothese im Einklang.
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Beispiel 7
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Proteinreingung
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Serum-stimulierte
NIH-3T3-Fibroblastenzellen wurden lysiert, um eine Quelle von nativem Maus-Cyr61
bereitzustellen. Yang et al. Gleichermaßen sind Human-Fibroblasten
eine Quelle von nativem Human-Cyr61.
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Rekombinantes
Maus-Cyr61 wurde aus Sf9-Zellen gereinigt, die den oben beschriebenen
rekombinanten Baculovirus-Vektor trugen, der die gesamte für cyr61
kodierende Sequenz enthält.
Obgleich Maus-Cyr61 in Sf9-Zelllysaten unlösliche Aggregate bildete, wie
es mit bakteriellen Zellextrakten der Fall war, wurden ungefähr 10 %
des synthetisierten Cyr61 in löslicher
Form in das Medium sekretiert. Die lösliche, sekretierte Form von
Cyr61 wurde daher der Reinigung unterzogen.
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Zunächst wurden
subkonfluente Sf9-Zellen in Monolayer-Kulturen in ergänztem Grace-Medium
(GIBCO-BRL Inc., Grand Island, NY) erzeugt. Grace, Nature 195, 788
(1962). Die Sf9-Zellen wurden dann mit 10 Plaque-bildenden Einheiten
pro Zelle des rekombinanten Baculovirus-Vektors infiziert, 16 Stunden
lang inkubiert und mit serumfreiem Grace-Medium gefüttert. Diese
Zellen wurden in serumfreiem Grace-Medium vermehrt. Das konditionierte
Medium wurde 48 Stunden nach der Infektion gesammelt, obgleich die
Cyr61-Expression 24 Stunden nach der Infektion detektiert werden
konnte. Anschließend
wurde das konditionierte Medium durch 5-minütige Zentrifugation bei 5.000 × g geklärt, auf
4°C gekühlt, auf
50 mM MES, pH 6,0, 2 mM EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure), 1
mM PMSF (Phenylmethylsulfonylfluorid) eingestellt und auf eine Sepharose-S-Säule (Sigma
Chemical Co., St. Louis, MO) bei 4°C (5 ml Ausschlussvolumen pro
500 ml Medium) aufgegeben. Die Säule
wurde mit einem 150 mM NaCl enthaltenden Puffer (50 mM MES, pH 6,0,
2 mM EDTA, 0,5 mM PMSF) gewaschen, und gebundene Proteine wurden
mit einem linearen NaCl-Gradienten
(0,2-1,0 M) im selben Puffer eluiert. Die vereinigten Cyr61-Fraktionen
eluierten bei 0,6-0,7 M NaCl als deutlicher breiter Peak. Die Säulenfraktionen
waren zu 90 % rein, wie mittels 10%iger SDS-PAGE, gefolgt von Coomassie-Blau-Färbung und
Western-Analyse unter Anwendung von Standardverfahren auf dem Gebiet
der Erfindung ermittelt wurde. Yang et al.; siehe auch Sambrook
et al., siehe oben. Für
die Western-Analyse wurden die Blots mit affinitätsgereinigten Anti-Cyr61-Antikörpern wie
in Yang et al. (siehe oben) beschrieben sondiert. Nach der Antikörpersondierung
wurden die Western-Blots mit ECLTM- (d.h.
Enhanced ChemiLuminescence-) Detektionsreagenzien (Amersham Corp.,
Arlington Heights, IL) gefärbt.
Cyr61 enthaltende Fraktionen wurden vereinigt, mit Tris-HCl, pH
7,5, auf pH 7,5 eingestellt, und es wurde vor der Lagerung der Aliquote
bei –70°C Glycerin
auf 10 % zugegeben. Die Proteinkonzentration wurde mit dem modifizierten
Lowry-Verfahren unter Verwendung des BioRad-Proteintestsets (BioRad
Laboratories Inc., Hercules, CA) bestimmt. Dieses Reinigungsverfahren
wurde zumindest fünf
Mal mit ähnlichen
Resultaten wiederholt. Die typische Ausbeute betrug 3-4 mg von 90
% reinem Cyr61-Protein aus 500 ml konditioniertem Medium.
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Fisp12
wurde unter Anwendung einer Modifizierung des Cyr61-Reinigungsschemas
gereinigt (Kireeva et al., Experimental Cell Research, im Druck).
Serumfreies konditioniertes Medium (500 ml) von Sf9-Zellen, die mit
10 pfu pro Zelle infiziert waren, wurden 48 Stunden nach der Infektion
gesammelt und auf eine 5-ml-Sepharose-S-Säule
(Sigma Chemical Co., St. Louis, MO) aufgegeben. Nach reichlichem
Waschen mit 0,2 M und 0,4 M NaCl wurden gebundene Proteine durch
Stufenelution mit 0,5 M NaCl enthaltendem 50 mM MES (pH 6,0) gewonnen.
Fisp12 enthaltende Fraktionen mit einer Reinheit von mehr als 80
% wurden vereinigt, bezüglich
NaCl auf 0,15 M eingestellt und das Protein an einer 0,5-ml-Sepharose-S-Säule mit
Elution des Proteins bei 0,6 M NaCl 3- bis 5fach aufkonzentriert.
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Dieses
Reinigungsschema ermöglichte
die Isolierung von 1,5 mg rekombinantem Fisp12-Protein mit einer
Reinheit von zumindest 80 % aus 500 ml serumfreiem konditioniertem
Medium.
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CTGF
wurde mittels Affinitätschromatographie
unter Anwendung der PDGF-Kreuzreaktivität zwischen CTGF und PDGF, wie
in US-Patent Nr. 5.408.040, Spalte 7, Zeile 15, bis Spalte 9, Zeile
63, beschrieben gereinigt.
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Beispiel 8
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Polypeptid-Charakterisierung
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Das
Maus-Cyr61-Protein weist ein Mr von 41.000
und eine Länge
von 379 Aminosäuren
einschließlich des
N-terminalen Sekretionssignals auf. Es besteht eine Aminosäuresequenzidentität von 91
% mit der Aminosäuresequenz
von 381 Aminosäuren
des Human-Proteins. Von jenen Regionen der Maus- und Human-Proteine,
die zur Ähnlichkeit
der beiden Proteine beitragen, sollte erwartet werden, dass sie
zu den biologischen Aktivitäten
beitragen, die beide Proteine gemeinsam aufweisen und hierin offenbart
sind. Jedoch unterscheiden sich die Maus- und Human-Proteine signifikant
im zentralen Teil des Proteins, wo beide Proteine frei von Cysteinen
sind. Siehe O'Brian
et al., Cell Growth & Diff.
3, 645-654 (1992). Eine Cystein-freie Region in der Maus-Cyr61-Aminosäuresequenz
findet sich zwischen den Aminosäureresten
164 bis 226 (Seq.-ID Nr. 2). Eine entsprechende Cystein-freie Region
findet sich in der Human-Cyr61-Aminosäuresequenz zwischen den Aminosäureresten
163 bis 229 (Seq.-ID Nr. 4). Im Spezielleren unterscheiden sich
die Maus- und Human-Cyr61-Proteine
am meisten zwischen den Cyr61-Aminosäuren 170-185 und 210-225. Andere
Elemente der ECM-Signalmolekülfamilie
Cystein-reicher Proteine, z.B. Fisp12 (Seq.-ID Nr. 6) und CTGF (Seq.-ID
Nr. 8), zeigen ähnliche
Strukturen, die auf sekretierte Proteine hinweisen, die Sequenzen
aufweisen, die von Cysteinresten dominiert sind.
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Da
Maus-Cyr61 38 Cysteine im sekretierten Teil von 355 Aminosäuren enthält, wurde
der Beitrag der Bildung von Disulfidbindungen an der Cyr61-Tertiärstruktur
untersucht. Das Aussetzen von Cyr61 gegenüber 10 mM Dithiothreit (DTT)
16 Stunden lang beeinflusste die Fähigkeit von Cyr61 nicht, die
Zellanhaftung zu vermitteln (siehe unten). Jedoch wurde Cyr61 durch
Erwärmen
bei 75°C
5 Minuten lang, Inkubation in 100 mM HCl oder bei extensivem Verdau
mit Chymotrypsin inaktiviert. Diese Ergebnisse zeigen an, dass Maus-Cyr61 ein
hitze- und säurelabiles
Protein ist, dessen aktive Konformation gegen Reduktionsmittel nicht
empfindlich ist. Die oben erwähnten
strukturellen Ähnlichkeiten
von Maus- und Human-Cyr61-Polypeptiden le gen nahe, dass Human-Cyr61
ebenfalls gegen Hitze oder Säure
empfindlich, jedoch unempfindlich gegen Reduktionsmittel ist. Außerdem ist
Cyr61 weder phosphoryliert noch glykosyliert.
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Um
zu ermitteln, ob das oben beschriebene gereinigte rekombinante Maus-Cyr61
dasselbe wie das native Maus-Cyr61 war, wurden zwei zusätzliche
Eigenschaften von Maus-Cyr61 bestimmt. Zuerst wurden zwei unabhängige Protein-Fingerprints
von rekombinantem und nativem Maus-Cyr61 erhalten. Gereinigtes rekombinantes
Maus-Cyr61 und ein Lysat von Serum-stimulierten 3T3-Zellen, die
bekanntermaßen
natives Maus-Cyr61 enthalten, wurden begrenzter Proteolyse entweder
mit Trypsin oder Chymotrypsin unterzogen, und ihre Verdauungsprodukte
wurden verglichen. Tryptische Teilverdauungen des rekombinanten
Proteins sowie des Zelllysats lieferten zwei Cyr61-Fragmente von
ungefähr
21 und 19 kDa. Gleichermaßen
produzierte das Fingerprinting beider Präparate durch partiellen Chymotrypsinverdau
stabile Fragmente von 23 kDa aus rekombinantem Maus-Cyr61 und nativem
Maus-Cyr61.
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Ein
weiteres verwendetes Kriterium zur Beurteilung der Eigenschaften
von rekombinantem Cyr61 war seine Fähigkeit, Heparin zu binden,
wie unten beschrieben wird. Gereinigtes rekombinantes Maus-Cyr61
band quantitativ an Heparin-Sepharose bei 0,15 M NaCl und wurde
bei 0,8-1,0 M NaCl eluiert. Diese Heparin-Bindungskapazität ist ähnlich dem
nativen Maus-Cyr61, das aus Serum-stimulierten Maus-Fibroblasten
erhalten wurde. Wegen der Ähnlichkeiten
der Maus- und Human-Cyr61-Proteine sollte rekombinantes Human-Cyr61 Eigenschaften
zeigen, die dem nativen Human-Cyr61 ähnlich sind,
wie es für
die Maus-Polypeptide der Fall war.
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Die
Fragmente der Erfindung behalten zumindest eine biologische Aktivität eines
ECM-Signalmoleküls bei.
Kandidat-Fragmente zur Erhaltung von zumindest einer biologischen
Eigenschaft eines ECM-Signalmoleküls umfassen Fragmente, die
eine Aminosäuresequenz
aufweisen, die einer konservierten Region bekannter ECM-Signalmoleküle entsprechen.
Beispielsweise wären
Fragmente, die eine oder mehrere der konservierten Cysteinreste
von ECM-Signalmolekülen
beibehalten, wahrscheinliche Kandidaten für ECM-Signalmolekülfragmente,
die zumindest eine biologische Aktivität beibehalten. Über natürlich auftretende
Aminosäuresequenzen von
Cyr61-Fragmenten
hinaus können
die Cyr61-Fragmente der Erfindung auch Analoga der Aminosäuresequenzen
oder -untersequenzen nativer Cyr61-Fragmente umfassen.
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Cyr61-Fragment-Analoga
sind Polypeptide, die sich in ihrer Aminosäuresequenz von nativen Cyr61-Fragmenten
unterscheiden, jedoch zumindest eine biologische Aktivität eines
nativen ECM-Signalmoleküls
wie oben beschrieben beibehalten. Diese Analoga können sich
in ihrer Aminosäuresequenz
von nativen Cyr61-Fragmenten unterscheiden, z.B. durch Insertion,
Deletion oder konservative Substitution von Aminosäuren. Eine
konservative Substitution einer Aminosäure, d.h. das Ersetzen einer
Aminosäure
durch eine andere Aminosäure
mit ähnlichen
Eigenschaften (z.B. Hydrophilie, Ausmaß und Verteilung geladener
Regionen), wird auf dem Gebiet der Erfindung als typischerweise
geringfügige Änderung
angesehen. Diese geringfügigen Änderungen
können
teilweise durch Betrachtung des Hydropathie-Index von Aminosäuren festgestellt
werden, wie auf dem Gebiet der Erfindung bekannt ist. Kyte et al.,
J. Mol. Biol. 157, 105-132 (1982). Der Hydropathie-Index einer Aminosäure basiert
auf der Betrachtung seiner Hydrophobie und Ladung und umfasst die
folgenden Werte: Alanin (+1,8), Arginin (–4,5), Asparagin (–3,5), Aspartat
(–3,5),
Cystein/Cystin (+2,5), Glycin (–0,4),
Glutamat (–3,5),
Glutamin (–3,5),
Histidin (–3,2),
Isoleucin (+4,5), Leucin (+3,8), Lysin (–3,9), Methionin (+1,9), Phenylalanin
(+2,8), Prolin (–1,6),
Serin (–0,8),
Threonin (–0,7),
Tryptophan (–0,9),
Tyrosin (–1,3)
und Valin (+4,2). Es ist auf dem Gebiet der Erfindung bekannt, dass
Aminosäuren
mit ähnlichen
Hydropathie-Indizes substituiert werden können und nach wie vor Proteinfunktion
beibehalten. Vorzugsweise werden Aminosäuren substituiert, die Hydropathie-Indizes
von +/– 2
aufweisen.
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Die
Hydrophilie von Aminosäuren
kann ebenfalls verwendet werden, um Substitutionen zu finden, die Proteine
liefern würden,
die ihre biologische Funktion beibehalten. Eine Betrachtung der
Hydrophilie von Aminosäuren
im Zusammenhang mit einem Polypeptid erlaubt die Berechnung der
höchsten
lokalen, mittleren Hydrophilie dieses Polypeptids, ein zweckdienliches
Maß, von
dem berichtet worden ist, dass es gut mit Antigenität und Immunogenität korreliert.
US-Patent Nr. 4.554.101. Hydrophilie- Werte für jede der gewöhnlichen
Aminosäuren,
wie sie im US-Patent Nr. 4.554.101 berichtet werden, sind die folgenden:
Alanin (–0,5),
Arginin (+3,0), Asparagin (+0,2), Aspartat (+3,0 +/– 1), Cystein
(–1,0),
Glycin (0), Glutamat (+3,0 +/– 1),
Glutamin (+0,2), Histidin (–0,5),
Isoleucin (–1,8),
Leucin (–1,8),
Lysin (+3,0), Methionin (–1,3),
Phenylalanin (–2,5),
Prolin (–0,5
+/– 1),
Serin (+0,3), Threonin (–0,4),
Tryptophan (–3,4),
Tyrosin (–2,3)
und Valin (–1,5).
Die Substitution von Aminosäuren
mit ähnlichen
Hydrophiliewerten kann Proteine liefern, die biologische Aktivität beibehalten, beispielsweise
Immunogenität,
wie auf dem Gebiet der Erfindung bekannt ist. Vorzugsweise werden
Substitutionen mit Aminosäuren
durchgeführt,
die Hydrophiliewerte innerhalb von +/– 2 voneinander haben. Sowohl der
Hydrophobie-Index als auch der Hydrophilie-Wert von Aminosäuren werden
von der speziellen Seitenkette dieser Aminosäure beeinflusst. Im Einklang
mit dieser Beobachtung hängen
Aminosäuresubstitutionen,
die mit biologischer Funktion kompatibel sind, von der relativen Ähnlichkeit
der Aminosäuren
und insbesondere der Seitenketten dieser Aminosäuren ab, wie durch die Hydrophobie,
Hydrophilie, Ladung, Größe und andere
Eigenschaften gezeigt wurde.
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Außerdem sind
Computeralgorithmen verfügbar,
um die Vorhersage von Aminosäuresequenzdomänen zu unterstützen, die
voraussichtlich einem wässrigen
Lösungsmittel
zugänglich
sind. Diese Domänen
sind, wie auf dem Gebiet der Erfindung bekannt ist, häufig gegen
die Außenseite
des Proteins hin angeordnet, wodurch sie möglicherweise zur Bindung von
Determinanten, einschließlich
antigenen Determinanten, beitragen. Wenn man die DNA-Sequenz zur
Verfügung
hat, wird die Herstellung solcher Analoga durch Verfahren erzielt, die
auf dem Gebiet der Erfindung wohl bekannt sind, z.B. (ortsgerichtete)
Mutagenese und andere Techniken.
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Derivate
von Cyr61-Fragmenten können
auch Cyr61-Fragmente der Erfindung sein. Cyr61-Fragment-Derivate
sind Proteine oder Peptide, die sich von nativen Cyr61-Fragmenten auf andere
Weisen als in der Primärstruktur
(d.h. Aminosäuresequenz)
unterscheiden. Illustrativ können
Cyr61-Fragment-Derivate sich vom nativen Cyr61-Fragment durch Glykosylierung, einer
Form von posttranslationeller Modifizierung, unterscheiden. Beispielsweise
können
Cyr61-Fragmente Glykosylierungsmuster auf grund der Expression in
heterologen Systemen zeigen. Wenn diese Cyr61-Fragmente zumindest
eine biologische Eigenschaft eines nativen ECM-Signalmoleküls beibehalten,
dann können
diese Polypeptide Cyr61-Derivate gemäß der Erfindung sein. Andere
ECM-Signalmolekül-Derivate
umfassen, sind jedoch nicht eingeschränkt auf, Fusionsproteine mit einem
kovalent modifizierten N- oder C-Terminus, PEGylierte Polypeptide,
mit Lipidgruppierungen assoziierte Polypeptide, alkylierte Polypeptide, über eine
funktionelle Aminosäureseitenkettengruppe
an andere Polypeptide oder Chemikalien gebundene Polypeptide und
zusätzliche
Modifizierungen, wie sie auf dem Gebiet der Erfindung üblicherweise
selbstverständlich
sind. Außerdem
können
Cyr61-Fragmente der Erfindung an einen ECM-Signalmolekül-Rezeptor
binden, wie unten beschrieben wird.
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Die
oben beschriebenen, verschiedenen Fragmente der vorliegenden Erfindung
können
als einzelne Polypeptide bereitgestellt werden oder z.B. durch kovalente
Bindungen an andere Verbindungen gebunden sein. Beispielsweise können immunogene
Träger,
wie z.B. Schlüsselloch-Napfschnecke-Hämocyanin,
an ein Cyr61-Fragment der Erfindung gebunden sein.
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Beispiel 9
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Heparin-Bindungstest
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Der
von Yang et al. beschriebene Heparin-Bindungstest für natives
Maus-Cyr61 wurde für
das gereinigte rekombinante Maus-Protein modifiziert. Zunächst wurde
rekombinantes gereinigtes Cyr61 in RIPA- (Radioimmunpräzipitationstest-)
Puffer (150 mM NaCl, 1,0 % NP-40, 0,5 % Desoxycholat, 0,1 % SDS,
50 mM Tris-HCl, pH 8,0, 1 mM Phenylmethylsulfonylfluorid) suspendiert.
Als Nächstes
wurden 200 μl
einer Aufschlämmung
von 50 Vol.-% Heparin-Sepharose-CL-6B-Kügelchen (Pharmacia-LKB Biotechnology
Inc., Piscataway, NJ) zu 100 μl
der rekombinanten Cyr61-Lösung
zugegeben und 1 Stunde lang inkubiert. Unter diesen Bedingungen
wurde Human-Cyr61
quantitativ an Heparin-Agarose gebunden. Das Aufgeben eines Salzkonzentrationsgradienten
in RIPA-Puffer resultierte in der Elution von rekombinantem Maus- Cyr61 bei 0,8-1,0
M NaCl. Das Elutionsprofil des rekombinanten Proteins war ähnlich dem
Elutionsprofil für
natives Maus-Cyr61.
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Man
könnte
erwarten, dass Fisp12 Heparin mit einer niedrigeren Affinität als Cyr61
bindet, da es nicht so stark mit der ECM wechselwirkt wie Cyr61.
Um diese Möglichkeit
zu untersuchen, wurden metabolisch markierte (35S-Cystein;
100 μCi
pro 100-mm-Platte;
ICN) Zelllysate mit Heparin-Agarose-Perlen inkubiert, die anschließend gewaschen
wurden, um ungebundene Proteine zu entfernen. Gebundene Proteine
wurden in ansteigenden Salzkonzentrationen eluiert. Fisp12 aus Zelllysaten
wurden auf Heparin-Agarose zurückgehalten, wurde
jedoch bei 0,2 bis 0,6 M NaCl mit Peak-Elution bei 0,4 M NaCl eluiert. Dies
steht im Gegensatz zu Cyr61, das bei wesentlich höheren NaCl-Konzentrationen
eluiert wurde. Dieser Unterschied hinsichtlich der Heparin-Bindung
steht im Einklang mit den unterschiedlichen Affinitäten von
Cyr61 und Fisp12 für
die ECM, was darauf hinweist, dass die Bindung an Heparansulfat-Proteoglykane
ein hauptsächlicher
Mechanismus ist, durch den beide Proteine mit der ECM assoziieren.
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Beispiel 10
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Rezeptoren
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Human-Cyr61
war wie Maus-Cyr61 an der Zelloberfläche und ECM lokalisiert. Die
Lokalisierung von Cyr61 an der Zelloberfläche implizierte einen Cyr61
bindenden Zelloberflächenrezeptor.
Im Einklang mit dieser Schlussfolgerung werden die biologischen
Wirkungen von Cyr61 durch αvβ3-Integrin oder Vitronectin-Rezeptor vermittelt.
Das αvβ3-Integrin bildet in Verbindung mit anderen
Integrinen Proteincluster, die Kristallisationspunkte für die Zytoskelett-Anhaftung
bereitstellt. Cyr61 induziert die Bildung von Proteinclustern, einschließlich der αvβ3-Integrin
enthaltenden Proteincluster. Außerdem
wurden unter Verwendung eines In-vitro-Tests die biologischen Wirkungen
von Cyr61, einschließlich
der Cyr61-induzierten Zelladhäsion
und Mitogenese, durch die Zugabe von irgendeinem der beiden gegen
das αvβ3-Integrin gerichteten monoklonalen Antikörper LM609 (Cheresh,
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84, 6471- 6475 (1987)) oder Anti-VnR 1 (Chen et
al., Blood 86, 2606-2615 (1995)) aufgehoben. Diese Daten führten zur
Identifikation des αvβ3-Integrins als Cyr61-Rezeptor.
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Die
in Beispiel 13 unten beschriebene Cyr61-Induktion der HUVE-Zelladhäsion führte zu
einer Untersuchung der gegen zweiwertige Kationen empfindlichen
Zelloberflächenrezeptoren,
die von HUVE-Zellen exprimiert werden. Die Zelladhäsionseigenschaften
von Cyr61 wurden verwendet, um den Rezeptor zu identifizieren, der
ein gegen zweiwertige Kationen empfindlicher Zelloberflächenrezeptor
ist. Die Fähigkeit
von Cyr61, die Zelladhäsion
zu vermitteln, verbunden mit der absoluten Bedingung von zweiwertigen
Kationen im Prozess, wies darauf hin, dass Cyr61 mit einem der von
zweiwertigen Kationen abhängigen
Adhäsionsmoleküle aus den
Integrin-, Selectin- oder Cadherin-Familien wechselwirkt. Ruoslahti
et al., Exp. Cell Res. 227, 1-11 (1996). Unter Anwendung gut charakterisierter
Ansätze
der Rezeptoridentifizierung wurde eine Reihe von Hemmuntersuchungen
durchgeführt.
Inhibitoren oder Blockierungsmittel mit verschiedenen Spezifitätsgraden (EDTA, ähnlich dem
oben beschriebenen EGTA; inhibierende Peptide, die Varianten des
RGD- (Einbuchstaben-Aminosäurecode)
Integrin-Erkennungsmotivs beherbergen, wie z.B. RGDS, SGDR und RGDSPK
(Ruoslahti et al., Science 238, 491-497 (1987); E. Ruoslahti, Ann.
Rev. of Cell and Dev. Biol. 12, 698-715 (1996)); und bekannte, spezifische
Anti-Rezeptor-Antikörper) wurden
verwendet, um einen Cyr61-Rezeptor zu identifizieren. Dieser Rezeptor
war das αvβ3-Integrin, der auch dahingehend bekannt
ist, dass er als Vitronectin-Rezeptor fungiert. Die Bestätigung dieser
Identifizierung wurde erhalten, indem gezeigt wurde, das der Antikörper LM609,
ein spezifischer Anti-αvβ3-Integrin-Antikörper, die Wirkung von Cyr61
auf die Zelladhäsion
blockieren konnte. Integrine bilden eine große Familie heterodimerer Adhäsionsrezeptoren
mit einem breiten Ligandenspezifitätsbereich, die an Zelle-Zelle-
und Zelle-Matrix-Wechselwirkungen beteiligt sind. Über ihre
Abhängigkeit
von zweiwertigen Kationen und ihre Beteiligung an Zelle-Matrix-Adhäsionsereignissen
(R.O. Hynes, Cell 69, 11-25 (1992)) hinaus sind Integrine auch an
der Zellmigration (Damsky et al., Curr. Opin. Cell Biol. 4, 772-781 (1992); Doerr
et al., J. Biol. Chem. 271, 2443-2447 (1996)) und -vermehrung (Juliano
et al., J. Cell Biol. 120, 577-585 (1993); Plopper et al., Mol.
Biol. Cell 6, 1349-1365 (1995); und Clark et al., Science 268, 233-239
(1995)) beteiligt, zwei wei teren Prozessen, die mit Cyr61-Aktivität verbunden
sind. Das αvβ3-Integrin erwies sich als essentiell für die Cyr61-vermittelte
Zelladhäsion.
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Die
Charakterisierung der CTGF-Bindung an Zellen hat gezeigt, dass sie über einen
Zelloberflächenrezeptor
stattfindet, der auch mit PDGF-BB (der BB-Isoform von PDGF) wechselwirkt,
wie im US-Patent Nr. 5.408.040, Spalte 11, Zeile 10, bis Spalte
12, Zeile 14, angeführt
ist. Die Identifizierung der vorangehenden Rezeptoren erlaubt die
Konstruktion und Produktion von Molekülen, die an die jeweiligen
Rezeptoren binden, um die Aktivitäten von ECM-Molekülen zu hemmen.
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Beispiel 11
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Anti-ECM-Signalmolekül-Antikörper
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Antikörper, die,
wie unten beschrieben, gegebenenfalls an einen Marker oder an ein
Toxin gebunden sind, sind in der vorliegenden Erfindung ebenfalls
vorgesehen. Die Verfügbarkeit
der Human-cyr61-cDNA-Sequenz und der abgeleiteten Cyr61-Proteinsequenz
erleichtert die Implementierung von Verfahren, die zur Hervorrufung
von Anti-Cyr61-Antikörpern
unter Anwendung einer Reihe von Standardtechniken auf dem Gebiet der
Erfindung (Harlow et al.) entworfen wurden.
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Polyklonale
Antikörper,
die gegen Cyr61 gerichtet sind, können erzeugt werden. Die Erzeugung
von Anti-Cyr61-Antikörpern,
die für
Human-Cyr61 spezifisch sind, wird beispielsweise durch Konstruieren
geeigneter Antigene optimiert. Das Human-Cyr61-Protein hat einschließlich des
N-terminalen Sekretionssignals eine Länge von 381 Aminosäuren. Wie
oben beschrieben weist Human-Cyr61 91 % Aminosäuresequenzidentität mit der
Sequenz von 379 Aminosäuren
des Maus-Proteins auf. Jedoch unterscheiden sich die Maus- und Human-Proteine
am signifikantesten im zentralen Teil der Proteine, wo sie frei
von Cysteinen sind (siehe oben). Diese Sequenzunterschiede werden
genützt,
um Antikörper
hervorzurufen, die gegen das Human-Cyr61 spezifisch sind, indem ein Peptid
als Antigen verwendet wird, das eine Sequenz aufweist, die sich
von einer der unterschiedlichen Regionen im Human-Protein herleiteten,
obgleich gegen eine konservierte Region gerichtete Antikörper in
der Erfindung ebenfalls vorgesehen sind.
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Monoklonale
Antikörper
können
unter Verwendung von intaktem rekombinantem menschlichem Cyr61 hervorgerufen
werden. Ein Fragment kann ebenfalls verwendet werden kann. Weibliche
BALB/c-Mäuse
werden intraperitoneal mit einem Gemisch von 0,25 ml bakteriell
produziertem oder in eukaryotischen Zellen produziertem, rekombinantem
Human-Cyr61 (5-50 Mikrogramm) und 0,25 ml komplettem Freundschem
Adjuvans inokuliert. Vierzehn Tage später werden die Injektionen
wiederholt, wobei das komplette Freundsche Adjuvans durch inkomplettes
Freundsches Adjuvans ersetzt wird. Nach weiteren zwei Wochen wird
eine weitere Injektion von Human-Cyr61 in inkomplettem Freundschen
Adjuvans verabreicht. Ungefähr
zwei Wochen nach der dritten Injektion wird an den Schwänzen Blut
abgenommen und Serumproben auf Human-Anti-Cyr61-Antikörper durch
Immunpräzipitation
mit radiomarkiertem rekombinantem Human-Cyr61 gescreent. Ungefähr 2 Monate
nach der ersten Injektion werden denjenigen Mäusen, deren Sera die höchsten Antikörpertiter
lieferten, Booster-Injektionen von Cyr61 verabreicht (5-50 Mikrogramm
in inkomplettem Freundschen Adjuvans, 0,1 ml intravenös und 0,1
ml intraperitoneal). Drei Tage nach der Booster-Injektion werden
die Mäuse
getötet.
Splenozyten werden dann aus jeder Maus mittels Standardtechniken
isoliert und die Zellen gewaschen und einzeln mit einer Myelomzelllinie,
z.B. der X63Ag8.653-Zelllinie (Harlow et al.), unter Verwendung
von Polyethylenglykol durch Techniken fusioniert, die auf dem Gebiet
der Erfindung bekannt sind. Andere geeignete Zelllinien zur Fusion
mit Splenozyten sind in Harlow et al. auf Seite 144, in Tabelle
6.2, beschrieben. Fusionierte Zellen werden aus der PEG-Lösung entfernt,
in ein gegenselektives Medium (z.B. Hypoxanthin-Aminopterin-Thymidin- oder HAT-Medium)
verdünnt,
um unfusionierte Myelomzellen abzutöten, und in Multi-Well-Gewebekulturplatten
inokuliert.
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Ungefähr 1-2 Wochen
später
werden Proben der Gewebekulturüberstände aus
den Wells, die wachsende Hybridome enthalten, entfernt und auf die
Anwesenheit von Anti-Cyr61-Antikörpern
durch Binden an rekombinantes, an Nitrozellulose gebundenes Cyr61
und Screenen mit markiertem Anti-Immunglobulin-Antikörper in
einem standardmäßigen Antikörper-Fang-Test
getestet. Zellen aus positiven Wells werden gezüchtet, und es werden einzelne
Zellen auf Feeder-Schichten von Splenozyten kloniert. Die klonierten
Zelllinien werden gefroren gelagert. Monoklonale Antikörper werden
unter Anwendung von Standardtechniken, z.B. Hydroxyapatit-Chromatographie,
gesammelt und gereinigt. In einer Alternative können als Antigene verwendete Cyr61-Peptide
an immunogene Träger,
wie z.B. an Schlüsselloch-Napfschnecken-Hämocyanin-Trägerprotein gebunden werden,
um monoklonale Anti-Cyr61-Antikörper
hervorzurufen.
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Es
können
auch Antikörperprodukte
gegen ein Fusionsprotein, das einen Teil des Human-Cyr61 oder das
gesamte Human-Cyr61 enthält,
erzeugt werden, wobei ausreichend Proteinsequenz umfasst ist, um
ein brauchbares Epitop in einem Fusionsprotein zu entfalten. Die
Fusion der großen
Untereinheit von Anthranilat-Synthase (d.h. TrpE) an Maus-Cyr61
und die Fusion von Glutathion-S-Transferase (d.h. GST) an Maus-Cyr61
sind verwendet worden, um erfolgreich Antikörper gegen Maus-Cyr61 herzustellen.
Yang et al. Außerdem
kann eine breite Vielfalt von Polypeptiden, die dem Fachkundigen
auf dem Gebiet der Erfindung wohl bekannt sind, bei der Bildung
von Cyr61-Fragment-Fusionspolypeptiden gemäß der Erfindung verwendet werden.
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Yang
beschrieb ein TrpE-Cyr61-Fusionspolypeptid, das aus einem rekombinanten
Klon exprimiert wurde, der durch Klonen eines Fragments von Maus-cyr61-cDNA,
die die Nucleotide 456 bis 951 (für die Cyr61-Aminosäuren 93-379
kodierend) enthält,
in die SacI-Stelle des pATH1-Vektors konstruiert wurde. Dieckman
et al., J. Biol. Chem. 260, 1513-1520 (1985). Das rekombinante Konstrukt
wurde in einen bakteriellen Wirt, z.B. E. coli K12, transformiert,
und die Expression des Fusionsproteins wurde durch Zugabe von 25 μg/ml Indolacrylsäure zu wachsenden
Kulturen induziert. Anschließend
wurden die Zellen lysiert und das Gesamtzelllysat durch Elektrophorese
an einem 7,5%igen Polyacrylamidgel fraktioniert. Das Fusionsprotein
der vorhergesagten Größe war die
einzige von Indolacrylsäure
induzierte Bande; diese Bande wurde aus dem Gel eluiert und als
Antigen verwendet, um New-Zealand-White-Kaninchen (Langshaw Farms)
mittels Standardtechniken auf dem Gebiet der Erfindung zu immunisieren.
Harlow et al. Zusätzlich
zu polyklonalen Antikörpern
können auch
monoklonale Antikörper
gegen solche Fusionsproteine gerichtet sein.
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In
anderen Ausführungsformen
der Erfindung werden rekombinante Antikörperprodukte verwendet. Beispielsweise
liegen chimäre
Antikörperprodukte, „humanisierte" Antikörperprodukte
und CDR-Pfropf-Antikörperprodukte
im Schutzumfang der Erfindung. Kashmiri et al., Hybridoma 14, 461-473
(1995). Antikörperfragmente
sind in der Erfindung ebenfalls vorgesehen. Die Antikörperprodukte
umfassen die oben erwähnten, als
isolierte Antikörper
oder als an Marker gebundene Antikörper verwendeten Arten von
Antikörperprodukten. Marker
können
signalerzeugende Enzyme, Antigene oder Antikörper, Lectine, Kohlenhydrate,
Biotin, Avidin, Radioisotope, Toxine, Schwermetalle und andere auf
dem Gebiet der Erfindung bekannte Zusammensetzungen sein; Bindungstechniken
sind auf dem Gebiet der Erfindung ebenfalls wohl bekannt.
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Anti-Cyr6l-Antikörper sind
bei der Diagnose eines Thrombose-Risikos zweckdienlich, wie unten
in Beispiel 20 ausführlicher
erläutert
wird. Außerdem
werden Anti-Cyr61-Antikörper in
Therapien verwendet, die zur Prävention
oder Verringerung unerwünschter,
abnormalen Cyr61-Spiegeln zurechenbarer Gerinnung entworfen wurden.
Weiters können
Antikörper
gemäß der Erfindung
an Toxine, wie z.B. Ricin, unter Anwendung von auf dem Gebiet der
Erfindung wohl bekannten Techniken gebunden werden. Diese Antikörperprodukte
gemäß der Erfindung
sind bei der Abgabe von spezifisch abzielenden Zytotoxinen an Zellen
zweckdienlich, die Cyr61 exprimieren, z.B. Zellen, die an der Neovaskularisierung
von massiven Tumoren teilnehmen. Diese Antikörper werden durch eine Reihe
von Verabreichungswegen in pharmazeutischen Zusammensetzungen abgegeben, die
Träger
und Verdünner
umfassen, wie von Fachkundigen auf dem Gebiet der Erfindung wohlverstanden wird.
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Antikörper, die
Fisp12 spezifisch erkennen, sind ebenfalls unter Verwendung eines
Fusionsproteins hervorgerufen worden. Das zur Herstellung von Anti-Fisp12-Antikörpern verwendete
Antigen band Gluthathion-S-Transferase (GST) an den zentralen Teil
von Fisp12 (GST-Fisp12), wo keine Sequenzähnlichkeit mit Cyr61 besteht (O'Brian und Lau (1992)).
Ein Konstrukt, dass für
Aminosäuren
165 bis 200 von Fisp12 kodierende cDNA enthielt, wurde an die für Glutathion-S-Transferase
(GST) kodierende Sequenz fusioniert. Dies wurde mittels Polymerasekettenreaktion
(PCR) durchgeführt,
um die Synthese eines DNA-Fragments, das jenes Fisp12-Fragment umfasste,
das von einer 5'-BamHI-Restriktionsstelle
und einer 3'-EcoRI-Restriktionsstelle
flankiert war, zu lenken. Der 5'-Primer
weist die Sequenz 5'-GGGGATCTGTGACGAGCCCAAGGAC-3' (Seq.-ID Nr. 9)
auf, und der 3'-Primer
weist die Sequenz 5'-GGGAATTCGACCAGGCAGTTGGCTCG-3' (Seq.-ID Nr. 10)
auf. Für
Cyr61-spezifisches Antiserum wurde ein Konstrukt, das den zentralen
Teil von Cyr61 (Aminosäuren
163-229), der keine Sequenzähnlichkeit
zu Fisp12 enthält,
an GST fusioniert, unter Verwendung des 5'-Primers 5'-GGGGATCCTGTGATGAAGACAGCATT-3' (Seq.-ID Nr. 11)
und des 3'-Primers
5'-GGGAATTCAACGATGCATTTCTGGCC-3' (Seq.-ID Nr. 12)
in derselben Weise hergestellt. Diese wurden gerichtet in den pGEX2T-Vektor
(Pharmacia-LKB Inc.) kloniert und die Klone mittels Sequenzanalyse
bestätigt.
Das GST-Fusionsprotein wurde an Glutathion-Sepharose 4B (Pharmacia-LKB Inc.) gemäß den Anleitungen
des Herstellers isoliert und dazu verwendet, um New-Zealand-White-Kaninchen
zu immunisieren. Für
Affinitätsreinigungen
wurden Antisera zunächst
durch eine GST-Protein-Affinitätssäule geschickt,
um gegen GST erzeugte Antikörper
zu entfernen, und dann durch eine GST-Fisp12- oder GST-Cyr61-Protein-Affinitätssäule, um
Anti-Fisp12- oder Anti-Cyr61-Antikörper zu isolieren (Harlow et
al. (1988)).
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Diese
Antikörper
immunpräzipitierten
das Fisp12-Proteinprodukt der korrekten Größe, das, von fisp12-mRNA gelenkt,
in vitro synthetisiert wurde. Die Antikörper sind für das Fisp12-Polypeptid spezifisch
und zeigen keine Kreuzreaktivität
mit Cyr61.
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CTGF
erkennende polyklonale Antikörper
sind ebenfalls bekannt. US-Patent Nr. 5.408-040, Spalte 7, Zeile
41, bis Spalte 9, Zeile 63, offenbart eine immunologische Kreuzreaktivität zwischen
PDGF und CTGF, wie sie oben beschrieben wird.
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Beispiel 12
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Hemmende Peptide
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Hemmende
Peptide können
in therapeutischen Strategien eingesetzt werden, die zur Hemmung
der Aktivität
des Cyr61-Proteins entworfen wurden. Ein Ansatz ist die Synthese
eines hemmenden Peptids auf Basis der Proteinsequenz von Cyr61.
Beispielsweise konkurriert ein Peptid, das eine Aminosäuresequenz
umfasst, die zwischen Maus-Cyr61 (Seq.-ID Nr. 2) und Human-Cyr61
(Seq.-ID Nr. 4) konserviert ist, mit nativem Cyr61 um seine Bindungsstellen.
Diese Konkurrenz hemmt dadurch die Wirkung von nativem Cyr61. Beispielsweise
hemmt die Verabreichung eines hemmenden Peptids über wohl bekannte Wege die
Fähigkeit
von Cyr61, die Kaskade von Ereignissen zu beeinflussen, die Blutgerinnsel,
Vaskularisierung von Tumoren oder abnormale Vaskularisierung des
Auges (z.B. Augenstörungen,
die durch Vaskularisierung der Retina oder Glaskörperflüssigkeit gekennzeichnet sind)
usw. bewirkt. Insbesondere verhindert ein hemmendes Peptid, dass
Cyr61 die Wirkung von Gewebefaktorpfad-Inhibitor (Tissue-Factor-Pathway-Inhibitor)
oder TFPI wie unten beschrieben hemmt.
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Hemmende
Peptide wurden so konstruiert, dass sie mit Cyr61 konkurrieren.
Diese hemmenden Peptide dienen wie die Antikörper des vorhergehenden Beispiels
als Beispiele von Modulatoren der Cyr61-Aktivität, wie sie im Zusammenhang
mit einer Reihe von hierin offenbarten Tests der Cyr61-Aktivität beschrieben sind.
Die Peptid-Konstruktion
war von Sequenzvergleichen unter Maus-Cyr61, Fisp12 und Nov (ein
Vogel-Proto-Onkogen) geleitet. Die Aminosäuresequenzen von mehreren Elementen
dieser Familie werden in 1 verglichen.
Diese Arten von Sequenzvergleichen stellen eine Basis für eine rationale
Konstruktion einer Vielzahl von hemmenden Peptiden bereit. Einige
dieser konstruierten Peptide, zum Beispiel Peptide, die die Aminosäuren 48-68
(Seq.-ID Nr. 13), 115-135 (Seq.-ID Nr. 14), 227-250 (Seq.-ID Nr.
15), 245-270 (Seq.-ID Nr. 16) und 310-330 (Seq.-ID Nr. 17) der Seq.-ID
Nr. 2 umfassen, sind synthetisiert worden. Ein Vergleich der Maus-Cyr61-Aminosäuresequenz
und der Human-Cyr6l-Aminosäuresequenz
offenbart, dass ähnliche
Domänen
aus dem Human-Protein bei der Konstruktion von Peptiden, die Human-Cyr61
hemmen, verwendet werden können.
Außerdem
können
Sequenzvergleiche die Human-Cyr61-Aminosäuresequenz umfassen; Vergleiche
können
ferner das Human-Homolog von Fisp12, Connective-Tissue-Growth-Factor,
umfassen, das ebenfalls als Element dieser Proteinfamilie identifiziert
worden ist. O'Brian
et al. (1992).
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Hemmende
Peptide können
auch konstruiert werden, um mit anderen ECM-Signalmolekülen, z.B. Fisp12
oder CTGF, um die Bindung an ihre entsprechenden Rezeptoren zu konkurrieren.
Die Konstruktion hemmender Peptide wird durch die Ähnlichkeit
der Aminosäuresequenzen
unter den ECM-Signalmolekülen erleichtert.
Außerdem
kann die Konstruktion von hemmenden Peptiden durch ein oder mehrere
Verfahren gelenkt werden, die auf dem Gebiet der Erfindung zur Identifizierung
von Aminosäuresequenzen
bekannt sind, die wahrscheinlich funktionelle Domänen umfassen
(z.B. hydrophile Aminosäuresequenzen
wie äußere/Oberflächen-Proteindomänen; Sequenzen,
die mit a-Helixbildung als Membran-umspannende Domänen kompatibel
sind). Diese Verfahren sind in Form von im Handel erhältlicher
Software, die dem Fachkundigen auf dem Gebiet der Erfindung bekannt
sind, implementiert worden. Siehe z.B. „Intelligenetics Suite of
Analytical Programs for Biomolecules". Intelligenetics Inc., Mountain View,
CA. Unter Anwendung dieser Ansätze
können hemmende
Peptide konstruiert werden, die die biologische Aktivität eines
ECM-Signalmoleküls,
wie z.B. Cyr61, Fisp12 oder CTGF, stören. Mit der Konstruktion einer
Aminosäuresequenz
eines hemmenden Peptids kann die Produktion dieses Peptids durch
eine Reihe wohl bekannter Techniken realisiert werden, einschließlich rekombinanter
Produktion und chemischer Synthese, sind jedoch nicht darauf beschränkt. Beispielhafte Peptide,
von denen gezeigt worden ist, dass sie zumindest eine biologische
Eigenschaft von Cyr61 spezifisch hemmen, umfassen Peptide, die das „RGD"-Motiv oder Motiv-Varianten, wie z.B. „RGDS", „RGDSPK", „GDR" oder „SGDR", aufweisen (Ruoslahti
et al., Science 238, 491-497 (1987); E. Ruoslahti, Ann. Rev. of
Cell and Dev. Biol. 12, 698-715 (1996)), wie oben in Beispiel 10
beschrieben wurde.
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Beispiel 13
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Zelladhäsion
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Cyr61
kann zur Vermittlung der Anhaftung von Zellen an die extrazelluläre Matrix
verwendet werden. Die Induktion der Zelladhäsion wurde unter Verwendung
von Maus-Cyr61, Fibronectin und Rinderserumalbumin (BSA) untersucht.
Immunologische 96-Well-Platten (Marke Falcon) wurden mit 50 μl 0,1 % BSA
in PBS bei 4°C
in Gegenwart von 0-30 μg/ml
Maus-Cyr61 oder Fibronectin beschichtet. Nach zwei Stunden Aussetzen gegenüber der
Beschichtungslösung
wurden unverdünnte
Immun- oder Prä-Immunantisera
(30 μl/Well)
oder affinitätsgereinigte
Anti-Cyr61-Antikörper zugegeben.
In einigen Wells wurde das Beschichtungsgemisch auf 10 mM DTT oder
100 mM HCl eingestellt. Nach 16 Stunden Inkubation wurde die Beschichtungslösung entfernt
und die Welloberfläche
mit 1 % BSA in phosphatgepufferter Kochsalzlösung (PBS) 1 Stunde lang bei Raumtemperatur
blockiert. HUVE-Zellen
wurden in komplettem Ham-F12K-Medium (Gibco-BRL Inc.; Ham, Proc.
Natl. Acad. Sci. USA 53, 786 (1965)) zu 5 × 103-104 Zellen/Well ausplattiert. Cycloheximid
wurde auf 100 μg/ml
unmittelbar vor dem Ausplattieren zugegeben, und Monensin wurde
auf 1 μM
14 Stunden vor der Ausplattierung zugegeben. Nach einer 2-stündigen Inkubation
bei 37°C
wurden die Wells mit PBS gewaschen, und anhaftende Zellen wurden
fixiert und mit Methylenblau gefärbt.
Die Anhaftungseffizienz wurde durch quantitative Farbstoffextraktion
und Messung der Extraktabsorption bei 650 nm bestimmt. Oliver et
al., J. Cell. Sci. 92, 513-518 (1989).
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HUVE-Zellen
hafteten schlecht an mit BSA alleine behandelten Platten, hafteten
jedoch gut an mit Fibronectin beschichteten Platten. Maus-Cyr61-beschichtete
Oberflächen
unterstützten
ebenfalls die Anhaftung von HUVE-Zellen auf dosisabhängige Weise, ähnlich wie
Fibronectin. Beispielsweise ergaben Cyr61 und Fibronectin bei 1 μg/ml A650-Werte von 0,1. Ein A650-Wert
von 0,5 entsprach der Anhaftung von 6 × 103 Zellen.
Am anderen Ende des getesteten Konzentrationsbereichs, 30 μg/ml, ergab
Cyr61 eine A650 von 0,8; Fibronectin ergab
eine A650 von 0,9. Cyr61 förderte auch
die Anhaftung von NIH-3T3-Zellen, obgleich weniger effektiv als Fibronectin.
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Cyr61-vermittelte
Zellanhaftung kann schon 30 Minuten nach Ausplattierung beobachtet
werden, wie mittels Lichtmikroskopie sichtbar gemacht werden kann.
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Die
Adhäsion
von HUVE-Zellen an Maus-Cyr61-beschichteten Oberflächen wurde
durch Anti-Cyr6l-Antiserum und durch affinitätsgereinigte Anti-Cyr-6l-Antikörper spezifisch
gehemmt, nicht jedoch durch Prä-Immunserum.
Im Gegensatz dazu wurde die Anhaftung von Zellen an Fibronectin-beschichtete
Platten weder durch das Anti-Cyr61-Antiserum noch durch affinitätsgereinigte
Anti-Cyr61-Antikörper
beeinträchtigt. Diese
Ergebnisse zeigen, dass die Verstärkung der Zelladhäsion eine
spezifische Aktivität
des Cyr61-Proteins ist. Darüber
hinaus war die Cyr61-vermittelte Zellanhaftung unempfindlich gegen
Cycloheximid- oder Monensin-Behandlung, was darauf hinweist, dass
Cyr61 nicht durch Induzieren der De-novo-Synthese von ECM-Komponenten, Stimulation
von Fibronectin oder Collagen-Sekretion agiert. Die Daten stützen vielmehr die
direkte Einwirkung von Cyr61 auf Zellen, die die Adhäsion beeinflussen.
Die Cyr61-vermittelte Anhaftung von HUVE-Zellen wurde durch die
Gegenwart von EGTA vollständig
aufgehoben; jedoch wurde die Anhaftung durch Zusatz von CaCl2 oder MgSO4 zum
Medium wiederhergestellt. Diese Ergebnisse zeigen an, dass die Wechselwirkung
zwischen Cyr61 und seinem Oberflächenrezeptor
zweiwertige Kationen erfordert, was mit den Beobachtungen übereinstimmt,
die zur Identifizierung des αvβ3-Integrins als den oben in Beispiel 10 beschriebenen
Cyr61-Rezeptor führte.
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Die
Fähigkeit
von Cyr61, die Zelladhäsion
zu fördern,
und die Fähigkeit
von Molekülen,
wie z.B. Anti-Cyr61-Antikörpern,
diesen Prozess zu hemmen, wird in einem Test für Modulatoren der Zelladhäsion ausgenützt. Der
Test umfasst einen Vergleich der Zelladhäsion an Oberflächen, z.B.
Kunststoff-Gewebekulturwells, die mit Cyr61 und einem mutmaßlichen
Modulator der Zelladhäsion
beschichtet sind. Als Kontrolle wird eine ähnliche Oberfläche mit
Cyr61 alleine beschichtet. Nach dem Kontakt mit geeigneten Zellen
werden die an den Oberflächen
anhaftenden Zellen gemessen. Ein relativer Anstieg der Zelladhäsion in
Gegenwart des mutmaßlichen
Modulators relativ zum Ausmaß an
Zellanhaftung an einer Cyr61-beschicheten Oberfläche identifiziert einen Förderer der
Zelladhäsion.
Eine relative Abnahme der Zelladhäsion in Gegenwart des mutmaßlichen Modulators
identifiziert einen Inhibitor der Zelladhäsion.
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Die
Identifizierung eines Cyr61-Rezeptors führte zur Entwicklung eines
schnellen und spezifischen Ligand-Rezeptor-Tests (d.h. Integrin-Bindungstests)
für Cyr61.
Der monoklonale Antikörper
LM609 (Anti-αvβ3) ist beschrieben worden. Cheresh (1987).
Der monoklonale Antikörper
JBS5 (Anti-Fibronectin-Antikörper)
wurde von Chemicon bezogen. Anti-Human- und Anti-Rinder-Vitronectin-Antisera
stammten von Gibco BRL. HRP-konjugierter Ziege-Anti-Kaninchen-Antikörper stammte
von KPL. RDGSPK-Peptid stammte von Gibco BRL; RGDS- und SDGR-Peptide
stammten von American Peptide Company. Die Peptide für die funktionellen Tests
wurden zu 10 mg/ml in PBS gelöst
und der pH mit NaOH auf 7,5-8,0 eingestellt. Human-Plasma-Vitronectin
stammte von Collaborative Biomedical Products.
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Die αvβ3-Integrin-Reinigung
aus HUVE-Zelllysaten wurde wie in Pytela et al., Meth. Enzymol.
144, 475-489 (1987), beschrieben durchgeführt. Zusammenfassend wurden
108 Zellen in 1 ml PBS lysiert, das 1 mM
CaCl2, 1 mM MgCl2,
0,5 mM PMSF und 100 mM Octylglucosid enthielt. Das Lysat wurde vier
Mal durch eine 0,5-ml-Säule
geschickt die RDGSPK-Sepharose (hergestellt aus der Bromcyan-aktivierten
Sepharose CL 4B, wie beschrieben in S.C.-T. Lam, J. Biol. Chem.
267, 5649-5655 (1992)) enthielt. Die Säule wurde mit 10 ml des Lysepuffers
gewaschen, und das gebundene Protein wurde mit 2 ml desselben Puffers,
der 1 mM RGDS-Peptid enthielt, bei Raumtemperatur eluiert. Das αvβ3-Integrin
wurde gegen PBS dialysiert, das 1 mM CaCl2,
1 mM MgCl2, 5 mM Octylglucosid und 0,1 mM
PMSF enthielt, wobei der Dialysepuffer drei Mal ausgetauscht wurde,
um das RGDS-Peptid zu entfernen. Das Protein wurde in Aliquoten
bei –70°C gelagert.
Die Reinheit des Integrins wurde mittels SDS-PAGE unter nichtreduzierenden
Bedingungen bestimmt, gefolgt von Silberfärbung. Western-Blotting mit
Anti-CD47-Antikörper
zeigte, dass dieses αvβ3-Integrin-Präparat keinerlei Integrin-assoziierten
Proteine enthält.
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Der
Integrin-Bindungstest wurde gemäß den Offenbarungen
in Brooks et al., Cell 85, 683-693 (1996), und S.C.-T. Lam (1992)
entwickelt. Ungefähr
50 ng des Integrins in einem Gesamtvolumen von 50 μl wurden pro
Well immunologischer 96-Well-Pro-Bind-Platten
(Falcon) zugegeben und über
Nacht bei 4°C
inkubiert. Unspezifische Stellen wurden mit 20 mg/ml BSA im selben
Puffer blockiert und vier Mal in diesem Puffer gewaschen. Die behandelten
Platten wurden mit 1 μg/ml
Cyr61 oder 0,1 μg/ml
Vitronectin 3 Stunden lang bei Raumtemperatur inkubiert. EDTA (5
mM), RGDS-Peptid
(0,5 mM) und blockierende Antikörper
wurden entweder mit dem immobilisierten Integrin 1 Stunde lang vor
der Zugabe des Protein-Liganden vorinkubiert oder gemeinsam mit
dem Liganden zugegeben. Die Endverdünnung der LM609-Aszitesflüssigkeit
betrug 1:200. Gebundene Proteine wurden durch spezifische polyklonale
Antisera (Anti-Cyr61-Antiserum wurde 1:500 und Anti-Vitronectin-Antiserum
wurde 1:1000 in PBS verdünnt,
das 1 mM CaCl2, 1 mM MgCl2 und
5 mg/ml BSA enthielt), gefolgt von einem sekundären Antikörper-Meerrettichperoxidase-Konjugat
(1:20.000 im selben Puffer) detektiert. Die Platten wurden nach
jeder Inkubation vier Mal mit 1 mM CaCl2 und
1 mM MgCl2 enthaltendem PBS gespült. Meerrettichperoxidase
(HRP) wurde mit einem HRP-Immuntestset (Bio-Rad Laboratories) detektiert.
Die kolorimetrische Reaktion wurde 15-20 Minuten lang bei Raumtemperatur
entwickelt, durch Zugabe von H2SO4 gestoppt, und die Absorption bei 450 nm
wurde gemessen. Fachkundige auf dem Gebiet der Erfindung werden verstehen,
dass eine Vielzahl von Techniken anstelle des beispielhaften enzymgebundenen
immunologischen Ansatzes eingesetzt werden könnten. Beispielsweise könnten andere
Marker, wie z.B. Radiomarker, fluoreszierende Verbindungen und dergleichen,
z.B. kovalent an einen Antikörper
oder ein anderes Mittel, welches das Peptid von Interesse, wie z.B.
Cyr61, erkennt, gebunden werden.
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Die
Ergebnisse der Integrin-Bindungstests zeigten, dass Vitronectin
und Cyr61 an das immobilisierte Integrin banden. Weiters war sowohl
die Cyr61- als auch die Vitronectin-Bindung an αvβ3 saturierbar.
Die Konzentration von Cyr61, bei der Sättigung erreicht wurde, war
signifikant höher
als die für
Vitronectin erforderliche Konzentration zur Sättigung. Dieser Unterschied
könnte
eine niedrigere Affinität
von αvβ3 für
Cyr61 im Vergleich zu Vitronectin widerspiegeln, was im Einklang
mit den Ergebnissen von Zelladhäsionstests
steht, die zeigen, dass HUVE-Zellen auf konzentrationsabhängige Weise
an Vitronectin und schwächer
an Cyr61 anhaften (siehe unten).
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Die
Spezifität
der Wechselwirkung wurde durch Blockieren der Ligandenbindungsstelle
des Integrins untersucht, und zwar unter Anwendung einer beliebigen
von mehreren Techniken, einschließlich Verarmung an zweiwertigen
Kationen, RGDS-Peptid-Konkurrenz
und LM609-Antikörper-Hemmung.
Die Wechselwirkung beider Proteine (Cyr61 und Vitronectin) mit αvβ3 wurde
von EDTA, RGDS-Peptid und LM609-Antikörper gehemmt. Diese Eigenschaften
der Cyr61-Wechselwirkung mit αvβ3 standen ferner im Einklang mit den Ergebnissen
des Zelladhäsionstests
und zeigten an, dass die HUVE-Zellen-Adhäsion an Cyr61 durch die direkte Wechselwirkung
von Cyr61 mit dem αvβ3-Integrin vermittelt wurde.
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Außerdem induziert
Cyr61 Fokaladhäsion,
d.h. Zelloberflächen-Fokuspunkte
für Zytoskelettanhaftungen.
Die Fokaladhäsion
wird durch Zelloberflächen-Proteinkomplexe
oder -cluster bewirkt. Diese Proteincluster sind komplex und umfassen
eine Reihe von Rezeptoren aus der Integrin-Familie und eine Reihe
von Proteinkinasen. Die Induktion der Fokaladhäsion durch Cyr61 widerspiegelt
sich in der Fähigkeit
von Cyr61, spezielle Elemente dieser Zelloberflächencluster zu induzieren.
Beispielsweise induziert Cyr61 die Phosphorylierung der Fokal-Adhäsion-Kinase,
einem 125-kDa-Polypeptid,
und Paxillin, einem weiteren Protein, das bekanntermaßen an den
Fokaladhäsions-Zelloberflächenproteinkomplexen
beteiligt ist. Darüber
hinaus haben indirekte Immunfluoreszenz-Untersuchungen gezeigt,
dass Cyr61 an einen Rezeptor (siehe oben) in Fokaladhäsions-Plaques
gebunden wird. Die Plaques ihrerseits sind charakteristisch für Fokaladhäsions-Proteinkomplexe.
Fokal-Adhäsion-Kinase,
Paxillin und αvβ3-Integrin sind gemeinsam an den Fokaladhäsions-Plaques
lokalisiert, die durch Cyr61-induzierte Fokaladhäsionskomplexbildung produziert
wurden. Diese Fokaladhäsions-Proteinkomplexe
binden Cyr61 an der Zelloberfläche;
die Komplexe heften sich auch innen an das Zytoskelett. Daher sind
Maus-Cyr61 und Human-Cyr61
(siehe unten) zum Teil Adhäsionsmoleküle, eine
Eigenschaft, die Cyr61 von herkömmlichen
Wachstumsfaktoren unterscheidet. Der Fachkundige auf dem Gebiet
der Erfindung wird anerkennen, dass das αvβ3-Integrin
in Verbindung mit Cyr61 verwendet werden kann, um auf Modulatoren
der Cyr61-Bindung an seinen Rezeptor zu screenen. Das Integrin kann
immobilisiert und entweder gegenüber
(a) Cyr61 und einem mutmaßlichen
Modulator der Rezeptorbindung oder (b) Cyr61 alleine ausge setzt
werden. Anschließend
wird gebundenes Cyr61 detektiert, z.B. durch Anti-Cyr61-Antikörper, der
mittels Techniken markiert ist, die auf dem Gebiet der Erfindung
bekannt sind, wie z.B. Radiomarkierung, Fluoreszenzmarkierung und
die Verwendung von Enzymen, die kolorimetrische Reaktionen katalysieren.
Ein Förderer
der Cyr61-Bindung an seinen Rezeptor würde die Bindung von Cyr61 im
Vergleich zur Bindung durch Cyr61 alleine erhöhen (und ein Inhibitor würde Cyr61
vermindern).
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Die
Wirkung von Maus-Cyr61 auf die Zellmorphogenese kann durch einen
Zellausbreitungstest ermittelt werden. Polystyrol-Petrischalen wurden
mit 2 ml einer 10-μg/ml-Lösung von
Cyr61 oder Fibronectin in PBS mit 0,1 % BSA beschichtet und wie
oben beschrieben behandelt. Eine dritte Platte wurde mit BSA behandelt und
diente als Kontrolle. Jede Platte erhielt 7 × 106 Zellen
und wurde 2 Stunden lang inkubiert. Die Zellausbreitung wurde durch
Mikroskopie bei 100facher Vergrößerung analysiert.
Die Ergebnisse zeigen an, dass Maus-Cyr61 die HUVE-Zellausbreitung
ungefähr
im selben Ausmaß wie
Fibronectin induziert. Die effiziente Anhaftung (siehe oben) und
Ausbreitung von Zellen auf Maus-Cyr61-beschichteten Substraten zeigte
an, dass Cyr61 mit einem signaltransduzierenden Zelloberflächenrezeptor
wechselwirken könnte,
was zu einer Kaskade von Zytoskelett-Umordnungen und zu einer möglichen
Bildung von Fokalkontakten führt.
Folglich können Cyr61
und Cyr61-verwandte Polypeptide bei der Kontrolle der Zelladhäsion zweckdienlich
sein, z.B. bei Zelladhäsionsereignissen,
die metastasierende Krebszellen, Organreparatur und -regenerierung
oder Chondrozyten-Besiedelung von Prothesenimplantaten begleiten,
wie unten erörtert
wird.
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Im
Gegensatz zu Maus-Cyr61, das die Anhaftung sowie Migration von HUVE-Zellen
vermittelt, vermittelte hCyr61 die Zelladhäsion, nicht jedoch die Ausbreitung
von HUVE-Zellen. Immunologische Platten (96-Well-ProBind-Testplatten,
Falcon) wurden mit 0,1-30 μg/ml
hCyr61, Fibronectin (Gibco BRL) oder Vitronectin (Gibco BRL) in
phosphatgepufferter Kochsalzlösung
(PBS), die 0,1 % Protease-freies BSA (Sigma) enthielt, 16 Stunden
lang bei 4°C
beschichtet. Die Wells wurden mit 1 % BSA in PBS 1 Stunde lang bei
Raumtemperatur blockiert und mit PBS gewaschen. HUVE- Zellen wurden mit
0,02 % EDTA in PBS geerntet, zweimal mit serumfreiem F12-Medium
gewaschen und in serumfreiem F12 resuspendiert. In einigen Experimenten
wurde fbs auf 5-10 % zugegeben. Auch wurde in Experimenten mit Vironectin-beschichteten
Platten endogenes Vironectin durch Immunaffinitätschromatographie unter Verwendung
von polyklonalen Anti-Vitronectin-Antikörpern aus Rindern (Gibco) von
fbs entfernt. Norris et al., J. Cell Sci. 95, 255-262 (1990). Die
Zellen wurden zu 104 Zellen/Well ausplattiert.
Nach zwei Stunden wurden die Zellen mit 4 % Paraformaldehyd fixiert,
mit Methylenblau gefärbt
und wie beschrieben quantifiziert. Oliver et al., J. Cell Sci. 92,
513-518 (1989).
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Unter
serumfreien Bedingungen vermittelte hCyr61 die Zellanhaftung, nicht
jedoch die Ausbreitung von HUVE-Zellen. Die Anhaftung von HUVE-Zellen
an hCyr61-beschichtete Platten wurde durch Aufnahme von Serum in
das Kulturmedium verstärkt.
In Gegenwart von Serum erfolgte die Anhaftung und Ausbreitung von
HUVE-Zellen an hCyr61 auf eine ähnliche
Weise, wie sie an Fibronectin beobachtet worden ist. Human-Cyr61
förderte
die Adhäsion
von HUVE-Zellen auf dosisabhängige
Weise bei hohen (10 %) und niedrigen (0,5 %) Serumkonzentrationen.
Jedoch war in Gegenwart von 10 % fbs der maximale Anteil an Zellen,
die bei niedrigerer hCyr61-Konzentration anhafteten, und der Anteil
von anhaftenden Zellen höher.
Von Human-Cyr61 zeigte sich ebenfalls, dass es mit Vironectin bei
der Förderung
der Adhäsion
und Ausbreitung von HUVE-Zellen kooperierte. Zwei hauptsächliche
Zelladhäsionsproteine,
die sich in Säugetier-Seren
finden, sind Fibronectin und Vironectin, die auch als „Serum-Ausbreitungsfaktor" bekannt sind. Für einen Überblick
siehe Felding-Habermann et al., Curr. Opin. Cell Biol. 5, 864-868
(1993). Zellanhaftung, -ausbreitung und -wachstum auf Gewebekultur-Kunststoff
hängten
aus den folgenden Gründen
von Vitronectin und nicht von Fibronectin im Serum ab: (1) erhebliche
Verarmung von Fibronectin in den fbs-Chargen wegen „Gerinnung" bei 4°C; und (2)
Unfähigkeit
von Fibronectin, den Kunststoff in Gegenwart einer überschüssigen Menge
anderer Serumproteine effizient zu beschichten. Im Gegensatz dazu
beschichtete Vitronectin die Kunststoffoberflächen unter denselben Bedingungen
effizient.
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Es
wurde die Fähigkeit
von HUVE-Zellen verglichen, in Gegenwart von pseudo-immunverarmtem
fbs und Serum, das mit Anti-Rinder-Vitronectin-Antikörpern immunverarmt
war, an hCyr61-beschichteten Platten zu haften. HUVE-Zellen hafteten
an hCyr61-beschichteten Oberflächen
signifikant besser in Gegenwart von löslichem Vitronectin oder pseudo-immunverarmtem
fbs als in Gegenwart von serumfreiem Medium oder Medium, das mit
Vitronectin-immunverarmtem fbs ergänzt war. Die Zugabe von Vitronectin
(30 μg/ml)
zu Vitronectin-immunverarmtem Serum stellte die Fähigkeit
von HUVE-Zellen zur Anhaftung und Ausbreitung an hCyr61-beschichteten
Platten im selben Ausmaß wieder
her, wie sie beobachtet wurde, wenn Gesamtserum im Zellanhaftungstest
verwendet wurde. Darüber
hinaus stellte lösliches
Vitronectin alleine bei einer Konzentration, die gleich seiner Konzentration
in 10 % Serum war (30 μg/ml),
das Ausmaß an
Zelladhäsion
und -ausbreitung auf jenes Ausmaß wieder her, das in Gegenwart
von 10 % Serum gefunden wurde. Folglich ist Vitronectin eine notwendige
und hinreichende Serumkomponente, die zur Adhäsion und Ausbreitung von HUVE-Zellen
an hCyr61-beschichteten Kunststoffoberflächen beiträgt. Kontrolluntersuchungen
zeigten, dass die Wirkung von Vitronectin nicht auf seine bevorzugte
Retention an den Kunststoffplattenoberflächen in Gegenwart von hCYR61
zurückzuführen war.
-
Außerdem wurde
die Anhaftung und Ausbreitung von HUVE-Zellen in Gegenwart einer
ansteigenden Menge von Vitronectin untersucht. Die Lösungen zum
Beschichten der Platten enthielten ansteigende Mengen Vitronectin
(0-10 μg/ml)
mit einer festgelegten Menge hCyr61 (10 μg/ml). Die Ergebnisse wiesen
darauf hin, dass an den mit den beiden Proteinen beschichteten Platten
mehr Zellen anhafteten, als durch Addition der einzelnen Adhäsionskapazitäten von
Vitronectin und hCyr61 zu erwarten gewesen wäre. Dieser nicht-additive Anstieg
der Adhäsion
in Gegenwart von Vitronectin und hCyr61 war nicht auf die höheren Mengen
von am Kunststoff adsorbiertem Vitronectin zurückzuführen. Ein ELISA-Test mit Anti-Human-Vitronectin-Antikörpern zeigte,
dass die Menge an Vitronectin, die an den gegenüber Vitronectin/hCyr6l-Gemisch
ausgesetzten Kunststoffplatten adsorbierten, jene von Vitronectin
alleine um nicht mehr als 20 % überschritt.
Dieser Unterschied reicht nicht aus, um den beobachteten Unterschied
an Zelladhäsion
(3- bis 5fach in verschiedenen Experimenten) zu erklären. Außerdem haftete
auch ein höherer
Anteil an HUVE-Zellen an das Gemisch von Proteinen an, wenn die
Beschichtungslösung
verdünntes
Vitronectin (2,5 μg/ml)
enthielt, als an Platten, die mit höheren Konzentrationen an reinem
Vitronectin (10 μg/ml)
oder reinem hCyr61 (10 μg/ml)
beschichtet waren. Folglich kooperieren Vitronectin und hCyr61 funktionell
und bestätigen
eine synergistische Wirkung auf die Adhäsion von HUVE-Zellen.
-
Die
Fähigkeit
von Fisp12, die Zelladhäsion
zu beeinflussen, wurde ebenfalls untersucht. Fisp12-Zellanhaftungstests
wurden im Wesentlichen wie beschrieben (Oliver et al. (1989)) durchgeführt. Immunologische 96-Well-Platten
wurden 16 Stunden lang bei 4°C
mit 20 μg/ml
Cyr61, Fisp12 oder Fibronectin (Gibco BRL) in 0,1 mg/ml BSA enthaltendem
PBS beschichtet und mit 10 mg/ml BSA 1 Stunde lang bei Raumtemperatur
blockiert. HUVE-Zellen wurden zu 104 Zellen/Well
in F12K-Medium mit 10 % FBS (Hyclone Laboratories Inc., Logan, Utah)
ausplattiert; NIH-3T3-Fibroblasten
wurden zu 3 × 104 Zellen/Well ausplattiert, und Mv1Lu-Zellen wurden
zu 5 × 104 Zellen/Well in Minimal-Essential-Medium
(MEM) mit 10 % FBS ausplattiert. Nach einstündiger Inkubation wurden die
Zellen fixiert, mit Methylenblau gefärbt und wie beschrieben (Oliver
et al. (1989)) quantifiziert. Die Zellausbreitung wurde an Zellen
untersucht, die auf mit 2,5 ml einer Lösung von 20 μg/ml Cyr61,
Fisp12 oder Fibronectin beschichteten 100-mm-Polystyrol-Petrischalen
ausplattiert waren. 107 Zellen wurden auf
jeder Platte ausplattiert und die Zellausbreitung 90 Minuten nach
Ausplattierung durch Mikroskopie bei 100facher Vergrößerung analysiert.
-
Die
Ergebnisse zeigten an, dass Fisp12 sowie Cyr61, wenn sie auf Kunststoffplatten
beschichtet waren, die Anhaftung von drei verschiedenen Zelltypen
förderte:
HUVE-Zellen, NIH-3T3-Fibroblasten
und Nerz-Lungenepithel-(Mv1Lu-) Zellen. Diese Zellen hafteten schlecht
an unbeschichteten Kunststoffplatten oder Kunststoffplatten, die
mit Rinderserumalbumin beschichtet waren, hafteten jedoch signifikant
besser an Platten, die entweder mit Fibronectin, Cyr61 oder Fisp12
beschichtet waren. Die Fähigkeit
von Cyr61 oder Fisp12, die Zellanhaftung zu vermitteln, ist vergleichbar
mit jener von Fibronectin für
alle drei Zelltypen. Während
die Fähigkeit
von Cyr61, die Zellanhaftung zu vermitteln, bereits früher für Fibroblasten
und Endothelzellen nach gewiesen worden ist (Kireeva et al. (1996)),
zeigen diese Untersuchungen eine Zellanhaftungsaktivität für Fisp12
sowie Cyr61 in Epithelzellen zusätzlich
zu Endothelzellen und Fibroblasten.
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Wie
die Zellanhaftung von Fibronectin und Cyr61 (Kireeva et al (1996))
wurde die Fisp12-vermittelte Zellanhaftung gehemmt, wenn zum Kulturmedium
EDTA zugesetzt wurde. Diese Hemmung wurde durch die Zugabe von überschüssigem MgCl2 vollständig
aufgehoben, was auf die Notwendigkeit von zweiwertigen Kationen
für die
Fisp12-vermittelte Zellanhaftung hinweist. Zusätzlich zur Zellanhaftung fördert Fisp12
auch die Zellausbreitung. Eine ähnliche
Zellausbreitung wurde gefunden, wenn NIH-T3T-Zellen auf Platten, die entweder
mit Fibronectin, Cyr61 oder Fisp12 beschichtet waren, ausplattiert
wurden, nicht jedoch bei Beschichtung mit BSA. Endothelzellen und
Epithelzellen breiteten sich ebenfalls aus, wenn sie auf Fibronectin,
Cyr61 oder Fisp12 ausplattiert wurden.
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Beispiel 14
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Migration von Fibroblasten
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Cyr61
beeinflusst ferner Chondrozyten, z.B. die an der Skelettentwicklung
beteiligten Fibroblasten. In Speziellen beeinflusst Cyr61 die Entwicklung
und möglicherweise
die Erhaltung von Knorpel, im Gegensatz zu einer Vielzahl von wachstumsbezogenen
Proteinen, die ausschließlich
die Entwicklung und Erhaltung des Knochenskeletts beeinflussen.
Die chemotaktische Reaktion von NIH-3T3-Zellen auf Maus-Cyr61 wurde
unter Verwendung einer modifizierten Boyden-Kammer (Neuroprobe Inc.,
Katalognummer AP48) untersucht. Grotendorst, Meth. Enzymol. 147,
144-152 (1987). Gereinigtes Cyr61-Protein wurde in Rinderserumalbumin
(BSA; 0,2 mg/ml) enthaltendem DMEM reihenverdünnt und zum unteren Well der
Kammer zugegeben. Der untere Well wurde dann mit einem Collagen-beschichteten
Polycarbonatfilter (8 μm
Porendurchmesser; Nucleopore Corp., Pleasanton, CA) bedeckt. Zellen
(6 × 104) wurden dann in den oberen Well eingebracht.
Nach 5 Stunden Inkubation (10 % CO2, 37°C) wurde
das Filter entfernt und die Zellen unter Verwendung von Wright- Giemsa-Farbstoff
(Harleco-Formulierung; EM Diagnostic Systems, Gibbstown, NJ) fixiert
und gefärbt.
Zellen aus der oberen Oberfläche
des Filters wurden dann durch Abwischen mit einem Gewebetupfer entfernt.
Die chemotaktische Reaktion wurde durch Zählen der Gesamtzahl migrierender
Zellen bestimmt, die in zehn zufällig
gewählten
Hochleistungs-Mikroskopie-Feldern (400fache Vergrößerung)
an der unteren Oberfläche
des Filters detektiert wurden. Doppelversuche wurden für jedes
Experiment durchgeführt,
und das Experiment wurde drei Mal wiederholt, um die Reproduzierbarkeit
der Daten sicherzustellen.
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NIH-3T3-Zellen
reagierten auf Cyr61 als chemotaktischer Faktor auf dosisabhängige Weise
im Boyden-Kammer-Test. Ohne Cyr61 migrierten ungefähr 4,8 Zellen
pro Hochleistungs-Feld. In Gegenwart von 0,5 μg/ml Maus-Cyr61 fanden sich
ungefähr
5,2 Zellen pro Feld. Wenn die Konzentration von Cyr61 auf 1, 5 und 10 μg/ml erhöht wurde,
stieg die mittlere Anzahl migrierender Zellen pro Feld auf 7,5,
18,5 und 18,7. Folglich agiert Maus-Cyr61 als chemisch anziehendes
Mittel für
Fibroblasten. Die optimale Konzentration für die chemotaktische Aktivität von Cyr61
beträgt
in diesem Test 1-5 μg/ml;
dieser Konzentrationsbereich steht im Einklang mit den berichteten
Bereichen, bei denen andere ECM-Moleküle für eine wirksame chemotaktische
Stimulierung sorgen. Beispielsweise weist Thrombospondin bei 5-50 μg/ml eine
chemotaktische Wirkung auf Endothelzellen auf (Taraboletti et al.,
J. Cell Biol. 111, 765-772 (1990)); Fibronectin fungiert ebenfalls
als chemotaktisches Mittel bei 1-30 μg/ml (Carsons et al., Role of
Fibronectin in Rheumatic Diseases, in: Fibronectin, Mosher (Hrsg.),
Academic Press (1989); Carsons et al., Arthritis. Rheum. 28, 601-612
(1985)), wie unter Verwendung ähnlicher
Boyden-Kammer-Tests ermittelt wurde. Das Human-Cyr61-Polypeptid
kann verwendet werden, um die Chemoattraktion von Fibroblasten auf
eine zum Maus-Cyr61 analoge Weise zu bewirken. In Experimenten,
die analog zu den Studien der NIH-3T3-Zellmigration als Reaktion
auf Maus-Cyr61 sind,
wurde die Migration von Human-1064SK-Hautfibroblasten als Reaktion
auf Wildtyp-Human-Cyr61 und Human-Cyr61-NT (ein Cyr61-Polypeptidfragment,
das genauer in Beispiel 29 beschrieben ist) bestimmt. Cyr61 induzierte
Migration der Human-Fibroblastenzellen bei vergleichbaren Mengen
wie die Maus-Cyr61-Mengen, die NIH-3T3-Zellen-Chemotaxis induzieren.
Das Human-Cyr6i-NT induzierte 1064SK-Zellmigration bei Mengen, die
mit wirksamen Mengen des Wildtyp-Human-Cyr61 vergleichbar sind. Antikörperstudien
zeigten, dass ein Antikörper,
der für
die αv-Integrin-Untereinheit spezifisch war, die
Fibroblastenmigration in Gegenwart von Cyr61-Polypeptiden hemmte,
während
ein Antikörper
(d.h. GoH3), der für
die α6-Integrin-Untereinheit
spezifisch war, die Migration nicht hemmte. Weitere Untersuchungen
zeigten, dass ein monoklonaler Antikörper, der αvβ5-Integrin
spezifisch erkannte, Cyr61-induzierte Human-Fibroblastenmigration
hemmte, jedoch ein monoklonaler Antikörper, der Integrin-αvβ3 spezifisch
erkannte, diese Migration nicht hemmte. Daher vermittelt Integrin αvβ5 die
Fibroblasten-Migration als Reaktion auf Cyr61-Polypeptide. Diese
Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den Ergebnissen der Antikörper-Studien,
die die chemotaktische Reaktion von Endothelzellen auf Cyr61-Polypeptide, die
von Integrin αvβ3 abhängig
ist, analysierten. Vom Human-CTGF ist ebenfalls berichtet worden,
dass es die Migration von Nicht-Human-Säugetierzellen, wie z.B. NIH-3T3-Zellen
(Maus-Fibroblasten) und BASM-Zellen (Rinder-Aorta-Glattmuskelzellen),
stimuliert, wie in US-Patent Nr. 5.408.040, Spalte 7, Zeile 65,
bis Spalte 11, Zeile 7, beschrieben wird.
-
Somit
ist ein Verfahren zum Screenen auf Modulatoren von Zellmigration,
wie z.B. Fibroblasten-Zellmigration, möglich. Das Verfahren umfasst
allgemein das Aussetzen von Zellen, die zumindest einen geeigneten
Integrin-Rezeptor umfassen, gegenüber einem Cyr61-Polypeptid
in Gegenwart oder Abwesenheit eines möglichen, oder vermutlichen,
Modulators. Eine nachfolgende Messung der relativen Zellmigrationsgeschwindigkeiten
(in Gegenwart und Abwesenheit des potenziellen Modulators) identifiziert
Modulatoren von Cyr61-induzierter Zellmigration. Es ist zu erwarten,
dass verschiedene kleine Chemikalien, sowohl anorganischer als auch
organischer Natur, sowie unterschiedliche Peptide potenzielle Modulatoren
darstellen. Beispiele umfassen Mannose und sein Derivat Mannose-6-phosphat,
wobei Letzteres wahrscheinlich durch Hemmung als Modulator von Cyr61-induzierter
Zellmigration agiert. Mögliche
Modulatoren können
sehr unterschiedliche Strukturen aufweisen und einzeln oder als
Teil eines systematischeren Ansatzes unter Einsatz einer auf dem
Gebiet der Erfindung bekannten chemischen oder Peptidbibliothek
getestet werden.
-
In
einem alternativen Verfahren umfasst ein Test für Modulatoren der Zellmigration,
wie z.B. der Migration von Chondrozyten, eine Kombination eines
mutmaßlichen
Modulators der Zellmigration und Cyr61, die dem unteren Well einer
Boyden-Kammer zugegeben werden. Als Kontrolle wird Cyr61 gesondert
dem unteren Well einer anderen Boyden-Kammer zugegeben. Relative
Zellmigrationen werden dann gemessen. Ein Anstieg der Zellmigration
in Gegenwart des mutmaßlichen
Modulators verglichen mit der Zellmigration als Reaktion auf Cyr61
alleine identifiziert einen Förderer
der Chondrozyten-Zellmigration, während eine relative Abnahme
der Zellmigration in Gegenwart des mutmaßlichen Modulators einen Inhibitor
identifiziert.
-
Beispiel 15
-
Migration von Endothelzellen – In-vitro-Tests
-
Das
Endprodukt der In-vitro-Angiogenese ist ein wohldefiniertes Netzwerk
von kapillarähnlichen
Röhren.
Wenn auf Gelmatrizes, z.B. Collagen, Fibrin oder Matrigel-Gelen,
kultiviert wird, müssen
Endothelzellen zuerst in die Matrix eindringen, bevor reife Gefäße gebildet
werden. (Matrigel ist ein komplexes Gemisch von Basalmembran-Proteinen, die Laminin,
Collagen Typ IV, Nidogen/Entactin und Proteoglykan-Heparinsulfat
mit zusätzlichen
Wachstumsfaktoren umfassen. Kleinman et al., Biochem. 25, 312-318
(1986)). Die invasiven Strukturen sind Stränge, die letztlich anastomosieren,
um die gefäßähnlichen
Strukturen auszubilden. Die angiogene Wirkung von Human-Cyr61 auf
konfluente Monoschichten von Human-Nabelvenen-Endothelzelen wird
durch Aussäen
der Zellen auf dreidimensionalen Collagen- oder Fibrin-Gelen in
Gegenwart oder Abwesenheit von Cyr61 ermittelt. HUVE-Zellen dringen
nicht spontan in solche Gele ein, tun dies jedoch bei Induktion
durch solche Mittel wie Tumor-Promotoren.
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Collagen-Gele
wurden hergestellt, indem zunächst
Typ-I-Collagen (Collaborative Research Inc., Bedford, MA) in einer
sterilen 1:1000-Verdünnung
(Vol./Vol.) von Eisessig (300 ml pro Gramm Collagen) solubilisiert
wurde. Die resultierende Lösung
wurde durch eine sterile Dreifach-Gaze filtriert und bei 16.000 × g 1 Stunde
lang bei 4°C zentrifugiert.
Der Überstand
wurde gegen 0,1X-Eagle's-Minimal-Essential-Medium
(MEM; Gibco-BRL Inc.) dialysiert und bei 4°C gelagert. Gele von rekonstituierten
Collagenfasern wurden durch schnelles Erhöhen von pH-Wert und Ionenstärke der
Collagenlösung
hergestellt. Die Einstellungen von pH und Ionenstärke wurden
durch schnelles Mischen von 7 Volumina kalter Collagenlösung mit
einem Volumen 10X-MEM und
2 Volumina Natriumbicarbonat (11,76 mg/ml) in einer sterilen Flasche
erzielt. Die Lösung
wurde auf Eis gehalten, um die sofortige Gelierung zu verhindern.
Das kalte Gemisch wurde in 18-mm-Gewebekulturwells verteilt und
10 Minuten lang bei 37°C
gelieren gelassen.
-
Fibringele
wurden durch Auflösen
von Fibrinogen (Sigma Chemical Co., St. Louis, MO) unmittelbar vor der
Verwendung in Calcium-freiem MEM hergestellt, um eine Endkonzentration
von 2,5 mg Protein/ml zu erreichen. Die Gerinnung wurde durch schnelles
Mischen von 1,35 ml Fibrinogen-Lösung
mit 15 μl
25 U/ml Thrombin (Sigma Chemical Co.) enthaltendem 10X-MEM in einem
Kunststoffröhrchen
ausgelöst.
Das Gemisch wurde sofort in 18-mm-Gewebekulturwells übertragen
und für
ungefähr
2 Minuten lang bei 37°C
gelieren gelassen.
-
In
manchen Wells wurde Cyr61 vor der Gelierung in die Gelmatrix gemischt
(Endkonzentration 10 μg/ml),
während
sich in anderen Wells Cyr61 nicht in der Gelmatrix befand, sondern
als Teil des Nährmediums zugegeben
wurde (ähnliche
Konzentrationsbereiche wie in der Matrix), nachdem die Zellen Konfluenz
erreicht hatten. HUVE-Zellen
wurden zu 5 × 104 Zellen pro Well in 10 % Fötalrinderserum,
100 μg/ml
Heparin und 30 μg/ml
Endothelzellen-Wachstumsfaktor enthaltendem Ham-F12K-Medium (Gibco-BRL
Inc.) auf die Gelmatrixoberfläche
gesät.
Sobald die Zellen Konfluenz erreichten, wurde das Medium entfernt,
die Zellen wurden mit PBS gewaschen und mit frischem Medium ohne
Endothelzellen-Wachstumsfaktor versorgt. Manche Kulturen erhielten
gereinigtes rekombinantes Cyr61, während andere Cyr61 und polyklonale
Anti-Cyr61-Antikörper
erhielten. Folglich umfasste die Reihe von Kulturen bei Konfluenz
Folgendes: a) Kulturen ohne Cyr61; b) Kulturen mit Cyr61 im Inneren
der Matrix; c) Kulturen mit Cyr61, welches das Medium ergänzte; und
d) Kulturen mit Cyr61, welches das Medium gemeinsam mit polyklonalen
Anti-Cyr61-Antikörpern
ergänzte.
-
Die
Invasion der Gelmatrix wurde ungefähr 4-7 Tage nach Behandlung
der konfluenten Kulturen quantifiziert. Zufällig gewählte Felder einer Größe von 1,0
mm × 1,4
mm wurden in jedem Well phasenkontrastmikroskopisch mit einem invertierten
Zeiss-Axiovert-Fotomikroskop
fotografiert. Fotografien wurden auf einer einzigen Ebene unter
der Oberflächen-Monoschicht
aufgenommen. Die Invasion wurde durch Messen der Gesamtlänge aller
Zellstränge
quantifiziert, die unter die Oberflächen-Monoschicht eindrangen.
Ergebnisse wurden als mittlere Länge
in Mikrometer pro Feld für
zumindest 3 zufällig
gewählte
Felder aus jedem von zumindest drei gesonderten Experimenten berechnet.
-
Um
das Netzwerk von Strängen
im Inneren der Matrix für
die Bildung kapillarähnlicher
Röhren
zu untersuchen, wurden Kulturen in situ über Nacht mit 2,5 % Glutaraldehyd
und 1 % Gerbsäure
in 100 mM Natriumcacodylatpuffer, pH 7,4, fixiert. Die Kulturen
wurden dann intensiv in 100 mM Natriumcacodylatpuffer, pH 7,4, gewaschen.
Die Gele wurden in 2 mm × 2
mm große
Stücke
geschnitten, in 1 % Osmiumtetroxid in Veronalacetatpuffer (um Gewebequellung
zu minimieren; siehe Hayat, in: Principles and Techniques of Electron
Microscopy: Biological Applications 1, Litton Educational Publishing
Inc., 38 (1970)) 45 Minuten lang nachfixiert, im Ganzen mit 0,5
% Uranylacetat in Veronalpuffer 45 Minuten lang gefärbt, durch
Aussetzen gegenüber
einer abgestuften Ethanolreihe entwässert und in flachen Formen
in Epon eingebettet. Semidünnschnitte
wurde quer zur Kulturebene mit einem Ultramikrotom geschnitten,
mit 1 % Toluidinblau gefärbt
und unter Durchlicht mit einem Axiophot-Fotomikroskop (Zeiss) fotografiert.
-
In
einem alternativen Verfahren wird ein mutmaßlicher Modulator der Angiogenese
mit Cyr61 kombiniert und die Kombination wie vorher vor oder nach
der Ausbildung eines Gels zugegeben. In diesem Verfahren wird eine
Kontrolle durch Verwenden von Cyr61 alleine eingeführt. Die
Migration von Zellen als Reaktion auf den mutmaßlichen Modulator und Cyr61
wird dann mit der Migration von Zellen als Reaktion auf Cyr61 alleine verglichen.
Ein Förderer
oder positiver Effektor wird die Zellmigration erhöhen, während ein
Inhibitor oder negativer Effektor die Zellmigration vermindern wird.
-
In
einem alternativen In-vitro-Test für angiogene Aktivität wurde
ein Test für
Endothelzellen-Migration entwickelt. Von diesem Chemotaxis-Test
ist gezeigt worden, dass er die Wirkungen von Cyr61-Konzentrationen
in der Größenordnung
von Nanogramm pro Milliliter detektiert. Primäre mikrovaskuläre Human-Endothelzellen
(HMVEC PO51; Clonetics, San Diego, CA) wurden in DME mit 10 % Donor-Kälberserum
(Flow Laboratories, McLean, VA) und 100 μg/ml Endothelzellen-Mitogen
(Biomedical Technologies Inc., Stoughton, MA) gehalten. Die Zellen
wurden zwischen Passagen 10 und 15 verwendet. Um die Migration zu
messen, wurden die Zellen für
24 Stunden in 0,1 % BSA enthaltendem DME ausgehungert, geerntet,
in DME mit 0,1 % BSA resuspendiert und zu 1,75 × 104 Zellen/Well
an der unteren Oberfläche
eines gelatinierten 0,5-μm-Filters
(Nucleopore Corporation, Pleasanton, CA) in einer invertierten modifizierten
Boyden-Kammer ausplattiert. Nach 1-2 Stunden bei 37°C, währenddessen
die Anhaftung der Zellen an das Filter ermöglicht wurde, wurde die Kammer in
ihre normale Position umgedreht. Zum oberen Well gesonderter Kammern
wurde basischer Fibroblasten-Wachstumsfaktor (eine positive Kontrolle),
Cyr61 oder eine negative Kontrolllösung (konditioniertes Medium,
dem bekanntermaßen
Chemoattraktoren fehlen, oder DME plus BSA, siehe unten) in Konzentrationen
im Bereich von 10 ng/ml bis 10 μg/ml
zugegeben. Die Kammern wurden dann 3-4 Stunden lang bei 37°C inkubiert, um
Migration zu ermöglichen.
Die Kammern wurden zerlegt, die Membranen fixiert und gefärbt und
die Anzahl von Zellen, die zur Oberseite des Filters migriert sind,
in 3 Hochleistungs-Feldern bestimmt. Tolsma et al., J. Cell Biol.
122, 497-511 (1993) und darin zitierte Arbeiten. DME mit 0,1 % BSA
wurde als negative Kontrolle verwendet, und es wurde entweder bFGF
(10 ng/ml) oder konditioniertes Medium aus angiogenen Hamster-Zelllinien
(20 μg/ml
Gesamtprotein) als positive Kontrolle verwendet. Rastinejad et al.,
Cell 56, 345-355 (1989). Jede Probe wurde in vierfacher Ausführung (Testverbindung,
wie z.B. Cyr61, positive Kontrolle, konditioniertes Medium als negative
Kontrolle und DME plus BSA als negative Kontrolle) in einem einzigen
Experiment getestet; Experimente wurden zumindest zweimal wiederholt.
-
Um
den Vergleich von Experimenten zu ermöglichen, die an verschiedenen
Tagen durchgeführt
wurden, sind die Migrationsdaten als prozentuelle maximale Migration
gegenüber
der positiven Kontrolle angegeben, die nach Subtraktion der in Gegenwart
von DME plus BSA beobachteten Hintergrundmigration beobachtet wurde.
Testverbindungen, die die Zufallsbewegung von Endothelzellen unterdrückten, zeigten
einen negativen Wert für
die prozentuelle Migration. Sehr hohe Konzentrationen von Thrombospondin
(TSP) bewirkten die Ablösung
von Endothelzellen von der Membran. Die Ablösung wurde durch Zählen der
Zellen an der Unterseite der Membran detektiert. Wenn der Zellverlust
10 % überschritt,
wurde die Anzahl migrierter Zellen um diesen Verlust korrigiert.
Die Ergebnisse zeigen an, dass 0,01-10 μg/ml bFGF die Migration von
konstanten 92 Zellen je drei Hochleistungs-Mikroskopfeldern induzierte.
Migration in Gegenwart von Cyr61 offenbarte eine stärkere Konzentrationsabhängigkeit.
Bei 10 ng/ml induzierte Cyr61 im Mittel die Migration von 64 Zellen
je drei untersuchten Hochleistungsfeldern. Bei 100 ng/ml Cyr61 fanden
sich ungefähr
72 Zellen in drei Feldern; bei 1 μg/ml
Cyr61 ist ein Maximum von 87 Zellen migriert; bei ungefähr 7 μg/ml Cyr61
wurden ungefähr
61 Zellen beobachtet; und bei 10 μg/ml
Cyr61 fanden sich ungefähr
57 Zellen, die migriert sind. Die negative Kontrolle zeigte ein
konstantes Grundausmaß von
Endothelzellen-Migration von 53 Zellen je drei Hochleistungs-Mikroskopfeldern.
Zusätzlich
zu diesen Ergebnissen besteht eine perfekte Korrelation der Ergebnisse
aus diesem In-vitro-Test und der Ergebnisse aus dem unten beschriebenen
In-vivo-Hornhaut-Test.
-
Um
die Toxizität
zu beobachten, wurden Endothelzellen mit jeder der getesteten Verbindungen
in einem Konzentrationsbereich unter Bedingungen behandelt, die
mit jenen der im Migrationstest verwendeten identisch waren. Die
Zellen wurden dann mit Trypanblau gefärbt, und es wurden die Trypanblau
ausschließenden
Zellen gezählt.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Zellen lebensfähig blieben und dass die Hemmung
der Migration nicht auf Toxizität
zurückzuführen war.
Wo zweckdienlich, wurden Endothelzellen 36-48 Stunden lang mit Peptiden
zu 20 μM
in DME mit 0,1 % BSA vor der Verwendung in den Migrationstests vorbehandelt. Die
Toxizität
wurde während
dieser Zeitspanne ebenfalls getestet und erwies sich als vernachlässigbar.
-
Die
Fähigkeit
von Cyr61, Matrix-Invasion und Röhrenbildung
durch HUVE-Zellen zu induzieren, sowie die Fähigkeit von Cyr61, die Migration
von mikrovaskulären
Human-Endothelzellen zu induzieren, belegt die angiogenen Eigenschaften
dieses Proteins. Es wird erwartet, dass andere Elemente der ECM-Signalmolekül-Familie
Cystein-reicher Proteine, wie z.B. Fisp12 und CTGF, ähnliche
Eigenschaften aufweisen, die zum Screenen auf angiogene Bedingungen
und Modulieren angiogener Bedingungen verwendet werden können. Im
Speziellen kann ein gewöhnlich
Fachkundiger auf dem Gebiet der Erfindung nachvollziehen, dass ein
In-vitro-Test für
angiogene Inhibitoren den oben beschriebenen Test umfasst und eine
wirksame Menge Cyr61 mit oder ohne Kandidat-Inhibitor einschließt.
-
Beispiel 16
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Mirgration von Endothelzellen – ein In-vitro-Test
für Angiogenese-Inhibitoren
-
Die
Aufnahme einer wirksamen Menge eines ECM-Signalmoleküls, wie
z.B. Cyr61, in den im vorhergehenden Beispiel beschriebenen In-vitro-Migrations-
(d.h. Chemotaxis-) Test stellt einen Test bereit, der zur Detektion
von Inhibitoren von ECM-Signalmolekülen und Angiogenese konstruiert
ist. Wegen der entscheidenden Rolle der Neovaskularisierung in solchen
Prozessen wie Wachstum und Metastase massiver Tumoren wäre die Entwicklung
von Tests zur Detektion von Verbindungen zweckdienlich, die diese
Prozesse antagonisieren könnten.
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Der
oben beschriebene In-vitro-Migrationstest wurde adaptiert, so dass
er ein ECM-Signalmolekül, Cyr61,
umfasste. Cyr61 wurde zu 1 μg/ml
aufgenommen, das sich in Titrationsuntersuchungen als optimale Dosis
erwies. Wie im vorhergehenden Beispiel wurden mikrovaskuläre Human-Endothelzellen
(Clonetics) verwendet. In einer der Testserien wurden mehrere Kohlenhydrate
und Kohlenhydratderivate analysiert. Diese Verbindungen umfassten
10 mM Mannose, 10 mM Mannose-6-phosphat und 10 mM Galactose. Ergebnisse dieser
Tests zeigten, dass Cyr61 plus Mannose ungefähr 73 Zellen pro Satz von drei
Hochleistungs-Mikroskopfeldern (siehe oben) lieferte. Cyr61 plus
Galactose induzierte die Migration von ungefähr 74 Zellen pro Satz von drei
Hochleistungsfeldern. Jedoch lieferte Cyr61 plus Mannose-6-phosphat
ungefähr
2 migrierende Zellen für
jeden Satz von drei untersuchten Hochleistungsfeldern. Kontrollexperimente
zeigen, dass die Hemmung der Cyr61-Aktivität durch Mannose-6-phosphat
spezifisch ist.
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Die
angiogene Aktivität
von basischem FGF (10 ng/ml) wurde ebenfalls wie oben beschrieben
mit und ohne Mannose-6-phosphat getestet. In Gegenwart von 10 mM
Mannose-6-phosphat induzierte bFGF die Migration von 51 Zellen pro
Satz von drei Hochleistungsfeldern; in dessen Anwesenheit induzierte
bFGF die Migration von ungefähr
52 Zellen. Wenn jedoch entweder Cyr61 oder Insulin-Wachstumsfaktor
II (IGF-II) getestet wurden, verminderte Mannose-6-phosphat die
Anzahl migrierender Zellen von ungefähr 48 bzw. 47 Zellen auf ungefähr 12 bzw.
11 Zellen. Die Wirkung von Mannose-6-phosphat auf die IGF-II-Aktivität war erwartet,
da Mannose-6-phosphat bekanntermaßen mit IGF II um ihren gemeinsamen
Rezeptor (den IGF-II-Rezeptor) konkurrieren. Folglich hemmt Mannose-6-phosphat
spezifisch die chemotaktische Aktivität von Cyr61 an Human-Endothelzellen.
Darüber
hinaus ist Mannose-6-phosphat
wegen der im Wesentlichen perfekten Korrelation zwischen In-vitro-Migrationstest
und In-vivo-Angiogenese-Test (unten beschrieben) als Inhibitor der
Angiogenese auf Basis der Ergebnisse des hierin offenbarten Tests
identifiziert worden. Demgemäß kann ein
Verfahren der Angiogense-Hemmung den Schritt des Verabreichens eines
Inhibitors der angiogenen Aktivität von Cyr61, wie z.B. Mannose-6-phosphat, umfassen.
Tests wie der oben beschriebene können ferner verwendet werden,
um auf andere Inhibitoren der Angiogenese zu screenen, die bei der
Behandlung von Krankheiten, die mit Angiogenese in Verbindung stehen,
wie z.B. Krebs, und Krankheiten des Auges, die von Neovaskularisierung
begleitet sind, zweckdienlich sein können.
-
Ein
Verfahren des Screenings auf Modulatoren der Angiogenese kann einen
Vergleichstest umfassen. Ein Satz von Bedingungen umfasst die Exposition
von Zellen mit einer Kombination von Cyr61 und einem mutmaßlichen
Modulator der Zellmigration. Als Kontrolle wird ein Paralleltest
durchgeführt,
der Zellen gegenüber Cyr61
alleine aussetzt. Ein Förderer
der Zellmigration erhöht
die Rate der In-vitro-Zellmigration
im Vergleich zur Migrationsrate in Gegenwart von Cyr61 alleine;
das Gegenteil trifft für
einen Inhibitor der Chemoattraktionsfähigkeit von Cyr61 zu.
-
Beispiel 17
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Migration von Endothelzellen – ein In-vivo-Test
-
Ein
In-vivo-Test für
Endothelzellen-Migration ist ebenfalls entwickelt worden. Im Allgemeinen
steht das Testprotokoll mit der Offenbarung von Tolsma et al. (1993)
im Einklang. Um die mit der Bildung von Granulationsgewebe (d.h.
das neu gebildete, proliferative, fibroblastische Hautgewebe um
die Wunden während
der Heilung) in Verbindung stehende Angiogenese zu ermitteln, wurden
Schwammimplantate wie früher
beschrieben (Fajardo et al., Lab. Invest. 58, 718-724 (1988)) verwendet.
Polyvinylalkohol-Schaumstoffscheiben (10 mm Durchmesser, 1 mm Dicke)
wurden hergestellt, indem zunächst
ein Kernstück
des Schwamms von 2 mm Durchmesser entfernt wurde. PBS oder ein RGDS-Peptid
(andere mögliche
Testverbindungen umfassen Fragmente von Cyr61, RGDS-Peptid, kleine
Moleküle,
wie z.B Mannose-6-phosphat) wurden dem Schwammkernstück zu 100 μM zugegeben,
das dann mit 5 μl
sterilem Hydron (Interferon Sciences, New Brunswick, NJ) beschichtet
wurde. Nach Verfestigung wurde der beschichtete Kern in das Zentrum
des Schwamms zurückgesetzt,
der dann an beiden Seiten mit 5-μm-Filtern
bedeckt und mit Klebstoff (Millipore Corp., Bedford, MA) gesichert
wurde. Eine Kontrolle und eine Testscheibe wurden dann subkutan
in den Unterleib anästhetisierter weiblicher
Balb/c-Mäuse
implantiert, wo Granulationsgewebe in den freien Rand der Scheibe
eindringen konnte. Die Wunden wurden mit Autoclips verschlossen
und die Tiere ungestört
belassen, bis sie getötet
wurden.
-
Quantitative
Schätzungen
der Thymidin-Inkorporation in situ in die Endothelzellen in den
Scheiben wurden wie früher
beschrieben erhalten (Polverini et al., J. Immunol. 118, 529-532
(1977)). Schwammimplantate wurden an Tagen 5, 7, 10 und 14 nach
Implantation beurteilt. Dreißig
Minuten vor der Tötung
wurde den Mäusen
eine [3H]-Thymidin in Kochsalzlösung (spezifische
Aktivität
6,7 Ci/mM; New England Nuclear/Du Pont, Wilmington, DE) enthaltende
Lösung
im Ausmaß von
1 μCi pro
Gramm Körpergewicht
injiziert. Die Schwämme wurden
entfernt und flächenseitig
eingebettet, um einen gleichmäßigen Schnitt
des gesamten Umfangs zu erhalten. Die Gewebe wurden in 10 % neutral
gepuffertem Formalin fixiert, in einer abgestuften Alkoholreihe
entwässert
und in Glykolmethacrylat (Polysciences, Miles, IL) eingebettet.
Autoradiogramme wurden durch Eintauchen der auf säuregereinigten
Glasobjektträgern
montierten Schnitte in NTB-Emulsion Typ 2 (Eastman Kodak) hergestellt.
Nach Exposition für
4 Wochen bei 4°C
wurden die Autoradiogramme in D-19-Entwickler der halben Stärke entwickelt,
in Kodak-Rapid-Fixierer fixiert und mit Hämatoxylin und Eosin gefärbt. Die
Quantifizierung der Endothelzellen-Markierung wurde durch Zählen aller
Endothelzellen, die Kapillaren und Venolen beschichteten, die sich
von der Peripherie zum Zentrum des Schwamms erstreckten, durch Rektilinearscanning
unter Ölimmersion
(× 1.000)
durchgeführt.
Insgesamt 500-700 Endothelzellen wurden in jedem der beiden Schwämme gezählt, die
entweder PBS, TSP oder Peptidfragmente (d.h. Thombospondin-Fragmente)
enthielten. Die Zellen wurden als markiert betrachtet, wenn fünf oder
mehr Körner über dem
Kern detektiert wurden. Der prozentuelle Anteil markierter Zellen
wurde berechnet, und es wurde eine Chi-Quadrat-Analyse der von Kontrolle und Schwämmen des
Experiments hergeleiteten Daten durchgeführt.
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Die
Ergebnisse des vorangegangenen Tests zeigten, dass Thrombospondin-Fragmente
den Angiogenese-Prozess hemmen konnten.
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Beispiel 18
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Mitogen-Potenzierung
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Maus-Cyr61
verstärkte
die mitogene Wirkung von Wachstumsfaktoren auf Fibroblasten und
Endothelzellen. Wenn NIH-3T3-Fibroblasten oder HUVE-Zellen mit einer nicht
sättigenden
Dosis von entweder basischem Fibroblasten-Wachstumsfaktor (bFGF)
oder Blutplättchen-hergeleitetem
Wachstumsfaktor (PDGF-BB) behandelt wurden, erhöhte die Zugabe von Maus-Cyr61
signifikant die Inkorporation von radimarkiertem Thymidin im Vergleich
zu Zellen, die mit den Wachstumsfaktoren alleine behandelt worden
sind. Der Thymidin-Inkorporationstest ist eine Standardtechnik,
um zu bestimmen, ob Zellen aktiv wachsen, indem das Ausmaß ermittelt
wird, in dem Zellen in die S-Phase eingetreten sind und DNA synthetisieren.
Die Cyr61-Verstärkung von bFGF-
oder PDGF-BB-induzierter Thymidin-Inkorporation war dosisabhängig und
erforderte eine Minimalkonzentration von 0,5 bis 1,0 μg/ml rekombinantem
Protein für
jeden Zelltyp. Die Verstärkung
der DNA-Synthese durch Cyr61 wurde durch die Zugabe von spezifischem
Anti-Cyr61-Antiserum gehemmt.
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Im
Spezielleren wurden NIH-3T3-Fibroblastenzellen auf 24-Well-Platten
zu 3 × 104 Zellen/Well ausplattiert und in DMEM mit
10 % Fötalrinderserum
(Intergen Co., Purchase, NY) 3-4 Tage lang gezüchtet und mit 0,2 % FBS enthaltendem
Medium für
die folgenden 48 Stunden inkubiert. Die folgenden Verbindungen wurden
dann zu den ausplattierten Zellen in den in Klammern angegebenen
Endkonzentrationen in frischem, 0,2%iges fbs und [3H]-Thymidin
(1 μCi/ml
Endkonzentration; ICN Biochemicals Inc., Costa Mesa, CA), bFGF (15
ng/ml), PDGF-BB (30 ng/ml) und Maus-Cyr61 (0,5-5 μg/ml) enthaltendem DMEM zugegeben.
Diese Verbindungen wurden den einzelnen Platten nach folgendem Muster
zugegeben: 1) keine Ergänzung;
2) Maus-Cyr61; 3) bFGF; 4) Maus-Cyr61 und bFGF; 5) PDGF-BB; und
6) Maus-Cyr61 und PDGF. Nach 18-20 Stunden Inkubation wurden die
Zellen mit PBS gewaschen und mit 10 % Trichloressigsäure fixiert.
DNA wurde in 0,1 N NaOH gelöst
und die Thymidin-Inkorporation bestimmt. Die Ergebnisse zeigten
an, dass Maus-Cyr61 in Abwesenheit eines Wachstumsfaktors die mittels
Tritium-Thymidin-Inkorporation gemessene DNA-Synthese nicht stimulierte.
Ohne irgendwelche Ergänzungen
inkorporierten 3T3-Zellen ungefähr
1,8 × 104 cpm [3H]-Thymidin
in Gegenwart und Abwesenheit von Cyr61. Zellen, die gegenüber bFGF
alleine ausgesetzt wurden, inkorporierten ungefähr 1,2 × 105 cpm;
mit bFGF und Maus-Cyr61 kontaktierte Zellen inkorporierten 2 × 105 cpm. Zellen, die PDGF-BB erhielten, inkorporierten
etwa 1,2 × 105 cpm; und Zellen, die gegenüber PDGF-BB
und Maus-Cyr61 ausgesetzt wurden, in korporierten etwa 2,4 × 105 cpm. Daher fungierte Maus-Cyr61 selbst
nicht als Mitogen, potenzierte jedoch die mitogene Aktivität von bFGF
und PDGF-BB, zwei bekannten Wachstumsfaktoren.
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Die
Fähigkeit
von Maus-Cyr61, die mitogene Wirkung von verschiedenen bFGF-Konzentrationen
zu potenzieren, offenbarte auch die Notwendigkeit eines Schwellenwerts
für den
Wachstumsfaktor. Human-Nabelvenen-Endothelzellen wurden im Wesentlichen
wie oben für
3T3-Zellen beschrieben ausplattiert und einer konstanten Menge Maus-Cyr61
ausgesetzt; Kontrollen erhielten kein Cyr61. Verschiedene Platten
wurden dann verschiedenen bFGF-Konzentrationen ausgesetzt, die eine
Reihe von bFGF-Konzentrationen im Bereich von 0-10 ng/ml umfassten.
Nach Züchtung
der Kultur in Gegenwart von [3H]-Thymidin
für 72
Stunden zeigten gegenüber
0-0,1 ng/ml bFGF
ausgesetzte Zellen ein Basislinienniveau von Thymidin-Inkorporation
(ungefähr 4 × 102 cpm) in Gegenwart und Abwesenheit von Cyr61.
Bei 1 ng/ml bFGF erhöhten
jedoch HUVE-Zellen ihre Thymidin-Inkorporation in Gegenwart von
bFGF auf 6 × 102 cpm; in Gegenwart von 1 ng/ml bFGF und Maus-Cyr61
inkorporierten HUVE-Zellen 1,3 × 103 cpm. Bei 10 ng/ml bFGF inkorporierten gegenüber bFGF ausgesetzte
Zellen ungefähr
1,8 × 103 cpm Thymidin; Zellen, die 10 ng/ml bFGF
und Cyr61 erhielten, inkorporierten ungefähr 6,1 × 103 cpm.
-
Die
Fähigkeit
von Maus-Cyr61, die mitogene Aktivität von bFGF zu potenzieren,
wurde durch einen Thymidin-Inkorporationstest verifiziert, der HUVE-Zellen
und verschiedene Kombinationen von bFGF, Cyr61 und Anti-Cyr61-Antikörpern umfasste.
Die Zellen wurden wie oben beschrieben ausplattiert und gezüchtet. Die folgenden
Kombinationen von Ergänzungen
(Endkonzentrationen der Platten in Klammern angegeben) wurden dann
1 Stunde lang vor Zugabe zu den einzelnen Platten vorinkubiert:
1) Prä-Immunantiserum
(3 %); 2) bFGF (15 ng/ml) und Prä-Immunantiserum
(3 %); 3) Prä-Immunantiserum
(3 %) und Cyr61 (4 μg/ml);
4) Prä-Immunantiserum
(3 %), Cyr61 (4 μg/ml)
und bFGF (15 ng/ml); 5) Anti-Cyr61-Antiserum (3 %); 6) Anti-Cyr61-Antiserum und
bFGF (15 ng/ml); 7) Anti-Cyr61-Antiserum (3 %) und Cyr61 (4 μg/ml); und
8) Anti-Cyr61-Antiserum (3 %), Cyr61 (4 μg/ml) und bFGF (15 ng/ml).
-
Nach
der wie oben beschriebenen Inkubation in Gegenwart von [3H]-Thymidin inkorporierten gegenüber Prä-Antiserum
ausgesetzte Zellen ungefähr
2 × 102 cpm Thymidin; mit Prä-Immunserum und bFGF kontaktierte
Zellen inkorporierten 1,3 × 103 cpm; Prä-Immunserum
und Cyr61 erhaltende Zellen inkorporierten 1 × 102 cpm;
Prä-Immunserum,
Cyr61 und bFGF erhaltende Zellen inkorporierten 3,6 × 103 cpm; gegenüber Anti-Cyr61-Antiserum ausgesetzte
Zellen inkorporierten 2 × 102 cpm; Anti-Cyr61-Antiserum und bFGF erhaltende Zellen
inkorporierten ungefähr
1,3 × 103 cpm; mit Anti-Cyr61-Antiserum und Cyr61
kontaktierte Zellen inkorporierten ungefähr 1 × 102;
und Anti-Cyr61-Antiserum, Cyr61 und bFGF erhaltende Zellen inkorporierten
1 × 103 cpm. Diese Ergebnisse zeigen an, dass Präimmun-Antiserum
keine Wirkung auf die Cyr61-induzierte Potenzierung mitogener bFGF-Aktivität hatte.
Anti-Cyr61-Antiserum jedoch hob die Potenzierung von bFGF durch Cyr61
vollständig
auf. Darüber
hinaus war die Wirkung von Anti-Cyr61-Antiserum gegen die Cyr61-induzierte mitogene
Potenzierung spezifisch, da Anti-Cyr61-Antiserum an sich keine Wirkung
auf die mitogene Aktivität von
bFGF hatte. Daher kann Cyr61 als Reagens verwendet werden, um auf
brauchbare Mitogene zu screenen.
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Zusätzliche
Antikörper-Untersuchungen
unter Einsatz von Integrin-spezifischen monoklonalen Antikörpern zeigen,
dass aus einem ganzen Panel von Anti-Integrin-Antikörpern nur ein Antikörper, der
für αvβ3-Integrin
spezifisch war, die Induktion von DNA-Synthese durch Cyr61-Polypeptide,
einschließlich
Wildtyp-Cyr61 und Cyr61-NT,
hemmte. Somit ist αvβ3-Integrin für eine Cyr61-induzierte Mitogenese
erforderlich, obwohl es nicht an Fibroblastenadhäsion beteiligt ist (siehe Beispiel
19).
-
Die
DNA-Synthese für
HUVE-Zellen und NIH-3T3-Fibroblasten wurde durch Thymidin-Inkorporation wie
früher
beschrieben (Kireeva et al., Mol. Cell. Biol. 16, 1326-1334 (1996)) mit
geringfügigen
Modifizierungen gemessen. HUVE-Zellen wurden in 24-Well-Platten
bis zum Zustand der Subkonfluenz gezüchtet, 24 Stunden lang an Serum
verarmt und mit 10 % Fötalkälberserum
(FBS), 1 μCi/ml
[3H]-Thymidin und 10 ng/ml basischen Fibroblasten-Wachstumsfaktor
(bFGF) (Gibco-BRL Inc.) enthaltendem F12K-Medium mit verschiedenen
Konzentrationen von Cyr61 und Fisp12 wie angegeben behandelt. NIH-3T3-Fibroblasten
wurden bis nahe der Konfluenz ge züchtet, 48 Stunden lang an Serum
verarmt und mit 0,5 % FBS, 1 μCi/ml
[3H]-Thymidin, bFGF und verschiedene Konzentrationen
von Cyr61 und Fisp12 enthaltendem Minimal-Essential-Medium (MEM)
behandelt. Die Thymidin-Inkorporation in die in Trichloressigsäure unlösliche Fraktion
wurde nach 24 Stunden langer Inkubation bestimmt. Logarithmisch
gewachsene Nerz-Lungenepithelzellen (Mv1Lu, CCL64) wurden mit verschiedenen
Konzentrationen TGF-β1
(Gibco-BRL) und 2 μg/ml
Cyr61 oder Fisp12 18 Stunden lang behandelt; [3H]-Thymidin
wurde dann zu 1 μCi/ml
für 2 Stunden
zugegeben. Die Thymidin-Inkorporation wurde wie oben beschrieben
bestimmt.
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Gereinigtes
rekombinantes Fisp12-Protein zeigte keinerlei mitogene Aktivität unter
irgendeiner der getesteten Testbedingungen. Dagegen war Fisp12 fähig, durch
Fibroblasten-Wachstumsfaktor induzierte DNA-Synthese in NIH-3T3-Fibroblasten
sowie HUVE-Zellen zu verstärken.
Diese Aktivität
war von der durch Cyr61 gezeigten nahezu ununterscheidbar.
-
Während Cyr61
und Fisp12 die Wachstumsfaktor-induzierte DNA-Synthese in Fibroblasten
und Endothelzellen verstärken,
verstärken
beide Proteine auch Wachstumsfaktor-vermittelte Wirkungen auf andere
Weise. Es ist bekannt, dass TGF-β die
DNA-Synthese in Epithelzellen hemmt (Satterwhite et al. (1994)).
Es wurde beobachtet, dass sowohl Cyr61 als auch Fisp12 die Fähigkeit
von TGF-β verstärkten, die
DNA-Synthese in Nerz-Lungenepithelzellen zu hemmen. Die Daten belegen,
dass rekombinantes Cyr61 und Fisp12, aus serumfreien Quellen gereinigt,
selbst nicht mitogen sind, jedoch die Fähigkeit haben, mit den Wirkungen
von Polypeptid-Wachstumsfaktoren in Synergie zu treten. Cyr61 und
Fisp12 verstärken
die DNA-Synthese-Induktion durch
FGF und verstärken
die DNA-Synthese-Hemmung durch TGF-β.
-
Weiters
können
Verfahren zum Screenen auf Modulatoren von Mitogen-Potenzierung
eingeschlossen sein. Ein Vergleichstest setzt subkonfluente Zellen
einem ECM-Signalmolekül, wie z.B.
Cyr61, einem Wachstumsfaktor, und einem mutmaßlichen Modulator eines ECM-Signalmoleküls aus.
Als Kontrolle wurden ähnliche Zellen
dem ECM-Signalmolekül
und Wachstumsfaktor ausgesetzt. Eine weitere Kontrolle setzt ähnliche
Zellen gegenüber
dem Wachstumsfaktor und dem mutmaßlichen Modulator in Abwesenheit
des ECM-Signalmoleküls
aus. Auf Basis der z.B. durch [3H]-Thymidin-Inkorporation
gemessenen relativen Zellvermehrungsraten kann eine Identifizierung
eines mutmaßlichen
Modulators als Förderer
der Mitogen-Potenzierung (erhöhte
Zellvermehrung in Gegenwart aller drei Moleküle) oder eines Inhibitors der
Mitogen-Potenzierung (erniedrigte Zellvermehrung in Gegenwart der
drei Moleküle)
erzielt werden.
-
Außerdem können ECM-Signalmoleküle, wie
z.B. Cyr61-Polypeptide, in Verfahren zur Behandlung von Erkrankungen
oder Leiden, wie z.B. Erkrankungen in Zusammenhang mit der Unter-
oder Überproliferation
von Säugetierzellen,
verwendet werden. Für
Fachleute auf dem Gebiet der Erfindung ist offensichtlich, dass Cyr61-Polypeptide mit Wachstumsfaktor-verstärkender
Aktivität
zur Behandlung von Leiden geeignet sind, die durch eine unerwünscht niedrige
Zellproliferationsrate gekennzeichnet sind. Die Verwendung von Cyr61-Polypeptiden
ohne solche Aktivität
könnte
zur Behandlung von Leiden genutzt werden, die durch eine Überproliferation
von Zellen gekennzeichnet sind. Jedes auf dem Gebiet der Erfindung
zur Verabreichung der therapeutischen Polypeptide oder Modulatoren
bekannte Mittel ist geeignet, einschließlich direkter Injektion in
ein Säugetier,
wie z.B. einen Menschen, auf jedem beliebigen bekannten Weg (z.B.
subkutan, intramuskulär,
intravenös,
intraperitoneal), gegebenenfalls in Gegenwart eines bekannten Adjuvans,
Exzipienten, Trägers
oder Vehikels, wie z.B. eines Liposoms, sowie Gentherapie unter
Einsatz eines beliebigen herkömmlichen
Nucleinsäure-Verabreichungssystems.
Jeder dieser Verabreichungsmechanismen kann durch auf dem Gebiet
der Erfindung bekannte Mechanismen (z.B. Assoziation mit einem Targeting-Molekül, wie z.B.
einem Antikörper,
der einen gewünschten
Zelltyp erkennt) modifiziert werden, um die Zufuhr des Therapeutikums
genau auf das Ziel auszurichten.
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Beispiel 19
-
Hornhaut-Test für angiogene
Faktoren und Modulatoren
-
Ein
weiterer Test für
Modulatoren der Angiogenese, der Hornhaut-Test, ist ein In-vivo-Test
zur Ermittlung der Wirkung eines mutmaßlichen Modulators in Gegenwart
eines ECM-Signalmolekül-verwandten
Biomaterials, wie z.B. Cyr61, auf die Angiogenese. Der Hornhaut-Test
macht sich die Abwesenheit von Blutgefäßen in der Hornhaut zunutze,
die in Gegenwart eines angiogenen Faktors in der detektierbaren
Entwicklung von Kapillaren resultiert, die sich von der Lederhaut
in die Hornhaut erstreckt. Friedlander et al., Science 270, 1500-1502
(1995). Dieses Hineinwachsen neuer Blutgefäße von der Lederhaut kann mikroskopisch
bestimmt werden. Weiters kann die visuell bestimmte Migrationsrate
verwendet werden, um Änderungen
der Angiogenese-Rate zu bestimmen. Diese Hornhaut-Tests können unter
Verwendung einer breiten Vielfalt von Tiermodellen durchgeführt werden.
Vorzugsweise werden die Hornhaut-Tests unter Verwendung von Ratten
durchgeführt.
Als Beispiel wird ein Test auf mutmaßliche Modulatoren von Cyr61
unter Anwendung dieses Tests offenbart. Um diesen Test durchzuführen, wird
Cyr61 zunächst
unter Verwendung primärer
Kapillarendothelzellen titriert, um wirksame Konzentrationen von
Cyr61 zu ermitteln. Anschließend
wird Cyr61 in Gegenwart oder Abwesenheit eines mutmaßlichen
Modulators chirurgisch in die Hornhäute von Säugetier-Labortieren, z.B. Kaninchen
oder Ratten, implantiert. Vorzugsweise wird Cyr61 (oder Cyr61 und
ein mutmaßlicher
Modulator) in eine biokompatible Matrix eingebettet, wobei auf dem
Gebiet der Erfindung standardmäßige Matrixmaterialien verwendet
werden. Anschließend
werden Augen, die Implantate enthalten, visuell auf Wachstum der
leicht erkennbaren Blutgefäße im Inneren
des Auges beobachtet. Kontrollimplantationen können aus physiologisch ausbalancierten
Puffern bestehen, die im selben Matrixmaterial eingebettet sind
und in Augen derselben Labortierart, die die Cyr61-enthaltenden
Implantate erhalten, implantiert werden.
-
Die
Entwicklung eines In-vivo-Hornhaut-Tests für angiogene Faktoren weist
Vorteile gegenüber
bestehenden In-vitro-Tests für
diese Faktoren auf. Der Prozess der An giogenese umfasst vier unterschiedliche
Phasen: Induktion von Gefäß-Diskontinuität Endothelzellen-Bewegung,
Endothelzellen-Vermehrung und dreidimensionale Neustrukturierung
und Sprossung. In-vitro-Tests können
nur zwei dieser Schritte beurteilen: Endothelzellen-Migration und
-Mitogenese. Folglich wird zur Bereitstellung eines umfassenden
Tests für
angiogene Faktoren ein In-vivo-Test, wie z.B. der Hornhaut-Test, bevorzugt.
-
Der
Hornhaut-Test ist verwendet worden, um die Wirkung angiogener Faktoren,
wie z.B. Cyr61, Fisp12, CTGF und Nov, auf den Prozess der Angiogenese
zu bestätigen.
Darüber
hinaus resultiert das Modifizieren des Hornhaut-Tests durch Aufnehmen
irgendwelcher dieser angiogenen Faktoren und eines mutmaßlichen
Modulators ihrer Aktivität
in einem Hornhaut-Test für
Modulatoren der Angiogenese. Beispielsweise könnte die Dosierung eines angiogenen
Faktors, wie z.B. Cyr61, in Hornhaut-Tests für positive Effektoren der angiogenen
Aktivität
von Cyr61 verwendet werden. Eine geeignete Dosis von Cyr61 würde zunächst durch
Titration der Dosisantwort-Beziehung
von Cyr61 zu angiogenen Ereignissen ermittelt werden. Die Einbeziehung eines
Kontrolltests, dem Cyr61 fehlt, würde Verbindungen mit einer
direkten Wirkung auf die Angiogenese eliminieren. In einer alternativen
Ausführungsform
der Erfindung könnte
eine wirksame Dosis eines angiogenen Faktors, wie z.B. Cyr61, verwendet
werden, um auf negative Modulatoren der Aktivität eines angiogenen Faktors
zu testen. In noch einer weiteren alternativen Ausführungsform
umfasst ein Hornhaut-Implantat Cyr61, und ein weiteres Hornhaut-Implantat
umfasst Cyr61 und einen mutmaßlichen
Modulator der Angiogenese. Messungen der Entwicklung von Blutgefäßen in den
implantierten Hornhäuten
stellen eine Basis für
die Identifizierung eines mutmaßlichen
Modulators als Förderer
der Angiogenese bereit (erhöhte
Blutgefäßentwicklung in
der Hornhaut, die ein den mutmaßlichen
Modulator umfassendes Implantat enthält). Eine relative Verminderung
der Blutgefäßentwicklung
identifiziert einen Inhibitor der Angiogenese.
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Die
Ratte wird als Tiermodell für
den Hornhaut-Test bevorzugt. Offenbarungen auf dem Gebiet der Erfindung
haben die Ratte als gut charakterisiertes System für das Analysieren
der Angiogenese etabliert. Parameter, wie z.B. Implantatgröße, Protein freisetzungsdynamik
und geeignete chirurgische Techniken, sind gründlich charakterisiert worden.
Obgleich irgendein Rattenstamm im Hornhaut-Test verwendet werden
kann, sind bevorzugte Stämme
für gewöhnlich gut
charakterisierte Laborstämme,
wie z.B. der Sprague-Dawley-Stamm.
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Obgleich
Ratten verschiedener Größen im Hornhaut-Test
verwendet werden können,
ist eine bevorzugte Größe für die Ratten
150-200 g/Tier. Anästhesie
wird mit Methoxyfluran induziert und 40-60 Minuten lang mit Natriumpentobarbital
(50 mg/kg, intraperitoneal verabreicht) aufrechterhalten. Die Augen
werden vorsichtig geöffnet
und durch Befestigen des oberen Augenlids mit einer nicht traumatisierenden
Arterienklemme fixiert. Zwei Tropfen steriles Proparacain-Hydrochlorid
(0,5 %) werden dann auf jedes Auge gegeben, um eine Lokalanästhesie
zu bewirken. Unter Verwendung einer geeigneten chirurgischen Klinge,
wie z.B. einer Bard-Parker-Klinge Nr. 11, wird ein ungefähr 1,5 mm
langer Schnitt ungefähr
1 mm vom Zentrum der Hornhaut ausgeführt. Der Schnitt erstreckt
sich in das Stroma, nicht jedoch durch dieses hindurch. Ein gekrümmter Iris-Spatel von
ungefähr
1,5 mm Breite und ungefähr
5 mm Länge
wird dann unter den Rand des Schnitts eingeführt und vorsichtig durch das
Stroma zum äußeren Augenwinkel
des Auges stumpf seziert. Ein leichter Fingerdruck gegen den Augapfel
hilft, das Auge während
der Dissektion ruhig zu halten. Der Spatel dringt in das Stroma
nicht mehr als ungefähr
2,5 mm ein. Sobald die Hornhaut-Tasche hergestellt ist, wird der
Spatel entfernt und der Abstand zwischen Limbus und Basis der Tasche
gemessen, um sicherzustellen, dass die Trennung zumindest ungefähr 1 mm
beträgt.
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Um
für eine
langsame Freisetzung des Proteins nach Implantation in die Hornhaut
zu sorgen, wird Protein mit Poly-2-hydroxyethylmethacrylat (Hydron®)
oder einem gleichwertigen Mittel gemischt, um ein Pellet von ungefähr 5 μl auszubilden.
Auf diese Weise hergestellte Implantate werden mit einem Tropfen
steriler Ringer-Laktatlösung
rehydratisiert und wie oben beschrieben implantiert. Nach Implantation
wird die Hornhauttasche mit Erythromycin-Salbe verschlossen. Nach
der Implantation sollte das Protein-Hydron-Pellet nahe dem Limbus
der Hornhaut (Hornhaut-Lederhaut-Grenze)
verbleiben, und die Sehkraft sollte nicht signifikant beeinträchtigt sein.
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Nach
dem chirurgischen Eingriff wurden die Tiere täglich sieben Tage lang mithilfe
eines Stereomikroskops untersucht, um auf Entzündung und Reaktionen zu prüfen. Um
die Untersuchung zu erleichtern, wird das Tier mit Methoxyfluran
anästhesiert
und das Anästhetikum
während
der Untersuchung kontinuierlich durch einen Nasentrichter verabreicht.
Während
dieses siebentägigen
Zeitraums werden die Tiere auf Implantatposition und Hornhaut-Exsudat
beobachtet. Hornhaut-Exsudat aufweisende Tiere werden getötet. Ein
bevorzugtes Verfahren der Euthanasie ist die Ausblutung. Die Tiere
werden anfänglich
mit Natriumpentobarbital (50 mg/kg) anästhesiert und dann wie unten
beschrieben perfundiert.
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Nach
sieben Tagen werden die Tiere mit kolliodalem Kohlenstoff (z.B.
Indiaink) perfundiert. Anästhesie wird
mit Methoxyfluran induziert und mit Natriumpentobarbital (60 mg/kg,
intraperitoneal) aufrechterhalten. Jedes Tier wird mit 100-200 ml
warmer (37°C)
Ringer-Laktatlösung
pro 150 g Körpergewicht über die
Bauchaorta perfundiert. Sobald die Schnauze vollkommen ausgebleicht
ist, werden 20-25 ml kolloidaler Kohlenstoff in derselben Weise
wie die Ringer-Lösung
injiziert, bis Kopf und Thoraxorgane vollständig schwarz sind. Die Augen werden
dann herausgeschält
und fixiert. Hornhäute
werden herausgeschnitten, flach gedrückt und fotografiert.
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Jedes
Protein wird typischerweise in drei Dosierungen gemäß der Praxis
auf dem Gebiet der Erfindung getestet. Der Fachkundige auf dem Gebiet
der Erfindung wird verstehen, dass sechs positive Hornhaut-Reaktionen
pro Dosis erforderlich sind, um eine Identifizierung einer angiogenen
Reaktion zu bestätigen.
Ein beispielhafter Hornhaut-Test umfasst drei Dosierungen des untersuchten
Proteins, wobei sechs Ratten bei jeder Dosis getestet werden. Außerdem werden
sechs Tiere gegenüber
einem Puffer-Hydron-Implantat ausgesetzt und dienen als negative
Kontrollen. Das Aussetzen von zumindest drei Tieren gegenüber einem
bekannten Angiogenese-Faktor-Hydron-Implantat
dient als positive Kontrolle. Schließlich werden sechs Tiere gegenüber Implantaten
ausgesetzt, die eine einzelne Dosis des untersuchten Proteins, einen Überschuss
an neutralisierendem Antikörper
und Hydron enthalten, um die Spezifität irgendeiner beobachteten
Reaktion nachzuweisen.
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Ein
wie oben beschriebener Hornhaut-Test wurde durchgeführt, um
die Fähigkeit
von Cyr61 zu ermitteln, Angiogenese zu induzieren. Vier Tiere erhielten
Negativkontrollimplantate, die ein Puffer-Hydron-Pellet enthielten
(beide Augen). Keines dieser Tiere zeigte nach sieben Tagen irgendeine
Blutgefäßentwicklung
in einem der beiden Augen. Sechs Tiere erhielten Implantate, die
eine biologisch wirksame Menge Fibroblasten-Wachstumsfaktor (0,15 μM) in ein
Auge und ein Kontrollpellet ins andere Auge enthielten; alle sechs
zeigten angiogene Entwicklung im Auge, das FGF erhielt, und keines
zeigte eine Neovaskularisierung im Auge, das die negative Kontrolle
erhielt. Sieben Tiere erhielten 1 μg/ml Cyr61 in ein Auge, und
alle sieben dieser Augen zeigten Blutgefäßwachstum; eines dieser sieben
Augen, die eine negative Kontrolle erhielten, zeigte angiogene Entwicklung.
Schließlich
erhielten vier Tiere Implantate, die 1 μg/ml Cyr61 (Hydron, hergestellt
mit einer Cyr61-Lösung
von 10 μg/ml)
und einen spezifischen Anti-Cyr61-Antikörper im dreifachen Überschuss
gegenüber
Cyr61 lokal freisetzten: keines der Augen dieser Gruppe zeigte irgendeine
angiogene Entwicklung. Folglich identifiziert der In-vivo-Test für Angiogenese
angiogene Faktoren, wie z.B. FGF und Cyr61. Der Test ist ferner
in der Lage, die Hemmung angiogener Entwicklung zu offenbaren, die
durch ECM-Signalmoleküle, wie
z.B. Cyr61, induziert wird.
-
Beispiel 20
-
Blutgerinnung
-
ECM-Signalmoleküle sind
ferner für
die Korrektur von Hämostase
oder abnormaler Blutgerinnung zweckdienlich. Ein Defekt der Blutgerinnung,
der z.B. durch ein niedriges Expressionsausmaß von Cyr61 verursacht wird
und dadurch dem Tissue-Factor-Pathway-Inhibitor
(TFPI) ermöglicht,
ungehindert zu agieren, kann durch Expression oder Verwendung von
rekombinantem Cyr61-Protein korrigiert werden.
-
Cyr61
kann mit TFPI, einem Protein, das die extrinsische Blutgerinnung
hemmt, in Wechselwirkung treten. TFPI hemmt die Blutgerinnung in
einem Zwei-Schritt-Verfahren. Zuerst bindet TFPI an Faktor Xa, und der
TFPI-Xa-Komplex tritt dann mit dem Gewebefaktor:Faktor-VIIa-Komplex
(Gewebefaktor = TF („Tissue
Factor")) in Wechselwirkung,
wodurch der letztere Komplex gehemmt wird. Der TF:Faktor-VIIa-Komplex
ist derjenige Komplex, der die Faktoren IX und X aktiviert. Durch
Hemmung von TF:VIIa reguliert TFPI die Gerinnung durch Verhindern
der Aktivierung der Faktoren IX und X, die für die Blutgerinnung erforderlich
sind. Die Wechselwirkung von Cyr61 mit TFPI hemmt die Aktivität von TFPI
und fördert
so die Blutgerinnung. Cyr61 ist folglich ein Gewebefaktor-Agonist.
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Beispiel 21
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Hämatopoetische Ex-vivo-Stammzellenkulturen
-
Um
die Wirkung von Cyr61 auf das Wachstum primitiver multipotenter
Stammzellen zu untersuchen, werden mehrere Tests eingesetzt, die
diese Zellen von reiferen Vorläuferzellen
in einer hämatopoetischen
Kultur unterscheiden. Diese Tests nützen physikochemische (Fibronectin-bindende)
oder Wachstums- und Entwicklungs-bezogene (Erzeugung von Vorläufer-Blastzellen-Kolonien)
Unterschiede zwischen unreifen und reifen Untergruppen von Zellen.
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Zwei
Zelllinien, die konditioniertes Medium zum Wachstum benötigen, werden
als Quelle hämatopoetischer
Stammzellen (HSC) verwendet. Diese klonierten, Faktorabhängigen Maus-Linien
sind B6Sut (kloniert aus Langzeit-Knochenmark-Kultur und fähig, in
Flüssigmedium
ohne Differenzierung zu wachsen, jedoch multipotent in Agar, wie
beschrieben in Greenberger et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 80,
2931 (1983)) und FDCP-Gemisch (kloniert aus Langzeit-Knochenmarkkultur-Zellen,
die mit dem rekombinanten Virus src-MoMuLV infiziert sind; sie sind
multipotent in Agarkulturen, wie beschrieben in Spooncer et al.,
Nature 310, 2288 (1984)). B6Sut-Zellen werden in Kincaid-Medium
mit 10 % Fötalkälberserum
(FCS) und 10 % 6X-konzentriertem, WEHI-konditioniertem Medium vermehrt.
Greenberger et al. FDCP-Gemisch-Zellen werden in Fischer-Medium
mit 20 % Pferdeserum und 10 % 6X-konzentriertem WEHI-konditioniertem
Medium vermehrt. Die Zelllinien werden bei 37°C und 5 % CO2 vermehrt.
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Verschiedene
Ex-vivo- oder In-vitro-Kulturen werden auf Populationswachstum in
Gegenwart oder Abwesenheit von exogen zugeführtem/n Maus-Cyr61 oder polyklonalen
Anti-Cyr61-Antiköpern
getestet. Unter Grenzverdünnungsbedingungen
wird der Kopfsteinpflasterbereich-bildende Zellen- (cobblestone
area forming cell, CAFC-) Test verwendet, um Zellen mit Langzeit-Wiederbesiedelungsfähigkeit
zu identifizieren. Ploemacher et al., Blood 74, 2755 (1989); Ploemacher
et al., Blood 78, 2527 (1991). Zellen, die im CAFC-Test als Langzeit-Wiederbesiedelungsfähig identifiziert
wurden, werden dann durch Messen von drei Parametern analysiert:
Populationsverdoppelungsrate; Mitose-Index und DNA-Syntheserate.
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Langzeitkulturen
mit oder ohne Cyr61-Ergänzung
werden auf ihre Mengen an primitiven HSC im CAFC-Test hin getestet.
Van der Sluijs et al., Exp. Hematol. 22, 1236 (1994). Beispielweise
werden M2-10B4-Stromazellen, B6Sut und FDCP-Gemisch jeweils dem
CAFC-Test auf folgende, für
die M2-10B4-Zelllinie beschriebene Weise unterzogen. Stomazellschichten
werden durch Inokulieren von 5 × 105 M2-10B4-Stromazellen
(eine aus Knochenmark-Stroma klonierte Zelllinie, Sutherland et
al., Blood 78, 666 (1991)) in jeden Well einer 96-Well-Kulturplatte
in DMEM mit 10 % FCS hergestellt. Wenn die Zellen sich der Konfluenz
nähern,
werden sie mit PBS gespült
und bestrahlt (20 Gy Gammabestrahlung, 1,02-1,04 Gy/Minute), um
die Replikation jeglicher hämatopoetischer
Zellen innerhalb des Stromas zu verhindern, ohne die Fähigkeit
des Stromas zu beeinflussen, die Hämatopoese zu fördern.
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B6Sut-
oder FDCP-Gemischzellen (Quellen von HSC) werden in Gegenwart oder
Abwesenheit von Cyr61 zu den bestrahlten Stroma-Zellen in DMEM mit
10 % FCS zugegeben (10 μm/ml
Endkonzentration). Nachdem das B6Sut- oder FDCP-Gemisch über die Stromazellen gelegt
wurde, werden die Kulturen inkubiert (z.B. 28-35 Tage lang beim Maus-System), und
die Anzahl an Kopfsteinpflasterbereichbildenden Bereichen (wodurch
Zellen mit Langzeit-Wiederbesiedelungsfähigkeit identifiziert werden)
wird gezählt,
um die HSC-Häufigkeit
zu bestimmen.
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In
einer Variation des oben beschriebenen CAFC-Tests werden Zellen
(z.B. B6Sut- oder
FDCP-Gemisch) anfangs in parallelen Kulturen in Gegenwart oder Abwesenheit eines
Cyr61-Polypeptids gehalten. Danach werden CAFC-Tests durchgeführt, wie
sie oben allgemein beschrieben sind; der Test wird jedoch vorzugsweise
in vollkommender Abwesenheit von CAFC durchgeführt. Es ist zu erwarten, dass
Zellen, die in Gegenwart von Cyr61-Polypeptiden kultiviert werden,
im Vergleich zu Zellen, die anfangs in Abwesenheit von Cyr61-Polypeptiden
kultiviert wurden, eine Steigerung in der Häufigkeit von HSC aufweisen.
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Nach
der Identifizierung von Zellen mit Langzeit-Wiederbesiedlungsfähigkeit
werden Populationsverdoppelungsraten z.B. durch mikroskopische Untersuchung
der Zellmorphologie bestimmt, um die Anzahl von Langzeit-wiederbesiedelnden
Zellen (und reifere Kurzzeit-Vorläuferzellen) zu bestimmen, die
in den verschiedenen experimentellen Langzeitkulturen vorhanden
sind. Die anschließende
Untersuchung der Expansions- und Differenzierungsfähigkeiten
der möglichen
Langzeit-HSC-Kulturen wird zur Bestätigung geeigneter Kandidat-Zelllinien
verwendet.
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Der
Mitose-Index wird nach Verfahren bestimmt, die auf dem Gebiet der
Erfindung bekannt sind. Keram et al., Cancer Genet. Cytogenet. 55,
235 (1991). Geerntete Zellen werden in Methanol:Essigsäure (3:1, Vol./Vol.)
fixiert, gezählt
und zu 106 Zellen/ml im Fixiermittel resuspendiert.
Zehn Mikroliter dieser Suspension werden auf einen Objektträger gegeben,
getrocknet und mit Giemsa-Farbstoff behandelt. Die Zellen in der
Metaphase werden unter einem Lichtmikroskop gezählt und der Mitose-Index durch Division
der Anzahl von Zellen in der Metaphase durch die Gesamtzahl von
Zellen am Objektträger
berechnet. Die statistische Analyse von Vergleichen von Mitose-Indizes
wird unter Anwendung des zweiseitigen gepaarten t-Tests durchgeführt.
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Die
DNA-Syntheserate wird unter Anwendung eines Thymidin-Inkorporationstests
gemessen. Verschiedene Kulturen werden in 1 μCi/ml [3H]-Thymidin
(ICN Biomedicals Inc., Costa Mesa, CA) 24-72 lang Stunden vermehrt.
Geerntete Zellen werden dann mit PBS gespült und mit 10 % Trichloressigsäure fixiert.
DNA wird in 0,1 N Na-OH
gelöst
und die Thymidin-Inkorporation beispielsweise durch Flüssigkeits-Szintillationsspektralphotometrie
bestimmt.
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Die
Funktion von Cyr61-Polypeptiden bei der Förderung des Erhalts und/oder
der Expansion von hämatopoetischen
Langzeit-Stammzellkulturen wurde durch Antikörperuntersuchungen bestätigt. Nachdem
bestimmt wurde, dass Cyr61 eine Stromaassoziierte Komponente ist,
die für
Erhalt/Expansion von Langzeit-HSC-Kulturen wichtig ist, wurden Stroma-Kontakt-Knochenmark-Zellkulturen
in Gegenwart oder Abwesenheit von Anti-Cyr61-Antikörpern Cyr61-Polypeptiden
ausgesetzt. Diese Kulturen, in denen die Cyr61-Aktivität durch
Aussetzen gegenüber
Anti-Cyr61-Antikörpern neutralisiert
worden war, wiesen eine Verringerung in der Lebensfähigkeit
der Kultur, eine Steigerung in der Anzahl an sichtbar detektierbaren
differenzierten hämatopoetischen
Zellen in der Kultur und einen Rückgang
der HSC umfassenden Zellfraktion auf und gleichzeitig eine Zunahme
der Zellfraktion aus festgelegten Zellen im Vergleich zu HSC-Kulturen,
die in Gegenwart von Cyr61, aber in Abwesenheit von Anti-Cyr61-Antikörpern, gehalten
wurden. Folglich ist zu erwarten, dass die Aktivität von Cyr61-Polypeptiden
wichtig für
die Stroma-abhängige
Expansion von undifferenzierten hämatopoetischen Stammzellen
ist.
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Die
Verwendung eines ECM-Signalmolekül-verwandten
Biomaterials, wie z.B. Cyr61, kann bei der Ex-vivo-Vermehrung hämatopoetischer
Stammzellenkulturen verwendet werden. Außerdem kann mehr als ein ECM-Signalmolekülverwandtes
Biomaterial verwendet werden, um diese Kulturen zu vermehren. Beispielsweise
kann Cyr61 mit seiner lokal abzielenden Expression mit Fisp12 kombiniert
werden, das eine ausgedehntere Abzielung zeigt, wie durch Anwesenheit
von Fisp12 im Kulturmedium nachgewiesen werden kann. Als Alternative
dazu kann Fisp12 durch CTGF, seinem Maus-Ortholog, ersetzt werden.
Ein Fachkundiger auf dem Gebiet der Erfindung wäre in der Lage, andere Kombinationen
von ECM-Signalmolekül-verwandten
Biomolekülen
zu ersinnen.
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Fachkundige
auf dem Gebiet der Erfindung werden erkennen, dass die erfolgreiche
Vermehrung hämatopoetischer
Stammzellenkulturen in Gegenwart von ECM-Signalmolekülen, wie
z.B. Cyr61, eine Basis für ein
Verfahren des Screenings auf mutmaßliche Modulatoren jenes Vermehrungsprozesses
bereitstellt. Ein mutmaßlicher
Modulator wird mit einem ECM-Signalmolekül, wie z.B. Cyr61, kombiniert
und primitiven Zellen ausgesetzt. Parallel dazu wird das ECM-Signalmolekül ähnlichen
Zellen ausgesetzt. Die relativen Vermehrungsraten können verwendet
werden, um einen Förderer
oder Inhibitor der Fähigkeit
von ECM-Signalmolekülen
zu identifizieren, pluripotente hämatopoetische Stammzellenkulturen
zu vermehren.
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Cyr61
alleine oder in Kombination mit anderen hämatopoetischen Wachstumsfaktoren
können
ferner verwendet werden, um aus einem Patienten entnommene Stammzellenpopulationen
zu vermehren, die nach Vermehrung dem Patienten oder geeigneten
Empfängerpatienten
rückgeführt werden
können,
beispielsweise nach Chemotherapie oder anderen Behandlungsmodalitäten, die
in der Verarmung von Blutzellen in einem Patienten resultieren.
Wie oben beschrieben vermehrte Stammzellenkulturen können auch
in Knochenmarkstransplantaten in einem Patienten, der dieses benötigt, verwendet
werden. Außerdem
kann ein ECM-Signalmolekül,
wie z.B. ein Cyr61-Polypeptid (einschließlich Polypeptidfragmenten,
die endogene Cyr61-Aktivität aufweisen),
an ein Individuum (z.B. einen Patienten) verabreicht werden, das
von einer Steigerung, oder Verringerung, der HSC-Produktion oder
Hämatopoese
profitieren würde,
wobei auf dem Gebiet der Erfindung bekannte Zufuhrmittel eingesetzt
werden.
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Beispiel 22
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Organ-Regeneration
-
Die
Rolle von Cyr61 in den verschiedenen Zellprozessen, die durch Änderungen
des Zellwachstumsstadiums hervorgerufen werden, weist darauf hin,
dass dieses Protein bei der Förderung
von Organ-Regeneration wirksam sein sollte. Zu diesem Zweck wurden
Untersuchungen durchgeführt,
um das Expressionsprofil von Maus-Cyr61 in verbleibendem Lebergewebe
nach partieller Hepatektomie zu bestimmen. (Die Reaktion von verbleibendem
Lebergewebe nach partieller Hepatektomie ist ein Modell für die Reaktion
der Leber auf eine Reihe von Verletzungen, einschließlich chemischer
Verletzungen, z.B. Aussetzen gegenüber toxischen Mengen Tetrachlorkohlenstoff.)
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BALB/c-3T3-
(Charles-River-) Mäuse
wurden partieller Hepatektomie unterzogen, wobei ungefähr 67 %
ihres Lebergewebes entfernt wurden. Higgins et al., Archs. Path.
12, 186-202 (1931). Aliquoten von zwanzig Mikrogramm RNA wurden
vom verbleibenden Lebergewebe zu verschiedenen Zeitpunkten nach
der Operation entfernt, und die Leber-DNA wurde durch Gewebehomogenisierung
gefolgt von Guanidinium-Isothiocyanat-,
Cäsiumchlorid-Präzipitation
isoliert. Sambrook et al. RNAs wurden dann an Nitrozellulosefiltern
immobilisiert und mit radioaktiv markierten Klonen sondiert, die
verschiedene Regionen von Maus-cyr61-cDNA enthielten. Die Ergebnisse
wurden mittels Autoradiographie sichtbar gemacht und zeigten an,
dass die Entfernung von Lebergewebe die cyr61-mRNA-Expression induzierte,
insbesondere in Zellen, die sich nahe der Verletzungsstelle finden.
Daher könnte
die Induktion der cyr61-Expression, z.B. durch Rekombinationstechniken,
die Regeneration von Organen, wie z.B. der Leber, fördern. Beispielsweise
kann die cyr61-Expression kontrolliert werden, z.B. durch Einführen rekombinanter
cyr61-Konstrukte, die so konstruiert worden sind, dass sie die Fähigkeit
zur Expressionskontrolle des Gens bereitstellen, z.B. durch Verwendung
von gewebespezifischen Promotoren, z.B. des K14-Promotors zur Expression
in der Haut. Das rekombinante cyr61 kann in die Zellen des maßgeblichen
Organs eingeführt
werden, und zwar durch Gentherapietechniken unter Verwendung von
Vektoren, die die homologe Rekombination erleichtern (z.B. von Herpesviren,
Adenovirus, Adeno-assoziiertem Virus, Cytomegalovirus, Baculovirus,
Retroviren, Vacciniavirus und anderen hergeleitete Vektoren). Techniken zur
Einführung
heterologer Gene in eukaryotische Zellen und Techniken zur Integration
heterologer Gene in Wirtschromosomen durch homologe Rekombination
sind auf dem Gebiet der Erfindung wohl bekannt.
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Die
Entwicklung der Haut, einem anderen Organ, wird ebenfalls von Cyr61
beeinflusst. Die Expression von cyr61 wird in Zellen in der Nähe von Hautverletzungen
induziert. Ferner hat Cyr61 wie oben beschrieben eine chemotaktische
Wirkung (d.h. Cyr61 induziert die Zellmigration) auf Endothelzellen
und Fibroblasten. Weiters induziert Cyr61 die Vermehrung von Endothelzellen
und Fibroblasten. Beide Prozesse sind an der Heilung von Hautwunden
beteiligt. Demgemäß sollte
eine Cyr61-Verab reichung, z.B. durch örtlich begrenzte oder topische
Abgabe, die Hautregeneration fördern.
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Cyr61
wird außerdem
sehr stark in Lungenepithel exprimiert. Diese Zellen werden häufig durch
Aussetzen gegenüber
Umweltschadstoffen verletzt. Im Speziellen wird das Lungenepithel
durch Oxidationsmittel in der Luft geschädigt. Die Verabreichung von
Cyr61, z.B. in Zerstäubern
oder Inhalatoren, kann zur Heilung von Lungenepithel, das z.B. durch
Umweltschadstoffe geschädigt
ist, beitragen.
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Beispiel 23
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Chondrogenese – ECM-Signalmoleküle werden
im Mesenchym exprimiert
-
Manche
ECM-Signalmoleküle
werden auch in Zellen, wie z.B. Mesenchymzellen, exprimiert, die
letzten Endes Teil des Skelettsystems werden. In diesem Beispiel
wird Cyr61 als eines der in Mesenchymzellen exprimierten ECM-Signalmoleküle identifiziert.
Extremitäten-Mesenchymzellen
wurden in Mikromassenkultur wie oben beschrieben auf Glasobjektträgern (Fisher)
3 Tage lang gezüchtet.
Die Kulturen wurden in 4 % Paraformaldehyd in PBS fixiert, 30 Minuten
lang bei Raumtemperatur mit 1 mg/ml Rinderhoden-Hyaluronidase (Typ
IV, Sigma) in 0,1 N Natriumacetat (pH 5,5) mit den Proteaseinhibitoren
Phenylmethylsulfonylfluorid (PMSF, 1 mM), Pepstatin (1 μg/ml), Leupeptin
(1 μg/ml),
Aprotinin (1 μg/ml),
Aminocapronsäure
(50 mM), Benzamidin (5 mM) und EDTA (1 mM) inkubiert, mit 10 % Ziegenserum
in PBS blockiert und über
Nacht bei 4°C
mit Primärantikörpern gegen
Cyr61 (Yang et al (1991)), Fibronectin (Gibco) und Tenascin (Gibco)
inkubiert. Kontrollen wurden mit Anti-Cyr61-Antikörpern inkubiert, die mit 1 μg/ml gereinigtem
Cyr61 neutralisiert waren. Die Kulturen wurden anschließend mit
FITC-konjugiertem Ziege-Anti-Kaninchen-Sekundärantikörper (Zymed) 1 Stunde lang
bei Raumtemperatur inkubiert.
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Für die immunhistochemische
Ganzpräparat-Färbung wurden
Maus-Embryos der Trächtigkeitsstadien
10,5 bis 12,5 in 4 % Paraformaldehyd in PBS fixiert, in Methanol/PBS
entwässert
und bei –20°C in absolutem
Methanol gelagert. Nach Rehydra tation wurden die Embryos mit Anti-Cyr61-Antikörpern wie
in Hogan et al., Development 120, 53-60 (1994), beschrieben inkubiert.
Kontrollen wurden mit Anti-Cyr61-Antikörpern inkubiert,
die mit 1 μg/ml
gereinigtem Cyr61 neutralisiert waren. Die immungefärbten Embryos
wurden fixiert, geklärt
und fotografiert.
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Im
Einklang mit der vorübergehenden
Expression von cyr61-mRNA in Ursegment-Mesenchymzellen, die sich zu Chondrozyten
differenzieren (O'Brien
et al. (1992)), wurde das Cyr61-Protein im sich entwickelnden embryonalen
Skelettsystem gefunden. Cyr61 war mittels immunhistochemischer Ganzpräparatfärbung am proximalen
Extremitätenknospen-Mesenchym
in Embryos der Trächtigkeitstage
10,5 bis 12,5 lokalisiert. Cyr61-Protein war an den sich entwickelnden
Wirbelsäulen,
am Schädeldecke-Stirnbein
und ersten Armbogen sowie in den Herz- und Umbilikalgefäßen lokalisiert,
wobei ein Expressionsmuster ausgebildet wurde, das mit dem Expressionsmuster
von cyr61-mRNA im Einklang stand (O'Brien et al. (1992)).
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Cyr61-Protein
konnte mittels Immunblot-Analyse in Gesamt-Extremitätenknospen
und in Mikromassenkulturen von Extremitätenknospen-Mesenchymzellen
detektiert werden. Die Konzentration des Cyr61-Proteins blieb während des
4-tägigen
Kulturzeitraums, während
der die Chondrogenese auftrat, relativ konstant. Unter Anwendung
quantitativer Immunblot-Analyse wurde geschätzt, dass Cyr61 ungefähr 0,03
% der gesamten zellulären
und extrazellulären
Proteine in den Mesenchymzellkulturen ausmacht. Cyr61, Tenascin
(Gibco) und Fibronectin wurden mittels Immunfluoreszenzfärbung in
den Mesenchymzellkulturen an den Knorpelknötchen lokalisiert. Cyr61 und
Tenascin wurden in erster Linie unter den intranodulären Zellen
lokalisiert, während ein
fibrilläres
Färbungsmuster
mit Anti-Fibronectin-Antikörpern
auch um die Knorpelknötchen
herum und zwischen ihnen beobachtet wurde. Ein ähnliches Immunfluoreszenzfärbemuster
wurde in Querschnitten von Mikromassenkulturen für alle drei Antikörper beobachtet.
Gemeinsam zeigen diese Ergebnisse, dass endogenes Cyr61 sowohl in
vivo als auch in vivo im sich entwickelnden Extremitätenknospen-Mesenchym
lokalisiert ist.
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Beispiel 24
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Chondrogenese – ECM-Signalmoleküle fördern die
Zelladhäsion
-
Cyr61
ist ein sekretiertes Protein, das die Adhäsion von Fibroblasten und Endothelzellen
an Nicht-Gewebekultur-behandelte Kunststoffoberflächen vermittelt
(Kireeva et al., Mol. Cell. Biol. 16, 1326-1334 (1996)). Die Anhaftung
von Extremitätenknospen-Mesenchymzellen
an Nicht-Gewebekultur-Platten, die mit BSA, Cyr61, Tenascin und
Fibronectin beschichtet waren, wurde verglichen.
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Cyr61,
Fibronectin (Gibco) oder Tenascin (Gibco) wurden in 0,1 % proteasefreiem
Rinderserumalbumin (BSA) in PBS mit 0,5 mM PMSF auf eine Endkonzentration
von 10 oder 50 μg/ml
verdünnt.
Ein Tropfen von 10 μl
je Well wurde in eine Nicht-Gewebekultur-behandelte 24-Well-Platte
(Corning) gegeben und bei Raumtemperatur 2 Stunden lang behandelt.
Die Wells wurden mit 1 % BSA in PBS 1 Stunde lang bei Raumtemperatur
blockiert und mit serumfreiem MEM (Modified Eagle's Medium) gespült. In serumfreiem
MEM zu 5 × 105 Zellen/ml suspendierte Extremitäten-Mesenchymzellen
wurden in einem Volumen von 400 μl/Well
zugegeben und bei 37°C,
5 % CO2 1 bis 3 Stunden lang inkubiert.
Zu jedem Messzeitpunkt wurde die Zellsuspension entfernt, die Wells
wurden mit MEM gespült
und die verbleibenden anhaftenden Zellen fotografiert.
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Die
Zellen hafteten schlecht an BSA-beschichteten Platten, hafteten
jedoch als Cluster gerundeter Zellen an Cyr61- und Tenascin-beschichteten
Platten innerhalb 1 Stunde nach Ausplattierung. Im Gegensatz dazu hafteten
auf Fibronectin-beschichteten Platten ausplattierte Zellen gleichmäßig und
begannen sich auszubreiten. Wenn die Anhaftung von Zellen 3 Stunden
lang ermöglicht
wurde, wurden sehr viel mehr anhaftende Zellen festgestellt. Darüber hinaus
wurde interzelluläre
Haufenbildung und rundliche Zellmorphologie in Zellen aufrechterhalten,
die auf Cyr61 und Tenascin ausplattiert waren, wogegen auf Fibronectin
ausplattierte Zellen sich so ausbreiteten, dass sie eine Monoschicht
ausbildeten. Diese Beobachtungen zeigen, dass Cyr61 die Adhäsion und
Erhaltung einer rundlichen Zellmorphologie vermittelt, die der Mesenchymzellen-Chondrogenese
förderlich
ist (Zanetti et al., Dev. Biol. 139, 383-395 (1990); Solursh et
al., Dev. Biol. 94, 259-264 (1982)), die ähnlich derjenigen ist, die
früher
für Tenascin
beschrieben worden ist (Mackie et al., J. Cell Biol. 105, 2569-2579
(1987)).
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Wie
vorhin erwähnt,
können
ECM-Signalmoleküle,
wie z.B. Cyr61, in Verfahren zum Screenen auf Modulatoren der Zelladhäsion, einschließlich, jedoch
nicht eingeschränkt
auf, Adhäsion
von Chondrozyten, verwendet werden. Der oben beschriebene Vergleichstest
misst die relativen Adhäsionsausmaße von Zellen,
die einer Kombination eines ECM-Signalmoleküls und eines mutmaßlichen
Modulators der Zelladhäsion
ausgesetzt sind, und von Zellen, die dem ECM-Signalmolekül alleine
ausgesetzt sind, wodurch das relative Ausmaß eine Basis zur Identifizierung
entweder eines Förderers
oder eines Inhibitors der Zelladhäsion bereitstellt.
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Beispiel 25
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Chondrogenese – ECM-Signalmoleküle fördern die
Zellaggregation
-
Da
die Aggregation ein wesentlicher Schritt der chondrogenen Differenzierung
ist (M. Solursh, in: The role of extracellular matrix in development,
R. Trelstad (Hrsg.), Alan R. Liss, New York, S. 277-303 (1984)), wurde
die Fähigkeit
von Cyr61 ermittelt, die interzelluläre Aggregation in Suspensionskulturen
von Mesenchymzellen zu vermitteln. Die Anzahl der zu verschiedenen
Zeiten nach Isolierung verbleibenden Zellen wurde gezählt. Unbehandelte
Mesenchymzellen in Suspension begannen bald nach Isolation zu aggregieren,
da die Anzahl von Einzelzellen sich innerhalb eines Inkubationszeitraums
von 2 Stunden auf 30 % der anfänglichen Anzahl
verminderte. Die Zellaggregation wurde in mit affinitätsgereinigten
Anti-Cyr61-Antikörpern
behandelten Kulturen signifikant gehemmt, was darauf hinweist, dass
endogenes Cyr61 für
die Mesenchymzellen-Aggregation von Bedeutung ist. Um die Möglichkeit
auszuschließen,
dass die affinitätsgereinigten
Anti-Cyr61-Antikörper
unbestimmte Komponenten enthalten, die die Aggregation stören, wurden
die oben beschriebenen Anti-Cyr61-Anitkörper vor
Zugabe zu den Zellen mit gereinigtem Cyr61-Protein vorinku biert.
Diese vorinkubierten Antikörper
beeinträchtigten
die Zellaggregation nicht mehr als die IgG- und Cyr61-Puffer-Kontrollen,
was darauf hinweist, dass die Anti-Cyr61-Antikörper ihre Hemmung der Zellaggregation
durch Neutralisieren des endogenen Cyr61-Proteins von Mesenchymzellen
erzielten.
-
Zusätzlich zur
oben beschriebenen Zellaggregation in Suspensionskulturen wurde
auch die Wirkung von Cyr61 auf die Mesenchymzellen-Aggregation in
Mikromassenkulturen untersucht. Wenn gereinigtes Cyr61-Protein (0,3 μg/ml) zu
Extremitäten-Mesenchymzellen
zugegeben wurde, wurde im Gegensatz zu Kontrollzellen, die kein
Cyr61 erhalten haben, innerhalb von 24 Stunden eine frühzeitige
Zellaggregation beobachtet. Weder Cyr61-behandelte noch Kontrollkulturen
hatten sich zu diesem Zeitpunkt zu Knorpelknötchen entwickelt. Bis zum Kulturtag
3 war die Entwicklung intranodulärer
Zellverdichtungen zwischen den verschiedenen Knorpelknospen in Cyr61-behandelten Kulturen
stärker
ausgeprägt.
Diese internodulären
Verdichtungen erfahren anschließend
Chondrogenese, die als Alcian-Blau-Färbung der Knorpelmatrix am
Kulturtag 4 zu beobachten war. Gemeinsam zeigen diese Ergebnisse
an, dass Cyr61 fähig
ist, die Aggregation zwischen Zellen zu fördern, was ein notwendiger
Schritt bei der Chondrogenese von Mesenchymzellen in Mikromassenkultur ist.
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Beispiel 26
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Chondrogenese – ECM-Signalmoleküle fördern die
Zellvermehrung
-
Manche
ECM-Signalmoleküle,
wie z.B. Cyr61, beeinflussen die Chondrogenese, wie sich durch ihre Wirkungen
auf Extremitätenknospen-Mesenchymzellen
in Mikromassenkultur wie oben beschrieben offenbart. Ahrens et al.,
Dev. Biol. 60, 69-82 (1977), haben berichtet, dass diese Zellen
in Mikromassenkultur Chondrogenese auf eine Weise erfahren, die
dem In-vivo-Prozess ähnlich
ist. Mesenchymzellen wurden aus Mausembryo-Extremitätenknospen
durch Trypsinverdau (1 mg/ml, 1:250-Verdünnung von Schweinepankreas-Trypsin,
Sigma Chemical Co.) erhalten. Die Zellen wurden in Kunststoffgewebekulturwells
explantiert und 2 Stunden lang bei 37°C, 5 CO2 anhaften
gelassen. Die Zellen wurden dann 24 Stunden lang bei 37°C, 5 % CO2 in MEM mit 10 % FBS, Penicillin (50 U/ml)
und Streptomycin (50 μg/ml)
inkubiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Zusammensetzung des Mediums
durch Ersetzen des 10%igen FBS durch 4 % NuSerum (Collaborative
Biomedical Products Inc.) geändert.
Einzelne Kulturen erhielten dann Cyr61, Fibronectin, Heparin (alle zu
ungefähr
1 μg/ml)
oder Puffer als negative Kontrolle. Eine zusätzliche Kontrolle wurde durch
Zugeben einer 1:100-Verdünnung
von affinitätsgereinigtem
Anti-Cyr61-Antikörper
(ungefähr
13 μg/ml
Stammlösung)
bereitgestellt, der nach Standardtechniken hervorgerufen und gereinigt
wurde. Harlow et al.
-
Die
Zellvermehrung wurde wie oben beschrieben mittels Thymidintest und
mikroskopischer Zellzählung
ermittelt. Chondrogenese wurde durch Quantifizieren der Inkorporation
von [35S]-Sulfat (ICN Biomedicals Inc.)
in sulfatierte Glykosaminoglykane und durch qualitative Bestimmung
des Chondrogenese-Ausmaßes durch
Zellfärbung
mit Alcian-Blau ermittelt. Die oben beschriebenen Kulturen wurden
mit 2,5 μCi/ml
[35S]-Sulfat 18 Stunden lang markiert, zweimal
in PBS gewaschen, mit Kahle-Fixiermittel (Pepper et al., J. Cell
Sci. 109, 73-83 (1995)) fixiert und 18 Stunden lang in 0,5 % Alcian-Blau,
pH 1,0, gefärbt.
Das Ausmaß der
Chondrogenese korrelierte mit der Intensität der Alcian-Blau-Färbung. San
Antonio et al., Dev. Biol. 115, 313-324 (1986). Die Ergebnisse zeigen,
dass Cyr61 die Vermehrung und Aggregation von Extremitätenknospen-Mesenchymzellen
erhöhte,
was verstärkte
Chondrogenese bewirkte.
-
Zusätzlich zum
Nachweis, dass gereinigtes Cyr61 die Wachstumsfaktor-induzierte
DNA-Synthese in Fibroblasten und Endothelzellen verstärkte, wurden
die Wirkungen von Cyr61 auf die Zellvermehrung direkt untersucht.
Die Zellvermehrung während
des 4-tägigen
Kulturzeitraums wurde durch Zählen
der Zellzahl und durch Inkorporation von [3H]-Thymidin
bestimmt. Um die Zellzahl zu bestimmen, wurden die Zellen mittels Trypsin/EDTA
geerntet und mit einem Coulter-Counter gezählt. In Parallelkulturen wurde
[3H]-Thymidin (1 μCi/ml; ICN) zu dem Medium 18
Stunden lang zugegeben und die Inkorporation in die TCA-unlösliche Schicht durch
Flüssigszintillationszählung gemessen.
Zu Extremitäten-Mesenchymzellen
zugegebenes gereinigtes Cyr61-Protein erhöhte die Zellzahl und verstärkte die
DNA-Synthese nach zwei und drei Tagen in Kultur, obgleich die Gesamtzellzahl
in Cyr61-behandelten und Cyr61-unbehandelten
Kulturen sich nach 4 Tagen auf dasselbe Ausmaß einpendelte.
-
Die
Rolle von Cyr61 bei der Chondrogenese kann auch die Integration
von Prothesen verbessern. Beispielsweise werden Skelettverletzungen
und -leiden häufig
durch Einsetzen einer Prothese, z.B. Hüftprothese, Knieprothese, behandelt. Über Fragen
der Histokompatibilität
hinaus erfordert die erfolgreiche Implantation einer Prothese, dass
das fremde Element in die Skelettstruktur des Organismus integriert
wird. Die Fähigkeit
von Cyr61-Polypeptiden, Zelladhäsion,
-migration und -vermehrung zu beeinflussen, und die Fähigkeit
von Cyr61-Polypetiden, die Differenzierung von Mesenchymzellen zu
Chondrozyten zu induzieren, sollte sich als wertvoll bei der Behandlung
von Skelettstörungen
durch Prothesenimplantation erweisen. Beispielsweise würde die
Integration einer Prothese durch Chondrozyten-Kolonisierung durch
therapeutische Behandlungen gefördert
werden, die die Verabreichung von Cyr61 in einem pharmazeutisch
annehmbaren Adjuvans, Träger oder
Verdünner
umfassen, und zwar unter Anwendung beliebiger Verabreichungswege,
die auf dem Gebiet der Erfindung bekannt sind, oder durch Beschichten
der Prothese mit Cyr61-Polypeptiden in einem geeigneten Träger. Der
Träger
kann auch ein Vehikel mit langsamer Freisetzung sein, um eine verzögerte Freisetzung
der Polypeptide zu ermöglichen.
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Ein
Vergleich der relativen Raten der Zellvermehrung in Gegenwart einer
Kontrolle, die ein ECM-Signalmolekül alleine umfasst (z.B. Cyr61),
und in Gegenwart einer Kombination eines ECM-Signalmoleküls und eines
mutmaßlichen
Modulators der Zellvermehrung stellt eine Basis für die Identifizierung
eines mutmaßlichen
Modulators als Förderer
oder Inhibitor der Chondrozyten-Vermehrung bereit.
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Beispiel 27
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Chondrogenese – ECM-Signalmoleküle fördern die
Chondrogenese
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Die
chondrogene Differenzierung wurde durch Inkorporation von [35S]-Sulfat (ICN) in sulfatierte Glykosaminoglykane
quantifiziert und qualitativ mittels Alcian-Blau-Fär bung beurteilt.
Die Kulturen wurden mit 2,5 μCi/ml
[35S]-Sulfat 18 Stunden lang radioaktiv
markiert, mit Kahle-Fixiermittel fixiert und mit 0,5 % Alcian-Blau, pH
1,0, gefärbt
(Lev et al. (1964)). Das Ausmaß an
Chondrogenese wird mit der Intensität der Alcian-Blau-Färbung (San
Antonio et al. (1986)) korreliert. [35S]-Sulfat-Inkorporation
in der fixierten Zellschicht wurde mittels Flüssigszintillationszählung quantifiziert.
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Exogenes,
gereinigtes Cyr61-Protein förderte
die Extremitäten-Mesenchymzellenaggregation
und resultierte in größeren, sich
mit Alcian-Blau anfärbenden
Knorpelregionen in Mikromassenkulturen, was eine die Chondrogenese
fördernde
Wirkung nahe legt. Diese Wirkung wurde durch Inkorporation von [35S]-Sulfat in sulfatierte Glykosaminoglykane
(San Antonio et al. (1986)) in Cyr61-behandelten Mikromassenkulturen
quantifiziert. Exogenes Cyr61 erhöhte die [35S]-Sulfat-Inkorporation
auf dosisabhängige
Weise, was einen 1,5fachen und 3,5fachen Anstieg mit 0,3 bzw. 5 μg/ml Cyr61
bewirkte und qualitativ mit erhöhter
Alcian-Blau-Färbung
korrelierte. Der bei der 5-μg/ml-Cyr61-Dosis
(120 nM) beobachtete Anstieg unterschätzt das tatsächlichen
Ausmaß an
Chondrogenese, da sich einige der großen Knorpelknötchen, die
bei dieser Dosis gebildet wurden, von der Platte ablösten. Mit
10 μg/ml
Cyr61 behandelte Kulturen bildeten einen massiveren Knorpelhügel.
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Eine
Durchsicht der Literatur wies darauf hin, dass die Chondrogenese
in Extremitäten-Mesenchymzellen-Mikromassenkulturen
mit der Zugabe von 10 μg/ml
Heparin um das 2fache (San Antonio et al. (1987); Resh et al. (1985))
und mit 50 μg/ml
Tenascin (200 nM) um das 3fache (Mackie et al. (1987)) anstieg.
Die Ergebnisse zeigte, dass gereinigtes Cyr61 bei Konzentrationen
(10-100 nM) wirksam war, die ähnlich
oder niedriger als jene anderer Moleküle waren, die bekanntermaßen die
Chondrogenese in diesem Zellsystem fördern.
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Da
ein gewisser Schwellwert an Zelldichte erreicht werden muss, damit
die anfängliche
Aggregation stattfinden kann (Umansky (1966); Ahrens et al. (1977)),
sind bei niedrigen Dichten ausplattierte Embryo-Mesenchymzellen
normalerweise unfähig,
sich zu Chondrozyten zu differenzieren, obgleich der Zusatz exogener Faktoren,
wie z.B. Heparin oder Poly-L-Lysin (San Antonio et al. (1986); San
Antonio et al. (1987)) erwiesenermaßen die Chondrogenese in Zellen
fördern,
die unter diesen Bedingungen ausplattiert worden sind. Daher wurde
die Fähigkeit
von Cyr61 untersucht, die Differenzierung von Mesenchymzellen zu
fördern,
die mit Dichten über
und unter dem Schwellwert für
Chondrogenese ausplattiert waren. Mit 2,5 × 106 Zellen/ml
ausplattierte Zellen inkorporierten wenig [35S]-Sulfat.
Wenn jedoch Cyr61 zugesetzt wurde, bildeten diese Kulturen mit einer Dichte
unter dem Schwellwert Knötchen
und inkorporierten Sulfat bis zu einem Ausmaß, das ähnlich jenem in Kulturen war,
die mit einer Dichte von 3 × 106 Zellen/ml, die Chondrogenese unterstützt, ausplattiert
waren. Daher kann Cyr61 Chondrogenese in Mesenchymzellen fördern, die
bei nicht-chondrogenen
Dichten unter dem Schwellwert ausplattiert wurden.
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Daher
ist es denkbar, dass bei Ausplattieren von Mesenchymzellen in einer
Mikromasse hoher Dichte das Ausmaß an Chondrogenese maximal
sein kann und durch exogene Faktoren, die möglicherweise auch nicht allen
Zellen zugänglich
sind, weiter gesteigert werden kann. Jedoch resultierte die Zugabe
von exogenem Cyr61 in einer 2fachen Erhöhung der [32S]-Sulfat-Inkorporation
in Kulturen, die mit Dichten im Bereich von 3 bis 10 × 106 Zellen/ml ausplattiert waren. Daher kann
Cyr61 die Chondrogenese in Mikromassenkulturen hoher Dichte, die
offenbar einen maximalen Grad an Differenzierung nicht erreicht
haben, weiter erhöhen.
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Es
ist vorstellbar, dass, wenn Mesenchymzellen in einer hohen Mikromassendichte
ausplattiert werden, das Ausmaß der
Chondrogenese maximal sein kann und nicht durch exogene Faktoren,
die auch nicht für
alle Zellen zugänglich
sein können,
weiter erhöht
werden kann. Die Zugabe von exogenem Cyr61 resultiert jedoch in
einer 2fachen Steigerung der [35S]-Sulfat-Inkorporation
in Kulturen, die in Dichten von 3 bis 10 × 106 Zellen/ml
ausplattiert wurden. Daher kann Cyr61 die Chondrogenese in hohen
Mikromassendichten weiter erhöhen,
die offensichtlich kein maximales Ausmaß an Differenzierung erreicht
haben.
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Es
ist möglich,
dass die erhöhte
[35S]-Sulfat-Inkorporation in Cyr61-behandelte
Kulturen zumindest teilweise auf einen Anstieg der Zellzahl zurückzuführen ist,
da Cyr61 auch die Zellvermehrung fördert. Wenn dies korrekt wäre, dann
würde die
Normali sierung der Sulfatinkorporation bezüglich der Zellzahl jegliche
Unterschiede zwischen Kontrolle und Cyr61-behandelten Kulturen eliminieren.
Es erwies sich, dass dies nicht der Fall ist. Cyr61-behandelte Kulturen
zeigten nach wie vor eine ungefähr
2fache Erhöhung
der normalisierten Sulfatinkorporation gegenüber der Kontrolle, was darauf
hinweist, dass Cyr61 einen Nettoanstieg an Chondrogenese fördert. Am
Kulturtag 2 war das Sulfat:Zellzahl-Verhältnis in Cyr61-behandelten
Kulturen im Vergleich zu Kontrollen niedriger und spiegelt ein niedriges
Ausmaß an
[32S]-Sulfat-Inkorporation relativ zur Zellzahl
wider, da Mesenchymzellen sich in Kulturen dieses frühen Stadiums
eher vermehren als differenzieren (Ede (1983)).
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Die
Gegenwart von endogenem Cyr61 in diesen Zellen sowohl in vivo als
auch in vitro weist darauf hin, dass Cyr61 tatsächlich die biologische Funktion
aufweist, die chondrogene Differenzierung zu regulieren. Die Fähigkeit
von exogen zugegebenem, gereinigtem Cyr61, die interzelluläre Aggregation
zu fördern
und die [35S]-Sulfat-Inkorporation und Alcian-Blau-Färbung in
Extremitäten-Mesenchymzellen
zu erhöhen,
beweist, dass Cyr61 als Chondrogenese-Verstärkungsfaktor agieren kann.
Wie oben in Beispiel 11 gezeigt, können Anti-Cyr61-Antikörper sowohl
die Zelladhäsionsals
auch die DNA-Synthese-Verstärkungsaktivitäten von
Cyr61 neutralisieren. Anti-Cyr61-Antikörper wurden
dem Mesenchymzellen-Kulturmedium zugegeben oder vor dem Ausplattieren
mit der Zellsuspension gemischt. Die Chondrogense wurde in mit Anti-Cyr61-Antikörpern behandelten
Kulturen gehemmt, wie durch Verminderungen der [35S]-Sulfat-Inkorporation
auf 50 % und 30 % der Kontrollen nachgewiesen wurde, wenn Antikörper dem
Medium zugegeben bzw. mit den Zellen gemischt wurden. Diese Beobachtungen
korrelierten mit verminderter Alcian-Blau-Färbung. Jedoch resultierte das
Mischen der Anti-Cyr61-Antikörper
mit Mesenchymzellen vor dem Ausplattieren in vollständiger Ablösung von
manchen der behandelten Kulturen innerhalb von 24 Stunden.
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Um
die Möglichkeit
einer nicht identifizierten Komponente im Antikörperpräparat als Ursache der Zellablösung zu
eliminieren, wurde Anti-Cyr61-Antikörper mit 1 μg/ml gereinigtem Cyr61-Protein
vor dem Mischen mit Zellen vorinkubiert. Die Hemmung der Chondrogenese
in mit neutralisierten Anti-Cyr61-Antikörpern gemischten Mesenchymzellen
wurde aufgehoben.
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Ein
Verfahren des Screenings auf Modulatoren der Chondrogenese kann
vorgesehen sein. Ein Vergleichstest umfasst das Aussetzen von Chondrozyten
gegenüber
entweder (a) einer Kombination eines mutmaßlichen Modulators der Chondrogenese
und eines ECM-Signalmoleküls,
wie z.B. Cyr61, oder (b) dem ECM-Signalmolekül alleine. Messungen der relativen
Chondrogenese-Raten stellen dann eine Basis für die Identifizierung des mutmaßlichen
Modulators der Chondrogenese als Förderer oder Inhibitor dieses
Prozesses bereit.
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Die
in diesem Beispiel beschriebenen Ergebnisse zeigen, dass endogenes
Cyr61 in Mesenchymzellen vorhanden und für ihre Chondrogenese von Bedeutung
ist. Demgemäß beabsichtigt
die Erfindung die Verwendung eines ECM-Signalmoleküls, wie
z.B. Cyr61, um Knochenheilung zu induzieren. Beispielsweise wird
eine biologisch wirksame Menge Cyr61 in eine Matrix, wie z.B. einen
Schwamm, wie oben beschrieben eingeführt, und dieses Material wird
dann aufgegeben, um Knochenbrüche
zu fixieren, oder dazu verwendet, um die Fragmente einer Trümmerfraktur
zueinander zu bringen. Es kann eine bioabbaubare Matrix eingesetzt
werden, oder die Matrix kann zu einem geeigneten späteren Zeitpunkt
entfernt werden. Alternativ dazu kann Cyr61 direkt auf den Knochen
aufgetragen werden. Zusätzlich
kann Cyr61 auf leblose Objekte, wie z.B. auf biokompatible Prothesen,
wie in Beispiel 26 beschrieben angewendet werden.
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Beispiel 28
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Genetik
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Ein
anderer Weg, die Wirkungen eines ECM-Signalmolekül-verwandten Biomaterials zu
kontrollieren, ist seine Inaktivierung durch Erzeugen von dominant
negativen Mutationen im relevanten Gen in aktiv wachsenden und sich
teilenden Zellen. Ein Ansatz umfasst die Verwendung rekombinanter
Techniken, um z.B. homozygote mu tierte Genotypen in Ex-vivo-Kulturen,
wie z.B. HSC-Kulturen, zu erzeugen. Die Einführung dieser Zellen in einen
Organismus, wie z.B. in einen humanen Patienten, würde dann
eine Gelegenheit für
die eingeführten
mutierten Zellen bereitstellen, sich auszubreiten und die Expression
des ECM-Signalmoleküls
in vivo zu ändern.
Mutanten, die für
eine solche Mutation homozygot sind, könnten die Expression eines
endogenen ECM-Signalmoleküls
der Wildform in anderen Zellen beeinflussen. Heterozygote Mutanten
könnten
veränderte
ECM-Signalmoleküle
produzieren, die zur Wechselwirkung mit dem ECM-Signalmolekül der Wildform,
das ebenfalls exprimiert wird, in einer solchen Weise fähig sind,
dass die Aktivitäten
des ECM-Signalmoleküls
moduliert oder aufgehoben werden.
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Darüber hinaus
könnten
sich wegen der Rolle, die ECM-Signalmoleküle, wie z.B. Cyr61, bei der
Regulation der Chondrogenese (d.h. Skelettentwicklung) spielen,
genetische Manipulationen, die die Expression von Human-Cyr61 verändern, als
medizinisch bedeutungsvoll für
vorgeburtliche Screeningverfahren und Gentherapiebehandlungen erweisen,
die mit Skelettleiden in Verbindung stehen, und zwar zusätzlich zu
angiogenen Leiden. Beispielsweise wird das Cyr61-Gen exprimiert,
wenn Mesenchymzellen ektodermalen sowie mesodermalen Ursprungs sich
differenzieren, um Chondrozyten auszubilden. Folglich ist es eine
Rolle, die Cyr61 spielen könnte,
die Regulation der Festlegung von Mesenchymzellen auf Chondrozyten-Zelllinien,
die an der Skelettentwicklung beteiligt sind. Im Einklang mit dieser
Sichtweise werden transgene Mäuse,
die cyr61 ektopisch überexprimieren,
mit Skelett-Abnormalitäten
geboren. In allen untersuchten Fällen
korreliert die Anwesenheit von Skelettdeformationen mit der Expression
des Transgens. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Human-Form
von Cyr61 ebenfalls die Chondrogenese und Skelettentwicklung regulieren
kann. Es ist ferner möglich,
dass das Human-cyr61-Gen einem genetischen Locus entspricht, der
wie bereits bekannt die Skelettentwicklung oder Geburtsdefekte in
Verbindung mit der Knochen-Morphogenese beeinflusst. Die Kenntnis der
Human-Cyr61-Proteinsequenz, die hierin in Seq.-ID Nr. 4 dargestellt
ist, und der kodierenden Sequenz der cDNA, die hierin in Seq.-ID
Nr. 3 dargestellt ist, stellen eine Basis für die Konstruktion einer Vielzahl
von Gentherapieansätzen
bereit.
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Die
Informationen stellen ferner eine Basis für die Konstruktion von Sonden
bereit, die bei genotypischen Analysen, z.B. Restriktionsfragmentlängenpolymorphismus-Analysen, zweckdienlich
sind. Solche Analysen sind auf den Gebieten genetischer Beratung,
z.B. bei der Diagnose von Krankheiten und Leiden und der Wahrscheinlichkeit
ihres Auftretens, sowie bei forensischen Analysen zweckdienlich.
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Als
Beispiel sind die Materialien der vorliegenden Erfindung im vorgeburtlichen
Screening für
eine Reihe von Leiden oder Störungen,
einschließlich
Blutstörungen,
Skelettabnormalitäten
und Krebsleiden, zweckdienlich. Wohl bekannte Techniken zum Erlangen
fötaler
Zellen, z.B. Amniozentese, stellen für die Diagnose benötigte Materialien
bereit. Die fötalen
Zellen können
vermehrt und die DNA isoliert werden. Fötale Zellen können lysiert
und Polymerasekettenreaktionen unter Verwendung von Oligonucleotidprimern
durchgeführt werden.
Bei beiden Ansätzen
wird die DNA dann der Analyse unterzogen. Einer der analytischen
Ansätze
umfasst die Bestimmung der Nucleotidsequenz bestimmter Regionen
von cyr61 oder des gesamten Gens. Die verfügbare kodierende Sequenz von
Human-cyr61, die hierin in Seq.-ID Nr. 3 dargestellt ist, erleichtert
die Konstruktion von Sequenzierungsprimern und bringt daher die
Nucleotidsequenzanalyse in den Bereich der praktischen Realität. Eine
Alternative zur Nucleotidsequenzanalyse ist eine Untersuchung der
Expressionseigenschaften der fötalen
Nucleinsäure.
Die Fähigkeit
der fötalen
Nucleinsäure,
exprimiert werden zu können,
könnte
bei der Diagnose von Cyr61-bezogenen angiogenen, chondrogenen oder
onkogenen Störungen
entscheidend sein.
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Beispiel 29
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Fibroblastenadhäsion
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Primäre Human-Hautfibroblasten
haften an Proteinen der CCN-Familie, vor allem Cyr61 und CTGF, und
zwar durch Integrin α6β1 und nicht αv6β3 oder αIIBβ3.
Fibroblastenadhäsion
an entweder Cyr61 oder CTGF erfordert eine Wechselwirkung des Proteins
mit Zelloberflächen-Heparansulfat-Proteoglykan,
das als Corezeptor mit α6β1 für
sowohl Cyr61 als auch CTGF dient. Neben seiner Beteiligung an Fibroblastenadhäsion induziert
Cyr61 angiogene Faktoren, wie z.B. den Gefäßendothelzellen-Wachstumsfaktor
(d.h. VEGF), in diesen Zellen. Es ist zu erwarten, dass CTGF auch
VEGF-Expression induziert.
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Sowohl
Cyr61 als auch CTGF dienen als angemessene Signalmoleküle, die
durch Adhäsionsrezeptoren
wirken. Fibroblastenadhäsion
an Cyr61 und CTGF resultiert in Fokaladhäsions-Plaques, die durch Färben mit
entweder Anti-β1-Antikörpern
oder Anti-Fokaladhäsionskinase-
(FAK), Anti-Paxillin- oder Anti-Vinculin-Antikörpern sichtbar gemacht werden
kann. Morphologisch gesehen bilden Fibroblasten, die an Cyr61 haften,
Filipodien, in Übereinstimmung
mit einer Migrationsreaktion. Außerdem führt die Adhäsion zur raschen Tyrosinphosphorylierung
von FAK und Paxillin sowie zur Aktivierung von MAP-Kinase und NJK-Kinase
durch Phosphorylierung. Die Adhäsion
von Cyr61 resultiert in einer veränderten Genexpression in Fibroblasten,
wie z.B. zur Induktion von MMP1 (Collagenase; Matrix-Metalloproteinase
1).
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Das α6β1-Integrin
ist der Adhäsionsrezeptor
für Cyr61
und CTGF in Fibroblasten. Außerdem
umfasst Cyr61-vermittelte Adhäsion
durch α6β1 eine gleichzeitige Bindung an Heparansulfat-Proteoglykan.
Im Gegensatz dazu erfordert Cyr61-Adhäsion durch αvβ3 in
Endothelzellen keine Bindung an Proteoglykane. Somit besteht die
Adhäsion
von Endothelzellen aus zwei Komponenten: eine wird durch αvβ3-Integrin
vermittelt, und die andere durch α6β1. Eine geringes Ausmaß an Cyr61-vermittelter Adhäsion in
Endothelzellen, die nicht durch LM609 blockiert werden konnte, wurde
beobachtete. Diese Restadhäsion
wurde durch Anti-α6β1-Antikörper vollkommen
blockiert. Somit ist α6β1 der primäre Rezeptor für Cyr61
in Fibroblasten und der sekundäre
Rezeptor in Endothelzellen.
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Die
funktionell blockierenden monoklonalen Antikörper gegen Integrine wurden
von Chemicon Inc. bezogen: JB1A (Anti-β1);
FB12 (Anti-α1); P1E6 (Anti-α2);
P1B5 (Anti-α3);
P1H4 (Anti-α4); P1D6 (Anti-α5); NK1-GoH3
(Anti-α6); P3G8 (Anti-αv);
LM609 (Anti-αvβ3). Polyklonale Anti-Cyr61-Antikörper wurden
in Kaninchen gebildet und wie beschrieben affinitätsgereinigt
(Kireeva et al. (1997)). Synthetische Peptide GRGDSP (Seq.-ID Nr.
31) und GRGESP (Seq.-ID Nr. 32) wurden von Gibco-BRL bezogen. Heparin,
Chondroitin-Sulfat A, Chondroitin-Sulfat C und Decorin stammten
von Sigma. Chondroitin-Sulfat B (Dermatan-Sulfat) und niedermolekulares
(3K) Heparin stammten von Fluka.
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Um
Cyr61-vermittelte Fibroblastenadhäsion weiter zu charakterisieren,
wurden Cyr61-Varianten oder -Mutanten konstruiert, die Alaninsubstitutionen
innerhalb der vermeintlichen Heparin-bindenden Stellen zwischen
etwa den Aminosäuren
280-290 und den Aminosäuren
306-312 aufweisen. Konstruktionen umfassten ortsgerichtete Mutagenese
unter Einsatz eines zwei Schritte umfassenden Polymerasekettenreaktions- (PCR-)
Verfahrens. Kurz gesagt wurden zwei überlappende interne Oligonucleotid-Primer,
welche die geänderten
Sequenzen in entgegengesetzter Orientierung enthielten, gemeinsam
mit externen Primern in zwei separaten PCR-Reaktionen eingesetzt.
Maus-cyr61-cDNA wurde in der ersten PCR-Reaktion als Matrize eingesetzt.
Die resultierenden Produkte wurden gelgereinigt, kombiniert und
als Matrize für
die zweite PCR-Reaktion verwendet. Das letztendliche mutierte PCR-Produkt
wurde mit BsrG1 verdaut, das an Stellen schneidet, welche die mutierten
Sequenzen flankieren. Das BsrG1-Fragment, welches die Wildtyp-cyr61-cDNA
im pSG5-Vektor enthielt, wurde mit dem mutierten PCR-Produkt substituiert.
Die Orientierung und Mutationen wurden durch DNA-Sequenzierung bestätigt. Schließlich wurde
die mutierte cyr61-cDNA durch Verdau mit EcoRI von pSG5 freigesetzt
und in den Baculovirus-Expressionsvektor
pBlueBac 4.5 (Invitrogen) kloniert.
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Für die H1-Mutante
waren die internen Primer 5'-GCGGCATGCAGCGCGACCGCGAAATCCCCAGAACCAGTC-3' (Primer fH1; Seq.-ID Nr. 18) und 5'-TCGCGCTGCATGCCGCGCCCGCTTTTAGGCTGCTGTACACTG-3' (Primer rH1; Seq.-ID Nr. 19). Für die H2-Mutanten
waren die internen Primer 5'-GTCGCGGCATACGCGCCCAAATACTGCGGCTC-3' (Primer fH2; Seq.-ID
Nr. 20) und 5'-GCGCGTATGCCGCGACACTGGAGCATCCTGC-3' (Primer rH2; Seq.-ID
Nr. 21). Die in der zweiten PCR-Reaktion verwendeten Außenprimer waren
für jede
Mutante 5'-CAGACCACGTCTTGGTCC-3' (Stromauf-PCR-Primer;
Seq.-ID Nr. 22) und 5'-GAATAGGCTGTACAGTCGG-3' (Stromab-PCR-Primer;
Seq.-ID Nr. 23). Um eine Doppelmutante (dmcyr61) zu konstruieren,
wurde das H2-mutierte cyr61-hältige
amplifizierte Polynucleotid als PCR-Matrize verwendet, wenn die
in H1 vorkommende Mutation eingeführt wurde.
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Rekombinantes
Human-Cyr61 und mutiertes Cyr61, in einem Baculovirus-Expressionssystem
unter Verwendung von Sf9-Insektenzellen synthetisiert, wurden von
serumfreiem konditioniertem Medium durch Chromatographie auf Sepharose-S-Säulen gereinigt. Die Reinheit
und Ausbeute der Proteine wurden durch SDS-PAGE, gefolgt von Coomassieblau-Färbung und
Immun-Blotting bestimmt. Menschliches Fibronectin, menschliches
Vitronectin, Rattenschwanz-Typ-I-Collagen und Maus-Laminin wurden von
Collaborative Research, MA, erhalten.
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Die
primäre
menschliche Vorhaut-Fibroblasten-Zelllinie 1064SK (ATCC CRL-2076;
Start-Passage 2) wurde in DMEM (4,5 g/Liter Glucose, Gibco) mit
10 % fötalem
Rinderserum (Intergene) kultiviert. Human-Nabelvenen-Endothelzellen
(HUVEC) stammten von Cascade Biologics Inc. und wurden in dem von
Cascade Biologics bereitgestellten Medium gezüchtet. Zelladhäsionstests
wurden unter serumfreien Bedingungen durchgeführt. Kurz gesagt wurde ein
zu untersuchendes Protein bis zur gewünschten Konzentration (0,1-10 μm/ml) in
PBS verdünnt,
auf 96-Well-Mikrotiterplatten
(50 μl pro
Well) aufgebracht und 16 Stunden lang bei 4°C inkubiert. Die Bindungskapazität für ungesättigtes
Protein wurde mit 1 % BSA bei Raumtemperatur 1 Stunde lang blockiert.
Die Zellen wurden zweimal mit PBS gewaschen und durch Inkubation
in PBS, das 2,5 mM EDTA enthielt, bei Raumtemperatur 10 Minuten
lang geerntet. Abgelöste
Zellen wurden mit serumfreiem Grundkulturmedium gewaschen, das 1
% BSA enthielt, und mit 2,5 × 105 Zellen/ml im gleichen Medium resuspendiert. Wenn
angegeben wurden Reagenzien (EDTA, Heparin, Peptide usw.) vor dem
Ausplattieren mit den Zellen vermischt, und Antikörper wurden
vor dem Ausplattieren 30 Minuten lang bei Raumtemperatur mit Zellen
inkubiert. Zu jedem Well wurden 50 μl Zellsuspension zugegeben,
und nach einer 30-minütigen
Inkubation bei 37°C
wurden die Wells zweimal mit PBS gewaschen. Anhaftende Zellen wurden
mit 10 % Formalin fixiert, mit Methylenblau gefärbt und durch Farbstoffextraktion
quantifiziert, und dann wurde die Absorption bei 620 nm gemessen.
Die Hemmung von Glykosaminoglykan-Sulfatierung wurde erreicht, indem
die Zellen 24 Stunden lang in einem Medium gezüchtet wurden, das die angegebenen
Menge an Natriumchlorat enthielt. Die Beteiligung von Zelloberflächen-Proteoglykan
wurde untersucht, indem die Zellen 30 Minuten lang bei 37°C mit Heparinase
I (2 U/ml, Sigma) oder Chondroitinase ABC (2 U/ml, Sigma) vorbehandelt
wurden.
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Die
Fähigkeit
von Cyr61, Zelladhäsion
in normalen Fibroblasten zu vermitteln, wurde untersucht. Mikrotiterwells
wurden mit gereinigtem rekombinantem Cyr61-Protein beschichtet,
und 1064SK-Primär-Human-Vorhautfibroblasten
wurden unter serumfreien Bedingungen anhaften gelassen. Genauer
gesagt wurden gewaschene 1064SK-Fibroblasten mit 2,5 mM EDTA abgelöst und bei
2,5 × 105 Zellen/ml in serumfreiem DMEM-Medium resuspendiert.
50 μl Zellsuspensionen
wurden auf mit variierenden Konzentrationen (0,5-5,0 μm/ml) Cyr61-Protein
beschichteten Mikrotiterwells ausplattiert. Nach einer 30-minütigen Inkubation
bei 37°C wurden
anhaftende Zellen fixiert und mit Methylenblau befärbt. Extrahierter
Farbstoff wurde durch Absorption bei 620 nm quantifiziert, und das
Mittel aus drei Versuchen zeigte ein Absorptionsvermögen von
etwa 0,3 A620 (0,5 μm/ml Cyr61) auf, wobei das Absorptionsvermögen für Cyr61-Lösungen von
1-5 μg/ml
von 0,45-0,55 A620 reichte. Die Adhäsion von
1064SK-Zellen an Cyr61 war dosenabhängig und sättigbar.
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In
einem anderen Experiment wurden Mikrotiterwells mit entweder BSA,
Cyr61 (2 μg/ml)
oder Vitronectin (VN; 0,5 μm/ml)
beschichtet und mit affinitätsgereinigten
Anti-Cyr61-Antikörpern eine
Stunde lang bei 37°C
blockiert, bevor 1064SK-Zellen ausplattiert wurden. Das A620 für
BSA-beschichtete Wells betrug etwa 0,05, mit oder ohne blockierendem/n
Anti-Cyr61-Antikörper.
Bei Cyr61-beschichteten Wells betrug das A620 0,45
(ohne blockierenden Antikörper)
oder 0,15 (mit blockierendem Antikörper). Bei VN-beschichteten
Wells betrug das A620 etwa 0,55, mit oder
ohne blockierendem/n Antikörper.
Diese Daten sind Mittel aus drei Versuchen. Die Ergebnisse zeigen,
dass affinitätsgereinigte
Anti-Cyr61-Antikörper
1064SK-Zelladhäsion
an Cyr61, nicht jedoch an Vitronectin, hemmten, was darauf hinweist,
dass die Fähigkeit
zur Vermittlung von Fibroblastenadhäsion eine immanente Eigenschaften
des Cyr61-Proteins
ist.
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Die
Wirkungen von zweiwertigen Kationen auf die Zelladhäsion an
Cyr61 wurden ebenfalls untersucht. Die Zellen wurden zu Mikrotiterwells
zugesetzt, die mit Cyr61 (2 μg/ml);
Typ-I-Collagen (Col. I, 2 μg/ml),
Vitronectin (VN, 0,5 μg/ml)
oder BSA (Kontrolle) beschichtet waren; zu manchen Zellen wurde
EDTA (2,5 m) oder Mg2+ (5,0 mM) zugesetzt.
Die Zellen wurden auf Mikrotiterwells ausplattiert, die mit Cyr61
(2 μg/ml)
beschichtet waren; und eine der folgenden Komponenten wurde zugesetzt:
nichts, Ca2+, Mg2+,
Mn2+, Ca2+/Mg2+ oder Ca2+/Mn2+ (jeweils 5,0 mM); die A620-Werte
waren 0,07, 0,46, 0,07, 0,46, 0,50, 0,08 bzw. 0,48. Die Daten sind Mittel
aus drei Versuchen. Die Fibroblastenadhäsion an Cyr61 wurde durch 2,5
mM EDTA vollständig
blockiert (etwa 0,12 A620) und durch den
Zusatz von 5,0 mM Mg2+ wiederhergestellt
(0,50 A620). Wie erwartet wurden ähnliche
Ergebnisse bei Fibroblasten beobachtet, die auf Collagen (0,10 A620 mit EDTA, 0,58 A620 mit
Mg2+) oder Vitronectin (0,05 A620 mit
EDTA, 0,55 A620 mit Mg2+)
ausplattiert wurden. Die Gegenwart von Ca2+ löste die Zelladhäsion an
Cyr61 vollständig
aus, während
der Zusatz von Mg2+ oder Mn2+ keine
Auswirkungen hatte. Die Hemmung durch Ca2+ ist
charakteristisch für
die Adhäsion
durch manche Mitglieder der β1-Familie von Integrinen, einschließlich Rezeptoren,
die Typ-I-Collagen, Laminin und Vitronectin (Integrine α2β1, α6β1 und αvβ1)
in Fibroblasten binden, sowie des lymphozytenspezifischen Integrins αLβ2.
Diese Beobachtung half auch, einige Integrine auszuschließen, deren
Adhäsionseigenschaften
durch Ca2+ unterstützt werden. Die Gegenwart von Mn2+, nicht aber von Mg2+,
konnte die Hemmwirkung von Ca2+ auf die
Zelladhäsion
an Cyr61 überwinden,
was vermuten lässt,
dass Mn2+ den Cyr61-Adhäsionsrezeptor mit höherer Affinität binden
kann als Ca2+.
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Eine
Reihe von Integrinen, die in Fibroblasten exprimiert werden, vor
allem die αv-Integrine
(αvβ1, αvβ3 und αvβ5; Vitronectin-Rezeptoren) und das Integrin αvβ1 (Fibronectin-Rezeptor)
reagieren empfindlich auf Hemmung durch RGD-hältige Peptide. Die Wirkungen
von RGD-Peptiden auf Cyr61-vermitelte Fibroblastenbindung wurden
getestet, indem die Zellen in Wells ausplattiert wurden, die mit
Cyr61 (2 μg/ml),
Typ-I-Collagen (2 μg/ml) oder
Vitronectin (0,5 μg/ml)
beschichtet waren; dann wurden 2 mM GRGDSP- oder GRGESP-Peptide
zugesetzt. Bei Cyr61-beschichteten Welles ergaben kein Zusatz, GRGDSP
oder GRGESP A620-Werte von etwa 0,50, 0,48
bzw. 0,46. Bei Typ-I-Collagen betrugen die A620-Werte
0,50, 0,47 bzw. 0,49, und bei VN waren die Werte 0,45, 0,05 bzw.
0,41.
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Die
Zellen wurden auch bei Raumtemperatur 30 Minuten lang mit 40 μg/ml monoklonalen
Antikörpern gegen
die Integrin-α5- oder die Integrin-αv-Untereinheiten
vorinkubiert, dann auf Wells ausplattiert, die mit Cyr61 (2 μg/ml), Vitronectin
(0,5 μg/ml)
oder Fibronectin (FN, 1 μg/ml)
beschichtet waren. Bei Cyr61-beschichteten Wells waren die A620-Werte 0,75 (kein Zusatz), 0,73 (Anti-αv)
und 0,77 (Anti-α5); die entsprechenden Werte für VN betrugen
0,78, 0,32 und 0,72; bei Fibronectin waren die entsprechenden Werte
0,72, 0,65 und 0,36. Die Daten sind Mittel aus drei Versuchen. Das
Peptid RGDSP, nicht aber das Kontrollpeptid RGESP, hoben die 1064SK-Zelladhäsion an
Vitronectin vollkommen auf. Im Gegensatz dazu hatte RGDSP keine
Wirkung auf die Fibroblastenadhäsion
an Cyr61 oder Typ-I-Collagen. Dieses Ergebnis weist darauf hin,
dass die Fibroblastenadhäsion
an Cyr61 weder durch die αv-Integrine
(αvβ1, αvβ3 und αvβ5) noch durch α5β1 nicht
vermittelt wird.
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1064SK-Zellen
wurden außerdem
durch Vorinkubation mit monoklonalen Antikörpern provoziert, welche die αv-
und α5-Integrin-Untereinheiten spezifisch erkennen.
Während
die 1064SK-Adhäsion
an Vitronectin und Fibronectin durch monoklonale Antikörper gegen αv bzw. α5 blockiert
wurde, hatten diese Antikörper
keine Wirkung auf die Adhäsion
an Cyr61. Somit wird 1064SK-Fibroblastenadhäsion an Cyr61 durch eine der
Untergruppen von β1-Integrinen (z.B. α2β1, α3β1 oder α6β1)
vermittelt, die bekannterweise durch Ca2+ gehemmt
werden und gegenüber
Hemmung durch RGD-hältige
Peptide unempfindlich sind.
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Die
1064SK-Zellen wurden außerdem
unter Einsatz des monoklonalen Antikörpers JB1A analysiert, der
an die β1-Integrin-Untereinheit bindet. Die Zellen
wurden mit dem Antikörper
(50 μg/ml)
vorinkubiert, bevor sie auf Mikrotiterwells ausplattiert wurden,
die mit Cyr61 (2 μg/ml),
Typ-I-Collagen (2 μg/ml)
oder Vitronectin (0,5 μg/ml)
beschichtet waren. Anti-β1-Antikörper
hemmten die Zelladhäsion
an Cyr61 (A620 von 0,53 ohne Antikörper und
0,14 mit Antikörper)
zu 75 %, was bestätigt,
dass 1064SK-Fibroblastenadhäsion an
Cyr61 die Beteiligung eines β1-Integrins erfordert. Wie zu erwarten wurde
die Adhäsion
an Typ-I-Collagen durch den Anti-β1-Antikörper
zu etwa 62 % gehemmt (A620 von 0,56 ohne
und 0,21 mit Antikörper),
während
die Adhäsion an
Vitronectin nicht beeinträchtigt
war (A620 von 0,48 ohne und 0,44 mit Antikörper). Die
Daten sind Mittel aus drei Versuchen.
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Um
das spezifische β1-Integrin zu identifizieren, das Fibroblastenadhäsion an
Cyr61 vermittelt, wurden die Hemmwirkungen von funktionsblockierenden
monoklonalen Antikörper
gegen verschiedene Integrin-α-Untereinheiten
getestet. Die Zellen wurden mit monoklonalen Antikörpern gegen
die Integrin-β1-Einheit (50 μg/ml, siehe oben beschriebene
Ergebnisse) oder die Integrin-α6-Untereinheit (20 μg/ml) bei Raumtemperatur 30
Minuten lang vorinkubiert und dann auf Wells ausplattiert, die mit
Cyr61 (2 μg/ml),
Laminin (5 μg/ml)
oder Fibronectin (1 μg/ml)
beschichtet waren. Die Daten sind Mittel aus zumindest drei Versuchen.
Der monoklonale Anti-α6-Antikörper
blockierte 1064SK-Fibroblastenadhäsion an Cyr61 (A620 von
0,53 ohne und 0,08 mit Antikörper)
zu mehr als 80 %, während
er keine Wirkung auf die Adhäsion
an Fibronectin hatte. Die Adhäsion
an Laminin, einen Liganden für
Integrin α6β1, wurde nur teilweise blockiert (A620 von 0,62 ohne und 0,48 mit Antikörper, oder
eine Blockierung von etwa 22 %). Die Zellen wurden mit 40 μg/ml monoklonalen
Antikörpern
gegen Integrin α1, α2, α3 oder α4 vorinkubiert
oder mit einem Gemisch aus α1-, α2- und α3-Antikörpern (jeweils
40 μg/ml)
30 Minuten lang bei Raumtemperatur behandelt, dann auf Wells ausplattiert,
die mit Cyr61 (2 μg/ml), Vitronectin
(0,5 μg/ml)
oder Typ-I-Collagen (2 μg/ml)
beschichtet waren. Die Daten sind Mittel aus drei Versuchen und
in Tabelle II zusammengefasst.
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Funktionsblockierende
monoklonale Antikörper
gegen α1-, α2-, α3- oder α4-Untereinheiten
oder eine Kombination aus Antikörpern
gegen α1, α2 und α3 hatte nur wenig Wirkung auf Cyr61-vermittelte
Zelladhäsion (Tabelle
II). Im Gegensatz dazu hemmte ein Gemisch aus Anti-α1-,
Anti-α2- und Anti-α3-Antikörpern Fibroblastenadhäsion an
Collagen fast vollständig.
Somit wird 1064SK-Fibroblastenadhäsion an Cyr61 durch Integrin α6β1 vermittelt.
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Die
Rolle von Heparin bei der Bindung von Fibroblasten an Cyr61 wurde
ebenfalls untersucht. Zuerst wurden unterschiedliche Mengen von
löslichem
Heparin zu Suspensionen von 1064SK-Fibroplasten zugesetzt, bevor
sie auf entweder mit Cyr61 oder Fibronectin beschichteten Wells
ausplattiert wurden. Genauer gesagt wurden die Zellen auf Wells
ausplattiert, die mit Cyr61 (2 μg/ml)
oder Fibronectin (1 μg/ml)
beschichtet waren. Unterschiedliche Mengen Heparin (0,001-1000 μg/ml) wurden
vor dem Ausplattieren in die Zellsuspension gegeben. Die Zellen
wurden auf Wells ausplattiert, die mit Cyr61 (2 μg/ml) oder Vitronectin (0,5 μg/ml) beschichtet
waren. Daten, die Mittel aus zumindest drei Versuchen darstellen,
zeigten, dass Heparinwerte von nur 1 ng/ml die Bindung nachweisbar
hemmten, wobei 0,1 μg/ml
oder mehr die Zelladhäsion
an Cyr61 vollständig
hemmten. Hohe Heparinwerte von bis zu 1000 μg/ml hatten jedoch keine Wirkung
auf die Zelladhäsion an
Fibronectin.
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Der
Einfluss von Chondroitin-Sulfaten auf die Zelladhäsion an
Cyr61 wurde ebenfalls untersucht. Die Zellen wurden auf Wells ausplattiert,
die mit Cyr61 (2 μg/ml)
oder Vironectin (0,5 μg/ml)
beschichtet waren. Chondroitin-Sulfat A (1 mg/ml), Chondroitin-Sulfat
B (100 μg/ml),
Chondroitin-Sulfat C (10 mg/ml) oder Decorin (100 μg/ml) wurde
vor dem Ausplattieren in die Zellsuspension gegeben. Die Daten (drei
Durchgänge)
zeigten, dass 1 mg/ml Chondroitin A oder 10 μg/ml entweder Chondroitin B
oder Decorin die Zelladhäsion
an Cyr61 hemmten; Chondroitin C hemmte die Adhäsion an Cyr61 in allen getesteten
Konzentrationen (0,01-1000 μg/ml).
Die Konzentrationen von Chondroitin-Sulfat A, B oder Decorin, die
für diese
Hemmung erforderlich waren, waren einige Größenordnungen höher als
die wirksame Hemmkonzentration von Heparansulfat (z.B. 0,1 μg/ml Heparansulfat
im Vergleich zu 1 mg/ml Chondroitin-Sulfat A).
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Der
Zusatz von Natriumchlorat (ein Hemmer der Proteoglykansulfatierung)
zu Zellsuspensionen in Cyr61-behandelten (2 μg/ml) Wells resultierte in einer
dosisabhängigen
Reaktion mit 90%iger Hemmung der Adhäsion bei 40 mM Natriumchlorat.
Im Gegensatz dazu führte
diese Konzentration von Chlorat zu nur einer 10-20%igen Hemmung
der Zelladhäsion
an andere Substraten (Fibronectin, Typ-I-Collagen, Vitronectin und Laminin).
Die Daten sind Mittel aus drei Versuchen. Die Chlorathemmstudie
wurde durchgeführt,
indem Zellen 24 Stunden lang in einem Medium kultiviert wurden,
das 0-50 mM Natriumchlorat enthielt, dann gewaschen und wie oben
beschrieben geerntet wurden, gefolgt von einer Ausplattierung auf
Cyr61 (2 μg/ml),
Fibronectin (1 μg/ml),
Typ-I-Collagen (Coll. I, 2 μg/ml),
Vironectin (VN, 0,5 μg/ml)
oder Laminin (5 μg/ml).
Chlorat-vermittelte Adhäsionshemmung
wurde durch den Zusatz von 10 mM MgSO4 gerettet.
Die Zellen wurden 24 Stunden lang in einem Medium kultiviert, das
50 mM Natriumchlorat oder 50 mM Natriumchlorat plus 10 mM Magnesiumsulfat
enthielt, dann gewaschen und geerntet und anschließend auf
Wells ausplattiert, die mit Cyr61 (2 μm/ml), Vitronectin (0,5 μg/ml) oder
Fibronectin (1 mg/ml) beschichtet waren.
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Die
1064SK-Fibroblasten wurden außerdem
mit Heparatinase behandelt, sodass die Zellen nicht mehr an Cyr61
haften konnten (A620 von 0,13 mit und 0,59
ohne Be handlung), aber keinerlei Auswirkungen auf die Zelladhäsion an
Vitronectin (A620 von 0,63 mit und 0,70
ohne Behandlung) oder Fibronectin (A620 von
0,66 mit und 0,74 ohne Behandlung) hatte. Im Gegensatz dazu hatten
Chondroitinase A, B und C keine Wirkung (A620-Werte
von 0,57, 0,69 und 0,65 für
Cyr61, Vitronectin bzw. Fibronectin) auf die Zelladhäsion, was
zeigt, dass Chondroitin-Sulfate nicht wesentlich zur Adhäsion von
menschlichen Vorhaut-Fibroblasten an Cyr61 beitragen. Folglich sind
Zelloberflächen-Proteoglykane,
wie z.B. Heparansulfat-Proteoglykane, an Cyr61-vermittelter Fibroblastenzelladhäsion beteiligt.
Die Adhäsion
von menschlichen Fibroblasten an Cyr61 wird durch Integrin α6β1 vermittelt,
und sulfatierte Proteoglykane spielen bei dieser Adhäsion eine
Rolle.
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Mutierte
Cyr61-Proteine mit mangelnder Heparinbindung wurden erzeugt, um
die Wirkung solcher Veränderungen
auf die Fibroblastenadhäsion
zu untersuchen. Herkömmliche
ortsgerichtete Mutageneseverfahren wurden verwendet, um mutierte
Cyr61-Polypeptide mit geänderten
Heparinbindungsmotiven herzustellen. Zwei vermeintliche Heparinbindungsmotive
wurden innerhalb der carboxylterminalen Domäne in Cyr61 gefunden, welche
der Consensus-XBBXB-Sequenz für
die Heparinbindung entsprechen (worin B für einen basischen Aminosäurerest,
wie z.B. Lysin oder Arginin, steht). Ortsgerichtete Mutagenese wurde
eingesetzt, um die Lysin- und Argininreste in den Motiven mit Alanin
zu ersetzen, wodurch zwei Cyr61-Varianten (H1 und H2) geschaffen
wurden, die jeweils eines der beiden Heparinbindungsmotive mutiert
aufwiesen. Außerdem
wurden beide Motive in einer Cyr61-Doppelmutanten- (DM-) Variante
mutiert. Ein Vergleich der mutierten Aminosäuresequenz H2N-SLKAGAACSATAKSPEPVRFTYAGCSSVAAYAPKYCG-CO2H
(Seq.-ID Nr. 30) mit den Resten 278-314 von Seq.-ID Nr. 2 (Wildtyp-Maus-Cyr61)
zeigt Cluster von Aminosäureänderungen
zwischen den Resten 280-290 (H1, oben unterstrichen) und zwischen
den Resten 305-310 (H2, oben unterstrichen); beide Gruppen von geclusterten
Veränderungen
sind bei DM zu finden. Diese Mutationen wurden unter Verwendung des
Vollängen-cyr61
geschaffen; die mutierten Konstrukte wurden in rekombinanten Baculovirus-transformierten
Insektenzellen exprimiert und daraus gereinigt. Gleiche Mengen von
konditioniertem Medium von Insekten-SF9-Zellen, die mit Baculovirus
infiziert waren und Wildtyp- oder Mutanten-Cyr61-Protein exprimieren, wurden
auf CL-6B-Heparin-Sepharose-Säulen
geladen. Nach dem Waschen mit 20 Bett-Volumina RIPA-Puffer wurde
gebundenes Protein mit RIPA-Puffer eluiert, der steigende Konzentrationen
Natriumchlorid enthielt. Gleiche Mengen Eluat von jeder Fraktion
wurden auf SDS-PAGE-Gelen analysiert, gefolgt von Western-Blotting
zur Sichtbarmachung von Cyr61-Protein. Als Antikörper wurden polyklonale Kaninchen-Antikörper gegen bakterielles
GST-Cyr61 eingesetzt. Die Cyr61-Polypeptid-H1-Mutante eluierte über einen Bereich von 0,4-0,8 M
NaCl; H2 eluierte über
einen Bereich von 0,4-1,0 (vorwiegend zwischen 0,6-0,8) M NaCl;
DM eluierte während
des Waschens und bis zu 0,25 M NaCl; und Wildtyp-Cyr61 eluierte
bei 0,8-1,0 M NaCl. Diese Elutionsprofile zeigen, dass H1 und H2
etwas verringerte Heparin-Bindungsaffinitäten aufwiesen,
während
DM eine deutlich defiziente Heparinbindung besaß.
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Um
die Aktivitäten
dieser Cyr61-Varianten (d.h. Cyr61-Proteinmutanten) zu untersuchen,
wurden verschiedene Konzentrationen der Varianten separat auf Mikrotiterwells
aufgetragen, und 1064SK-Fibroblasten wurden zugesetzt. Adhäsionstests
wurden durchgeführt,
indem Zellen gegebenenfalls bei Raumtemperatur 30 Minuten lang mit
20 μg/ml
monoklonalem Anti-α6-Antikörper
vorinkubiert wurden, dann auf Wildtyp-Cyr61, eine Cyr61-H1-Mutante,
eine Cyr61-H2-Mutante oder Vitronectin (0,5 μg/ml) plattiert wurden. Die
Ergebnisse (drei Durchgänge)
zeigten, dass sowohl H1 (z.B. 2,5 μg/ml) als auch H2 (z.B. 2,5
mg/ml) in der Lage waren, Fibroblastenadhäsion mit Adhäsions-Isothermen
zu unterstützen,
die mit denen von Wildtyp-Cyr61 vergleichbar waren (z.B. 2 μg/ml), obwohl
die maximale Adhäsion
bei Wildtyp-Protein bei einer niedrigeren Konzentration (1 μg/ml) erreicht
wurde als bei Proteinmutanten (2,5-5,0 μg/ml). Außerdem wurde die Adhäsion an
entweder H1 oder H2 durch Antikörper
gegen die Integrin-Untereinheit α6 blockiert, was zeigt, dass die Zelladhäsion an
den Cyr61-Proteinmutanten auch durch Integrin α6β1 vermittelt
wird. Genauer gesagt hemmte der Antikörper Cyr61-vermittelte Bindung
um 78 %, H1-vermitelte Bindung um 69 % und H2-vermittelte Bindung
um 70 %; Fibroblastenbindung an Vitronectin wurden nur zu 9 % gehemmt.
Somit unterscheiden sich die Integrin-α6β1- Bindungsstellen von
Cyr61 von den Heparin-Bindungsstellen, die in H1 und H2 mutiert
sind. Cyr61-Proteinmutanten, die eine der Heparin-Bindungsstellen
behielten, wiesen ausreichende Rest-Heparinbindungsaktivität auf, um
Fibroblastenadhäsion
zu unterstützen.
Im Gegensatz dazu war DM nicht in der Lage, 1064SK-Fibroblastenadhäsion bei
irgendeiner getesteten Konzentration zu unterstützen, was zeigt, dass die immanente
Heparin-Bindungsaktivität
von Cyr61 wesentlich für
die Vermittlung von Fibroblastenadhäsion ist.
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Versuche,
die auf die Untersuchung der Wirkung der Deletion der carboxyterminalen
Domäne
von Cyr61 auf die Cyr61-vermittelte Adhäsion von 1064SK-Fibroblasten
ausgerichtet sind, führten
zu übereinstimmenden
Ergebnissen, die zeigten, dass die carboxyterminale Domäne, welche
die Heparin-Bindungsstelle enthält,
für Fibroblastenadhäsion an
Cyr61 notwendig ist. Die Experimente wurden gemäß dem oben beschriebenen Protokoll
durchgeführt,
aber das rekombinante Human-cyr61-Konstrukt kodierte für Cyr61-NT, ein Cyr61-Polypeptid
mit den Aminosäuren
1-281 der Seq.-ID Nr. 4 (d.h. ohne die carboxyterminalen Aminosäurereste
282-381 der Seq.-ID Nr. 4). Somit enthält reifes Cyr61-NT die Domänen I, II
und III, was der IGFBP-Homologiedomäne, der von-Willebrand-Faktor-Typ-C-Wiederholungsdomäne bzw.
dderie Thrombospondin-Typ-1-Wiederholungsdomäne entspricht, während die
Heparin-Bindungsdomäne
IV fehlt. Ergebnisse aus diesen Versuchen zeigten, dass Cyr61-NT
Fibroblastenadhäsion
nicht unterstützte,
obwohl dieses Cyr61-Polypeptidfragment
Fibroblasten-Migration unterstützte,
wie oben beschrieben ist (siehe Beispiel 14). Weiters zeigten immunologische
Analysen, dass ein Antikörper
(d.h. GoH3), der das Integrin α6 spezifisch erkannte, Humanfibroblasten-Adhäsion an
Cyr61-Polypeptide blockierte.
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Der
folgende Versuch zeigte, dass die Anforderungen für Cyr61-Heparin-Bindungsstellen anders
sind als für
Cyr61-vermittelte Adhäsion
durch das αvβ3-Integrin.
Gewaschene HUVE-Zellen wurden durch 2,5 mM EDTA abgelöst und in
serumfreiem F-12K-Medium bei 5 × 105 Zellen/ml resuspendiert. Dann wurden die
Zellen bei Raumtemperatur 30 Minuten lang mit 2,5 mM EDTA, 1 mM
RGD-Peptid oder 40 μg/ml
monoklonalem Anti-αvβ3-Antikörper
(LM609) vorinkubiert, anschließend
auf Wildtyp-Cyr61 (5 μg/ml),
doppelmutiertem Cyr61 (DM Cyr61, 10 μg/ml) oder Vitronectin (0,5 μg/ml) ausplattiert.
Immobilisierte Zellen wurden mit Methylenblau gefärbt, und
die Absorptionswerte (A620) wurden aufgezeichnet.
Die relativen Bindungskapazitäten
(die Bindung von Zellen, die keiner Vorinkubationsverbindung ausgesetzt
worden waren, ist als 100 % definiert) sind in Tabelle III zusammengefasst.
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Die
Daten basieren auf drei unabhängigen
Versuchen. Folglich vermittelte eine DM immer noch eine HUVEC-Bindung,
was zeigt, dass das Ausbleiben der Bindung an Fibroblasten bei einer
DM spezifisch für
diesen Zelltyp war.
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Zelladhäsionstests
wurden auch mit Glattmuskelzellen durchgeführt. Rinder-Aortenglattmuskelzellen (BASM-Zellen)
wurden dem oben beschriebenen Zelladhäsionstest unterzogen, um Fibroblasten
zu testen. Die Ergebnisse zeigten, dass Cyr61-Polypeptide eine Adhäsion von BASM-Zellen induzierte.
Heparin, nicht jedoch „RGD"-Peptide (siehe z.B.
Seq.-ID Nr. 31), hemmten Cyr61-induzierte Adhäsion der Glattmuskelzellen. Um
bestimmte Integrin-Rezeptoren zu identifizieren, welche die Cyr61-Induktion
der BASM-Zelladhäsion
vermittelten, wurden Antikörper-Untersuchungen
unter Einsatz von Anti-Integrin-Antikörpern durchgeführt, welche
die spezifischen Integrine erkannten. Der Antikörper GoH3, der das Integrin α6 erkannte,
hob die BASM-Zelladhäsion
vollständig
auf. Dementsprechend hob der Antikörper JB1a, der das Integrin β1 spezifisch erkannte,
Cyr61-induzierte BASM-Zelladhäsion
auf.
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Somit
vermittelt das Integrin α6β1 Cyr61-induzierte Adhäsion von Glattmuskelzellen.
Es ist zu erwarten, dass Cyr61-Polypeptide, welche die Heparin-Bindungsdomäne IV umfassen,
die Adhäsion
beliebiger Säugetier-Glattmuskelzellen
induzieren.
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Dementsprechend
kann ein Verfahren zum Screenen auf einen Modulator von Zelladhäsion folgende Schritte
umfassen: (a) Kontaktieren einer ersten Fibroblastenzelle mit einem
vermutlichen Modulator von Zelladhäsion und einer biologisch wirksamen
Menge eines ECM-Signalmolekül-bezogenen
Biomaterial, das aus der aus einem Cyr61, einem Fisp12, einem CTGF,
einem NOV, einem ELM-1 (WISP-1), einem WISP-3, einem COP-1 (WISP-2)
und Fragmenten, Analoga und Derivaten beliebiger der oben genannten
Mitglieder der CCN-Proteinfamilie bestehenden Gruppe ausgewählt ist;
(b) separates Kontaktieren einer zweiten Fibroblastenzelle mit einer
biologisch wirksamen Menge eines ECM-Signalmolekül-bezogenen Biomaterials, wie
oben beschrieben, wodurch eine Kontrolle bereitgestellt wird; (c)
Messen des aus Schritt (a) und Schritt (b) resultierenden Zelladhäsionswerts;
und (d) Vergleichen der in Schritt (c) erhaltenen Werte der Zelladhäsion, wodurch ein
Modulator von Zelladhäsion
aufgrund seiner Fähigkeit,
den Wert der Zelladhäsion
im Vergleich zu einer Kontrolle aus Schritt (b) zu ändern, identifiziert
wird. Vorzugsweise präsentieren
die Fibroblastenzellen das α6β1-Integrin. Bevorzugt sind auch Fibroblastenzellen,
die ein sulfatiertes Proteoglykan präsentieren, wie z.B. Heparansulfat-Proteoglykan.
Beliebige aus einer Reihe von CCN-Polypeptiden können in den obigen Verfahren
eingesetzt werden, wie z.B. Cyr61 (Maus – Seq.-ID Nr. 2, Mensch – Seq.-ID
Nr. 4, Ratte – Genbank
Zugriffs-Nr. AB015877), Fisp12/CTGF (Maus – Seq.-ID Nr. 6, Mensch Seq.-ID Nr. 8, N. viridescens – Genbank Zugriffs-Nr.
AJ271167, Sus scrofa – Genbank
Zugriffs-Nr. U7006U, X. laevis – Genbank
Zugriffs-Nr. U43524, B. taurus – Genbank – Zugriffs-Nr.
AF000137 und Ratte – Genbank
Zugriffs-Nr. AF120275), NOV (Mensch – Genbank Zugriffs-Nr. NM_002514,
Maus – Genbank
Zugriffs-Nr. Y09257 und G. gallus – Genbank Zugriffs-Nr. X59284),
ELM-1 (Wisp-1; Mensch – Genbank
Zugriffs-Nr. NM_003882, Maus – Genbank
Zugriffs-Nr. AB004873), COP-1 (Wisp-2; Mensch – Genbank Zugriffs-Nr. NM_003881,
Maus – Genbank
Zugriffs-Nr. AF100778) und Wisp-3 (Mensch – Genbank Zugriffs-Nr. NM_003880).
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Weiters
können
Screens auf Modulatoren der Wechselwirkung zwischen ECM-Signalmolekülen, wie z.B.
menschlichen Cyr61-Polypeptiden, und α5β1,
einem spezifischen Integrin-Rezeptor, durchgeführt werden, dessen Aktivitäten die
Vermittlung der Adhäsion
von Fibroblasten, Glattmuskelzellen und Endothelzellen umfassen,
nicht jedoch auf diese einschränkt
sind. Die Screening-Verfahren umfassen das Kontaktieren eines Cyr61-Polypeptids
mit α6β1, das vorzugsweise in einer Zusammensetzung
vorhanden ist, die eine Säugetier-Zellmembran,
wie z.B. eine Endothel-, Fibroblasten- oder Glattmuskel-Zellmembran,
umfasst, und zwar in Gegenwart und Abwesenheit eines vermeintlichen
oder vermutlichen Modulators der Cyr61-Integrin-Wechselwirkung. Der Nachweis von relativen
Wechselwirkungsgraden, vorzugsweise in Form des Nachweises von relativen
Graden von Zellmembran- (oder Ganzzellen-) Adhäsion, führt zur Identifikation von
Modulatoren. Die Erfindung umfasst weiters die Verwendung einer
Zusammensetzung, die ein Cyr61-Fragment oder einen Antikörper der
Erfindung umfasst, zur Herstellung eines Medikaments zur Behandlung
von Zuständen
oder Leiden, wie z.B. Erkrankungen, im Zusammenhang mit defekter
Angiogenese, Tumorwachstum und Tumormetastasen. Die Behandlung kann
die Zufuhr einer therapeutisch wirksamen Menge eins Cyr61-Polypeptids
oder eines Modulators der Cyr61-α6β1-Integrinrezeptor-Wechselwirkung an ein
Säugetier,
wie z.B. einen Menschen, mithilfe eines beliebigen auf dem Gebiet
der Erfindung bekannten Mittels umfassen.
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Analoge
Verfahren zum Screenen auf Modulatoren von Fibroblasten-Zellmigration
oder -proliferation können
ebenfalls durchgeführt
werden. Das nachstehend beschriebene Verfahren dient zur Identifikation
von Modulatoren von Zellmigration; das beschriebene Verfahren trifft
auf Verfahren zum Screenen von Modulatoren von Zellproliferation
durch Substitution der eingeklammerten Elemente zu. Ein Verfahren
zum Screenen auf Modulatoren von Fibroblasten-Zellmigration umfasst
folgende Schritte: (a) Kontaktieren einer ersten Fibroblastenzelle
mit einem vermutlichen Modulator von Zellmigration (-proliferation)
und einer biologisch wirksamen Menge eines ECM-Signalmolekül-bezogenen
Biomaterials, das aus der aus einem Cyr61, einem Fisp12, einem CTGF,
einem NOV, einem ELM-1 (WISP-1), einem WISP-3, einem COP-1 (WISP-2)
und Fragmenten, Analoga und Derivaten beliebiger der oben genannten
Mitglieder der CCN-Proteinfamilie bestehenden Gruppe ausgewählt ist;
(b) separates Kontaktieren einer zweiten Fibroblastenzelle mit einer
biologisch wirksamen Menge eines ECM-Signalmolekül-bezogenen Biomaterials, wie
oben beschrieben, wodurch eine Kontrolle bereitgestellt wird; (c)
Messen des aus Schritt (a) und Schritt (b) resultierenden Zellmigrations-
(-proliferations-) Werts; und (d) Vergleichen der in Schritt (c)
erhaltenen Werte der Zellmigration (-proliferation), wodurch ein Modulator
von Zellmigration (-proliferation) aufgrund seiner Fähigkeit,
den Wert der Zellmigration- (-proliferation) im Vergleich zu einer
Kontrolle aus Schritt (b) zu ändern,
identifiziert wird. Bevorzugte Ausführungsformen der Verfahren
zum Screenen auf Modulatoren von entweder Zellmigration oder Zellproliferation
umfassen die Verwendung von Fibroblasten, die ein α6β1-Integrin
und/oder ein sulfatiertes Proteoglykan präsentieren.
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Beispiel 30
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Cyr61-vermittelte Regulation von Genexpression
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Ein
lösliches
Cyr61-Protein, das zu primären
menschlichen Vorhaut-Fibroblasten in einer Kultur zugesetzt wird,
führt zu
signifikanten Veränderungen
in der Genexpression innerhalb von 24 Stunden. Im Gegensatz dazu
ist immobilisiertes Cyr61 deutlich weniger wirksam bei der Induktion
solcher Expressionsänderungen.
Die Veränderungen,
die stattfinden, umfassen: (1) Hochregulierung von Matrixabbauenzymen,
einschließlich
MMP1, MMP3 und uPA; und (2) Herabregulierung von Matrixproteingenen,
wie z.B. Typ-1-Collagenkettengen. Cyr61 induziert auch die Expression
der entzündungsbezogenen
Proteine IL-1 und IL-6. Außerdem
induziert Cyr61 eine wesentliche Hochregulierung von VEGF1 (Gefäßendothelwachstumsfaktor
1 oder VEGF-A), einem starken angiogenen Faktor, und VEGF3 (VEGF-C),
einem wichtigen angiogenen Faktor für das lymphatische System.
Diese Genexpressionsänderungen
zeigen, dass Cyr61 in Screening-Tests nützlich ist, die auf die Identifikation
von Modulatoren von Angiogenese durch den Nachweis einer Wirkung
auf die Cyr61-Aktivität
ausgerichtet sind.
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Ein
gereinigtes, lösliches
rekombinantes Cyr61-Protein wurde 24 Stunden lang zu Kulturen von
primären
menschlichen Vorhaut-Fibroblasten zugesetzt. Aus diesen Zellen wurde
mRNA isoliert, um Sonden für
die Hybridisierung eines Multi-Gen-Blots (Clontech Atlas Human Array
1.2 Kat.-Nr. 7850-1) mit etwa 650 Genen herzustellen. Die Expressionswerte
dieser Gene in Cyr61-behandelten Zellen wurden mit jenen von Kontrollzellen
verglichen. Dieser Vergleich ergab, dass die Expression verschiedener
Gruppen von Genen verändert wurde:
Hochregulierung von Matrixabbauenzymen, einschließlich MMP1,
MMP3 und uPA; Herabregulierung von Matrixproteingenen, wie z.B.
dem Typ-1-Collagenkettengen; Induktion der entzündungsbezogenen Zytokine IL-1
und IL-6; und Induktion der agiogenen Moleküle VEGF1 und VEGF3. Diese Ergebnisse
wurden durch Northern-Blot-Analysen bestätigt, welche Steigerungen oder
Abnahmen der betreffenden mRNAs in Cyr61-behandelten Zellen aufzeigten.
Ein zeitlicher Verlauf von Expressionsänderungen wurde bestimmt. D.h.
6 Stunden nach seinem Zusatz hatte Cyr61 die Expression von VEGF-A-mRNA
induziert, und diese Induktion ist 12 und 24 Stunden nach dem Zusatz
immer noch vorhanden. 12 und 24 Stunden nach dem Zusatz hatte Cyr61 außerdem die
Expression eines VEGF-A-Polypeptids induziert. Bezüglich VEGF-C
ist die Induktion von mRNA 12 Stunden nach dem Zusatz von Cyr61
immer noch klar erkennbar, und die Induktion bleibt nach dem Zusatz zumindest
24 Stunden lang bestehen. Es ist zu erwarten, dass Cyr61 die Expression
eines VEGF-C-Polypeptids mit ähnlicher
Kinetik induziert.
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Cyr61
scheint der Schlüsselvermittler
für die
Wirkung von TGF-β zu
sein, der Cyr61 stark induziert und bekannterweise Matrixproteinsynthese
reguliert. Unter Verwendung von Mausembryo-Fibroblasten, die von Cyr61-Knockout-Mäusen stammen
(siehe Beispiel 31), wurde gezeigt, dass Cyr61 TGF-β-Funktion
vermittelte. Während
TGF-β die
Expression von Collagen in Embryo-Fibroblasten von einer cyr61+/–-Maus
(Wurfgeschwister einer cyr61–/–-Maus) induzieren kann,
ist das in Zellen mit einer Inaktivierung von cyr61 durch Insertion
(d.h. cyr61-Knockout-Zellen) nicht möglich. Außerdem kann TGF-β BEFG-Expression
in cyr61+/–-Fibroblasten
induzieren, nicht aber in cyr61–/–-Fibroblasten.
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Die
Stimulation von Fibroblasten durch Serum induziert bekannterweise
die Expression zahlreicher Gene. Während cyr61+/–-Zellen
auf Serumstimulation mit der Induktion von VEGF reagieren, weisen cyr61–/–-Zellen
keine Seruminduktion von VEGF auf (obwohl der Hintergrund-Expressionsgrad
derselbe ist). Dieses Ergebnis zeigt, dass Cyr61 der Vermittler
von VEGF-Induktion unter Stimulation durch Serumwachstumsfaktoren
ist und bestätigt
die Fähigkeit
von Cyr61, VEGF-Expression zu regulieren.
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Um
zu beweisen, dass Cyr61-vermittelte Seruminduktion von VEGF auf
Transkriptionsebene stattfindet, wurden Collagen-I- und Collagen-II-Promotoren,
die an Reporter-Gene gebunden waren, in Cyr61-Knockout-Zellen und
Kontrollzellen transfiziert. In Übereinstimmung
mit den obigen Ergebnissen wurde in Kontrollzellen, nicht aber in
Knockout-Zellen, eine Transkription aus den transfizierten Genkonstrukten
durch TGF-β induziert.
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Wenn
also Fibroblasten stimuliert werden, kann eine Cyr61-Expression
zu Genexpressionsänderungen
führen,
die Proteine für
Matrixabbau und -umbau, Zytokine, die chemotaktisch für Makrophagen
und Lymphozyten sind, und Wachstumsfaktoren für Angiogenese produzieren.
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Wie
oben erwähnt
interagieren Cyr61-Polypeptide mit dem α6β1-Integrin-Rezeptor
von Fibroblasten. Weitere Genexpressionsuntersuchungen haben gezeigt,
dass weder Cyr61-NT (ohne Heparan-Bindungsdomäne IV) noch dmCyr61 (mit Substitutionen
in den beiden Consensus-XBBXB-Heparan-Bindungsmotiven bei den Aminosäuren 280-290
(H1) und 305-310 (H2) von Seq.-ID Nr. 4) die Expression der oben
genannten Gene (z.B. VEGF, MMP1 und MMP3) induzieren, im Gegensatz
zu den Wirkungen von Wildtyp-Cyr61. Diese Ergebnisse zeigen, dass
die Heparan-Bindungsdomäne von Cyr61
anscheinend für
die Induktion von Genexpression in Fibroblasten erforderlich ist.
Es ist zu erwarten, dass Cyr61-Peptide, wie z.B. TSP1, Genexpression
hemmen, die aus durch den α6β1-Integrin-Rezeptor vermittelter Cyr61-Induktion
resultiert. Außerdem
ist zu erwarten, dass Cyr61 die Expression dieser Gene wie auch
verwandter Gene in anderen Säugetier-Zelltypen
induziert und dass die Heparan-Bindungsdomäne für solch eine Induktion erforderlich
ist, egal um welchen Zelltyp es sich handelt.
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Die
Identifikation von Target-Zellen, die durch Cyr61 reguliert werden,
einschließlich
Genen, die an Matrixumbau (Wundenheilung, Metastasen etc.), Entzündungen
und Angiogenese beteiligt sind, liefert Hinweise auf geeignete Targets
einer Therapie unter Einsatz von Cyr61.
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Somit
kann ein Verfahren zum Screenen auf einen Modulator von Angiogenese
gemäß diesen
Ergebnissen folgende Schritte umfassen: (a) Kontaktieren einer ersten
Endothelzelle, die ein cyr61-Allel umfasst, mit einem vermutlichen
Modulator von Angiogenese; (b) Messen der Cyr61-Aktivität der ersten
Endothelzelle; (c) Messen der Cyr61-Aktivität einer zweiten Endothelzelle,
die ein cyr61-Allel umfasst; und (d) Vergleichen der in Schritt
(b) und (c) gemessenen Cyr61-Aktivitätswerte, wodurch ein Modulator
von Angiogenese identifiziert wird.
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Ein
verwandtes Verfahren ist ein Verfahren zum Screenen auf einen Modulator
von Angiogenese, das folgende Schritte umfasst: (a) Kontaktieren
einer ersten Endothelzelle mit einem Polypeptid, das aus der aus einem
Cyr61, einem Fisp12, einem CTGF, einem NOV, einem ELM-1 (WISP-1),
einem WISP-3, einem COP-1 (WISP-2) und Fragmenten, Analoga und Derivaten
beliebiger der oben genannten Mitglieder der CCN-Proteinfamilie
bestehenden Gruppe ausgewählt
ist; (b) Kontaktieren der ersten Endothelzelle mit einem vermutlichen
Modulator von Angiogenese; (c) Kontaktieren einer zweiten Endothelzelle
mit dem Polypeptid aus Schritt (a); (d) Messen der Angiogenese der
ersten Endothelzelle; (e) Messen der Angiogenese der zweiten Endothelzelle;
und (f) Vergleichen der in Schritt (d) und (e) gemessenen Angiogenesewerte,
wodurch ein Modulator von Angiogenese identifiziert wird.
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Ein
weiterer Aspekt der Erfindung betrifft die Verwendung einer Zusammensetzung,
die ein Cyr61-Fragment oder einen Antikörper der Erfindung umfasst,
zur Herstellung eines Medikaments zur Behandlung von Erkrankungen
oder Leiden, wie z.B. defekter Angiogenese, Tumorwachstum, Tumormetastasen. Gene,
deren Expression durch ein ECM-Signalmolekül beeinflusst werden kann,
umfassen, sind jedoch nicht eingeschränkt auf: MMP1, MMP3, uPA, das
Typ-I-Kollagenkettengen, die entzündungsbezogenen Zytokine IL-1
und IL-6 und die Gene, die für
die angiogenen Moleküle
VEGF1 und VEGF3 kodieren.
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Die
Verfahren zur Identifikation von Modulatoren von Angiogenese nutzen
das Potenzial von Modulatoren, Angiogenese durch Einwirkung auf
die Aktivitätswerte
eines CCN-Proteins, wie z.B. Cyr61, zu beeinflussen, indem sie entweder
den Expressionsgrad des Proteins beeinflussen oder die spezifische
Aktivität
des exprimierten Proteins beeinflussen.
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Beispiel 31
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Cyr61-Knockout-Mäuse
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Das
Maus-cyr61-Gen wurde in vivo durch gerichtete Genunterbrechung insertionsinaktiviert
(d.h. durch Knockout), und die Phänotypen von heterozygoten und
homozygoten Knockout-Mäuse
wurden untersucht. Heterozygote Mäuse (cyr61+/–)
schienen normal zu sein, da diese Mäuse keine erkennbaren Phänotyp aufwiesen.
Die homozygoten cyr61–/–-Mäuse wiesen jedoch schwere Gefäßdefekte
und auch erkennbare neuronale Defekte auf. Die meisten cyr61–/–-Mäuse starben
noch in der Gebärmutter,
beginnend bei E10.5 während
der Geburt, wobei die meisten Embryos um E13.5 starben. Zum Zeitpunkt
des Todes der Embryos gibt es ein Spektrum von Entwicklungsdefekten
und Phänotypen.
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Der
erste Schritt bei der Herstellung von Knockout-Mäusen bestand in der Konstruk-
tion eines Targeting-Vektors, der das Maus-cyr61-Gen durch Einführung des
bakteriellen lacZ-Gens, das für β-Galactosidase kodiert,
insertionsinaktiviert aufwies, wodurch das Screenen auf Knockout-Mäuse vereinfacht
wurde. Eine im Handel erhältliche
genomische 129-SvJ-Maus-DNA-Bibliothek (Stratagene) wurde mit einer
cyr61-Sonde gescreent,
und Klon 61-9 wurde identifiziert. Klon-61-9-Phagen-DNA wurde dann
hergestellt und mit StuI und BamHI unter Einsatz von Standardverfahren
ver daut. Das 6-kb-Fragment mit dem cyr61-Promotor und der kodierenden
Region wurde an KpnI-Linker mit einem glatten Ende ligiert, wodurch
der Linker an die StuI-Stelle gebunden
wurde. Das Fragment wurde dann mit BamHI und KpnI verdaut und in
BamHI-, KpnI-verdautes pBluescript KS+ insertiert. Das rekombinante
pBluescript KS+ wurde mit SmaI geschnitten und dann an einen XhoI-Linker
ligiert. Nach der Linker-Ligation wurde das rekombinante Plasmid
mit XhoI geschnitten, und das XhoI-Fragment, das die für lacZ kodierende
Region von pSAβgal
trug, wurde insertiert (Friedrich et al., Genes Dev. 5, 1513-1532
(1991)). Das PGK-TK-blue-Plasmid mit einem Thymidinkinase-Gen, das
durch den PGK-Promotor getrieben war (Mansour et al., Nature 336,
348-352 (1988)), wurde mit EcoRI geschnitten, und die Enden wurden
mit Klenow glatt gemacht. Das Fragment mit dem glatten Ende wurde
dann an KpnI-Linker ligiert. Schließlich wurden die cyr61-βgal-neo-DNA
und die modifizierte PGK-TK-DNA jeweils mit KpnI geschnitten und
ligiert, um p61geo, das letztendliche Targeting-Konstrukt, zu bilden.
Somit enthielt p61geo für funktionelles βgal und für neo kodierende
Regionen, die auf der 5'-Seite
von einem 1,7-kb-Fragment
mit einem intakten cyr61-Promtor flankiert waren und auf der 3'-Seite von einem
3,7-kb-Fragment mit dem 3'-Ende
der für
cyr61 kodierenden Region flankiert waren (Exons 2-5 und 3'-flankierende Sequenz).
Eine homologe Rekombination dieses Inserts in das Maus-Chromosom
würde die
für cyr61
kodierende Region unterbrechen und die für gal und neo kodierenden Regionen
im Genom platzieren.
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Die
Zellen wurden gemäß den Anleitungen
von Genome Systems für
Mausembryo-Fibroblasten (MEFs)
oder wie von Li et al., Cell 69, 915-926 (1992), mit Modifikationen
für J1-ES-Zellen
kultiviert. Kurz gesagt wurden MEFs in 7, 5 % CO2 in
einem Inkubator bei 37°C
mit DMEM-Medium (hoher Glucosegehalt) (Gibco/BRL Nr. 11965-084) und 10 % hitzeinaktiviertem
fötalem
Kälberserum
(HyClone), 2 mM Glutamin, 0,1 mM nichtessentiellen Aminosäuren und
gegebenenfalls 100 U Penicillin/Streptomycin kultiviert. MEFS wurden
bei E14.5 aus Mausembryos isoliert und bei Passage 2 bereitgestellt.
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Für Feeder-Zellen
wurden MEFs mitotisch inaktiviert, indem sie bei 37°C (7,5 %
CO2) 2-5 Stunden lang 10 μg/ml Mytomycin
C (Sigma) in einem Kulturmedium ausgesetzt wurden. Dann wurden die
Zellen 3-mal mit PBS gewaschen. Mitotisch inaktivierte MEFs wurden
mit Trypsin-EDTA (Gibco/BRL) geerntet und bei etwa 1 × 105/cm2 mit einem MEF-Medium
ausplattiert.
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Embryonale
J1-Stammzellen (ES-Zellen) wurden in DMEM (kein Pyruvat, glucosereiche
Formulierung; Gibco/BRL Nr. 11965-084), ergänzt mit 15 % hitzeinaktiviertem
FCS (Hyclone), 2 mM Glutamin (Gibco/BRL), 0,1 mM nichtessenziellen
Aminosäuren
(Gibco/BRL), 10 mM HEPES-Puffer (Gibco/BRL), 55 μM β-Mercaptoethanol (Gibco/BRL)
und 1.000 U/ml ESGRO (Leukämie
inhibierender Faktor, LIF) (Gibco/BRL), kultiviert. J1-Zellen wurden
routinemäßig in einem
ES-Medium auf einer Feeder-Schicht
aus mitotisch inaktivierten MEFs in einem feuchtigkeitsgesättigten
Inkubator bei 37°C
in 7,5 % CO2 kultiviert. Normalerweise wurden
1,5 × 106 J1-Zellen in einem 25-cm2-Gewebekulturkolben
ausgesät,
und das Medium wurde jeden Tag gewechselt. Die Zellkulturen wurden
2 Tage nach dem Aussäen
geteilt, üblicherweise
wenn der Kolben etwa 80 % Konfluenz aufwies. Um ES-Zellen zu dissoziieren,
wurden Zellen zweimal mit PBS (Ca- und Mg-frei) gewaschen und bei
37°C 4 Minuten
lang mit Trypsin/EDTA trypsiniert. Dann wurden die Zellen abgelöst, gründlich mit
Trypsin/EDTA vermischt und weitere 4 Minuten lang inkubiert. Die
Zellsuspension wurde dann mehrere Male (20- bis 30-mal) pipettiert,
um die Zellklumpen aufzubrechen. Die vollständige Dissoziation der Zellen wurde
mithilfe eines Mikroskops überprüft. ES-Zellen
wurden mit einem ES-Medium mit 10 % FCS und 10 % DMSO (Sigma) bei
etwa 4-5 ×106 Zellen/ml bei 0,5 ml/Röhrchen eingefroren. Die gefrorenen
Zellen wurden über
Nacht bei –70°C gelagert
und am nächsten
Tag in flüssigen
Stickstoff übertragen.
Dann wurden die gefrorenen Zellen rasch in einem Wasserbad mit 37°C aufgetaut,
in 5 ml ES-Medium pelletiert, um DMSO zu entfernen, und mit frischen
MEF-Feeder-Zellen in 25-cm2-Kolben gegeben.
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Um
Mauszellen mit einem Transgen zu transfizieren, wurden die p61-geo-Tärgeting-Konstrukte durch NotI-Verdau
linearisiert, mit 1 μg/ml
in PBS suspendiert und durch Elektroporation in J1-ES-Zellen eingeführt. Rasch
wachsende (subkonfluent, frisch ersetztes Medium) J1-ES-Zellen wurden
trypsiniert, gezählt,
gewaschen und im Elektroporationspuffer, der 20 mM HEPES, pH 7,0,
137 mM NaCl, 5 mM KCl, 6 mM D-Glucose und 0,7 mM Na2HPO4 enthielt, bei 1 × 107 Zellen/ml
resuspendiert. Linearisierte DNA wurde in einer Menge von 45 μg/ml zur
Zellsuspension zugesetzt, das Ganze wurde durchmischt und dann 5
Minuten lang bei Raumtemperatur inkubiert. Eine 0,8-ml-Aliquote
von Zell-DNA-Gemisch wurde dann in eine Küvette übertragen und einer Elektroporation
mit einem BioRad-Gene-Pulser unter Einsatz eines einzelnen Impulses
bei 800 V, 3 μF, unterzogen.
Die Zellen wurden 10 Minuten lang bei Raumtemperatur im Puffer belassen
und dann bei 4 × 106 Zellen/100 mm Platte mit Neomycin-resistenten
MEF-Feeder-Zellen ausplattiert. Die Zellen wurden anschließend unter
Standardbedingungen ohne Arzneimittel-Selektion kultiviert. Nach
24 Stunden wurde das Selektionsmedium, das ES-Medium, ergänzt mit
400 μg/ml
(Gesamt-) G418 (Gibco/BRL) und 2 μM
Ganciclovir (Roche), enthielt, substituiert. Das Selektionsmedium
wurde täglich
ausgetauscht. Einzelne Kolonien wurden in Mikrotiter-Wells gegeben,
und die Zellen wurden mit 25 μl
0,25 % Trypsin-EDTA/Well auf Eis dissoziiert und dann in einem befeuchteten
Inkubator bei 37°C
mit 7,5 CO2 10 Minuten lang inkubiert. Danach
wurden die Zellsuspensionen mit 25 μl ES-Medium vermischt und 10-mal
mit einer Pipette aufgezogen, um Zellklumpen aufzubrechen. Der gesamte
Inhalt der einzelnen Wells wurde dann mit 150 μl ES-Medium pro Well auf Wells
einer 96-Well-Flachbodenschale übertragen
und mithilfe herkömmlicher
Kultivierungsverfahren 2 Tage lang gezüchtet.
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Konfluente
ES-Zellklone wurden gewaschen und mit einem Lysepuffer (10 mM Tris
(pH 7,7), 10 mM NaCl, 0,5 % (Gew./Vol.) Sarcosyl und 1 mg/ml Proteinase
K) in einer feuchten Atmosphäre über Nacht
bei 60°C behandelt.
Nach der Lyse wurde ein Gemisch aus NaCl und Ethanol (150 μl 5 M NaCl
in 10 ml kaltem absolutem Ethanol) zugesetzt (100 μl/Well),
und genomische DNA wurde isoliert. Die genomische DNA der einzelnen ES-Zellklone
wurde mit EcoRI (30 μl/Well)
verdaut und einem Southern-Blot-Assay unterzogen.
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Das
Southern-Blotting wurde wie in „Current Protocols in Molecular
Biology" (Ausubel
et al. (1991)) beschrieben durchgeführt. Kurz gesagt wurden EcoRI-Fragmente
von genomischer DNA durch Elektrophorese durch 0,8 % Agarose-Gele
fraktioniert und durch Abwärts-Kapillartransfer
mit einem alkalischen Puffer (0,4 M NaOH) auf Nylon-Membranen (Bio-Rad)
transferiert. Die Sonden, ein BamHI-EcoRI-Fragment 3' vom langen Arm des
Targeting-Konstrukts (p61 geo) oder den Sequenzen der für neo kodierenden
Region, wurden durch zufällige
Primermarkierung hergestellt (Primit II, Stratagene), wobei [α-32P]-dCTP (NEN) eingesetzt wurde. Membranen
wurden in einem Hybridisierungspuffer (7 % SDS, 0,5 M NaHPO4 (pH 7,0) und 1 mM EDTA) 15 Minuten lang
bei 65°C
in einer Rollerflasche vorhybridisiert. Mit der Sonde wurde frischer
Hybridisierungspuffer zugesetzt, und die Membranen wurden 18 Stunden
lang hybridisiert. Hybridisierte Membranen wurden kurz in 5 % SDS,
40 mM NaHPO4 (pH 7,0), 1 mM EDTA gespült und dann
45 Minuten lang bei 65°C
mit einer frischen Waschlösung
gewaschen. Diese Waschlösung
wurde mit 1 % SDS, 40 mM NaHPO4 (pH 7,0),
1 mM EDTA ersetzt und zweimal 45 Minuten lang bei 65°C mit einer
frischen Lösung
gewaschen. Nach dem Waschen wurden die Membranen gescreent, wonach
der Screen mithilfe eines Phosphorlmagers (Molecular Dynamics) gescannt
wurde. Die Blots wurden routinemäßig gestrippt
und mit der neo-Kontrollsonde erneut sondiert, um sicherzustellen,
dass keine zufällige
Integration stattgefunden hatte, wobei herkömmliche Verfahren eingesetzt
wurden.
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Die
Ergebnisse der Southern-Analyse zeigten, dass die genomische DNA
von 14 Kolonien (231 Kolonien wurden untersucht) eine cyr61-Allelmutante
an einer Stelle enthielt, die mit einer Integration durch homologe
Rekombination übereinstimmt.
Die Größe der nachgewiesenen
Fragmente betrug 6,4 kb beim Wildtyp-cyr61-Allel und 7,4 kb bei
der Allelmutante mit der cyr61-Sonde; keine Bande beim Wildtyp-cyr61-Allel und eine 7,4-kb-Bande
bei der Allelmutante mit der neo-Sonde.
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Auch
eine Genotypisierung wurde durchgeführt, und zwar durch PCR unter
Verwendung eines RoboCycler (Stratagene). Primer wurden entworfen,
um ein 2,1-kb-DNA-Fragment
aus Allelmutanten zu amplifizieren. Das PCR-Produkt deckt die 5'-Flanke des kurzen
Arms des Targeting-Konstrukts bis zur Sequenz von lacZ (β-gal) innerhalb
des Target-Konstrukts ab. Die obere PCR-Primersequenz war 5'-CACAACAGAAGCCAGGAACC-3' (Seq.-ID Nr. 24),
und die untere PCR-Primersequenz
war 5'-GAGGGGACGACGACAGTATC-3' (Seq.-ID Nr. 25).
PCR-Reaktionsbedingungen
waren 95°C
40 Sekunden lang, 63°C
40 Sekunden lang und 68°C
eine Minute lang, 35 Durchgänge.
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Zur
Genotypisierung von Mausschwänzen
oder Embryogeweben wurden zwei Primergruppen in die gleiche PCR-Reaktion
aufgenommen, um sowohl Wildtyp- als auch mutierte Allele zu amplifizieren.
Ein einzelner oberer PCR-Primer (b) wurde verwendet, welche die
Sequenz 5'-CAACGGAGCCAGGGGAGGTG-3' (Seq.-ID Nr. 26)
aufwies. Der untere PCR-Primer zur Amplifikation der Wildtyp-Allele,
also der leichtere Primer, wies die Sequenz 5'-CGGCGACACAGAACCAACAA-3' (Seq.-ID Nr. 27)
auf und würde
ein Fragment von 388 bp amplifizieren. Der untere PCR-Primer zur
Amplifikation der Allelmutante war der untere mutierte Primer und wies
die Sequenz 5'-GAGGGGACGACGACAGTATC-3' (Seq.-ID Nr. 28)
auf; ein 600-bp-Fragment
wurde aus Allelmutanten amplifiziert. Die Reaktionsbedingungen waren:
95°C eine
Minute lang, 63°C
eine Minute lang und 72°C
eine Minute lang, 30 Durchgänge.
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Die
PCR-Amplifikation von Allelmutanten von cyr61 unter Verwendung der
mutantenspezifischen Primer ergab ein Fragment von 2,1 kb, und Versuche,
das Wildtyp-Allel
mit diesen Primern zu amplifizieren, ergaben kein nachweisbar amplifiziertes
Fragment, wie erwartet worden war. Southern-Analysen identifizierten eine
7,4-kb-Bande (Allelmutante)
und eine 6,4-kb-Bande (Wildtyp) in heterozygoten Mutanten; nur die 6,4-kb-Bande
wurde detektiert, wenn Wildtyp-DNAs sondiert wurden. Sowohl die
PCR-Daten als auch die Southern-Daten zeigen, dass cyr61-Allelmutanten
in das Maus-Genom eingeführt
worden waren, und zwar durch homologe Rekombination.
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Die
selektierten ES-Zellklone wurden dann für eine Mikroinjektion in E3.5-Blastozysten aus C57BL/6J-Mäusen expandiert.
Embryomanipulationen wurden wie von Koblizek et al., Curr. Biol.
8, 529-532 (1998), und Suri et al., Science 282, 468-471 (1998), beschrieben
mit Modifikationen durchgeführt.
Kurz gesagt wurden die J1-ES-Zellklone geerntet und mit Trypsin-EDTA
dissoziiert. Die Zellen wurden in einem CO2-unabhängigen Medium
(Gibco-BRL) mit 10 % FBS resuspendiert und auf Eis gehalten. Etwa
15-20 ES-Zellen wurden in jede Blastozyste aus C57BL/6J (Jackson
Labs) injiziert. Injizierte Blastozysten wurden 1-2 Stunden lang
kultiviert, bevor sie in die Uterushörner von scheinträchtigen
Ziehmüttern
(CD-1, Harlan) transferiert wurden. Chimären wurden durch die Fellfarbe
identifiziert. Männliche
Chimären
mit einem hohen Prozentanteil von Agouti-Fellfarbe wurden mit C57BL/6J-Weibchen
zusammengesperrt, um die Keimbahntransmission des ES-Zell-Genotyps
zu testen. F1-Nachkommen mit dem Target-
(d.h. mutierten) Allel wurden dann einige Male mit C57BL/6J-Weibchen
rückgekreuzt,
um einen genetischen C57BL-Inzuchthintergrund zu erhalten. Außerdem wurde
eine mutierte Mauslinie mit dem genetischen 129SvJ-Inzuchthintergrund
erhalten, indem Keimbahnchimären-Männchen mit
129SvJ-Weibchen
gekreuzt wurden.
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Fünf ES-Zellklone
wurden injiziert und ergaben chimäre Nachkommen mit ES-Zell-Anteilen von 30 % – 100 %,
wie durch den Anteil an Agouti-Fellfarbe beurteilt wurde. Vier und
zwei chimäre
Männchen,
die von den ES-Zellklonen 4B7 bzw. 2A11 abstammten, gaben das Target-Allel
erfolgreich über
die Keimbahn weiter. Die heterozygote mutierte cyr61-Maus sah gesund
und fruchtbar aus. Die 4B7-Chimärenlinie
wurde entweder durch Zucht auf 129SvJ-Mäuse übertragen, um das Target-Allel
in einem genetischen SvJ129-Hintergrund zu erhalten, oder mit C57BL/6J-Mäusen rückgekreuzt,
um die Mutation in den C57BL/6J-Hintergrund zu übertragen. Die 2A11-Target-Linie
wurde im genetischen 129SvJ-Hintergrund erhalten. Ähnliche
Phänotypen
wiesen die 4B7129-, 4B7c57BL-
und 2A11-Mauslinien auf.
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Von
den Nachkommen von Zwischenkreuzungen von cyr61+/–-Mäusen, die
untersucht wurden, waren 141 in diesem Alter cyr61+/+-,
225 cyr61+/– und
keine homozygoten cyr61–/–-Mäuse, mit der Ausnahme, dass
10 cyr61–/–-Jungen
lebend geboren wurden und innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt
starben. Ausgehend vom Aufspaltungsverhältnis nach Mendel hätte die
Mehrheit (> 90 %)
der cyr61–/–-Tiere
vor der Geburt sterben müssen.
Deshalb wurden unterschiedliche Stadien pränataler Föten durch PCR untersucht, wie
oben beschrieben ist. Beginnend mit E10.5 war die Anzahl an homozygoten
mutierten Embryos geringer als aufgrund des Aufspaltungsverhältnisses
erwartet, was eventuell auf die Resorption von homozygoten mutierten
Embryos zurückzuführen sein
könnte.
Die meisten (80 %) der E10.5-cyr61–/–-Embryos schienen
normal im Vergleich zu Wurfgeschwistern. In diesem Stadium (E10.5)
wurde in manchen Embryos mangelhafte Verschmelzung von Chorion und
Allantois gefunden, und dieser Phänotyp resultierte in früher Embryonenletalität. Die Allantois dieses
Embryotyps sah ballförmig
aus und war oft mit Blut gefüllt.
Obwohl keine anderen Defekte spezifisch identifiziert wurden, kam
es in einigen wenigen der cyr61-Null-Embryos zu Blutungen.
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Bei
E11.5 waren etwa 50 % der cyr61–/–-Embryos
vom Aussehen her nicht von Wildtyp- oder heterozygoten mutierten
Wurfgeschwistern zu unterscheiden. Bis E11.5 hatte sich der Zustand
von Embryos mit fehlender Verschmelzung von Chorion und Allantois
zusehends verschlechtert. Immer mehr und schwerere Blutungen waren
auch in cyr61-Null-Embryos zu beobachten. Die Blutungen traten in
unterschiedlichen Bereichen auf, einschließlich der Plazenta, innerhalb
der Gebärmutter,
innerhalb des Amnions, im embryonalen Rumpf, auf der Seite des Körpers und
am Kopf. In diesem Stadium traten auch bei manchen Null-Mutationsembryos Defekte
in der Plazenta auf. Die Plazenta in Verbindung mit diesen Embryos
wies ein Gefäßsystem
auf, das unter der Norm lag. Anders als die frühe Letalität im Zusammenhang mit der mangelhaften
Verschmelzung von Chorion und Allantois lebten und entwickelten
sich Embryos mit Plazenta-Defekten typischerweise normal.
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Bei
E12.5 wiesen cyr61–/–-Embryos immer noch
drei Phänotypen
auf: 1) nicht beeinträchtigt,
2) am Leben mit Blutungen und/oder Plazenta-Defekten und 3) beeinträchtigt,
obwohl sich das Verhältnis
zwischen den einzelnen Kategorien im Vergleich zu früheren Stadien
verändert
hatte. Etwa 30 % der cyr61-Null-Embryos waren in diesem Stadium
nicht beeinträchtigt.
Bei etwa 50 % der Nullmutationsembryos waren Anzeichen von Blutungen
und/oder Plazenta-Defekten zu erkennen, und 20 % dieses Embryotyps überleben
die Gefäß- oder Plazenta-Defekte
nicht. Etwa 20 % der cyr61–/–-Embryos wies keine
Verschmelzung von Chorion und Allantois auf und war schon in einem
viel früheren
Stadium gestorben, wie an der Unterentwicklung von defekten Embryos
erkennbar war.
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Bei
E13.5 war keiner der cyr61–/–-Embryos, die Blutungen,
Plazenta-Defekte oder mangelhafte Verschmelzung von Chorion und
Allantois aufgewiesen hatten, mehr am Leben, obwohl etwa 30 % aller
Cyr61-defizienten Embryos keinen offensichtlichen Phänotyp aufwies.
Embryos, die in späteren
Stadien (> E14.5)
untersucht worden waren, wiesen das gleiche phänotypische Muster und den gleichen
Anteil in Bezug auf die einzelnen Arten von Defekten, aber mit steigender
Schwere, auf.
-
Weitere
Untersuchungen auf zellulärer
und subzellulärer
Ebene wurden mithilfe der folgenden Verfahren durchgeführt. MEF-Zellen
wurden wie von Hogan et al., Manipulating the Mouse Embryo – A Laboratory Manual
(1994), beschrieben geerntet. Kurz gesagt wurden E11.5-Embryos aus
Kreuzungen von zwei heterozygoten cyr61-Ziel-Eltern in DMEM ohne Serum seziert.
Die Glieder, die inneren Organe und das Gehirn wurden entfernt.
Die Embryokadaver wurden dann mit einer Rasierklinge zerkleinert
und mit Trypsin/EDTA bei 37°C
unter Drehung 10 Minuten lang dissoziiert. Die Hälfte des Dissoziationspuffers
wurde dann zu einem gleichen Volumen DMEM plus 10 % FBS zugesetzt.
Der Dissoziations- und Abnehmschritt wurden fünfmal wiederholt. Abgenommene
Zellen wurden expandiert und in einem Verhältnis von 1:10 geteilt, um
die proliferierenden Fibroblastenzellen zu selektieren.
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Um
Gesamtzelllysate herzustellen, wurde eine 100-mm-Platte mit MEF-Zellen
fast bis zur Konfluenz kultiviert. Dann wurden die Zellen mit frischem
Medium mit 10 % Serum aktiviert und 1,5 Stunden lang bei 37°C inkubiert,
bevor sie geerntet wurden. Anschließend wurden die Zellen gewaschen
und durch herkömmliche Verfahren
zentrifugiert. Die Zellpellets wurden in 100 μl RIPA-Puffer resuspendiert
(0,5 % Natriumdesoxycholat, 0,1 % SDS, 1 % Nonidet P-40, 50 mM Tris-Cl,
pH 8,0, 150 mM NaCl, Aprotinin 0,2 Einheiten/ml und 1 mM PMSF) und
10 Minuten lang auf Eis gegeben, um die Zellen zu lysieren. Die
Zellsuspension wurde zentrifugiert, und der Überstand (Zelllysat) wurde
bei –70°C für weitere
Analysen gelagert. Ein Drittel des Überstands wurde einer Western-Blot-Analyse
unter Einsatz eines polyklonalen TrpE-mCyr61-Anti-Serums unterzogen.
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Um
zu bestätigen,
dass homozygote cyr61–/–-Tiere kein Cyr61 exprimierten,
wurden MEF-Zellen aus E11.5-Embryos hergestellt, die aus Kreuzungen
zweier cyr61+/–-Eltern stammten. Zelllysate wurden von
serumstimulierten MEFs verschiedener Genotypen entnommen und Western-Blot-Analysen
unter Verwendung von Anti-Cyr61-Antiserum
(trpE-mCyr61) unterzogen. Der Western-Blot zeigte, dass der Cyr61-Proteingehlat bei
KO- (Knockout-) MEF-Zellen nicht nachweisbar war, während heterozygote
cyr61+/–-Zellen
das Cyr61-Protein unter den gleichen Kulturbedingungen und unter
Serumstimulation stark exprimierten. Der Mangel an Expression von
Cyr61 in cyr61–/–-Tieren wurde weiter
durch Northern-Blot-Analysen bestätigt, bei denen keine cyr61-mRNA
in seruminduzierten KO-MEF-Zellen nachweisbar war. Somit wurde bestätigt, dass
die Nullmutation von cyr61–/– Cyr61-Expression sowohl
auf mRNA- als auch auf Proteinebene eliminiert.
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Defekte
in der Plazenta-Entwicklung, eine der Hauptursachen des Sterbens
der Embryos von cyr61–/–-Mäusen, wurden genauer analysiert.
Histologische Analysen von Mausplazenten wurden allgemein gemäß Suri et
al. (1998) durchgeführt.
Kurz gesagt wurden Plazenten von E12.5-Embryos in kaltem PBS seziert
und mit 4 % Paraformaldehyd in 0,1 M Phosphatpuffer (PB) bei 4°C über Nacht
fixiert. Fixierte Plazenten wurden dann zweimal durch steigende
Konzentrationen von Alkohol (50 %, 75 %, 90 %, 95 % und 100 %) entwässert. Dehydratisiertes
Gewebe wurde dann mit Hemo-De (einer Xylol-Alternative), 1:1 Ethanol/Hemo-De (Fisher)
und 100 % Hemo-De
gereinigt, und der Reinigungsvorgang wurde wiederholt. Gereinigtes
Gewebe wurde dann in einem 1:1-Gemisch aus Paraffin und Hemo-De
eine Stunde lang in einem Vakuumofen bei 60°C äquilibriert, und der Vorgang
wurde wiederholt. Das Gewebe wurde mit Histoembedder (Leica) in
Paraffin eingebettet. Die in Paraffin eingebetteten Plazenten wurden
mit einem Mikrotom (Leica) in 10 μm
dicke Scheiben geschnitten. Schließlich wurden die Gewebeschnitte
Harris-Hämatoxylin
und Eosin-Färbung
ausgesetzt (Asahara et al., Circ. Res. 83, 233-240 (1998)).
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Plazenten
zur immunhistochemischen Färbung
wurden in kaltem PBS seziert und in 4 % Paraformaldehyd über Nacht
bei 4°C
fixiert. Fixiertes Gewebe wurde über
Nacht bei 4°C
auf 30 % Saccharose in PBS transferiert. Dann wurden die Plazenten
in O.C.T. (Polyvinylalkohol, Carbowax-Lösung) auf Trockeneis eingebettet.
Gefrorene Blöcke
wurden bei –70°C gelagert
oder mit einem Kryotom (Leica) in 7 μm dicke Scheiben geschnitten.
Immunhistochemisches Färben
wurde gemäß den Empfehlungen
des Herstellers (Zymed) durchgeführt.
Kurz gesagt wurden gefrorene Schnitte mit 100 % Aceton bei 4°C 10 Minuten
lang nachfixiert. Endogene Peroxidase wurde mit Peroxo-Block (Zymed)
blockiert. Die Schnitte wurden über
Nacht bei 4°C
mit einer 1:250-Verdünnung
von biotinyliertem monoklonalem Ratten-Antimaus-PECAM-1- (d.h. Blutplättchen-Endothelzellen-Adhäsionsmolekül 1) Antikörper MEC
13.3 (Pharmingen) inkubiert. Ein Histomouse-SP-Set mit Meerrettichperoxidase
(Zymed) wurde zum Nachweis von PECAM-1-Signalen eingesetzt.
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Die
Ergebnisse von histologischen und immunhistochemischen Analysen
zeigten, dass Cyr61-Null-Plazenten eine begrenzte Anzahl an embryonalen
Blutkörperchen
aufwiesen und größtenteils
von maternalen Blutgefäßen besetzt
waren. Anomal kompakte Trophoblastenregionen wurden ebenfalls gefunden. PECAM-1-Färbung zeigte
die stark vaskularisierte Labyrinthzone in einer heterozygoten mutierten
Plazenta. Bei stärkerer
Vergrößerung konnte
das Fließen
von fötalen
Blutzellen in den PECAM-1-gefärbten
Blutgefäßen identifiziert
werden. In Übereinstimmung
mit der Variation der Phänotypen
unter den Cyr61-defizienten Embryos spiegelte die Färbung der
Plazenten von zahlreichen cyr61–/–-Embryos
auch die Plazentadefekte in einem gewissen Grad wider. Nichtsdestotrotz
können
die durch PECAM-1-Färbung
erkannten Plazentadefekte in zwei Gruppen unterteilt werden, Gruppe
I und II. Gruppe I von Typ II (Typ I – Embryos mit komplettem Ausbleiben
der Verschmelzung von Chorion und Allantois, die E10.5 nicht überlebten;
Typ II – Embryos
mit teilweise defekter Verschmelzung von Chorion und Allantois,
die bis etwa E13.5 überlebten)
weist eine Reihe von Plazentadefekten auf, die durch das praktische
Fehlen von Embryo-Blutgefäßen, das
Vorhandensein von kondensierten Trophoblasten und das Vorhandensein
einer komprimierten Labyrinthzone charakterisiert sind. Eine stärkere Vergrößerung zeigte,
dass sich bei Plazentadefekten dieser Art keine Gefäße im La byrinth
entwickelten. Plazenten mit einem Gruppe-II-Defekt wiesen ausreichende
Mengen an PECAM-1-positiver Färbung
und kondensierten Kapillarstrukturen auf. Die PECAM-1-gefärbten gefäßartigen
Strukturen waren jedoch degeneriert und fielen aufgrund der fehlenden
fötalen
Blutkörperchen
darin zusammen.
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Somit
führt der
Mangel an Cyr61 zu zwei Arten von Plazentadefekten. Beim Typ I führt das
Fehlen der Verschmelzung von Chorion und Allantois zum Verlust einer
physikalischen Verbindung zwischen Embryo und Plazenta. Bei Typ-II-Plazentadefekten
wird die physikalische Verbindung durch eine erfolgreiche Chorioallantois-Fusion
errichtet. Die embryonalen Gefäße erreichen
jedoch nur die Oberfläche
der Plazenta oder bilden, wenn sie es schaffen, die Chorionplatte
zu durchdringen, eine unterentwickelte, nichtfunktionelle Gefäßstuktur in
der Labyrinthzone.
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X-gal-Färbung wurde
ebenfalls eingesetzt, um die embryonale Entwicklung in verschiedenen xyr61-Hintergründen zu
beurteilen. (Die Targeting-DNA, p61geo, wurde entwickelt, um das
Cyr61-Gen zu inaktivieren und auch ein β-gal-Gen als Marker einzubringen,
um die Expression von Cyr61 widerzuspiegeln.) Färbung mit X-gal (d.h. 5-Brom-4-chlor-3-indolyl-β-D-galactopyranosid)
für β-Galactosidase-Expression
wurde an heterozygoten cyr61+/–-Embryos in den Stufen
E9.5 bis E11.5 durchgeführt.
Die Färbung
erfolgte wie beschrieben (Sura et al. (1998)). Embryos in verschiedenen
Stadien wurden in einer 0,2 % Paraformaldehyd-Lösung über Nacht bei 4°C fixiert.
Fixiertes Gewebe wurde in 30 % Saccharose in PBS plus 2 mM MgCl2 über Nacht
bei 4°C
inkubiert. Dann wurde das Gewebe in OCT auf Trockeneis eingebettet
und mit einem Kryotom in 7 μm
dicke Scheiben geschnitten. Gefrorene Gewebeschnitte worden in 0,2
% Paraformaldehyd nachfixiert und mit X-gal (1 mg/ml) 3 Stunden
lang im Dunkeln bei 37°C
gefärbt.
Objektträger
wurden mit 1 % Orange G gegengefärbt.
Gefärbte
Objektträger
wurden dann durch steigende Konzentrationen Methanol reihen-dehydratisiert
und mit Hemo-De gereinigt, und die Objektträger wurden fixiert.
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X-gal-Färbung der
E9.5-Embryos, einschließlich
der externen embryonalen Gewebe, zeigte eine vom cyr61-Promotor
getriebene β-Galactosidase-Expression
an der Spit ze der Allantois neben dem Chorion in der Chorioallantois-Plazenta
auf. Färbung
der weiter fortgeschrittenen E10.5-Embryos zeigte, dass große Gefäße, die
von den Allantoisgefäßen abzweigten,
in der Chorionplatte entstanden und unter Verwendung von X-gal leicht
in der Endothelauskleidung identifiziert werden konnten. Weiter
entwickelte E11.5-Plazenta wies das gleiche Expressionsmuster auf
wie E10.5-Embryos.
Während
das Färben
stark mit dem Endothel der Umbilikalgefäße und Choriongefäße assoziiert
war, war bei E11.5 in der Labyrinthzone, in der sich ein mikrovaskuläres Netz
bildete, keine Färbung
nachweisbar. Die Gegenwart von Cyr61 in der Allantois an der und
proximal zur Verschmelzungsoberfläche mit dem Chorion und in
den Umbilikal- und Choriongefäßen ist
ein weiterer Beleg für
die wichtige Rolle von Cyr61 in der Angiogenese. Cyr61 war an der
Verschmelzung von Chorion und Allantois beteiligt und entscheidend
für die
richtige Gefäßbildung
bei fortschreitender Plazentation. Außerdem bestätigte eine Färbung des
E11.5-Embryos, dass Cyr61 im dorsalen Aortenpaar und in den Hauptarterien,
die vom Herzen wegführen,
exprimiert wurde, was mit den in Cyr61-Nullmutanten beobachteten
Blutungen übereinstimmt.
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Aus
der vorliegenden Beschreibung ist ein weiteres Verfahren ersichtlich,
bei dem es sich um ein Verfahren zum Screenen auf Modulatoren von
Angiogenese handelt, folgende Schritte umfassend: (a) Bilden eines
nichtmenschlichen transgenen Tiers, das eine Allelmutante eines
Gens umfasst, dass für
ein Polypeptid kodiert, welches aus der aus einem Cyr61, einem Fisp12,
einem CTGF, einem NOV, einem ELM-1 (WISP-1), einem WISP-3, einem
COP-1 (WISP-2) bestehenden Gruppe ausgewählt ist; (b) Kontaktieren des
transgenen Tiers mit einem vermutlichen Modulator von Angiogenese;
(c) weiteres Kontaktieren eines Wildtyp-Tiers derselben Spezies
mit dem Polypeptid, wodurch eine Kontrolle bereitgestellt wird;
(d) Messen des Angiogenesegrads im transgenen Tier; (e) Messen des
Angiogenesegrads im Wildtyp-Tier; und (f) Vergleichen der in Schritt (d)
und (e) gemessenen Angiogenesegrade, wodurch ein Modulator von Angiogenese
identifiziert wird.
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Transgene
Tiere sind wie oben beschrieben charakterisiert, und ausgehend von
solchen Charakterisierungen können
verschiedene Genotypen in den oben beschriebe nen Verfahren zweckdienlich
eingesetzt werden. Beispielsweise kann das transgene Tier entweder
homozygot oder heterozygot sein, und die Allelmutante kann zu keiner
Expression (d.h. Nullmutante) oder veränderten Aktivitätswerten
führen.
Ein bevorzugtes transgenes Tier ist eine Maus, obwohl beliebige
nichtmenschliche Wirbeltier-Organismen
eingesetzt werden können,
einschließlich
anderer Säugetier
(z.B. unter anderem Ratten, Kaninchen, Schafe, Kühe, Schweine und Pferde) oder
Vögel (z.B.
Hühner).
Ein bevorzugtes Transgen ist eine Insertionsinaktivierung, oder
ein Knockout, eines Gens, das für
ein CCN-Protein (z.B. cyr61) kodiert; weiters bevorzugt ist eine
Insertionsinaktivierung, die aus der Einführung, oder dem „Knocking
in", eines identifizierbaren
Markergens resultiert, wie z.B. für β-Galactosidase kodierendes lacZ.
Natürlich
sind zahlreiche Transgen-Konstruktionen möglich, einschließlich Transgenen,
die aus der Ersetzung einer Wildtyp-Sequenz durch verwandte Sequenzen
resultieren, welche Aminosäuresequenz-Varianten
spezifizieren. Aus der obigen Erläuterung ist ersichtlich, dass
gentherapeutische Ansätze,
welche die Einführung
eines Transgens in eine Zelle umfassen, zur Behandlung verschiedenster
Zustände
oder Leiden, wie z.B. Erkrankungen, eingesetzt werden können.
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Weiters
ist aus der obigen Erläuterung
die Möglichkeit
einer Säugetierzelle,
die eine cyr61-Mutation umfasst, welche aus der aus einer Insertionsinaktivierung
eines cyr61-Allels und einer Deletion eines Abschnitts eines cyr61-Allels
ausgewählt
ist, ersichtlich. Die Säugetierzelle
ist vorzugsweise eine menschliche Zelle, und die Mutation ist entweder
heterozygot oder homozygot. Die Mutation, die aus einer Insertionsinaktivierung
oder Deletion resultiert, befindet sich entweder in der kodierenden
Region oder in einer flankierenden Region, die für die Expression essentiell
ist, wie z.B. eine 5'-Promotor-Region.
Zellen können
auch mit nichtmenschlichen Tieren assoziiert sein.
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Beispiel 32
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Adhäsion
an Blutplättchen
und Makrophagen
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Blutplättchen-Immobilisierung
spielt eine wichtige Rolle bei der Wundheilung, beispielsweise indem sie
zur Thrombose beim Stillen des Blutflusses beiträgt. Proteine der CCN-Familie,
wie z.B. Cyr61 und Fisp12/CTGF, fördern die Blutplättchen-Adhäsion durch
Wechselwirkung mit dem αIIbβ3-Inegrin.
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Rekombinantes
Cyr61 und Fisp12/mCTGF, die in einem Baculovirus-Expressionssystem unter Verwendung von
Sf9-Insektenzellen synthetisiert worden waren, wurden durch Chromatographie
auf Sepharose S wie beschrieben von serumfreiem konditioniertem
Medium gereinigt (Kireeva et al. (1997); Kireeva et al. (1996)).
Eine SDS-PAGE-Analyse von gereinigtem Cyr61 und Fisp12/mCTGF zeigte
die Gegenwart von einzelnen Coomassie-Blau-gefärbten Banden mit 40 kDa bzw.
38 kDa auf. Bei Immunblots reagierten die gereinigten Proteine spezifisch
mit ihren zugehörigen
Antikörpern.
Protein-Konzentrationen wurden unter Einsatz des BCA-Protein-Tests (Pierce)
mit Rinderserumalbumin (BSA) als Standard bestimmt.
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Mikrotiter-Wells
wurden mit gereinigtem rekombinantem Fisp12/mCTGF oder Cyr61 beschichtet,
und die Adhäsion
von isolierten Blutplättchen
an diesen Proteinen wurde mit 125I-mAB15,
einem monoklonalen Anti-β3-Antikörper,
nachgewiesen (Frelinger et al., J. Biol. Chem. 265, 6346-6352 (1990)).
Die Blutplättchen
wurden aus venösem
Blut von gesunden Spendern gewonnen und in einer Säure-Citrat-Dextrose
(ACD) gesammelt. Gewaschene Blutplättchen wurden wie beschrieben
durch differenzielle Zentrifugation erhalten (Kinlough-Rathbone
et al., Thromb. Haemostas. 2, 291-308 (1997)) und schließlich in
HEPES-Tyrode-Puffer (5 mM HEPES, pH 7,35, 1 mM MgCl2,
1 mM CaCl2, 135 mM NaCl, 2,7 mM KCl, 11,9
mM NaHCO3, 1 mg/ml Dextrose und 3,5 mg/ml
BSA) resuspendiert. Die Blutplättchen-Konzentration
wurde auf 3 × 108 Blutplättchen/ml
eingestellt.
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Mikrotiter-Wells
(Immulon 2 Removawell Strips, Dynex Technologies, Inc.) wurden mit
Cyr61, Fisp12/mCTGF oder Fibrinogen (25 μg/ml, 50 μl/Well) beschichtet und über Nacht
bei 22°C
inkubiert und dann mit 3 % BSA bei 37°C 2 Stunden lang blockiert.
Gewaschene Blutplättchen
wurden zu den Wells zugesetzt (100 μl/Well), und zwar in Gegenwart
und Abwesenheit von Blutplättchen-Agonisten,
und bei 37°C
30 Minuten lang inkubiert. Dann wurden die Wells mit HEPES-Tyrode-Puffer
gewaschen, und anhaftende Blutplättchen wurden
mit 125I-mAB15, einem monoklonalen Anti-β3-Antikörper, nachgewiesen.
Das Aussetzen gegenüber dem
markierten Antikörper
(50 nM, 50 μl/Well)
erfolgte 1 Stunde lang bei 22°C.
Nach umfassendem Waschen mit HEPES-Tyrode-Puffer wurde gebundene
Radioaktivität
durch γ-Zählung bestimmt. In Hemmstudien
wurden gewaschene Blutplättchen
mit Blockierungspeptiden oder Antikörpern 15 Minuten lang bei 37°C vorinkubiert,
bevor sie zu Mikrotiter-Wells zugesetzt wurden. In Experimenten
zur Untersuchung der Wirkung von Chelatbildung von zweiwertigen
Kationen wurde EDTA (5 mM) zu Suspensionen von gewaschenen Blutplättchen zugesetzt
und 15 Minuten lang bei 37°C
vorinkubiert.
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Der
Anti-β3-Antikörper
wurde mit trägerfreiem
Na125I (Amersham Corp.) unter Verwendung
des IODO-BEADS-Iodierungsreagens (Pierce) auf eine spezifische Aktivität von etwa
2 μCi/μg radioiodiert.
Dieser Antikörper
bindet gleichermaßen
an αIIbβ3 auf aktivierten (siehe unten) und unaktivierten
Blutplättchen.
Als Kontrollen wurden BSA- und Fibrinogen-beschichtete (KabiVitrum
Inc.) Wells verwendet. Zuerst wurde die Adhäsion von nichtaktivierten und
aktivierten Blutplättchen
an immobilisiertem Fisp12/mCTGF und Cyr61 verglichen. Um sicherzustellen,
dass Blutplättchen
nicht während
des Waschvorgangs aktiviert wurden, wurde PGI2 (100
nM), das die Aktivierung durch eine Erhöhung der Blutplättchen-cAMP-Werte
hemmt, zu den Blutplättchen-Suspensionen
zugesetzt.
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Nichtaktivierte
Blutplättchen
hafteten an keinem der Proteine. Eine Aktivierung von Blutplättchen mit 0,1
U/ml Thrombin, 500 nM U46619 oder 10 μM ADP führten zu einer dramatischen
Steigerung der Blutplättchen-Adhäsion an
sowohl Fisp12/mCTGF- als
auch Cyr61-beschichteten Wells. Um zu bestätigen, dass der Adhäsionsprozess
aktivierungsabhängig
war, wurde PGI2 (100 nM) mit den Agonisten
zugesetzt, um eine Blutplättchen-Aktivierung
zu verhindern. Unter diesen Bedingungen wurde die Blutplättchen-Adhäsion an
sowohl Fisp12/mCTGF als auch Cyr61 signifikant gehemmt.
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Zum
Vergleich wurde Blutplättchen-Adhäsion an
Fibrinogen-beschichteten Wells bewertet. Während nichtaktivierte Blutplättchen in
der Lage waren, in geringem Maß an
immobilisiertem Fibrinogen zu haften, schien die Blutplättchen-Adhäsion an
Cyr61 und Fisp12/mCTGF vollkommen von zellulärer Aktivierung abzuhängen. Nach
einer Blutplättchen-Aktivierung
mit starken Agonisten, wie z.B. Thrombin und U46619, war die Blutplättchen-Adhäsion an
Cyr61 und Fisp12/mCTGF mit Fibrinogen vergleichbar. Der schwächere Agonist ADP
führte
zu einer geringeren Reaktion. Da ADP keine Sekretion von α-Granula-Proteinen
aus gewaschenen menschlichen Blutplättchen induziert und keine
Blutplättchen-Aggregation
in Abwesenheit von exogenem Fibrinogen induziert, wurde ADP verwendet,
um Blutplättchen-Adhäsion in
nachfolgenden Experimenten zu induzieren.
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Um
die aktivierungsabhängige
Adhäsion
von Blutplättchen
an diese Proteine weiter zu belegen, wurde ein Saure-Phosphatase-Test,
der für
die Quantifizierung der relativen Anzahl an anhaftenden Blutplättchen entworfen
worden war, durchgeführt.
In diesem Test wurde die Saure-Phosphatase-Aktivität von anhaftenden Blutplättchen gemessen.
Nach dem oben beschriebenen Adhäsions-
und Waschvorgang wurde die Substratlösung (0,1 mM Natriumacetat,
pH 5,0, 20 mM p-Nitrophenylphosphat und 0,1 % Triton X-100; 150 μl/Well) zugesetzt
und 2 Stunden lang bei 37°C
inkubiert. Die Reaktion wurde durch den Zusatz von 20 μl 2N NaOH gestoppt,
und das Absorptionsvermögen
bei 405 nm wurde gemessen. Sowohl der 125I-mAb15-Bindungstest als
auch der Saure-Phosphatase-Test für die Adhäsion von ADP-stimulierten Blutplättchen an
Fibrinogen, Fisp12/mCTGF und Cyr61 führten zu ähnlichen Ergebnissen. Da die
Menge an gebundenem 125I-mAb15 direkt proportional
zur Menge an Integrin αIIbβ3 an den anhaftenden Blutplättchen war,
wurde der Saure-Phosphatase-Test
in nachfolgenden Studien eingesetzt.
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Die
Adhäsion
von ADP-aktivierten Blutplättchen
an Fisp12/mCTGF und Cyr61 war dosisabhängig und sättigbar. In Gegenwart von PGI2 hafteten nichtaktivierte Blutplättchen schlecht
an beiden Proteinen, sogar bei hohen Beschichtungskonzentrationen.
Die Spezifität
des Adhäsionsvorgangs
wurde in Inhibierungsstudien charakterisiert, in denen gegen die
zentralen variablen Regionen von Fisp12/mCTGF und Cyr61 gebildete
polyklonale Anti-Peptid-Antikörper
eingesetzt wurden. In Immunblots reagierten polyklonales Kaninchen-Anti-Fisp12/mCTGF
und -Anti-Cyr61, die wie in Beispiel 29 beschrieben hergestellt
worden waren, spezifisch mit Fisp12/mCTGF bzw. Cyr61. Keine Kreuzreaktivität war erkennbar.
Außerdem
hemmte der Anti-Fisp12/mCTGF-Antikörper die
Blutplättchen-Adhäsion an
Fisp12/mCTGF, nicht aber an Cyr61, und der Anti-Cyr61-Antikörper hemmte
Cyr61-vermittelte Blutplättchen-Adhäsion, nicht
aber die durch Fisp12/mCTGF vermittelte. Bei normalem Kaninchen-IgG war keine Hemmung
erkennbar. Außerdem
hemmten weder Anti-Fisp12/mCTGF-Antikörper noch
Anti-Cyr61-Antikörper
die Blutplättchen-Adhäsion an
Fibrinogen-beschichtete Wells. Somit ist die Fähigkeit von Fisp12/mCTGF und
Cyr61, Blutplättchen-Adhäsion zu
hemmen, eine immanente Eigenschaft dieser Proteine.
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Bei
einer Blutplättchen-Aktivierung
werden die Ligandenbindungsaffinitäten der Integrine αIIbβ3 und αvβ3 hochreguliert
(Shattil et al., Blood 91, 2645-2657 (1998); Bennett et al., J.
Biol. Chem. 272, 8137-8140 (1997)). Um zu bestimmen, ob diese Integrin-Rezeptoren
Blutplättchen-Adhäsion an
Fisp12/mCTGF und Cyr61 vermitteln, wurde das Hemmpotential von Peptid-Antagonisten
und des Chelatbildners von zweiwertigen Kationen, EDTA, getestet.
Vorinkubation von Blutplättchen
mit EDTA bei 37°C
hob die Blutplättchen-Adhäsion an
beide Proteine vollständig
auf, was darauf hinweist, dass der Adhäsionsvorgang vom Chelatbildner für zweiwertige
Kationen abhing. Die Kationen-Abhängigkeit der Adhäsion stimmt
mit der Beteiligung eines Integrin-Rezeptors überein.
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Das
wichtigste Blutplättchen-Integrin αIIbβ3 ist
empfindlich gegenüber
Hemmung durch RGD-hältige Peptide
und das Dodecapeptid H12 (H2N-HHLGGAKQAGDV-CO2H,
Seq.-ID Nr. 29; Research Genetics Inc.), das von der Fibrinogen-γ-Kette stammt
(Plow et al., Proc. Natl. Acad. Sci. (USA) 82, 8057-8061 (1985);
Lam et al., J. Biol. Chem. 262, 947-950 (1987)). Die Adhäsion von
ADP-aktivierten Blutplättchen
an Cyr61 und Fisp12/mCTGF wurde durch GRGDSP (Seq.-ID Nr. 31) spezifisch
gehemmt, nicht aber durch GRGESP (Seq.-ID Nr. 32) (Peninsula Laboratories).
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Desgleichen
blockierte das RGD-hältige
Schlangengift-Peptid Echistatin (Gan et al., J. Biol. Chem. 263,
19827-19832 (1988); Sigma Chemical Co.) ebenfalls die Blutplättchen-Adhäsion an
beiden Proteinen vollständig.
Außerdem
wurde gezeigt, dass das Dodecapeptid H12 eher
mit dem Integrin αIIbβ3 wechselwirkt als mit dem Integrin αvβ3 (Cheresh
et al., Cell 58, 945-953 (1989); Lam et al., J. Biol. Chem. 264,
3742-3749 (1989)).
Somit zeigte die Erkenntnis, dass H12 die
Blutplättchen-Adhäsion an
Cyr61 und Fisp12/mCTGF hemmte, dass dieser Prozess eher durch αIIbβ3 als
durch αIIbβ3 vermittelt wird. Während der Komplex-spezifische
monoklonale Antikörper
AP-2 (Anti-αIIbβ3; Pidard et al., J. Bol. Chem. 258, 12582-12587
(1983)) die Adhäsion
von ADP-aktivierten Blutplättchen
an Fisp12/mCTGF und Cyr61 vollkommen hemmte, wurde bei LM609 (Anti-αvβ3;
Cheresh et al., J. Biol. Chem. 262, 17703-17711 (1987)) oder bei
normalem Maus-IgG keine Hemmung beobachtet. In Kontrollproben wurde
die Adhäsion
von ADP-aktivierten Blutplättchen
an Fibrinogen ebenfalls vollständig
durch EDTA, RGDS, Echistatin, H12 oder AP-2
gehemmt, nicht aber durch RGES oder LM609. Diese Ergebnisse zeigen,
dass die Blutplättchen-Adhäsion an
diese Proteine durch Wechselwirkung mit aktiviertem Integrin αIIbβ3 vermittelt
wird.
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Ein
Festphasen-Bindungstest zum Nachweis der Rezeptor-Ligand-Wechselwirkungen
zeigte, dass αIIbβ3 direkt an Fisp12/mCTGF und Cyr61 bindet.
In diesen Versuchen wurden aktiviertes und nichtaktiviertes αIIbβ3 von
Blutplättchen-Lysaten
gereinigt. Aktiviertes αIIbβ3 wurde wie beschrieben durch RGD-Affinitätschromatographie
gereinigt (Knezevic et al., J. Biol. Chem. 271, 16416-16421 (1996)).
Kurz gesagt wurden alte menschliche Blutplättchen durch differenzielle
Zentrifugation iso liert und in Lysepuffer (10 mM HEPES, pH 7,4, 0,15
M NaCl mit 1 mM CaCl2, 1 mM MgCl2, 100 μM
Leupeptin, 1 mM Phenylmethylsulfonylfluorid, 10 mM Ethylmaleinimid
und 50 mM Octylglucosid) solubilisiert. Das Octylglucosid-Extrakt
wurde über
Nacht bei 4°C
mit 1 ml GRGDSPK-gekoppelter Sepharose 4B inkubiert. Nach dem Waschen
mit 15 ml Säulenpuffer
(der gleiche wie der Lysepuffer, mit der Ausnahme, dass er 25 mM
Octylglucosid enthielt) wurde gebundenes αIIbβ3 mit
1,7 mM H12 (2 ml) in Säulenpuffer eluiert. Das H12-Eluat wurde auf eine Säule Sephacryl S-300 High Resolution (1,5 × 95 cm)
aufgetragen, und αIIbβ3 wurde mit 10 mM HEPES, pH 7,4, 0,15 M NaCl,
1 mM CaCl2, 1 mM MgCl2 und
25 mM Octylglucosid eluiert.
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Nichtaktiviertes αIIbβ3 wurde
durch das Verfahren gemäß Fitzgerald
et al., Anal. Biochem. 151, 169-177 (1985), mit leichten Modifikationen
isoliert. Die Durchflussfraktion der GRGDSPK-Sepharose-Säule wurde
auf eine Concanavalin-A-Sepharose-4B-Säule
(1 × 20
cm) aufgetragen. Ungebundene Proteine wurden mit 50 ml Säulenpuffer
gewaschen, und gebundenes αIIbβ3 wurde dann mit 100 mM Mannose, die in Säulenpuffer
gelöst war,
eluiert. αIIbβ3 enthaltende Fraktionen wurden auf einer
Säule Sephacryl
S-300 High Resolution weiter gereinigt.
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Um
den Festphasen-Bindungstest durchzuführen, wurde gereinigtes αIIbβ3 zu
Wells zugesetzt, die mit entweder Cyr61 oder Fisp12 (mCTGF) beschichtet
waren, und zwar in Gegenwart oder Abwesenheit von Inhibitoren, und
die Bindung wurde 3 Stunden lang bei 37°C fortschreiten gelassen. Ungebundene
Rezeptoren wurden entfernt, und die Wells wurden zweimal mit HEPES-Tyrode-Puffer
gewaschen. Die Bindung von gereinigtem αIIbβ3 an
Cyr61 oder Fisp12/mCTGF, das auf Mikrotiter-Wells immobilisiert war, wurde mit 125I-mAb15 detektiert.
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Aktiviertes
und nichtaktiviertes αIIbβ3 waren in einer SDS-PAGE-Analyse bei Detektion
durch Silberfärbung
nicht unterscheidbar. Aktiviertes αIIbβ3,
nicht aber der nichtaktivierte Rezeptor, war in der Lage, an immobilisiertes
Fibrinogen zu binden. Desgleichen wurde eine stärkere Bindung von aktiviertem αIIbβ3 an Fisp12/mCTGF
und Cyr61 beobachtet als von nichtaktiviertem. Im Gegensatz dazu
waren die Hinter grund-Bindungen von aktiviertem und nichtaktiviertem αIIbβ3 an
Kontroll-Wells, die mit BSA beschichtet waren, ähnlich. Somit hafteten zwar
aktivierte, nicht aber nichtaktivierte, Blutplättchen an Cyr61 und Fisp12/mCTGF.
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Um
die Wechselwirkung zwischen αIIbβ3 und Fisp12/mCTGF bzw. Cyr61 näher zu charakterisieren, wurden
Bindungs-Isothermen für
verschiedene Konzentrationen von RGD-affinitätsgereinigtem αIIbβ3 bestimmt.
Diese Bindungs-Isothermen zeigten, dass die dosisabhängige Bindung
von aktiviertem αIIbβ3 an Fisp12/mCTGF und Cyr61 mit einer Halbsättigung,
die bei 15 nM bzw. 25 nM αIIbβ3 stattfand, sättigbar war. Wiederum war keine
signifikante Bindung von αIIbβ3 an BSA-beschichtete Kontroll-Wells erkennbar.
Um die Spezifität
der Wechselwirkung aufzuzeigen, wurden Inhibierungsstudien durchgeführt. Wie
zu erwarten wurde die Bindung von aktiviertem αIIbβ3 and
Fisp12/mCTGF und Cyr61 spezifisch durch RGDS blockiert, nicht aber durch
RGES. Außerdem
hemmten auch Echistatin und das H12-Peptid
die αIIbβ3-Bindung
an diese Proteine wirksam. Diese Erkenntnisse stimmten mit den Ergebnissen überein,
die in den Blutplättchen-Adhäsionstests erhalten
wurden. Zusammengefasst zeigen diese funktionalen und biochemischen
Daten, dass aktiviertes Integrin αIIbβ3 der Rezeptor ist, der die aktivierungsabhängige Blutplättchen-Adhäsion an
Cyr61 und Fisp12/mCTGF vermittelt.
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Somit
kann ein Verfahren zum Screenen auf Modulatoren der Wundheilung
folgende Schritte umfassen: (a) Kontaktieren eines ersten aktivierten
Blutplättchens
mit einem Polypeptid der CCN-Familie, wie z.B. Cyr61, und einem
vermutlichen Modulator; (b) weiteres Kontaktieren eines zweiten
aktivierten Blutplättchens mit
dem Polypeptid aus Schritt (a); (c) Messen der Bindung des ersten
aktivierten Blutplättchens
an das Polypeptid; (d) Messen der Bindung des zweiten aktivierten
Blutplättchens
an das Polypeptid; und (e) Vergleichen der Bindungsmessungen aus
Schritt (d) und (e), wodurch ein Modulator von Wundheilung identifiziert
wird. Vorzugsweise umfasst die Wundheilung die Beteiligung von Blutplättchen-Bindung
im Prozess der Blutgerinnung. Auch bevorzugt sind Blutplättchen,
die das αIIbβ3-Integrin präsentieren.
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Neben
den oben beschriebenen Bindungseigenschaften von Mitgliedern der
CCN-Familie von
Proteinen haben Antikörper-Inhibierungsstudien
mit Anti-αM- und Anti-β3-Antikörpern gezeigt,
dass Cyr61 durch noch ein anderes Integrin, das αMβ2-Integrin,
an Makrophagen bindet. Ausgehend von diesen Ergebnissen ist zu erwarten,
dass Säuegtier-CCN-Proteine,
wie z.B. menschliches oder Maus-Cyr61, an die Makrophagen von Säugetieren
binden. Außerdem
ist zu erwarten, dass Cyr61 die Migration von Makrophagen fördert und
so eine Rolle beim Anlocken und Festhalten von Makrophagen an der
Wundstelle spielt. Folglich ist zu erwarten, dass Cyr61 eine Rolle
in Entzündungsreaktionen
von Säugetieren
spielt, und eine Modulation der Cyr61-Aktivität beeinflusst wahrscheinlich
die Entzündungsreaktionen.
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Ein
Verfahren zum Screenen auf Modulatoren von Makrophagen-Adhäsion kann
folgende Schritte umfassen: (a) Kontaktieren eines ersten Makrophagen
mit einem Polypeptid der CCN-Familie, wie z.B. Cyr61, und einem
vermutlichen Modulator; (b) weiteres Kontaktieren eines zweiten
Makrophagen mit dem Polypeptid aus Schritt (a); (c) Messen der Bindung
des ersten Makrophagen an das Polypeptid; (d) Messen der Bindung des
zweiten Makrophagen an das Polypeptid; und (e) Vergleichen der Bindungsmessungen
aus Schritt (d) und (e), wodurch ein Modulator von Makrophagen-Adhäsion identifiziert
wird.
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Beispiel 33
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Peptid-Modulatoren der ECM-Signalmolekül-Aktivität
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Screening-Tests
für Modulatoren
von Zelladhäsion
sind darauf ausgerichtet, Modulatoren (z.B. Inhibitoren oder Aktivatoren)
von ECM-Signalmolekül-Aktivitäten, wie
z.B. Cyr61-Aktivitäten,
zu identifizieren, die an Angiogenese, Chondrogenese, Onkogenese,
Zelladhäsion,
Zellmigration oder Zellproliferation beteiligt sind. Bei der Entwicklung
eines Screening-Tests für
Modulatoren von Zelladhäsion
wurden Peptid-Modulatoren
wie in Beispiel 12 beschrieben konzipiert. Genauer gesagt wurden
Cyr61-Peptid-Fragmetne mit der Erwartung konzipiert, dass solche
Peptide Cyr61-Bindung
an einen Integrin-Rezeptor, wie z.B. das α6β1-Integrin,
modulieren würden.
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Um
mit dem in Beispiel 12 beschriebenen Ansatz zum Peptid-Entwurf leichter
zum Ziel zu kommen, wurden Versuche durchgeführt, um die Position von Domänen genauer
zu bestimmen, die an einer oder mehreren Aktivitäten von Cyr61, z.B. Angiogeneseaktivitäten, beteiligt
sind. Zuerst wurde eine Deletion von Maus-cyr61 durchgeführt, um
Domäne
IV des kodierten Cyr61 zu entfernen (entspricht den Aminosäuren 282-381
der Seq.-ID Nr. 4). Für
eine allgemeine Beschreibung der Cyr61-Domänen
1-4 siehe Lau et al., Exp. Cell Research 248, 44-57 (1999), als
Gesamtes durch Verweis hierin aufgenommen. Das Deletionskonstrukt, das
mithilfe eines herkömmlichen
Baculovirus-Systems kloniert worden war, wurde exprimiert und einem
Ratten-Hornhaut-Implantationstest unterzogen, wie er in Beispiel
19 allgemein beschrieben ist, und die Ergebnisse zeigten, dass das
trunkierte Polypeptid Angiogenese induzierte. Weiters wurde das
trunkierte Polypeptid einem In-vitro-Endothelzellen-Migrationstest unterzogen,
wie er in Beispiel 15 beschrieben ist, und das Polypeptid mit den
Cyr61-Domänen
I, II und III induzierte Zellmigration.
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Um
an Angiogenese, einschließlich
Endothelzellen-Migration, beteiligte Domänen genauer zu lokalisieren,
wurden die für
die Domänen
I, II und III von Cyr61 kodierenden Regionen separat an eine für Glutathion-S-Transferase
(GST) kodierende Sequenz fusioniert, wiederum unter Einsatz herkömmlicher
Technologien. Die einzelnen Fusionskonstrukte wurden in Bakterienwirte
eingebracht, exprimiert und mit Glutathion-Säulen gereinigt, wobei herkömmliche
Techniken verwendet wurden. Zelladhäsionstests unter Verwendung
von Endothelzellen und Fibroblasten zeigten, dass bei einer Isolation
nur Domäne
III (die den Aminosäuren
212-281 der Seq.-ID Nr. 4 entspricht) Zelladhäsion unterstützte, und
das Fusionspolypeptid, das diese Domäne enthielt, unterstützte bei
einer Immobilisierung die Adhäsion
von ruhenden Endothelzellen und Fibroblasten.
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Um
die relevante Domäne
noch genauer zu lokalisieren, wurden mehrere überlappende Peptide synthetisiert.
Die Peptide, die jeweils eine Sequenz aufwiesen, die in einer der
Seq.-ID Nr. 33-38 dargestellt ist, weisen signifikante Ähnlichkeit
zu einem ECM-Signalmolekül,
wie z.B. Maus-Cyr61 (Seq.-ID Nr. 2) oder menschlichem Cyr61 (Seq.-ID
Nr. 4), auf. Diese Peptide wurden dann separat auf ihre Fähigkeit
getestet, Cyr61-Adhäsion
an Endothelzellen oder Fibroblasten zu hemmen. Peptide wurden wie
oben beschrieben separat in unterschiedlichen Konzentrationen zu
Cyr61-beschichteten
Wells zugesetzt, die Endothelzellen oder Fibroblasten enthielten.
Das als TSP1 bezeichnete Peptid (Seq.-ID Nr. 33) hemmte Cyr61-Adhäsion an
Endothelzellen oder Fibroblasten in Konzentrationen von 25 μM oder mehr.
Keines der anderen getesteten Peptide (Seq.-ID Nr. 34-38) wiesen
eine Hemmung von Zelladhäsion
an Cyr61 auf.
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Um
zu bestimmen, ob TSP1 Cyr61-Bindung an α5β3 oder α6β1,
zwei Integrine auf Endothelzellen, die Cyr61 binden, selektiv hemmte,
wurden Blockierungsstudien mit spezifischen monoklonalen Antikörpern durchgeführt. Diese
Studien umfassten den separaten Zusatz von monoklonalem Antikörper GoH3
(α6-spezifisch, einschließlich α6β1;
siehe Beispiel 29) oder LM609 (α5β3-spezifisch; siehe Beispiel 29) zu Zellen,
bevor das Gemisch in Gegenwart oder Abwesenheit des zu untersuchenden
Peptids zu Cyr61-beschichteten Wells zugesetzt wurde. Die Ergebnisse
zeigten, dass TSP1 Cyr61-Bindung an α6β1-Integrin,
einen Haupt-Cyr61-Rezeptor, der in ruhenden, oder nichtaktivierten,
Endothelzellen und in Fibroblasten aktiv ist, hemmte. TSP1 hemmte
keine Cyr61-Bindung an αvβ3, einen Haupt-Cyr61-Rezeptor in aktivierten
Endothelzellen.
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Endothelzellen,
die mit Cyr61 wechselwirken, erfordern Integrin αvβ3 für die Zellmigration
und das Zellüberleben.
Um jedoch in vitro Kanälchen
in einem Matrigel zu bilden, ist Integrin α6β1 erforderlich.
Somit wurde die Fähigkeit
von TSP1, die Bildung von Kanälchen
in vitro zu hemmen, unter Verwendung eines Matrigel-Tests, wie er
in Beispiel 15 beschrieben ist (und auf dem Gebiet der Erfindung
bekannt ist, Davis et al., Exp. Cell Research 216, 113-123 (1995),
als Gesamtes durch Verweis hierin aufgenommen), durchgeführt. Wie
zu erwarten hemmte TSP1 die Bildung von Kanälchen in dem Matrigel-Test.
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Um
zu bestätigen,
dass das TSP1-Peptid Cyr61-Aktivität durch direkte Wechselwirkung
mit dem α6β1-Inregrin hemmte, wurden TSP1 und die Peptide,
die die Seq.-ID Nr. 34-38 aufweisen, im oben genannten Zelladhäsionsstest
in Abwesenheit von immobilisiertem Cyr61 eingesetzt. In diesen Tests
wurden Wells mit einem der Peptide beschichtet, und die immobilisierten
Peptide wurden dann separat entweder Endothelzellen (ruhenden oder
aktivierten) oder Fibroblasten ausgesetzt. Die Ergebnisse zeigten,
dass TSP1 von selbst die Adhäsion
von Endothelzellen und Fibroblasten unterstützte. Keines der anderen getesteten
Peptide (mit den Seq.-ID Nr. 34-38) unterstützte die Zelladhäsion in
diesen Tests. Es ist jedoch zu erwarten, dass Peptide, welche Sequenzen
aus der Domäne
II (von-Willebrand-Faktor-Domäne)
von Cyr61 umfassen, die Wechselwirkung zwischen Cyr61 und dem αvβ3-Integrin-Rezeptor
hemmen, wodurch die Beteiligung von Endothelzellen im Angiogenese-Prozess
gehemmt wird. Es ist zu erwarten, dass solche Peptide zumindest
95 %, vorzugsweise 98 %, Ähnlichkeit
mit einer Subsequenz der Sequenz aufweisen, die von Aminosäure 93 bis
Aminosäure 211
der Seq.-ID Nr. 4 reicht, unter Einsatz des Vergleichsalgorithmus
von Altschul et al., der für
BLAST-Suchen in der GenBank-Nucleotid-Datenbank (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/)
mit den vorgegebenen Standardeinstellungen eingesetzt wird. Es ist
zu erwarten, dass Aktivität
aufweisende Peptide zumindest 7 Aminosäuren lang sind, wobei es keine
Obergrenze gibt, obwohl die meisten wirtschaftlichen Peptide wahrscheinlich
nicht mehr als 20 Aminosäuren
aufweisen.
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Dieses
Beispiel zeigt, dass Peptid-Modulatoren von ECM-Signalmolekülen, wie
z.B. Maus- und menschliches Cyr61, unter Einsatz der oben beschriebenen
In-vitro-Angiogenese-
und In-vitro-Zelladhäsionstests
identifiziert werden können.
Die Modulatoren selbst haben sich als vielversprechend für Therapeutika
für Erkrankungen
oder Leiden in Zusammenhang mit Angiogenese, Chondrogenese und Zelladhäsion sowie
für Onkogenese
und Zellmigration und Zellproliferation erwiesen, und jene, bei
denen es sich um Cyr61-Fragmente, die aus Seq.-ID Nr. 33 oder einer
Aminosäuresequenz
bestehen, die zu zumindest 95 % ähnlich
zu Seq.-ID Nr. 33 ist, oder um Antikörper handelt, die spezifisch
an ein solches Cyr61-Fragment binden, stellen einen weiteren Aspekt
der Erfindung dar.
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Fachleute
auf dem Gebiet der Erfindung können
anhand der in dieser Anmeldung gebrachten Informationen leicht noch
andere Peptide mit Cyr61-Modulationsaktivität identifizieren, indem Kadidatenpeptide
mit Sequenzähnlichkeit
zu einem ECM-Signalmolekül, wie z.B.
Cyr61, entworfen werden. Sequenzvariation wird geleitet durch Wissen
um konservative Aminosäuren-Substitution,
wie oben beschrieben, und die Peptidlänge kann zwischen etwa 8-50
Aminosäureresten
variieren. Außerdem
können
Peptid-Derivate (z.B. glykosyliert, PEGyliert, phosphoryliert) einegsetzt
werden, wie auf dem Gebiet der Erfindung bekannt ist.
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Bei
der Umsetzung der Erfindung können
Fachleute auf dem Gebiet der Erfindung zahlreiche Modifikationen
und Variationen vornehmen. Folglich dienen die Beispiele nicht zur
Einschränkung
des Schutzumfangs der Erfindung, der in den beiliegenden Ansprüchen dargelegt
ist.
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