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Sandsackpresse für die Hutherstellung. Bei der Anfertigung von Well-
und Haarhüten erfolgt die endgültige Formgebung des Hutrandes in vielen Fällen auf
sogenannten Sandsackpressen, weil dieselben sich jeder Schweifung des Hutrandes
leicht anpassen und infolge der Wärmewirkung unter Druck dem Filz eine besondere
Nachgiebigkeit verleihen.
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Diese Sandsackpressen bestehen in der Regel aus einer eisernen, doppelwandigen,
mit Dampf geheizten Wärmplatte, auf welcher eine Anzahl
Säcke aus
Segelleinwand, mit trockenem Sand gefüllt und mit je einer entsprechend großen Blechhaube
ausgestattet, liegen. Um nun den auf einer zugehörigen Randform, der Matrize, vorgearbeiteten
Hut der Wirkung des erhitzten Sandsackes auszusetzen, muß letzterer von der Wärmplatte
abgehoben, die Matrize mit dem Hut zwischengestellt und der Sandsack wieder niedergelassen
werden, so daß sich der lose Sand in dem Sack der Form der Matrize anschmiegt und
die Wärme des Sandes den Filz überall leicht nachgeben läßt, wobei die Blechhaube
das seitliche Ausweichen des Sandes verhindert. Ein über den Hutrand gelegtes, angefeuchtetes
Tuch begünstigt infolge der dabei eintretenden Verdampfung die Nachgiebigkeit des
Filzes und verursacht nicht nur nach dem Trocknen eine gewisse Formenbeständigkeit
des gepreßten Hutrandes, sondern erteilt auch gleichzeitig dem Filz eine eigentümliche
#)Griffigkeit«.
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Um bei der Bedienung der Sandsackpresse für das Heben und Senken des
schweren Sandsackes nicht ganz auf die Kraft des Arbeiters angewiesen zu sein, legte
man oberhalb der Sandsäcke eine mit Riemen angetriebene, drehbare Welle mit je einer
Gurtscheibe für jeden einzelnen Sandsack an, befestigte an der Haube des Sandsackes
einen Gurt, legte denselben über die Gurtscheibe, und wenn man jetzt an dem freien
Ende des Gurtes leicht anzog, so hob man infolge der zwischen Gurt und Gurtscheibe
auftretenden Reibung den Sandsack so lange hoch, bis man den Gurt wieder freigab,
wodurch das Eigengewicht des Sandsackes denselben zum Senken brachte.
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Diese fast in der ganzen Welt bekannte Einrichtung hat aber den besonderen
Nachteil, daß der Arbeiter zur Auswechslung des soeben gepreßten Hutes gegen den
inzwischen zum Pressen vorbereiteten Hut immer nur eine Hand frei hat, da er ja
während des Auswechselns mit der anderen Hand den Sandsack in seiner gehobenen Stellung
halten muß.
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Aus diesem Grunde hat man an anderen Sandsackpressen einen durch Druckwasser
bewegten Kolben angewendet, welcher mit Hilfe geeigneter Hebelgestänge den Sandsack
hochdrückt. Die hierdurch erreichte Verbesserung ist wesentlich, denn der Arbeiter
hat dabei beide Hände für das Aus- und Einbringen der auszuwechselnden Hüte frei
und kann während des Niedergehens des Sandsackes ein etwaiges Verlagern der Sandmassen
leicht verhindern.
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Die praktische Verwertbarkeit der mit Wasserdruck betriebenen Sandsackpresse
ist jedoch von der Aufstellung eines besonderen Pumpwerkes abhängig und hat infolgedessen
keine besondere Verbreitung gefunden.
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Die Sandsackpresse nach vorliegender Erfindung erfordert dagegen zum
Heben und Senken der Säcke weder eine drehbare Welle und die dazu nötige Antriebskraft
noch eine besondere Wasserdruckeinrichtung, denn sie wird lediglich durch Dampf
angetrieben, welcher zur Heizung der zugehörigen Wärmplatte ohnehin vorhanden sein
muß und infolgedessen nicht nur in bezug auf seine Wärme, sondern auch in bezug
auf seine Druckkraft, also doppelt ausgenutzt wird. Dadurch wird jede weitere Kraftquelle
zum Betriebe der Sandsackpresse überflüssig, und da die Steuerung der Dampfzuführung
durch den Fuß des Arbeiters erfolgt, so bleiben beide Hände des Arbeiters für das
rasche und sichere Auswechseln der Matrize frei.
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In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel einer derartigen Sandsackpresse
dargestellt, und zwar zeigt Abb. x den Aufriß der Maschine mit auf der Wärmplatte
liegendem Sandsack, letzteren auch in punktierten Linien in gehobener Stellung;
Abb. 2 zeigt die Vorderansicht der Hebevorrichtung mit Schnitt durch den Zylinder;
Abb. 3 und q. lassen letzteren in größerem Maßstabe erkennen, und Abb. 5 zeigt das
am Fuße des Zylinders angeordnete Dampfventil.
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Auf dem Gestell a liegt die doppelwandige, heizbare Wärmplatte b und
davor der Arbeitstisch c mit der Matrize d. Auf der Wärmplatte befindet sich der
Sandsack e mit seiner Blechhaube f, welche durch Bügel g in dem Galgen h
hängt. Der senkrechte Tragarm des Galgens führt sich durch Rollen i, il, welche
zwischen den Stützlaschen k liegen, in senkrechter Richtung und ist an seinem unteren
Ende mit der Stange L des Kolbens m verbunden, der in dem Zylinder
n auf und ab bewegt werden kann. Am Fuße des Zylinders n ist das doppelte Ventil
o angeordnet, dessen Kegel o1, oll durch den Hebel P bzw. die damit verbundenen
Knaggen p1, pll gesteuert werden, Der Hebel p ist unterhalb des Ventils o auf dem
Zapfen q drehbar gelagert und faßt mit seinem freien Ende zwischen die Anschläge
rl, rll des Tritthebels r,
der durch Zapfen s am Maschinengestell a drehbar
gelagert ist. Eine Rohrleitungi verbindet den Austrittkanal des Ventils oll mit
dem Raum des Zylinders n oberhalb des Kolbens m, während ein anderes Rohr
u von dem Austrittkanal oll in den Dampfraum der Wärmplatte b mündet. Ein Absperrventil
v ermöglicht die Abstellung der direkten Dampfzuleitung durch das Rohr nach der
Wärmplatte b, und das Absperrventil x verschließt das Zuleitungsrohr y zum Eintrittkanal
o1 während der Zeit des ersten Anwärmens der Wärmplatte b, wenn das Ventil v geöffnet
ist.
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Die Wirkungsweise der neuen Presse ist folgende : Bei der Inbetriebsetzung
der Maschine
wird das Ventil x geschlossen, Ventil
v
geöffnet, und der durch das Rohr w zugeführte Dampf ,strömt in den Heizraum
der Wärmplatte b ein, um diese zu erwärmen. Der auf der Wärmplatte liegende Sandsack
erwärmt sich mit, doch erst wenn der Sand genügend durchgewärmt ist, kann mit dem
Pressen begonnen werden. Das Ventil v wird dazu geschlossen, Ventil x geöffnet,
und nachdem der zu bearbeitende Hut auf die Matrize d gelegt und mit einem angefeuchteten
Tuch bedeckt ist, wird der Tritthebel r niedergedrückt. Der Anschlag r1 schwingt
den Hebel p nach oben, so daß die Knagge p1 das Einlaßveniil o1 öffnet und den durch
das Rohr v zugeführten Dampf in den Zylinder n unter dem Kolben m eintreten läßt.
Sofort* geht der Kolben na in die Höhe, wobei der in den Rollen
i, il geführte Galgen h mitgehoben wird, und hebt den Sandsack e ebenfalls
hoch.
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Jetzt wird die Matrize d mit dem aufgelegten Hut auf die Wärmplatte
b geschoben und der Tritthebel r losgelassen, so daß der Hebel P durch sein Eigengewicht
niedersinken und das Auslaßventil o11 öffnen kann, während das Einlaßventil o1 durch
die Wirkung seiner Feder geschlossen wird. Der noch unter dem Kolben m befindliche
Dampfdruck gleicht sich sofort durch die Verbindung des Ventils o11 und Rohr t mit
dem Raum über dem Kolben aus; der Kolben geht durch sein Eigengewicht, unterstützt
von dem Gewicht des Galgens h und des Sandsackes e, nach unten und drückt dabei
den überschüssigen Dampf durch das Rohr u in den Dampfraum der Wärmplatte b hinein,
damit er hier durch Abgabe seiner Wärme nochmals ausgenutzt wird und die Wärmplatte
dauernd heiß erhält.
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Der Sandsack e hat sich inzwischen auf den Hutfilz der Matrize d gesenkt
und verdampft infolge seiner aufgespeicherten Hitze die Feuchtigkeit des beigelegten
Tuches, so daß der darunterliegende Filz willig die Form der Matrize annehmen kann,
die er nach erfolgter Trocknung auch beibehält.
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Da eine Sandsackpresse in der Regel mehrere Sandsäcke auf einer gemeinsamen
Wärmplatte besitzt, die der Reihe nach bedient werden, so ist die Wärme des Abdampfes
aus den Hebevorrichtungen genügend, um die Platte in ihrer nötigen Temperatur zu
erhalten. ' Nach Beendigung des Preßvorganges wird eine weitere Matrize mit einem
Hutfilz vorgerichtet, der Tritthebel r niedergedrückt, so daß der Sandsack e hochgeht,
die Matrize mit dem fertiggepreßten Hut vorgenommen und die neu vorgerichtete Matrize
eingeschoben, dann durch Nachlassen des Tritthebels y der Sandsack gesenkt und -so
fort.
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Infolge der großen Fläche der Wärmplatte b kondensiert der darin enthaltene
Dampf; das dabei abgesetzte Kondenswasser wird aus der Wärmplatte am besten durch
ein besonderes Rohr in Verbindung mit einem Kondenstopf abgeleitet.
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Durch die doppelte Ausnutzung des Dampfes, zuerst für das Heben des
Sandsackes und nachher für das Heizen der Wärmplatte, wird eine wesentlich größere
Wirtschaftlichkeit im Betriebe der Sandsackpresse erzielt, und die Maschine kann
von einem jugendlichen Arbeiter bedient werden, während bei der alten Ausführung
mit Reibungsgurt die Bedienung als Schwerarbeit bezahlt werden muß.
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Die Ventile o und deren Steuerungsteile P, y usw. können selbstverständlich
auch durch andere Organe, z. B. Hähne, Schieber o. dgl., ersetzt werden und bilden
an sich keinen Teil der Erfindung.