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Schnürvorrichtung, insbesondere für Krampfaderverbände. Die vorliegende
Erfindung geht von der Voraussetzung aus, daß Drosselungen und Unterbindungen der
Venen schädlich und gefährlich sind, und daß insbesondere Bandagen bei der Behandlung
von Krampfadern des Beines nur dann eine günstige Wirkung hervorrufen können, wenn
der Gegendruck, den sie auf die erweiterten Venen ausüben, an allen Stellen möglichst
gleichmäßig ist. Bei dieser Annahme stützt sie sich auf den Grundgedanken, daß die
Gefäßwandungen des gesamten Venensystems der unteren Extremitäten mathematisch genau
gegenbelastet, hinsichtlich ihrer Dehnungsbeanspruchung. also vollkommcn entlastet
wären, wenn der Patient bis zur Herzhöhe in eine Flüssigkeit gebracht würde, deren
spezifisches Gewicht gleich dem spezifischen Gewichte des Blutes wäre. Ein nach
diesem Grundgedanken konstruierter doppelwandiger, mit einem in Herzhöhe angebrachten
Beutelchen kommunizierend verbundener »hydraulischer Strumpf« würde die Gefäßwandungen
des Venensystems nicht nur statisch in allen Stellungen und Lagen des Patienten
sondern auch dynamisch beim Laufen und Springen vollkommen entlasten, weil die bei
Stößen auftretenden Erscheinungen . innerhalb und außerhalb des Gefäßsystems stets
die gleichen wären. Dieser »hydraulische Strumpf« wäre indessen praktisch nicht
brauchbar, weil er die überaus wichtige Hautatmung unmöglich macht. Aber der entwickelte
Grundgedanke führt auf kürzestem Wege zur Erkenntnis, daß es sich hier um die Erzeugung
von Flächendruck handelt, wie er sich in der Hydraulik. von selbst ergibt. Diesen
gleichmäßigen
Flächfndruck durch Anwendungstarrer, luftdurchlässiger,
die Hautatmung begünstigender Körper zu erreichen, stellt eine schwierige Aufgabe
dar, bei deren Lösung zunächst die Bedingung zu erfüllen ist, daß zwischen Bein
und Umhüllung elastische Einlagen von solcher Form und Größe angeordnet werden,
daß sich die Querschnitte der entsprechend gespannten Umhüllung der Form von Kreisen
möglichst nähern, - eine Maßnahme, welche nkht Gegenstand dieses Patentes ist. -Durch
die vorliegende Erfindung ist nunmehr die Aufgabe gelöst wo-den, daß der von dem
Krampfaderverbande erzeugte Flächendruck an allen Stellen des Beines gleich groß
wird, oder daß der Flächendruck dem statischen Überdrucke der Blutsäule proportional
wird, oder daß ganz allgemein in jedem Querschnitte des 8c ines ein den besonderen
Umständen entsprechender Flächendruck hervorgerufen wird. Beachtet man nämlich den
Satz, daß die von einem kreisförmig gespannten Zugorgane auf den umspannten Körper
ausgeübten Flächendrucke dem Zuge direkt, dem Durchmesser aber umgekehrt proportional
sind, so gelangt man zur Lösung dieser Aufgabe dadurch, daß man die Angriffspunkte
der Schnur auf den Rändern der Umhül.-ung in urgleichen Abständen verteilt.
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Gibt man zunächst den Angriffspunkten an allen Stellen den gleichen
Abstand und der Schnur an allen Stellen die gleiche Spannung, so sind die von dem
Krampfaderverbande erzeugten Flächendrucke den Durchmessern oder auch den Umfängen
der einzelnen Querschnitte des Beines umgekehrt proportional. Die unteren, dünneren
Teile des Beines sind daher einem höheren Flächendruck unterworfen als die oberen,
dickeren Teile. Gibt man aber der Schnur an den einzelnen QLerschnitten des Beines
Spannungen, welche den Durchmessern dies r Querschnitte proportional sind, so wird
an allen Stellen des Beines der gleiche Flächendruck hervorgerufen. Diese Gleichheit
des Flächendruckes ist jedoch nur so lange vorhanden, als die Urg'.eichheit der
Schnurspannungen bestehen bleibt. Da aber die Spannungsunterschiede der Schnur bei
den Bewegungen der Muskeln alsbald verschwinden, so kann überhaupt nur eine Vorrichtung
in Betracht kommen, bei welcher die Gleichheit der Schnurspannung an allen Stellen
grundlegende Voraussetzung ist.
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Gibt man nun den Angriffspunkten an verschiedenen Stellen verschiedene
Abstände und der Schnur an allen Stellen die gleiche Spannung, und nimmt man zunächst
an, daß die freien Verbindungsstrecken der Schnur mit den Quer-Schnittsellencn c'es
Beines übcraa den deichen Winkel bilden, so sind offenbar die auf;retenden Flächendrucke
proportional der Anzahl der auf die betreffende Längeneinheit entfallenden Verbindungsstrecken
der Schnur. Man kann daher ganz allgemein in jedem Quer. chnitt jeden gewünschten
Flächendruck erzeugen, wenn man die Angriffspunkte der Schnur auf den Rändern der
Umhüllung so verteilt, daß die mittleren Abstände der Verbindungsstrecken umgekehrt
proportional sind den Produkten aus Flächendruck mal Durchmesser der betreffenden
Querschnitte.
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Ein mit dieser Schnürvorrichtung versehener Krampfaderverband besitzt
die großen Vorzüge, daß die einmal festgelegten Flächendruckverhältnisse während
des Tragens sich nicht ändern, und daß jedermann ohne Aufmerksamkeit oder Geschicklichkeit
lediglich durch Anziehen der Schnur nach dem Gefühle Bedingungen erfüllen kann,
die eingehenden fachmännischen Überlegungen entsprechen.
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In der Zeichnung sind schematisch zwei Ausführungsformen der Schnürvorrichtung
dargestellt, die sich nur dadurch unterscheiden, daß die freien Verbindungsstrecken
A1 A2, A3 A4 der Schnur b mit den Querschnittsebenen des Beines in Abb. x stets
den Winkel o°, und in Abb. 2 stets den Winkel u bilden.
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Zur Berechnung des mittleren Abstandes der freien Verbindungsstrecken
der Schnur bedient man sich des soeben angeführten Hauptsatzes zweckmäßig in der
Umformung, daß das Produkt aus Flächendruck p mal Durchmesser d der Querschnitte
mal mittlerem Abstande h der Verbindungsstrecken der Schnur konstant bleibt, daß
also p1 dl hl = P2 d2 h2 = konstant.
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Soll nun der Flächendruck an allen Stellen des Beines gleich groß
werden, so wird p, - p2. Es können daher diese beiden Größen gleich i gesetzt oder
auch ganz gestrichen werden, und man findet den mittleren Abs'and h2 der Verbindungsstrecken
an irgendeiner Stelle des Verbandes unmittelbar aus der Hauptgleichung, weil die
Durchmesser dl und d2 bekannt sind, und die der ganzen Berechnung zugrunde gelegte
Größe hl nach Belieben angenommen werden kann.
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Soll der Flächendruck dem statischen Überdruck der Blutsäule proportional
werden, so kann für P, und p2 die zugehörige Höhe der Blutsäule selbst gesetzt,
und, da die Durchmesser dl und d2 sowie der Abstand hl bekannt sind, der gesuchte
Abstand h2 unmittelbar aus der Hauptgleichung gefunden werden.
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Soll der Flächendruck in irgendeinem Querschnitt irgendwelchen anderen
Voraussetzungen entsprechen, so bringt man p1 und p2 in das gewünschte Verhältnis
und findet aus der i-<aiaptgleichui:g, da die Durchmesser dl und s12 und der
Abstand hl bekannt sind, den gesuchten Abstand h2,
Sollen die Flächendrucke
nicht bloß proportional sondern bestimmten Größen gleich sein, so kann die Schnurspannung
mit Hilfe einer einfachen Formel errechnet und mit Hilfe einer einfachen Vorrichtung
gewährleistet werden, von welcher die Schnur nur unter dieser bestimmten Zugspannung
abgegeben wird.
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Ist der Winkel u, den die freien Verbindungsstrecken der Schnur mit
den Querschnittsebenen des Beines bilden, an verschiedenen Stellen desselben Verbandes
verschieden, so ist für die aus der überall gleichen Spannung der Schnur sich ergebenden
quergerichteten Komponenten cos a in die Hauptgleichung einzuführen.
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Um die bisher beschriebenen Wirkungen zu sichern, ist es notwendig,
daß die Angriffspunkte der Schnur ihre Höhenlage unverändert beibehalten und dennoch
in der betreffenden Querschnittsebene leicht verschiebbar sind, damit die von der
Schnur ausgehenden Zugkräfte sich möglichst vollkommen auf die Umhüllung fortpflanzen.
Die Schnürvorrichtung ist daher mit Versteifungen zu versehen, welche in der Längsrichtung
fast gar keine, in der Querrichtung dagegen eine sehr große Nachgiebigkeit besitzen.
Diese Bedingung könnte beispielsweise dadurch erfüllt werden, daß auf dem einen
Rande der Umhüllung eine nicht kürzbare, und auf dem anderen Rande gar keine Längsversteifung
angeordnet würde, was indessen mit dem Nachteil verbunden wäre, daß der Spannungsausgleich
nur einseitig, und deshalb unter größeren Reibungswiderständen erfolgen würde. Besser
würden schon Längsversteifungen wirken, die aus mehreren dem Abstande der Angriffspunkte
entsprechenden Gliedern gelenkig zusammengesetzt und auf beiden Rändern angeordnet
wären.
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Bei den durch Abb. i und 2 dargestellten Ausfültrunhsformen ist diese
Bedingung dadurch erfüllt, daß in an sich bekannter Weise eine einzige Schnur b
abwechselnd von einem zum anderen Rande über je ein druckstabförmiges Gebilde a
geführt wird, welches aus der Vereinigung je zweier benachbarter Angriffspunkte
A2 A4 desselben Randes hervorgegangen und ebensolang oder länger ist als die ihm
gegenüberliegende nicht versteifte Strecke A1 A3 des anderen Stoffrandes, so daß
durch den Widerstand der druckstabförmigen Gebilde das aus der Spannung der Schnur
entspringende Kürzungsbestreben aufgehoben (Abb. i) oder in ein nachgiebiges Streckungsbestreben
der ganzen Verschnürung um gewandelt wird (Abb. 2). Diese Anordnung bietet den Vorteil,
daß die nicht versteiften Strecken der Ränder, ohne Faltenbildung, eine große Nachgiebigkeit
in der Querrichtung, und die Schnürvorrichtungen selbst eine große Anpassungsfähigkeit
an das Bewegungsspiel der Muskeln besitzen.
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Um die Reibung der Schnur auf ein Mindestmaß zu- bringen, können die
Angriffspunkte der Schnur, wie bekannt, durch Röllchen dargestellt werden.