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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren für die Herstellung von Glaskeramikmaterialien
im BaO-La2O3-SiO2-System, welche einen Wärmeausdehnungskoeffizienten
von über
10 × 10–6 °C–1 (20–1000 °C) und dilatometrische
Erweichungspunkte von über
1000 °C
besitzen. Diese Materialien können
vorteilhafterweise bei hohen Temperaturen in direkter Kombination
mit anderen Materialien mit einer großen Ausdehnung eingesetzt werden,
oder sie können
verwendet werden, um Bestandteile zu verbinden oder hermetisch abzudichten,
welche aus anderen Materialien mit einer ähnlich hohen Ausdehnung hergestellt
sind.
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Es
gibt eine Anzahl von wichtigen Technologien wie etwa Hochtemperatursensoren
(z.B. Sauerstoffsensoren), elektrochemische Reaktoren unter Verwendung
von gemischt leitenden ionischen/elektronischen Keramikmembranen
für die
Sauerstofferzeugung, die Synthesegasproduktion oder die GTL ("gas to liquid")-Umwandung, SOFC
("solid oxide fuel
cells"), usw., welche
auf der Wirkungsweise von funktionellen keramischen Materialien
bei erhöhten
Temperaturen, beispielsweise oberhalb von ~700 °C, beruhen. In allen diesen
Fällen
sind die funktionellen Materialien in Systeme integriert, in welchen
sie fest mit anderen Materialien verbunden sein müssen, wie
etwa diejenigen Materialien, welche für Funktionen der Abdichtung,
Verteiler oder als Träger
verwendet werden können.
In den meisten Fällen
ist es erforderlich, dass die verschiedenen Teile des Systems hermetisch
abgedichtet sind, und die Anordnung sollte über große Temperaturbereiche ohne Leistungsverlust
thermisch zyklisierbar sein. In Situationen wie diesen ist es extrem
wichtig, dass eine gute Übereinstimmung
im Wärmeausdehnungskoeffizienten
der unterschiedlichen Bestandteile des Systems vorliegt. Wenn dies
nicht der Fall ist, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass
ein Bestandteil oder mehrere Bestandteile während des thermischen Zyklus
brechen und dass die Effizienz der Einheit aufgrund der Ausströmung von
Gas von einem Teil des Systems zu einem anderen abnimmt.
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In
anderen Anwendungsgebieten kann ein Bedarf an hermetischen Abdichtungen
mit elektrischer Durchführung
bestehen, welche bei einer erhöhten
Temperatur betrieben werden können,
z.B. für
Stromführungen
in elektrisch betriebenen Sauerstofferzeugungsvorrichtungen, worin
stabilisiertes Zirkoniumdioxid als Elektrolyt verwendet wird, oder
in Hochtemperatursensoren. In diesen Fällen ist es notwendig, dass
die Dichtung und das umgebende Material Ausdehnungskoeffizienten
aufweist, welche ähnlich
sind wie oder etwas höher
sind als der des metallischen Durchführungsmaterials (in Abhängigkeit
davon, ob es eine passende oder zusammenpressende Durchführungsdichtung
ist). Für
einen Betrieb bei hoher Temperatur, beispielsweise oberhalb von
1000 °C,
insbesondere in Atmosphären,
welche oxidierende Spezies enthalten, ist es notwendig, einen Edelmetallleiter
wie etwa Platin oder eine Platinlegierung auszuwählen. In diesem Fall müssen die
Dichtung und die umgebenden Materialien Ausdehnungskoeffizienten
von mehr als 10 × 10–6 C–1 (20–1000 °C) aufweisen
und sie müssen
eine ausreichende Feuerbeständigkeit
aufweisen, so dass sie für
längere
Zeiträume bei
der gewünschten
Temperatur betrieben werden können.
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Glaskeramiken
mit großer
Ausdehnung sind allgemein bekannt, insbesondere in den Gebieten
von Durchführungsdichtungen
von Glaskeramik zu Metall und in oxidationsbeständigen Beschichtungen auf Legierungen
auf Nickelbasis.
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Im
Fall von hermetischen Durchführungsdichtungen
von Glaskeramik zu Metall sind die Dichtungsmaterialien, welche
normalerweise ausgewählt
werden, auf Basis von alkalihaltigen Systemen, wie etwa das von McMillan & Partridge beschriebene
Li2O-ZnO-SiO2-System
(US-Patent 3,170,805). In Systemen wie diesen verringert der hohe
Alkalimetalloxidgehalt die Feuerbeständigkeit der Glaskeramik, so
dass die maximale Betriebstemperatur der Durchführungsdichtung in großem Maße beschränkt ist.
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Es
gibt viele Beispiele für
Glaskeramiken mit einem hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten,
welche als oxidationsresistente Beschichtungen für Metalllegierungssubstrate
entwickelt worden sind. In einem dieser Beispiele (US-Patent 3,467,534)
beschreibt MacDowell einen beschichteten Metallgegenstand, worin
eine Reihe von Glaskeramiken auf Bariumsilikatbasis als Beschichtungsmaterialien
verwendet werden. In diesen liegt der BaO-Gehalt im Bereich von
20–70
Gew.%, und der SiO
2-Gehalt liegt zwischen
30 und 80 Gew.%. Die Hauptkristallphase in diesen Beschichtungsmaterialien
ist Bariumsilikat. In einem anderen Beispiel (US-Patent 5,250,360)
offenbaren Andrus & MacDowell
eine Reihe von Glaskeramikbeschichtungen entweder auf Basis des
BaO-SiO
2-Systems oder des SrO-SiO
2-Systems zum Schutz von Metalllegierungssubstraten.
Diese Beschichtungsmaterialien enthalten Zusätze, um die Fließeigenschaften
während
des Beschichtungsverfahrens zu verbessern. Diese Zusätze sind
ausgewählt
aus einem oder mehreren der folgenden Oxide Al
2O
3, ZrO
2, Y
2O
3, MnO, CoO, NiO,
FeO und MgO. In einem anderen Patent von Andrus & MacDowell (europäisches Patent 0 414 458 A1)
werden Glaskeramikbeschichtungen für den Oxidationsschutz von
Titanaluminidsubstraten offenbart. Sie basieren auf den Erdalkalisilikatsystemen
BaO-SiO
2, SrO-SiO
2 und
CaO-SiO
2 oder Gemischen davon. In den bevorzugten
Zusammensetzungen werden bis zu 35 Gew.% (MnO + FeO + MgO + ZrO
2 + Al
2O
3) Gesamtbeigabe
als nützlich
für die
Beschichtungsleistung identifiziert. In
US 3,467,534 wurde ein BaO-La
2O
3-SiO
2-Glaskeramikkörper durch
ein Masseverfahren hergestellt.
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Die
Hauptaufgabe der vorliegenden Erfindung war es, zu Glaskeramikmaterialien
zu gelangen, welche eine Kombination aus einem hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten
und einer hohen Temperaturstabilität aufweisen.
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Eine
andere Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, zu Glaskeramikmaterialien
zu gelangen, welche bei hohen Temperaturen in direkter Kombination
mit anderen Materialien mit einer großen Ausdehnung eingesetzt werden
können,
oder welche verwendet werden können,
um Bestandteile zu verbinden oder hermetisch abzudichten, welche
aus anderen Materialien mit einer ähnlich hohen Ausdehnung hergestellt
sind.
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Der
Erfinder hat gefunden, dass durch Bearbeiten von bestimmten Glasrohmaterialien
gemäß einem ausgewählten Weg
Glaskeramikmaterialien mit den oben beschriebenen Eigenschaften
erhalten werden können.
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Die
durch das erfindungsgemäße Verfahren
hergestellten Materialien sind Glaskeramiken des BaO-La2O3-SiO2-Systems, von
welchen der Erfinder gefunden hat, dass es die gewünschte Kombination
eines hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten
und einer hohen Temperaturstabilität aufweist.
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Die
vorliegende Erfindung umfasst somit im breitesten Umfang ein Verfahren
zur Herstellung von Glaskeramikmaterialien, welche eine hohe Erweichungstemperatur
(1000 °C
oder mehr) und einen Wärmeausdehnungskoeffizienten
von mehr als 10 × 10–6 °C–1 (über den
Bereich von 20–1000 °C gemessen)
gemäß Anspruch
1 aufweisen, worin die Materialien durch kontrollierte bzw. gesteuerte
Wärmebehandlung
der Vorläuferglaspulver
bei einer Temperatur von über
900 °C hergestellt
werden, wobei die Glaspulver auf Gewichtsprozentbasis 10 bis 55%
BaO, 3–50%
La2O3 und 25–48% SiO2 enthalten.
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Die
Glaskeramikmaterialien werden über
eine Pulverroute hergestellt, d.h. durch Sintern und nachfolgende
Kristallisation von Vorläuferglaspulvern
mit einer geeigneten Zusammensetzung. Innerhalb des gesamten Bereichs
der durch die vorliegende Erfindung umfassten Materialzusammensetzungen
gibt es eine signifikante Variation in der Kristallisationsrate,
so dass das am langsamsten kristallisierende Glas für eine Verwendung
als Dichtung oder Bindematerialien in Betracht gezogen werden kann,
wohingegen diejenigen Materialien, welche am schnellsten kristallisieren,
während
der Wärmebehandlung
ein wesentliches Ausmaß an
Festigkeit beibehalten und für
solch einen Zweck nicht in Betracht gezogen werden können. Unabhängig von
der Neigung des Materials, sich vor der Kristallisierung während der
Wärme behandlung
zu deformieren oder zu fließen,
wird die hergestellte Glaskeramik nach der Wärmebehandlung bei Temperaturen
unterhalb von 1000 °C
nicht erweichen oder sich deformieren. Sie besitzt zusätzlich einen
Wärmeausdehnungskoeffizienten
von mehr als 10 × 10–6 °C–1,
gemessen über
den Temperaturbereich von 20–1000 °C.
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Lanthanoxid,
welches sich als ein nützlicher
und wesentlicher Bestandteil in den erfindungsgemäßen Glaskeramikmaterialien
herausgestellt hat, wird in keiner der zuvor genannten Patentveröffentlichungen
für feuerbeständige Glaskeramiken
mit hoher Ausdehnung erwähnt,
welche eine oxidationsresistente Beschichtung entweder auf einer
Metalllegierung oder auf Titanaluminidsubstraten bereitstellen sollen.
Es gibt jedoch eine Anzahl von anorganischen Beschichtungen auf
Silikatbasis, welche in Patenten offenbart werden, worin Lanthanoxid
ein notwendiger Bestandteil ist. In den US-Patenten 4,746,578 und
4,839,313 (beide von Kondo et al.) werden beispielsweise Glasuren
beschrieben, welche unter anderem 55–75 mol% SiO2,
1–15 mol% Al2O3, 3–20 mol%
CaO, 1–13
mol% BaO und zwischen 0,5 und 5 mol% La2O3 enthalten. Diese sind als glasartige Beschichtungen
für Keramiksubstrate
entwickelt worden, d.h. dass sie nicht absichtlich entglast werden, und
dass sie entsprechend Erweichungspunkte aufweisen, welche wesentlich
niedriger sind als diejenigen der vorliegenden Erfindung. Außerdem besitzen
sie relativ geringe Wärmeausdehnungskoeffizienten
(unter 8 × 10–6 °C–1).
In einer früheren
Offenbarung (US-Patent 3,501,322) beschreiben Dumbaugh & Malmendier eine Reihe
von Glaszusammensetzungen in dem BaO-Al2O3-La2O3-SiO2-System zum Glasieren von Tonerdekeramiksubstraten,
worin die Glasurmaterialien zwischen 2,5 und 10 mol% Lanthanoxid
enthalten. Auch diese Glasuren besaßen relativ niedrige Wärmeausdehnungskoeffizienten
und waren nicht besonders feuerbeständig, da sie keiner entglasenden
thermischen Behandlung unterzogen wurden.
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Die
Einbeziehung von Lanthanoxid in feuerbeständige Glaskeramiken auf Aluminiumoxidsilikatbasis wird
von MacDowell & Frasier
in
DE 1496090 beschrieben.
In diesem Fall wird es als eines der vielen Oxide betrachtet, welche
verwendet werden können,
um die Tendenz der Glasschmelze, während der Abkühlung zu entglasen,
zu verringern. Obwohl die von MacDowell & Frasier in
DE 1496090 beschriebenen Glaskeramiken extrem
feuerbeständig
waren und bei Temperaturen von bis zu 1400 °C verwendet werden können, besaßen sie
eine relativ geringe Ausdehnung, da die während der Wärmebehandlung entwickelte vorherrschende
Kristallphase Mullit war. Diese Materialien können als solche nicht auf den
gleichen Anwendungsgebieten wie die Glaskeramiken der vorliegenden
Erfindung verwendet werden, da eine hohe Wärmeausdehnung ein wesentliches
Erfordernis ist.
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Das
Lanthanoxid, welches ein wesentlicher Bestandteil der erfindungsgemäßen Materialien
ist, dient zwei Funktionen. Bei kleinen Zugabemengen, z.B. 3–10 Gew.%,
verzögert
es den Kristallisationsprozess und verbessert deshalb die Sinter-
(und Fließ)-Eigenschaften
der Vorläuferglaspulver
während
der Wärmebehandlung.
Im Gegensatz zu anderen Kristallisationsinhibitoren, welche gewöhnlich in
Glaskeramiken auf Erdalkalisilikatbasis, wie etwa Al2O3, Y2O3 und
ZrO2, verwendet werden, führt es jedoch
nicht zu einer signifikanten Abnahme des Wärmeausdehnungskoeffizienten
des Materials nach der Wärmebehandlung
aufgrund der Entwicklung von kristallinen Phasen mit einer geringen
Wärmeausdehnung.
Ein häufiges
Problem bei der Zugabe von alternativen Kristallisationsverzögerern wie
etwa MnO, NiO, FeO und MgO zu Materialien auf Erdalkalisilikatbasis
ist das, dass eine signifikante Abnahme der Feuerbeständigkeit
auftritt. Auch dies wird größtenteils vermieden,
wenn kleine Zugaben von Lanthanoxid verwendet werden, um die Kristallisation
zu verlangsamen.
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Wenn
größere Mengen
von Lanthanoxid verwendet werden, d.h. mehr als 10 Gew.%, bildet
sich eine der kristallinen Hauptphasen in der Glaskeramik Lanthansilikat
La2Si2O7.
Dieses Lanthansilikat ist mit einem Schmelzpunkt im Bereich von
1750 °C
extrem feuerbeständig.
Als solches trägt
es zur Gesamt leistung dieser Glaskeramiken im Hinblick auf eine
ausgezeichnete Hochtemperaturstabilität bei.
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Die
nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Glaskeramiken sind im Wesentlichen frei (< 1 Gew.%) von Alkalimetalloxiden
und Boroxid, so dass die Feuerbeständigkeit der Glaskeramikmaterialien nicht
gefährdet
wird. Die Glaskeramiken können
nur beschränkte
Mengen (< 5 Gew.%)
Aluminiumoxid enthalten, da dieser letztere Bestandteil bekanntermaßen den
Wärmeausdehnungskoeffizienten
der Glaskeramik signifikant verringert.
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Die
erste Stufe bei der Herstellung der erfindungsgemäßen Materialien
ist das Schmelzen des Vorläuferglases.
Hierfür
werden geeignete Rohmaterialien wie etwa Metalloxide und Carbonate
sorgfältig
in den geeigneten Anteilen gemischt, um die Glasmasse zu bilden,
und diese wird bei einer Temperatur von zwischen 1400 °C und 1700 °C geschmolzen.
Wenn ein ausreichendes Ausmaß an
Homogenität
in der Glasschmelze erreicht worden ist, wird das Material abgekühlt, um
ein festes Glas zu bilden, welches weiter bearbeitet werden kann.
Das feste Glas wird dann mechanisch zerbrochen, um ein Pulver mit
einer geeigneten Partikelgrößenverteilung
zu bilden.
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Das
Glaspulver wird dann geformt, bevorzugt, aber nicht notwendigerweise
mit Hilfe von zugegebenen Bearbeitungshilfen, unter Verwendung von
allgemein etablierten Bearbeitungsmitteln für Keramikpulver wie etwa Schlickergießen, isostatischem
Pressen usw. In dem Fall, bei welchem das Material direkt als Dichtung oder
Bindematerial verwendet werden soll, wird es auf die zu verbindende
Oberfläche
bzw. Oberflächen
aufgetragen, oder alternativ direkt in die Verbindungslücke platziert.
Der Pulverpresskörper
wird dann einer Wärmebehandlung
mit einer oder mehreren Stufen unterzogen, so dass er im Verlauf
der gesamten Wärmebehandlung
einer Temperatur von mindestens 900 °C, oder bevorzugt höher, ausgesetzt
wird, wobei er in ein im Wesentlichen kristallines Material umgewandelt
wird mit einer Kombination eines hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten
und einer ausgezeichneten Feuerfestigkeit. Die Erwärmungsrate,
welche während
des Verlaufs der Wärmebehandlung verwendet
wird, sollte mit der Größe und Komplexität der Bestandteil
oder den Anordnungen der Bestandteile, welche wärmebehandelt werden, kompatibel
sein. Wenn beispielsweise große
oder dickwandige Grünkörper wärmebehandelt
werden, oder wenn große
Bestandteile abgedichtet oder miteinander verbunden werden, insbesondere
Bestandteile, welche aus Keramikmaterialien mit einer großen Ausdehnung
hergestellt sind, dann sollte die während der thermischen Bearbeitung
verwendete maximale Erwärmungsrate
kontrolliert bzw. gesteuert werden, um jegliche Wahrscheinlichkeit
eines Bruchs aufgrund übermäßiger Temperaturgradienten
zu vermeiden.
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Die
Erfindung wird weiterhin dem folgenden Beispiel und den Figuren
erklärt
und erläutert.
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1 zeigt
die große Übereinstimmung
der Ausdehnung zwischen einem Glaskeramikträger, einem Glaskeramikdichtungsstoff
und einer Lanthannickelatkeramik.
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2 zeigt
ein rückwärts gestreutes
Elektronenbild eines polierten Abschnitts einer rissfreien Verbindung,
welche zwischen einem Glaskeramikträger (unten) und Lanthannickelat
(oben) unter Verwendung eines Glaskeramik-Dichtungsmittels hergestellt
wurde. Das Trägermaterial
ist die Glaskeramik Nr. 2 und das Dichtungsmittel ist die Glaskeramik
Nr. 13 (wie in Tabelle 1 definiert).
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Beispiel
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Als
Veranschaulichung ist in Tabelle 1 unten eine Anzahl von unterschiedlichen
Glaskeramikzusammensetzungen angegeben. In Tabelle 1 sind die Deformationseigenschaften
der unterschiedlichen Materialien angegeben, um einen Hinweis darauf
zu geben, ob die Glaskeramiken für
eine Verwendung als Dichtung oder Bindematerialien geeignet sind.
Das Fließverhalten
ist charakterisiert worden durch Messen der gesamten linearen Deformation
(axial) während
der Erwärmung
eines zylindrischen kompakten Pulverpresskörpers mit einer Rate von 12 °C/min unter
einem sehr geringen axialen Druck (0,1 kPa). Die Erfahrung hat gezeigt,
dass Materialien, welche in diesem bestimmten Test axiale Deformationen
von weniger als ~ 40% aufweisen, für eine Verwendung in Anwendungen
zum Binden oder als Dichtungsmittel nicht geeignet sind. Diejenigen
Materialien, welche axiale Deformationen von mehr als 60% aufweisen,
können
jedoch leicht in einem breiten Bereich von thermischen Bearbeitungsbedingungen
als Bindungen oder Dichtungsmittel verwendet werden. Diejenigen
Materialien, welche axiale Deformationen im Bereich von 40–60% aufweisen,
können
zum Binden oder als Dichtungsmittel verwendet werden, jedoch in
einem beschränkteren
Bereich der Wärmebehandlungsbedingungen.
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Die
Wärmeausdehnungskoeffizienten
der Glaskeramiken wurden an 40–50
mm langen Proben gemessen, welche bei einer Temperatur im Bereich
von 1100–1200 °C wärmebehandelt
worden waren. Die Expansionseigenschaften wurden während einer
Erwärmung
mit einer Rate von 6 °C/min
auf eine Temperatur von mehr als 1100 °C bestimmt.
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Als
ein Beispiel dafür,
wie diese Materialien in einem bestimmten Anwendungsgebiet verwendet
werden können,
wurde ein Material mit guten Fließeigenschaften verwendet, um
eine Lanthannickelatscheibe La2NiO4 mit 10 mm Durchmesser, 2 mm Dicke (CTE20–1000°C ≈ 14 × 10–6 °C–1)
auf einen 5 mm dicken Träger
aus einem anderen Glaskeramikmaterial abzudichten. Lanthannickelat
wurde verwendet, da diese gemischtleitende ionische/elektronische
Keramik als ein sauerstoffselektives Membranmaterial in elektrochemischen
Hochtemperaturreaktoren von Interesse ist. Die Glaskeramiken, welche
als Dichtung und Trägermaterialien
verwendet wurden (Nr. 13 bzw. 2, Tabelle 1) wurden aufgrund ihrer
ausgezeichneten Übereinstimmung
der Ausdehnung mit Lanthannickelat ausgewählt (1).
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Der
Glaskeramikträger
wurde hergestellt durch Pressen einer Scheibe mit 13 mm Durchmesser
des Glaspulvers Nr. 2, welches 1 Gew.% Polyacrylbindemittel (Acryloid
B-72, Rohm & Haas,
Philadelphia) enthielt, in einer einachsigen Düse mit 30 mPa. Der gepresste
Körper
wurde dann langsam in Luft auf 450 °C erhitzt, um das organische
Bindemittel zu entfernen, und wurde nachfolgend mit 6 °C/min auf
eine Temperatur von 1250 °C
erhitzt, um das Sintern/die Kristallisation zu bewirken. Nachdem
die Probe für
2 h bei 1250 °C
gehalten wurde, wurde sie mit 6 °C/min
auf 700 °C
abgekühlt
und dann in einem Ofen auf Raumtemperatur abgekühlt. Eine der flachen Oberflächen der
Scheibe wurde zur Vorbereitung der Bindung mit dem Lanthannickelat
geschliffen.
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Es
wurde eine freifließende
Paste hergestellt durch Mischen des Glaspulvers Nr. 13 mit einem
anorganischen flüssigen
Träger
(Pentylacetat), enthaltend 2 Gew.% Polyacrylbindemittel (Acryloid
B-72). Eine dünne
Schicht dieser Glaspulverpaste wurde auf die Flächen des Glaskeramikträgers und
der Lanthannickelatscheibe, welche verbunden werden sollten, aufgetragen
und getrocknet. Die zwei Hälften
der Verbindung wurden dann zusammengefügt und in einen Wärmebehandlungsofen übertragen.
Eine geringe Last von ungefähr 200
g wurde auf der zusammengefügten
Verbindung platziert, um die Entwicklung einer guten Bindung während der
Wärmebehandlung
zu erleichtern. Die Anordnung wurde dann mit 2 °C/min auf 450 °C in Luft
erhitzt, um das Acrylbindemittel auszubrennen, und wurde dann mit
5 °C/min
auf 1100 °C
erhitzt, ebenso in Luft, um die Ausbildung der Bindung zu ermöglichen.
Die Proben wurden für
1 h bei 1100 °C
gehalten, ehe mit 5 °C/min auf
Raumtemperatur abgekühlt
wurde. Die Bindung wurde durchgeschnitten, poliert und in einem
Rasterelektronenmikroskop (SEM) untersucht, um die Qualität der Verbindung
zu beurteilen. Ein Querschnitt der Verbindung, 2,
zeigt, dass zwischen den unterschiedlichen Materialien eine ausgezeichnete
Bindung erreicht worden ist, und die Abwesenheit von Rissen demonstriert
die gute Übereinstimmung
der Ausdehnungseigenschaften zwischen den zwei Glaskeramiken und
dem Lanthannickelat.
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Obwohl
das oben angegebene Beispiel auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet
beschränkt
wurde, ist dies natürlich
nicht das einzige Gebiet, auf welchem diese Materialien angewendet
werden können.
Mit einer Kombination eines hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten
und einer ausgezeichneten Hochtemperaturstabilität gibt es viele andere mögliche Anwendungsgebiete,
in welchen diese Glaskeramiken vorteilhafterweise verwendet werden
können,
wie etwa als Strukturbestandteile oder Gasverteiler in elektrochemischen
Hochtemperaturreaktoren oder als Isolier-/Dichtungsbestandteile
in Systemen, welche hermetische elektrische Durchführungsdichtungen
erfordern, welche bei erhöhten
Temperaturen betrieben werden können.