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Verfahren und Vorrichtung zum selbsttätigen Schleppen von Kranzdärmen
an Kranzdarmbearbeitungsmaschinen. Entsprechend seiner natürlichen Lage im Körper
des Rindes, verläuft der Kranzdarm, sobald er durch Innendruck gespannt wird, in
schraubenförmigen Windungen, die an der inneren Seite mit Fett bewachsen sind, mittels
dessen er im Körper befestigt ist. An der äußeren Seite dieser Windungen liegt also
die längste und an der inneren Seite die kürzeste Längsfaser des Kranzdarmes, während
die übrigen Längsfasern Längen aufweisen, die zwischen diesen Grenzen liegen. Dieser
Längenunterschied ist so beträchtlich, daß sich die kürzeste Längsfaser zur längsten
Längsfaser durchschnittlich verhält wie drei zu vier. Versucht man nun den Kranzdarm
durch eine mechanische Vorrichtung zu schleppen, so wirkt die Zugkraft zunächst
nur auf die kürzeste Längsfaser, und der Darm reißt schon bei geringster Belastung,
weil die Längsfasern nicht alle gleichzeitig beansprucht, sondern einzeln nacheinander
zerrissen werden.
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Diese technische Schwierigkeit wird durch das Verfahren gemäß der
Erfindung beseitigt, welches darin besteht, daß der Kranzdarm nicht wahllos mit
allen seinen Längsfasern als Ganzes erfaßt und geschleppt wird, sondern daß die
beiden durch die längste und kürzeste Längsfaser begrenzten symmetrischen Hälften
des Kranzdarmes aufeinandergelegt und die einzelnen gleichlangen nunmehr sich deckenden
Längsfasern in einem Geschwindigkeitsverhältnisse fortbewegt werden, welches ihrem
Längenverhältnisse mit möglichster Annäherung entspricht.
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Die Vorrichtungen zur Ausführung dieses Verfahrens weisen demnach
das gemeinschaftliche Kennzeichen auf, daß die einzelnen Punkte der Schlepporgane
mit den von ihnen erfaßten Punkten der aufeinanderliegenden gleichlangen und gleichgespannten
Längsfasern des gefalteten Kranzdarmes gleiche @N'ege beschreiben.
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In den Abb. i und 2 ist der Grundgedanke des Verfahrens und die Grundform
der Vorrichtung in Schnitt und Ansicht schematisch dargestellt. Die Abb. 3 und 4
zeigen in rechtwinkelig zueinander liegenden Ansichten ein Ausführungsbeispiel der
Erfindung unter Verwendung eines Spannkörpers, wie er beim Abtrennen des Fettes
von Kranzdärmen als Einlage verwendet wird.
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Legt man die beiden durch. die längste und kürzeste Längsfaser begrenzten
symmetrischen Hälften des Kranzdarmes so aufeinander,' daß die einzelnen gleichlangen
Längsfasern sich decken, so entsteht nicht ein geradliniger, sondern -ein halbkreisförmiger
Ouerschnitt. vom Durchmesser des Kranzdarmes. Da nun aber die Durchmesser sowohl
der Weite wie auch der Windungen nicht nur bei verschiedenen, sondern sogar bei
ein und demselben Kranzdarme innerhalb weiter Grenzen schwanken, so. werden dem
Bau der Schlepporgane nur mittlere Werte zugrunde gelegt und zum Schleppen selbst
nur Längsfasern mittlerer Länge verwendet, wodurch die Abweichung des Längenverhältnisses
der erfaßten Längsfasern vom Abwicklungsverhältnisse der Schlepporgane auf ein Minimum
gebracht, und der Vorteil erreicht wird, daß sich der Kranzdarm durch entsprechendes
seitliches Auflaufen diesem Abwickelungsverhältnisse mit möglichster Annäherung
selbsttätig anpaßt. Dieser Grundgedanke .ist
in Abb. i und 2 veranschaulicht:
Die Durchmesser der Weite und der Windung des Kranzdarmes sind Mittelwerte. Die
beiden durch die längste Längsfaser a und die kürzeste Längsfaser b begrenzten symmetrischen
Hälften des gefalteten Kranzdarmes zeigen einen halbkreisförmigen Querschnitt. In
der Achse der Windungen liegt der gemeinschaftliche Schnittpunkt M der Achsen der
beiden kegelförmigen, kraftschlüssig gegeneinandergedrückten und gleichmäßig angetriebenen
Schleppräder r, deren Klemmflächen den gefalteten Kranzdarm nur an Längsfasern mittlerer
Länge erfassen.
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In dem durch Abb.3 und q. dargestellten Ausführungsbeispiele der Erfindung
ist dieser Grundgedanke dahin erweitert, d.aß die sich gegenüberliegenden, auf Längsfasern
von gleicher Länge wirkenden Elementen der beiden zusammenarbeitenden Schleppräder
in gleichen Zeiten auch genau die gleichen Abwickelungen aufweisen. Zu diesem Zwecke
sind die beiden auf parallelen Achsen angeordneten Schleppräder r als Zahnräder
derart ausgebildet, daß in den einzelnen Rotationsebenen die Abwickelung der Zähne
der Länge der Längsfasern des Kranzdarmes von Durchschnittsgröße genau entspricht,
daß also bei unverändertem Teilkreise die Höhe der Zähne in den verschiedenen Rotationsebenen
verschieden ist. Von diesen beiden Schlepprädern läuft das eine in einem feststehenden
und das andere in einem bewegbaren Lager, welches auf einem um den Zapfen t drehbaren
Hebel angeordnet und durch eine Feder u so beeinflußt ist, daß sich die beiden Schleppräder
unter entsprechendem Drucke aufeinander abwälzen. Der gleichmäßige Gang der beiden
Schleppräder r kann durch zwei Zahnräder s gesichert werden, von denen je eines
vom Teilkreise des zugehörigen Schlepprades auf gemeinschaftlicher Achse befestigt
wird.
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Die Lösung der Aufgabe; den Kranzdarm selbsttätig in die Symmetrieebene
Überzuführen, ist nicht Gegenstand der vorliegenden Erfindung. Zur Erläuterung sei
nur bemerkt, daß Einlagekörper verwendet werden, über welche der Darm derart herübergezogen
wird, daß nur der fettfreie, längere, an der Außenseite der schraubenförmigen Windungen
liegende Teil a des Kranzdarmes durch die Lagerung d des Einlagekörpers c gezogen
wird, während der fettbewachsene, kürzere, an der Innenseite der schraubenförmigen
Windungen liegende Teil b des Kranzdarmes außerhalb dieser Lagerung d in seitlich
abweichender Richtung auf kürzerem Wege vorbeigezogen wird. Beim Ausführungsbeispiel
dieses Verfahrens ist dort, ebenso wie hier, ein Spannkörper c dargestellt und beschrieben,
wie er beim Abtrennen des Fettes von Kranzdärmen als Einlage verwendet wird. Dieser
Spannkörper verharrt mit möglichster Genauigkeit in seiner Lage, spannt jeden Kranzdarm
beliebiger Weite wie ein Trommelfell und bewirkt, daß die kürzeste und die längste
Längsfaser selbsttätig in die Symmetrieebene übergeführt wird, weil die längste
Längsfaser a den längsten, und die kürzeste Längsfaser b den kürzesten Weg zu beschreiben
sucht. Die Symmetrieebene des Kranzdarmes liegt also in Abb. 3 parallel zur Darstellungsebene
und schneidet Abb. q. senkrecht längs der Mittellinie.