DE4422617C1 - Verfahren zur Dämpfung des Landestoßes - Google Patents
Verfahren zur Dämpfung des LandestoßesInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Dämpfung des Landestoßes eines
Raumflugkörpers, insbesondere einer bemannten oder unbemannten Kapsel,
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Für eine sicheren schonende Landung von in der Regel an Fallschirmen zu
Boden sinkenden Raumflugkörpern sind prinzipiell vier verschiedene Mög
lichkeiten bekannt:
- - Gedämpfte Landebeine
- - Retrorockets
- - Crash-Strukturen
- - Airbags.
Es sind auch Kombinationen möglich und teilweise bereits verwirklicht.
So zum Beispiel Retrorockets mit Landebeinen oder Retrorockets mit
Crash-Strukturen.
Unter dem Begriff "Retrorockets" sind Landetriebwerke zu verstehen, wel
che kurzzeitig einen der Schwerkraft entgegenwirkenden Schub erzeugen
und dadurch den betreffenden Raumflugkörper unmittelbar vor der Bodenbe
rührung abbremsen.
Sowohl Landebeine als auch Retrorockets mit zugehörigem Treibstoffsystem
sind technisch aufwendig, weisen einen nicht unerheblichen Platzbedarf
auf und erhöhen spürbar die Masse des Raumflugkörpers.
Crash-Strukturen sind verformbare Strukturen, welche meist zwischen dem
Hitzeschild und der Kabine/Nutzlast angeordnet sind. Diese nehmen die
kinetische Energie des Raumflugkörpers beim Landen durch plastische Ver
formung auf. Wegen des geringen, zur Verfügung stehenden Einbauvolumens
zwischen Hitzeschild und Kabine oder Nutzlast ist die realisierbare Dicke
dieser Crash-Strukturen relativ gering, so daß der Dämpfungshub für ein
sanftes Abbremsen bei der Landung meist nicht ausreicht. Deshalb müssen
in der Regel noch zusätzliche Maßnahmen zur Landestoßdämpfung, wie z. B.
Retrorockets, ergriffen werden.
Aus der DE-AS 11 87 497 ist eine Vorrichtung zur Dämpfung des Landesto
ßes von an Fallschirmen abgeworfenen Lasten bekannt, welche nach dem Re
trorocket-Prinzip Gas aus Düsen ausströmen läßt. Allerdings handelt es
sich hier nicht um Verbrennungsabgas, sondern um "kaltes", gespeichertes
Druckgas. Letzteres wird aus mehreren Düsen zwischen einer Plattform und
dem Erdboden ausgeblasen, so daß kurzfristig ein dämpfendes Gaskissen
entstehen soll. Es wird bezweifelt, ob der gewünschte Gaskisseneffekt
tatsächlich auftritt.
Die Verwendung von Gaskissen mit textilen bzw. polymeren Hüllen, d. h.
von Airbags, zur Landestoßdämpfung ist beispielsweise aus der
DE-OS 41 18 300 und der US-PS 2 887 055 bekannt. Airbag-Systeme sind relativ
leicht, einfach und benötigen im inaktiven Zustand wenig Platz. Aller
dings ist es eher schwierig, sie an variierende Landebedingungen (Sink
geschwindigkeit, Seitendrift etc.) anzupassen. Bei hohen Landegeschwin
digkeiten besteht die Gefahr des Platzens zumindest einzelner Kammern
bzw. die Gefahr des Zurückprallens infolge elastischer Energiespeiche
rung bei ungenügender Dämpfung. Airbag-Systeme sind im allgemeinen wenig
geeignet zur Aufnahme von Seitenkräften, d. h. von Scherbelastungen. Die
Folgen können sein, daß ein mit Seitendrift landender Raumflugkörper um
kippt oder sich überschlägt. Ein weiterer, gravierender Nachteil von
Airbag-Systemen ist der, daß in Relation zu Crash-Strukturen die Ener
gieaufnahmefähigkeit infolge des Abblasens bei gleichem Hub um ca. 50%
geringer ist.
Gegenüber diesen bekannten Lösungen mit ihren Nachteilen besteht die
Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren zur Dämpfung des Landestoßes
eines Raumflugkörpers anzugeben, welches die Vorteile von Airbag-Syste
men, wie geringes Einbauvolumen und Gewicht, aufweist aber deren Nach
teile vermeidet, das heißt zur Absorption von vertikalen und horizonta
len Aufprallkomponenten geeignet ist und bei optimaler Dämpfung zu maxi
maler Energieaufnahme fähig ist ohne eine Gefahr des Zurückprallens oder
Versagens (Platzen, Zerstörung etc.).
Diese Aufgabe wird durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruches 1
genannten Merkmale gelöst, in Verbindung mit den gattungsbildenden
Merkmalen im Oberbegriff.
Somit schlägt die Erfindung vor, als Ersatz für einen Airbag bzw. für
andere Crash-Strukturen vor der Landung ein mechanisch belastbares
Schaumkissen zu erzeugen, welches die kinetische Energie beim Landen im
wesentlichen durch plastische Verformung aufnimmt.
Die hierfür erforderlichen Komponenten (Schaumkartuschen, Abzugsvorrich
tungen etc.) sind Stand der Technik, das heißt erprobt und problemlos
erhältlich. Durch Anpassung/Optimierung der Parameter wie Kissenform,
Kissenvolumen, Schaumdichte, Härte, Aushärtungsgrad etc. lassen sich die
gewünschten Aufschlagsbedingungen erreichen. Aufgrund sehr geringer Aus
härtezeiten (z. B. wenige Sekunden bei Zweikomponenten-Reaktionsharz
schäumen) kann das Schaumkissen kurz vor der Landung erzeugt werden.
Selbstverständlich ist es auch möglich, mehrere separate Schaumkissen
mit gleichen oder unterschiedlichen Eigenschaften zu erzeugen.
Die Unteransprüche 2 bis 5 enthalten bevorzugte Ausgestaltungen des Ver
fahrens nach Anspruch 1.
Die Erfindung wird anschließend anhand der Zeichnung noch näher erläu
tert. Dabei zeigen in vereinfachter Darstellung:
Fig. 1 eine Kapsel mit Kabine und Hitzeschild vor Erzeugung eines dämp
fenden Schaumkissens,
Fig. 2 dieselbe Kapsel ohne Hitzeschild mit einem umhüllten, torusför
migen Schaumkissen,
Fig. 3 eine Kapsel mit Kabine und einem nach unten von der Kabine weg
ausfahrbaren Hitzeschild vor Erzeugung eines Schaumkissens,
Fig. 4 dieselbe Kapsel mit nach unten ausgefahrenem Hitzeschild und mit
einem Schaumkissen zwischen Kabine und Hitzeschild.
Die Kapsel 1 nach Fig. 1 trägt in ihrer Struktur 3 eine Kabine 5, in
welcher eine Besatzung aus einer oder mehreren Personen untergebracht
sein kann. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wird die Kapsel 1
durch das Hitzeschild 7 thermisch geschützt, welches im Schnitt darge
stellt ist. Zwischen der Kabine 5 und dem Hitzeschild 7 sind an der Kap
selstruktur 3 befestigte Schaumkartuschen 11 erkennbar, welche zwei im
inaktiven Zustand voneinander getrennte Komponenten eines Reaktionsharz
schaumes enthalten.
Die den gravitationsbedingten Fall der Kapsel 1 bremsenden Fall- oder
Gleitschirme sind der Einfachheit halber nicht dargestellt.
Fig. 2 zeigt den Zustand der Kapsel 1 kurz vor der Landung mit einsatz
bereitem Schaumkissen 13. Um für dieses Platz zu schaffen, wurde das
Hitzeschild 7 vorher abgeworfen (Vorgang nicht dargestellt). Damit der
Schaum in definierter Form aushärtet, wurde er in eine Hülle in Form ei
nes torusförmigen Sackes 10 eingebracht. Eine solche Hülle, beispiels
weise aus Kunststoffgewebe, ist vorzugsweise gasdurchlässig aber schaum
undurchlässig ausgeführt. Je nach Gestalt der Hülle lassen sich prak
tisch beliebige Schaumkissenformen verwirklichen, wobei auch mehrere,
getrennte Kissen kombinierbar sind.
Falls die exakte Kissenform keine so wichtige Rolle spielt, kann man den
Schaum auch frei, ohne Hülle, quellen und aushärten lassen. Beim Auf
schlag auf der Erdoberfläche - oder auch auf einer Wasserfläche - wird
das Schaumkissen mehr oder weniger stark plastisch deformiert.
Es ist anzustreben, den elastischen Verformungsanteil möglichst klein zu
halten, um Rückpralleffekte weitgehend zu unterbinden. In diesem Sinne
kann eine Schaumstruktur günstig sein, welche absichtlich nicht voll
ständig ausgehärtet ist.
Die Kapsel 2 nach Fig. 3 umfaßt ebenfalls eine Struktur 4, eine Kabine
6, ein Hitzeschild 8 sowie Schaumkartuschen 12 zwischen Kabine 6 und
Hitzeschild 8. Die Besonderheit hier ist, daß der Abstand zwischen Kabi
ne 6 und Hitzeschild 8 mittels einer über Pneumatikzylinder 9 betätigba
re Lenkeranordnung deutlich vergrößert werden kann. Dieser Zustand mit
großem Abstand ist in Fig. 4 wiedergegeben. Das Schaumkissen 14 füllt
den Zwischenraum vollständig aus und wirkt so als stark dämpfende
Crash-Struktur zwischen Hitzeschild 8 und Kabine 6. Das beim Wiederein
tritt ohnehin zumindest oberflächlich beschädigte Hitzeschild 8 bekommt
hier den ungedämpften, harten Landestoß ab.
Bezugszeichenliste
1 Kapsel
2
3 Kapselstruktur
4
5 Kabine
6
7 Hitzeschild
8
9 Pneumatikzylinder
10 Sack, torusförmig
11 Schaumkartusche
12
13 Schaumkissen
14.
2
3 Kapselstruktur
4
5 Kabine
6
7 Hitzeschild
8
9 Pneumatikzylinder
10 Sack, torusförmig
11 Schaumkartusche
12
13 Schaumkissen
14.
Claims (5)
1. Verfahren zur Dämpfung des Landestoßes eines Raumflugkörpers,
insbesondere einer bemannten oder unbemannten Kapsel, welcher sich nach
Wiedereintritt ν die Erdatmosphäre infolge der Aktivierung mindestens
einer aerodynamischen Bremsvorrichtung, insbesondere von Fallschirmen,
der Erdoberfläche in gebremstem Fall nähert, mit Hilfe einer vor der
Landung aktivierbaren, nachgiebig verformbaren Dämpfungsstruktur, da
durch gekennzeichnet, daß in dem Zeitraum zwischen Wiedereintritt und
Landung an der zur Erdoberfläche weisenden Unterseite des Raumflugkör
pers (Kapsel 1, 2) mindestens ein mechanisch belastbares Schaumkissen
(13, 14) erzeugt wird, welches die kinetische Energie des Raumflugkör
pers (Kapsel 1, 2) beim Landen im wesentlichen durch plastische Verfor
mung aufnimmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das
Schaumkissen (13, 14) durch das Zusammenführen zweier Komponenten eines
Reaktionsharzes erzeugt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß
die chemische Reaktion zur Erzeugung des Schaumkissens während oder kurz
nach der Wiedereintrittsphase des Raumflugkörpers unter Ausnutzung der
dabei herrschenden, hohen Temperaturen eingeleitet wird.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, da
durch gekennzeichnet, daß das Schaumkissen (13) durch Ausschäumen eines
- im gefüllten Zustand - torusförmigen Sackes (10) erzeugt wird.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, zur
Dämpfung des Landestoßes eines Raumflugkörpers mit einem seine Kabine in
der Wiedereintrittsphase schützenden, selbsttragenden Hitzeschild, da
durch gekennzeichnet, daß nach dem Wiedereintritt des Raumflugkörpers
(Kapsel 2) das Hitzeschild (8) von der Kabine (6) weg nach unten ausge
fahren wird (Pneumatikzylinder 9), und der sich dadurch ergebende Zwi
schenraum ausgeschäumt wird (Schaumkissen 14).
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|---|---|---|---|
| DE19944422617 DE4422617C1 (de) | 1994-06-28 | 1994-06-28 | Verfahren zur Dämpfung des Landestoßes |
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| DE4422617C1 true DE4422617C1 (de) | 1995-06-08 |
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- 1994-06-28 DE DE19944422617 patent/DE4422617C1/de not_active Expired - Fee Related
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Legal Events
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