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Rodentizide
Zusammnensetzung
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Die vorliegende Erfindung betrifft
die Verwendung von bestimmten halogenierten Bis-pyridylamin-Verbindungen
als rodentizid wirksame Materialien. Sie betrifft auch neue Nagerköder, die
die halogenierten Bis-pyridylamin-Verbindungen enthalten.
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GB-A-1363415 offenbart bestimmte
Bis-pyridylamin-Verbindungen mit insektizider, fungizider, bakterizider
oder herbizider Wirkung. Bestimmte N-Pyridyl-N-phenylamine, die
rodentizide Wirkung aufweisen, werden in US-A-4 140 788 offenbart.
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Befall von Nagern, insbesondere Ratten, verursacht
schwere Probleme für
Menschen, die sich in der Nähe
des Befallsortes befinden. Ratten verursachen beispielsweise Schädigung von
Erntegut bei der Lagerung und auf dem Feld und führen zur Gesundheitsschädigung aufgrund
verschiedener Krankheiten, die sie tragen können. Die Bekämpfung und Beseitigung
von solchem Befall ist somit notwendig.
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Viele Nagergifte sind bekannt. Um
jedoch beim Bekämpfen
und der Beseitigung des Rattenbefalls verwendbar zu sein, muss ein
Gift Kriterien bezüglich
gewisser Eigenschaften erfüllen.
Beispielsweise muss es ausreichend toxisch sein, sodass der Verbrauch
einer relativ geringen Menge Köder,
der es enthält,
für die
Ratte tödlich
wäre. Es
muss ebenfalls einen Geruch und einen Geschmack aufweisen, der für die Ratte
annehmbar ist und der durch den Geruch und Geschmack des Köders, in
dem es angewendet wird, maskiert werden kann. Es sollte auch für Menschen
leicht und sicher sein.
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Gemäß der vorliegenden Erfindung
wird die Verwendung einer Verbindung der Formel I bereitgestellt.
worin R
1,
R
2, R
3, R
4, R
5, R
6,
R
7 und R
8 die gleichen oder
verschiedene Halogenatome, ausgewählt aus F-, Cl- und Br-Atomen,
darstellen, als Rodentizid. Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform,
ist die Amingruppe der Formel I an die zwei halogenierten Pyridylgruppen
an der 4-Position gebunden. Besonders bevorzugt zur Verwendung in
der vorliegenden Erfindung ist die Verbindung Bis(2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)
amin.
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Von den Erfindern wurden Verbindungen
der vorstehenden Formel I als besonders toxisch für Nager,
insbesondere Ratten, gefunden und sie weisen keinen abstoßenden Geruch
und Geschmack auf, sodass sie für
Nager schmackhaft sind.
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In einer rodentiziden Zusammensetzung wird
die wirksame halogenierte Bis-pyridylamin-Verbindung in oder mit
einem festen Träger,
der vom Nager gefressen werden kann, angewendet. Die Träger müssen wie
die Wirkstoffe für
die Nager schmackhaft sein. Typischerweise werden die Träger Nahrungsmittel
sein, um als Köder
für die
Nager zu wirken und diese sind auf dem Fachgebiet bekannt. Beispiele
für Nahrungsmittel,
die als Träger
für die
wirksamen halogenierten Bispyridylamin-Verbindungen in der vorliegenden
Erfindung verwendet werden können, schließen Getreidekörner, Weizen,
Mehl, Gemüse, Biskuits,
Zucker und Melassen ein.
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Die rodentizide Zusammensetzung wird
im Allgemeinen bis zu 200 ppm und vorzugsweise 20 bis 100 ppm der
wirksamen, halogenierten Bis-pyridylamin-Verbindung enthalten. Es
ist weiterhin möglich, in
die rodentizide Zusammensetzung ein oder mehrere rodentizide wirksamen
Materialien, wie gerinnungshemmende Substanzen, einzuarbeiten. Die Einarbeitung
von anderen wirksamen Materialien in die Zusammensetzung kann die
Verwendung von kleineren Dosen der halogenierten Bispyridylamin-Verbindungen
erlauben.
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Die wirksamen halogenierten Bis-pyridylamin-Verbindungen
der vorstehenden Formel I, insbesondere die Verbindung Bis(2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)amin,
sind besonders in Teilchenform als Giftkomponente eines Nagerköders verwendbar,
wobei jedes Teilchen eine letale Dosis des Wirkstoffs bezüglich eines
erwachsenen Nagers der Spezies, für den der Köder vorgesehen ist, darstellt
und wobei jedes Teilchen eine Größe aufweist,
die es der Nagerart, für
die der Köder
vorgesehen ist, gestattet, das Teilchen in seinen Mund zu nehmen,
ohne vorher daran zu knabbern.
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Somit stellt die vorliegende Erfindung
weiterhin einen Nagerköder
bereit, umfassend Futter und ein Gift, wobei das Gift vollständig in
Form von – oder enthalten
in – einem
oder mehreren einzelnen, Gift bereitstellenden Teilchen mit einer
solchen Wirkung auf die Nagerspezies, für die der Köder vorgesehen ist, vorliegt,
dass jedes Gift bereitstellende Teilchen für einen erwachsenen Nager der
Spezies eine letale Dosis bereitstellt, wobei jedes Gift bereitstellende Teilchen
im Wesentlichen homogen ist und von einer derartigen Teilchengröße ist,
dass ein Nager der Spezies, für
den der Köder
vorgesehen ist, das Teilchen in seinen Mund nehmen wird, ohne vorher
zu zerbeißen,
wobei das Gift eine Verbindung der Formel I umfasst:
worin R
1,
R
2, R
3, R
4, R
5, R
6,
R
7 und R
8 die gleichen oder
verschiedene Halogenatome, ausgewählt aus F-, Cl- und Br-Atomen,
darstellen. Gemäß einer
besonders bevorzugten Ausführungsform
ist der verwendete Nagerköder
der Wirkstoff Bis(2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)amin
wegen seiner hohen Toxizität
für Nager.
Somit wird jedes Teilchen vom Nager oral als ein einzelnes Teilchen
aufgenommen; wobei die erforderliche Teil chengröße durch einen Routineversuch
bestimmt werden kann. Der Begriff „letale Dosis" bedeutet eine
Dosis, die normalerweise in der Lage ist, bei oraler Aufnahme einen
erwachsenen Nager der betroffenen Spezies zu töten; somit bedeutet dies auf
dem Fachgebiet eine Dosis, die eine nicht signifikante Chance für das Überleben
der größten Nager
der betroffenen Spezies, der man wahrscheinlich begegnet, darstellt.
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Dieser Aspekt der vorliegenden Erfindung beruht
auf dem Konzept des Konzentrierens der Giftkomponente des Köders in
Teilchen, wobei jedes davon an sich letal ist, und sichert, dass
die Giftteilchen als ein Ganzes in das Maul des Nagers aufgenommen
werden, das heißt
ohne vorher an den Giftteilchen zu knabbern. Im Ergebnis frisst
der Nager an dem Köder
und verbraucht die Nahrungskomponente davon, welche er anknabbern
kann oder nicht, in Abhängigkeit
von seiner Teilchengröße, bis
er früher oder
später
zu einem Giftteilchen kommt. Wenn er dies tut, verspeist er das
Teilchen insgesamt und wenn es einmal in seinem Mund ist und geschluckt ist,
folgt sein Tod unvermeidlich im Hinblick auf die letale Beschaffenheit
der Dosis des Teilchens. Der Nager verbraucht somit entweder unschädliches
essbares Material oder eine letale Dosis Gift. Dieses Konzept wurde
zuerst in EP-A-0109697 vorgeschlagen. In der vorliegenden Erfindung
werden allerdings Verbindungen der Formel I, insbesondere Bis(2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)amin,
welches die Eigenschaft hat, dass eine Verzögerung zwischen Verdauung der
Giftteilchen und Tod auftritt, eingesetzt. Es wurde beobachtet,
dass eine Ratte gegenüber
einer Nahrungsquelle misstrauisch wird, wenn sie sieht, dass eine andere,
die tot oder deutlich krank ist, sich in der Nähe der Nahrungsquelle befindet.
Weil eine Ratte die Köder,
der eine letale Dosis von Bis (2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)amin
enthält,
aufgenommen hat, einige Stunden, typischerweise 4 bis 12 Stunden,
brauchen kann, bevor sie sichtbare Vergiftungssymptome entwickelt,
werden andere Ratten die Symptome einer vergifteten Ratte mit dem
Köder nicht in
Verbindung bringen und werden deshalb nicht vor dem Köder scheu
werden. Somit kann die Verwendung der vorliegenden Erfindung mindestens
97% Bekämpfung
eines Rattenbefalls in 4 Nächten
ergeben, wohingegen die Verwendung von Giften, die keine wesentliche
Verzögerung
zwischen Verdauung und Tod ergeben, zeitlich gesehen weniger erfolgreich
ist, da der Köder
zuerst aufgefressen wurde und typischerweise nur 50% des Befalls
von Ratten bekämpft
werden.
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Dieser Ansatz, Nagerköder zu formulieren, hat
den Vorteil, dass der Köder
als Ganzes nur relativ wenig letale Teilchen umfassen muss, um gegen
eine Vielzahl von Nagern wirksam zu sein. Die Unfähigkeit,
das Vorliegen von letalen Teilchen auszumachen, führt auch
dazu, dass die fressenden Nager normalerweise ohne Köder scheu
sind, sodass es auch im Falle, wenn ein Giftteilchen beim ersten Fressen
nicht verbraucht wurde, er nicht vom erneuten Fressen an der gleichen
Köderart
abgeschreckt wird.
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Die vorliegende Erfindung ermöglicht es,
Nagerköder,
die in sehr kleinen Mengen letal sind, sicher anzuwenden. Bislang
lag der Giftgehalt von akuten Ködern,
in denen das Gift homogen durch die Nahrungskomponente gemäß der herkömmlichen Praxis
verteilt war, normalerweise in dem Konzentrationsbereich 0,2 bis
2,0% (2000 bis 20000 ppm). Dies ist eine hohe Konzentration hinsichtlich
einer möglichen
Umweltschädigung.
Im Gegensatz dazu ist die maximale Konzentration an Gift, die beim
Ausführen der
vorliegenden Erfindung denkbar ist, etwa 200 ppm, typischerweise
20 bis 80 ppm.
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Obwohl es möglich ist, dass der Köder nur ein
solches Giftteilchen einschließt,
wird er normalerweise eine Vielzahl solcher Teilchen enthalten,
obwohl ein letales Teilchen oral durch den Nager aufgenommen, ihn
töten wird,
würde ein
größerer Säuger, wie
ein Hund (für
den die letale Dosis viel größer sein müsste), der
zufällig
den Köder
frisst, subletale Symptome schnell spüren, zu fressen aufhören oder
wäre nicht
in der Lage, eine wesentliche Anzahl an Ködern zu finden und zu fressen
und würde
niemals einen letalen Spiegel erreichen. Köder gemäß der Erfindung können so
formuliert werden, um für
einzelne Nager spezifisch zu sein. Beispielsweise wird eine erwachsene
Ratte mit dem Gewicht von 250 Gramm etwa 20 Gramm Nahrung pro Tag
fressen. Jeder Köder
für Ratten
könnte
etwa 200 Gramm umfassen und könnte
ausreichend Giftteilchen enthalten, um etwa 10 Ratten zu töten. Auf
einer Eins-pro-Ratte-Basis
würde das
10 solcher Teilchen erfordern, weil wenn die Teilchen möglichst
homogen in der Nahrungskomponente des Köders verteilt sind, wird eine
Ratte im Durchschnitt zu einem gelangen und ihn beim Essen von 20
Gramm verbrauchen. Köder
für Mäuse würden Teilchen
von kleinerer Größe enthalten.
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Beispiele
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Toxische Teilchen wurden gemäß der nachstehend
Formulierung A hergestellt:
| Formulierung
A | Gewichtsprozent |
| Bis(2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)amin | 80 |
| Gelatine | 15 |
| Zucker | 4,9 |
| *Water
Blue 177725 | 0,1 |
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Die Teilchen wurden durch Befeuchten
eines Gemisches mit der vorstehenden Formulierung mit Wasser, unter
Bildung einer steifen Paste hergestellt. Diese Paste wurde durch
eine Düse
extrudiert und das Extrudat wurde in gleichmäßige Längen geschnitten, um Pellets
mit mittleren (zylindrischen) Abmessungen von 0,85 x 0,85 mm zu
erzeugen. Die Pellets wurden Luft getrocknet und gesiebt, um feine Stoffe
zu entfernen. Nach Trocknen war das mittlere Gewicht der Verbindung
in Pellets 0,4 mg.
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Die Pellets der Formulierung A wurden
in einer Ködergrundlage
dispergiert, deren Zusammensetzung war:
| | Gewichtsprozent |
| Bis(2,3,5,6-tetrafluor-4-pyridyl)amin | 0,004
oder 0,008 |
| Water
Blue 177725 | 0,025 |
| Zucker | 5,0 |
| Kommerziell
stabilisiertes Hafermehl | Ausgleich |
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Die Pelletdispersionsgeschwindigkeit
war eins pro fünf
Gramm (80 ppm), um einen Köder
herzustellen, der WL/80 bezeichnet wird, und eins pro zehn Gramm
(40 ppm), um einen Köder
herzustellen, der WL/40 bezeichnet wird.
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Feldversuche wurden unter Verwendung
der vorliegenden Erfindung ausgeführt. Vier Versuchsstellen wurden
als repräsentativ
für landwirtschaftliche
Arten mit mittlerem Befall von Rattus norvegicus (beispielsweise
200-250 Ratten) ausgewählt.
Die Stellen wurden in zwei Gruppen von vier (A und B) mit zwei Behandlungen
(WL/40 und WL/80) pro Gruppe geteilt.
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Gruppe A: 2 Farmen WL/40, 2 Farmen WL/80.
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Gruppe B: 2 Farmen WL/40, 2 Farmen WL/80.
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Die Behandlung wurde unter Verwendung
einer herkömmlichen Überschuss-
oder kontinuierlichen Ködertechnik
ausgeführt.
Köderschalen
wurden an geschützten
Orten, die strategisch durch die befallene Fläche angeordnet sind, gelegt,
wobei die Anzahl von Spuren auf jeder Seite (beispielsweise 30 bis
60) von dem Ausmaß des
Befalls abhängt.
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100 g Köder (WL/40 oder WL/80) wurden
in jeder Schale angeordnet. Am folgenden Tag (Behandlungstag 1)
wurden die Köder
visuell auf Annahme untersucht, zu nah 2,0 g gewogen und zu einer ausreichenden
Menge, um vollständige
Aufnahme anschließend
zu vermeiden, wieder aufgefüllt. Ähnliche
Untersuchungen wurden täglich
für einen
Zeitraum von 14 Tagen gemacht. Bei jedem Besuch während der
Behandlung wurden Spuren auf Fliesen aufgezeichnet und frisch mit
Spurenpulver be schichtet. Alle toten Nager wurden täglich gesammelt,
das Geschlecht und Gewicht bestimmt.
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Ergebnisse
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An allen vier Stellen waren die ersten
vier Nächte
beim Bekämpfen
des Massebefalls kritisch, wobei ein Durchschnitt von 97,6% Bekämpfung erreicht
wurde (dies basierte auf der Spurenbewertung). In der ersten Nacht
wurde ein großer
Prozentsatz von Aufnahmen von weniger als 2 g (PO) aufgezeichnet
und an zwei der Stellen war der Prozentsatz der wägbaren Aufnahme
für PO-Aufnahmen
weniger als die Hälfte.
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Anschließend stiegen die Spurenbewertungen
an einer Stelle an, jedoch drei andere fielen ab, was als ein Hinweis
genommen wurde, dass der Befall an jenen Stellen nachzulassen begann.
Ergänzende
Spurenpflaster, die vorher angeordnet wurden, bestätigten bei
wirksamen Versuchen, dass die Wirksamkeit bemerkenswert vermindert
wurde. Vollständige
Bekämpfung
(100%) wurde nur an einer Stelle erreicht, wobei ein hoher Grad
an Bekämpfung an
den anderen drei Stellen erhalten wurde (98,6%, 99% und 97,3%).
Der Mittelwert der Bekämpfung über vier
Stellen in dem vollständigen
Behandlungszeitraum war 98,7%. Der Anteil der erreichten Bekämpfung war
somit signifikant besser, als er unter Verwendung eines herkömmlichen
Rodentizids (Gerinnungshemmer) erreicht werden könnte, von dem nicht erwartet
werden könnte,
dass er eine Bekämpfung
größer als
90% in weniger als 10 Tagen an den Stellen, wo die Behandlung ausgeführt wurde,
erreicht. Die Geschwindigkeit, mit der eine Beseitigung des Nagerbefalls
in dem vorstehenden Beispiel erreicht wurde, ist ein besonderer
Vorteil der vorliegenden Erfindung, da weil die schnelle Beseitigung
in geringerer Zeit erreicht werden kann, es für die Nager keine Fortsetzung
der Schädigung
und Krankheitsübertragung
und für
den ausgesetzten Köder
folglich eine Verminderung der Umweltbelastung geben wird.