DE29807158U1 - Vorrichtung zur nichtinvasiven und kontinuierlichen Messung des Blutdrucks in der Human- und Tiermedizin (kontinuierlicher Blutdruckmonitor) - Google Patents
Vorrichtung zur nichtinvasiven und kontinuierlichen Messung des Blutdrucks in der Human- und Tiermedizin (kontinuierlicher Blutdruckmonitor)Info
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Description
VORRICHTUNG ZUR NICHTINVASIVEN UND KONTINUIERLICHEN MESSUNG DES BLUTDRUCKS IN DER
HUMAN- UND TIERMEDIZIN
KONTINUIERLICHER BLUTDRUCKMONITOR
Zur Messung und Überwachung des Blutdrucks unterscheidet man zwischen den
nichtinvasiven und den invasiven Meßverfahren. Die nichtinvasiven Verfahren bzw. die
dafür verwendeten Geräte beruhen auf dem Prinzip, durch äußeren Druck auf eine Extremität den Blutfluß zunächst zu unterbinden. Dann wird kontrolliert der Druck
solange reduziert, bis der systolische Druck des Blutes den äußeren Druck überwinden
kann. Später ist der Blutfluß zu keinem Zeitpunkt mehr unterbrochen, wenn der
diastolische Blutdruckwert unterschritten worden ist. Zur Realisierung dieser Techniken
werden Luftdruckmanschetten verwendet, die durch eine Pumpe unter Druck gesetzt werden. Zur Ermittlung der spezifischen Druckwerte werden entweder Barometer mit
Mikrophonen verwandt (auskultatorisches Meßprinzip) oder die Schallwellen werden im
Schlauch zwischen Pumpe und Manschette übertragen und es wird dann geräteintern eine Schwingungsmessung vorgenommen (oszülometrisches Meßprinzip).
Allen Vorrichtungen sind folgende nachteilige Eigenschaften gemeinsam:
(1) Die Messung benötigt mehrere Herzperioden, die Druckverhältnisse der
einzelnen Herzperioden stimmen also nur näherungsweise.
(2) Da durch den Druck Blutleere in der Extremität erzeugt wird, kann nicht in
beliebig kurzen Intervallen gemessen werden. Üblicherweise liegen die Intervalle im Bereich von fünf bis einhundertzwanzig Minuten. Alle
Ereignisse zwischen den Meßntervallen werden „übersehen". (3) Durch den Druck der Manschette auf die Extremität zum Zeitpunkt der
Messung wird der Patient gestört, so daß die ermittelten Werte nicht realistisch sind. Die Messung am schlafenden Patienten liefert realitätsfremde
Werte, da dieser bei der Messung häufig aufwacht.
■ ··
Um die obigen Nachteile zu vermeiden, kann auf invasive Techniken zurückgegriffen
werden. Dabei wird dem Patienten ein Katheter in eine große Arterie gelegt. Ein durch
den Druck des Blutes komprimiertes Übertragungsmedium (üblicherweise physiologische
Kochsalzlösung) drückt gegen einen Druckwandler (Transducer), der dann dem Druck
proportionale elektrische Signale erzeugt, die gemessen und geeignet dargestellt werden
können.
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Die invasive Technik ihrerseits hat folgende nachteilige Eigenschaften:
(1) Es wird bei dem Patienten ein Körperzugang gelegt, womit alle Risiken einer
klinischen Infektion bestehen.
(2) Das Verfahren ist nur bei Patienten mit weitgehend intakten Arterien
anwendbar.
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur nichtinvasiven und kontinuierlichen Messung
des arteriellen Blutdrucks. Es wird dem Patienten beispielsweise am Bauch ein Ultraschallsender aufgeklebt. Der Schallsender erzeugt im benachbarten Gewebe ein
nahezu sphärisches Schallfeld. Bruchteile der Schalleistung werden in die Arterien
eingekoppelt. In einem bestimmten Abstand, z. B. ca. 100mm vom Sender entfernt wird
ein Ultraschallempfänger aufgeklebt, der die ankommende Schalleistung in ein elektrisches Signal umwandelt.
Der Schallsender koppelt die Schallwelle
60
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f(t) = ao-cos(ö)ot) (Gl. 1)
in den Körper ein. Die Schallwelle passiert das Gewebe zwischen Sender und Empfänger
zum überwiegenden Teil durch das Muskel-, Fett- und Bindegewebe, wobei eine Phasenänderung zur eingekoppelten Welle entsteht. Ein kleinerer Teil der Schallwelle
passiert die Gefäße, sowohl Venen als auch Arterien, in denen durch das fließende Blut
und den damit verbundenen Dopplereffekt eine Frequenzverschiebung &Agr;&ohgr; = &ogr;&khgr;>
- &ohgr; &ogr; erfolgt:
öJd = &agr;>&ogr;| 1 &eegr;— 1 &ngr;= Fließgeschwindigkeit des Mediums, (Gl. 2)
V c/
c=Schallgeschwindigkeit im Medium.
Die Blutflußgeschwindigkeiten in den großen Arterien schwanken in ihrem Maximum
zwischen 0,1m/s und 0,7m/s. Bei der angenommenen Schallgeschwindigkeit in Wasser (
bei 4°C) von 1490m/s ergibt sich in den großen Arterien:
&Dgr;&ohgr; = ufe-<Wo = O-»30s"1, (Gl. 3)
während die Blutgeschwindigkeit in venösen Gefäßen ca. 0,1 m/s beträgt, vom arteriellen
Druck abhängt und somit vernachlässigbar ist.
Am Ausgang des Schallempfängers ist also folgendes Signal meßbar:
F(t) = bo-cos(<yo-t + &phgr;) + bi-cos([oo + &Agr;&ohgr;]-t + &phgr;), (Gl. 4)
wobei bo»bi ist.
Gleichung 4 beschreibt eine Amplitudenmodulation mit einem unterdrückten Seitenband
und sehr kleinem Modulationsgrad:
m=bi/bo<O,Ol. (Gl. 5)
Da die Information über die Blutflußgeschwindigkeit nicht in der Amplitude des Signals,
sondern in der Frequenzverschiebung übermittelt wird, ist letztere Überlegung zum
Modulationsgrad für die Dimensionierung der Verstärker nach der Demodulation wichtig.
Die Demodulation des Signals erfolgt durch multiplikative Mischung mit der
Grundwelle:
Y = F(t) -COs(Oo · t) = — · cos(#>) + — · cos(2 · öJo · t + &phgr;) +—■ cos([2 · «Wo + &Dgr;&ohgr;] · t + &phgr;) +
ti &khgr;
c; · t + &phgr;)
(Gl. 6)
und nach dem passieren eines Bandpasses mit der unteren Grenzfrequenz 0,1 Hz und der
oberen Grenzfrequenz 50 Hz verschwinden die ersten drei Glieder, nämlich die höherfrequenten Anteile und der Gleichstromanteil. Es verbleibt:
Y = - COs(AoJt + ^). (Gl. 7)
Empirisch wurde ermittelt, daß der hier als konstant angenommenen Phasenwinkel &phgr; für
Bewegungsartefakte bei der Messung verantwortlich ist. Änderungen der Phasenlage
können dadurch vermieden werden, daß Ultraschallsender und Empfänger mechanisch
starr miteinander verbunden werden.
Nach der Demodulation und dem Bandpass wird ein Verstärker nachgeschaltet, der das
Signal Y in den Spannungsbereich +/- 1,0V anhebt, so daß es mit einer Analog-Digital-Wandlerkarte
(A/D-Karte) in den Rechner eingelesen werden kann. Da ein Herzzyklus
ca. Is Periodendauer hat, kann man mit einer Abtastrate von 10 ms ein hinreichendes
Abbild der Funktion Y. erreichen. Praktisch alle A/D-Karten gewährleisten diese
Abtastraten bei einer Auflösung von 12 bit im Bereich +/-1V.
Da die so gemessenen Werte von &Dgr;&ohgr; ein Maß für die Blutflußgeschwindigkeit sind und
so zunächst keine Aussage über die Druckverhältnisse enthalten, sind weiterführende
Überlegungen notwendig, die die softwareseitige Weiterverarbeitung der Meßwerte
betreffen.
Da die Blutflußgeschwindigkeit keine Konstante ist, sondern sich rythmisch im
Herzzyklus ändert, kann die Dopplerfrequenzänderung (Gl. 2 und Gl. 3) wie folgt beschrieben werden:
&Dgr;&ohgr; = &ngr;(0·— (Gl. 8).
Aus Gl. 7 ergibt sich dann:
^C0S([() t] + <Z)) (Gl. 9)
2 c
Als Maß für die Zeitfunktion der Blutströmungsgeschwindigkeit gild dann nach der
Normierung der Meßwerte in den Bereich +/-1:
v<t).H5S9iO, (Gi. 10)
da die Konstanten in Gl. 9 bei der rechentechnischen Realisierung keine Rolle spielen und
die Rechenzeit lediglich verlängert würde.
Ferner, gilt fur laminar strömende Flüssigkeiten durch eine starre Röhre die
Bernoullische Gleichung:
= —;
Vq; &sfgr;.: Dichte, &lgr;:: Strömungswiders tan d, Ap: Druckdifferenz,
&lgr;·&sfgr;·\
1: La nge~, d: Röhrendurchmesser
(CSLIl)
[HÜTTE, des Ingenieurs Taschenbuch, 27. Aufl., Verl. Wilhelm Ernst & Sohn, 1949]
Übernehmen wir in Näherung die Prämissen der Gleichung 11, dann gild für den
Blutdruckverlauf nach der Zeit p(t) ~ &ngr; oder ein Maß für den Druck in dem Gefäß:
p(t)~VvÖ)· (Gl. 12)
Die Arterien sind bei einem Menschen keine starren Röhren sondern sehr elastische
Gefäße. Zudem sind die Parameter der Gefäße (Durchmesser, Elastizität, Rauhigkeit, die
die Laminarität der Strömung beeinflußt, u.s.w.) individuell großen Schwankungen
unterworfen. Deswegen muß die Meßanordnung nach jeder Plazierung der Schalleinheit
einmalig geeicht werden. Man ermittelt also mit einem herkömmlichen Blutdruckmesser
systolischen und diastolischen Blutdruck. Als dritter Punkt steht der theoretische
Nullpunkt &rgr; = 0 => &ngr; = 0 zur Verfugung. Durch diese drei Eichpunkte wird eine
Ausgleichsparabel gelegt und zukünftige Messungen an dieser Parabel inter- bzw. extrapoliert (Fig. 1).
P = m-p2(t) + n-p(t) (Gl. 13)
Durch die konventionelle Blutdruckmessung werden die Werte für den systolischen ( ps*,)
und den Diastolischen (&rgr;&kgr;.) Blutdruck ermittelt. Daraus ergeben sich die Parameter der
quadratischen Gleichung:
ni= (Gl. 15).
&Rgr;»
Der Koeffizient des quadratischen Summanden ist ein Maß für die Elastizität des
Gefäßes. Bei einer starren Röhre würde er sehr klein. Dahinter verbirgt sich die
diagnostische Information über den Zustand des Gefaßsystems des Patienten.
Fig. 2. Zeigt einen Prinzipschaltplan des Gerätes und Fig. 3 die Schalleinheit.
Claims (6)
1. Vorrichtung zur nichtinvasiven und kontinuierlichen Messung des Blutdrucks,
gekennzeichnet dadurch, daß in das Gewebe eine Schallwelle eingekoppelt wird, die
Schallwelle zum Teil in den Gefäßen übertragen wird, dort durch den Dopplereffekt eine
Frequenzverschiebung auftritt und von der Blutflußgeschwindigkeit auf den Blutdruck
geschlossen wird.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1., dadurch gekennzeichnet, daß Schallsender und
Schallempfänger kombiniert an einer Stelle des Körpers oder an verschiedenen Stellen
des Körpers befestigt werden.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der arterielle
Blutdruck gemessen wird.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1. Und 2., dadurch gekennzeichnet, daß der venöse
Blutdruck gemessen wird.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1. Und 2., dadurch gekennzeichnet, daß ein Maß für die
Elastizität der Gefäße ermittelt wird und damit eine Aussage zum Zustand des Gefaßsystems ermöglicht wird.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1. Und 2., dadurch gekennzeichnet, daß die Vorrichtung
transportabel ist und mit dem zur Auswertung benutzten Rechner durch drahtlose oder
drahtgebundene Signalübertragung verbunden ist oder den zur Auswertung benutzten
Rechner selbst enthält.
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|---|---|
| DE (1) | DE29807158U1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO2005037096A1 (en) * | 2003-09-23 | 2005-04-28 | Meditron Asa | Medical diagnostic apparatus and method for measuring blood pressure |
| EP2196141A1 (de) * | 2008-12-08 | 2010-06-16 | Charité Universitätsmedizin Berlin | Messgerät zur nicht-invasiven Langzeitmessung des Blutdruckes |
-
1998
- 1998-04-23 DE DE29807158U patent/DE29807158U1/de not_active Expired - Lifetime
Cited By (2)
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| WO2005037096A1 (en) * | 2003-09-23 | 2005-04-28 | Meditron Asa | Medical diagnostic apparatus and method for measuring blood pressure |
| EP2196141A1 (de) * | 2008-12-08 | 2010-06-16 | Charité Universitätsmedizin Berlin | Messgerät zur nicht-invasiven Langzeitmessung des Blutdruckes |
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