DEUTSCHES REICH
AUSGEGEBEN AM 22. SEPTEMBER 1933
REICHSPATENTAMT
PATENTSCHRIFT
JVr 584700 KLASSE 7 a GRUPPE 9 ei
A 55022 Ij/a
Tag der Bekanntmachung über die Erteilung des Patents: f. September 1933
Acme Steel Company in Chicago, V. St. A.
Verfahren zum Auswalzen starker Knüppel oder Brammen zu dünnen Blechen oder Bändern
unter 1,5 mm
Patentiert im Deutschen Reiche vom 14. August 1928 ab
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum
Auswalzen starker Knüppel oder Brammen zu dünnen Blechen oder Bändern unter
i,5 mm bei gleichzeitigem Doppel des WaIzgutes.
Bisher war es üblich, die hocherhitzten Knüppel oder Brammen soweit als möglich
im Grobwalzwerk herunterzuwalzen und dann die Bleche zu doppeln oder stapeln, da
ein weiteres Auswalzen einzelner Bleche wegen der Federung der Walzen nicht möglich
ist. Bei Vornahme der Stapelung waren aber die Bleche durch die lange Bearbeitungszeit im Grobwalzwerk und infolge der
Wärmeausstrahlung der großen Blechflächen schon so weit ausgekühlt, daß sie für die
weitere Bearbeitung im Feinwalzwerk von neuem erhitzt werden mußten. Diese Zwischenerhitzung
verteuert das Auswalzen, ist umständlich und zeitraubend.
Erfindungsgemäß wird das Walzgut bereits bei Stärken von ungefähr 10 bis 20 mm
gedoppelt und dadurch jede Zwischenerhitzung gespart. Dieses gegenüber den bekannten
Verfahren vorzeitig vorgenommene Doppeln erfolgt demnach zu einer Zeit, wo die Bleche noch gute Walzhitze haben, so daß es
dadurch möglich ist, starke Knüppel oder Brammen von z. B. 50 bis 70 mm Dicke lediglich unter Ausnutzung der Brammenhitze
in einem Walzgange ohne jede Zwischenerhitzung auf dünne Bleche von z. B. i,S bis 0,3 mm Stärke auszuwalzen. Der
Zeitpunkt im Walzvorgang, an welchem das Stapeln oder Doppeln vorzunehmen ist, hängt
hauptsächlich von der Stärke der Bramme und der gewünschten Stärke des fertigen Bleches ab. Besitzt beispielsweise die Bramme
eine Stärke von etwa 50 mm, so kann das Doppeln oder Stapeln bewirkt werden, wenn
das Walzgut eine Stärke zwischen 13 und 6,5 mm aufweist. In jedem Fall aber muß
das Stapeln oder Doppeln vorgenommen werden, während sich das Walzgut noch auf guter Walztemperatur befindet.
Es ist fernerhin bereits bekannt, in einem Blechwalzwerk senkrecht stehende Walzen
zum Bearbeiten der Längskanten der Bleche vorzusehen. Derartige Senkrechtwalzen waren aber bisher nur im Grobwalzwerk aufgestellt,
so daß infolge der groben Bearbeitung in diesem Teil des Walzwerkes die bearbeiteten
Blechkanten ihre abgerichtete Form wieder verloren und das fertige Blech noch einmal getrimmt werden mußte.
Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung sind unmittelbar vor der Einrichtung
zum Doppeln des Walzgutes Bekantungswalzen und unmittelbar vor oder in den Fertiggerüsten
Ausrichtwalzen vorgesehen. Da beim Walzen im Fertigwalzwerk nur ein geringer Seitenfluß im Blech auftritt, hat das
fertiggewalzte Blech gerade und abgerichtete Kanten, die keiner weiteren Bearbeitung bedürfen.
In der Zeichnung sind Ausfuhrungsbeispiele der Erfindung schematisch dargestellt.
Abb. ι ist eine Aufsicht auf ein Blechwalzwerk.
Abb. 2, 3 und 4 sind Aufsichten auf abgeänderte Walzwerke.
Abb. 5 ist eine Seitenansicht des vorderen Walzwerkteiles der Abb. 1.
Abb. 6 und 7 sind Seitenansicht und Schnitt benachbarter Gerüste von Vertikal-
und Horizontalwalzen.
Abb. 8 ist ein Schnitt durch eine der Abb. 7 ähnliche abgeänderte Ausführungsform.
Abb. 9 zeigt eine Kombination von Horizontal- und Vertikalwalzen, einer Schere und
einer Einrichtung zum Übereinanderlagern der abgeschnittenen Teile.
Abb. 10 zeigt eine Kombination von Horizontal- und Vertikalwalzen und einer Blechbiege-
oder Doppelvorrichtung.
Abb. 11 ist ein Schnitt durch die Doppelvorrichtung.
Abb. 12 ist eine Aufsicht hierzu.
Abb. 13 ist ein Schnitt durch eine Vorrichtung zum Trennen der Bleche, in Verbindung
mit Aufwickel- und Abscherhilfsmitteln.
Abb. 14 ist eine Vorrichtung zum Trennen der aus mehr als zwei Blechen bestehenden
Pakete und zum Aufrollen der einzelnen Bleche.
Bei Ausführung der Erfindung werden Blöcke zu Brammen von 50 und mehr Millimeter
Stärke, gewünschter Länge und einer Breite niedergearbeitet, welche größer als die
, des fertigen Bleches oder Bandes ist. Die Brammen werden, wenn sie genügend heiß
sind, weitergewalzt. Ihre Erhitzung erfolgt in einem Ofen 1, von wo die Bramme durch
mehrere Sätze mit waagerechten Walzen 2, 3, 4, 5 und 6 geschickt wird. Eines dieser WaIzgerüste,
vorzugsweise der erste Satz 2, ist als Bekantungsdurchgang ausgebildet, wobei die
Bramme während des Niederarbeitens in senkrechter Lage ist. Diese Bekantungswalzen
sind so eingestellt, daß sie die Bramme ungefähr auf die gewünschte Breite der Bänder
oder des fertigen Bleches bearbeiten. In den übrigen Walzensätzen wird die Bramme
ausgestreckt. Bekanntlich erfolgt dabei nur ein kleiner Metallfluß quer zur Walzrichtung.
Damit aber ein Verwerfen der Bramme an ihren Längskanten vermieden wird und
gerade Kanten bei den fertigen Bändern oder Blechen erzielt werden, ist eine genügende
Anzahl von Sätzen senkrechter Walzen 7 und 8 zwischen den Waagerechtwalzengerüsten
angeordnet. Vorzugsweise wird die Bramme von den Bekantungswalzen nicht auf die genaue Breite des fertigen Bleches heruntergearbeitet,
sondern dieses Herunterarbeiten der Breite durch die senkrechten Walzen vorgenommen. Gemäß der Abbildung
sind die Walzgerüste 2 bis 8 hintereinander, aber so weit voneinander getrennt angeordnet,
daß das Walzgut immer nur in einem Walzgerüst bearbeitet wird, wobei die Vorbewegung des Walzgutes zwischen den
Gerüsten durch Förderwalzen 9 erfolgt.
Das Herunterarbeiten in den Walzgerüsten 2 bis 8 wird nur so weit getrieben, daß
beim Aufeinanderlegen von zwei oder mehreren Bändern oder Blechen immer noch eine
genügende Hitze erhalten bleibt, um das weitere Auswalzen auf das gewünschte Fertigprofil
ohne Nacherhitzen vornehmen zu können. Dieses Aufstapeln der Platten kann auf verschiedene Weise vorgenommen werden.
Bei der Vorrichtung nach den Abb. 1 und 5 werden zwei verhältnismäßig kurze Brammen
in rascher Folge durch die Walzensätze 2 bis 8 hindurchgcschickt, und die erste Platte
wird auf einem mit Förderwalzen versehenen Tisch 10 gehalten, bis die nachfolgende Platte
oder mehrere Platten auf die vorhergehende Platte oder Platten gelangt sind. Um das
Aufstapeln der Bleche zu erleichtern, ist der Vorschubtisch 10 so angeordnet, daß die
Förderwalzen genügend tief, je nach der Anzahl der aufeinanderzuschichtenden Platten,
unter der Walzebene liegen. Gemäß Abb. 1 und 5 stehen vor dem Stapeltisch die Senkrechtwalzen
8 und ein ähnliches Walzengerüst 11 hinter dem Stapeltisch, wodurch nicht
nur das genaue Ausrichten der Platten des Stapels, sondern auch das Herunterarbeiten
in der Querrichtung auf die gewünschte Breite sichergestellt wird.
Gemäß Abb. 9 ist eine fliegende Schere 12 zwischen den Senkrechtwalzen 8 und dem
Stapeltisch 10 angeordnet, wobei die Rollen des Tisches in entsprechender Weise, wie
vorstehend angegeben, unterhalb der Walzebene liegen. Bei der Ausführungsform der
Abb. ι und 5 sind Senkrechtwalzen 11 hinter
dem Stapeltisch 10 angeordnet.
Die Anordnungen gemäß Abb. 1 und 5 und 2 und 9 empfehlen sich da, wo ein Doppeln
wegen der noch zu großen Walzgutstärke schwierig ist. Im anderen Falle, nämlich bei einer verhältnismäßig geringen
Stärke, kann das Stapeln entweder in der oben beschriebenen Weise gemäß Abb. 1, 2,
5 und 9 oder dadurch erfolgen, daß man ein Blech gemäß Abb. 4, 10, 1 j und 12 auf sich
selbst doppelt. Dieses Doppeln kann auf jede geeignete Weise erfolgen, beispielsweise
entsprechend der Zeichnung durch in einem Gehäuse 16 drehbar gelagerte Biegewalzch
13, 14 und 15 nebst einer Führung 17, 18.
Eine der Walzen, z. B. die Walze 13, dient als Formwalze, um welche das Ende des
Bleches unter der Einwirkung der Walzen 14, 15 und Führungen 17, 18 gebogen wird.
Die Walzen 13, 14 und 15 werden vorzugsweise
von einem Motor 19 angetrieben, der an dem Gehäuse 16 gelagert ist. Das ganze
Biegewalzengerüst kann durch einen Motor 21 auf Schienen 20 in die oder aus der Walzebene
der Bänder oder Bleche heraus quer zum Stapeltisch 10 bewegt werden. Wenn
ein Blech längs des Tisches 10 vorbewegt wird, tritt sein Ende zwischen die Walzen 13
und 14 und durch die Wirkung dieser Walzen, der Führungen 17 und 18 und der Walze
15 wird das Blech längs seines vorlaufenden Teiles zurückgeleitet. Sobald ein Teil auf
den anderen gelegt ist, bewirkt der Motor 21 das Zurückziehen des Doppelwerkes. Das
umgefaltete Ende bewegt sich dann unter den beweglichen Preßstempel 22 und wird durch
diesen flachgedrückt, so daß es in das erste Gerüst einer Reihe von waagerechten WaIzgerüsten
eintreten kann, durch welche das Herunterarbeiten beendet wird. Hinter der Presse 22 befinden sich Senkrechtwalzen 11,
welche das Kantenrichten des gefalteten Stückes sichern.
Λ^οη den senkrechten Kantenrichtwalzen 11
werden die aus zwei oder mehreren Blechen bestehenden Stapel durch mehrere Gerüste
mit waagerechten Walzen 23, 24 usw. hindurchgeschickt, durch welche die Bleche oder
Bänder fertiggewalzt werden. Danach gelangen die gestapelten Bleche auf Kühlbetten
28, welche aus zwei Teilen bestehen können, die auf entgegengesetzten Seiten eines Vorschubtisches
29 angeordnet sind. Dieses Kühlbett ist mit Vorrichtungen versehen, welche
die Stapel in der Querrichtung auf die Vorschubtische 30, 30 bewegen. Diese Tische
befördern die Stapel zu den Scheren 31, welche das umgebogene Ende abschneiden,
4-5 sofern die Stapel durch Doppeln entstanden sind. Die Stapel werden dann zu Blechtrennvorrichtungen
32 befördert. Um Biegungen oder sonstige Unregelmäßigkeiten zu beseitigen, welche durch das Öffnen verursacht sind,
werden die Bleche durch eine Richtvorrichtung 33 (Abb. 13) geschickt. Nach dem Ausrichten
können die Bleche auf Haspeln 34 aufgewickelt oder, wenn kurze Längen verlangt werden, durch Scheren 35 zerschnitten
werden.
Wie bereits erwähnt, sind die Walzgerüste 2, 3, 4, 5 und 6 hintereinander angeordnet,
aber in einer solchen Entfernung, daß das Walzgut immer nur von einem WaI-
δο zensatz bearbeitet wird. Dagegen sind die Walzgerüste 23, 24, 25, 26 usw., welche das
Fertigwalzen der Bleche oder Bänder übernehmen, hintereinander und auch so nahe beieinander
angeordnet, daß diese von den Walzen zweier oder mehrerer Walzgerüste gleichzeitig
ausgewalzt werden. Hierbei wird das nachfolgende Waizenpaar entsprechend der in dem vorhergehenden Walzgerüst bewirkten
Streckung mit größerer Geschwindigkeit angetrieben als das vorhergehende Walzenpaar,
wie dies beim Betrieb von kontinuierlichen Walzwerken üblich ist.
Wenn auch die Anordnung der verschiedenen Walzwerkbestandteile zueinander gemäß
Abb. ι und 5 bevorzugt wird, so kann doch die Anordnung der nach dem Stapeln
folgenden Walzgerüste mit Bezug auf die vorderen Walzgerüste und die gegenseitige
Anordnung der einzelnen Gerüste des Fertigwalzwerks geändert werden, ohne daß von
dem Erfindungsgedanken abgewichen wird. Gemäß Abb. 2 sind beispielsweise die Fertiggerüste
nicht hintereinander, sondern nebeneinander angeordnet, und es werden daher die gestapelten Bleche nach dem Stapeln durch
eine Ouerförderanlage seitwärts auf einen Rollentisch 36 geschoben, welcher den Stapel
zu dem Walzgerüst 23 befördert, und zwar entgegen der Bewegungsrichtung des Walzgutes
vor dem Stapeln. Nach dem Durchgang durch das Walzgerüst 23 wird das Gut wieder zur Seite befördert und vorbewegt.
Zwei Beispiele solcher Anordnungen der Fertiggerüste des Walzwerkes sind in den Abb. 2, 3 und 4 veranschaulicht. Gemäß
Abb. 2 erfolgt die Seitwärtsbewegung des Stapels von dem Stapeltisch auf den Zufuhrtisch
36 des Walzgerüstes 23 und von dem Aufnahmetisch 37 durch einen Umsetztisch auf den Vorschubtisch vor den beiden Walzgerüsten
24 und 25, durch einen Umsetztisch von dem Aufnahmetisch 39 zu dem Vorschubtisch
40 vor den Walzgerüsten 27 und 26 und schließlich zu dem Vorschubtisch 42 vor einem Walzgerüst 27^ und von da zum Kühlbett.
Bei der Anordnung gemäß Abb. 3 liegen zwei der Fertigwalzgerüste 23 und 24 in
Linie mit dem Stapeltisch, die darauffolgenden Gerüste 25, 26 und 27 usw. verlaufen
parallel zur Walzrichtung der Gerüste 23 und 24, der Walzvorgang bei den Walzen 25
und 26 verläuft aber in umgekehrter Richtung wie der bei den Gerüsten 23 und 24, und der
Walzvorgang beim Gerüst 27 erfolgt wieder umgekehrt zur Walzrichtung der vorhergehenden
Gerüste. Geeignete Umsetztische sind vorgesehen, um den Stapel von einer Bewegungsrichtung
zur anderen zu bewegen.
Bei der Anordnung nach Abb. 4 wird der Stapel von dem Stapeltisch seitwärts zu
einem Vorschubtisch 43 bewegt, der vor dem