DE4326240A1 - 15,15-Dialkyl-substituierte Derivate des Estradiols - Google Patents
15,15-Dialkyl-substituierte Derivate des EstradiolsInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft die neuen 15,15-Dialkyl-substituierten Derivate des
Estradiols der allgemeinen Formel I
worin
R¹ und R² unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom oder eine gerad- oder verzweigtkettige Alkanoylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen oder eine Benzoylgruppe sowie
R³ und R⁴ unabhängig voneinander für eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten.
R¹ und R² unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom oder eine gerad- oder verzweigtkettige Alkanoylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen oder eine Benzoylgruppe sowie
R³ und R⁴ unabhängig voneinander für eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten.
Die Reste R¹ und R² können identisch oder verschieden sein.
Vorzugsweise steht für die Reste R¹ und/oder R² ein Wasserstoffatom.
Als Acylgruppen R¹ und R² kommen Reste von organischen Carbonsäuren mit 1 bis 10
Kohlenstoffatomen infrage. Sie leiten sich ab von aliphatischen, cycloaliphatischen,
aliphatisch-cycloaliphatischen und aromatischen Monocarbonsäuren. Die Anzahl der
Kohlenstoffatome im Ring variiert von 3 bis 6. Bevorzugt werden als Reste R¹ und R² die
Acylgruppen der Essig-, Propion-, Butter-, Isobutter-, Pivalin-, Capron-, Heptyl-, Capryl-,
Pelargon-, Decan-, 3-Cyclopentylpropion- und Benzoesäure.
Für die Reste R³ und R⁴ ist je eine Methyl-, Ethyl-, Propyl-, iso-Propyl-, Butyl-, iso-
Butyl- oder tert.-Butylgruppe möglich.
Die beiden Reste können dabei vorzugsweise identisch oder aber auch verschieden sein.
Insbesondere ist das Kohlenstoffatom 15 mit zwei Methylgruppen substituiert.
Als erfindungsgemäß besonders bevorzugte Verbindung ist 15,15-Dimethyl-estra-
1,3,5(10)-trie-3,17β-diol zu nennen.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen der allgemeinen Formel I weisen eine starke
Affinität zum Estrogenrezeptor auf und sie besitzen insbesondere auch nach oraler
Applikation hohe estrogene Wirksamkeit.
Als Verbindungen mit hoher estrogener Wirksamkeit sind beispielsweise die natürlichen
Estrogene Estradiol und Estriol (E. Schröder, C. Rufer und R. Schmiechen,
Pharmazeutische Chemie, 1982, Georg Thieme Verlag, Stuttgart-New York, S. 568 ff)
bekannt. Sie sind aber metabolisch nicht stabil und werden nach oraler Applikation durch
Oxidation der 17-Hydroxygruppe zum entsprechenden, unwirksameren Estronderivat
abgebaut. Aufgrund dieser schnellen metabolischen Inaktivierung sind sie für die orale
Anwendung wenig geeignet.
Durch Einführung beispielsweise einer Ethinylgruppe am 17-C-Atom (Ethinylestradiol,
loc. cit., S. 574) kann die Oxidation der 17-Hydroxygruppe verhindert werden und die
entsprechenden Derivate verfügen demzufolge über hohe estrogene Wirksamkeit nach
peroraler Applikation. Die estrogene Wirkung der erfindungsgemäßen Verbindungen der
allgemeinen Formel I nach oraler Gabe ist mit der des Standards 17α-Ethinylestradiol
vergleichbar.
Erst in jüngerer Zeit ist es gelungen, nicht durch Variationen der Substituenten am Steroid
gerüst, sondern durch Modifikation des Steroidgerüstes selbst estrogene Verbindungen mit
hoher peroraler Wirksamkeit zu erhalten. So blockiert die Überbrückung der 14- und 17-
Kohlenstoffatome des Estradiols mit einer Etheno- bzw. Ethanobrücke die Oxidation der
17β-Hydroxygruppe (J. Chem. Commun., 1986, 451-453 bzw. Internationale Patentan
meldung PCT/DE 87/00361).
Auch Derivate des Estradiols, die eine 14α,15α-Methylengruppe tragen, stellen Verbin
dungen mit hoher estrogener Wirksamkeit nach oraler Applikation dar (US-A-4,231,946).
Offenbar wird auch bei den erfindungsgemäßen Verbindungen der Angriff der Steroid-
17β-Dehydrogenase durch die Einführung zweier Alkylgruppen in der Position C-15
blockiert und somit die metabolische Oxidation der 17-Hydroxygruppe trotz Vorhan
denseins eines Wasserstoffatoms am 17-C-Atom erschwert.
Zur Bestimmung der Stabilität von Estradiol (A) selbst sowie der erfindungsgemäßen
Verbindung 15,15-Dimethyl-estra-1,3,5(10)-trien-3,17β-diol (B) gegen 17β-Hydroxy
steroid-Dehydrogenase aus Human-Placenta werden die Testsubstanzen mit Placenta-
Mikrosomen in Gegenwart von NADP (Nicotinamid-adenin-dinucleotidphosphat; 0,5
mmolar) inkubiert. Die Steroide (Ausgangssubtrat und Produkt) werden extrahiert und
durch HPLC getrennt. Zur Auswertung werden die Quotienten aus den elektronisch
integrierten Peakflächen des entsprechenden Reaktionsprodukts (nämlich der vermuteten
17-Ketoverbindung) und der Ausgangssubstanz gebildet und gegen die Inkubationszeit
aufgetragen (Abb. 1). Während Estradiol (A) durch die 17β-Hydroxysteroid-Dehydroge
nase in beträchtlichem Maße in das Estron umgewandelt wird, stellt die erfindungsgemäße
Verbindung 15,15-Dimethyl-estra-1,3,5(10)-trien-3,17β-diol (B) ein nur mäßiges Substrat
für die 17β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase dar.
Dies kann die orale Wirksamkeit der neu beschriebenen Substanzen erklären.
Dies kann die orale Wirksamkeit der neu beschriebenen Substanzen erklären.
Die estrogene Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Verbindungen wird durch die Ergeb
nisse des Estrogenrezeptor-Bindungstests belegt. Bei diesem bekannten in vitro-Test wird
Gewebe aus Ratten-Uteri präpariert sowie als Bezugssubstanz radioaktiv markiertes ³H-
Estradiol verwendet. Die erfindungsgemäße Verbindung 15, 15-Diemethyl-estra-1,3,5(10)
trien-3,17β-diol besitzt demnach einen Kompetitionsfaktor K von 1,5.
Die Erfindung betrifft somit auch die Verwendung der Verbindungen der allgemeinen
Formel I zur Herstellung von Arzneimitteln.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen können in der gleichen Weise wie Ethinylestradiol,
welches das am meisten verwendete Estrogen ist, formuliert und eingesetzt werden. Sie
werden mit den in der galenischen Pharmazie üblichen Zusätzen, Trägersubstanzen
und/oder Geschmackskorrigentien nach an sich bekannten Methoden zu den üblichen
Arzneimittelformen verarbeitet. Für die orale Applikation kommen insbesondere
Tabletten, Dragees, Kapseln, Pillen, Suspensionen oder Lösungen infrage. Für die paren
terale Applikation kommen insbesondere ölige Lösungen, wie zum Beispiel Sesamöl- oder
Rizinusöllösungen, infrage, die gegebenenfalls zusätzlich noch ein Verdünnungsmittel, wie
zum Beispiel Benzylbenzoat oder Benzylalkohol, enthalten können.
Die Wirkstoffkonzentration in den pharmazeutischen Zusammensetzungen ist abhängig
von der Applikationsform und dem Anwendungsgebiet. So können zum Beispiel Kapseln
oder Tabletten zur Behandlung von Estrogenmangelerscheinungen 0,001 bis 0,05 mg
Wirkstoff, ölige Lösungen zur intramuskulären Injektion pro 1 ml etwa 0,01 bis 0,1 mg
Wirkstoff und Vaginalsalben etwa 0,1 bis 10 mg pro 100 ml Salbe enthalten. Zur Kontra
zeption bei der Frau können die erfindungsgemäßen Estrogene in Kombination mit Gesta
genen angewandt werden. Tabletten oder Dragees zur täglichen Einnahme einer Tablette
oder eines Dragees sollen vorzugsweise 0,003 bis 0,05 mg des erfindungsgemäßen
Estrogens und 0,05 bis 0,5 mg eines Gestagens enthalten.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen können bei Estrogenmangelerscheinungen der
Frau, wie zum Beispiel Amenorrhoe, Dysmenorrhoe, Sterilität, Endometritis, Kolpitis und
klimakterischen Beschwerden und zur Prävention der Osteoporose verwendet werden.
Ferner können die Verbindungen als estrogene Komponente in hormonellen Kontrazeptiva
(Einphasen- und Mehrphasen- und Mehrstufenpräparate) eingesetzt werden. Außerdem
sind sie in Verbindung mit anderen Wirkstoffen zur Verwendung in hormontragenden
Intrauterinpessaren, implantierbaren Wirkstoffträgern sowie in transdermalen Applika
tionssystemen geeignet.
Die im Vergleich zu Estradiol und 17β-Ethinylestradiol gesteigerte Fettlöslichkeit
(aufgrund der lipophilen Alkylgruppen in 15-Position) macht die erfindungsgemäßen
Verbindungen in besonderem Maße geeignet zur Verwendung in derartigen
Depotformulierungen.
Die neuen Verbindungen der allgemeinen Formel I
worin
R¹ und R² unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom oder eine gerad- oder verzweigtkettige Alkanoylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen oder eine Benzoylgruppe sowie
R³ und R⁴ unabhängig voneinander für eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten,
werden hergestellt, indem in einer Verbindung der allgemeinen Formel II
R¹ und R² unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom oder eine gerad- oder verzweigtkettige Alkanoylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen oder eine Benzoylgruppe sowie
R³ und R⁴ unabhängig voneinander für eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten,
werden hergestellt, indem in einer Verbindung der allgemeinen Formel II
worin
R1′ eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen ist und
R³ und R⁴ die in Formel I angegebene Bedeutung haben, der 3-Alkylether nach gängigen Verfahren gespalten und gegebenenfalls die 3- Hydroxygruppe partiell und anschließend gegebenenfalls die 17-Hydroxygruppe oder gegebenenfalls die 3- und 17-Hydroxygruppen gleichzeitig verestert und gegebenenfalls eine so erhaltene 3,17-Diacyloxy- selektiv zur 3-Hydroxy-17-acyloxy-Verbindung verseift wird.
R1′ eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen ist und
R³ und R⁴ die in Formel I angegebene Bedeutung haben, der 3-Alkylether nach gängigen Verfahren gespalten und gegebenenfalls die 3- Hydroxygruppe partiell und anschließend gegebenenfalls die 17-Hydroxygruppe oder gegebenenfalls die 3- und 17-Hydroxygruppen gleichzeitig verestert und gegebenenfalls eine so erhaltene 3,17-Diacyloxy- selektiv zur 3-Hydroxy-17-acyloxy-Verbindung verseift wird.
Als Alkylgruppe R1′ mit bis zu 10 Kohlenstoffatomen ist beispielsweise an eine Methyl-,
Ethyl-, Propyl-, iso-Propyl-, Butyl-, iso-Butyl- oder tert.-Butylgruppe oder auch an ein
höheres Homologes der genannten Gruppen gedacht. Eine Methylgruppe ist bevorzugt.
Die Spaltung des 3-Alkylethers wird nach den üblichen Methoden der Steroidetherspaltung
vorgenommen. So kann die 3-Alkyletherspaltung beispielsweise mit einer Lewissäure in
einem inerten Lösungsmittel in der Siedehitze durchgeführt werden. Als Lewissäuren sind
beispielsweise Bortrifluoridetherat oder Diisobutylaluminiumhydrid (DIBAH) geeignet.
Als Lösungsmittel kommen Benzol, Toluol, Tetrahydrofuran, Dioxan u. a. infrage.
Für die sich gegebenenfalls anschließende Veresterung der phenolischen und tertiären
Hydroxygruppe kommen die üblichen in der Steroidchemie zur Veresterung angewendeten
Verfahren in Betracht.
Die Veresterung wird beispielsweise durch Umsetzung mit einem entsprechenden
Carbonsäurehalogenid (Chlorid oder Bromid) oder -anhydrid (je nach letzendlich
gewünschten R¹ und/oder R²) in Gegenwart einer Base wie etwa 4-Dimethylaminopyridin
bei einer Temperatur von etwa 20 bis 80°C durchgeführt.
Werden Pyridin und 4-Dimethylaminopyridin als tertiäre Amine gemeinsam angewandt,
kann die Veresterung mit niederen Carbonsäureresten vorzugsweise bei Raumtemperatur
und mit höheren Carbonsäuren vorzugsweise bei 40 bis 80°C durchgeführt werden.
Als Beispiel sei auch die Umsetzung mit Essigsäure oder Acetanhydrid in Gegenwart
starker Säuren, wie zum Beispiel Trifluoressigsäure, Perchlorsäure oder p-
Toluolsulfonsäure, bei Raumtemperatur oder etwas angehobener Temperatur erwähnt.
Die Synthesen der beiden möglichen Halbester erfolgen durch partielle Veresterung oder
partielle Verseifung:
- a) Ausgehend von den 3,17β-Dihydroxyverbindungen lassen sich durch selektive Veresterung der phenolischen Hydroxygruppe die 3-Acyloxy-17β- hydroxyverbindungen erhalten. Die Reaktionen werden durch Umsetzungen des entsprechenden Säureanhydrids in Gegenwart eines heterocyclischen Stickstoffaromaten, vorzugsweise Pyridin, erreicht. Als Reaktionstemperatur eignet sich der Bereich zwischen Raum- und Siedetemperatur der Reaktionsmischung. Die selektive Veresterung der 3-Hydroxygruppe läßt sich auch durch die Menge des angebotenen Veresterungsreagenzes steuern.
- b) Ausgehend von den 3,17β-Diacyloxyverbindungen lassen sich durch selektive Verseifung der phenolischen Acyloxygruppe die 3-Hydroxy-17α- acyloxyverbindungen erhalten. Die Synthesen erfolgen durch Umsetzung mit einem Alkalicarbonat oder Erdalkalicarbonat, vorzugsweise Kalium- oder Calciumcarbonat, in wäßrig-methanolischer Lösung. Die Reaktionstemperatur kann im Bereich zwischen Raum- und Siedetemperatur der Reaktionsmischung liegen.
Die Herstellung der erfindungsgemäßen Verbindungen ist nachfolgend stellvertretend am
Beispiel des 15,15-Dimethyl-estra-1,3,5(10)-trien-3,17β-diols (vergl. Schema 1)
beschrieben.
Hierzu wurde das zur Herstellung von 3-Methoxy-15β-methyl-estra-1,3,5(10)-trien-17-on
beschriebene Verfahren (R. V. Coombs, U.S.-Patent 3,766,224; Chem. Abstr. 1974, 80,
27436k) modifiziert.
Das durch Addition von Lithiumdimethylcuprat an 1 erhaltene Enolat wird in situ durch
Zugabe von Trimethylchlorsilan in den entsprechenden Silylenolether überführt, der ohne
weitere Aufreinigung mit Palladiumacetat im Sinne einer Tsuji-Dehydrierung
(J. Tsuji et al., Chem. Letters 1133, 1984) zum 3-Methoxy-15-methyl-estra-1,3,5(10),15-
tetraen 2 umgesetzt wird. Durch nochmalige Addition von Lithiumdimethylcuprat an das
ungesättigte Keton 2 erhält man die 15,15-dimethylsubstituierte Verbindung 3, die durch
Reduktion der C-17-Carbonylgruppe nach gängigen Verfahren in die 17β-Hydroxyver
bindung 4 (eine Ausgangsverbindung der allgemeinen Formel II) überführt wird.
Durch Verwendung der entsprechenden Dialkyllithiumcuprate sind die Reste R³ und R⁴
im Rahmen der allgemeinen Formel I beliebig variierbar und durch zur Herstellung der
Verbindung 4 analoges Vorgehen die zur Synthese sämtlicher Verbindungen der
allgemeinen Formel I benötigten Ausgangsverbindungen der allgemeinen Formel II
zugänglich.
Für den Fall, daß R³ und R⁴ unterschiedlich sind, läßt sich die Stereochemie am Kohlen
stoffatom 15 durch die Reihenfolge der Alkylierungsschritte steuern.
Die 17β-Hydroxyverbindungen der allgemeinen Formel II und die zu deren Synthese
durchlaufenen 17-Ketoverbindungen sind neu und gehören -zusammengenommen als
Ausgangsverbindungen der allgemeinen Formel IIa- ebenfalls zum Gegenstand
vorliegender Erfindung.
Das nachfolgende Beispiel dient der näheren Erläuterung der Erfindung.
35,5 ml Methyllithium (1,5M) werden zu einer Aufschlämmung von 5,07 g Kupfer-I-iodid
(26,6 mmol) in 10 ml trockenem Diethylether unter Rühren bei 0°C zugegeben. Nach
Kühlung der entstandenen klaren Lithiumdimethylcuprat-Lösung auf -78°C werden 3,8 ml
Triethylamin (27,4 mmol) und 3,5 ml Trimethylsilylchlorid (27,6 mmol) hinzugefügt.
Man beläßt 5 Minuten bei dieser Temperatur und tropft dann eine Lösung von 5,0 g des
Δ¹⁵-17-Ketons 1 (17,7 mmol) in 40 ml trockenem Tetrahydrofuran hinzu. Nach 20
Minuten wird gesättigte wäßrige Ammoniumchlorid-Lösung zugesetzt. Der nach
Aufarbeitung mit Ethylacetat erhaltene Rückstand (6,41 g) wird in 180 ml Acetonitril
aufgelöst, 3,88 g Palladium-II-acetat (17,3 mmol) addiert und das Gemisch 20 Minuten
lang unter Rückfluß erhitzt. Nach Filtrieren und Einengen des Reaktionsgemisches erhält
man 4,96 g dunkles, kristallines Produkt. Chromatographie an Kieselgel (50 g) mit
Ethylacetat-Toluol (1 : 9) als Elutionsmittel liefert 4,81 g 3-Methoxy-15-methylestra-
1,3,5(10),15-tetraen-17-on (2) [Ausbeute: 92% bezogen auf 1], Schmp. 156-158°C (aus
Ethylacetat-Methanol).
Zu einer Lösung von 1,1 mmol Dimethylcuprat in 2 ml trockenem Diethylether (herge
stellt wie vorstehend beschrieben) werden bei -78°C 0,1 ml Bortrifluorid-Diethylether
Komplex (0,80 mmol) und anschließend 163 mg 2 (0,55 mmol) in 2 ml trockenem
Tetrahydrofuran und nach weiteren 30 Minuten gesättigte wäßrige Ammoniumchlorid-
Lösung zugegeben. Die Standard-Aufarbeitung mit Ethylacetat führt zu einem kristallinen
Produkt, welches nach Chromatographie an Kieselgel (5 g) mit Ethylacetat-Toluol (1 : 19)
als Eluens 146 mg 3-Methoxy-15,15-dimethylestra-1,3,5(10)-trien-17-on(3) [Ausbeute
70%] vom Schmelzpunkt 145-148°C (aus Ethylacetat-Methanol) ergibt.
Zu einer Lösung von 50 mg 3 (0,16 mmol) in 2 ml trockenem Tetrahydrofuran werden bei
0°C 30 mg Lithiumaluminiumhydrid (0,79 mmol) zugegeben. Nach 20 minütigem Rühren
des Gemisches bei 20°C wird restliches Lithiumaluminiumhydrid mit Ethylacetat bei 0°C
zerstört. Der nach Aufarbeitung mit Chloroform angefallene Rückstand wird unter Erhalt
von 43 mg
3-Methoxy-15,15-dimethylestra-1,3,5(10)-trien-17β-ol (4) [Ausbeute 85%] mit
Schmelzpunkt 87-91°C (aus Chloroform-Hexan) umkristallisiert.
176 mg des 17β-Alkohols 4 (0,56 mmol) werden in 7 ml trockenem Toluol gelöst und auf
0°C gekühlt. Nach Zugabe von 5,5 ml Diisobutylaluminiumhydrid (1,5M) wird das
Gemisch 8 Stunden lang unter Rückfluß erhitzt. Dann wird das Reaktionsgefäß auf 0°C
gekühlt, gesättigte wäßrige Ammoniumchlorid-Lösung und anschließend verdünnte
Essigsäure zugesetzt. Standardaufarbeitung mit Ethylacetat führt zu 159 mg 15,15-
Dimethylestra-1,3,5(10)-trien-3,17β-diol (5) [Ausbeute 95%] vom Schmelzpunkt 167-170°C (aus Ethylacetat).
Claims (9)
1. 15,15-Dialkyl-substituierten Derivate des Estradiols der allgemeinen Formel I
worin
R¹ und R² unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom oder eine gerad- oder verzweigtkettige Alkanoylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen oder eine Benzoylgruppe sowie
R³ und R⁴ unabhängig voneinander für eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten.
R¹ und R² unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom oder eine gerad- oder verzweigtkettige Alkanoylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen oder eine Benzoylgruppe sowie
R³ und R⁴ unabhängig voneinander für eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten.
2. Verbindungen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß R¹ und/oder R² für ein
Wasserstoffatom stehen.
3. Verbindungen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß R³ und R⁴ unabhängig
voneinander für eine Methyl-, Ethyl-, Propyl-, iso-Propyl-, Butyl-, iso-Butyl- oder tert.-
Butylgruppe stehen.
4. Verbindungen nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß R³ und R⁴ je eine
Methylgruppe bedeutet.
5. Verbindung nach Anspruch 4, nämlich 15,15-Dimethyl-estra-1,3,5(10)-trien-3,17β-diol.
6. Verfahren zur Herstellung der Verbindungen der allgemeinen Formel I gemäß Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, daß in einer Verbindung der allgemeinen Formel II
worin
R1′ eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen ist und
R³ und R⁴ die in Formel I angegebene Bedeutung haben, der 3-Alkylether nach gängigen Verfahren gespalten und gegebenenfalls die 3- Hydroxygruppe partiell und anschließend gegebenenfalls die 17-Hydroxygruppe oder gegebenenfalls die 3- und 17-Hydroxygruppen gleichzeitig verestert und gegebenenfalls eine so erhaltene 3,17-Diacyloxy- selektiv zur 3-Hydroxy-17-acyloxy-Verbindung verseift wird.
R1′ eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen ist und
R³ und R⁴ die in Formel I angegebene Bedeutung haben, der 3-Alkylether nach gängigen Verfahren gespalten und gegebenenfalls die 3- Hydroxygruppe partiell und anschließend gegebenenfalls die 17-Hydroxygruppe oder gegebenenfalls die 3- und 17-Hydroxygruppen gleichzeitig verestert und gegebenenfalls eine so erhaltene 3,17-Diacyloxy- selektiv zur 3-Hydroxy-17-acyloxy-Verbindung verseift wird.
7. Ausgangsverbindungen der allgemeinen Formel IIa
worin
R1′ eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen,
R³ und R⁴ unabhängig voneinander eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen sowie
Z entweder ein a-Wasserstoffatom und eine β-Hydroxygruppe oder ein Ketosauerstoffatom
bedeuten.
R1′ eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 10 Kohlenstoffatomen,
R³ und R⁴ unabhängig voneinander eine gerad- oder verzweigtkettige Alkylgruppe mit 1 bzw. im verzweigtkettigen Fall 3 bis 4 Kohlenstoffatomen sowie
Z entweder ein a-Wasserstoffatom und eine β-Hydroxygruppe oder ein Ketosauerstoffatom
bedeuten.
8. Pharmazeutische Präparate, enthaltend mindestens eine Verbindung der allgemeinen
Formel I gemäß Anspruch 1 sowie einen pharmazeutisch verträglichen Träger.
9. Verwendung der Verbindungen der allgemeinen Formel I gemäß Anspruch 1 zur
Herstellung von Arzneimitteln.
Priority Applications (23)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE4326240A DE4326240A1 (de) | 1993-08-02 | 1993-08-02 | 15,15-Dialkyl-substituierte Derivate des Estradiols |
| IL11053094A IL110530A (en) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15, 15-Dialkyl-substituted derivatives of estradiol and pharmaceutical compositions thereof |
| PCT/EP1994/002540 WO1995004070A1 (en) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15,15-dialkyl-substituted derivatives of estradiol |
| CZ96267A CZ26796A3 (en) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15,15-dialkyl-substituted derivatives of estradiol, process of their preparation, intermediates of the invented process process and pharmaceutical composition containing thereof |
| EP94924304A EP0712412B1 (de) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15,15-dialkylsubstituierte östradiolderivate |
| AT94924304T ATE175418T1 (de) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15,15-dialkylsubstituierte östradiolderivate |
| NZ271091A NZ271091A (en) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15,15-dialkylestra-1,3,5(10)-triene-3,17<beta>-diol derivatives; 17-keto or -(h,oh) intermediates |
| HU9600234A HUT73238A (en) | 1993-08-02 | 1994-08-01 | 15,15-dialkyl-substituted derivatives of estradiol and pharmaceutical compositions containing the same |
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