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Die
vorliegende Erfindung bezieht sich auf pharmazeutische Zusammensetzungen,
die Lipaseinhibitoren umfassen.
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Beispiele
solcher Lipaseinhibitoren sind Lipstatin und Orlistat. Letzteres
ist ebenso bekannt als Tetrahydrolipstatin oder THL und ist aus
einem natürlichen
Produkt abgeleitet, das von Streptomyces toxytricini ausgeschieden
wird. Es wurde festgestellt, daß diese
Klasse von Verbindungen in-vitro- sowie in-vivo-Aktivität gegen
verschiedene Lipasen, wie Zungenlipasen, Pankreaslipasen, Magenlipasen
und Carboxylesterlipasen, zeigte. Ihre Verwendung zur Bekämpfung oder
Prophylaxe von Fettleibigkeit und Hyperlipidämie wird beispielsweise in
US Patent Nr. 4,598,089 beschrieben.
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Orlistat
wird derzeit bei Dosierungen von 120 mg pro Mahlzeit verabreicht,
und die Dosierung ist abhängig
von der Körpermasse
des menschlichen Patienten. Orlistat agiert lokal im Magen-Darm-Trakt
(GI) und verhindert, daß Lipase
Triglyceride digeriert und inhibiert anschließend die Bildung von absorbierbaren
Lipidabbauprodukten. Aus diesem Grund ist die systemische Verfügbarkeit
der Lipaseinhibitoren nicht erforderlich, und statt dessen ist die
lokale Verweilzeit im Magen-Darm-Trakt bevorzugt.
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Lipaseinhibitorzusammensetzungen,
die derzeit verabreicht werden, inhibieren rund 30% der Fettabsorption
nach dem Verzehr einer gemischten Mahlzeit; eine Erhöhung der
Lipaseinhibitorenkonzentration in der pharmazeutischen Zusammensetzung
erhöht
ihre klinische Wirksamkeit nicht, während sich die Intensität von lokalen
Nebenwirkungen erhöht.
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Analaustritt
von Öl
(ölige
Schmierblutung) ist eine nachteilige Wirkung, die gelegentlich bei
Patienten beobachtet wird, die mit Lipaseinhibitoren behandelt werden.
Dieses Phänomen
reflektiert die physikalische Trennung von etwas flüssigem,
nicht-absorbiertem Nahrungsfett aus der Masse an Feststoffen in
dem unteren Dickdarm.
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Das
Grundproblem der vorliegenden Erfindung ist daher, Lipaseinhibitorzusammensetzungen
bereitzustellen, die die klinische Wirksamkeit und/oder Wirkungsstärke des
Inhibitors selbst verbessern und/oder die obengenannten Nachteile
minimieren oder unterdrücken
können.
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Das
Problem wird gemäß der vorliegenden
Erfindung durch eine pharmazeutische Zusammensetzung gelöst, die
mindestens einen Lipaseinhibitor, mindestens ein oberflächenaktives
Mittel, ausgewählt
aus der Gruppe, bestehend aus Vitamin-E-(Polyethylenglykol-1000)succinat
(TPGS), Polyoxyethylenstearaten, Polyoxyethylenalkylethern, Polyoxyethylenrizinusölen, polyglykolysierten
Glyceriden und Lezithinen und Gemischen davon, und mindestens ein
Dispergiermittel umfaßt.
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„Dispergiermittel" oder „Dispersionsmittel" sind Materialien,
die die anfängliche
Auflösung
der Zusammensetzung erleichtern und außerdem die feine Verteilung
in der Umgebung beschleunigen.
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Ein „oberflächenaktives
Mittel" (grenzflächenaktives
Mittel) ist eine Substanz, wie ein Reinigungsmittel, das, wenn es
zu einer Flüssigkeit
zugegeben wird, die Oberflächenspannung
zwischen einer lipophilen und einer hydrophilen Phase verringert.
Das oberflächenaktive
Molekül
muß teilweise
hydrophil (wasserlöslich) und
teilweise lipophil (löslich
in Lipiden oder Ölen)
sein. Es konzentriert sich an den Grenzflächen zwischen Wasser und Öl oder Lipiden,
wodurch es als ein Emulgator oder Schaumbildner fungiert. Bevorzugte
oberflächenaktive
Mittel sind anionische, nicht-ionische und zwitterionische oberflächenaktive
Mittel.
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Der
Ausdruck „Lipaseinhibitor" oder „Inhibitor
von Lipasen" bezieht
sich auf Verbindungen, die die Wirkung von Lipasen, beispielsweise
Magen- und Pankreaslipasen, inhibieren können. Beispielsweise sind Orlistat
und Lipstatin, wie in US-Patent Nr. 4,598,089 beschrieben, wirksame
Inhibitoren von Lipasen. Lipstatin ist ein natürliches Produkt von mikrobiellem
Ursprung, und Orlistat ist das Ergebnis einer Hydrierung von Lipstatin.
Andere Lipaseinhibitoren umfassen eine Klasse von Verbindungen,
die üblicherweise
als Panclicine bezeichnet werden, Analoga von Orlistat. Der Ausdruck „Lipaseinhibitor" bezieht sich ebenso
auf polymergebundene Lipaseinhibitoren, die beispielsweise in der
internationalen Patentanmeldung WO 99/34786 (Geltex Pharmaceuticals
Inc.) beschrieben sind. Diese Polymere sind dadurch gekennzeichnet,
daß sie
mit einer oder mehreren Gruppen, die Lipasen inhibieren, substituiert worden
sind. Der Ausdruck „Lipaseinhibitor" umfaßt ebenso
pharmazeutisch akzeptable Salze von diesen Verbindungen. Der Ausdruck „Lipaseinhibitor" bezieht sich bevorzugt
auf Orlistat.
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Orlistat
ist eine bekannte Verbindung, die zur Bekämpfung oder Prophylaxe von
Fettleibigkeit und Hyperlipidämie
nützlich
ist. Siehe US-Patent Nr. 4,598,089, erteilt am 1. Juli 1986, welches
ebenso Verfahren zur Herstellung von Orlistat offenbart, und US-Patent
Nr. 6,004,996, welches entsprechende pharmazeutische Zusammensetzungen
offenbart.
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WO
98/34607 und WO 98/34630 offenbaren pharmazeutische Zusammensetzungen,
die Orlistat umfassen. Außerdem
werden geeignete pharmazeutische Zusammensetzungen beispielsweise
in den internationalen Patentanmeldungen WO 00/09122 und WO 00/09123
beschrieben. Jedoch besteht noch die Notwendigkeit nach verbesserten
pharmazeutischen Zusammensetzungen, die verringerte Nebenwirkungen
aufweisen, die üblicherweise
mit der Verabreichung von Lipaseinhibitoren in Verbindung stehen.
Weitere Verfahren zur Herstellung von Orlistat werden in den europäischen Patentanmeldungen
Veröffentlichungs-Nr.
185,359; 189,577; 443,449 und 524,495 beschrieben.
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Orlistat
wird bevorzugt oral von 60 bis 720 mg pro Tag in geteilten Dosierungen
zwei- bis dreimal pro Tag verabreicht. Bevorzugt ist hierin von
180 bis 360 mg, am stärksten
bevorzugt werden 360 mg pro Tag eines Lipaseinhibitors einem Patienten
verabreicht, bevorzugt in geteilten Dosierungen zwei- oder insbesondere dreimal
pro Tag. Der Patient ist bevorzugt ein fettleibiger oder übergewichtiger
Mensch, d. h. ein Mensch mit einem Body-Mass-Index von 25 oder mehr.
Im allgemeinen ist es bevorzugt, daß der Lipaseinhibitor während der
Mahlzeit, die Fett enthält,
verabreicht wird. Im allgemeinen ist es für die Verabreichung eines Lipaseinhibitors,
wie oben definiert, bevorzugt, daß die Behandlung bei einem
Menschen angewandt wird, der eine starke Familiengeschichte in bezug
auf Fettleibigkeit aufweist, und einen Body-Mass-Index von 25 oder
mehr hat.
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Es
ist überraschenderweise
herausgefunden worden, daß das
Verabreichen eines Lipaseinhibitors in einer Zusammensetzung, enthaltend
mindestens ein oberflächenaktives
Mittel und mindestens ein Dispergiermittel, die Wirksamkeit und/oder
Wirkungsstärke
des Lipaseinhibitors selbst deutlich verbessert. Außerdem wird
die intersubjektive Variabilität
in bezug auf Wirksamkeit und/oder Wirkungsstärke verringert sowie die Häufigkeit
und Intensität
von Nebenwirkungen.
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Es
ist herausgefunden worden, daß die
erfindungsgemäßen pharmazeutischen
Zusammensetzungen sehr günstige
Wirkungen zeigen, wenn sie oral währen der Nahrungsaufnahme bei
Menschen angewandt werden. Überraschenderweise
wurde eine erhöhte
Wirksamkeit und/oder Wirkungsstärke
im Vergleich zu den bereits bekannten Zusammensetzungen beobachtet.
Außerdem
induzieren die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
weniger unschöne
Nebenwirkungen in dem Einzelmahlzeittest (siehe Beispiel 1) als
die bereits bekannten Zusammensetzungen, trotz der größeren Menge
an Fett, die nicht-absorbiert bleibt. Während der Einzelmahlzeitstudien
mit menschlichen Patienten wurde beobachtet, daß der Stuhl, der nach der Einnahme
der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
erhalten wurde, weniger Trennung von Öl aus der Hauptstuhlmasse im
Vergleich zu konventionellen Zusammensetzungen zeigt. Dies war unerwartet,
da gleiche oder höhere Mengen
an Fett in dem gesammelten Stuhl vorlagen.
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Gemäß der vorliegenden
Erfindung liegt der Lipaseinhibitor, bevorzugt ein Inhibitor von
Magendarm- und Pankreaslipasen, stärker bevorzugt Orlistat, in
einer Menge zwischen 1 und 50%, bevorzugt 5 und 30% des Gesamtgewichts
der Zusammensetzung vor.
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Die
Gegenwart von mindestens einem oberflächenaktiven Mittel ist für den Erhalt
einer optimalen Teilchenverteilung in dem Magen wesentlich. In einer
bevorzugten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wird das oberflächenaktive Mittel aus der Gruppe
ausgewählt,
bestehend aus anionischen oberflächenaktiven Mitteln,
nicht-ionischen oberflächenaktiven
Mitteln, zwitterionischen oberflächenaktiven
Mitteln und Gemischen davon. Stärker
bevorzugt sind oberflächenaktive
Mittel, ausgewählt
aus der Gruppe, bestehend aus Vitamin-E-Polyethylenglykol-1000-succinat (TPGS),
Poly(oxyethylen)sorbitanfettsäureestern,
Poly(oxyethylen)stearaten, Poly(oxyethylen)alkylethern, polyglykolysierten
Glyceriden, Poly(oxyethylen)rizinusölen, Sorbitanfettsäureestern,
Poloxameren, Fettsäuresalzen,
Gallensalzen, Alkylsulfaten, Lezithinen, gemischten Mizellen von
Gallensalzen und Lezithinen, Zuckerestern und Gemischen davon.
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„Poly(oxyethylen)sorbitanfettsäureester" sind kommerziell
erhältlich
und beziehen sich auf mono-, di- oder tri-Ester von Sorbitan mit
Fettsäuren
(C8 bis C18), beispielsweise POE(20)-Sorbitanmonolaurat (Polysorbate 20),
POE(20)-Sorbitanmonopalmitat (Polysorbate 40), POE(20)-Sorbitanmonostearat
(Polysorbate 60), POE(20)-Sorbitantristearat (Polysorbate 65), POE(6)-Sorbitanmonostearat
(PEG-6 Sorbitanstearat), POE(20)-Sorbitanmonooleat (Polysorbate
80), POE(20)-Sorbitantrioleat (Polysorbate 85), POE(6)-Sorbitanmonooleat
(PEG-6 Sorbitanoleat) und POE(20)-Sorbitanmonoisostearat (PEG-20
Sorbitanisostearat).
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Der
Ausdruck „Polyoxyethylenstearate" bezieht sich auf
Polyoxyethylenglykolester mit Stearinsäure, beispielsweise PEG 22-Stearat,
PEG 32-Stearat und PEG 40-Stearat. Diese Verbindungen sind in der
Technik bekannt und kommerziell erhältlich, beispielsweise die
Myrj-Klasse.
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Der
Ausdruck „Poly(oxyethylen)alkylether" bezieht sich auf
Ether, bestehend aus Polyoxyethylen- und Alkylgruppen, beispielsweise
POE(7)-C12-14-Alkylether, POE(9)-C12-14-Alkylether, POE(3)-C12-14-Alkylether
und POE(9)-C12-14-Alkylether, beispielsweise die Brij-Klasse.
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„Polyglykolysierte
Glyceride" sind
oberflächenaktive
Mittel, hergestellt durch a) eine Verseifung von Ölen und
b) einer Umesterung der Fettsäuren
mit Polyethylenglykol (PEG), beispielsweise die Gelucire-Klasse;
oder Gemische aus Glyceriden mit Poly(oxyethylen)fettsäureestern.
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Der
Ausdruck „Poly(oxyethylen)rizinusöle" bezieht sich auf
Rizinusöl,
das mit Polyethylenglykol umgesetzt worden ist, beispielsweise Polyoxyl
35 Rizinusöl
(Cremophor EL), PEG-30 Rizinusöl,
PEG-40 Rizinusöl, PEG-25
hydriertes Rizinusöl
und PEG-40 hydriertes Rizinusöl
(Cremophor RH).
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Der
Ausdruck „Fettsäuresalze" bezieht sich auf
pharmazeutisch akzeptable Salze von C12- bis C18-Fettsäuren, bevorzugt natürliche Fettsäuren, z.
B. Na-Oleat.
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Der
Ausdruck „Alkylsulfate" bezieht sich auf
C12- bis C18-Alkylsulfate, z. B. Natriumdodecylsulfat.
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Der
Ausdruck „Sorbitanfettsäureester" bezieht sich auf
Ester von C12- bis C18-Fettsäuren,
bevorzugt natürliche
Fettsäuren,
wie Sorbitanlaurat, Sorbitanoleat, Sorbitanpalmitat, Sorbitanstearat,
Sorbitantristearat, Sorbitantrioleat usw.
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Der
Ausdruck „Lezithin" bezieht sich auf
natürliches
oder synthetisches Lezithin. Ein Lezithin hat folgende Struktur:
worin R
1-COOH
und R
2-COOH Fettsäuren sind, R
1-COOH
und R
2-COOH wie oben definiert sind (siehe
Definition für
Fettsäuresalze).
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Lezithine
können
aus der Gruppe ausgewählt
werden, bestehend aus natürlichem
Lezithin, synthetischem Lezithin, Sojalezithin, Eilezithin, synthetischem
Dipalmitinlezithin, teilweise oder vollständig hydriertem Lezithin und
Gemischen davon.
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Der
Ausdruck „Gallensalze" bezieht sich auf
pharmazeutisch akzeptable Salze, z. B. Natriumsalze, von Gallensäuren, z.
B. Cholat, sowie konjugierte Gallensäuren, z. B. Na-Glykocholat.
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Der
Ausdruck „Zuckerester" bezieht sich auf
Ester von Zuckern mit Fettsäuren,
z. B. C12-C18-Fettsäuren,
z. B. Fettsäuren
von Saccharose wie Saccharosestearat oder Saccharosepalmitat.
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Der
Ausdruck „Poloxamer" bezieht sich auf
ein Block-Polymer von Poly(ethylenglykolen) und Poly(propylenglykolen),
z. B. der allgemeinen Formel
worin a 2 bis 130 ist, b
15 bis 67 ist.
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Die
obigen Verbindungen sind in der Technik bekannt und kommerziell
erhältlich.
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Der
Ausdruck „pharmazeutisch
akzeptabel", wie
hierin verwendet, bedeutet, daß die
Trägerstoffe
aus Toxizitätssicht
akzeptabel sind.
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Bevorzugte
oberflächenaktive
Mittel können
aus der Gruppe ausgewählt
sein, bestehend aus Vitamin-E-Poly(ethylenglykol)-1000-succinat,
z. B. TPGS, Eastman Chemicals; Poly(ethoxylierem) Rizinusöl, z. B. Cremophor
El, BASF; und Polyethylenglykol-40-stearat, Myrj 52, Serva; Crodet
S40, Croda.
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Die
oberflächenaktiven
Mittel liegen normalerweise in einer Menge von mindestens 0,1% des
Gesamtgewichts der Zusammensetzung, bevorzugt in einer Menge von
0,1 bis 90%, stärker
bevorzugt in einer Menge von 1 bis 20% vor.
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Die
Gegenwart von mindestens einem Dispergiermittel ist für die Beschleunigung
der anfänglichen Dispersion
der Materialien in dem physiologischen Milieu wichtig, wo der Lipaseinhibitor
agieren muß.
Dispergiermittel können
aus Wasser und lipidlöslichen
Verbindungen ausgewählt
werden. Sie liegen normalerweise in einer Menge von mindestens 5%
des Gesamtgewichts der Zusammensetzung, bevorzugt in Mengen zwischen
5 und 70% des Gesamtgewichts der Zusammensetzung vor.
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Eine
Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung bezieht sich auf wasserlösliche Dispergiermittel. Geeignete
wasserlösliche
Dispergiermittel können
in der Gruppe gefunden werden, bestehend aus Zucker, Zuckeralkoholen,
Alkoholen, Brausemitteln, Lösungsvermittlern
und Gemischen davon. Stärker
bevorzugt können
Dispergiermittel aus der Gruppe ausgewählt werden, bestehend aus Glucose,
Sorbitol, Mannitol, Maltodextrin, Laktose, Saccharose, Polyethylenglykol,
Glycerol, Triacetin, Glycofurol, Brausemitteln, z. B. NaHCO3/Säuregemische,
z. B. NaHCO3/Zitronensäure, und Gemischen davon. Stärker bevorzugte
wasserlösliche
Dispergiermittel sind Sorbitol, Mannitol, Maltodextrin, Laktose,
Saccharose, Polyethylenglykol, z. B. Polyethylenglykol 100–10000,
stärker
bevorzugt Polyethylenglykol 400–6000,
z. B. Polyethylenglykol 400, Glycerol, Triacetin, Glycofurol und
Gemische davon. Gammaszintigraphiestudien zeigten, daß Brausemittelgemische
(NaHCO3/Zitronen säure) Wirkungen in bezug auf
die Dispersion des Inhalts von Hydroxypropylmethylcellulosekapseln
(HPMC) im Magen hervorbrachten.
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Einige
der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen,
die lösliche
Lipidverbindungen als Dispergiermittel umfassen, sind als Self-Emulsifying Drug Delivery Systems (SEDDS) bekannt. SEDDS weisen das
besondere Merkmal der Emulgierung von öligen Komponenten unter Bedingungen
vorsichtigen Rührens
auf und führen
zu Mikro- oder Submikronemulsionen. Eine Beschreibung der Zusammensetzungen
von SEDDS kann beispielsweise in C. W. Pouton, Advanced Drug Delivery
Reviews, 25, (1997), 47–58
gefunden werden. Es ist beobachtet worden, daß nach der Dispersion in wässeriger
Umgebung sich SEDDS in eine klare mizellare Phase und in eine Lipidtröpfchenphase
trennen kann, wobei in Gegenwart des Lipaseinhibitors der Inhibitor
in beiden Phasen vorliegt.
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Folglich
ist ein anderer Aspekt der vorliegenden Erfindung pharmazeutische
Zusammensetzungen, wie oben beschrieben, die mindestens ein Dispergiermittel,
das eine lösliche
Lipidverbindung ist und die bei Körpertemperatur flüssig ist,
umfassen.
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Gemäß der vorliegenden
Erfindung wird das lipidlösliche
Dispergiermittel bevorzugt in Mengen zwischen 20 und 90% des Gesamtgewichts
der Zusammensetzungen verabreicht und muß bei Körpertemperatur flüssig sein
(d. h. > 37°C). Die Dispergiermittel
können
aus der Gruppe ausgewählt
werden, bestehend aus Triglyceriden, Diglyceriden, Monoglyceriden,
Gemischen aus Di-/Mono-/Triglyceriden, Vitamin E, Tocopherolacetat,
Terpenen, Squalen und Gemischen davon, stärker bevorzugt wird die lipidlösliche Verbindung
aus der Gruppe ausgewählt,
bestehend aus Triglyceriden, Diglyceriden, Monoglyceriden, Gemischen
von Di-/Mono-/Triglyceriden,
Vitamin E, Tocopherolacetat und Gemischen davon. Bevorzugte Beispiele
sind mittelkettige Triglyceride oder Gemische aus mittelkettigen
Triglyceriden, z. B. fraktioniertes Kokosnußöl (Mittelkettige Triglyceride,
MCT, z. B. Miglyol 812, Hüls
AG, Neobee M-5, Stepan, Captex 355, Abitec). Bevorzugt können die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
außerdem
ein zusätzliches
oberflächenaktives
Mittel umfassen (oberflächenaktives
Hilfsmittel).
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Der
Ausdruck „Glycerid" bezieht sich auf
einen Ester von Glycerol mit Fettsäuren mit 12 bis 7 (kurz; kurzkettige
Glyceride), 8 bis 12 (mittel; mittelkettige Glyceride) und > 12 (lang; langkettige
Glyceride) Kohlenstoffatomen. Beispiele sind Glyceryltrilaurat,
Glyceryltristearat, usw. Beispiele für Diglyceride sind Glyceryldilaurat,
Glyceryldistearat, usw. Beispiele für Monoglyceride sind Glycerylmonolaurat
und Glycerylmonostearat. Diese Erfindung umfaßt ebenso die entsprechenden
Gemische aus Mono-, Di- und Triglyceriden.
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Die
erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
können
unter Verwendung konventioneller Dosierungsformen, wie Hydroxypropylmethylcellulosekapseln
(HPMC), weichen Gelatinekapseln, harten Gelatinekapseln, Stärkekapseln,
Tabletten, kaubaren Tabletten und Kapseln, Sirups usw. verabreicht
werden.
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Die
Erfindung ist mit jedem Inhibitor von Lipasen nützlich, aber ist für Inhibitoren
der Magen- und Pankreaslipase und insbesondere für die aktive Verbindung Orlistat
besonders nützlich.
Eine bevorzugte Zusammensetzung der vorliegenden Erfindung umfaßt
- a) 1 bis 50% Lipaseinhibitor, bezogen auf das
Gesamtgewicht der Zusammensetzung,
- b) 5 bis 70% von mindestens einem Dispergiermittel, bezogen
auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung,
- c) 0,1% bis 90% von mindestens einem oberflächenaktiven Mittel, bezogen
auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, und gegebenenfalls
- d) einen oder mehrere pharmazeutisch akzeptable Trägerstoff(e).
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Stärker bevorzugt
liegt der Lipaseinhibitor, z. B. Orlistat, in einer Menge von 3
bis 30% und das oberflächenaktive
Mittel in einer Menge von 1 bis 20% vor. Die vorliegende Erfindung
bezieht sich ebenso auf ein Verfahren zur Herstellung pharmazeutischer
Zusammensetzungen, wie oben beschrieben, wobei das Verfahren das
Mischen mindestens eines Inhibitors von Lipasen mit mindestens einem
oberflächenaktiven
Mittel und mindestens einem Dispergiermittel umfaßt.
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Ein
weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung stellt ein Verfahren
zum Bekämpfen
oder Vorbeugen von Fettleibigkeit bereit, umfassend den Schritt
des Verabreichens einer pharmazeutischen Zusammensetzung, wie oben
beschrieben, an einen Patienten.
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Die
Erfindung bezieht sich ebenso auf die Verwendung einer Zusammensetzung,
wie oben definiert, zur Herstellung eines Medikaments für die Prophylaxe
und Behandlung von Fettleibigkeit.
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Die
Erfindung wird nun durch die folgenden Beispiele ausführlich dargestellt.
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Die
Wirksamkeiten der Fettausscheidung von Orlistatzusammensetzungen
gemäß den Beispielen
1 bis 7 und von Xenical® als eine Referenz werden
in Tabelle 1 dargestellt.
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BEISPIELE
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Beispiel 1
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150
mg MCT (Mittelkettige Triglyceride, fraktioniertes Kokosnußöl, Miglyol
812, Hüls
AG; Neobee M-5, Stepan; Captex 355, Abitec) und 120 mg Vitamin-E-Polyethylenglykol-1000-succinat (TPGS, Eastman
Chemicals) wurden in einem Glasbehälter abgewogen und durch Erhitzen/Rühren bei
45°C gemischt.
30 mg Orlistat wurden dann in der so erhaltenen farblosen Flüssigkeit
gelöst
und bis zur Homogenität
gerührt.
200 mg von fein zermahlenen Brausemittel-Vitamin-C-Tabletten wurden
unter Rühren
und beim Abkühlen
auf Raumtemperatur (25°C)
zugegeben, wobei sich das Gemisch verfestigte. Die so erhaltene
Zusammensetzung wurde in Hydroxypropylmethylcellulosekapseln gefüllt.
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Die
Kapseln, die 60 mg Orlistat in der obigen Zusammensetzung enthielten,
wurden menschlichen freiwilligen Versuchspersonen währen eines
Einzelmahlzeittests verabreicht. Die menschlichen Versuchspersonen
verzehrten eine Mahlzeit, die aus 130 g Hamburgerfleisch, 10 g Butter
und 100 g Pommes frites (fritiert in Erdnußöl) bestand und insgesamt 35
g Fett enthielt. Der Stuhl von Tag 1 (ein Tag vor dem Essen der
Einzelmahlzeit) bis Tag 5 nach der Testmahlzeit wurde gesammelt.
Der erste und der letzte Stuhl wurden verwendet, um die Hintergrundfettausscheidung
zu bewerten. Der Stuhl wurden gefroren gelagert und hinsichtlich
des gesamten Lipids extrahiert, gemäß Bligh und Dyer (Bligh, E.
G., und Dyer, W. J., Can. J. Biochem. Physiol., 37, (1959), 911).
Die Hintergrundausscheidung von Lipiden wurde subtrahiert, um die
Menge an Fett zu erhalten, die aufgrund der Orlistatbehandlung ausgeschieden
wurde. Das ausgeschiedene Fett wurde durch Gravimetrie quantitativ
bestimmt und als Prozentsatz des Fettgehalts der Testmahlzeit ausgedrückt.
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Beispiel 2
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Eine
Zusammensetzung, bestehend aus 180 mg Cremophor EL (polyethoxyliertes
Rizinusöl,
BASF), 60 mg MCT, 60 mg Orlistat und 200 mg fein zermahlenen Brausemittel-Vitamin-C-Tabletten, wurde
gemäß der Herstellung,
die in Beispiel 1 beschrieben wird, erhalten. Hydroxypropylmethylcellulosekapseln,
enthaltend jeweils 60 mg Orlistat in der obigen Zusammensetzung,
wurden menschlichen freiwilligen Versuchspersonen gemäß dem Verfahren,
das in Beispiel 1 beschrieben wird, verabreicht.
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Beispiel 3
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Eine
Zusammensetzung, bestehend aus 450 mg Gelucire 44/14 (Lauroylmacrogol-32
Glyceride, Gattefossé,
Frankreich), 90 mg MCT, 60 mg Orlistat und 200 mg fein zermahlenen
Brausemittel-Vitamin-C-Tabletten, wurde gemäß der Herstellung, die in Beispiel
1 beschrieben wird, erhalten. Hydroxypropylmethylcellulosekapseln,
enthaltend jeweils 60 mg Orlistat in der obigen Zusammensetzung,
wurden den menschlichen freiwilligen Versuchspersonen gemäß dem Verfahren,
das in Beispiel 1 beschrieben wird, verabreicht.
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Beispiel 4
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Die
Zusammensetzung von Beispiel 1 wurde hergestellt, außer daß anstelle
eines Brausemittelgemisches 200 mg fein zermahlene Glukose als ein
zusätzlicher
Trägerstoff
verwendet wurden. Hydroxypropylmethylcellulosekapseln, enthaltend
jeweils 30 mg Orlistat in der obigen Zusammensetzung, wurden den
menschlichen freiwilligen Versuchspersonen gemäß dem Verfahren, das in Beispiel
1 beschrieben wird, verabreicht.
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Beispiel 5
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Eine
Zusammensetzung, bestehend aus 1700 mg TPGS und 300 mg Orlistat,
wurde zu einem Planet-Mischer zugegeben, in dem der Metallbecher
auf 60°C
erwärmt
wurde. Nach dem Schmelzen wurde das Gemisch gerührt und 10 g festes Sorbitol
wurden während
des kontinuierlichen Rührens
bei 150 U/min zugegeben. Das Rühren
wurde für
30 Minuten fortgesetzt, währenddessen
das Präparat
auf Raumtemperatur herunterkühlte.
Danach wurde das Feststoffgemisch durch ein 2-mm-Sieb gesiebt. Hydroxypropylmethylcellulosekapseln,
enthaltend jeweils 30 mg Orlistat in der obigen Zusammensetzung,
wurden menschlichen freiwilligen Versuchspersonen gemäß dem Verfahren,
das in Beispiel 1 beschrieben ist, verabreicht.
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Beispiel 6
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210
mg Polyethylenglykol 400 (PEG 400, Clariant) wurden mit 300 mg Glycerol
gemischt. 30 mg Polyethylenglykol-40-stearat (Myrj 52, Serva Deutschland;
Crodet S40, Croda UK) wurden zugegeben. Das Gemisch wurde auf 60°C erhitzt
und anschließend
auf Raumtemperatur unten Rühren
abgekühlt.
60 mg Orlistat wurden dann zu der so erhaltenen Suspension zugegeben
und bis zur Homogenität
gerührt.
Die so erhaltene Zusammensetzung wurde in Hydroxypropylmethylcellulosekapseln
gefüllt.
Die Kapseln, enthaltend 60 mg Orlistat in der obigen Zusammensetzung,
wurden menschlichen freiwilligen Versuchspersonen gemäß dem Verfahren,
das in Beispiel 1 beschrieben wird, verabreicht.
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Beispiel 7
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340
mg Glycerol wurden mit 30 mg Poly(ethylenglykol)-40-stearat gemischt.
Das Gemisch wurde auf 60°C
erhitzt und anschließend
unter Rühren
auf Raumtemperatur abgekühlt.
30 mg Orlistat, 100 mg Poly(ethylenglykol) 400 (PEG 400) und 100
mg Glukose wurden dann zu der so erhaltenen Lösung zugegeben und bis zur
Homogenität
gerührt.
Hydroxypropylmethylcellulosekapseln, enthaltend 30 mg Orlistat in
der obigen Zusammensetzung, wurden menschlichen freiwilligen Versuchspersonen
gemäß dem Verfahren,
das in Beispiel 1 beschrieben ist, verabreicht.
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Wie
in Tabelle 1 gezeigt, ist die Wirksamkeit und/oder Wirkungsstärke der
erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
viel höher
als die von konventionellen Formulierungen. Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen,
die noch die Hälfte
oder sogar ein Viertel des Lipaseinhibitors der bekannten Zusammensetzung enthalten,
sind viel wirksamer und/oder wirkungsstärker. Für denselben Lipaseinhibierungsgrad
ist es nun möglich,
die Menge an aktiver Verbindung in der Zusammensetzung stark zu
verringern, wodurch die unerwünschten
Nebenwirkungen verringert werden.
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Tabelle
1 zeigt ebenso die Anzahl an Stuhlproben, die freies Öl für jede der
obigen Zusammensetzungen enthalten. Stuhlproben, die nach der Einnahme
der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
erhalten wurden, zeigen keine oder noch gelegentliche Trennung von Öl aus der
Hauptstuhlmasse. Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen ermöglichen
daher die Minimierung oder vollständige Unterdrückung des
analen Austretens von Öl,
welches eine der unerwünschtesten
Nebenwirkung der Zusammensetzungen des Standes der Technik ist. Tabelle
1: In-vivo-Ergebnisse
- (1) Prozentsatz
an ausgeschiedenem Fett als Prozentsatz an Fetteinnahme.
- ( 2 ) Anzahl
an Versuchspersonen, die den Experimenten unterzogen wurden.
- ( 3 ) Anzahl
an Stuhlproben, enthaltend freies Öl/Anzahl an Versuchspersonen