DE3908376A1 - Micro-g-neutrale plattform fuer raumfahrtmissionen - Google Patents
Micro-g-neutrale plattform fuer raumfahrtmissionenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung für die Lage
rung wenigstens eines schwingungserzeugenden Gerätes in
einem unter Gasdruck stehenden Raumfahrzeug unter
Schwerelosigkeit oder Microgravitationsbedingungen,
insbesondere eines Gerätes für das physische Training
von Astronauten.
Im europäischen Raumfahrtszenarium in den nächsten
Jahrzehnten ist die Durchführung von micro-g- sensi
tiven Experimenten im All eine der Hauptaufgaben der
Astronauten. Versuche unter Schwerelosigkeit sollen
z.B. im europäischen Attached Pressurized Module der
Internationalen Raumstation oder im Man-Tended-Free-
Flyer gemacht werden. Diese Versuche setzen eine nahezu
beschleunigungs- und kräftefreie Umgebung voraus. Für
die Internationale Raumstation wird ein maximaler DC-
Beschleunigungs-Level von 10-5 g=10-4 m/s ange
strebt. Bei einem Gesamtgewicht der Station von ca. 100
to der Station ist dann nur eine Kraft von maximal 10 N
auf die Station erlaubt, wenn diese als Starrkörper
angenommen wird. Die Stöße, die von schwingungserzeug
ten Geräten, beispielweise Zentrifugen und dergleichen
sowie normalerweise bei einem intensiven Training eines
Astronauten auf die Raumstation und damit auf hochsen
sible micro-g Experimente wirken, sind jedoch wesent
lich höher. Eine dämpfende Aufhängung der Experimente,
die solche Stoßeinwirkungen reduziert, ist aufgrund
räumlicher Probleme (Dämpferweg) nicht machbar bzw.
sehr problematisch.
Ein intensives Training für Astronauten im All ist un
vermeidlich, um bei Langzeigmissionen Problemen wie
einer Demineralisierung der Knochen, Erschlaffung des
Herzkreislauf-Systems und nicht zuletzt einer psy
chischen Demotivationen zu begegnen. Von russischen
Raumflügen ist bekannt, daß Kosmonauten, die besonders
gern und intensiv trainieren, Langzeit-Missionen am
besten überstehen. Für den Erfolg derartiger Lang
zeit-Missionen ist es demgemäß unerläßlich, den Gesund
heitszustand von Austronauten durch regelmäßiges Be
nutzen eines geeigneten Trainingsgerätes zu erhalten.
Es besteht somit insbesondere ein Bedürfnis nach
Schaffung eines Trainingsgerätes, daß ein ein inten
sives Training der Astronauten erlaubt, ohne die dabei
entstehenden Störungen an das Raumfahrzeug weiterzu
leiten.
Demgemäß liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine
Vorrichtung der eingangs genannten Art zu schaffen,
durch die eine Beeinflussung micro-g-sensibler Experi
mente vermieden wird.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die im Pa
tentanspruch 1 gekennzeichneten Merkmale gelöst.
Bevorzugte Merkmale, die die Erfindung vorteilhaft
weiterbilden, sind den nachgeordneten Patentansprüchen
zu entnehmen.
Aufgrund der erfindungsgemäßen Ausgestaltung der Vor
richtung wird wirkungsvoll und zuverlässig eine Über
tragung von Stößen und Schwingungen auf das Raumfahr
zeug vermieden, so daß micro-g-sensible Experimente
ohne Störung parallel durchgeführt werden könne. Das
schwingungserzeugende Gerät, insbesondere das Trai
ningsgerät ist dabei vorteilhaft in seiner Lage in dem
Raumfahrzeug derart regelbar, daß keine Schwingungen an
das Raumfahrzeug weitergegeben werden.
Für die schwingungsentkoppelnde Lageregelung ist ent
weder eine isolierende Aufhängung oder alternativ eine
gänzlich verbindungsfreie Postitionierung der Plattform
an einer geeigneten Stelle im druckbeaufschlagten Teil
des bemannten/bemannbaren orbitalen Elementes (z.B.
Habitations-Modul oder Interconnecting Cube der US-
Raumstation "Freedom") vorgesehen. Die gänzlich verbin
dungsfreie Positionierung der Plattform bzw. deren
schwingungsentkoppelnde Lageregelung erfolgt nach einer
bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung durch eine ae
rodynamische Stabilisierung der Plattform mittels Kalt
gas- Lageregelungsdüsen, die über Sensoren ansteuerbar
sind.
Vorzugsweise ist dabei vorgesehen, daß das benötigte
Kaltgas für die Kaltgasdüsen über jeweils symmetrisch
gegenüberliegende Ansaugöffnungen aus der umgebenen
Atmosphäre angesaugt, auf den erforderlichen Arbeits
druck verdichtet und in einem Druckgasspeicher zwischen
gespeichert wird. Das Kaltgas wird somit vorteilhaft
kräftefrei (durch symmetrische Ansaugung) aus der Mo
dul-Atmosphäre entnommen und über einen Verdichter
komprimiert, wobei die dabei benutzten Drücke natürlich
wesentlich geringer als bei einer Satelliten-Kaltgas
regelung sind. In günstiger Weise werden damit Stabili
sierungkräfte nicht punktförmig in die Struktur einge
leitet, sondern breitflächig. Außerdem werden vorteil
haft Lageregelungs-Pulse nur gedämpft über die Luft
weitergeleitet, wodurch eine prinzipiell weiche Dämp
fung entsteht.
Die erforderliche Ansteuerung der Lageregelungsdüsen
für die aerodynamische Stabilisierung läßt sich vor
teilhaft derart durchführen, daß im neutralen Zustand
alle Düsen geöffnet sind und zur Erzeugung von Lagere
gelungsimpulsen bestimmte Düsen geschlossen werden. Die
für die Ansteuerung zur Stabilisierung vorgesehen Sen
soren sind vorzugsweise optische Sensoren, die für das
ideale Halten der Vorrichtung in der Mitte des Raum
fahrtmodules auf modulseitige optische Marken anspre
chen.
Alternativ ist nach einer bevorzugten Ausgestaltung der
Erfindung für die schwingungsentkoppelnde Lageregelung
eine isolierende Aufhängung vorgesehen, die aus aktiv
regelbaren linearen Strukturverbindungen mit Feder- und
Dämpferwirkungen besteht, wobei die Charakteristik der
Federung zwischen sehr weich bei optimaler Entfernung
von der Innenwandung des Raumfahrzeugmodules bis sehr
hart bei großer Annäherung an die Innenwand änderbar
ist. Hierdurch wird vorteilhaft einerseits eine unend
lich weiche und wenig gedämpfte Aufhängung erreicht,
wenn sich die Vorrichtung in der Mitte des Modules be
findet. Andererseits wird die Aufhängung bzw. Dämpfung
härter, wenn sich die Vorrichtung den Modulwänden (oder
Racks) nähert. Damit werden in günstiger Weise durch
Stoß- oder Pendelbewegungen der Vorrichtung keine
Kräfte in das Modul eingeleitet, solange keine
Berührungsgefahr besteht. Die Aufhängung wird vorteil
haft erst dann straffer, wenn die Gefahr einer Berüh
rung des Racks oder von anderem Equipment besteht.
Vorzugsweise sind die linearen Strukturverbindungen
jeweils als Linearmotor ausgelegt, der, je nach An
steuerung, Feder- und/oder Dämpferfunktionen übernimmt.
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der
Erfindung ist zwischen der Plattform und dem Raumfahr
zeug eine optische Datenübertragungseinrichtung vorge
sehen, die bei Bedarf durch eine Voice- Videokommuni
kation zwischen einem trainierenden Astronauten und
Personen am Boden oder in anderen Raumfahrzeugelementen
ergänzt sein kann. Dies ermöglicht in günstiger Weise
beispielsweise eine Fernüberwachung des Astronauten
während der Übungen bzw. des schwingungserzeugenden
Gerätes auf der Plattform, beispielsweise vom Boden
aus.
Nach einer bevorzugten weiteren Ausgestaltung der Vor
richtung stammt wenigsten die für die Lageregelung be
nötigte Energie aus der mechanisch elektrischen bzw.
mechanisch pneumatischen Umwandlung der Schwingungsen
ergie bzw. der vom Astronauten beim Training mit einem
Trainingsgerät erzeugten mechanischen Energie. In vor
teilhafter Weise wird damit eine völlig autarke Vor
richtung geschaffen, die nicht auf Resourcen des Raum
fahrzeuges zurückgreifen muß. Die gesamte elektrische
Energie für die Verbraucher wie Druckluft-Erzeuger,
Elektronik, Sensoren, IR-Sender/Empfänger der optischen
Datenübertragungseinrichtung usw. wird über die
Schwingungsenergie des auf der Plattform angebrachten
Gerätes bzw. durch die Trainingsbewegungen des Astro
nauten erzeugt.
Dabei ist nach einer Ausgestaltung der Erfindung zu
nächst eine Umwandlung der mechanischen Energie in
pneumatische Energie vorgesehen, aus der der benötigte
elektrische Energieanteil gewinnbar ist. Alternativ ist
bei einer vorteilhaften Ausgestaltung über getrennt von
einander antreibbarer Aggregate eine unmittelbare Um
wandlung der Schwingungsenergie bzw. der vom
Astronauten beim Training mit einem Trainingsgerät
erzeugten mechanischen Energie in benötigte elektrische
Energie und gegebenenfalls pneumatische Energie
vorgesehen, wobei die mechanisch-elektrische Umwandlung
bevorzugt mit gegenläufigen Generatoren erfolgt.
Für die Erleichterung der Initialisierung der Lagerung
ist es weiterhin von Vorteil, wenn wenigstens ein mit
Überschußenergie aufladbarer Energiespeicher vorgesehen
ist, wobei weiterhin bevorzugt Überschußenergie aus der
Umwandlung der Schwingungsenergie bzw. aus der vom
Astronauten beim Training erzeugten mechanischen Ener
gie, die nicht mehr speicherbar ist, zur Abgabe als
Wärme an die umgebene Atmosphäre zunächst in Form von
elektrischer Energie elektrischen Heizwiderständen zu
führbar ist, welche bevorzugt bei der aerodynamischen
Lagestabilisierung vor den Kaltgasdüsen im Kaltgasstrom
angeordnet sind.
Durch die vorgenannten Ausgestaltungen kann in vorteil
hafter Weise die beim Training des Astronauten anfal
lende mechanische Leistung, die nicht für die Aufrecht
erhaltung der Luftströmung in den Lageregeldüsen und
für die Funktion der sonstigen elektrischen Verbraucher
der Vorrichtung benötigt wird, über ein elektrischen
Heizwiderstand in Wärme umgewandelt wird, wobei dieser
Widerstand im Ansaugluftstrom der Lageregelung beson
ders wirksam Wärmeabgaben vermag.
Die beim Astronautentraining anfallende mechanische
Energie kann nach den vorher dargestellten Ausgestal
tungen der Erfindung direkt mechanisch- pneumatisch
oder mechanisch-elektrisch umgewandelt und weiter ver
zweigt werden. Bei der Erstumwandlung mechanisch
pneumatisch wird die mechanische Energie über einen
mechanisch verbundenen Verdichter in eine Druckerhöhung
in einem Luftdruckbehälter bzw. Speicher umgewandelt.
Eine gewünschte Veränderung der Charakteristik des
Kraft-Weg-Verlaufs beim Astronautentraining kann über
ein regelbares Drosselventil zwischen Verdichter und
Druckgasbehälter vorgenommen werden. Das Drosselventil
vermag die Luft symmetrisch und damit kraft-bzw.
momentenfrei auszublasen. Hierbei wird bereits ein Teil
der Überschußenergie in Wärme umgewandelt, die direkt
im Druckgas gespeichert war. Die benötigte elektrische
Energie wird bei dieser Ausgestaltung der Vorrichtung
über ein den Druckgasbehälter bzw. -speicher nachge
schaltetes Druckgas-/ Turbinen-Generatoraggregat er
zeugt. Der verbleibende Anteil an Überschußenergie kann
entweder über den elektrische Weg "Generator-Heizwi
derstand im Luftstrom der Lageregelung" oder unmittel
bar über eine Erhöhung des Luftstromes in den Lagere
gelungsdüsen, abgebaut werden.
Bei der Erstumwandlung der mechanischen Energie in
elektrischer Energie wird ein vorteilhafter Weise über
einen oder mehrere mechanisch verbundene Generatoren
eine unmittelbare Umwandlung in elektrische Energie
vollzogen. Durch die vorzugsweise Anordnung von gegen
läufigen Generatoren wird vorteilhaft erreicht, daß
deren Gesamt-Drehimpuls immer identisch null ist. Die
umgewandelt elektrische Energie dient dann zum Lagere
gelung, insbesondere zum Antrieb des Kompressors/ Ge
bläses und der notwendigen Elektronik und wird, soweit
nicht benötigt, in einem Akkummulator (NiCd) zwischen
gespeichert. Überschußenergie, die nicht von dem als
Puffer wirkenden Akkummulator aufgenommen werden kann,
wird vorteilhaft direkt über im Luftstrom des Lagerege
lungsystems installierte Heizwiderstände in Wärme um
gewandelt. Diese Widerstände lassen sich vorzugsweise
seitens der Vorrichtung oder vom Boden aus verändern,
um beispielweise den Ladezustand des Akkumulators oder
die Belastung des Astronauten zu ändern. Vorteilhaft
wird dabei die Initialisierung der Lagerung mit der
Anfangsenergie von einem wenigstens einem Energiespei
cher, insbesondere dem Akkumulator, geliefert.
Zur Ausnutzung der durch das schwingungserzeugende Ge
rät bzw. durch die Trainingstätigkeit eines Astronauten
erzeugten Energie sind im Rahmen der Erfindung selbst
verständlich auch andere Energieumwandlungen von Bedeu
tung, beispielweise eine Umwandlung in Wärmeenergie
bzw. eine Kombination der zuvor beschriebenen Möglich
keiten.
Um eine sichere Abfuhr der Wärme und der Micro-g-
Bedingungen ohne Konvektion zu garantieren, muß jeder
Widerstand aktiv über ein Gebläse gekühlt werden. Bei
der aerodynamischen Stabilisierung kann hierfür vor
teilhaft das vorhandene Gebläse genutzt werden. Für die
Kühlungsaufgabe ist jedoch eine spezielle Anpassung der
Düsenansteuerung insoweit erforderlich, als im neu
tralen Zustand, d.h. bei einer Vorrichtungsposition
ohne Lageregelungsbedarf, durch alle Düsen Luft ausge
blasen werden muß, um eine optimale Kühlung der Wider
stände zu gewährleisten, die im zentralen Zustrombe
reich zu den Düsen installiert sind. Für die Lagerege
lungsaufgaben werden dann nur die entsprechenden Düsen
geschlossen.
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist
das an der Plattform befestigte Trainingsgerät als
ferneinstellbare Rudermaschine mit Festschnallein
richtung für den Astronauten ausgebildet, wobei vor
zugsweise die Vorrichtung bei Nichtbenutzung zusammen
klappbar und mit geringem Raumbedarf verstaubar ist.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausfüh
rungsbeispieles näher erläutert, das in der beigefügten
Figur dargestellt ist.
Die Figur stellt schematisch eine Ausbildung einer
Vorrichtung 10 für die Lagerung eines Trainingsgerätes
11 für das physische Training von Astronauten dar, wo
bei die Vorrichtung 10 in einem unter Gasdruck stehen
den Raumfahrzeugmodul 12 unter Schwerelosigkeit oder
Microgravitationsbedingungen sich in seiner lage
stabilisierten Position befindet.
Die Vorrichtung 10 weist eine Plattform 13 auf, an der
das Trainingsgerät 11 befestigt ist. Auf der Plattform
13 ist eine Sitzschale 14 befestigt, auf der ein
Astronaut 15 mit einer Festschnalleinrichtung 16 ange
schnallt sitzt. Das Trainingsgerät 11 ist bei dem dar
gestellten Ausführungsbeispiel als Rudermaschine mit
zwei Schwenkarmen 17 ausgebildet, deren oberes Ende
jeweils zu Handgriffen 18 umgebogen ist. Im Bereich der
Handgriffe 18 ist jeweils ein Kabel 19 angelenkt, wobei
nur das vordere Kabel 19 gezeigt ist. Die Kabel 19 sind
im Bereich einer Fußhalterung 20 jeweils über eine
nicht dargestellte Umlenkrolle geführt und verlaufen
durch eine Teleskop/ Kabel-Abdeckung 21 zu gegenläu
figen Generatoren 22. Die mechanische Energie, die der
Astronaut 15 beim Ziehen an dem Handgriff 18 und beim
Drücken seiner Füße gegen die Fußhalterung 20 und damit
beim Ausfahren des Teleskopauszuges 21 aufbringt, wird
somit als mechanische Arbeit direkt in elektrische En
ergie umgesetzt.
Die Kraft-Weg-Verläufe sind individuell für den ein
zelnen Astronauten 15 sowie für dessen Aufenthaltsdauer
unter Micro-g-Bedingungen, ggf. auch mit Teleprogram
mierung, einstellbar. Die Bewegungen, das heißt das
Austrecken der Beine und das Zurückgehen des Oberkör
pers hat dabei den Vorteil, daß sich der Schwerpunkt
des Astronauten 15 zur Vorrichtung 10 nur wenig ändert
und dadurch das Gesamtsystem, bis auf kleine Störungen
ruhig im Raum steht. Der Impuls der Vorrichtung 10 als
auch der des Astronauten 15 sind also nahezu identisch
null.
Die Plattform 13 muß DC-mäßig nur die durch Drag (au
ßerhalb des Modules) verursachten Störungen kompensie
ren. Die beiden gegenläufigen Generatoren 22 haben ei
nen Gesamtdrehimpuls identisch null und üben damit kein
Moment auf die Vorrichtung aus. Mit Drehimpuls und Im
puls näherungsweise identisch null ist die Vorrichtung
10 kraft- und momentenfrei und verbleibt nahezu ruhig
im Raum. Zusätzlich können zudem mit der Rudermaschine
11 Übungen ähnlich wie beim Gewichtheben ausgeführt
werden.
Die Vorrichtung 10 kann auch mit einem nicht darge
stellten Ergometer ausgerüstet werden, wobei für den
Massenausgleich asymmetrisch verteilte Gewichte an den
Pedalen und gegenläufige rotierende Massen notwendig
sind. Andere Trainingsmöglichkeiten wie Laufband,
"Hantelübungen" über Seilzug, etc. sind ebenfalls mög
lich.
Die Plattform 13 besitzt ein annähernd quaderförmiges
Gehäuse, in dem in den Eckbereichen Kaltgasdüsen 23 in
einer solchen Anzahl angeordnet sind, daß ein Dreiach
sen-Lagestabilisieren ermöglicht wird. Dabei wird das
für die Kaltgasdüsen 23 benötigte Kaltgas über jeweils
symmetrisch gegenüberliegende Ansaugöffnungen 24 aus
der umgebenen Atmosphäre angesaugt, in nicht darge
stellter Weise auf den erforderlichen Arbeitsdruck
verdichtet und in einem nicht dargestellten Kaltgas
speicher zwischengespeichert. Angesteuert werden die
Kaltgasdüsen 23 über optische Sensoren, die auf op
tische Marken 25 zur Lageregelung ansprechen, welche an
den Innenwänden des Raumfahrtmodules 12 derart ange
ordnet sind, daß die Vorrichtung etwa in der Mitte des
Moduls lagestabilisiert werden kann.
Die Plattform 13 enthält ferner in nicht dargestellter
Weise eine Elektronik und eine optische Datenübertra
gungseinrichtung, von der nur die optischen Sensoren 26
gezeigt sind. Für die Stromversorgung der Steuerelek
tronik, der Lageregelung und der Datenübertragung wird
die vom Astronauten 15 geleistete Arbeit genutzt. Die
in den Generatoren 22 erzeugte elektrische Energie wird
über nicht dargestellte Akkumulatoren zwischengepuf
fert.
Für die medizinische Überwachung des Astronauten 15
während des Trainings dient die optische Datenübertra
gung, die vorzugsweise im Infrarotbereich arbeitet.
Hierdurch sind EMC-Probleme ausgeschlossen. Diese Da
tenübertragung kann auch benutzt werden, um das Trai
ningsgerät vom Boden aus zu programmieren und damit dem
Zustand des Astronauten 15 anzupassen. Schnittstelle
ist ferner eine nicht dargestellte optische Voice-
Verbindung.
Zu dem Raumfahrzeugmodul 12 existieren im wesentlichen
3 Schnittstellen. Im Fall der aerodynamischen
Stabilisierung gibt es keine Hardware-Verbindung, wäh
rend bei der Alternative der aktiven Aufhängung mit
direkter Verbindung Haltepunkte in der Modul-Struktur
notwendig sind. Eine weitere Schnittstelle besteht in
den optischen Referenzpunkten bzw. Marken 25 im Modul
12 für die Lageregelung der Vorrichtung 10. Hierbei
kann es sich um passive Marken 25 handeln, die einfach
aufgeklebt werden. Alternativ können gemäß einer be
vorzugten Ausgestaltung auch aktive Elemente, wie bei
spielsweise Leuchtdioden vorgesehen sein, die ebenfalls
batteriebetrieben sein können, sodaß nur eine eine me
chanische Schnittstelle (Klebung) besteht.
Die dritte Schnittstelle besteht aus den optischen
Sensoren 26 für die Datenübertragung, wobei hier eine
Ankopplung an das DHS vorgesehen ist. Die Sensoren 26
können bevorzugt auch bodenseitig angebracht sein.
Die Handhabung der Vorrichtung funktioniert nun wie
folgt. Vor Trainingsbeginn ist die Vorrichtung zunächst
am Boden des Moduls 12 arretiert. Der Astronaut 15
schnallt sich auf der Sitzschale 14 mit der Festschnall
einrichtung 16 fest und löst dann die nicht darge
stellte Arretierung der Vorrichtung 10. Die Vorrichtung
10 manövriert sich dann mit Hilfe der in dem Akkumula
tor gespeicherten Energie unter Beachtung der Micro
g-Anforderungen der Raumstation in die Mitte des
Modules 12, bevor das eigentliche Training beginnt.
Hierbei orientiert sich die Plattform 13 anhand der
optischen Marken 25.
Während des Trainings wird der Astronaut 15 ständig
vom Boden überwacht, und seine Belastung kann durch
Teleprogrammierung der Vorrichtung seinem gesundheit
lichen Zustand angepaßt werden. Da diese Zeit mit zur
Freizeit des Astronauten zählt, kann ferner mit
zusätzlichen Maßnahmen für eine angenehme Atmosphäre
gesorgt werden. Hierzu zählen Musik, gegebenenfalls
Voice- und Video Kontakte der Bodenbetreuung und even
tuell das Suggerieren einer terrestrischen Umgebung
durch Projektion. Da pro Tag ein mehrstündiges Training
bei längeren Missionen notwendig wird, ist der moti
vierenden Atmosphäre besondere Bedeutung beizumessen.
Nach Beendigung des Trainings werden eventuell ver
bleibende Schwingungen der Vorrichtung langsam ge
dämpft, und die Vorrichtung manövriert sich in ihre
Ruhe-Position am Boden des Moduls 12 zurück, wonach der
Astronaut die Vorrichtung dann arretiert und absteigt.
Für den Fall, daß sich nicht das Training eines anderen
Astronauten unmittelbar anschließt, wird das Trai
ningsgerät 11 raumsparend zusammengeklappt.
Claims (15)
1. Vorrichtung für die Lagerung wenigstens eines
schwingungserzeugenden Gerätes in einem unter Gas
druck stehenden Raumfahrzeug unter Schwerelosigkeit
oder Mikrogravitationsbedingungen, insbesondere
eines Gerätes für das physische Training von
Astronauten, gekennzeichnet durch eine Plattform
(13) für die Befestigung des Gerätes (11), deren
Lage in dem Raumfahrzeug (12) störungsentkoppelt
positionierbar ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß für die störungsentkoppelte Lageregelung
eine aerodynamische Stabilisierung der Plattform
(13) mittels Kaltgas- Lageregelungsdüsen (23) vor
gesehen ist, die über optische Sensoren ansteuerbar
sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeich
net, daß für das benötigte Kaltgas für die Kalt
gasdüsen (23) ein Ansaugen über jeweils symmetrisch
gegenüber liegende Ansaugöffnungen (24) aus der
umgebenen Atmosphäre, ein Verdichten auf den er
forderlichen Arbeitsdruck und ein Zwischenspeichern
in einem Druckgasspeicher vorgesehen ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß für die störungsentkoppelte Positionierung
aktiv regelbar lineare Strukturverbindungen mit
Feder- Dämpferwirkungen vorgesehen sind, wobei die
Charakteristik der Federung und/oder Dämpfung zwi
schen sehr weich bei optimaler Entfernung von der
Innenwand des Raumfahrzeuges (12) bis sehr hart bei
großer Annäherung an die Innenwand des Raumfahr
zeuges (12) änderbar ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeich
net, daß die linearen Strukturverbindungen jeweils
als Linearmotor mit ansteuerungsabhängiger Feder
und/oder Dämpferfunktion ausgelegt sind.
6. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüchen
gekennzeichnet durch eine optische Datenübertra
gungseinrichtung (26) zwischen Plattform (13) und
Raumfahrzeug (12).
7. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprü
chen, dadurch gekennzeichnet, daß die gesamte auf
der Plattform benötigte Energie aus der Umwandlung
der vom Astronauten (15) beim Training mit einem
Trainingsgerät (11) erzeugten mechanischen Energie
erzeugbar ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeich
net, daß zunächst eine Umwandlung in pneumatische
Energie vorgesehen ist, aus der der benötigte
elektrische Energieanteil gewinnbar ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeich
net, daß über getrennt von einander antreibbare
Aggregate eine unmittelbare Umwandlung der vom
Astronauten (15) beim Training mit einem Trai
ningsgerät (11) erzeugten mechanischen Energie in
die benötigte pneumatische und elektrische Energie
anteile vorgesehen ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 9, dadurch gekenn
zeichnet, daß für eine mechanisch-elektrische Um
wandlung der vom Astronauten (15) beim Training
mit einem Trainingsgerät (11) erzeugten mecha
nischen Energie gegenläufige Generatoren (22) vor
gesehen sind.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, ge
kennzeichnet durch wenigstens einen mit Überschuß
energie aufladbaren Energiespeicher für die Ini
tialisierung der Positionierung der Plattform (13).
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, da
durch gekennzeichnet, daß Überschußenergie aus der
Umwandlung der vom Astronauten (15) beim Training
erzeugten mechanischen Energie, die nicht mehr
speicherbar ist, zur Abgabe als Wärme an die umge
bene Atmosphäre zunächst in Form von elektrische
Energie elektrischen Heizwiderständen zuführbar
ist.
13. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch optische Sensoren (26), die
auf optische Marken (25) zur Lageregelung der
Plattform (13) ansprechen.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeich
net, daß die optischen Marken (25) von aktiven Ele
menten gebildet sind.
15. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprü
che, dadurch gekennzeichnet, daß das Trainingsge
rät (11) als ferneinstellbare Rudermaschine mit
einer Festschnalleinrichtung (16) für den
Astronauten (15) ausgebildet ist.
Priority Applications (4)
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|---|---|---|---|
| DE3908376A DE3908376A1 (de) | 1989-03-15 | 1989-03-15 | Micro-g-neutrale plattform fuer raumfahrtmissionen |
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