DE3930770A1 - Implantierbare katheter aus medizinisch vertraeglichem elastischen kunststoff - Google Patents
Implantierbare katheter aus medizinisch vertraeglichem elastischen kunststoffInfo
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Description
Gegenstand der Erfindung ist ein implantierbarer Katheter
aus medizinisch verträglichem Kunststoff, wobei das elas
tische Polymer einen besonders hohen Kaltfluß aufweist.
Ein Nachteil bekannter implantierbarer Katheter aus medizi
nisch verträglichen Kunststoffen besteht darin, daß deren
Länge im implantierten Zustand nahezu konstant ist. Es gibt
jedoch Fälle, bei denen Größenveränderungen des Körpers des
Patentienten, beispielsweise Wachstum, zu einem Versagen des
implantierten Schlauchsystems oder des Katheters führen,
weil der Katheter nicht mitwächst und die zu Erhaltung der
Körperfunktionen erforderliche implantierte Lumenverbindung
unterbrochen wird. So ist es beispielsweise bei Neugeborenen
oder Kleinkindern mit Störungen der Nervenwasserzirkulation
im Schädelbereich erforderlich, aus dem Ventrikelkammer
system überschüssige Flüssigkeit mittels eines Katheters
abzuleiten, beispielsweise in die Bauchhöhle. Da sich der
artige Störungen derzeit nicht anders beseitigen lassen als
durch Implantieren eines Katheters führt das Körperwachstum
mit zunehmenden Lebensalter dazu, daß ein implantierter
Katheter zu kurz wird und die Ableitung oder Zuleitung von
Flüssigkeit aus bzw. zu bestimmten Körperbereichen gestört
oder unterbrochen wird. Da ein rechtzeitiger Ersatz von ggf.
zu kurzen Kathetern sich in den meisten Fällen nicht reali
sieren läßt, hat das Versagen der künstlichen Lumenverbin
dungen im Körperinneren häufig schwerwiegende gesundheit
liche Folgen.
Aufgabe der Erfindung ist es, einen elastischen Katheter zu
schaffen, dessen Länge sich im implantierten Zustand ent
sprechend dem Körperwachstum vergrößert, so daß eine dauer
hafte Funktion mittels des Katheters im Körper hergestellten
Lumenverbindung gesichert ist.
Diese Aufgabe wird gelöst durch einen implantierbaren Kathe
ter aus medizinisch verträglichem elastischem Kunststoff,
der dadurch gekennzeichnet ist, daß das extrudierte Kathe
terrohr aus einem Polymeren oder einer Mischung aus Poly
meren besteht, dessen Kaltfluß bei 34°C bis 40°C und
einer Gewichtsbelastung von 40 g/0,2 mm2 während 63 Tagen
eine Vergrößerung der Ausgangslänge in Richtung der Längs
achse um mindestens 50% ergibt und die glatte Außenober
fläche des Katheterrohres an dem einen Ende und im Abstand
vom anderen Ende jeweils über eine Länge von etwa 5 mm
geringfügig aufgerauht ist.
Als sogenannter Kaltfluß wird das Fließen eines Polymer
materials unter Druck/oder Zugbelastung bei Temperaturen
unterhalb der Glasübergangstemperatur des Polymeren ver
standen. Kaltfluß wird von den Fachleuten als eine für Poly
merwerkstoffe häufig unerwünschte Eigenschaft angesehen, die
sich jedoch bei relativ weichen Polymeren durch entsprechen
de Auswahl der Monomeren, bestimmte Polymerisationsbedingun
gen und ggf. Vernetzen verringern, jedoch nicht vollständig
unterdrücken läßt.
Völlig überraschend wurde gefunden, daß sich diese, von den
Fachleuten bisher meist als nachteilig angesehene Eigen
schaft von Polymeren zur Lösung der erfindungsgemäßen Auf
gabe verwenden läßt, wenn für implantierbare Katheter ein
medizinisch verträgliches elastisches Polymer ausgewählt
wird, das einen ausgeprägten Kaltfluß aufweist. Der soge
nannte Kaltfluß soll bei einer permanenten Gewichtsbelastung
(Zugbelastung) des Katheterrohres in Längsrichtung von
40 g/0,2 mm2 Querschnittsfläche des Polymermaterials in 63
Tagen die Ausgangslänge mindestens um 50% vergrößern, ohne
daß es dabei zu Beschädigungen des Katheterrohres kommt. Um
das Einwachsen des erfindungsgemäßen Katheters an den
gewünschten Stellen zu ermöglichen, hat es sich als geeignet
erwiesen, die von der Herstellung durch Extrusion glatte
Außenoberfläche des Katheterrohres geringfügig aufzurauhen,
um das Anheften von Fibroplasten nach der Implantation anzu
regen. Dies führt zu einem Einwachsen des Katheters im
Gewebe, so daß der Katheter an den eingewachsenen Stellen
fixiert ist. Andert sich nun infolge Veränderung der Körper
größe des Patienten der Abstand zwischen den Festlegungs
punkten des Katheterrohres, gelangt dieses unter Zug
spannung. Durch den ausgeprägten Kaltfluß baut sich die Zug
spannung unter Verlängerung des Katheters wieder ab. Der
Kaltfluß ermöglicht eine bedarfsgerechte Längenzunahme des
implantierten Katheterrohres zwischen den Fixierungspunkten
innerhalb des Körpers.
Für den erfindungsgemäßen Katheter geeignete relativ weiche
Polymeren haben vorzugsweise Härtewerte Shore A 70 bis 120
bzw. Shore D 60. Geeignete medizinisch verträgliche elasto
mere Polymere sind Thermoplasten wie aliphatische Polyether
urethane, Polyamid, Polyethylen niederer Dichte (LDPE) ,
Polypropylen und Gemische derselben.
Bei den Polymeren kann es sich sowohl um Homo- als auch
Copolymere handeln, die ausreichend hydrolysebeständig sind.
Bevorzugt sind aliphatische Polyetherurethane aus Polyalky
lenglycolethern und geeigneten organischen Diisocyanaten,
wie Diphenylmethan-4,4-diisocyanat, die ggf. mit 1,4-Butane
diol weitmaschig vernetzt sein können. Ganz besonders bevor
zugtes Polyalkylenglycol ist Polytetramethylenetherglycol
der Formel HO(CH2CH2CH2CH2O))nH, in der n eine
ganze Zahl von 2 oder mehr ist. Es können jedoch auch andere
Polyetheralkohole zur Umsetzung mit Diisocyanaten zur Her
stellung von weitmaschig vernetzten Polyurethanen mit dem
ausgeprägten Kaltfluß verwendet werden. Dem Fachmann berei
tet die Umsetzung von 1,4-Butandiol und anderen Diolen mit
geeigneten Diisocyanaten zu linearen gut hydrolysebestän
digen elastischen Polyurethanen mit der gewünschten Härte
und dem erforderlichen Kaltfluß keine Schwierigkeiten.
Bei den Polyamiden sind insbesondere die Typen mit geringer
Kristallisation für die erfindungsgemäßen Katheter geeig
net.
Um das Implantieren und die korrekte Plazierung der erfin
dungsgemäßen Katheter zu erleichtern wird das Polymermate
rial vor dem Extrudieren vorzugsweise mit einem röntgen
opaken Pigment wie Bariumsulfat versehen. Der Pigmentanteil
kann von 1 Gew.-% bis 20 Gew.-%, bezogen auf Gesamtgewicht
des mit Füllstoff versehenen Polymers, betragen. Um das
Extrudieren zu erleichtern und diese langfristig zu stabi
lisieren, können den Polymeren bei der Verarbeitung Hilfs
stoffe wie Stabilisatoren und andere medizinsch verträgliche
Hilfsstoffe zugesetzt werden.
Der Katheter kann sowohl als einlumiger Katheter als auch
mit mehreren Lumen ausgebildet sein. Bei einem einlumigen
Katheter ist es bevorzugt einen Innendurchmesser des Kathe
terrohres von 0,8 mm bis 1,8 mm und eine Wandstärke von 0,1 mm
bis 0,3 mm auszubilden.
Die Erfindung schließt auch ein Verfahren zum Herstellen
eines Katheters aus medizinisch verträglichem Kunststoff
durch Extrudieren ein, bei dem die Polymermischung durch
eine Düse aus mit Teflon beschichtetem Metall, einer unter
der Bezeichnung Hostalloy erhältlichen Legierung zur Her
stellung von Extrusionsdüsen bei Temperaturen von 150°C
bis 170°C hergestellt werden. Um eine besonders glatte
Außenoberfläche des Katheterrohres, die unerwünschtes festes
Anhaften von Fibroplasten verhindert, ist es bevorzugt, das
Extrudat mit in laminarer Richtung fließendem kalten Wasser
abzukühlen. Nach dem Trocknen des extrudierten Rohres kann
dieses in Katheter der gewünschten Länge aufgeteilt und an
den gewünschten Stellen der Außenoberfläche die Aufrauhung
erfolgen. Vorzugsweise wird die Oberfläche über eine Länge
von etwa 5 mm durch Beschädigung der beim Extrudieren gebil
deten glatten Oberflächenhaut geringfügig aufgerauht. Um das
Fixieren des erfindungsgemäßen Katheters nach der Implanta
tion zu ermöglichen, wird der Katheter an einem Ende aufge
rauht und entweder am gegenüberliegenden Ende, vorzugsweise
jedoch in einem gewissen Abstand vom anderen Ende aufge
rauht.
Die erfindungsgemäßen Katheter können verwendet werden zum
Herstellen künstlicher Lumenverbindungen im Körperinneren.
Insbesondere eignet sich der erfindungsgemäße Katheter zur
Behandlung von Hydrocephalus communicans und occlusus inter
nus als auch externus jeder Genese (nach introcraniellen
Blutungen, nach Infektionen, bei Tumorerkrankungen, bei
intracraniellen Raumforderungen, bei cerebralen Gefäßerkran
kungen, Aquäductstenose und bei Mißbildungen) im Kindes- und
Erwachsenenalter. Ferner zur Behandlung chronischer Flüssig
keitsansammlungen intracraniell als auch intraspinal und
intramedullär durch Drainage in die Bauchhöhle oder in das
Venensystem bzw. in das rechte Herz oder den rechten Vorhof
des Herzens.
Es wird ein Hautausschnitt re. oder li. neben der Mittel
linie (ca. 2 cm) unmittelbar über der Kranznaht des Schädels
angelegt. Unmittlebar vor der Kranznaht wird eine 0,5 bis
1,5 cm große Bohrung in die Schädeldecke plaziert und die
Dura freigelegt. Nach punktförmiger Koagulation und Perfora
tion der Dura wird ein blind endener nicht scharfkantiger
3,5 bis 7 cm langer Katheter mit 2 bis 20 seitlichen Löchern
beliebiger Größe und gleichen Materials wie der "Perito
neal-Atrialkatheter" über das Duraloch durch das frontale
Hirn in den rechten oder linken Seitenventrikel vorgeschoben
und mit dem hirnfernen Ende mit dem vorgesehenen Ventil
(Hersteller Cordis) fest verbunden. Nach Anlage eines Haut
schnittes oberhalb des Bauchnabels über einem der beiden
Musculi recti abdomines wird die äußere Muskelfascie inci
diert und ein Trokar eingeschoben, mit dem schließlich durch
Perforation der visceralen Muskelfascie und des Bauchfelles
die Bauchhöhle punktiert wird. Über den Hohlnadel-förmigen
Trokar mit einem Querschnitt von mindestens 3 mm wird ein
bis 90 cm langer erfindungsgemäßer Katheter aus elastischen
Polymeren (Siliconelastomer der Firma Dow Corning) mit einem
Ende bis auf eine Länge von maximal 20 cm in die Bauchhöhle
vorgeschoben werden. Mit einem lanzenartigen Instrument wird
nun ein Kanal im Unterhautfettgewebe über einen retroauri
culären Hilfsschnitt bis zum freien Ventilstutzen gelegt und
ein Faden so eingezogen, daß ein subcutanes Einbringen des
teilweise in der Bauchhöhle versenkten Katheters möglich
wird. Das freie kopfseitige Katheterende wird mit dem freien
Ventilstutzen unlösbar verbunden. Nach Funktionskontrolle
werden die Hautwunden steril verschlossen.
Claims (9)
1. Implantierbare Katheter aus medizinsch verträglichem,
elastischen Kunststoff,
dadurch gekennzeichnet,
daß das extrudierende Katheterrohr aus einem Polymeren oder
einer Mischung von Polymeren besteht, dessen Kaltfluß bei
34°C bis 40°C unter einer Gewichtsbelastung von
40 g/0,2 mm2 während 63 Tagen eine Vergrößerung der Aus
gangslänge in Richtung der Längsachse um mindestens 50
ergibt und die glatte Außenoberfläche des Katheterrohres an
einem Ende und in Abstand vom anderen Ende jeweils über eine
Länge von etwa 5 mm geringfügig aufgerauht ist.
2. Katheter nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Härte des elastischen Polymeren von Shore A 70 bis
120 bzw. bis zu Shore D 60 beträgt.
3. Katheter nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Polymere aliphatisches Polyurethan, Polyamid, Poly
ethylen niederer Dichte (LDPE), Polypropylen oder eine
Mischung derartiger Polymere ist.
4. Katheter nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das elastische, aliphatische Polyetherurethan aus Poly
alkylenglycolethern, ggf. 1,4-Butandiol und Diphenyl
methan-4,4-diisocyanat gebildet wurde.
5. Katheter nach jedem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Polymere als Füllstoff ein röntgenopakes Pigment
enthält.
6. Katheter nach jedem der Ansprüche 1 bis
dadurch gekennzeichnet,
daß der Katheter ein Lumen mit einen Innendurchmesser des
Katheterrohres von 0,8 mm bis 1,8 mm aufweist und die Wand
stärke 0,1 mm bis 0,3 mm beträgt.
7. Katheter nach jedem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Katheterrohr mehrere parallele Lumen aufweist.
8. Verfahren zum Herstellen eines Katheters nach jedem der
Ansprüche 1 bis 7,
durch Extrudieren des Polymeren durch eine Ringdüse, die
ggf. zur Ausbildung mehrerer Lumen zusätzliche Öffnungen
aufweist, aus mit Teflon beschichtetem Metall, Hostalloy bei
Temperaturen von 150°C bis 170°C unter Kühlung des
Extrudats in mit laminarer Strömung fließendem kalten
Wasser, Trocknen des extrudierten Rohres, Aufteilen in
Katheter der gewünschten Länge und Aufrauhen der Außenober
fläche über eine Länge von 5 mm an einem Ende und im Abstand
vom anderen Ende durch Beschädigen der beim Extrudieren
gebildeten glatten Oberflächenhaut.
9. Verwendung des implantierbaren Katheters nach Ansprüchen
12 bis 6 zum Herstellen künstlicher Lumenverbindungen im
Körperinneren.
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