DE2649505C3 - Verfahren zur Messung bioelektrischer Aktivitäten - Google Patents
Verfahren zur Messung bioelektrischer AktivitätenInfo
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Description
Die Erfindung bezieh! sich auf ein Verfahren zur Messung der bioelektrischen Aktivität von Nerven,
insbesondere zur Bestimmung der Leitgeschwindigkeit peripherer Nerven beim Menschen, bei welchem
zwischen einer Reizelektrode und einer Abnahmeelektrode für das Reizantwortsignal eine proximaJe und eine
distale Reizung über ein Reizstromgerät vorgenommen werden kann und das Reizantwortäignal nach elektrischer
Verstärkung einer Auswerteeinheit zugeführt wird.
Die Messung bioelekt.rischer Aktivitäten von Nerven,
also von Elektro-Neurogrammen, ist ein wesentliches Hilfsmittel der Diagnostik, vor allem bei peripheren
neurologischen Funktionsstörungen, wie der nuklearen Atrophie, den radikulärsigmentalen Syndrom, Paresen,
Myopathien, der Myoihonie und dergleichen mehr. Neben elektromyographischen Untersuchungen sind
auch allgemeine Reflexuntersuchungen und die Analysen zentraler Bewegungsstörungen und anderer biologischer
Aktivitäten denkbar und mit dem Verfahren und der zugehörigen Vorrichtung meß- und analysierbar.
Zur Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit muß zunächst die proximale und distale Latenzzeit zwischen
einem Reizimpuls und einer Reizantwort gemessen werden. Zur Reizung des zu untersuchenden Nervs wird
ein Reizstromgerät benötigt, welches Reizimpulse von 0,1 bis 1 Millisekunde Dauer und Amplituden bis 500 V
abgeben kann. Als Reizelektrode wird in der Regel eine Oberflächenelektrode mit Filzeinsätzen, welche zur
Reizung angefeuchtet werden, benutzt. Die Abnehmeelektrode wird bei der Aufnahme von Elektromyogrammen
über einen Muskel, der vom erregten Nerv innerviert wird, appliziert. Entsprechend dazu wird die
Abnahmeelektrode bei Elektroneurogrammen über dem erregten Nerv appliziert.
Die bisher üblichen Geräte benötigen eine Darstellung des EMG-Signals als Funktion der Zeit, aus der
manuell eine besonders geschulte Person die Latenzzeiten ermittelt.
Die Darstellung des EMG-Signals wird bisher mit relativ aufwendigen Geräten, wie Speicheroszillograph
oder Schnellschreiber (UV-Schreiber), vorgenommen oder es werden zeit- und kostenaufwendige Fotoverfahren
(z. B. Polaroidfilm) angewendet Nach Ermittlung der Latenzzeiten aus der Zeitdarstellung wird die
Differenzzeit gebildet, aus welcher dann unter Berücksichtigung des Reizpunktabstands die Nervenleitgeschwindigkeit
durch Division bestimmt wird.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
bezüglich des dafür erforderlichen Aufwands zu vereinfachen, bei gleichzeitiger Verbesserung der
Interpretationsmöglichkeit der erhaltenen Elektroneurogramme (ENG), die ohne komplizierte Auswerteverfahren
durch besonders geschultes Personal bei sofortiger Anzeige der tatsächlich gemessenen Leitgtschwindigkeit
und unter Ausschaltung möglichst aller bei der Messung denkbaren Fehlermöglichkeiten
erfolgen soll.
Die Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die im Kennzeichen des Hauptanspruchs
angegebenen Merkmale erreicht.
Vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens läßt sich in einem verhältnismäßig kleinen Gehäuse
unterbringen, wobei die Bedienung des Geräts durch Reduzierung der Bedienungsknöpfe und Schalter auf ein
Minimum besonders einfach und optisch übersichtlich ist. Aufwendige Spcichcroszillographen, Schnellschrci-
ber, Polaroidkameras oder dergleichen sind überflüssig, bei gleichzeitig verbesserter elektronischer Interpretationsmögiichkeit
der Auswertung der gemessenen myoelektrischen Potentiale. Die Nervenleitgeschwindigkeit
wird direkt angezeigt, die Bildung der Differenzzeit nach Messung der Latenzzeiten erfolgt automatisch.
Für einige pathologische Fälle, bei denen die automatische elektronische Interpretation des Meßergebnisses
nicht möglich ist, läßt sich über eine besonders preiswerte elektronische Speicherung bzw. optische
Darstellung wahlweise auch die übliche manuelle Auswertung durchführen.
Die Zeichnungen sollen der näheren Erläuterung der Erfindung dienen, wobei es sich nur um Ausführungsbeispiele
handelt.
Der prinzipielle Aufbau des Gerätes läßt sich aus F i g. I ersehen. Die einzelnen Blöcke sind:
a) Netzgerät
b) Reizstromgerät
c) Digitale Auswerteinheit
d) EMG-Verstärker
Die prinzipielle Wirkungsweise des Gerätes ist in F i g. 2 dargestellt.
Durch die Betätigung der Starttaste für den proximalen Reiz in der externen Steuerung werden
folgende Vorgänge ausgelöst:
1) Rücksetzen aller Anzeigen auf »Null«.
2) Auslösung eines Reizimpulses über das Reizstromgerät und die Reizelektrode sowie öffnung der
Toreinheit und starten der elektronischen Zeitmeßeinrichtung zur Messung der proximalen Latenzzeit.
3) Unterdrückung von ca. 1 Millisekunde zur Vermeidung von Reizimpulsartefakten.
4) Freigabe der elektronischen Interpretation.
5) Aufnahme und Verstärkung des EMG-Antwoi tsignals
über die aktive Elektrode und den EMG-Verstärker. In der Signalaufbereitung wird der Betrag
des verstärkten Myosignals mit einem Präzisionsgleichrichter gebildet.
6) Die elektronische Interpretation, die später anhand
von Fig.3 erläutert wird, schließt die Toreinheit und stoppt somit die Zeitmessung, deren Ergebnis
numerisch angezeigt wird. Gleichzeitig wird das Ergebnis der elektronischen Interpretation über
Leuchtdioden bzw. durch Blinken der Anzeige mitgeteilt.
7) Hat die elektronische Interpretation das EMG-Antwortsignal als fehlerfrei erkannt, so wird dies
durch eine Anzeige signalisiert und die proximale Latenzzeit angezeigt.
Nachdem die proximale Messung mit Erfolg durchgeführt wurde, wird (tie distale Messung durch Betätigung
der Starttaste für den distalen Reiz in der externen Steuerung eingeleitet. Der Vorgang läuft dann nach
dem gleichen Verfahren wie in den Punkten 2—7 beschrieben ab.
Mit der erfolgreichen Messung der distalen Latenzzeit wird automatisch die Differcnzzek
gebildet.
Über Kodierschalter wird der Rcizpunktabstand (Δχ)
in das Gerät eingegeben. Durcn Betätigung der Starttaste für die Bildung der Nervenleitgeschwindigkeit
(v) wird der Quotient
Lv
'dill
als Ergebnis angezeigt.
Wurde der Reizpunktabstand vor der distalen Messung eingegeben, so erscheint automatisch nach
erfolgreicher distaler Messung die Anzeige der Nervenleitgeschwindigkeit.
Im folgenden wird die elektronische Interpretation sowie das Iterationsverfahren zur erfolgreichen Durchführung
der Messung beschrieben.
Fig. 3 zeigt die Funktion der elektronischen Interpretation
anhand eines Flußdiagrammes.
Durch die Betätigung der Staritar.te zum Zeitpunkt
t = 0 wird ein Reiz über das Reizstromgerät ausgelöst sowie die Verstärkung des Myoverstärkers für die
Austastzeit tA = I ms auf Null getast?;.
Nach der Austastung wird das EMU -Signa! verstärkt und auf dem Betragsbilder durchgeschaltet, der eine
elektronische Triggereinrichtung ansteuert.
Wird innerhalb von 100 ms die Triggerspannung Ut1
oder Ut2 nicht erreicht, so wird der Meßvorgang
abgebrochen und es erscheint die blinkende Anzeige Null. Blinkt nur die Latenzzeitanzeige, so deutet dieses
auf eine ungenügende Reizung bzw. falschen Reizpunk! oder auf eine falsche Applikation der Myosignalabnahme-Elektrode
hin. Die Messung muß dann nach entsprechender Änderung wiederholt werden.
1. Wird die Triggerschwelle das erste Mal in positiver Richtung überschritten, so wird untersucht, ob das
Signal vorher für eine bestimmte Zeit i/vt » 0,7 ms
unterhalb der Triggerschwelle lag. Dieser Vorgang wird als Prüfung auf Nullkriterien bezeichnet Ist
das Nullkriterium erfüllt, so wird das EMG-Signal für die Zeit f., = 2,5 ms zur weiteren Untersuchung
durchgeschaltet.
Fällt in diese Antwortzeit f., ein Nulldurchgang, so
wird nur für diese Zeit f.,2 < t., geprüft, ob das
Signal bis dahin das Amplitudenkriterium 2 (Ampl. 2) erfüllt hat. Wenn ja, so war die EMG-3ignalantwort
korrekt und es erfolgt die Latenzzeitanzeige in Millisekunden.
3. War Ampl. 2 nicht erfüllt, dann wird das Signal für f., ι « 50 ms weiter durchgeschaltet und auf die
Amplitudenkriterien 1 und 2 untersucht. Wird Amplitudenkriterium 1 nicht erfüllt, so blinkt
lediglich die Lalenzzeitanzeige. Ist Amplitudenkriterium
1 erfüllt, jedoch nicht Amplitudenkriteriuiu 2, so blinkt die Latenzzeitanzeige und die
leuchtende Anzeige Signal deutet auf eine nicht exakte Applikation der Myosignalabnahme-E'.ektrodc
hin. Sind Amplitudenkriterium 1 und Amplitudenkriterium 2 erfüllt, so blinkt wiederum
die Latenzzeitanzeige und eine Leuchtdiode im EMG-Versträher zeigt an, daß die VerstärKung zu
hoch ist.
4. War das Nullkriterium, wie unter 1. beschrieben,
nicht erfüllt, so wird die Untersuchung der EMG-Signalantwort, wie unter 3. beschrieben,
fortgesetzt.
5. Ist der nächs.c Nulldurchgang, wie unter 2. beschrieben, nicht innerhalb von /., aufgetreten, so
wird abgefragt, ob während der Auswertzeit (t.) die Amplitudenkriterien erfüllt wurden. War Amplitu·
denkriterium t nicht erfüllt, so blinkt lediglich die Amplitiidenkriteriiim 2 erfüllt, so war die Messung
Latenzzeitanzeige. War Amplitiidenkriteriiim I korrekt und es erfolgt die Latcn/./eiian/cige in
erfüllt aber Amplitudenkriterium 2 nicht, so Millisekunden.
signalisiert eine Leuchtdiode im EMG-Verstärker.
daß die Verstärkung erhöht werden muB. In diesem Die I ι g. 4a — 4f verdeutlichen die hier beschriebenen
Fall kann die Latenzzeitanzeige einen Fehler von Vorgänge.
0.3 ms beinhalten. Sind Amplitudenkriterium 1 und
I her/u '· likitt
Claims (8)
1. Verfahren zur Messung der bioelektrischen Aktivität von Nerven, insbesondere zur Bestimmung
der Leitgeschwindigkeit peripherer Nerven beim Menschen, bei dem zwischen einer Reizelektrode
und einer Abnahmeelektrode für das Reizantwortsignal eine proximale und eine distale Reizung über
ein Reizstromgerät vorgenommen wird und das Reizantwortsignal nach elektrischer Verstärkung
einer Auswerteeinheit in Form einer Logikschaltung zugeführt wird, dadurch gekennzeichnet,
daß die Zeit zwischen der Auslösung jedes Reizimpulses-und dem Empfang des Reizantwortsignals
mittels einer elektronischen Zeitmeßeinrichtung gemessen wird, wobei beim Auslösen des
Reizimpulses die Zeitmeßeinrichtung gestartet und beim Empfang des Reizantwortsignals gestoppt
wird, derart, daß eine Auswertung des Antwortsignals nach dem Start der Zeitmeßeinrichtung für
eine vorgegebene erste Zeitdauer (tm) unterdrückt
wird, daß vor Durchgang des Antwortsignals durch ein festlegbares Nullspannungspotential (Ut) als
sogenanntes Nullkriterium eine zweite Mindestzeit (tNk) verstrichen sein muß und daß bei Erfüllung
dieses Nullkriteriums während einer dritten Zeitdauer (ta) das Antwortsignal auf Überschreiten eines
oder zweier Amplitudenwerte untersucht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Antwortsignal nach Ablauf der
ersten Zeitouuer (tm) verstärkt wird, und daß für das
Nullkriteriiim nach Betragsbi'-iung der erste Durchgang
des Antwortsignal durch das festlegbare Nullspannungspotential (UT) i positiver Richtung
genommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Zeitdauer ft,,,,) ca. 1 ms
beträgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die zweite Mindestzeit (tNk) bei ca.
0,7 ms liegt.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die dritte Zeitdauer (t:) etwa 2,5 ms
lang ist.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß dann, wenn in die dritte
Zeitdauer (t„) ein Nulldurchgang des Antwortsignals fällt, für eine Zeit, die kleiner als die genannte
Zeitdauer ist, geprüft wird, ob der zweite der Amplitudenwerte überschritten wird, wobei eine
Latenzzeitanzeige nur dann erfolgt, wenn dieses der Fall ist.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß bei Vorgabe des Reizpunktabstandes
zwischen proximaler und distaler Reizung nach erfolgter Messung die Nervenleitgeschwindigkeit
unmittelbar digital angezeigt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß mittels der elektronischen
Interpretation bei nicht erfolgreicher Messung Hinweise für die weitere Bedienung des Geräts
gegeben werden.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE2649505A DE2649505C3 (de) | 1976-10-28 | 1976-10-28 | Verfahren zur Messung bioelektrischer Aktivitäten |
Applications Claiming Priority (1)
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| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE2649505A1 DE2649505A1 (de) | 1978-05-03 |
| DE2649505B2 DE2649505B2 (de) | 1980-02-07 |
| DE2649505C3 true DE2649505C3 (de) | 1980-10-09 |
Family
ID=5991973
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE2649505A Expired DE2649505C3 (de) | 1976-10-28 | 1976-10-28 | Verfahren zur Messung bioelektrischer Aktivitäten |
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|---|---|
| DE (1) | DE2649505C3 (de) |
-
1976
- 1976-10-28 DE DE2649505A patent/DE2649505C3/de not_active Expired
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE2649505B2 (de) | 1980-02-07 |
| DE2649505A1 (de) | 1978-05-03 |
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