DE29610789U1 - Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke, insbesondere einer Regelstrecke - Google Patents
Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke, insbesondere einer RegelstreckeInfo
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Description
GR 96 G 4435 DE ,. „ „ ..
Beschreibung
Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke,
insbesondere einer Regelstrecke
5
5
Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke, insbesondere einer Regelstrecke,
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Ein adaptiver Regler für verzögerungsbehaftete Prozesse mit einer derartigen Einrichtung ist aus der DE-OS 39 29 615 bekannt.
Er besitzt die Fähigkeit, seine Parameter selbsttätig an die sich zeitlich ändernden Eigenschaften einer Regelstrecke
anzupassen. Dazu wird die Antwort des Prozesses auf eine sprungförmige Verstellung des Sollwertes aufgezeichnet
und in einem iterativen Verfahren nach einem PTn-Modell gesucht,
mit welchem diese Sprungantwort möglichst gut nachgebildet werden kann. Als optimal werden die Parameter des
PTn-Modells angesehen, mit welchen der nach der Methode der
kleinsten Fehlerquadrate berechnete Fehler zwischen den Sprungäntwbrten des PTn-Modells und des realen Prozesses
minimal ist. Nach Abschluß der Prozeßidentxfikation wird anhand des ermittelten Prozeßmodells ein Regler nach dem
Betragsoptimum entworfen. Die zu regelnden Prozesse zeigen ein Verhalten mit Ausgleich, d. h., sie stellen eine Regelstrecke
dar, bei der die Sprungantwort in einen neuen Beharrungszustand
einläuft.
Ein Nachteil dieses Verfahrens ist, daß bei der Inbetriebnähme
des bekannten adaptiven Reglers ein oft zeitaufwendiger Sprungversuch durchgeführt werden muß, bevor der Regler optimiert
werden kann. Dieser Versuch ist erst dann abgeschlossen, wenn die Regelgröße nach dem Sollwertsprung wieder näherungsweise
auf den neuen stationären Endwert eingeschwungen ist. Das Kriterium für einen stationären Zustand muß dabei
sorgfältig ausgewählt werden, da bei einem zu strengen Kriterium einerseits die Identifikation sehr viel Zeit beansprucht
GR 96 G 4435 DE
und ein zu weit formuliertes Kriterium andererseits das Risiko einer fehlerhaften Identifikation erhöht.
Nachteilig bei dem bekannten Identifikationsverfahren wirken
sich auch kriechende Zeitkonstanten aus, d. h. Pole, die sehr nahe am Ursprung der Laplace-Ebene liegen und zu einem integratorähnlichen
Verhalten des Prozesses führen, so daß nach einem Stellgrößensprung sehr lange kein stationärer Zustand
erreicht werden kann. Infolgedessen ist die bekannte Identifikation
anhand einer vollständigen Sprungantwort bei einem derartigen Prozeßverhalten sehr zeitaufwendig.
Aus dem Buch von Rolf Isermann: „Identifikation dynamischer
Systeme", 2. Auflage, Springer Verlag Berlin Heidelberg 1996, Seiten 202 bis 206, ist ein Verfahren der kleinsten Fehlerquadrate
zur Identifikation einer Übertragungsstrecke bekannt, das bei Vorliegen größerer Datenmengen zu einem genauen
Modell führt. Aus den vorliegenden Meßdaten von Eingangsgröße y und Ausgangsgröße &khgr; einer Übertragungsstrecke S
wird ein ARMA-Modell 2. Ordnung
1 + a-p +S2Z
identifiziert. Dazu definiert man einen Parametervektor
25
&Oacgr; = (S1 , S2 &igr; -O1 , D2)
und einen Datenvektor
Wk = (-&khgr;* ,-**_! ,yk ,yk-±Y
Wk = (-&khgr;* ,-**_! ,yk ,yk-±Y
und schreibt das ARMA-Modell als
GR 96 G 4435 DE
• O ·
Eine solche Gleichung wird für jeden Meßwert aufgestellt und
alle Gleichungen zu einem Gleichungssystem
X = &PSgr;&THgr; ,
X =
.Xn.
&PSgr; =
&ngr;;
&psgr;*
zusammengefaßt. Dieses überbestimmte lineare Gleichungssystem
kann mit einem beliebigen numerischen Verfahren näherungsweise nach dem Vektor &thgr; der gesuchten Parameter aufgelöst
werden. Dabei wird als Gütekriterium die Summe
V = e e ,
e = &khgr; -
der quadrierten Abweichungen e für jeden Abtastschritt minimiert
.
Insbesondere bei einer knapp bemessenen Datenbasis für die Identifikation, beispielsweise wenn erst der vordere Teil
einer Sprungantwort vorliegt, gibt es jedoch keine Gewähr dafür, ein physikalisch sinnvolles Modell zu erhalten. Bei
dem bekannten Identifikationsverfahren nach Isermann können sich unter Umständen Modelle mit negativen Verstärkungen oder
negativen Zeitkonstanten ergeben.
Werden zur Identifikation Simulationsmodelle mit beliebiger gebrochen rationaler Übertragungsfunktion im Laplace-Bereich
verwendet, so können auch ungünstige Kombinationen von Modellstruktur und tatsächlichem dynamischen Verhalten des
Prozesses zu diesen Fehlern oder auch zu instabilen Polen führen, beispielsweise wenn tatsächlich vier relevante Zeitkonstanten
vorliegen, das Modell aber nur 2. Ordnung ist.
GR 96 G 4435 DE ■ „ .v ..
Ähnliche Probleme können sich ergeben, wenn ein Stellglied mit zu langsamer Pulsbreitenmodulation sich wie eine zeitvariante
Totzeit auswirkt.
Auch ein schlechtes Stör-/Nut&zgr;Signalverhältnis, d. h. zu
große Störamplituden, können Ursache für die Berechnung eines physikalisch nicht sinnvollen Modells sein.
Auf der Grundlage solcher physikalisch nicht sinnvoller Modelle
ist ein Reglerentwurf unmöglich. Es hat sich als nicht praktikabel herausgestellt, die Modellplausibilität durch
Einführen von Nebenbedingungen bei der Optimierungsrechnung zu sichern, weil das Optimierungsverfahren, wenn die oben
genannten Probleme auftreten, gegen die durch die Nebenbedingung vorgegebene Begrenzung läuft.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke, insbesondere
einer Regelstrecke, zu schaffen, welche die oben genannten Nachteile vermeidet.
Zur Lösung dieser Aufgabe weist die neue Einrichtung der eingangs genannten Art die im kennzeichnenden Teil des Anspruchs
1 angegebenen Merkmale auf. Vorteilhafte Weiterbildungen
sind in den Unteransprüchen beschrieben.
Die Erfindung hat den Vorteil, daß unter allen Umständen sichergestellt
wird, daß bei der Identifikation ein plausibles, physikalisch sinnvolles Modell gefunden wird. Das gewonnene
„qualitative" Modell simuliert zwar eine Strecke im allgemeinen
nicht so genau wie ein Modell, dessen Parameter auf der Basis einer großen Datenmenge mit numerischen Optimierungsverfahren
berechnet wurden, ist aber auch bei Vorliegen einer geringen Datenmenge physikalisch sinnvoll und kann als
Grundlage für einen Reglerentwurf dienen. Die erfindungsgemäße Einrichtung kann vorteilhaft in Ergänzung zu einem
aufwendigen Parameterschätzer implementiert werden, um in den
GR 96 G 4435 DE
· ·0· · ♦ I
Fällen, in denen der aufwendige Parameterschätzer versagt hat, die Identifikation einer Strecke zu übernehmen. Sie ist
vorteilhaft auch in preiswerten, adaptiven Reglern einsetzbar, da die zur Auswahl eines der vorgegebenen Modelle erforderlichen
Matrixoperationen nur geringe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit beispielsweise einer Recheneinheit
stellen. Von Vorteil ist auch, daß mit der erfindungsgemäßen Regeleinrichtung bereits kurz nach Anlauf des Prozesses ein
physikalisch sinnvolles Modell als Grundlage für eine Regelung gefunden werden kann, das in einem weiteren Schritt mit
größerer angefallener Datenmenge durch ein mit numerischen Optimierungsmethoden gewonnenes, genaueres Prozeßmodell ersetzt
werden kann.
Anhand der Zeichnung, in der ein Regelkreis mit einer Identifikationseinrichtung
dargestellt ist, werden im folgenden die Erfindung sowie Ausgestaltungen und Vorteile näher erläutert.
In dem gezeigten Regelkreis stellt eine Regelstrecke S eine Übertragungsstrecke dar, deren Verhalten mit einer Identifikationseinrichtung
IE ermittelt wird. An der Regelstrecke S liegt ein Eingangssignal y, das im Regelkreis identisch mit
der Stellgröße ist. Die Stellgröße y wird von einem Regler R geliefert, dessen Reglerparameter, beispielsweise bei einem
PID-Regler der Verstärkungsfaktor Kp, die Nachstellzeit Tn und die Vorhaltezeit Tv, in Abhängigkeit eines Simulationsmodells
M eingestellt werden. Das Eingangssignal y sowie ein
Ausgangssignal &khgr; der Übertragungsstrecke S, das im Regelkreis
die Regelgröße darstellt, werden der Identifikationseinrichtung IE zugeführt. Durch Differenzbildung wird aus einer Führungsgröße
w und dem Ausgangssignal &khgr; eine Regeldifferenz xd gebildet, die am Regler R anliegt. Im Automatikbetrieb bildet
der Regler R die Stellgröße y in Abhängigkeit von der Regeldifferenz
xd, d. h., der Regelkreis ist geschlossen. Im Handbetrieb des Reglers R ist es möglich, einen vorwählbaren Verlauf
der Stellgröße y an die Regelstrecke S anzulegen, bei-
GR 96 G 4435 DE „ „ ., .. „
spielsweise mit Hilfe eines zuschaltbaren Funktionsgenerators .
In der Identifikationseinrichtung IE werden die Verläufe des Eingangssignals y und des Ausgangssignals &khgr; abgetastet und
die Abtastwerte abgespeichert.
Es werden beispielsweise neun physikalische Prozeßmodelle mit VZl-Verhalten und drei typischen Verstärkungen K = 0,5, 1 und
2 sowie drei typischen Zeitkonstanten T = 10 s, 100 s und 1000 s vorgegeben und die entsprechenden Übertragungsfunktionen
G(s) in zeitdiskrete Darstellung umgerechnet:
G(s) =
&kgr; .
1^-"1
Ts + 1 1 +
^ = -e"^/r , Jb1 = K(I + aj
mit T0 - Abtastzeit. Bei einem Modell 1. Ordnung sind entsprechend
dem von Isermann beschriebenen Verfahren aus der Matrix &psgr; nur die erste und dritte Spalte relevant. Für jedes
Modell M(j), j = 1 ... 9 kann daher die Verlustfunktion
20
V(J) = e (j)e(j) , e(j) = &khgr; - [&psgr;&ohgr;
mit wenigen Matrixoperationen berechnet werden, ohne daß eine dynamische Simulation mit dem Modell durchgeführt werden müßte.
Zur Identifikation wird das Modell M{j) der Übertragungsstrecke S ausgewählt, das die kleinste Verlustfunktion V(j)
liefert, also den gegebenen Verlauf des Eingangssignals y und des Ausgangssignals &khgr; am besten widerspiegelt. Da auf diese
Weise eines einer endlichen Menge plausibler Modelle ausgewählt wird, liefert die Identifikationseinrichtung in jedem
Fall ein physikalisch sinnvolles Modell, das für eine Reglerauslegung verwendet werden kann.
Claims (4)
1. Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke,
insbesondere einer Regelstrecke (S), - mit Mitteln (R) zum Erzeugen eines Eingangssignals (y) als
Anregung der Strecke,
- mit Mitteln zur Erfassung des Ausgangssignals (x) der
Strecke als Antwort auf diese Anregung und
- mit Mitteln (IE) zur Bestimmung des Simulationsmodells (M)
der Strecke, mit dem die Abweichungen zwischen den erfaßten
Ausgangssignalen (x) und mit Hilfe des Simulationsmodells
geschätzten Ausgangssignalen minimal sind,
dadurch gekennzeichnet,
- daß eine endliche Zahl einfacher und plausibler, d. h. physikalisch
sinnvoller, Modelle vorgegeben wird und
- daß dasjenige Modell ausgewählt wird, mit dem die Abweichungen minimal sind.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
- daß die Simulationsmodelle im Laplace-Bereich durch eine Übertragungsfunktion 1. Ordnung beschreibbar sind.
3. Einrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet,
- daß die Strecke verzögerungsbehaftet ist und die Simulationsmodelle
Verzögerungsglieder 1. Ordnung sind.
4. Einrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
- daß das ausgewählte vorgegebene Modell durch ein Modell höherer Ordnung ersetzt wird, wenn ein Verfahren zur
numerischen Optimierung für das Modell höherer Ordnung physikalisch sinnvolle Ergebnisse liefert.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE29610789U DE29610789U1 (de) | 1996-06-19 | 1996-06-19 | Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke, insbesondere einer Regelstrecke |
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Publications (1)
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|---|---|
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Family Applications (1)
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| DE29610789U Expired - Lifetime DE29610789U1 (de) | 1996-06-19 | 1996-06-19 | Einrichtung zur Identifikation einer Übertragungsstrecke, insbesondere einer Regelstrecke |
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| Country | Link |
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Effective date: 20050101 |