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Feldmeßgerät Der Vorwärtseinschnitt als Meßgrundlage und das Reduzieren
von schräg gemessenen Entfernungen auf die Waagerechte ist bekannt. Es gibt auch
Routenkompasse mit Neigungsmessern, die solche Arbeiten auf Grund von Horizontal-
bzw. Vertikalwinkelbestimmungen ermöglichen. Bei diesen erfolgt die Auswertung der
Meßdreiecke durch Berechnung.
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Gegenstand der Erfindung ist ein mit im Deckel eingebautem Neigungsmesser
ausgestatteter Routenkompaß, der gleichzeitig und in einem Arbeitsvorgang mit Horizontalwinkelmessungen
die Kartenentfernungen angezielter Geländepunkte anzeigt und bei Neigungswinkelmessungen
andere Werte (Zielhöhe, wirkliche Entfernung oder auch Unterschied zwischen wirklicher
und Kartenentfernung) in einer Verhältniszahl zur Kartenentfernung angibt. Dies
ist gemäß der Erfindung dadurch erreicht, daß auf dem Kompaßgehäuse neben dem drehbaren
Kompaß eine mit Meßfadenschieber versehene, zur Kompaßteilung gegenläufig bezifferte
zweite Teilung befestigt, und daß mit dem drehbaren Kompaß eine die Kartenentfernung
anzeigende Teilung verbunden ist. Ferner kann erfindungsgemäß auf der Anzeigescheibe
des im Deckel eingebauten Neigungsanzeigers eine bei Böschungsmessern bekannte Verhältnisteilung
angebracht sein. Die Zeichnung zeigt in Abb. r bis 3 Grundlagen des Meßvorganges
schematisch, in Abb.4 bis 6 zwei Ausführungsformen des Gegenstandes der Erfindung,
und zwar Abb. 4 eine Draufsicht auf eine erste Ausführungsform, Abb.5 eine Seitenansicht
hierzu (im unteren Teil im Schnitt) und Abb.6 eine Draufsicht auf eine zweite Ausführungsform.
Die Abb. 7 und 8 sind Darstellungen von Anwendungsbeispielen. In dem in den Abb.
r bis 3 dargestellten Meßdreieck A B C ist AB
die bekannte Standortlänge
und C der Zielpunkt. Den Winkel a (Abb. r, 2) mit dem Scheitelpunkt A bildet
die Dreiecksseite A C,
den Winkel ß (Abb. i, 2) mit dem Scheitelpunkt B die
Dr eiecksseite B C mit der Himmelsrichtung (z. B. der Nordrichtung). In Abb. t ist
a > ß, in Abb. 2 aber a @ ß. Für den mit y bezeichneten Winkel am
Ziel ergibt sich in Abb. r : y = cc - ß, in Abb. 2 y= (go i a) -ß. Da dieser in
der Praxis immer ein sehr spitzer Winkel sein wird, kann das Meßdreieck
A B C (Abb. i, 2) mit hinreichender Genauigkeit als gleichschenklig angesprochen
werden, wenn die Basisendpunkte A und B ungefähr symmetrisch zum Zielpunkt
C gewählt werden. Abb. 3 zeigt ein solches Meßdreieck A B C, das in einem
Neigungswinkel b zur Horizontalebene A B C'
geneigt ist, mit der ZielhöheH,
der Kartenentfernung
E' und der wirklichen Entfernung E.
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Das Meßgerät besteht aus zwei Teilen, und zwar dem mit dem drehbaren
Kompaß ausgestatteten Hauptteil (Abb. q., 6) und einem dazu passenden, beim Gebrauch
senkrecht stehenden Deckel mit eingebautem Neigungsmesser (Abb.5). In geschlossenem
Zustand bilden beide Teile zusammen in bekannter Weise einen flachen, schachtelförmigen
Körper. Der zur Vornahme der Entfernungsmessungen dienende untere Teil besteht aus
dem Kompaßgehäuse a, einem drehbaren Kompaß b, g mit angesetzter Ringscheibe
c, h
sowie einer auf dem Gehäusedeckblech d befestigten Teilung e mit einem
Meßfadenschieber i. Der Kompaß ist durch seinen Boden b mit dem Gehäuse
a fest verbunden. Auf seinem Deckglas f ist eine zweckmäßig in vier Quadranten
eingeteilte, von links nach rechts verlaufende Kompaßrose g angebracht. Die beiden
Teile f und g bilden den Kompaßoberteü und sind gemeinsam zum Bodenstück b drehbar.
Die mit diesem Kompaßoberteil f, g fest verbundene Ringscheibe
c, h
nimmt als Teilung die den veränderlichen, durch die Kompaßteilung g jeweils
ausgedrückten Winkel y am Ziel (Abb. i, z) entsprechenden Kartenentfernungen
A C, B C
eines mit konstanter Standortlinie A B, zweckmäßig
i oo Einheiten, ausgestatteten gleichschenkligen Meßdreiecks A B C nach der
Gleichung
auf. Der Kompaßoberteilt, g ist so angebracht, daß er etwas über das Deckblechd
(Abb. 5) herausragt, seine Ringscheibe c, h jedoch abgedeckt ist. Der auf dem Gehäusedach
d angebrachte, zur Kompaßteilung g gegenläufig bezifferte Quadrant e verläuft mit
seinem inneren Rand genau über dem äußeren Rand der Kompaßteilung g und trägt einen
mit einem Meßfaden und einer Nase versehenen Schieber i.
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Im Deckel des Gerätes, der im Gebrauchszustand senkrecht zum Kompaß
steht, ist in bekannter Weise ein Neigungsmesser (Abb. 5) eingebaut, bestehend aus
dem senkrecht zur Visierlinie stehenden, mit der Visiervorrichtung o starr verbundenen
Zeiger n, um dessen Achse eine auf der Deckelinnenseite angebrachte Anzeigenscheibe
k, L, m drehbar befestigt ist. Diese trägt außer der üblichen Winkelteilung
L Einteilungen zum Ermitteln von Neigungswerten, wie wirkliche Entfernung, Differenz
zwischen wirklicher und Kartenentfernung k und Zielhöhe m, und zwar nach Prozenten
oder einem anderen Verhältnis zur Kartenentfernung, wie solche bei Böschungsmessern
bekannt sind. Nach Abb. 3 ergeben sich für die Teilungen die Werte: z. Wirkliche
Entfernung:
a. Unterschied zwischen wirklicher und Kartenentfernung
3. Zielhöhe: H - E sin ö oder H - E' taug ö. Die Messungen gehen laut
Abb. 7 wie folgt vor sich: Man schneidet von einem Geländepunkt B den Zielpunkt
C an, läßt in bekannter Weise unter entsprechender Drehung der Kompaßrose die Magnetnadel
einspielen und erhält so den Winkelwert 3 durch den Nullpunkt der gegenwendigen
Teilung e auf der Kompaßteilung g angezeigt. Dieser Winkel wird nun mit der Schiebemarkei
auf der am Gehäuse angebrachten, gegenläufig bezifferten Teilung e, also als Minuswert
festgelegt (Abb. 7 Stand der Schiebemarke i, bei der Aufnahme in Punkt A). Hierauf
begibt man sich ioo Einheiten (Schritte, Meter u. dgl.), möglichst symmetrisch zum
Zielpunkt C, nach links an den Punkt A und mißt hier in gleicher Weise den Winkel
a. Die nach innen zeigende Nase des Schiebers i weist also offenbar die Richtungsabweichung
der beiden Ziellinien voneinander [a - 3 bzw., wie im Beispiel Abb. 7 angenommen
(9o + a) - 3], also den Winkel am Ziel (y) auf der Kompaßteilung g (Aufnahme bei
Punkt A) an, wodurch gleichzeitig die zugehörige Kartenentfernung A C auf der Teilung
c (Abb. 5 und 6) ablesbar ist. Bei der in Abb. ¢ dargestellten Bauart erscheint
diese Teilung c im Fenster lt, wenn man den auf der Kompaßteilung g angezeigten
Wert zum Nullpunkt der Gegenteilung e zurückdreht. In der Ausführung der Abb. 6
und 7 kann die Ablesung der Entfernung unmittelbar mit der Zielwinkelmessung dadurch
erfolgen, daß beweglich mit der Schiebemarke i ein Halbkreisbogen g verbunden ist,
der im Abstand von 9o° vom Schie-ber i ein Ablesefenster h hat. Der
Streifen q bildet im Gehäusedach über der Entfernungsteilung c die Lberdeckung für
einen an die Gegenteilung e anschließenden Viertelkreisbogenausschnitt.
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Befindet sich das Ziel nicht in der Horizontalebene und werden außer
der Kartenentfernung auch die durch die Neigung sich ergebenden Nebenwerte benötigt,
so ermitt-.,lt man mittels des im Deckel eingebauten Neigungsmessers (Abb.5) in
bekannter Weise (Abb.8) den Neigungswinken und liest gleichzeitig die Nebenwerte,
wie Zielhöhe m, Differenz zwischen wirklicher und Kartenentfernung k oder wirkliche
Entfernung in Prozenten oder einem anderen Verhältnis zur Kartenentfernung auf der
Anzeigescheibe ab.
Zum Messen seitlicher Abstände von fernen Punkten
ermittelt man zuerst in bekannter Weise ihre Entfernung vom Standort und mißt hierauf
ihre Richtungsabweichung in Winkelteilen. Bei Einteilung der Quadranten in 16o Teile
ist die ausgewiesene Winkelzahl identisch mit dem Prozentsatz der gesuchten Breite
zur ermittelten Entfernung. Im übrigen ist das Meßgerät auch zu den Zwecken, für
die sich ein gewöhnlicher Routenkompaß eignet, in gleicher Weise verwendbar.