DE2528073C2 - Verfahren zur selbsttätigen Positionierung eines Schiffes - Google Patents
Verfahren zur selbsttätigen Positionierung eines SchiffesInfo
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Description
35
Die Erfindung befaßt sich mit einem Verfahren zur selbsttätigen Positionierung eines Schiffes gemäß den
Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1.
Bei einer sogenannten dynamischen Positionierung von Schiffen müssen Anlagen vorgesehen sein, mit
denen das Schiff sehr genau über einer Arbeitsstelle gehalten werden kann. Beispiele hierfür sind MeS-,
Forschungs- und Bohrschiffe. Als Anlagen kommen Antriebspropeller mit schwenkbarem Schraubenstrahl
(Voith-Schneider, Schottel) oder auch Verstellpropeller in Betracht. Solche Anlagen werden bisher allerdings
nur bis zu mittleren Leistungen hergestellt. Für den oberen Leistungsbereich können Querschubanlagen
vorgesehen werden. Auch ist die Verbindung von Querschubanlagen mit Aktivpropellern möglich. Da
Querschubanlagen gegenüber Aktivpropellern für bestimmte Richtungen der Störkraft eine geringere
Effektivität der Gesamtanlage besitzen, müssen sie von vornherein mit größeren Leistungen installiert werden.
Um eine Leistungsbegrenzung für die Propulsionsanlage
zu erzielen, ist gemäß der älteren DE-AS 24 16 874 ein Verfahren entwickelt worden, mit dem die auf einen
Schwimmkörper einwirkenden Störkräfte bereits vor ihrem Auftreffen erfaßt werden und die Propulsionsanlagen
die erforderlichen Gegenkräfte aufbringen. Damit wird den Störkräften rechtzeitig entgegengewirkt.
Diese werden durch Meßgeräte ermittelt, die in großen Abständen vom Schwimmkörper ausgelegt sind.
Bei einer dynamischen Positionierung wird das Schiff vorzugsweise mit dem Bug gegen die Hauptstörkräfte
gelegt, da es in dieser Position den geringsten Wind-, Wasser- und Wellenwiderstand aufweist. Störkräfte, die
ein Schiff schräg angreifen, senken bei Querschubanlagen aufgrund ihrer technischen Konzeption den
Wirkungsgrad noch weiter, da diese Anlagen nicht in Richtung der wirkenden Störkräfte eingestellt werden
können, sondern über die Längs- und Querschubrichtung die Kräfte ausgleichen müssen.
Aus der DE-OS 22 45 166 ist eine Anordnung dieser Art zu entnehmen, bei der aber die Kräfte in X- und
y-Richtung und das Drehmoment um die Z-Achse
getrennt erfaßt und untersucht werden, um das Regelverhalten zu verbessern. Zur Erfassung der
Positionsabweichungen werden Beschleunigungsmeßgeräte verwendet, die die Linearbeschleunigungen in
den drei Richtungen messen und die entsprechenden Gegenkräfte veranlassen. Eine Positionierung über
Querkräfte ist hier nicht vorgesehen.
Verfahren, die das auf ein Schiff einwirkende Stördrehmoment so auszuregeln versuchen, daß es zu
Null wird, können dann keinen Erfolg liefern, wenn es sich um ein Schiff mit beispielsweise unsymmetrischen
Aufbauten handelt. Dieses ist meistens bei den erwähnten Spezialfahrzeugen der Fall. Ein weiterer
Nachteil dieses Verfahrens kann darin gesehen werden, daß die Stördrehmomentenkurve innerhalb eines
Winkels von π/2 zwei Minima aufweist, so daß bei plötzlichen Störkraftänderungen, z. B. durch Umspringen
des Windes, instabile Zustände entstehen können.
Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe ist darin zu sehen, ein Verfahren in Anwendung zu bringen,
mit dem eine schnelle Positionierung eines Schiffes mittels einer optimierten Antriebsleistung gewährleistet
ist, so daß die Auswirkung der Störkräfle über den Schiffskurs minimiert wird.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die im Kennzeichen des Hauptanspruches angegebenen Merkmale
gelöst.
Die wesentlichen Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens bestehen darin, daß, wenn der Kurs des
Schiffes so zu den Störkräften gelegt wird, die Querkräfte zu Null werde»;-, und nur ein Reststörmoment
auszugleichen ist. Dieses erfordert wegen der langen Hebelarme (Schiffslänge) nur eine geringe
Leistung. Da dynamisch positionierende Schiffe leistungsmäßig für maximale Störkräfte ausgelegt sind,
d. h. die meiste Zeit die Propeller im Teillastbereich arbeiten, können die Bugpropeller entlastet werden.
Anhand des in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels sollen weitere Erläuterungen gegeben
werden. In
Fig. I ist ein Diagramm über die an einem Schiff angreifende Störkraft und das Störmoment sowie der
Schubkräfte und Richtungen und in
F i g. 2 eine Regeleinrichtung nach der Erfindung in Zusammenwirkung mit der Gesamtanlage dargestellt.
Im Schwerpunkt S möge die Gesamtstörkraft FSIOrga
angreifen, die aus den Komponenten Fy„ör und Fxs,ör
besteht. Sie möge unter dem Winkel <xs,är einfallen. Die
Propellerantriebe des Schiffes sind mit P\ und Pi für die
Heck- und Bugantriebseinrichtungen bezeichnet.
Die von ihnen erzeugten Schubkräfte F\ mit den Komponenten Fi* und F^ und Fi mit den Komponenten
Fix und Fiy sind der Hauptstörkraft entgegengerichtet.
Wenn vorausgesetzt wird, daß die Summe der Querkräfte ein Minimum werden soll entsprechend der
Gleichung
Fyges= F\y+ Fiy= Minimum (Null)
so können die Regelgrößen aus folgenden Beziehungen
so können die Regelgrößen aus folgenden Beziehungen
ewonnen werden.
) Bildung der Istwertgrößen aus den Meßwerten Fi,
αϊ und Fi, «2
Fyg&= Fiy+ F2j,soU ein Minimum werden.
Für den Propellerantrieb P\ gilt dann
Fiv/Fi =sin αϊ oder F\} = Fi · sin αϊ
und für Pz
und für Pz
F2/F2=sin a2 oder Fj^=Fi - sin «2
Daraus folgt für
Fi · sin αϊ+ F2 · sina2
) Bildung der Istwertgrößen aus dem Sollwert Fysoii
Fy son ist der Reglerausgang aus der y-Abweichung
des Schiffes gegenüber dem y-SoIlwert und ist
damii proportional der zu bildenden Schubgröße in y-Richtung Fygcy. Wenn dieser Wert Fysou als
Ausregelgröße benutzt wird, hat sie den Vorteil gegenüber der Lösung nach a), daß die Verzögerungszeiten,
die durch die Antriebe gegeben sind, entfallen. Weiterhin ist vorteilhaft, daß Fysoii bereits
aufbereitet vorliegt und somit keine weiteren Meßgeräte erforderlich sind.
) Meßwerterfassung von Schubgröße und -richtung der Heck- und Bugpropeller.
Durch vektorielle Addition der im Punkt S des Schiffes angreifenden Störvektoren nach Größe und Richtung zu der Gesamtstörgröße z. B. Strömungsrichturig, Strömungsgeschwindigkeit, Wind, Wellen, wobei die schiffsspezifischen Relationen zwischen den Störgrößen wie Windstärke und Windrichtung und den Widerstandswerten wie Windwiderstand des Schiffes Beachtung finden müssen, ergibt sich dann
Durch vektorielle Addition der im Punkt S des Schiffes angreifenden Störvektoren nach Größe und Richtung zu der Gesamtstörgröße z. B. Strömungsrichturig, Strömungsgeschwindigkeit, Wind, Wellen, wobei die schiffsspezifischen Relationen zwischen den Störgrößen wie Windstärke und Windrichtung und den Widerstandswerten wie Windwiderstand des Schiffes Beachtung finden müssen, ergibt sich dann
slörges
sin aslör
40
oder
\vga 'störg
Die eben dargestellte Ableitung der Regelgröße bietet den Vorteil der sofortigen Eingabe der
Größe Fstörgcs in den Rechner, ohne die Verzögerung
durch die Schiffszeitkonstante, hat jedoch den Nachteil der Ungenauigkeit, da natürlich bei der
Aufnahme der Störgrößen Ungenauigkeiten auf- w
treten können.
i) Als weitere Möglichkeit ist die Kombination der in a) und c) bzw. a) und b) erwähnten Rechnungsgänge
anzusehen. Wenn die Rechnung nach c) ohne Verzögerung in den Rechner eingegeben wird,
erfolgt eine schnelle Grobregelung, der eine Feinregelung nach den ersten Rechnungsgängen a)
und b) unterlagert wird. Durch die schiffsfesten Größen kann diese wesentlich genauer sein.
60
Im Blockschaltbild nach Pig.2 faßt die senkrechte
Linie oben links die auf das Schiff einwirkenden Störgrößen wie die Windgeschwindigkeit und -richtung,
die Strömungsgeschwindigkeit und -richtung sowie die Wellengeschwindigkeit und ihre Richtung zusammen.
Block I stellt das physikalische Modell zur Bildung der Störgrößen dar, über den die Störkräfte und -momente
auf das Schiff einwirken. Block 2 ermittelt aus den verschiedenen Einflußgrößen die Störkraft auf das
Schiff in y-Richtung, also den Istwert der Gesamtquerkraft Fygeshi- In einer Vergleichsstelle 3 wird dieser
Wert mit dem Sollwert FygeSsoa verglichen, der ein
Minimum werden soll. Die Abweichung AFyga wird
einem Regler 4 zugeführt, der aus der Abweichung der
Querkraft den Sollwert für den Schiffskurs ψ«,« bildet.
Ein Vergleich mit dem gemessenen Schiffskurs φ« in
Block 5 liefert die Kursabweichung Δτρ, die in einen
weiteren Regler 6 eingeht und den Sollwert für das Drehmoment Myso//ergibt.
In einen Soll-Ist-Ortsvergleich 7 werden die Sollwerte
für die Schiffslängskoordinate xKu und die Querkoordinate
ysoii eingegeben und bei 8 und 9 mit den jeweiligen
Istwerten verglichen. Die ermittelten Abweichungen Ax und Aygehen in die Regler 10 und ti ein zur Ermittlung
des Längsschubs Fx son und des Querschubs Fysoii- Aus
den Eingangsgrößen Masoih FXSoii und Fysoii bildet eine
fest verdrahtete oder freiprogrammierbare Logik für die Schubvefteilung 12 unter Einfügung eines Drehzahlbildners
13 die Drehzahlen η 1 und η Ziär die Heck- und
Bugantriebe sowie weitere Eingangsgrößen für die Einrichtung 14 zur Schubbildung. Die Ausgangssignale
dieser Einrichtung 14 stellen die Schubgrößen Fi urd F2
sowie die Schubrichtungen αϊ und 1x2 dar, die als
Kraftkomponenten auf das Schiff 15 wirken. Aus den Werten Fi, Fi, a.\, «2 wird in einem Rechner 16 der
Istwert a ermittelt, der der Vergleichsstelle 3 zugeführt wird. Durch das Schiff 15 wird die sich ergebende
Schiffsbewegung beschrieben, die eine Rückwirkung auf die äußeren Störgrößen hat.
Die Wirkungsweise der Einrichtung ist folgende.
Die Eingangswerte für die Steuerautomatik zur Optimierung des Schiffskurses für die dynamische
Positionierung können auf unterschiedliche Weise gewonnen werden:
e) Als Meßwerte dienen die Schubkräfte und Richtungen der Propulsionsmittel nach dem Recnengang a.
Als Eingangswerte stehen demnach der Istwert der Summe der Schiffsquerkräfte FygeSist und der
Sollwert der Summe der Schiffsquerkräfte FygesSoIi=O an der Vergleichsstelle 3 an. Ferner der
Istkurs pin, der sich als Reaktion des Drehmomentes,
das durch die Propeller auf das Schiff als Stellgröße wirkt, einstellt. Als Ausgangssignal der
Steuerautomatik erscheint der Drehmoment-Sollwert Mdsoii. der durch eine Schubverteilung Block
12 in Steilwerte für Fi, αι und Fi, <X2 umgerechnet
wird.
f) Aus der vektoriellen Addition der angreifenden Störvektoren wie Strömung, Wind und Weiler
nach Größe und Richtung, die in den Regler 1 eiiigehen, wird die Gesamtstörkraft Fs,drges ermittelt.
Hierzu sind die schiffsspezifischen Relationen von Störgrößen, z. B. Windstärke und Richtung und
den Widerstandswerten, ζ. Β. Windwiderstand erforderlich. In Fig.2 ist diese Möglichkeit durch
den gestrichelt gezeichneten Block 2 dargestellt. Aus Block 2 entsteht als Ausgangssignal der Istwert
der Gesamtstörgröße Fs(örf„ anstelle der Summe
der Schiffsquerkräfte. Dieser Istwert sieht an der Vergleichsstelle 3 an.
Die Methode nach f) hat zwar den Vorteil, daß die
Eingabe FVi,„„, früher als bei der Methode a) bzw. b)
erfolgen kann. d. h. ohne Verzögerung durch die Scliiffszeitkonstantc. Sie stellt demnach eine Grobrege-
lung dar. der eine Feinregelung nach der Methode a) unterlagert ist. Mit der Überlagerung der Methoden a)
und b) bzw. a) und c) kann die Umrechnung der Gesamtstellkraft auf die Antriebe erfolgen.
Die Festlegung der Einstellwertc des vorderen und hinteren Propellers nach Schubgröße Fund Richtung a
muß der Bedingung genügen, daß die Propeller nicht gegeneinander arbeiten, d.h. Fi, und F?, gleiches
Vorzeichen haben müssen. Die Bedingung hierfür lautet:
I F,, +F3,1
>F,,
das bedeutet, daß der Betrag aus der Summe der ersten
und der zweiten Größe gleich oder größer sein muß als die erste Größe.
Gemäß der Erfindung wird eine Automatik eingesetzt, die die Propeller so ansteuert, daß der Schub des
hinterer. Propellers in Längsrichtung in einem variablen, aber absolut positiven Verhältnis zu dem des vorderen
il
= α (α stets positiv)
Da das Schiff während der Positionierung ständig mit dem Bug gegen die Störkräfte ausgerichtet liegt, wird
durch ein Abtastregelgerät dns Verhältnis der Längsschübc Fi,/Fi, maximiert und nur durch die maximale
Leistung von F\ begrenzt.
Hierdurch wird eine wesentliche Verminderung der zu installierenden Gesamtantriebsleitung erzielt. Diese
ei gibt sich durch die Leistungsverschiebung vom vorderen zum hinteren Propellerantrieb durch:
I. ein vermindertes Einwirken des vorderen auf den hinteren Propeller, d. h. der Wirkungsgrad des
hinteren Propellers wird größer, da die Eintrittsgeschwindigkeit nicht durch den vorderen Propellerstrahl
beeinflußt wird.
II. eine Verminderung des Reibungswiderstandes des Schiffes, weil die erhöhte Anströmung durch den
vorderen Propeller weitgehend entfällt und
III. Herausschalten eines von zwei oder zwei von drei
vorderen Propellern, wenn die Leistungsverschiebung zu dem hinteren Propeller dieses erlaubt.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Steuerautomatik zur Leistungsoptimieriing die Sollwerte
für die Kräfte und das Moment als Eingangswerte hat. Sie errechnet die Einzelsollschübe nach den an sich
bekannten Gleichungen für Momente und Kräfte. Durch eine fest verdrahtete oder programmierte Logik
im Block 12 wird nun verhindert, daß die Schübe gegensinnig arbeiten und durch eine Abtastregelung
wird d Äses Verhältnis zu einem Maximum gemacht, d. h.
bis Fi -· Fi,,,.,, geworden ist.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (4)
1. Verfahren zur selbsttätigen Positionierung eines Schiffes, insbesondere eines Bohrschiffes, mit dem
dieses über eine Regelanordnung und Propulsionsmittel
ortsfest gehalten und in Richtung der Hauptstörkräfte gelegt wird, dadurch gekennzeichnet,
daß der Regelanordnung (3, 4) als Regelgröße die Summe aller Istquerkräfte (Fygaai)
zugeführt wird, wobei eine Grobregelung, die wahlweise von der Schiffsquerkraft (Fysoi>) oder aus
den Störkräften (Fysrörges) abgeleitet wird, und eine
Feinregelung, die aus dem Schub (F) und der Schubrichtung («) gebildet wird, gemeinsam angewendet
werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß der Sollwert für die Schiffsquerkraft (Fyioiii der Regeleinrichtung (3, 4) als zusätzlicher
Istwert (Fyga si) (b) zugeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2 oder 1 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß anstelie der Schiffsquerkraft
(Fx„η) als zusätzlicher Istwert (Fyis,gc^ (c)
verwendet wird, der aus der vektoriellen Addition der Störgrößen ermittelt wird.
4. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine
selbsttätige Einstellung der Schublängskräfte (Fix
und p2X) in einem variablen absolut positiven
Verhältnis (FxJFtx=S) und der Maximierung dieses
Verhältnisses durch ein Abtastregelgerät bis zur Erreichung d;r maximalen Schubkraft (F\mla).
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