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Verfahren zur Darstellung von Thelykininen Es ist bekannt, Thelykinine
dadurch zu gewinnen, daß man Galle mit geeigneten organischen Lösungsmitteln, z.
B. Äther, auszieht und den Extrakt zur weiteren Reinigung mit verdünnten Alkalien
behandelt (schweizerisches Patent 138,442).
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Wie gefunden wurde, kann man die Thelykinine auch dadurch der Galle
entziehen, daß man diese, zweckmäßig nach vorheriger Ansäuerung und Verdünnung mit
Wasser, mit geeigneten Adsorptionsmitteln, z. B. Tierkohle, ausrührt. Durch Behandeln
der so gewonnenen Adsorbate mit geeigneten organischen Lösungsmitteln, wie Alkoholen,
Chloroform oder Gemischen von solchen Lösungsmitteln, werden die Thelykinine wieder
eluiert und können hernach mit verdünnten Alkalien weitergereinigt werden. Man kann
die Adsorbate zuerst auch mit Lösungsmitteln behandeln, welche die Thelykinine nicht,
aber andere adsorbierte Verbindungen, wie Sterine und Fette, herauslösen und so
vorgängig der Eluierung der Thelykinine eine Reinigung derselben vornehmen. Auf
diese Weise erhält man die Thelykinine in guter Ausbeute und Reinheit in Form gelblicher,
in Wasser unlöslicher Präparate, die stark oestrogen wirken.
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Gegenüber dem bekannten Verfahren zur Herstellung der Thelykinine
bietet das vorliegende Verfahren den Vorteil, daß wesentlich kleinere Mengen organischer
Lösungsmittel erforderlich sind und daher auch erlieblich kleinere Verluste an diesen
Lösungsmitteln entstehen.
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Es ist bereits bekannt, Körperflüssigkeiten, wie Harn, zum Zwecke
der Wirkstoffgewinnung mit Kohle zu behandeln und darauf den Wirkstoff aus der Kohle
mit wasserunlöslichen organischen Lösungsmitteln auszuziehen (britische Patentschrift
310 o56).
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Harn und Galle sind indessen zu verschiedene Ausgangsstoffe, als daß
aus dem Gelingen einer Maßnahme beim Harn auf das gleiche Ergebnis bei der Galle
geschlossen werden könnte. Schon die Wasserstoffionenkonzentration, die gerade bei
der Adsorption von wesentlicher Bedeutung ist, ist bei der Galle und beim Harn verschieden.
Sie beträgt bei der Galle 1o-8. beim Harn 1o-5. Noch größer ist der Unterschied
hinsichtlich der chemischenZusammensetzung. Während neben wenig Salzen und Purinderivaten
Harnstoff den Hauptbestandteil der Trockensubstanz des Harns ausmacht, finden sich
in der Galle in größerer Menge gallensaure Salze, die im Harn fehlen. Bekanntlich
sind gallensaure Salze ebenso wie Gallensäuren ausgezeichnete Lösungsmittel. Es
war nicht vorauszusehen, daß sich trotz der Anwesenheit von gallensauren Salzen
das Hormon der Galle ausziehen lassen würde.
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Weiter ist bekannt, daß weibliches Sexualhormon in der Galle enthalten
ist (Berichte über die gesamte Physiologie und Experimentelle Pharmakologie Band
52, 193o,
Seite 8oo, Abs. 5 und 6, sowie Seite 8oi, Abs. i) und
daß das einmal adsorbierte weibliche Sexualhormon durch bestimmte Extraktionsmittel
von demAdsorbens geschieden werden kann (Klinische Wochenschrift 1927, Seite
390 ff., besonders Seite 392, linke Spalte, Abs. 7). Damit stand aber noch
keineswegs fest, daß sich das weibliche Sexualhormon nach dem beanspruchten Verfahren
gewinnen lassen werde. Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, daß die aus
verschiedenen Ausgangsstoffen dargestellten weiblichen Sexualhormone chemisch sich
verschieden verhalten. Je nach dem chemischen Verhalten wechselt auch die Art ihrer
Gewinnung. Ob tatsächlich chemisch voneinander verschiedene weibliche Sexualhormone
bestehen oder ob das verschiedene chemische Verhalten auf die Verschiedenheit der
Begleitstoffe zurückzuführen ist, kann hier unentschieden bleiben, da diese Sonderfrage
für die Patentfähigkeit des vorliegenden Verfahrens nicht ausschlaggebend ist.
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Z o n d e k (Klinische Wochenschrift 1925, Seite 2445, rechte Spalte;
1926, Seite 122o, rechte Spalte, 2. Absatz) beschreibt ein Verfahren zur Gewinnung
des weiblichen Sexualhormons aus Plazenten und Follikelsäften, bei dem im Verlaufe
der Aufarbeitung die alkoholische Lösung eingedunstet und der Rückstand mit n/io-Essigsäure
mehrfach heiß ausgezogen wird, wodurch man nach Filtration und Neutralisation eine
injektionsfähige wässerige Hormonlösung erhält.
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Behandelt man Galle bzw. Gallenlipoide auf diese Weise, so sind die
gewonnenen Lösungen hormonfrei.
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Selbst aus Ausgangsstoffen, die in ihrer chemischen Zusammensetzung
weitgehende Ähnlichkeit aufweisen, wie der Urin trächtiger Tiere und der Harn schwangerer
Frauen, lassen sich die weiblichen Sexualhormone nicht in gleicher Weise gewinnen.
Es war deshalb nicht zu erwarten, daß aus chemisch ganz verschiedenen Ausgangsstoffen,
wie Harn und Galle, mit dem gleichen Adsorptionsmittel weibliche Sexualhormone gewonnen,
werden können. Was aber für die Adsorption gilt, ist auch für die Elution zutreffend,
also für die Art und Weise, wie das einmal adsorbierte weibliche Sexualhormon wieder
von dem Adsorbens abgetrennt werden kann. Beispiel 2,51 Rindergalle werden mit der
gleichen Menge Wasser und 70 ccm Eisessig versetzt und in diese Mischung
unter gutem Rühren allmählich im Verlaufe von 2 Stunden in kleinen Mengen Tierkohle,
im ganzen ungefähr 5o g, eingetragen. Nachdem das Rühren noch einige Stunden fortgesetzt
worden ist, wird die Kohle abgetrennt, mit Wasser gut gewaschen, getrocknet und
mit einer Mischung von Petroläther und Äther ausgezogen. Der nach dem Verdampfen
des Lösungsmittels zurückbleibende Rückstand stellt ein gelbes, stark cholesterinhaltiges
Fett dar, das höchstens Spuren von Thelykininen. enthält. Nunmehr extrahiert man
die Kohle mit Alkohol, dampft diesen Auszug zur Trockne, löst den Rückstand in Äther
und schüttelt die ätherische Lösung mit Sodalösung und Wasser aus. Dann destilliert
man nach dem Trocknen der Lösung den Äther ab und erhält etwa 0,5
g eines in verdünntem Alkohol und wässerigen Cholatlösungen löslichen Produktes,
das stark oestrogen wirkt.