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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anspinnen einzelner Spinnaggregate einer eine Vielzahl von Spinnaggregaten aufweisenden OE-Spinnmaschine mittels einer verfahrbaren, einem einzelnen Spinnaggregat zustellbaren Anspinneinrichtung, die Mittel zum Einschalten des ohne Beeinflussung benachbarter Spinnaggregate unterbrechbaren Antriebs des Spinnrotors des betreffenden Spinnaggregats und von einem Programm gesteuerte Mittel zum Zurückführen eines Fadens in dem Spinnrotor, zum Ansetzen des Fadens an einen in dem Spinnrotor abgelegten Faserring und zum Wiederabziehen des angesponnenen Fadens enthält, wobei das Ansetzen des Fadens an den Faserring und das Wiederabziehen des angesponnenen Fadens während des Hochlaufens des vorher abgebremsten Spinnrotors zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu welchem der Spinnrotor erst eine Drehzahl erreicht hat, die unter der Betriebsdrehzahl liegt.
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Das bekannten Verfahren (DE-OS 23 21 775) der eingangs genannten Art hat den Vorteil, daß auch bei sehr hohen Betriebsdrehzahlen der Spinnrotoren, die deutlich über 50 000 min-1 liegen können, ein sicheres Anspinnen durchgeführt werden kann. Bei dem bekannten Verfahren werden nahezu alle Verfahrensschritte von einem festen Programm gesteuert, das die zeitliche Zuordnung der einzelnen Verfahrensschritte zueinander bestimmt. Lediglich das Wiederabziehen des in den Spinnrotor zurückgeführten Fadens wird von einem Fadenwächter gesteuert, der bei Erreichen einer bestimmten Fadenspannung das Wiederabziehen des Fadens auslöst. Das Programm selbst wird mit dem Lösen einer Bremse gestartet, mit der der Spinnrotor zum Stillstand gebracht worden war. Mit Hilfe eines Verzögerungsgliedes wird mit dem Anlaufen des Programms so lange gewartet, bis der Spinnrotor aufgrund seiner Anlaufkurve die für das Anspinnen gewünschte Drehzahl erreicht hat.
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Das an sich vorteilhafte, bekannte Verfahren enthält noch einige Ungenauigkeiten, die sich daraus ergeben, daß die Anlaufkurven der Spinnrotoren von Spinnaggregat zu Spinnaggregat unterschiedlich sein können. Diese Unterschiede in den Anlaufkurven werden im wesentlichen dadurch hervorgerufen, daß vor dem eigentlichen Anlaufen eines Spinnrotors einige mechanische Elemente bewegt werden müssen, die nicht verzögerungsfrei arbeiten. Dies gilt beispielsweise für die Betätigungshebel und weiteren Verstellelemente der Bremse des Spinnrotors, sowie auch für die Elemente, die das Antreiben des Spinnrotors besorgen. Es treten Reibungen auf, die von Spinnaggregat zu Spinnaggregat unterschiedlich sind. Außerdem werden Federelemente eingesetzt, die nicht alle absolut identisch ausgelegt werden können. Es wurde auch festgestellt, daß selbst an dem gleichen Spinnaggregat unterschiedliche Anlaufkurven für den Spinnrotor auftreten können, abhängig davon, ob das Spinnaggregat nur eine kurze oder eine längere Zeit stillgestanden hatte. Die Unterschiede in den Anlaufkurven der Spinnrotoren führen dazu, daß trotz einer exakten Steuerung durch das Programm Ansetzer unterschiedlicher Qualitäten erhalten werden. In gewissen Grenzen sind diese Qualitätsunterschiede bedeutungslos, jedoch kann es vorkommen, daß Ansetzer erhalten werden, die den gestellten Anforderungen nicht mehr genügen.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Verfahren der eingangs genannten Art so weiterzubilden, daß gleichmäßigere Fadenansetzer gewährleistet werden, wobei alle bekannten Vorteile dieses Verfahrens erhalten bleiben.
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Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß das Anlaufverhalten des wieder an den Antrieb angeschlossenen Spinnrotors des betreffenden Spinnaggregates überwacht wird, und daß der Start des Programms in Abhängigkeit von diesem Anlaufverhalten ausgelöst wird.
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Durch diese Ausbildung wird mit höherer Genauigkeit erreicht, daß das eigentliche Anspinnen bei möglichst immer der gleichen Rotordrehzahl durchgeführt wird, insbesondere das Ansetzen des Fadenendes an den im Spinnrotor abgelegten Faserring. Dabei wird vorgesehen, daß das unterschiedliche Anlaufverhalten der Spinnrotoren nicht etwa beseitigt wird, sondern daß es vielmehr erfaßt und davon abgeleitet die einzelnen Schritte des Anspinnvorgangs durchgeführt werden.
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In Ausgestaltung der Erfindung sind mehrere Programme mit unterschiedlichen aber fest zueinander zugeordneten Zeitabschnitten für die einzelnen Verfahrensschritte vorgesehen, deren Start und Auswahl abhängig von dem Anlaufverhalten des Spinnrotors erfolgt, wobei das Anlaufverhalten durch Messen von Zeitabschnitten zwischen dem Erreichen von wenigstens zwei charakteristischen Drehzahlen des Spinnrotors erfaßt wird.
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Durch diese Ausgestaltung lassen sich in gewissen Umfang auch noch die Umstände berücksichtigen, die zu unterschiedlichem Anlaufverhalten nach dem ersten Anlaufen des Spinnrotors führen.
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In weiterer Ausgestaltung der Erfindung wird vorgesehen, daß die einzelnen Verfahrensschritte des Programms mit dem Erreichen vorgegebener und ihnen jeweils zugeordneter Drehzahlen des Spinnrotors ausgelöst werden. Bei dieser Ausgestaltung werden die Startzeitpunkte aller Verfahrensschritte unmittelbar auf das jeweils vorhandene Anlaufverhalten des Spinnrotors des betreffenden Spinnaggregates zurückgeführt, so daß die Auswirkungen von Unregelmäßigkeiten im Anlaufverhalten auf den Fadenansetzer praktisch vollständig ausgeschlossen werden können.
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Durch den Stand der Technik (CH-PS 5 31 060) war es bekannt, die Spinnrotoren einer Vielzahl von Spinnaggregaten jeweils mit eigenen Gleichstrommotoren anzutreiben, die über eine Steuerelektronik derart gesteuert werden, daß alle Spinnrotoren im Normalbetrieb mit gleicher Drehzahl umlaufen. Nach einem Stillsetzen eines Spinnrotors wird der Steuerelektronik dieses Antriebmotors sofort die volle, durch einen Tachogenerator erzeugte Spannung zugeführt, so daß der Spinnrotor innerhalb kürzester Zeit auf die volle Drehzahl gelangen soll. Selbst wenn durch die Steuerelektroniken das Anlaufverhalten der einzelnen Spinnrotoren verbessert werden sollte, so wird jedoch nicht vorgesehen, daß während dieses Anlaufverhaltens irgendein anderer Arbeitsgang und insbesondere ein Anspinnen durchgeführt wird. Durch den Stand der Technik (DE-OS 21 30 669) war es auch bekannt, für die Spinnrotoren der einzelnen Spinnaggregate individuelle Antriebsmotoren vorzusehen, die in Abhängigkeit von der Drehzahl des Hauptantriebsmotors angetrieben werden.
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In der nachfolgenden Beschreibung wird das erfindungsgemäße Verfahren anhand von Vorrichtungen und Diagrammen näher erläutert.
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Fig. 1 zeigt das Hochlaufverhalten von Spinnrotoren in einem Diagramm,
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Fig. 2 ein Spinnaggregat mit einer ihm zugeordneten Anspinneinrichtung,
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Fig. 3 eine Einzelheit der Fig. 2,
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Fig. 4 ein Diagramm ähnlich Fig. 1 und
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Fig. 5 eine Einzelheit einer Anspinneinrichtung und eines Offenend-Spinnaggregates.
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In Fig. 1 ist als Kurve K die Drehzahl n eines Spinnrotors über der Zeit T während eines Anlaufvorganges aufgetragen. Der aus dem Stillstand anlaufende Spinnrotor erreicht in dem Zeitpunkt T H die Betriebsdrehzahl n B . Es hat sich gezeigt, daß ein Drehzahlbereich besteht, in welchem ein Anspinnen am sichersten durchgeführt werden kann. Es sei angenommen, daß der Punkt A auf der Anlaufkurve K einen optimalen Anspinnzeitpunkt definiert, dem die Anspinnzeit T A und die Anspinndrehzahl n A zugeordnet sind. Die Anspinndrehzahl n A liegt deutlich unterhalb der Betriebsdrehzahl n B .
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Wird zu einem Zeitpunkt T x die Bremse des Spinnrotors gelöst (Verfahrensschritt x), so beginnt nach einem Zeitabschnitt t 0, in einem Zeitpunkt T 0 der eigentliche Hochlauf des Spinnrotors (Anlaufkurve K). In Fig. 1 ist eine weitere strichpunktiert dargestellte Kurve 1 eines weiteren Spinnrotors eingezeichnet, von dem angenommen wird, daß sein eigentlicher Hochlauf erst nach einem Zeitabschnitt t 1 zu einem Zeitpunkt T 1 beginnt. Dieser Kurve 1 ist dann ein Anspinnpunkt A 1 zugeordnet, welcher, wenn er zu der gleichen Rotordrehzahl n A wie bei der Kurve K erfolgen soll, deutlich nach dem Zeitpunkt T A liegt. Dabei wird angenommen, daß die beiden Anlaufkurven K und 1 selbst gleich sind, d. h. daß die Unterschiede von Elementen verursacht werden, die vor dem eigentlichen Anlaufen der Spinnrotoren bewegt werden müssen.
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Um den Einfluß der Unterschiede zwischen den Zeitabschnitten t 0 und t 1 auf die Anspinnvorgänge auszugleichen, wird der Anspinnzeitpunkt T A bzw. T A 1 von einer bestimmten Rotordrehzahl gemessen, die im Folgenden als Startdrehzahl n S bezeichnet wird. Dieser Startdrehzahl n S sind Startpunkte S bzw. S 1 auf den jeweiligen Hochlaufkurven K und 1 zugeordnet, unter der in der Praxis weitgehend zulässigen Voraussetzung, daß ab den Startpunkten S bzw. S 1 der Verlauf der Anlaufkurven K und 1 weitgehend identisch sind. Aus diesem Grunde wird das eigentliche automatische Programm erst dann gestartet, wenn der jeweilige Spinnrotor bereits die vorgegebene Startdrehzahl n S erreicht hat. Jeder einzelnen Hochlaufkurve ist also ein Startzeitabschnitt zugeordnet, beispielsweise der Kurve K der Zeitabschnitt t s und der Kurve 1 der Zeitabschnitt t S 1. Von den zugeordneten Zeitpunkten T S bzw. T S 1 läuft das jeweilige Anspinnprogramm ab, wie es beispielsweise die kleinen Buchstaben s, a, b, c, d, e, f einerseits oder s 1, a 1, b 1, c 1, d 1, e 1 und f 1 andererseits symbolisieren, zu denen die einzelnen Verfahrensschritte während des Anspinnens gestartet werden, was beispielsweise von einem Zeitschaltwerk gesteuert werden kann.
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Man erkennt, daß das Startprogramm der Kurve K beim Punkte s beginnt, während das Startprogramm der Kurve 1 beim Punkte s 1 beginnt. Es sei noch angemerkt, daß die einzelnen Zeitabschnitte zwischen den Punkten s, a, b usw. einerseits sowie s 1, a 1, b 1 usw. andererseits gleich sind, nur daß eben der Beginn dieses Programms zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt erfolgt. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß an jedem einzelnen Spinnaggregat weitgehend bei der gleichen Anspinndrehzahl n A angesponnen wird.
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Mit der Anspinneinrichtung nach Fig. 2 läßt sich das erfindungsgemäße Anlaufverhalten an einem Offenend-Spinnaggregat 4 verwirklichen. Bei der dargestellten Ausführungsform ist eine Anspinneinrichtung 2 vorgesehen, die auf Schienen 3 entlang einer Offenend-Spinnmaschine verfahrbar ist, von der ein Spinnaggregat 4 im Schnitt schematisch gezeichnet ist. In einer Unterdruckkammer 5 läuft ein Spinnrotor 6, dessen Schaft 7 in einem dahinterliegenden Gehäuse 8 in Lagern 9 gelagert ist.
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Der Schaft 7 wird mit einem Tangentialriemen 10 angetrieben, dessen unteres Trum im Betriebszustand von einer Andrückrolle 11 gegen den Schaft 7 gedrückt wird, während sein oberes Trum auf der Andrückrolle 11 zurückläuft. Im dargestellten Bremszustand ist die Andrückrolle 11 mit dem unteren Trum des Tangentialriemens 10 vom Schaft 7 abgehoben, der mit einer Bremse 12 abgebremst ist. Für die Bremse 12 ist eine Betätigungsstange 13 vorgesehen, die mit einer Abhebeeinrichtung 14 für die Andrückrolle 11 gekoppelt ist. Die Betätigungsstange 13 der Bremse 12 ist durch einen Doppelhebel 15 verstellbar, der um eine Achse 16 verschwenkbar gelagert ist. An dem Doppelhebel 15 greift eine Zugfeder 17 an, die ihn in seine den Rotorschaft 7 freigebende Stellung zieht. Der Doppelhebel 15 ragt mit seinem freien Arm 18 aus dem Spinnaggregat 4 nach außen vor.
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Dem Spinnrotor 6 werden Fasern in aufgelöstem Zustand zugeführt. Hierzu wird ein nicht dargestelltes Faserband von einer Zuführwalze 19 ergriffen und zu einer Auflösewalze 20 gefördert, von der die aufgelösten Fasern zum Spinnrotor 6 gelangen. Die Zuführwalze 19 ist über eine Welle 21 und ein Zahnrad 22 an einen in Maschinenlängsrichtung verlaufenden Zahnriemen 23 angeschlossen. Die Verbindung zwischen dem Zahnrad 22 und der Zuführwalze 19 kann durch eine die Welle 21 unterteilende elektromagnetische Schaltkupplung 24 unterbrochen werden. Die Schaltkupplung 24 ist elektrisch mit einem Schalter 25 eines Fadenwächters 26 verbunden, der die Kupplung 24 bei Vorliegen eines Fadenbruches abschaltet.
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Die nur schematisch dargestellte Anspinneinrichtung 2 nimmt von einer Aufwickelspule 27, die mittels eines Hebels 29 um die maschinenfeste Achse 28 schwenkbar ist, ein Fadenende 30 ab und führt es zum Anspinnen über einen Garnabzugskanal 31 in den Spinnrotor 6 zurück, in welchem es an einen Faserring 32 angesetzt wird. Das Zurückführen erfolgt über Hilfsabzugswalzen 34 und 33 der Anspinneinrichtung 2, von denen wenigstens die Walze 33 in beiden Drehrichtungen antreibbar ist. Die Walze 33 ist über einen Kettentrieb 36 mit einer Anheberolle 35 für die Wickelspule 27 gekoppelt. Das Fadenende 30 wird durch den in der Unterdruckkammer 5 herrschenden Saugdruck in den Spinnrotor 6 hineingesaugt. Die Drehrichtungsumkehr der Hilfsabzugswalze 33 wird durch einen Fadenspannungsfühler 37 der Anspinneinrichtung 2 gesteuert, wonach der Faden wieder abgezogen und anschließend wieder an den von den Abzugswalzen 55 und 56 bzw. der Wickelwalze 57 bewirkten Antrieb übergeben wird. Das das Anspinnen steuernde Programm kann noch zusätzlich so ausgelegt werden, daß es auch das Wiederabziehen des Fadens beeinflußt, indem beispielsweise vorgesehen wird, daß die Drehrichtungsumkehr erst erfolgen kann, wenn eine bestimmte Fadenspannung an dem Fadenspannungsfühler 37 festgestellt wird und eine bestimmte Fadendrehzahl bzw. ein entsprechender Zeitpunkt nach dem Start erreicht ist.
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Um das Anspinnen bei einer gegenüber der Betriebsdrehzahl n B verminderten Rotordrehzahl n zu ermöglichen, wird es bei dem Anlaufen des Spinnrotors 6 durchgeführt. Hierzu ist die Anspinneinrichtung 2 mit einem Einschalthebel 38 versehen, der dem freien Hebelarm 18 des Doppelhebels 15 der Bremse 12 gegenüberliegt, wenn die Anspinneinrichtung 2 genau auf das betreffende Spinnaggregat 4 ausgerichtet ist. Mit dem Loslassen des freien Arms 18 der Bremse 12, was auch automatisch gesteuert werden kann, wird der Einschalthebel 38 betätigt, der seinerseits einen Startschalter 39 betätigt. Der ein Programm für die einzelnen aufeinander folgenden und zum Teil gleichzeitig durchzuführenden Verfahrensschritte des Anspinnvorgangs enthaltende Startschalter 39 ist mit einem Steuergerät 40 gekoppelt, welches mit einem Abtastgerät 41 verbunden ist. Letzteres ist auf einen Impulsgeber 42 der Spinnstelle 4 ausgerichtet, wobei dieser Impulsgeber 42 mit einer Meßsonde 43 elektrisch verbunden ist, welche dem Rotorschaft 7 zugeordnet ist und berührungslos die Startdrehzahl n S mißt. Erst ab diesem Startzeitpunkt T S läßt der Startschalter 39 der Anspinneinrichtung 2 das eigentliche automatische Programm ablaufen. Auf diese Weise werden trägheits- und reibungsabhängige Verzögerungen berücksichtigt.
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Der Startschalter 39 ist zum einen an einen Antriebsmotor der Hilfsabzugswalzen 33, 34 und andererseits mit einem Hilfsantrieb verbunden, durch den die Zuführwalze 19 so angetrieben wird, daß ihr Anlaufverhalten und damit der Zeitpunkt und/oder die Menge der Zuspeisung von Faserband in Relation zu der Rotordrehzahl n regulierbar ist.
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Bei der dargestellten Ausführungsform enthält der Hilfsantrieb der Anspinneinrichtung 2 einen elektrischen Regelmotor 44, dessen Hochlaufverhalten über ein Regelorgan 45 einstellbar ist. Hierzu kann ein Schleifringläufermotor mit einer geeigneten Widerstandsanfahrschaltung oder ein sanft anlaufender regelbarer Gleichstrommotor vorgesehen werden. Der Regelmotor 44 treibt eine Welle 46 an, die mit einem Treibrad 47 verbunden ist. Die Verbindung zwischen der Welle 46 und dem Treibrad 47 erfolgt über eine Stellvorrichtung 48, durch die das Treibrad 47 in axialer Richtung verschiebbar ist. Dem Treibrad 47 liegt ein Gegenrad 49 gegenüber, das drehfest mit der Zuführwalze 19 verbunden und von außen zugänglich ist. Zwischen dem Treibrad 47 und dem Gegenrad 49 kann eine Zahn- oder eine Reibungskupplung vorgesehen werden.
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Da während des Anspinnvorganges der Antrieb der Faserbandzuspeisung über den Hilfsantrieb der Anspinneinrichtung 2 erfolgt, muß der Hauptantrieb der Faserbandzuspeisung in dieser Zeit abgeschaltet bleiben, wobei die Schaltkupplung 24 in ihrer geöffneten Stellung verbleibt. Dies kann beispielsweise über ein elektrisches Zeitschaltglied gesteuert werden, welches die Kupplung 24 erst mit einer Verzögerung schließt, auch wenn der Fadenwächter 26 wieder in seine Betriebsstellung gebracht worden ist, was bei der dargestellten Ausführungsform durch eine Fadenklemme 50 der Anspinneinrichtung 2 erfolgt, die das Fadenende 30 der Mündung des Garnabzugskanals 31 darbietet. Bei der dargestellten Ausführungsform wird mit Hilfe einer zusätzlichen Schalteinrichtung der Anspinneinrichtung 2 sichergestellt, daß die Kupplung 24 geöffnet bleibt, so daß auch hier der Aufwand für die einzelnen Spinnaggregate 4 gering bleibt. Der Schalter 25 des Fadenwächters 26 wird hierzu als Doppelschalter ausgebildet, der zusätzlich über einen Drücker 51 so schaltbar ist, daß die Kupplung 24 geöffnet bleibt. Das Umschalten des Drückers 51 erfolgt über einen ihm zugeordneten Hebel 52 der Ansprinneinrichtung 2, der mit Hilfe eines elektrischen Servogliedes geschaltet wird. Dieses Servoglied und damit der Hebel 52 können elektrisch mit der Fadenklemme 50 gekoppelt sein, so daß ein Verschwenken des Fadenwächters 26 mit Hilfe der Fadenklemme 50 in die Betriebsstellung ein Betätigen des Drückes 51 zur Folge hat, so daß die Kupplung 24 geöffnet bleibt. Nach dem Anspinnen wird die Schaltkupplung 24 geschlossen, so daß der Hauptantrieb der Faserbandzuspeisung in Gang gesetzt ist. Um eine gegenseitige Beschädigung des Hilfsantriebes und des Hauptantriebes zu vermeiden, ist in dem Hilfsantrieb ein Freilauf 53 eingebaut. Damit wird sichergestellt, daß sich keine Ungleichmäßigkeit bei dem Übergang der Faserbandzuspeisung von dem Hilfsantrieb zum Hauptantrieb ergibt.
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In Fig. 3 ist schematisch dargestellt, wie beispielsweise eine berührungslose Drehzahlmessung der Startdrehzahl n S und damit indirekt des Startzeitpunktes T S verwirktlicht werden kann. Der Rotorschaft 7 ist zu diesem Zwecke im Bereich der Meßsonde 43 (siehe Fig. 2) mit Aussparungen 58 bzw. 59 versehen, welche beim Rotieren des Rotorschaftes 7 jeweils nacheinander in bestimmten Intervallen an der Meßstelle 60 der Meßsonde 43 vorbeilaufen. Über eine Wicklung 61 werden somit Impulse abgegeben, je nach der Häufigkeit des Vorbeilaufens der Aussparungen 58, 59 des Rotorschaftes 7. Die Klemmen 62, 63 können in irgendeiner beliebigen Weise mit dem Impulsgeber 42 gekoppelt sein, der von dem Abtastgerät 41 der Anspinneinrichtung 2 abgetastet wird. Dieses Abtastgerät 41 ist, wie vorbeschrieben, mit dem Startschalter 39 verbunden, so daß das eigentliche automatische Anspinnprogramm erst dann anzulaufen beginnt, wenn der Spinnrotor 6 eine bestimmte, unterhalb der Anspinndrehzahl K A liegende Drehzahl erreicht hat.
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Die Fig. 4 zeigt ebenfalls eine Hochlaufkurve K des Spinnrotors 6, in der die Rotordrehzahl n über der Zeit T aufgetragen ist. Zu einem Zeitpunkt T H gemessen vom Zeitpunkt T x des Lösens der Rotorbremse 12 an, erreicht der Spinnrotor 6 die Betriebsdrehzahl n B . Es sei auch hier wiederum angenommen, daß das Anspinnen in einem Anspinnpunkt A zu einer Zeit T A bei einer Anspinndrehzahl n A erfolgt. Bedingt durch die vorbeschriebenen Trägheitskräfte, beginnt der eigentliche Hochlauf des Spinnrotors 6 erst zu einem Zeitpunkt T 0, wobei mit t 0 die variable toleranzbedingte unterschiedliche Zeitspanne symbolisiert ist. In diesem Fall werden zwei Punkte der Hochlaufkurve K über die zugehörige Drehzahl gemessen, und zwar der Punkt S und der Punkt Z. Der Punkt S entspricht der Startdrehzahl n S (Zeitpunkt T S ) der Fig. 1, während die Drehzahl n Z (Zeitpunkt T Z ) eine zweite Kontrolldrehzahl charakterisiert. Der Punkt Z kann oberhalb oder auch unterhalb des Startpunktes S liegen. Die Fig. 4 zeigt weiter, daß der Startpunkt S bereits bei einer sehr niedrigen Rotordrehzahl n S liegen kann und beispielsweise schon zu einem Zeitpunkt, bei dem der Spinnrotor 6 sich erst zu drehen beginnt. Dies gilt sinngemäß natürlich auch für die Darstellung der Fig. 1.
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Das Messen von zwei oder mehreren Punkten entsprechend den Punkten S und Z der Hochlaufkurve K hat den Vorteil, daß auch der Verlauf der Anlaufkurve K erfaßt werden kann, so daß auch die durch Unterschiede in dieser Kurve bedingten Auswirkungen eliminiert werden können. Hierzu kann beispielsweise vorgesehen werden, daß die Anspinneinrichtung 2 mehrere Programme enthält, die unterschiedlichen Verläufen der Anlaufkurve K entsprechen. Der Start des Programmes und gleichzeitig die Auswahl der geeigneten Anlaufkurve erfolgt dann abhängig von dem Verlauf der Anlaufkurve, der über das Messen charakteristischer Drehzahlen (n S , n Z ) und der dafür benötigten Zeitabschnitte (t Z ) erfaßt und ausgewertet wird.
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Wie aus Fig. 1 zu ersehen ist, sind auch die Zeitpunkten a, b, c . . ., die den Startzeitpunkten der einzelnen Verfahrensschritte entsprechen, charakteristische Drehzahlen auf der Hochlaufkurve K des Spinnrotors 6 zugeordnet. Um Unterschiede in dem Verlauf der einzelnen Hochlaufkurven K zu eliminieren, kann deshalb ferner vorgesehen werden, daß die für diese Zeitpunkte charakteristischen Drehzahlen des Spinnrotors 6 ebenfalls gemessen und als Startsignal für das Auslösen des betreffenden Verfahrensschrittes ausgenutzt werden. Beispielsweise könnte eine Nockenwalze vorgesehen werden, die die einzelnen Programmschritte auslöst und die schrittweise von Impulsen der Drehzahlmessung vorgeschaltet wird, wobei die Impulse den vorgegebenen zugehörigen Drehzahlen entsprechen. Dieses Weiterschalten würde bei einer Ausführungsform nach Fig. 1 dagegen beispielsweise von einem Zeitschaltwerk durchgeführt.
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Die Fig. 5 zeigt schematisch eine Ausführungsform, bei der der Schaft 7 des Spinnrotors 6 im Keilspalt von zwei Stützrollenpaaren 64 gelagert ist. Die Achsen 65 der Stützrollenpaare 64 können in Lagern 66 gehalten sein. Mindestens eine der Stützrollen 64 weist eine Markierung 67 auf, die durch eine an jedem Spinnaggregat 4 angeordnete Meßsonde 43 beim Hochlauf des Spinnrotors 6 berührungslos erfaßt werden kann. Insbesondere bei diesem Ausführungsbeispiel wird ersichtlich, daß bereits das Anlaufen der Stützrollen 64, also die allererste Umdrehung, registriert werden kann. Von der Meßsonde 43 werden die Impulse zu einem an dem Verdeck des Spinnaggregates 4 angeordneten Impulsgeber 42 weitergeleitet, von wo diese Impulse durch ein an der verfahrbaren Anspinneinrichtung 2 angeordnetes Abtastgerät 41 empfangen und in vorbeschriebener Weise an das Gerät 40 weitergeleitet werden, von wo der Startschalter 39 für das Anspinnprogramm betätigt wird.
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Es ist auch möglich, die Ausführung der Fig. 5 dahingehend abzuwandeln, daß die Meßsonde 43 nicht an jedem Spinnaggregat 4, sondern direkt an der verfahrbaren Anspinneinrichtung 2 angebracht wird. Das Verdeck der einzelnen Spinnaggregate 4 müßte dann Aussparungen aufweisen, durch welche die jeweilige Meßsonde 43 der Anspinneinrichtung 2 zu der betreffenden Stützrolle 64 geführt werden kann.