DE291994C - - Google Patents
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-
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Landscapes
- Engineering & Computer Science (AREA)
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Description
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35
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Stellt man nach den gebräuchlichen Verfahren (z. B. durch Gießen oder Sintern) Körper
aus Metallen oder Metallegierungen her, so besitzen diese im allgemeinen ein kristallinisches
Gefüge. Je nach der Art des Metalles und dem thermischen Verlauf des Vorganges, welcher
zur Herstellung solcher Metallkörper benutzt Avird, können hierbei großkristallinische, an
den Bruchflächen mit freiem Auge deutlich sichtbare Gefüge, in anderen Fällen überaus
feinkörnige Aggregate entstehen.
Da man es nicht in der Hand hat, bei der Erstarrung aus Schmelzflüssen oder bei der
Zusammensinterung von Kristallkörnern auf die Lagerung" dieser einzelnen, den massiven
Metallkörper aufbauenden Kristalle bestimmend einzuwirken, so sind die Kristalle in dem
fertigen Metallkörper im allgemeinen in ungeregelter Weise angeordnet.
Werden solche aus Einzelkristallcn bestehende Metallkörper unter geeigneten Bedingungen
einer mechanischen Bearbeitung durch Walzen, Hämmern oder Ziehen unterworfen, so findet eine weitgehende Zerkleinerung und
Deformation, insbesondere eine Streckung der Einzelkristalle und eine Verdichtung des ganzen
Kristallgefüges statt, wodurch erreicht werden kann, daß die Kristalle anscheinend
verschwinden, indem sich hieraus sehnige oder faserige Strukturen bilden.
Bei diesem Vorgang vollzieht sich eine Verfestigung des Gefüges, welche dazu führt, daß
die mechanischen Eigenschaften des bearbeiteten Metalls, insbesondere seine Zugfestigkeit,
Biegbarkeit und Härte, wesentlich beeinflußt werden.
Die Formveränderung der einzelnen Kristalle ist jedoch keine dauernde. Infolge des
der Materie innewohnenden Bestrebens, wieder in den ursprünglichen kristallinischen Zustand
zurückzukehren und der eigenartigen Erscheinung, daß im Laufe der Zeit die größeren
Kristalle auf Kosten der kleineren wachsen, tritt eine Änderung der Struktur derartiger
mechanisch bearbeiteter Metallkörper ein.
Durch eine solche Strukturveränderung und durch die Wiederbildung des ursprünglichen
oder eines noch gröberen Kristallgefüges gehen die durch die mechanische Bearbeitung gewonnenen
Eigenschaften, wie Zugfestigkeit, Biegbarkeit u. dgl., zum Teil oder vollständig wieder
verloren.
Solche Strukturänderungen, welche man als Rekristallisation zu bezeichnen pflegt, können
durch verschiedene. Umstände verursacht werden. Gegenstände aus gedrücktem Messingblech
werden z. B. schon durch längeres Lagern brüchig. Bestimmte Eisensorten gehen durch dauernde Erschütterung in den kristallinischen
Zustand über und Kupferdraht, welcher zu elektrischen Leitungen verwendet wird, kann unter Einwirkung bestimmter
Ströme vollkommen brüchig werden.
Besonders leicht und durchgreifend wird die Rekristallisation durch die Wirkung der
Wärme herbeigeführt. Bei Drähten aus reinem Kupfer tritt z. B. zwischen 200 bis 3000,
bei solchen aus Eisen bei etwa 6oo° eine Umlagerurig der vorher faserigen Struktur in ein
körniges Kristallgefüge ein. Bei je höheren Temperaturen solche vorher mechanisch bearbeiteten
Körper oder Drähte verwendet werden
sollen, um so rascher ist sonach die Rekristallisation und dadurch auch die Rückverwandlung
in den spröden Zustand zu gewärtigen.
Derartige Erscheinungen treten in beson-" ders ausgeprägter Weise bei Wolfram und ähnlichen-spröden,
schwer schmelzbaren Metallen ein. Führt man z. B. aus Wolfram gepreßte Körper durch eine mechanische Bearbeitung
in Drähte über und verwendet man diese
ίο Drähte beispielsweise als Glühkörper in elektrischen
Glühlampen, so tritt infolge der hierbei in Betracht kommenden hohen Erhitzung
in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Rekristallisation ein, wodurch die ursprünglich be-
trächtliche Festigkeit und Duktilität des Wolframdrahtes abnimmt und schließlich vollkommen
verschwindet.
Ähnliche Erscheinungen treten nicht nur bei gezogenen Drähten aus Wolfram, sondern auch
bei Glühkörpern aus Wolfram und dessen Legierungen ein, welche nach dem Sinterverfahren
hergestellt sind. Während derartige Drähte anfangs ein gleichmäßig feinkristallinisches
Gefüge aufweisen, vereinigen sich durch längere Beanspruchung bei hoher Temperatur
die kleineren Kristalle zu ungleichmäßigen, grobkristallinischen Gefügen, wodurch
solche Drähte im Laufe der Zeit immer mürber und zerbrechlicher.werden. Man hat
insbesondere beobachtet, daß solche Rekristallisationserscheinungen bei Wolframglühkörpern
dann besonders befördert werden, wenn der Draht durch Wechselstrom zum Glühen erhitzt
wird.
Die Erfindung stellt sich die Aufgabe, die Rekristallisationserscheinungen bei Drähten
oder ähnlichen Körpern zu vermeiden und geht hierzu von folgendem Gedanken aus.
Gelingt es, den Draht in seinem ganzen Querschnitt und in seiner ganzen Länge aus
einem einzigen Kristallindividuum herzustellen, so kann bei einem derartigen Körper eine
nachträgliche Strukturveränderung sich nicht mehr vollziehen, da der bereits gebildete
Kristall, welcher die stabilste Form der Materie darstellt, den ganzen Körper ausfüllt, so
daß für nachträgliche Kristallvergrößerungen und Verschiebungen kein Raum mehr gegeben
ist. Der Körper ist mit anderen Worten hierdurch gleich bei seiner Entstehung in den Zustand
der beständigsten Strukturform gebracht worden.
Sorgfältige Beobachtungen und Untersuchungen haben ergeben, daß es tatsächlich
gelingt, Metalldrähte so herzustellen, daß sie in ihrem ganzen Volumen, und zwar auch bei
beträchtlichen Längenabmessungen, aus einem einzigen Kristallindividuum bestehen.
Wir haben nun gefunden, daß dieses Verfahren insbesondere in jenen Fällen leicht zum
Ziele führt, wo man es mit Stoffen zu tun hat, die die natürliche Neigung besitzen, in großkristallinischen Strukturen sich zu bilden.
Das Verfahren, welches den Gegenstand der Erfindung bildet, geht davon aus, daß man die
auf irgendeine Weise hergestellten fadenförmigen Gebilde mit einer bestimmten Geschwindigkeit
durch eine kurze Zone sehr hoher Temperatur führt. Die Geschwindigkeit, mit welcher der Draht durch die Stelle
der höchsten Erhitzung geführt wird, muß. wenn ein langer Kristall erhalten werden soll,
jedenfalls gleich oder geringer sein als diejenige Geschwindigkeit, mit welcher der entstehende
Kristall zu wachsen vermag. Werden diese Maßnahmen befolgt, so wächst der
in der heißesten Zone entstehende, den ganzen Querschnitt ausfüllende Kristall unter Auflösung
der nachfolgenden in dem Maße weiter, wie sich der Draht weiterbewegt.
Es kommt hierbei keineswegs auf die Wahl der Heizquelle an. Man kann sowohl elektrische
Widerstandsheizung als auch den elektrischen Lichtbogen, oder Flammen benutzen.
Auch kann der Faden durch Stromdurchgang unter gleichzeitiger äußerer Erhitzung an der
bestimmten Stelle auf die erforderliche Temperatur gebracht werden.
Dieses Verfahren ist bei allen Metallen und Metallegierungen und festen Lösungen von go
Metallen verwendbar, insbesondere dann, wenn diese Stoffe unter bestimmten Bedingungen in
großkristallinischen Strukturen anschießen.
Um die Ausführung des Verfahrens in einem besonderen Falle darzulegen, sei z. B. die
Herstellung drahtförmiger Gebilde aus Wolfram mit geringfügigen Zusätzen seltener
Erden beschrieben.
Die Darstellung von Glühkörpern aus WoIf-' ram unter Hinzufügung von Oxyden nach
dem gebräuchlichen Spritzverfahren ist an sich bekannt und bildet nicht den Gegenstand der
Erfindung. Geht man beispielsweise von einem Gemenge von pulverförmigem Wolframmetall
mit bis zu 4 Prozent Thoriumoxyd aus, stellt hieraus durch Pressen mit oder ohne Zuhilfenahme
eines Bindemittels Fäden her und sintert diese mittels hindurchgesandten elektrischen
Stromes oder mittels einer äußeren Wärmequelle nach dem gebräuchlichen For- no
mierverfahren, so zeigt es sich, daß derartige Glühkörper nach ihrer Fertigstellung aus einzelnen
großen Kristallaggregaten aufgebaut sind. Bei dem gebräuchlichen Formiervorgang hat man es nämlich gar nicht in der Hand, das
kristallinische Gefüge des entstehenden Glühkörpers zu bestimmen. Es entstehen hierbei
nämlich an vielen Punkten gleichzeitig Kristallkeime, welche so lange weiterwachsen, bis
sie auf gleichzeitig sich bildende andere Kristalle stoßen. Ätzt man solche Glühkörper,
ζ. Β. mit chemischen Reagenzien, oberflächlich
an, so kann man leicht, erkennen, daß sie aus einzelnen .prismatischen Kristallsäulen bestehen,
deren Achse im allgemeinen parallel zur Längsrichtung des Drahtes verläuft.
Wir haben nun gefunden, daß die einzelnen Kristallindividuen selbst biegsam und vollkommen
duktil sind. An denjenigen Stellen je-· doch, wo zwei derartige Einzelkristalle aneinanderstoßen,
ist der Draht brüchig,, und diese
ίο Brüchigkeit nimmt im Laufe der Zeit, insbesondere
bei hoher Erhitzung, noch wesentlich zu.
Diese brüchigen Stellen innerhalb des Drahtes sind beispielsweise bei seiner Verwendung
als Glühkörper von elektrischen Glühlampen überaus nachteilig, weil der Draht gerade an
diesen Stellen durch die Einwirkung stärkerer mechanischer Spannungen und Stöße sehr
leicht bricht. ,
Verwendet man jedoch zur Herstellung derartiger Drähte die gemäß der Erfindung gemachten
Erfahrungen, so gelingt es, Drähte herzustellen, die aus einem einzigen langen
Kristall bestehen, welcher den gesamten Querschnitt des Glülikörpers erfüllt.
Man geht zu diesem Zwecke so vor, daß der aus den oben angegebenen Stoffen durch
Pressen erhaltene Faden zunächst bis.zur Sinterung erhitzt wird, um ihm eine genügende
Haltbarkeit zu geben. Hierauf führt man diesen Draht durch eine gemäß den oben dargelegten
Gesichtspunkten konstruierte Heizvorrichtung, welche z. B. in folgender Weise angeordnet
ist.
Zwei Metallplatten sind in der Mitte mit sehr feinen Bohrungen versehen, die durch
Quecksilberdichtungen verschlossen werden. Beide Platten sind durch einen Glaszylinder
isoliert miteinander verbunden. Es sind ferner Zuführungsrohre vorgesehen, um in dem
Raum eine indifferente Atmosphäre zu schaffen. In dem Apparat befindet sich eine Spirale
aus Wolframdraht, die nur ■ aus wenigen Windungen besteht. Sie kann durch Strom
auf hellste Weißglut erhitzt werden. Der Draht wird durch die Bohrung der einen
Platte, durch die Spirale und dann durch die andere Platte geführt. Die beiden Platten
stehen mit einer Stromquelle in Verbindung, so daß auch der Faden durch Vermittlung des
Quecksilbers durch Strom erhitzt werden kanii. Man schickt nun durch den Faden so viel
Strom, daß seine Temperatur unter der Temperatur bleibt, bei der eine Kristallisation mit
meßbarer Geschwindigkeit eintritt, und erhitzt die Spirale zur höchsten Weißglut. Der Faden
wird mit einer gewissen Geschwindigkeit, die experimentell zu bestimmen ist und von
der Temperatur der heißesten Stelle abhängig ist, durch den Apparat hindurchgezogen.
Der den Apparat verlassende Draht besteht, wie durch Anätzung und hierauf folgende
mikroskopische Untersuchung ohne weiteres ersichtlich ist, aus einem einzigen Kristallindividuum,
welches den ganzen Rauminhalt des Drahtes ausfüllt und die wertvolle Eigenschaft
besitzt, daß weder durch mechanische noch durch thermische Einwirkungen nach-,
träglich Strukturveränderungen oder Rekristallisationserscheinungen in ihm auftreten kön-π
en.
Plierdurch unterscheiden sich derartige Drähte von anderen, mittels mechanischer Vorgänge,
z. B. durch Ziehen oder Walzen, oder nach dem gebräuchlichen Förmierverfahren hergestellten Metalldrähten. Bei allen diesen
können die mit der Zeit eintretenden Rekristallisationserscheinungen durch kein Mittel
dauernd beseitigt werden. Diese Vorzüge äußern sich in besonders hohem Maße bei der
\^erwendung solcher Drähte als Glühkörper für elektrische Glühlampen, da bei ihnen sowohl
während der Herstellung der Lampen selbst als auch bei dauernder Beanspruchung durch den elektrischen Strom keine Strukturveränderung
und kein Brüchigwerden eintritt.
Claims (3)
1. Metalldrähte, -fäden oder -bänder, bestehend aus einem ihren Gesamtquerschnitt
und ihre Gebrauchslänge ausfüllenden Kristall.
2. Verfahren zur Herstellung von Metallkörpern gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß der Draht im Laufe seines Herstellungsverfahrens durch eine Heizquelle hindurchgeführt und hierbei so
stark erhitzt wird, daß an dieser Stelle ein Weiterwachsen eines dort vorhandenen
Kristalls oder Kristallkeims eintritt, wobei die Geschwindigkeit, mit welcher der
Draht an der Heizquelle vorbeigeführt wird, gleich oder geringer bleibt als die
Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Kristallbildung.
3. Vorrichtung zur Herstellung von Drähten, Fäden, Bändern gemäß Anspruch
i, gekennzeichnet durch einen geschlossenen, evakuierten oder mit reduzierenden
oder indifferenten Gasen gefüllten Raum, in welchem sich eine Heizvorrichtung befindet, durch die der Draht kontinuierlich
hindurchgeführt wird,.und welche den Draht auf die zur Einleitung und Weiterbildung
der Kristallisation erforderliche Temperatur bringt.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE291994T | 1913-10-16 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE291994C true DE291994C (de) | 1916-05-18 |
Family
ID=32034767
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1913291994D Expired DE291994C (de) | 1913-10-16 | 1913-10-16 |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE291994C (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1188042B (de) * | 1954-01-29 | 1965-03-04 | Siemens Ag | Vorrichtung zum tiegellosen Zonenschmelzen eines stabfoermigen kristallinen Halbleiterkoerpers |
| DE1221611B (de) * | 1954-06-24 | 1966-07-28 | Siemens Ag | Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von kuenstlichen Edelsteinen oder Halbedelsteinen oder von zur spanabhebenden Bearbeitung geeigneten Hartstoffen |
-
1913
- 1913-10-16 DE DE1913291994D patent/DE291994C/de not_active Expired
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1188042B (de) * | 1954-01-29 | 1965-03-04 | Siemens Ag | Vorrichtung zum tiegellosen Zonenschmelzen eines stabfoermigen kristallinen Halbleiterkoerpers |
| DE1221611B (de) * | 1954-06-24 | 1966-07-28 | Siemens Ag | Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von kuenstlichen Edelsteinen oder Halbedelsteinen oder von zur spanabhebenden Bearbeitung geeigneten Hartstoffen |
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