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Verfahren und Vorrichtung zum Bilden von Anfangswindungen auf Leerspulen
von Textilmaschinen Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bilden von festen Anfangswindungen
auf einer leeren, vorläufig angetriebenen Spule beim Wechsel von vollen gegen leere
Spulen an Textilmaschinen, insbesondere Offenendspinnmaschinen, und eine Vorrichtung
zum Durchführen dieses Verfahrens.
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Vorrichtungen zum Wechsel von vollen gegen leere Spulen sind namentlich
bei Spulmaschinen bekannt, wo nach dem Bilden eines vollen Garnkörpers die betreffende
Spuleinheit stillgesetzt, die volle Spule abgenommen wird und die leere Spule -
nach evtl. Bildung einer Garnreserve - aufgewickelt zu werden anfängt, was es ermöglicht,
Garn von dieser Reserve an die nächste Spule anzuknüpfen. Eine solche Praxis ist
für kontinuierliche Verarbeitung des Garnes in nachfolgenden Prozessen vorteilhaft.
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Durch die DE-OS 23 47 783 ist es bekannt, beim Spulenwechsel an den
Maschinen mit kontinuierlichem Garnabzug, z. B. bei Offenendspinnmaschinen, eine
leere Spule noch vor ihrem Einklemmen in die Maschine mit der normalen Spulgeschwindigkeit
anzutreiben, was den Spulenwechsel
unter Aufrechterhalten der Kontinuität
von Spulvorgang und ohne Verluste an dem in diesem Zeitabschnitt von der Maschine
abgezogenen Garn gewährleisten sollo Bin Schlüsselproblem besteht dabei in einer
einwandfreien Zulieferung des Garnes der leeren Spule beim Bilden der eventuell
eine Garnreserve darstellenden wnfangswindungenO Zu die sem Zweck wurden verschiedene
Vorrichtungen zum Auffangen des Garnendes, z. B. in Form von Einschnitten bzwo Anrauhungen
an dem Mantel der Spulenhülse oder an ihrer Kante, entworfen, welche jedoch beim
Färben der Spulen gewisse Schwierigkeiten verursachen0 Die Bedingung einer vollkommenen
Garnreserve besteht in der Bildung einer festen Windung am unmittelbaren Spulenrands
die je doch bei bekannten Ausführungen bei der Manipulation mit der Spule zu häufigen
Störungen neigt, so dass die Anfangswindungen von der Spule abrutschen, sich aufdrehen
und somit Verluste am Garnanfang sowie daraus folgende Fadenbrüche verursachen0
Es ist im allgemeinen bekannt, dass, wenn man Garn auf die leere Spule mit der üblichen
Wickelgeschwindigkeit aufwickelt,die Anfangswindungen wegen der niedrigen Anfangsreibung
im Vergleich mit der bei derselben Wickelgeschwindigkeit in den nachfolgEenden Phasen
des Spulprozesses erzielten Windungshärte weich sind.
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Die vorliegende Erfindung soll die vorerwähnten Nachteile des Standes
der Technik eliminieren und ihr liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Bilden
von festen Anfangswindungen
auf einer leeren, vorläufig angetriebenen
Spule beim Wechsel von vollen gegen leere Spulen an Textilmaschine, insbesondere
Cffenendspinnmaschinen, bei denen Garn kontinuierlich von den Abzugswalzen abgezogen
und mittels Spulwalze aufgewickelt wird9 zu schaffen, das erfindungsgemäss darin
besteht, dass die Geschwindigkeit des vorläufigen antriebs der leeren Spule beim
Bilden von Anfangswindungen vorzugsweise um 0925 bis 10 % höher ist als die Geschwindigkeit,
mit welcher die Spule während des eigentlichen Spulvorgangs angetrieben wird0 Das
Wesen der Vorrichtung zum Durchführen des erfindungsgemässen Verfahrens, die Abzugswalzen
und eine Spulwalze zum Abziehen bzw, Aufwickeln von Garn an Textilmaschinen, insbesondere
Offenendspinnmaschinen, die mit einem aus einer Abführungseinrichtung und einer
Zuführungseinrichtung zum Abnehmen der vollen bzw, sufstecken der leeren Spule sowie
einer Einrichtung zum vorläufigen Antrieb der leeren Spule und einer Einrichtung
zum Unterbrechen des Garnes und Einführen seines unterbrochenen Endes ins Innere
der leeren vorläufig angetriebenen Spule bestehenden Abziehmechanismus versehen
sind2 aufweist, besteht der Erfindung gemäss darin, dass die Einrichtung zum vorläufigen
Antrieb der leeren Spule durch eine mittels Übersetzungsrollenmit einer in aktiven
Eingriff mit der drehbaren Abzugswalze der Maschine mit kontinuierlichem Garnabzug
setzbaren Reibwalze gekoppelte Antriebswalze gebildet isto
Es ist
vorteilhaft, wenn die erhöhte Geschwindigkeit des Antriebs von leerer Spule durch
ein Ubersetzungsverhält nis zwischen der Reibwalze und der mit ihr gekoppelten Antriebswalze
zum Antreiben der leeren Spule erzielt ist, wobei der Umfang der Reibwalze kleiner
ist als der Umfang der AntriebswalzeO Nach einer alternativen Ausführung wird die
erhöhte Geschwindigkeit des Antriebs der leeren Spule so erzielt, dass der Umfang
der LTbersetzungsrolle der Reibwalze grösser ist als der Umfang der Übersetzungsrolle
der Antriebswalze zum Antreiben der leeren Spule.
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Die Erfindungsidee schliesst auch nicht eine Kombination dieser beiden
Lösungen zum Erzielen der erhöhten Geschwindigkeit des Antriebs der leeren Spule
beim Bilden der Anfangswindungen aus0 Nach einer weiteren alternative ist die Einrichtung
zum Erzielen der erhöhten Geschwindigkeit des Antriebs der leeren Spule durch die
mit einem Antriebsele:ent des Abziehmechanismus, z.B. einem Elektromotor, gekoppelte
Antriebswalze gebildet Gegenüber der letztgenannten Lösung weist der den abzugswalzen
entnommene Antrieb seine wesentlichen Vorteile auf, In der ersten Reihe kann eine
solche Lösung ökonomischer sein, wenn man einen individuellen elektromotorischen
Antrieb einsetzt, Ferner ist sie auch vom technologischen Gesichtspunkt
sehr
vorteilhaft, da hier die Nötigkeit Jedweder Einstellung der vorläufigen Spulgeschwindigkeit
der leeren Spule in Bezug auf verschiedene Garnnummern in Abhangigkeit von der betreffenden
Garnabzugsgeschwindigkeit entfällt, Für die gegebene Garnnummer ist nämlich die
richtige Geschwindigkeit immer bereits durch die Abzugswalzen bestimmt, von denen
auch die vorläufige Spulgeschwindigkeit zum aufwickeln der Anfangs-II windungen
auf die leere Spule - beim betreffenden Ubersetzungsverhältnis - abgeleitet wird0
Nach einem Ausführungsbeispiel des Abziehmechanismus zum Wechsel der vollen gegen
leere Spulen wird in der Einrichtung zum vorläufigen Antrieb der leeren Spule die
Reibwalze samt der tTbersetzungsrolle durch Umkippen in aktiven Reibeingriff mit
der rotierenden Abzugswalze der Textilmaschine mit kontinuierlichem Garnabzug gebracht.
Die Reibwalze ist mit ihrer ,, Ubersetzungsrolle - in einem geeigneten Ubersetzungsverhslt
nis - mit der Ubersetzungsrolle der Antriebswalze zum Antreiben der leeren Spule
mit einer höheren Geschwindigkeit zwecks Aufwickelns von festen Anfangswindungen
gekoppelt. Eine geeignete Festziehung der Anfangsgarnwindungen wird durch eine höhere
Wickelgeschwindigkeit gegenüber der Geschwindigkeit, bei welcher das Garn von den
Abzugswalzen der Textilmaschine abgezogen wird, erzielt, Einige bevorzugte Ausführungsbeispiele
der erfindungsgemäusen Vorrichtung sollen fernerhin anhand von beigefügten schematischen
Zeichnungen näher beschrieben werden0 Es zeigt:
Figo 1 - eine perspektivische
Ansicht einer Ausführungsform der Vorrichtung zum Bilden von festen Anfangswindungen
in der Lage, wo. das Aufwickeln solcher Windungen endet und der eigentliche Spulvorgang
anfängt; Fig. 2 - eine perspektivische Ansicht der Vorrichtung zum vorläufigen Antrieb
der leeren Spule in der .usgangslage; und riigt 9 - eine perspektivische Ansicht
einer alternativen Ausführungsform der in Fig. 2 veranschaulichten Vorrichtung,
deren Antrieb von einem Antriebselement des Abziehmechanismus abgeleitet ist.
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Wie aus Fig. 1 ersichtlich, wird das aus einer teilweise dargestellten
Spinneinheit 1 durch ein Abzugsrohr 2 von einem Abzugswalzenpaar 4, 5 abgezogene
Garn 3 mittels einer Spulwalze 8 auf eine Spule 9 aufgewickelt0 Die Spule 2 wird
mit Hilfe von normen eines Spulenhalters 1C gegen die Spulwalze 8 gedrückt0 Im Verlauf
des eigentlichen Spulvorgangs wird das Garn von einer mit einem Fadenführer 7 versehenen
Changierstange 6 entlang der Spule 2 verteilt.
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Die Vorrichtung zum vorläufigen Antrieb der leeren Spule samt Speiseeinrichtung
besteht aus einer gegen die Abzugswal ze 4 der Textilmaschine nachgiebig gedrückten
Reibwalze li, die eine Übersetzungsrolle 12 aufweist. Der nachgiebige Druck der
Reibwalze 11 auf die abzugswalze 4 wird durch eine einen
die Reibwalze
11 samt Übersetzungsrolle 12 tragenden Hebel 13 gegen die Abzugswalze 4 ziehende
Feder 14 ausgeübt. Der Hebel 13 ist wiederum von einem hebel 15 samt Zapfen 23 getragen
(Fig. 2). Auf der Welle einer eine Übersetzungsrolle 17 aufweisenden Antriebswalze
16 ist ein Hebel 18 drehbar gelagert, welcher von einer nicht dargestellten Feder
in Ffeilrichtung 19 gedrückt wird0 iim Ende des Hebels 18 ist eine Klemmrolle 20
drehbar gelagert, die eine leere Spule 29 gegen die Antriebs~ walze 16 drückt, Die
leere Spule 22 stützt gegen eine weitere am Ende des Hebels 15 drehbar gelagerte
Klemmrolle 21 ab. Dieser Anordnung ist es entnehmbar, dass die Spule zwischen die
Antriebswalze 16 und die Klemmrollen 20 und 21 eingeklemmt ist0 Die gesamte Vorrichtung
ist um einen an einem Träger 24 vorgesehenen Zapfen 23 drehbar angeordnet0 Die Hülse
der leeren Spule 22 ist im Innern mit einem Auffangomittel 28 zum Auffangen des
abgetrennten Endes des Garnes 3 vorschen.
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Die erfindungsgemässe Vorrichtung, die als ein Bestandteil eines
der bekanrten Mechanismen zum Austauschen von vollen gegen leere Spulen eingesetzt
werden kann, arbeitet folgendermassen: Ein Abziehmechanismus 34 zusammen mit der
mittels Zapfens 23 auf dem Träger 24 gelagerten Einrichtung wird der Arbeitsstille
der Textilmaschine, bei welcher die Spule ausgetauscht werden soll, zugeführt. Dabei
erfolgt eine nachgiebige Beruhrung zwischen der Reibwalze 11 und der Abzugswalze
4, welchletztere
anfängt, die Antriebswelze 1 mit Hilfe eines
lreibriemens oder einer Treibkette übe die Übersetzungsrollen 12 und 17 anzutreiben0
Das Übersetzungsverhältnis zwischen den Umfängen der Übersetzungsrolen 12, 17 der
Reibwalze 11 bzw.
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Antriebswalze 16 ist so zu wäblen, dass die leere zwischen die Antriebswalze
16 und die Klemmrollen 20, 21 eingeklemmte Spule 22 mit einer höheren Geschwindigkeit
als die Umfengsgeschwindigkeit der Spulwalze 8 in Druchung gesetzt wird. Diese Geschwindigkeit
soll so gewählt worden , damit das Garn bis zum Fadenbruchschwellenwert gespannt
wird. I benötigte Geschwindigkeitserhöhung schwankt zwischen 0,25 bis 10 % in Bezug
auf die eigentllche Spulge schwindigkei t, Der z.B. eine Greifer 35 aufweisende
Abziehmechanismus 34 dient zum Abtrennen und Einführen des Gannendes in die Spulenhülse.
Der mit einer Klemme versehe-ne Greifer 35 ist zwischen zwei notlagen schwenkbar
angeordnet; in der ersten Totlage (Fig. 1) steht er in der Nähe des abzuziehenden
Gar nes 3 und ist bereit, dieses zu übernebaen; in der zweiten Totlage (Fig. 2)
ragt er ins Innere der leeren Spule 22, erfasst das abzuziehende Garn ) und trennt
es gleichzeitig ab, um das derart abgetrennte Garnende auf die volle Spule 9 aufgewickelt
werden zu können, Das zweite Ende des getrennten Garnes 3 wird dann von der Klemme
des Greifers 35 ins Innere der leeren Spule 22
hineingeführt, wo
das C-arn vom Auffangsmittel 28 bzwO Sinschnitt am inneren Rand der Spule 22 aufgefangen
wird. bas aufgefangene Garn fängt an, sich auf den Rand der Spule 22 aufzuwickeln,
welchem es von einem nicht dargestellten, am Abziehmechanismus gelagerten Fadenführer
zugeführt wird. Die erhöhte Umfangsgeschwindi gkeit der Antriebswalze 16 ermög licht
es dabei, solche, eventuell als Garnreserve dienende iiandwindungen entsprechend
festzuziehen0 Nach dem Aufwickeln einer vorbestianten Garnlänge auf die Spule 22
verursacht ein nicht dargesteltes Betätigungselement einen Ausschlag des Hebels
15 um den Zapfen 23 in Pfeilrichtung 25 in die eigentliche Spullage (Fig. 1), wo
es auch durch ein nicht dargestelltes Abzugsorgan - zOBO einen @bstosshebel - zum
Abzug der vollen Spule 9, und durch die dargestellte Zuführeinrichtung zuT aufstecken
der Spule 22 samt aufgewickelten Anfangwindungen kommt.
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Es ist vorteilhaft, wenn die Bildung der Garnreserve nach einem vorbestimmten
Zeitabschnitt beendet wird, so dass ausser der festgewickelten Garnreserve noch
festgezogene grundlegende Kreuzwindungen mit Hilfe des garnverteilenden Fadenführers
7 auf die Spule 22 aufgewickelt werden können, Das Verfahren zum Beendigung der
Garnreservebildung wurde in der DE-OS 23 47 783 ausführlich beschrieben. Nichtsdestoweniger
schliesst die Realisierung der Erfindungsidee nicht die Möglichkeit aus, erste Kreuzwindungen
auch ohne die Garnreservebildung zu wickeln,
Nachdem die Garnreserve,
eventuell auch - oder lediglich die grundlegenden Kreuzwindungen ausgeblldet worden
sind, wird die Spule mittels Abziehmechanismus 34 von den armen des Spulenbalters
10 übernommen, worauf der Rückausschlag der Zuführeinrichtung - d.h. des Hebels
15 - um den Zapfen 23 erfolgt, so dass das Garn weiterhin mit der normalen Spulgeschwindig
keit mit Hilfe der Spulwalze 8 aufgewickelt wird, gegen welche die Spule von den
Armen des Spulenhalters 1C gedrückt wird.
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Der Rückausschlag der Zuführeinrichtung nach dem Klemmen der Spule
22 von den Armen des Spulenhalters 10 ist durch die nachgiebigendie Abkippung der
Klemmrolle EO erlaubende Lagerung des Hebels 18 ermöglicht.
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Auf ähnliche Art und Weise arbeitet auch die alternative Ausführungsform
der Vorrichtung zum Erzielen der Erhöhung der Antriebsgeschwindigkeit der leeren
Spule 22, in welcher die Antriebswalze 16 mit einem Antriebselement L6 des Abziehmechanismus
li verkoppelt ist, Nach dem Ausführungsbeispiel gemäss Figur 3 wird die Reibwalze
11 von der Feder 14 gegen das Antriebselement 36 des Abziehmechanismus 34 gedrückt
und die so verursachte Drehbewegung wiederum mittels Ubersetzungsrollen 12, 17 an
die mit dem Element 36 verkoppelte Antriebswalze 1o übertragen0 Diese Ausführungsform
ist aus Baugründen für den Fall vorteilhaft, wenn die Bauart der betreffenden Textilmaschine
nicht erlaubt, den Antrieb der Vorrichtung über die Abzugswalze 4 vorzusehen0
Die
Vorrichtung zum Bilden von festen Anfangswindungen auf der leeren Spule in Form
von einer Garnreserve oder grundlegenden Kreuzwindungen ist insbesondere vom Gesichtspunkt
der weiteren Verarbeitung an Schär-, Web- und anderen Textilmaschinen vorteilhaft,
wo es durch anknüfpen der Garnreserve an ie e nächste Spule ermöglicht ist, die
Produktivität bei den erwähnten Vorgängen zu steigern, Feste-Anfangswindurlgen verursachen
die zuverlässige Bildung eines Garnkörpers auch in den Fällen, wo es aus technologischen
Gründen nötIg ist, Spulen mit weicher Windung herzustellen.