DE4022473A1 - Fahrrad - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft ein Fahrrad mit mindestens einem
über eine Kette oder dergleichen antreibbaren Ritzel
und einem Mehrgang-Getriebe, dessen Übersetzungsver
hältnis bei Bewegung eines Stellgliedes veränderbar
ist.
Für Fahrräder gibt es zwei Arten von Mehrgang-Getrie
ben, nämlich ein in der Nabe des hinteren Laufrades
untergebrachtes Getriebe (Nabengangschaltung) und ein
in Form einer Kettenschaltung ausgeführtes Getriebe
(insbesondere bei Renn- und Tourenrädern sowie Mountain
Bikes). Bei beiden Getriebearten wird der Schaltvorgang
zum Schalten des Getriebes von einem Gang auf einen
anderen, d. h. zum Verändern des Übersetzungsverhält
nisses des Getriebes, durch Bewegen eines Stellgliedes
bewerkstelligt. Dieses Stellglied verändert im Falle
einer Nabenschaltung die relative Position von Plane
tenzahnradsätzen, während es bei einer Kettenschaltung
einen Mitnehmer für die Kette, den sogenannten unter
halb der Ritzel angeordneten Überwerfer, in axialer
Richtung verschiebt, so daß sich die Kette von einem
der Ritzel löst und um ein benachbartes Ritzel gelegt
wird. Sowohl bei Naben- als auch bei Kettenschaltungen
wird das jeweilige Stellglied durch Spannen eines Seil
zuges gegen die Kraft einer Rückstellfeder vorbewegt
und durch Entspannen des Seilzuges aufgrund der Rück
stellfederkraft zurückbewegt. Das Spannen und Ent
spannen des Seilzuges erfolgt durch einen im vorderen
Bereich des Fahrradrahmens oder am Fahrradlenker ange
ordneten Verstellhebel. Durch Längen des Seilzuges
verstellt sich die Gangschaltung im Laufe der Zeit, so
daß nicht immer sichergestellt ist, daß einer bestimm
ten Stellung des Verstellhebels ein bestimmter Gang
zugeordnet ist. Demzufolge ist von Zeit zu Zeit eine
Justierung der Gangschaltung erforderlich, was relativ
zeitaufwendig und lästig ist. Ferner verzögert die
infolge der Längung des Seilzuges und des Spiels erfor
derliche Feineinstellung des Verstellhebels beim
Schalten den Schaltvorgang selbst mitunter erheblich.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Fahrrad
mit einem Mehrgang-Getriebe zu schaffen, bei dem stets
ein exaktes Schalten des Getriebes gewährleistet ist,
ohne daß Nachstellarbeiten erforderlich sind.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird mit der Erfindung vorge
schlagen, daß das Stellglied von einem Stellmotor
direkt bewegbar ist und daß eine Steuereinheit vorge
sehen ist, durch die zum Schalten des Getriebes der
Stellmotor derart ansteuerbar ist, daß sich das Stell
glied um einen vorbestimmten Betrag bewegt. Nach der
Erfindung wird das Stellglied des Mehrgang-Getriebes
direkt von einem Stellmotor, insbesondere einem
Elektromotor, angetrieben bzw. in Bewegung gesetzt,
d. h., daß der Stellmotor direkt auf das Stellglied
einwirkt. Zur Ansteuerung des Motors ist eine (elek
tronische) Steuereinheit vorgesehen, die vorteilhafter
weise in Form eines Mikroprozessors ausgeführt ist. Die
Steuereinheit steuert zum Umschalten des Getriebes von
einem Gang auf den nächsten den Motor derart an, daß
dieser das Stellglied um einen vorbestimmten Betrag
vor- oder zurückbewegt oder in sonstiger Weise in Bewe
gung, eventuell auch in Rotationsbewegung, versetzt.
Die direkte Kopplung von Stellmotor und Stellglied
macht eine Nacheinstellung des Getriebes entbehrlich.
Die Bewegung des Stellgliedes erfolgt deshalb mit einer
außerordentlichen Exaktheit und Wiederholgenauigkeit.
Ist die Steuereinheit einmal programmiert, um den
Stellmotor zum Einlegen der verschiedenen Gänge des
Getriebes anzusteuern, brauchen an diesem Ansteuerungs
programm über die Betriebsdauer der erfindungsgemäßen
Gangschaltung betrachtet keine Veränderungen mehr
vorgenommen zu werden.
Die Erfindung läßt sich sowohl bei Mehrgang-Naben
schaltungen als auch bei Kettenschaltungen umsetzen. Im
Falle einer Nabenschaltung kann der Motor platzsparend
direkt auf der Achse der Nabe angeordnet sein. Der
Stellmotor weist in diesem Falle einen Spindelantrieb
zum Bewegen des Stellgliedes in axialer Richtung auf.
Besonders einfach läßt sich die Erfindung bei einer
Kettenschaltung realisieren. Hierbei ist der Stellmotor
direkt mit dem Stellglied der Kettenschaltung, dem
Schaltwerk, gekoppelt. An dem Schaltwerk angebracht ist
der Mitnehmer (Überwerfer). Der Stellmotor bewirkt eine
seitliche Verschiebung des Schaltwerks. Aufgrund der
Ausgestaltung des Schaltwerks nach Art eines Parallelo
gramms wird der Überwerfer in axialer Richtung des aus
mehreren unterschiedlich großen Ritzeln bestehenden
Ritzelpaketes auf das Laufrad zu oder von diesem weg,
also quer zur Fahrtrichtung, bewegt, wobei er über den
gesamten Verschiebungsweg betrachtet seine zu den
Ritzeln parallele Ausrichtung beibehält. Da das Schalt
werk von dem Stellmotor in beiden Richtungen bewegt
wird, kann die in den herkömmlichen Schaltwerken vorge
sehene Rückstellfeder entfallen, was übrigens im Falle
einer Nabengangschaltung auch für deren Rückstellfeder
gilt.
Das Stellglied bei Kettenschaltungen weist im wesent
lichen zwei zueinander parallele erste (Horizontal-)
Lenker auf, die über zwei ebenfalls zueinander
parallele zweite (Vertikal-)Lenker verbunden sind. Die
vier Verbindungspunkte der ersten und zweiten Lenker
sind jeweils als Drehlager ausgebildet, die beiden
Lenkerpaare bilden also ein Parallelogramm aus vier
Hebeln oder Armen (Lenkern). Bei einem derartigen
Stellglied oder Schaltwerk wird der Stellmotor vorteil
hafterweise derart angeordnet, daß seine Antriebswelle
mit einem der beiden Lenker eines Lenkerpaares starr,
d. h. drehfest, verbunden ist, während der andere Lenker
dieses Lenkerpaares ein Drehlager aufweist, in dem der
Stellmotor drehbar gelagert ist. Der Stellmotor ist
also direkt am Stellglied befestigt, an dem er einer
seits durch das Drehlager und andererseits über die
Antriebswelle gehaltert ist. Bei Ansteuerung des Stell
motors verschwenkt dessen Antriebswelle das Lenker-
Parallelogramm des Stellgliedes. Dabei dreht sich der
Stellmotor sozusagen um seine Antriebswelle. Aufgrund
der drehbaren Lagerung an dem anderen Lenker ergibt
sich somit beim Schalten die für das Schaltwerk einer
Kettenschaltung charakteristische seitliche Bewegung.
Die Anbringung des Stellmotors direkt an dem Schaltwerk
hat den Vorteil, daß eine Kopplung von Stellglied und
Fahrradrahmen über den Stellmotor entfällt, Stellglied
und Stellmotor vielmehr eine vom Fahrradrahmen separate
Einheit des Getriebes bilden. Auf den Fahrradrahmen
einwirkende Erschütterungen übertragen sich aufgrund
der nicht vorhandenen Kopplung nicht auf das Stell
glied.
Bei der zuvor beschriebenen Anbringung des Stellmotors
an dem Stellglied der Kettenschaltung kann auf einen
der nicht mit dem Stellmotor verbundenen Lenker, also
auf einen der beiden zum Stellmotor parallel ver
laufenden Lenker, verzichtet werden, da der Stellmotor
selbst die Funktion eines Hebels des Parallelogramms
übernimmt. Hierbei ist es dann jedoch erforderlich, daß
der radiale Abstand der Antriebswelle zum Drehlage
rungspunkt des Stellmotors gleich der Länge des anderen
zum Motor parallelen Lenkers ist. Werden beide zum
Stellmotor parallele Lenker beibehalten, sollte die
obige Bedingung bezüglich des Abstandes vom Drehlage
rungspunkt zur Antriebswelle des Stellmotors ebenfalls
eingehalten sein, da andernfalls Verspannungen im
Stellmotor beim Verschieben des Stellgliedes auftreten.
Derartige Verspannungen können jedoch durch eine ent
sprechende Ausbildung des Lagers des Stellmotors (dreh
bar und längsverschiebbar) ausgeschlossen werden, was
aber eine aufwendigere Lagerung des Motors am Stell
glied erforderlich macht.
Zur Überwachung der Drehbewegung der Antriebswelle bzw.
der Verstellbewegung des Stellgliedes ist in vorteil
hafter Weise ein Positionserkennungssensor (elek
tronisch oder elektrooptisch) vorgesehen, an dessen
Ausgang ein die Stellgliedposition anzeigendes Signal
ansteht. Bei den vorteilhafterweise als Stellmotore
einsetzbaren handelsüblichen Servomotoren, wie sie z. B.
aus dem Flugzeug-Modellbau bekannt sind, ist ein Posi
tionserkennungssensor in Form eines auf der Antriebs
welle angebrachten Drehpotentiometers bereits im Servo
motorgehäuse integriert. Der Ausgang des Positions
erkennungssensors ist mit der Steuereinheit verbunden.
Sobald der Sensor an die Steuereinheit ein der Ziel
position des Stellgliedes entsprechendes Ausgangssignal
ausgibt, unterbindet die Steuereinheit die Ansteuerung
des Stellmotors; das Stellglied befindet sich dann in
der Position, in der das Getriebe auf den gewünschten
Gang umgeschaltet ist.
Als Stellmotor kann auch ein Schrittmotor eingesetzt
werden, der durch einzelne Impulse von der Steuer
einheit angesteuert wird.
Der Positionserkennungssensor kann vorteilhafterweise
auch zur "Lageregelung" des Stellgliedes eingesetzt
werden. Die Lageregelung, im allgemeinen eine PI-Rege
lung, wird dabei von der Steuereinheit durch ent
sprechende Ansteuerung des Stellmotors ausgeführt.
Zum Umschalten einer Kettenschaltung auf den nächst
kleineren Gang, d. h. auf das nächstgrößere Ritzel,
steuert die Steuereinheit den Stellmotor derart an, daß
sich das Stellglied zunächst über die dem nächst
kleineren Gang entsprechende Zielposition hinaus in
eine Zwischenposition bewegt, bei deren Erreichen sich
das Stellglied in die Zielposition zurückbewegt. Dieser
Schaltvorgang, der bei einem von Hand zu betätigenden
Schaltwerk durch Aufbringen einer relativ starken
Spannung auf den Seilzug und, nachdem die Kette über
gesprungen ist, geringfügiges Nachgeben der Spannung
erfolgt, kann beim Stellmotor infolge der Ansteuerung
durch die Steuereinheit in vorteilhafter Weise automa
tisch erfolgen.
Vorzugsweise erfolgt die Schaltung des Getriebes gang
weise. Hierzu sind eine Hochschalt- und eine Rück
schalttaste vorgesehen, auf deren Betätigung hin die
Steuereinheit den Stellmotor derart ansteuert, daß sich
das Stellglied aus der augenblicklichen Position heraus
in die dem jeweils nächsthöheren bzw. niedrigeren Gang
des Getriebes entsprechende Position bewegt. Durch
mehrmaliges Antippen der Tasten kann auf diese Weise
über mehrere Gänge hoch- oder heruntergeschaltet
werden.
Vorzugsweise sind beide Tasten in (mindestens) einem
der Handgriffe am Fahrradlenker integriert, wobei ihre
Position derart gewählt ist, daß die Tasten mit den
Kuppen zweier Finger betätigt werden können. Ist das
Fahrrad mit einem Rennradlenker, an dem Halterungen für
die Handbremsenbetätigungshebel befestigt sind, ausge
stattet, werden beide Tasten vorteilhafterweise im
Bereich einer Halterung auf der dem Betätigungshebel
zugewandten Seite angeordnet. Die derart am Lenker
positionierten Tasten können sowohl beim Greifen des
Lenkers von oben als auch von unten mit den Fingern
einer Hand betätigt werden, was die Anbringung mehrerer
Sätze von Hochschalt- und Rückschalttasten für unter
schiedliche Arten des Ergreifens des Lenkers mit den
Händen entbehrlich macht. Um die Gangschaltung wahl
weise mit der einen oder mit der anderen Hand bedienen
zu können, ist es vorteilhaft, mehrere Sätze aus Hoch
schalt- und Rückschalttasten vorzusehen, beispielsweise
einen Satz an jedem Handgriff. Auch ist es denkbar, daß
die Hochschalttaste in den einen Handgriff integriert
ist, während die Rückschalttaste im Bereich des anderen
Handgriffs angeordnet ist.
Aufgrund der Ansteuerung des Stellmotors durch die
Steuereinheit lassen sich die unterschiedlichsten
Getriebeschaltvorgänge programmieren. Durch einen
Umschalter läßt sich die Steuereinheit beispielsweise
in einem Halbautomatik- oder in einem (Voll-)Auto
matik-Schaltungsmodus betreiben. Während im Halbauto
matik-Schaltungsmodus der Schaltvorgang auf die Betäti
gung einer der beiden Tasten erfolgt, arbeitet das
Getriebe im Automatik-Schaltungsmodus vollautomatisch.
Hierzu ist am Fahrradrahmen ein Geschwindigkeitssensor
vorgesehen, der ein Ausgangssignal ausgibt, das die
Fahrgeschwindigkeit oder die Rotationsgeschwindigkeit
des die Kette antreibenden Zahnkranzes anzeigt und an
die Steuereinheit weitergibt. Bei Erreichen bestimmter
zuvor festgelegter und in der Steuereinheit gespeicher
ter Fahrgeschwindigkeiten wird jeweils ein Gang höher-
oder ein Gang heruntergeschaltet. Diese automatischen
Schaltvorgänge können auch bei Erreichen einer vorge
gebenen Rotationsgeschwindigkeit oder -frequenz des
Zahnkranzes ausgelöst werden. Während das Hochschalten
beim Überschreiten der jeweiligen festgelegten ersten
Geschwindigkeitswerte erfolgt, geschieht das Zurück
schalten beim jeweiligen Unterschreiten zuvor festge
legter zweiter Geschwindigkeitswerte.
Vorteilhafterweise ist im Automatik-Schaltungsmodus ein
weiterer Umschalter aktivierbar, mit dem die Abstufung
der Fahrgeschwindigkeiten oder die Zahnkranz-Rotations
geschwindigkeiten, bei denen die Steuereinheit jeweils
ein Ansteuerungssignal für den Stellmotor erzeugt,
veränderbar sind. Durch diesen weiteren Umschalter
können also unterschiedliche Fahrgeschwindigkeitsab
stufungen oder unterschiedliche Rotationsgeschwindig
keiten, bei deren jeweiligen Über- oder Unterschreiten
Schaltvorgänge automatisch ausgelöst werden, angewählt
werden. Auf diese Weise lassen sich im Automatik-Schal
tungsmodus sogenannte Power- und Economic-Schalt
programme realisieren.
Die Energieversorgung für den Stellmotor und die
Steuereinheit erfolgt gemäß einer vorteilhaften Weiter
bildung der Erfindung mit Hilfe von wiederaufladbaren
Akkumulatoren, die vorzugsweise in dem die Sattelstütze
aufnehmenden Rohrrahmenabschnitt des Fahrrades unterge
bracht sind, wobei die Akkumulatoren elektrisch mit
einer nach außen geführten Anschlußbuchse zum Anschluß
eines Ladegerätes verbunden sind. Die Akkumulatoren
brauchen hierbei zum Aufladen nicht entnommen zu
werden, was einen bequemen Ladevorgang bzw. ein
bequemes Anschließen der Akkumulatoren an das Ladegerät
ermöglicht.
Nachfolgend wird anhand der Figuren ein Ausführungs
beispiel der Erfindung näher erläutert. Im einzelnen
zeigen
Fig. 1 in Seitenansicht ein Fahrrad mit einer mit dem
erfindungsgemäßen Getriebe versehenen Ketten
schaltung,
Fig. 2 eine Ansicht des Ritzelpaketes und des mit
einem Stellmotor versehenen Stellgliedes von
oben entlang der Linie II-II der Fig. 1,
Fig. 3 in Seitenansicht und in vergrößertem Maßstab
die Kettenschaltung des in Fig. 1 dargestellten
Fahrrades,
Fig. 4 eine Ansicht der Kettenschaltung von hinten in
Richtung des Pfeils IV der Fig. 3 und
Fig. 5 von vorn eine perspektivische Ansicht des
Stellgliedes mit daran befestigtem Stellmotor.
In Fig. 1 ist in Seitenansicht ein Fahrrad 10 darge
stellt, das mit einer Kettenschaltung versehen ist,
dessen Stellglied, im folgenden auch Schaltwerk
genannt, von einem Stell- oder Servomotor bewegbar ist.
Das Fahrrad 10 weist einen Rohrrahmen 12 auf, der an
seinem vorderen Ende eine vordere Gabel 14 für das
vordere Laufrad 16 trägt. Die Gabel 14 ist starr mit
einem Fahrradlenker 18 verbunden. Der hintere, als
Gabel ausgebildete Teil des Rohrrahmens 12 trägt das
hintere Laufrad 20. Auf der Achse 22 der Nabe 24 des
hinteren Laufrades 20 sind mehrere unterschiedlich
große Ritzel 26 konzentrisch angeordnet. An dem Rohr
rahmen 12 ist in einem Tretlager in bekannter Weise
eine an ihrem Umfang mit einem Zahnkranz 28 versehene
Antriebsscheibe 30 gelagert, die über zwei um 180°
versetzt angeordnete Kurbeln 32 mit daran angebrachten
Pedalen 34 antreibbar ist. Um die Antriebsscheibe 30
und die Ritzel 26 ist die Kette 36 geführt.
Die Antriebsscheibe 30, die Kette 36 und die Ritzel 26
stellen ein Getriebe dar (Kettenschaltung), dessen
Übersetzung dadurch verändert wird, daß die Kette 36
mittels eines von einem Stellglied 38 bewegten Mit
nehmers 40 von einem Ritzel abgenommen und um ein
benachbartes Ritzel gelegt wird, womit das Getriebe in
einem anderen Gang arbeitet. Das Stellglied 38 einer
Kettenschaltung wird auch als Schaltwerk bezeichnet;
der Mitnehmer 40 wird mitunter auch als Überwerfer
bezeichnet. Das Schaltwerk 38 besteht im wesentlichen
aus vier in einem Rechteck angeordneten und drehbar
miteinander verbundenen Lenkern 42-48. Der obere (Hori
zontal-)Lenker 42 ist um eine zur Achse 22 des hinteren
Laufrades 20 parallelen Achse 50 drehbar am Fahrrad
rahmen 12 gelagert. Mit dem Horizontallenker 42 ver
drehbar verbunden sind die beiden (Vertikal-)Lenker 46
und 48, die parallel zueinander verlaufen. Die unteren
Enden der beiden Vertikallenker 46, 48 sind drehbar an
dem zweiten Horizontallenker 44 gelagert. Bei Auf
bringung einer Kraft auf den unteren Horizontallenker
44 in Erstreckungsrichtung der Achse 22 des hinteren
Laufrades werden die beiden Vertikallenker 46 und 48
seitlich verschwenkt, wobei sie aufgrund der parallelo
grammartigen Anordnung der Lenker ihre parallele Aus
richtung zueinander beibehalten.
An dem unteren Horizontallenker 44 ist der Überwerfer
40 angebracht, der um eine parallel zur Achse 22 des
hinteren Laufrades 20 verlaufende Achse 52 drehbar ist.
Zwischen dem Horizontallenker 44 und dem Überwerfer 40
ist auf der Drehachse 42 eine Schraubenfeder 54 ange
ordnet, deren beide Enden an dem Horizontallenker 44
und dem Überwerfer 40 angreifen und den Überwerfer 40
in Richtung des Pfeils 56 der Fig. 3 vorspannen. Der
Überwerfer 40 weist zwei im Abstand zueinander ange
ordnete, im wesentlichen S-förmige deckungsgleiche
Führungsplatten 58 auf, zwischen denen zwei drehbar
gelagerte Ritzel 60 angeordnet sind (in den Figuren ist
nur eines der beiden Ritzel 60 dargestellt). Die Fahr
radkette 36 ist um die beiden Ritzel 60 S-förmig
geführt. Neben der Mitnehmerfunktion hat der Überwerfer
40 auch die Aufgabe, die Kette 36 zu spannen, was
mittels der Kraft der Schraubenfeder 54 erfolgt.
Zum Verschieben des unteren Horizontallenkers 44 rela
tiv zum oberen Horizontallenker 42 ist ein Stellmotor
62 vorgesehen. Der Stellmotor 62 weist eine Antriebs
welle 64 auf, an deren Ende eine Antriebsscheibe 66
drehfest befestigt ist. Die Antriebsscheibe 66 ist mit
dem unteren Horizontallenker 44 verschraubt; die
Antriebswelle 64 ist also auch mit dem unteren Horizon
tallenker 44 drehfest verbunden. Das Gehäuse 68 des
Motors ist drehbar an dem oberen Horizontallenker 42
gelagert. Zu diesem Zweck ist an der nach oben weisen
den Gehäusewand ein Winkelarm 70 angeordnet, der in
Richtung auf das Stellwerk 38 über die obere Gehäuse
wand übersteht und im Endabschnitt dieses Bereichs in
Richtung auf die Antriebswelle 64 rechtwinklig abge
winkelt ist. In diesem abgewinkelten Endabschnitt ist
der Winkelhebel 70 um eine Achse 72 drehbar am oberen
Horizontallenker 42 gelagert. Die Drehachse 72 verläuft
parallel zu denjenigen Drehachsen, um die die beiden
Vertikallenker 46 und 48 drehbar am oberen Horizontal
lenker 42 gelagert sind. Der radiale Abstand zwischen
der Antriebswelle 64 (oder genauer gesagt deren Längs
achse 65) und der Drehachse 72 ist gleich dem Abstand
zwischen den beiden Drehpunkten eines Vertikallenkers
46, 48.
Bei dem Stellmotor 62 handelt es sich im allgemeinen um
einen Servomotor. In dem Servomotorgehäuse 68 ist neben
dem eigentlichen Motor auch ein Getriebe sowie ein
Drehpositionserkennungssensor in Form eines auf der
Antriebswelle 64 angeordneten Drehpotentiometers unter
gebracht. Der Motor und der Sensor sind elektrisch über
Kabel 74 mit einer den Servomotr 62 ansteuernden
Steuereinheit 76 verbunden. Die Steuereinheit 76
empfängt auch das von dem Drehpositionssensor ausge
gebene Ausgangssignal. Die Steuereinheit 76 ist in
Fig. 1 als in einer Fahrradtasche 78 untergebrachter
Einplatinen-Mikrocomputer dargestellt. Die Energiever
sorgung (vorteilhafterweise wiederaufladbare Akkumula
toren) für die Steuereinheit 76 und den Stellmotor 62
ist im Fahrradrohrrahmen 12 in dem den Sattel 80
haltenden Rohrabschnitt 82 untergebracht.
Die Ansteuerung des Stellmotors 62 durch die Steuer
einheit 76 zum Schalten der Kettenschaltung erfolgt auf
Betätigung einer von zwei Tasten 84, die elektrisch mit
der Steuereinheit 76 verbunden sind und im Bereich der
Handgriffe 86 des Lenkers 18 an diesem angeordnet sind.
Wie in Fig. 1 zu erkennen ist, sind die Tastenschalter
84, von denen einer zum Hochschalten und der andere zum
Zurückschalten der Kettenschaltung dient, im Bereich
der Halterungen 88 für die Handbremsenbetätigungshebel
90 auf der diesen zugewandten Seite des Lenkers 18
angeordnet.
Nachfolgend wird die Ansteuerung des Stellmotors 62
beim Wechseln des Ganges der Kettenschaltung erläutert.
Auf die Betätigung einer der beiden Tastenschalter 84
hin erzeugt die Steuereinheit 76 ein Ansteuerungssignal
für den Stellmotor 62, wodurch dessen Antriebswelle 64
in Rotation versetzt wird. Wegen der drehfesten Verbin
dung der Antriebswelle 64 mit dem unteren Horizontal
lenker 44 des Stellwerks 38 und der drehbaren Lagerung
des Motorgehäuses 68 am oberen Horizontallenker 42
dreht sich das Motorgehäuse 68 um die Antriebswelle 64.
Dabei wird der untere Horizontallenker 44 parallel zur
Achse 22 des hinteren Laufrades 20, also quer zur
Fahrtrichtung des Fahrrades 10, bewegt. Aufgrund des
parallelogrammartigen Zusammenbaus der vier Lenker
42-48 behält der untere Horizontallenker 44 seine hori
zontale Ausrichtung bei, was zur Folge hat, daß auch
der mit dem unteren Horizontallenker 44 verbundene
Überwerfer 40 lediglich eine Linearbewegung quer zur
Fahrtrichtung des Fahrrades 10 (siehe die Doppelpfeile
92 in den Fig. 2 und 5) erfährt. Die Kette 36 wird
somit quer zu ihrer Bewegungsrichtung verschoben, wobei
sie auf ein benachbartes Ritzel 26 überspringt. Das
Maß, um das sich die Antriebswelle 64 drehen muß, damit
die Kette 36 auf ein benachbartes Ritzel 26 über
springt, ist in der Steuereinheit 76 gespeichert.
Sobald der Sensor des Stellmotors 62 ein diese Drehung
anzeigendes Signal erzeugt, unterbindet die Steuer
einheit 76 die Ansteuerung des Stellmotors 62.
Anschließend führt die Steuereinheit 76 in Zusammen
arbeit mit dem Sensor des Servomotors 62 eine Lage
regelung durch, um die Antriebswelle 64 und damit das
Stellwerk 38 mit dem Mitnehmer 40 in der einmal einge
nommenen Position zu halten. Die Lageregelung wird bei
normaler Fahrt unter Beibehaltung der Sollposition des
Schaltwerks 38 ausgeschaltet. Wirken von außen Kräfte
auf das Schaltwerk oder den Mitnehmer ein, die deren
Positionen verändern, erkennt die Steuereinheit dies
über den Sensor und aktiviert automatisch die Lage
regelung, bis die Sollposition wieder erreicht ist.
Der obige Schaltvorgang läuft grundsätzlich sowohl beim
Hoch- als auch beim Zurückschalten der Kettenschaltung
ab. Beim Zurückschalten, also beim Schalten auf den
nächstkleineren Gang, wird der obige Ansteuerungs
vorgang abgewandelt. Zum Schalten auf einen kleineren
Gang, d. h. zum Legen der Fahrradkette 36 um das nächst
größere Ritzel 26 herum, wird der Stellmotor 62 solange
angesteuert, bis die Antriebswelle 64 eine Drehposition
erreicht hat, in der der Überwerfer 40 über seine Ziel
position (Flucht mit dem zu schaltenden Gang ent
sprechenden Ritzel) hinaus in Richtung auf das hintere
Laufrad 20 in eine Zwischenposition überführt ist. Denn
erst wenn der Überwerfer 40 diese Zwischenposition
erreicht hat, ist sichergestellt, daß die Kette 36 auch
tatsächlich auf das nächstgrößere Ritzel 26 überge
sprungen ist. Sobald die Zwischenposition erreicht ist,
liefert die Steuereinheit 76 den Stellmotor 62 mit
einem Ansteuerungssignal, dessen Polarität entgegen
gesetzt zu dem zuvor am Stellmotor 62 anliegenden
Ansteuerungssignal ist. Demzufolge dreht sich die
Antriebswelle 64 in umgekehrter Richtung. Sobald der im
Stellmotorgehäuse 68 untergebrachte Sensor die dem
eingelegten Gang entsprechende Drehposition der
Antriebswelle 64 erkennt, unterbindet die Steuereinheit
76 die Ansteuerung des Stellmotors 62. An diesen
Schaltvorgang schließt sich nun die bereits oben
erwähnte Lageregelung der Antriebswelle 64 bzw. des
Stellwerks 38 an.
Claims (16)
1. Fahrrad mit mindestens einem über eine Kette (36)
oder dergleichen antreibbaren Ritzel (26) und
einem Mehrgang-Getriebe, dessen Übersetzungs
verhältnis bei Bewegung eines Stellgliedes (38)
veränderbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Stellglied (38) von einem Stellmotor (62)
direkt bewegbar ist und daß eine Steuereinheit
(76) vorgesehen ist, durch die zum Umschalten des
Getriebes der Stellmotor (62) derart ansteuerbar
ist, daß sich das Stellglied (38) um einen vorbe
stimmten Betrag bewegt.
2. Fahrrad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß mehrere unterschiedlich große Ritzel (26)
nebeneinander auf einer gemeinsamen Achse (22)
angeordnet sind und daß das Stellglied (38) einen
unterhalb der Ritzel (26) angeordneten Mitnehmer
(40) für die Antriebskette (36) aufweist, der von
dem durch den Stellmotor (62) angetriebenen Stell
glied (38) in axialer Richtung vor- und zurück
bewegbar ist.
3. Fahrrad nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet,
daß das Stellglied (38) zwei zueinander parallele
erste Lenker (42, 44) und mindestens einen drehbar
mit diesen verbundenen zweiten Lenker (46, 48) auf
weist und daß die Antriebswelle (64) des Motors
(62) drehfest mit dem einen der beiden ersten
Lenker (42) verbunden ist und der Motor (62) an
dem anderen der beiden ersten Lenker (44) drehbar
gelagert ist.
4. Fahrrad nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
daß der radiale Abstand des Drehlagers (48) zur
Antriebswelle (64) des Stellmotors (62) gleich der
Länge des mindestens einen zweiten Lenkers (46; 48)
ist.
5. Fahrrad nach einem der Ansprüche 1-4, dadurch
gekennzeichnet, daß ein Positionserkennungssensor
vorgesehen ist, der ein die augenblickliche Posi
tion des Stellgliedes (38) anzeigendes Ausgangs
signal an die Steuereinheit (76) ausgibt, und daß
die Steuereinheit (76) auf eine Tastenbetätigung
hin den Stellmotor (62) solange ansteuert, bis der
Positionserkennungssensor das eine vorbestimmte
Stellgliedposition anzeigende Ausgangssignal aus
gibt.
6. Fahrrad nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die Steuereinheit (76) in Zusammenwirkung mit
dem Positionserkennungssensor den Stellmotor (62)
zur Positionsregelung des Stellgliedes (38)
ansteuert.
7. Fahrrad nach einem der Ansprüche 2-6, dadurch
gekennzeichnet, daß die Steuereinheit (76) den
Stellmotor (62) zum Bewegen des Stellgliedes (38)
beim Umschalten des Getriebes auf den nächst
kleineren Gang derart ansteuert, daß sich das
Stellglied (38) zunächst über die dem nächst
kleineren Gang entsprechende Zielposition hinaus
in eine Zwischenposition bewegt, bei deren
Erreichen sich das Stellglied (38) in die Ziel
position zurückbewegt.
8. Fahrrad nach einem der Ansprüche 1-7, dadurch
gekennzeichnet, daß eine Hochschalt- und eine
Rückschalttaste (84) vorgesehen sind, auf deren
Betätigung hin die Steuereinheit (76) den Stell
motor (62) derart ansteuert, daß sich das Stell
glied (38) aus der augenblicklichen Position
heraus in die dem jeweils nächsthöheren bzw.
nächstniedrigeren Gang des Getriebes entsprechende
Position bewegt.
9. Fahrrad nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
daß beide Tasten (84) in mindestens einen Hand
griff (86) am Fahrradlenker (18) integriert sind.
10. Fahrrad nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
daß ein Rennradlenker (18) vorgesehen ist, an dem
Halterungen (88) für Handbremsenbetätigungshebel
(90) befestigt sind, und daß beide Tasten (84) im
Bereich einer Halterung (88) auf der dem Betäti
gungshebel (90) zugewandten Seite des Rennrad
lenkers (18) angeordnet sind.
11. Fahrrad nach einem der Ansprüche 8-10, dadurch
gekennzeichnet, daß mehrere Sätze aus Hochschalt-
und Rückschalttasten (84) vorgesehen sind.
12. Fahrrad nach einem der Ansprüche 1-11, dadurch
gekennzeichnet, daß ein Geschwindigkeitssensor
vorgesehen ist, der ein die Fahrgeschwindigkeit
oder die Rotationsgeschwindigkeit eines Zahn
kranzes (28) zum Antreiben der Kette (36)
anzeigendes Ausgangssignal an die Steuereinheit
(76) ausgibt, und daß die Steuereinheit (76) in
einem durch einen Umschalter wählbaren Auto
matik-Schaltungsmodus bei Erreichen zuvor festge
legter Fahrgeschwindigkeiten oder bei Erreichen
zuvor festgelegter Zahnkranzrotationsgeschwindig
keiten jeweils ein Ansteuerungssignal für den
Stellmotor (62) zum Umschalten des Getriebes auf
den nächsthöheren oder nächstniedrigeren Gang
erzeugt.
13. Fahrrad nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet,
daß über den Umschalter ein Halbautomatik-Schal
tungsmodus anwählbar ist, in dem die Steuereinheit
(76) die Ansteuerungssignale für den Stellmotor
(62) auf Tastenbetätigung hin erzeugt.
14. Fahrrad nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekenn
zeichnet, daß ein weiterer im Automatik-Schal
tungsmodus aktivierbarer Umschalter vorgesehen
ist, mit dem die Abstufung der Fahrgeschwindig
keiten oder die Zahnkranzrotationsgeschwindig
keiten, bei denen die Steuereinheit (76) jeweils
ein Ansteuerungssignal für den Stellmotor (62)
erzeugt, veränderbar sind.
15. Fahrrad nach einem der Ansprüche 1-14, dadurch
gekennzeichnet, daß zur Energieversorgung von
Stellmotor (62) und Steuereinheit (76) wiederauf
ladbare Akkumulatoren vorgesehen sind, die in dem
den Sattel (80) enthaltenden Rohrrahmenabschnitt
(82) des Fahrradrahmens (12) untergebracht sind,
wobei die Akkumulatoren elektrisch mit einer
außerhalb des Rohrrahmenabschnitts (82) ange
ordneten Anschlußbuchse zum Anschluß eines Lade
gerätes verbunden sind.
16. Stellglied für die Kettenschaltung eines Fahrrades
(10), insbesondere nach Anspruch 1, mit zwei
zueinander parallel verlaufenden ersten Lenkern
(42, 44), mindestens einem zweiten Lenker (46; 48),
der drehbar mit den ersten Lenkern (42, 44) ver
bunden ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Stellmotor (62) vorgesehen ist, dessen
Antriebswelle (64) drehfest mit dem einen der
beiden ersten Lenker (42; 44) verbunden ist und der
drehbar an dem anderen der beiden ersten Lenker
(44; 42) gelagert ist.
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