DE4306514C2 - Preßhilfsmittel auf Ligninsulfonatbasis - Google Patents
Preßhilfsmittel auf LigninsulfonatbasisInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein flüssiges Preßhilfsmittel zur Her
stellung von Futtermittel-Preßlingen.
Bei der Herstellung von Futtermittel-Preßlingen (Pellets) wer
den seit geraumer Zeit Alkali-, Ammonium- und Erdalkalilignin
sulfonate als Preßhilfsmittel eingesetzt, die durch Eindampfen
von bei der Zellstofferzeugung anfallender Sulfitablauge als
feinteilige, rieselfähige Pulver gewonnen werden (vgl. DE-AS 19 02 767).
Das Preßhilfsmittel hat die Funktion, die Reibung
beim Preßvorgang herabzusetzen, um so den Materialdurchsatz
durch die Presse zu erhöhen. Außerdem wird der innere Verbund
des Futtermittels verbessert und die Festigkeit der Preßlinge
erhöht.
Das pulverförmige Ligninsulfonat muß dem Futtermittel in einem
frühen Stadium zugegeben werden, um während eines dem Pressen
vorangehenden Mischens eine homogene Verteilung zu erreichen.
Der Anwender kann daher Veränderungen in der Konsistenz des
Preßguts, wie sie sich bei Änderung der Futtermittelformulie
rung oder aufgrund von Schwankungen in der Zusammensetzung ein
zelner Rohstoffe ergeben, nicht oder zumindest nicht schnell
durch Anpassung der Preßhilfsmittelzugabe begegnen.
Aus der US-PS 4 631 192 ist flüssiges Ligninsulfonat als Zusatz
zu einer Masse bekannt, aus der mittels eines Kompaktierers
Futtermittelpellets geformt werden (vgl. US-PS 4 631 192 Spalte
6 Zeilen 34-37; Patentanspruch 3).
Aus der US-PS 4 698 225 ist flüssiges Ligninsulfonat als Binder
bei der Herstellung von Futtermittelpellets bekannt. Das Lig
ninsulfonat wird in einem Coating-Prozeß als Mantelstoff auf
gebracht.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein aus unaufwendigen, physiolo
gisch gänzlich unbedenklichen Komponenten bestehendes Preß
hilfsmittel der eingangs genannten Art zu schaffen, das dem
Preßgut in dosierter Menge unmittelbar an der Presse zugegeben
werden kann, was Konsistenzänderungen durch prompte Anpassung
der Preßhilfsmittelzugabe Rechnung zu tragen erlaubt, und das
die Reibung in der Presse sehr wirkungsvoll herabsetzen und die
Festigkeit der Preßlinge erhöht.
Diese Aufgabe wird mit einem flüssigen Preßhilfsmittel der ein
gangs genannten Art dadurch gelöst, daß es aus Ligninsulfonat,
1 bis 7 Vol.-% Zucker sowie 1 bis 7 Vol.-% Stärke besteht.
Flüssige Preßhilfsmittel lassen sich im allgemeinen nicht gut
an der Presse einsetzen, weil sie den Feuchtigkeitsgehalt des
Preßguts erhöhen, was dessen Verarbeitung erschwert. Es besteht
die Befürchtung, die Presse in kritischen Bereichen festzufah
ren. Mit dem erfindungsgemäßen Preßhilfsmittel geht dieses Pro
blem nicht einher, da es die Reibung in der Presse so effektiv
herabsetzt, daß die durch das Befeuchten bedingte Erschwerung
der Verarbeitung deutlich überkompensiert wird. Erreicht wird
das durch den Aufbau von Wasserstoffbrückenbindungen beim Ver
pressen des Futtermittels. Diese Bindungen sind für die Festig
keit eines Futtermittel-Preßlings verantwortlich. Das Preß
hilfsmittel stellt einen Wasserstoffbrückenlieferanten dar.
Das Makromolekül Ligninsulfonat stellt ein dreidimensionales,
unregelmäßiges, räumliches, polares Netzwerk mit einer großen
Anzahl von Hydroxidgruppen dar. Beim Pressvorgang reagiert es
mit der eingesetzten Glucose und stellt somit das Trägermate
rial dar. Die in Schwebe befindliche Maisstärke ist der eigent
liche Wasserstoffbrückenlieferant und fungiert als Vermittler
zwischen dem Futterkorn und dem Trägermaterial.
Im weiteren wird bei zusätzlicher Schaffung von Wasserstoff
brückenbindungen die innere Reibung des Systems herabgesetzt
und damit die Durchsatzleistung pro Zeiteinheit der Presse
erhöht.
Auch wird durch die Zugabe des erfindungsgemäßen Preßhilfsmit
tels die Festigkeit der Preßlinge (Pellets) erhöht.
Das Ligninsulfonat liegt vorzugsweise in Form von Magnesiumlig
ninsulfonat vor, wie es beim Sulfitzellstoffaufschluß nach dem
Magnesiumverfahren anfällt. Magnesiumligninsulfonat ist für die
Tierernährung bevorzugt, da Kalzium und Magnesium nicht nur
chemisch, sondern auch ernährungsphysiologisch Antagonisten
sind und eher ein Magnesiummangel, als ein Kalziummangel in der
Tiernahrung vorliegt.
Für den beschriebenen Wirkungsmechanismus muß der Ligninsulfo
natanteil des erfindungsgemäßen Preßhilfsmittels weit überwie
gen. Der Zuckeranteil beträgt nicht mehr als 7 Vol.-% und auch
der Stärkeanteil nicht mehr als 7 Vol.-%. Bei höheren Zucker-
und Stärkeanteilen blockieren sich diese Komponenten, indem sie
in unerwünschter Weise miteinander reagieren.
Ein Teil des in dem erfindungsgemäßen Preßhilfsmittel enthalte
nen Zuckers sollte von zyklischen Hexosen, insbesondere Gluco
se, gebildet sein. Die einschlägigen Zucker sind in großer
Menge verfügbar, kostengünstig und physiologisch gänzlich unbe
denklich.
Der Zuckeranteil des erfindungsgemäßen Preßhilfsmittels
stammt vorzugsweise aus einer zuckerhaltigen Melasse, wie
sie als Abstoff bei der Zuckerherstellung aus Zuckerrüben
oder Zuckerrohr anfällt. Der Glucoseanteil von Melasse aus
der Zuckerrübenverarbeitung beträgt ca. 60% bis ca. 70%.
Melasse ist in großer Menge verfügbar, kostengünstig und
physiologisch gänzlich unbedenklich. Sie wird erfindungsge
mäß einer sinnvollen Weiterverwertung zugeführt.
Für den Stärkeanteil des erfindungsgemäßen Preßhilfsmittels
kommen verschiedene Stärken in Betracht, z. B. Maisstärke,
Kartoffelstärke u. a. Maisstärke ist vom sterischen Aufbau
bevorzugt; sie hat aufgrund der cis-Stellung einer Hydroxyl
gruppe eine besonders hohe Wirksamkeit. Maisstärke ist in
großer Menge verfügbar, kostengünstig und physiologisch
gänzlich unbedenklich.
Ein bevorzugtes Preßhilfsmittel gemäß der Erfindung hat
folgende Zusammensetzung:
- - 1 bis 5, vorzugsweise 3 Vol.-% glucosehaltige Melasse
- - 1 bis 5, vorzugsweise 3 Vol.-% Maisstärke
- - Rest auf 100 Vol.-% flüssiges Ligninsulfonat, vorzugsweise Magnesiumligninsulfonat.
Vorzugsweise wird das erfindungsgemäße Preßhilfsmittel dem
Preßgut unmittelbar vor dem Preßvorgang in dosierter Menge
zugegeben. Da das Preßhilfsmittel in flüssiger Form vor
liegt, kann es zum Eintrag in das Preßgut versprüht oder
zerstäubt werden. Dadurch wird eine homogene Verteilung des
Preßhilfsmittels und ein inniger Kontakt zwischen dem Preß
hilfsmittel und den körnigen Bestandteilen des Preßguts
erreicht.
Bei Bedarf kann das flüssige Preßhilfsmittel z. B. durch
Einsatz eines Zerstäubungstrockners in einen pulverförmigen
Aggregatzustand versetzt werden.
Die Erfindung wird im folgenden anhand eines Anlagenschemas
und eines Vergleichsversuchs näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 das Anlagenschema; und
Fig. 2 und Fig. 3 Blockdiagramme des Ergebnisses einer
Abriebmessung an sieben Futtermittelproben, die mit
(schraffierte Balken) bzw. ohne (schwarze Balken)
Preßhilfsmittel gepreßt wurden;
Fig. 2 gibt den gemessenen Abrieb direkt nach dem Preßvor
gang, und
Fig. 3 den gemessen Abrieb nach acht Tagen Lagerdauer
wieder.
Gemäß Fig. 1 gelangt das erfindungsgemäße Preßhilfsmittel
aus einem Tank 10 oder Wechselcontainer in einen Vorratsbe
hälter 12. Es wird mit einer Pumpe 14, deren Fördervolumen
strom mittels eines Frequenzreglers 16 regelbar ist, an eine
Futtermittelpresse 18 gefördert und in deren Preßkammer
hinein zerstäubt. Das geschieht mit einem düsenartigen Zer
stäuber 20 an einer Dampfzufuhreinrichtung 22 für Wasser
dampf. Der Frequenzregler 16 dient zur Feinregelung des an
die Presse 18 gelangenden Preßhilfsmittelvolumenstroms.
Überschüssiges Preßhilfsmittel gelangt über eine Rezirkula
tionsleitung 24 in den Vorratsbehälter 12 zurück.
Preßhilfsmittel bestehend aus 3 Vol.-% glucosehaltiger
Melasse, 3 Vol.-% Maisstärke und 94 Vol.-% Magnesiumlignin
sulfonat wird in der Anlage gemäß Fig. 1 auf sieben ver
schiedene Standard-Futtermittelkompositionen von Rinderfut
ter F1 bis F7 aufgesprüht, unmittelbar bevor das Preßgut zu
Pellets gepreßt wird. Es werden Pellets mit und ohne Preß
hilfsmittel hergestellt und ihr Abrieb nach einem herkömmli
chen Test ermittelt. Mit dem erfindungsgemäßen Preßhilfsmit
tel hergestellte Pellets zeigen sowohl unmittelbar nach dem
Pressen (vgl. Fig. 2) als auch nach acht Tagen Lagerzeit
(vgl. Fig. 3) deutlich weniger Abrieb, d. h. eine erhöhte
Pelletfestigkeit.
Bezugszeichenliste
10 Tank
12 Vorratsbehälter
14 Pumpe
16 Frequenzregler
18 Futtermittelpresse
20 Zerstäuber
22 Dampfzufuhreinrichtung
24 Rezirkulationsleitung
12 Vorratsbehälter
14 Pumpe
16 Frequenzregler
18 Futtermittelpresse
20 Zerstäuber
22 Dampfzufuhreinrichtung
24 Rezirkulationsleitung
Claims (6)
1. Flüssiges Preßhilfsmittel zur Herstellung von Futtermittel-
Preßlingen, dadurch gekennzeichnet, daß es aus Ligninsul
fonat, 1 bis 7 Vol.-% Zucker sowie 1 bis 7 Vol.-% Stärke
besteht.
2. Preßhilfsmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß das Ligninsulfonat Magnesiumligninsulfonat ist.
3. Preßhilfsmittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn
zeichnet, daß ein Teil des Zuckers von zyklischen Hexosen,
insbesondere Glucose gebildet wird.
4. Preßhilfsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, daß es eine zuckerhaltige, insbesondere
glucosehaltige, Melasse enthält.
5. Preßhilfsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß es Maisstärke enthält.
6. Preßhilfsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekenn
zeichnet durch folgende Zusammensetzung:
- - 1 bis 5, vorzugsweise 3 Vol.-% glucosehaltige Melasse,
- - 1 bis 5, vorzugsweise 3 Vol.-% Maisstärke,
- - Rest auf 100 Vol.-% flüssiges Ligninsulfonat, vorzugs weise Magnesiumligninsulfonat.
Priority Applications (5)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE4306514A DE4306514C2 (de) | 1993-03-03 | 1993-03-03 | Preßhilfsmittel auf Ligninsulfonatbasis |
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- 1993-03-03 DE DE4306514A patent/DE4306514C2/de not_active Expired - Fee Related
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- 1994-02-24 WO PCT/DE1994/000193 patent/WO1994019964A1/de not_active Ceased
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| FI945167L (fi) | 1994-11-02 |
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| WO1994019964A1 (de) | 1994-09-15 |
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