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PATENTBESCHREIBUNG
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Verfahren zur meßtechnischen Erfassung und Darstellung von kapillar-aufsteigender
Feuchtigkeit Die Erfindung betrifft Verfahren, sowie zugehörige Geräte und Sensoren
mit definierten Eigenschaften und Genauigkeitsbereichen zur meßtechnischen Erfassung
bzw. zur elektronenoptischen Darstellung von kapillar-aufsteigender Feuchtigkeit
an porösen Werkstoffen bzw. Bauwerken, sowie Meßverfahren zur Abgrenzung dieser
Meßdaten gegenüber überlagernden Störfaktoren.
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Die Sanierung alter bzw. historischer Gebäude, sowie die Beseitigung
von Feuchtigkeitsschäden an Gebäuden schlechthin stellt besondere Anforderungen
an die Planung der Sanierungsmaßnahmen. In der Praxis sind zahlreiche Fehlschläge
bekannt, die auf Mängel bei den Planungsarbeiten zurückzuführen sind, wobei meist
die erkennbaren Nässeschäden nicht den tatsächlichen Ursachen, sondern irrtümlich
anderweitig zugeordnet wurden. So konnte bei der Untersuchung zahlreicher Mißerfolge
von Sanierungsarbeiten festgestellt werden, daß zwar eine sog. Salzbekämpfung erfolgte,
in der Annahme, die sichtbaren Nässeschäden seien auf hygroskopische Salz zurückzuführen,
während in Wirklichkeit kapillar-aufsteigende Nässe vorlag, aber als Ursache unerkannt
blieb.
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Andererseits wurden häufig kostspielige Sanierungsmaßnahmen gegen
kapillar-aufsteigende Nässe ausgeführt in der Annahme, sie sei Ursache für optisch
erkennbare Nässeschäden, während tatsächlich Sickerwasser aus Leckstellen einer
Wasserleitung vorlag oder Kondensnässe infolge mangelhafter Wärmedämmung auftrat.
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In der Tat stellt sich die Aufgabe, Nässeschäden an Gebäuden korrekt
zu untersuchen und ursächlich zuzuordnen, um geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen
zu können, welche den Ursprung der Schäden eliminieren, als äußerst komplexes Problem
dar. Die vorliegende Erfindung beschreibt Meßverfaiiren1 die auf anderen Gebieten
der Technik, z.B. zum Aufsuchen
von Wärmequellen, bereits im Prinzip
bekannt sind. In erheblich verfeinerter Wirkungsweise und mit höherentwikkelten
Sensoren sind diese Meßverfahren geeignet, zwischen signifikanten Merkmalen für
verschiedene Arten von Nässeschäden, denen unterschiedliche Ursachen zuzuordnen
sind, zu unterscheiden.
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Zugleich gelingt es, zwischen Nässeschäden und z.B. Mängeln bei der
Wärmedämmung von Gebäuden zu unterscheiden.
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Aus der Fachliteratur sind bislang keine Veröffentlichungen bekannt,
die die Möglichkeit, kapillar-aufsteigende Feuchtigkeit mit Hilfe thermo-elektrischer
Meßverfahren oder Sensoren zu diskriminieren, aufzeigen, geschweige denn konkrete
Hinweise geben, unter welchen Bedingungen, mit welchen Mitteln und innerhalb welcher
Grenzen die Meßwerterfassung bei kapillar-aufsteigender Nässe möglich ist. Insbesondere
sind keine Veröffentlichungen bekannt, die Angaben darüber machen, wie und mit welchen
Mitteln und anhand welcher Merkmale zwischen den thermischen Daten verschiedener
Feuchtigkeitsursachen einerseits, und diskreten Wärmequellen andererseits unterschieden
werden kann.
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Dem erfindungsgemäßen Verfahren am ähnlichsten sind einige aus der
Elektro-Medizin bekannte Verfahren, z.B. der Mammographie bzw. Krebsfrüherkennung
durch thermographische oder elektronen-optische Meßverfahren. Sie geben aber keine
Aufschlüsse zu den im vorliegenden Fall auftratenden Problemen.
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Gleiches gilt für Infrarotverfahren zur Überwachung von Schwangerschaftsabläufen.
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Die besten der bislang verfügbaren Infrarot-Meßgeräte sind zu ungenau
und besitzen eine zu geringe Empfindlichkeit, Auflösung und Wiederholgenauigkeit,
um ohne weiteres als Sensoren geeignet zu sein. Die Grenzwerte der z.Zt. verfügbaren
Geräte liegen z.B. bei einer Auflösung von ca. + o,150C bei einer Objekttemperatur
von + 600C. Sinkt die Objekttem peratur aber auf ca. OOC ab, so verschlechtert sich
die Auflösegenauigkeit des Meßgerätes auf ca. + 0,350C bis 0,40C.
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Untersuchungen von Nässeschäden an Gebäuden müssen in der Regel bei
Oberflächentemperaturen von ca. 10 0C und darunter erfolgen. Es ist leicht einzuschen,
daß unter solchen Voraussetzungen Temperaturgradienten von ca. O,10C nicht mehr
abgebildet, geschweige denn korrekt erkannt werden können.
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Ähnlich liegen die Verhältnisse bei Meßgeräten mit Temperaturfühlern.
Hier sind zwar ei-nzelne, hochauflösende Anzeigegeräte bekannt, die selbst eine
Anzeigegenauigkeit von + O,10C besitzen, - doch blieb das Problem der Meßwertvcrfälschung
durch den Sensor (Thermofühler) bestehen. Es ist leicht einzusehen, daß die Oberfläche
von porösen Werkstoffen, welche von kapillar-aufsteigender Nässe durchfeuchtet ist
und durch Verdunstung von Feuchtigkeit eine Abkühlung unterhalb der Umgebungs- oder
Lufttemperatur erfährt, zwar eine deutlich verminderte Temperatur aufweist, daß
es aber nur einer kurzen Berührung mit konventionellen, metallischen Thermofühlern
bedarf, welche zwangsläufig die Temperatur der Umgebung angenommen haben, um die
verminderte Temperatur eines Meßpunktes am Mauerwerk schlagartig zu verfälschen.
Nachdem poröse Baustoffe außcrdem recht schlechte Wärmeleiter sind, kann die Wärme
des Thermofühlers gar nicht schnell genug z.B. in die Wand eines Bauwerks abgeführt
werden, um deren verminderte Oberflächentemperatur zu stabiliseren, weil dadurch
ein Temperaturdefizit in der Masse des Thermofühlers entstehen müßte, welches infolge
der hohen Wärmekapazität von Metall sofort durch Wärmeaufnahme aus der Umgebung
ausgeglichen werden würde.
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Man erkennt1 daß das Auflösungsvermögen von Meßgeräten mit Thermofühlern
nur dann wirklich verfügbar ist, wenn ein Medium mit genügender Wärmekapazität oder
entsprechend großer Masse - wie z.B. die Umgebungsluft - zur Verfügung steht.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, Meßverfahren und zugehörige
Geräte und Sensoren zu finden, die es erlauben, sehr geringe Temperaturunterschiede
und Thermogradienten an
poröson Worlcstoffen, wie z.B. den Oberflächen
von Mauerwerken bzw. Gebäuden, welche von kapillar-aufsteigender Nässe durchfeuchtet
sind, zuverlässig - und mit nur unerheblichen Meßwertverfälschungen behaftet - zu
erfassen.
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Um Aufgabenstellung und Lösungsvorschläge besser verständlich zu machen,
bedarf es einer kurzen, technischen Beschreibung der Aufgabe und der Erfassung der
zur Lösung des Problems notwendigen Meßdaten.
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Zunächst ist bekannt, daß poröse Werkstoffe in der Regel kapillare
Feuchtigkeit aufnehmen und in Abhängigkeit von den Kapillar-Radien mehr oder weniger
schnell transportieren köllnon, dabei zugleich aber Iclcinc?re bzw. größere Steighöhen
erreichen.
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Die Steighöhe von kreisförmigen Kapillaren ist definiert durch die
Gleichung:
| 1 h - 2.6 cos 8 [cm]2 .a |
| max Pw . S . r cos e fcml |
mit hmax = max. Steighöhe der Kapillarflüssigkeit a = Oberflächenspannung der Flüssigkeit
Pw = Dichte der Flüssigkeit g = Gravitationskonstante r = Kapillar-Radius Q = Randwinkel
zwischen Flüssigkeit und Kapillarwandung Die Anfangs-Steiggeschwindigkeit ist definiert
durch die Gleichung
mit P = Viskosität der Flüssigkeit Diese Steiggeschwindigkeit nimmt mit zunehmender
Steighöhe ab und wird bei Erreichen der max. Steighöhe zu NULL.
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Wenn in der Praxis ein Gebäude von kapillar-aufsteigender Nässe befallen
ist, so stellt sich die max. Steighöhe nur
in solchen Bereichen
ein, an denen keine Verdunstung des Kapillarwassers stattfindet. Ist dies aber der
Fall - so ergibt sich eine tatsächliche Steighöhe der kapillar transportierten Nässe,
die sich als Gleichgewichtszustand aus dem kapillaren Saugvermögen des Mauerwerks,
- d.h. der Menge und der Geschwindigkeit des transportierten Kapillarwassers, -
einerseits, und der Wasserabgabe durch Verdunstung andererseits darstellt.
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An alten Bauwerken kann zuweilen die Grenze, bis zu der Feuchtigkeit
kapillar aufsteigt, als relativ scharfe Hell-Dunkel-Grenze optisch erkannt werden,
weil im Laufe vieler Jahre innerhalb des Feuchtigkeitsbereiches hygroskopische Salze
abgelagert werden, welche Sprengungen verursachen und Feuchtigkeit binden.
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Im Anschluß an Sanierungsmaßnahmen, bei denen in der Regel vor allem
der alte, versalzte Putz beseitigt und durch neuen, meist poren-hydrophoben Spezialputz
ersetzt wurde, ist die Grenze, bis zu der kapillare Nässe aufsteigt, optisch nicht
mehr zu erkennen. Die kapillare Feuchtigkeit ist wegen der Hydrophobie jener Spezialputze
nicht in der Lage, in die Poren einzudringen und den Putz zu durchfeuchten und dabei
dessen Farbe geringfügig zu verändern. Sie verdunstet bereits innerhalb des porenhydrophoben
Putzes und passiert denselben als Wasserdampf.
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Mangels optischer Anzeichen für kapillar-aufsteigende Nässe wird in
solchen Fällen regelmäßig irreführcnd konstaticrt, die kapillare Feuchtigkeit sei
erfolgreich saniert. Tatsächlich wurde der Schaden nur kaschiert, nicht aber die
Ursache beseitigt.
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Nun ist bekannt, daß jede Verdunstung ein Vorgang ist, welcher Wärme
benötigt und diese aus der Umgebung abzieht. Man spricht - technisch nicht ganz
korrekt - von Verdunstungskälte, die entsteht.
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An porösen Werkstoffen, wie z.B. Mauerwerk, entzieht die kapillar-aufsteigende
Feuchtigkeit bei der Verdunstung tatsächlich den oberfltichennahen Schichten, z.13.
dem Putz,
Wärme. Im Bereich starker Durchfeuchtung, d.h. in Bodennähe,
ist dieser Wärmeentzug deutlich größer als an der oberen Grenze der Durchfeuchtung.
Oberhalb der Durchfeuchtungszone findet eine Verdunstung praktisch nicht mehr statt.
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Umfassende Versuchsreihen zeigen, daß bei Gebäuden, deren Mauerwerk
von kapillar-aufsteigender Nässe durchfeuchtet ist, die Temperaturen an der Oberfläche
des Mauerwerks in Bodennähe meist geringfügig unterhalb der Temperatur des Erdbodens
selbst liegen, daß in vertikaler Richtung aufsteigend meist ein temperatur-Gradient
von + 0,05 bis + 0,15°C pro 1o cm Meßintervall vorliegt, d.h. daß die Temperatur
an der Oberfläche des Mauerwerks allmählich ansteigt, und daß sich an der Grenze
der kapillaren Durchfeuchtung ein kräftiger Teniperatursprung ausbildet, der - je
nach Umgebungstemperatur - meist zwischen ca. o,40C und ca. 20C pro 1o cm liegt.
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Diese signifikanten Thermodaten bilden sich prinzipiell auch dann
aus, wenn die kapillare Nässe durch "optische Sanierungsmaßnahmen", z.B. durch Aufbringen
eines den Schaden kaschierenden neuen Putzes verborgen worden ist.
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Signifikante Meßdaten körnigen sich hingegen nicht ausbilden, wlsnn
z.13. die Umgebungsluft zu kühl oder die relativ Luftfeuchte zu hoch sind, so daß
eine ausreichend starke Verdunstung nicht stattfinden kann.
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Trägt man nun die an einem von kapillar-aufsteigender Nässe betroffenen
und infolge Verdunstung leicht abgekühlten Mauerwerk gewonnenen Meßdaten in einer
geometrischen Darstellung, einer Zeichnung oder einem Foto des betreffenden Gebäudes
maßstäblich ein und verbindet die gefundenen Thermopunkte gleicher Wertigkeit miteinander,
so erhält man im Idealfall Linien gleicher Temperatur, Thermo-Äquipotential Linien
gcnnnnt, welche quasi-parallel und in nahezu regelmaßigen Abstande zum Erdboden
horizontal verlaufen.
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In der Praxis wird die Ausbildung dieser Thermo-Äquipotential-Linien
durch zahlreiche Störfaktoren behindert bzw.
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verzerrt, die zu allem Überfluß teilweise erheblich stärkere Temperaturunterschiede
aufweisen.
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Das erfindungsgemäße Meßverfahren ist auch darauf gerichtet, solche
Störfaktoren zu erfassen und zu diskriminieren, so daß die Thermo-Äquipotential-Linien
sicher und eindeutig ermittelt werden können.
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Die Lösung der gestellten Aufgabe wird dadurch erreicht, daß poröse
Werkstoffe bzw. Bauwerke in vertikaler Richtung und in Moßintürvallen von ca. 5
cm bis ca. 50 cm, vorzugsweise in Meßabständen von ca. lo cm bis ca. 20 cm mit auf
Temperatur reagierenden Sensoren abgetastet werden, welche einerseits der Oberfläche
der Porösen Werkstoffe praktisch weder Wärme entziehen noch Wärme zuführen, und
die eine Auflösung von mind. 0,20C, vorzugsweise von besser als + 0,01°C, und damit
eine Anzeigesicherheit von ca. 0,3°C, vorzugsweise von 0,1°C oder besser aufweisen,
daß ferner die ermittelten Thermodaten tabellarisch oder graphisch oder phototechnisch
in Relation zur geometrischen Ausdehnung der porösen Werkstoffe aufgetragen und
die dadurch erkennbaren-Thermogradienten festgestellt werden1 wobei weiter der Bereich
der porösen Werkstoffe, in dem kapillar-aufsteigende Nässe vorliegt, infolge Verdunstungskälte
durch einen signifikanten Thermogradienten von ca. 0,01°C bis ca. o,30C pro 1o cm
Meßintervall, meist von ca. o,o5 C bis ca. o,150C gekennzeichnet ist, und daß schließlich
die Obergrenze der kapillar-aufsteigenden Nässe durch einen kräftigeren Temperatursprung
von ca. 0,4°C bis ca. 2°C, meist von ca.
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o,50C bis ca. o,70C pro 1o cm Meßintervall angezeigt wird.
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Das erfindungsgemäße Verfahren zieht Rückschlüsse aus der Tatsache,
daß Mauerwerksbereiche, die unter kapillar-aufsteigender Nässe leiden, von Linien
gle icher Temperatur (Thermo-Äquipotential-Linien) gekennzeichnet sind, die quasi-parallel
mit der Gelände-Oberkante verlaufen.
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Dabei wird berücksichtigt, daß in der Praxis die Thermo-Äquipotential-Linien
verzerrt vorliegen und überlagert werden können durch störende Wärmeeinflüsse aus
anderen
Ursachen, sowie durch örtlich unterschiedliche, kapillare
Saugfähigkeit der porösen Werkstoffe, wobei diese Störfaktoren an Abweichungen der
Therino-Äquipotential-Linien erkannt werden können und zu berücksichtigen sind.
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Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften von porösen Werkstoffen
haben zur Folge, daß örtliche Unterschiede in der kapillaren Saugfähigkeit von porösen
Werkstoffen eine Spreizung der Thermo-Äquipotential-Linien in Abhängigkeit von der
veränderten Transportgeschwindigkeit des Kapillarwassers bewirken, so daß Rückschlüsse
auf das Porengefüge der kapillaren Werkstoffe gezogen werden können.
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Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden Störfaktoren, verursacht
durch Hygroskopie, dadurch diskriminiert, daß Feuchtigkeit, die durch liygroskopie
verursacht ist, in der Regel durch quasi-konzentrisch angeordnete Thermo-Äquipotential-Linien
gekennzeichnet ist, und bei der Auswertung der Meßdaten berücksichtigt wird.
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Störfaktoren und Meßwertfehler, die aus diskreten Feuchtigkeitsquellen
stammen, werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren dadurch erkannt und berücksichtigt,
daß Feuchtigkeit, die aus örtlichen Fehlerquellen, wie z.B. Rohrleitungs-Leckstellen,
resultiert, gleichfalls durch quasikonzentrisch angeordnete, meist aber ausgeprägtere
Thermo-Äquipotential-Linien gekennzeichnet ist, welche sich nach unten, d.h. in
Richtung der Gravitationskraft parabelförmig ausbreiten, oberhalb der Ursprungstelle,
jedoch meist korbbogenförmig abgeplattet sind, und bei der Auswertung der Thermo-Äquipotential-Linien
berücksichtigt werden.
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Es kommt hinzu, daß Feuchtigkeit aus Sickerwasser meist durch Thermo-Äquipotential-Linien
gekennzeichnet ist, deren Thermogradient in senkrecht-aufsteigender Richtung ein
entgegengesetztes Vorzeichen aufweist. Diese Tatsache erleichtert das Diskriminieren
dieser Störgrößen und verbessert die Sicherheit der Verfahrensauswertung.
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Besonders kräftige Störfaktoren stellen diskrete Wärmequellen dar,
welche im Gegensatz zu den verfahrenstypischen Meßdaten erhöhte Temperaturen ausbilden.
Sie werden bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens dadurch berücksichtigt,
daß Temperatursprüngc, die durch mangelhafte Wärmeisolierungen an Fassaden auftreten,
oder die durch sog. Kältebrücken verursacht sind,im Netz der Thermo-Äquipotential-Linien
als örtliche1 meist unregelmäßige Bereiche, die der Geometrie der Fehlerursachen
entsprechen, erkennbar sind, deren Thermogradient zwischen ca. 0,2°C bis ca. 5°C
pro 10 cm Meßintervall liegen kann, meist bei ca.
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o,3° bis ca. 1°C pro lo cm festzustellen ist, und im Absolutwert als
Temperaturerhöhung erscheinen.
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Die Durchführung bzw. Anwendung des erfindungsgemäßen Meßverfahrens
setzt voraus, daß temperatur-stabilisierte Anzeigegeräte mit einem elektronischen
Auflösungsvermögen von ß T = ca. + o,o5°C oder besser und einer Anzeigegenauigkeit
von o,lOC oder besser verwendet werden.
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Diese Anforderungen an die Meßgeräte können vorzugsweise erfüllt werden,
indem filiniatur-Koax-Sensoren mit einer Kontaktfläche von unter ca. 5 mm , vorzugsweise
Masse von unter ca. o,8 mm2 verwendet werden und die des eigentlichen Sensors unter
ca. 50 mg, vorzugsweise unter 5 mg gehalten wird.
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Die vorstehend genannte Gruppe der anzeigenden Meßgeräte bedingt bei
der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens, daß die ermittelten Meßdaten tabellarisch
festgehalten und hernach zur Ermittlung der Thermo-Äquipotential-Linien und ihrer
Störfaktoren in eine räumliche Abbildung des Gebäudes übertragen werden. Dieser
Vorgang ist zeitraubend und gestattet erst zum Schluß, Störfaktoren zu erkennen
und eventuell näher zu untersuchen.
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Vorteile ergeben sich daher beim Einsatz von abbildenden Meßgeräten,
unter der Voraussetzung, daß temperatur-stabilisierte elektronen-optische Infrarot-Sensor-Meßgeräte
mit
einer Auflösung von ß T = ca. + o,oSOC oder besser und einer Darstellungsgenauigkeit
auf dem Bildschirm von ca. 0,1°C oder besser verwendet werden.
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Natürlich ist es auch möglich, Infrarot-MeBgeräte, die nach dem Prinzip
der Fernseh-Übertragungsgeräte arbeiten, einzusetzen Dabei ist zusätzlich zur Vermeidung
von Meßfehlern zu fordern, daß die optische Abbildung der Thermo-Äquipotential-Linien
wahlweise auf direktem Wege, als Rotbild oder als Schattenrasterbild, oder als Kathodenstrahl-Fernsehbild
erfolgt, wobei die Meßwertverfälschung infolge Signalumsetzung und Bilderzeugung
max. + o,1°C betragen darf.
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Die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens sei anhand zweier Beispiele
gezeigt. Dabei sind die Meßdaten von zwei historischen Bauwerken tabellarisch wiedergegeben,
die unter relativ ungünstigen Bedingungen ermittelt wurden. Man erkennt sowohl die
signifikanten Temperatursprünge an der oberen Grenze des kapillaren Wassertransportes,
als auch unregelmäßigc iteihenfolgen von Meßdaten, welche primär auf extreme Inhomogenitäten
der betreffenden Mauerwerke und auf Störfaktoren zurückzuführen sind. Eine Wiedergabe
von Abbildungen der betreffenden Mauerwerke, welche die jewei ligen Thermo-Äquipotential-Linien
samt Störfaktoren weit besser sichtbar machen, aus technischen Gründen hier nicht
möglich.
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Mit dem vorstehend beschriebenen Meßverfahren können wertvolle Hinweisc
auf die Ursachen von Nässeschäden gewonnen werden. Dadurch vermindert sich die Gefahr
von Sanierungsfchlern und Folgeschäden erheblich. Wciter ergeben sich Möglichkciten,
im Falle von Mißcrfolgen bei Sanierungen zweifelsfrei und dokumentierbar das Ausmaß
der Mängel bereits im Frühstadium, d.h. vor Ablauf der Gewährleistungsfrist, sowie
die Ursachen dafür festzustellen. Zugleich wird spekulativen Beurteilungen und Fehleinschätzungen
von Bauschäden - sowohl im Vorfeld von geplanten Sanierungen
als
bei der Bewertung und Behebung von Fehlern entgegengewirkt, bei denen bislang die
Seite mit der wirtschaftlich bzw. technisch schwächeren Position meist in Beweisnot
war. Der Einsatz des erfindungsgemäßen Meßverfahrens bei der Planung von Sanierungsmaßnahmen
erlaubt nicht zuletzt, die erforderlichen Restaurierungsarbeiten zu optimieren und
hilft überflüssige Maßnahmen zu vermeiden. Die Einsparungen an Aufwendungen, die
sich dabei ergeben, sind gleichfalls erheblich.
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Beispiel 1 In Tabelle 1 sind 8 Temperatur-Gradienten aus Innenräumen
eines etwa 300 Jahre alten Gebäudes zusammengestellt. Sie sind einem Gutachten entnommen,
das zu dem Zweck erstellt wurde, Schadensursachen und Möglichkeiten der Sanierung
zu untersuchen.
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Man erkennt, daß an etlichen Meßstellen die Feuchtigkeit offensichtlich
bis zum jeweiligen höchsten, mit Meßgeräten erreichbaren Punkt des Mauerwerks aufgestiegen
ist. Die Meßstellen T5, T7 und T8 hingegen zeigen einen signifikanten Temperatursprung,
der für die Obergrenze der Verdunstung kapillarer Nässe kennzeichnend ist.
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Beispiel 2 In Tabelle 2 sind Temperatur-Gradienten zusammengestellt,
die an den Außenmauern eines ca. 5'oo Jahre alten Klostergebäudes mit sehr inhomogenen
Mauern und örtlich extrem hoher Versalzung ermittelt wurden.
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Man erkennt einerseits, daß die Steighöhen der Kapillarnässe durchwegs
höher als 2 m liegen, - andererseits sind signifikante Temperatursprünge festzustellen,
die in unregelmäßigen Abständen und Höhen auftreten, welche auf Inhomogenitäten
des Mauerwerks und auf örtliche Konzentrationon hygroskopischer Salze zurückzuführen
sind.
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Einzige Ausnahme ist die Meßstelle T11, bei der der typischo Temperatursprung,
dor die Aufstiegsgrenzo des Kapillarwassers kennzeichnet, in etwa 1,4 m Höhe liegt.
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Würde man parallel zu solchen, durch Einzelmeßdaten ermittelten Temperaturgradienten
ein Infrarotbild erstellen, so würden zu den beiden ausgewählten und besonders extrem
gelagerten Beispielen augenfällige Merkmale in Form von Thermo-Äquipotential-Linien
erkennbar.
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In Fig. 1 ist der typische Verlauf von Thermo-Äquipotential-Linien
an Gebäuden mit homogenem Mauerwerk und fast ausschließlich kapillar-aufsteigender
Nässe vereinfacht dargestellt.
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In Fig. 2 ist der typische Verlauf von Thermo-Äquipotential-Linien
mit inhomogenem Mauerwerk und/oder örtlichen Salzkonzentrationen dargestellt. (i)
In Fig. 3 wurden typische Thermo-Äquipotential-Linien eingezeichnet für relativ
homogen-durchnäßtes Mauerwerk, bei dem Störfaktoren auftreten. Man erkennt, daß
eine örtliche Quelle für Sickerwasser vorliegt (2), und daß ein Bereich besonders
kräftiger Kapillartätigkeit (3) vorhanden ist, dessen Ursache in der Regel in vagabundierenden
Fehlerströmen oder Korrosionsströmen liegen wird.
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Tabelle 1
| Temperatur-Gradienten # h = ca. 20 cm Datum: 5.2.1980 |
| Bezeichnung, Entnahmestelle TLuft temperatur Tn in Hähe hn
[°C] |
| h0 h1 h2 h3 h4 h5 h6 h7 8h 9h h10 |
| T 1 UG. Bar, NO-Ecke 6,7 4,9 4,1 4,5 4,3 4,8 4,5 4,0 4,5 4,5
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| T 2 UG. Gang Mittel-Geb. 6,3 3,8 3,1 3,2 3,1 3,3 3,3 3,5 -
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| T3 UG. Inst. Gang 7,1 4,8 4,2 4,2 4,3 4,5 4,7 4,6 4,7 4,8 -
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| T 4 UG. Pfeiler, Gang 5,8 4,2 3,6 3,3 3,2 3,2 3,2 3,2 3,3 3,6
3,5 - |
| T 5 OG. Foyer 8,2 6,5 5,5 5,3 5,7 5,78 6,0 6,3 6,8 6,8 7,0
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| T 6 OG. Hist. Treppe 6,9 6,0 4,3 4,4 4,4 4,5 4,6 4,8 5,3 5,3
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| T 7 OG. Schwemme 8,5 6,5 5,1 5,2 5,4 5,2 5,4 5,9 6,0 6,0 -
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| T 8 OG. Innenhof 8,4 5,9 5,0 5,3 5,1 5,2 5,4 5,5 7,0 7,0 -
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| T 9 |
| T 10 |
| T 11 |
| T 12 |
| T 13 |
| T 14 |
| T 15 |
Tabelle 2
| Temperatur-Gradienten #h= 20 cm Datum: 28.3.1980 |
| Bezeichnung, Entnahmestelle TLuft Temperatur Tn in Höhe hn
[°C] |
| h0 h1 h2 h3 h4 h5 h6 h7 h8 h9 h10 |
| T 1 lt. Grundriß E 5 18,8 14,3 13,1 13,2 13,5 13,2 13,1 13,6
13,2 13,7 13,6 13,5 |
| T 2 E 10 18,6 14,1 13,0 13,4 13,2 13,2 13,3 13,5 13,3 13,5
13,5 13,6 |
| T 3 E 11 18,9 15,3 13,5 13,6 13,5 13,8 13,9 13,7 13,9 13,6
13,8 14,1, |
| T 4 E 13 18,7 15,7 13,2 13,2 13,5 13,6 13,7 13,6 13,6 13,8
13,9 |
| T 5 E 14 18,7 15,3 13,5 13,5 13,4 13,6 13,5 13,6 13,6 13,7
13,6 13,7 |
| T 6 E 15 18,8 16,5 15,1 15,3 15,3 15,4 15,5 15,7 15,6 15,7
15,7 15,7 |
| T 7 E 17 18,7 16,4 14,0 14,1 14,4 14,3 14,3 14,5 14,4 14,5
14,6 14,6 |
| T 8 E 19 18,8 16,0 15,2 15,3 15,5 15,3 15,4 15,6 15,7 16,3
16,5 16,5 |
| T 9 E 20 18,6 16,9 16,8 17,1 17,2 17,2 17,23 17,2 17,3 17,4
17,3 17,3 |
| T 10 E 24 18,8 16,1 14,3 14,2 14,4 14,3 14,5 14,4 14,4 14,5
14,4 |
| T 11 E 26 18,7 15,5 13,8 13,8 13,9 14,1 14,0 14,1 14,9 15,0
15,1 15,3 |
| T 12 E 27 18,6 15,2 13,6 13,7 13,6 13,7 13,8 13,8 13,5 14,1
13,8 |
| T 13 E 30 17,9 17,0 15,4 15,5 15,4 15,6 15,7 15,8 15,7 15,9
15,8 |
| T 14 E 32 17,7 16,4 13,7 13,6 13,7 13,7 13,8 13,7 13,6 13,9
13,9 13,8 |
| T 15 E 36 17,6 16,5 15,2 15,1 15,3 15,2 15,8 15,3 15,4 15,6
15,6 15,7 |
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