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Mittel zur Behebung von physiologischen Störungen
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bei Milchkühen Die Erfindung betrifft ein Mittel zur Behebung von
physiologischen Störungen, insbesondere von Störungen der Milchleistung, des Stoffwechsels
und der Fruchtbarkeit bei Milchkühen in der Puerperalphase.
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Der Mensch hat mit seinem Bestreben, durch Zuchtauswahl und Verabreichung
von Kraftfutter zu immer höheren Milchleistungen bet Kühen zu gelangen, stark in
den phystologtschen Haushalt dieser Tiere eingegriffen. Es ist dadurch zwar gelungen,
die Milchleistungen pro Tier ganz beträchtlich zu steigern. Es zeigt sich jedoch
in letzter Zeit verstärkt, daß bei Hochleistungskühen mit mehr als 25 kg Tagesmilchleistung
etne Grenze erreicht ist und Steigerungen darüber hinaus eine Vielzahl von schädlichen
Folgen nach sich ziehen, die diesen erheblichen Eingriff des Menschen in die Physiologie
des Tieres, die an stch lediglich auf die Ernährung und Auftucht des Kalbes gerichtet
ist, tn Frage stellt.
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Wenn auch dle Zusammenhänge und Auswtrkungen des Strebens nach immer
höherer Milchleistung noch ntcht restlos abgeklärt sind, so weiß man tnzwtschen
jedoch mit einiger Sicherheit, daß bei solchen auf Hochleistung beanspruchten Tieren,
ganz besonders in der Puerperalphase, darunter wtrd dte Zeit bis ca. 10 Wochen nach
der Geburt bzw. etnsetzender Lactration verstanden, nachstehende schädliche Folgen
häufig auftreten: 1. Die Tiere magern in erschreckender Weise ab und können innerhalb
von 30 Tagen bis zu 50 kg und mehr an Gewtcht verlieren.
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2. Der Eiweißgehalt der Milch, der etwa bel 35 g pro Liter liegt,
nimmt bis zu 15 % ab.
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3. Die Tiere erreichen thre Letstungsspttze mit ganz erheblicher Verzögerung,
d.h. ihre Lactationskurve verläuft flach. In der Endauswirkung macht das bis zu
30 % der innerhalb einer Lactationsperiode möglichen Milchleistung aus.
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4. Erschwerend kommt hinzu, daß bet solchen Hochletstungskühen sich
Störungen der Sexualfunktionen und damit Fruchtbarkeitsstörungen ergeben, sodaß
sie häufig in der Milchleistung für etne ganze Fruchtbarkettsperlode ausfallen.
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5. Ste sind darüberhinaus wesentlich entfälliger gegen Erkrankungen,
tnsbesondere der Gebärmutter und der Eierstücke.
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Die Folge all dieser negativen Erschetnungen ist etne erhöhte Abschlachtrate
und letztlich etne wesentlich ntedrtgare Durchschittmilchleistung, wenn man alle
Tiere eines Bestandes in dtese Bllanz einbezieht.
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Eine der wesentlichen Ursachen für diese negativen Folgen der auf
immer höhere Milchleistungen gehenden Bestrebungen
wird darin gesehen,
daß dle auf Hoch leistung beanspruchte Mllchkuh in der Puerperalphase an stch wegen
der phystologtschen Umstellung und tm Hinblick auf die hohe Milchleistung einen
erhöhten Energlebedarf hat. Aufgrund puerperalbedingter Pansenstörungen und pH-Wert-Veränderungen
ist die Kuh jedoch häufig nicht in der Lage, die zur Erbringung entsprechender Leistungen
nötige Kraftfuttermenge aufzunehmen.
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Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, die In der Puerperalphase
auftretenden Störungen und die Beetnträchtigung der Milchleistung in qualitativer
und quantitativer Hinsicht zu vermeiden.
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Überraschenderweise wurde jetzt ein Mittel zur Behebung von physiologischen
Störungen, Insbesondere von Störungen der Milchleistung, des Stoffwechsels und der
Fruchtbarkeit bei Milchkühen in der Puerperalphase gefunden, das durch ein Ergänzungsfutter
gekennzetchnet ist, das pro Tag und Tier 150 bis 600 g Rohprotein enthält und bei
dem die Elwetßverbtndungen gegen den vorzeitigen Abbau im Pansen geschützt stnd.
Bevorzugt liegt die erforderlichte Tagesratton an Rohprotein In dem Ergänzungsfutter
bei 200 bis 350 g. Als optimal hat sich eine Menge von ca. 300 g bewährt.
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Wenn auch noch ntcht tm etnzelnen abgeklärt ist, worauf die verblüffende
Wirkung des erfindungsgemäßen Mittels beruht, so liegt wahrscheinlich etne Erklärung
in Folgen dem: Bekanntlich gelangen nur ca. 30 % des mit dem Futter aufgenommenen
Proteins direkt in den Darm. 70 % werden von den Pansenbakterten fermentiert und
zu Baktertenetwelß umgewandelt, das als solches einen ganz erheblichen Anteil an
der Eiweißversorgung des Wiederkäuers hat. Für diesen Ab- und Umbau des mit dem
Futter aufgenommenen
Proteins benötigen die Pansenbakterien jedoch
ganz erhebliche Energiemengen, die ste aus dem Futter, Insbesondere den darln enthaltenen
Kohlenhydratverbindungen decken. Nach einer Faustregel werden für die Bildung von
100 g Bakterlenproteln ca. 1000 Stärkeeinheiten benötigt.
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In der Puerperalphase wird aber physiologisch bedtngt weniger Futter
aufgenommen, so daß sich ein ganz erheblicher Eiweiß-Fehlbedarf ergibt, wenn von
der Kuh überdurchschnittliche Milchleistungen erzwungen werden. Wollte man diesen
erhöhten Eiweißbedarf durch zusätzliche Futtergaben decken, dann müßte das Angebot
an Futterproteln wegen des oben aufgezeigten Verhältnisses von 30 zu 70 % dreimal
so hoch sein. Bei etnem Fahlbedarf von betsptelswetse 250 g verfügbarem Eiweiß mußten
so bei spielsweise 750 g Rohprotetn mit dem Futter zugeführt werden. Selbst durch
die Gabe von besonders etwetßretchem Futter, läßt sich dleses Problem nicht lösen,
weil dafür wieder die erforderelichen Kohlenhydrate fehlen.
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Hinzu kommt, daß die dretfache Menge an Futterprotein zu einer verstärkten
Fermentation und damit zu elner erhöhten Ammmoniakbildung im Pansen führt. Diese
Amoniakmenge wird infolge des geschilderten Energiemangels Jedoch nicht zu Bakterienprotein
umgewandelt, sondern muß zusätzlich in der Leber entgiftet und über die Nieren mit
dem Harn ausgeschieden werden was zu elner zusãtzllchen Belastung der Leber- und
Nterenfunktton und sekundär zu Fruchtbarkettsstörungen führt.
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Durch den Trtck tm Sinne der Erfindung ein Ergänzungsfutter zu verabreichen,
bei dem dle Elwelßverbindungen gegen den vorzeitigen Abbau im Pansen geschützt sind,
wird die Natur und werden die Pansenbakterien überlastet und das zusätzlich gefütterte
Rohproteln gelangt fast vollständig in den Darm, der in dteser Phase durch die höhe
angestrebte Milchleistung sehr hohe Eiweißbedarf wird gedeckt und es kommt nicht
zu den Etwelßverlusten, die sonst zwangsläufig im Pansen auftreten.
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Der Vorteil des erfindungsgemäßen Mittels Itegt kurz zusammengefaßt
darin, daß mit verhältnismäßig niedrigen Gaben geschützten Eiweißes ein Abmagern
der Tiere verhindert wird, der Etwetßgehalt der Milch und auch die Milchleistung
selbst nicht zurückgeht. Dem kommt deshalb ganz besondere Bedeutung
zu,
well sich immer mehr die Erkenntnis durchsetzt, daß die Güte von Milch ntcht nur
von ihrem Fettgehalt, sondern ganz besonders stark von ihrem Eiweißgehalt abhängt.
Aus diesem für dle menschliche Ernährung und dle Schließung der Eiweißlücke so wichtigem
Grund wird auch der für Milch gezahlte Preis in zunehmendem Maße mit nach dem Eiweißgehalt
festgelegt. Durch die Verwendung geschützter Protelne tn dem MIttel nach der Erfindung
werden aber auch dle Fruchtbarkeitsstörungen und anderweitigen Erkrankungen bei
Hochleistungsmilchkühen weitgehend vermieden, da weder wie bisher ein Elwetßmangel
auftritt, noch durch verstarkte Fermentation und Ammoniakwirkung im Pansen die Leber
übermäßig belastet und die gesamte Harnstoffausscheidung im Mitleidenschaft gezogen
wird.
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Vorteilhaft enthält das Ergänzungsfutter zusätzlich 10 bis 30 Gewichtsprozent
Mtneralstoffmtschung, bezogen auf das Rohprotetn. Das hat den Vortell, daß damit
dte gesamte N8hrstoffversorgung, der in der Puerperalphase besondere Bedeutung zukommt,
optimal tst. Außerdem nehmen die Tiere das Ergänzungsfutter freudtger an, weil es
dadurch tn geschmacklicher Hinsicht verbessert ist. Bevorzugt sind um die 20 Gewichtsprozent
Mineralstoffmischung. Mineralstoffmischungen dieser Art stnd an sich vorbekannt,
so daß auf deren Zusammensetzung tm etnzelnen nicht eingegangen werden muß.
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Vorzugsweise ist das Mittel nach der Erfindung zusätzlich dadurch
gekennzelchnet, daß das Ergänzungsfutter mit Viteminen angeretchert Ist, ganz bevorzugt
mit Vitaminen des B-Komplexes. Durch den oben aufgezeigten Energiemangel und die
damit verbundene Reduzierung der Bakterienproteinblidung sinkt gleichzeitig dte
bakterlelle Synthese von B-Vltaminen und damit dte Vltamtn-B-Versorgung des Wiederkäuers,
die ebenfalls für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit, der Gesundheit und Fruchtbarkett
von großer Bedeutung tst.
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Dem Ergänzungsfutter sind zweckmäßig diese zusätzlichen Bestandtetle,
zu denen In bekannter Wetse noch Spurenelemente htnzukommen, als Mineralstoff-,
Spurenelement-, Vltamin-Vormischung beigefügt, so daß das Mittel nach der Erfindung
alle notwendigen Bestandteile enthält - und zwar in der optimalen Abstimmung aufeinander.
Das hat für den Tterhalter den ganz erheblichen Vortetl, daß er nur jeweils etn
Mtttel zusätzlich füttern muß und Dosierungsfehler der einzelnen Bestandtetle zueinander
weltgehend ausgeschlossen sind.
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Ganz besondere Bedeutung kommt bel dem Mittel gemäß der Erftndung
natürlich den erfindungswesentlichen, vor dem Abbau im Pansen geschützten Etwelßverbtndungen
zu. Es sind beretts einige Verfahren vorbekannt, um Elwetßverblndungen vor dem vorzeitigen
Abbau tm Pansen zu schützen und damit dle Eiweißversorgung, Insbesondere bet der
Rtndermast, zu verbessern.
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so hat man beispielsweise versucht, die Eiweißbestandteile in eiweißhlatigen
Futtermitteln wie Fischmehl und Sojaschrot durch Umsetzung mit gerbenden Substanzen
wie Tapsin vor dem Zugriff der Pansenbakterlen zu schützen oder ste chemisch abzuwandeln.
Wenn auch diese so geschützten Eiweißverbindung prinzipiell für das Mittel nach
der Erfindung geeignet sind, so sind ganz bevorzugt geeignet solche Elwetßverbindungen,
die durch Umsetzung mit kurzkettigen aliphatischen Aldehyden in Gegenwart von inerten,
anorganischen Substanzen, Insbesondere kolloidaler Kiesessäure, durch eine Oberflächenschicht
geschützt sind. Der besondere Vorteil der so geschützten Elwetßverbindungen, wte
sle in der älteren deutschen Patentanmeldung P 24 51 509.1 beschrieben sind, besteht
darin, daß dle so geschützten Eiweißpartikel im Pansen nicht desaminlert werden,
sondern unabgebaut den Labmagen und Darm erreichen und dort fermentativ abgebaut
und resorbiert werden. Da dte überwiegende Menge der Proteine durch dle Oberflächenschicht
zwar geschützt, aber in threr chemischen Struktur nicht verändert ist, steht sie
andererseits für den fermentativen Abbau und die Resorption unbeetnträchtigt zur
Verfügung.
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Als Ausgangsmatertal für die Herstellung der erftndungsgemäß in dem
Mittel verwendeten Eiweißverbindungen kommen die üblicherweise verwendeten Eiweißquellen
in Betracht wie beispielsweise Sojaschrot, Fischmeh und besonders auch Alkanhefen.
Bevorzugt werden zwei oder alle drei Elwetßarten im Gemisch angewendet und so die
Versorgung mit den verschiedenen Eiweißerten und den entsprechenden Aminosäuren
optimal gestaltet. Außerdem nehmen die Kühe ein solches Gemisch leber an als beispielsweise
Fischmehl alletn. Dtese Ausgangsmaterialien unterscheiden stch natürlich etwas in
ihrem Rohproteingehalt, worauf bei der Bemessung der elnzelnen Bestandteile geachtet
werden muß.
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So enthält SoJaschrot ca. 420 - 500 g Rohprotein in 1000 g, Ftschmehl
ca. 700 g n " 11 Alkanhefe ca. 600 g " " " " Diese Eiweißverbindungen werden in
die bevorzugt geeignete oberflächengeschützte Form übergeführt, indem sie mit 30
bis 50 Gewichtsprozent inertem anorganischem Material, insbesondere kolloldaler
Kieselsäure und Lösungen ntedrtgkettiger alIphatischer Aldehyde, Insbesondere 70
bis 50 Gewichtsprozent 30 bis 40%iger Formladehydlösung über einen Zeitraum von
10 bis 30 Minuten behandelt werden.
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Nachfolgend wird die Erfindung an Hand von zwei bevorzugt geeignete
Rezepturen für ein Mittel zur Behebung von Störungen der Milchleistung, des Stoffwechsels
und der Fruchtbarkeit bei Milchkühen näher beschrieben. Die Eiweißverbindungen sind
dabei Jeweils auf dte oben beschriebene Art und Welse vor Desaminlerung im Pansen
geschützt.
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Von dlesen Gemischen werden jeweils 600 bis 1000 g pro Tag und Tier
auf die Dauer von 6 bis 10 Wochen post partum verabreicht was einem Angebot von
etwa 280 bis 480 g an Rohprotein entspricht.
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Rezeptur 1: 720 kg Sojafeinmehl 50 %ig 140 kg Ftschmehl 70 %ig
Je 100 kg Eiweißgemisch 20 Minuten behandelt mit 10 kg eines Gemisches aus 40 Gew.%
amorpher Kieselsäure u.
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60 Gew.% Formaldehydlösung (30 %ig).
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50 kg Na-Mg-Ca-Phosphat (Handelsmarke Hostaphos) 30 kg Calciumcarbonat
10 kg Magnesiumoxid 20 kg Quellstärke 20 kg Spurenelement-Vitamin-Vormischung Gehalt
je kg: 480 g Rohprotetn 600 g Gesamtnährstoff 20,8 g Calcium 17,3 g Phosphor 10,0
g Magneslum 14,0 g Natrium 496 mg Zink 200 mg Mangan 180 mg Kupfer 2 mg Jod 2 mg
Kobalt 500 000 t.E. Vitamin A 200 mg B-Carottn 12 000 1.E. Vitamin D 3 300 mg Vitamin
E 4 mg Vitamin 8 1 8 mg Vitamin B 2 4 mg Vitamin B 6 5 mcg Vitamin B 12 40 mg Nikotinsäure
20 mg Ca-d-Pantothensäure 100 mg Cholin-Chlorid 0,4 mg Folsäure 100 mg Vitamin C
Rezeptur
2: 500 kg Sojafeinmehl 50 %ig 140 kg Fischmehl 70 %ig 220 kg Alkan-Hefe
Je 100 kg Eiweißgemisch 20 Minuten behandelt mit 10 kg eines Gemisches aus 40 Gew.%
amorpher Kieselsäure u.
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60 Gew.% Formaldehydlösung (30 %ig).
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50 kg Na-Mg-Ca-Phosphat (Handelsmarke Hostaphos) 30 kg Calclumcarbonat
10 kg Magnesiumoxid 20 kg Quellstärke 20 kg Spurenelement-Vitamin-Vormischung Gehalt
Je kg: 480 g Rohprotein 600 g Gesamtnährstoff 20,8 g Calcium 17,3 g Phosphor 10,0
g Magnesium 14,0 g Natrfum 496 mg Zink 200 mg Mangan 180 mg Kupfer 2 mg Jod 2 mg
Kobalt 500 000 t.E. Vitamin A 200 mg ß-Carotin 12 000 I.E. Vitamin D 3 300 mg Vitamin
E 4 mg Vitamin B 1 8 mg Vitamin B 2 4 mg Vitamin B 6 5 mcg Vttamtn B 12 40 mg Nikotinsäure
20 mg Ca-d-Pantothensäure 100 mg Cholin-Chlorid 0,4 mg Folsäure 100 mg Vitamin C
Dle Verwendung der Erfindung kann durch gesetzliche Bestimmungen, insbesondere durch
das Futtermittelgesetz, beschränkt sein.