DE2427385B2 - Verfahren zur Herstellung von Vinylchloridhomo- oder -copolymeren - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Vinylchloridhomo- oder -copolymerenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Polymerisieren und Copolymerisieren von Vinylchlorid in
Mikrosuspension gemäß Gattungsbegriff des Hauptanspruchs.
Mit Polymerisation in Mikrosuspension wird ein Verfahren bezeichnet, bei welchem in Gegenwart von in
organischen Medien löslichen Initiatoren mindestens ein Monomeres mit Hilfe energischer mechanischer
Mittel in einem wäßrigen Medium, das einen Emulgator oder eine große Menge Schutzkolloid als Stabilisator
enthält, so dispergiert wird, daß man eine Dispersion mi Teilchengröße unterhalb 5 μηι (Durchmesser) erhält
Es ist bekannt, daß bei normalen Polymerisationstemperaturen die üblichen Polymerisationsinitiatoren für
Vinylchlorid einen selbstbeschleunigenden kinetischen Ablauf der Polymerisation oder Copolymei isation
bewirken; hierdurch treten einerseits Schwierigkeiten
beim Abkühlen auf, was eine schlechte Ausnützung des
Reaktionsbehälters zur Folge hat; andererseits werden die Initiatoren nur unvollständig ausgenutzt und es muß
eine relativ ziemlich große Menge Initiator eingesetzt
werden, um eine für großtechnischen Beitrieb brauchbare Polymerisationsgeschwindigkeit zu erhalten.
Um diese Nachteile auszuschalten, wurde bereits versucht Initiatoren zu verwenden, die sich schneller
zersetzen; es zeigte sich aber, daß diese Initiatoren
in keine guten Ergebnisse bei der Polymerisation in
Mikrosuspension liefern. Es wurde ebenfalls bereits versucht die Zersetzung des Initiators durch die
Anwesenheit von Übergangsmetallsalzen zu beschleunigen, vor allem bei Niedertemperatur-Polymerisatio-
■ 5 mn, die zu Polyvinylchlorid mit sehr hohem Molekulargewicht und/oder kristalliner Struktur führen; der
Ablauf der Reaktion blieb jedoch nach wie vor selbstbeschleunigt
daß beim Polymerisieren in feiner Suspension oder Mikrosuspension durch die Verwendung eines rCeirnproduktes, das durch Polymerisation in feiner Suspension erhalten wurde und den erforderlichen Polymerisationsinitiator enthält praktisch die Krustenbildung im
nigung der Reaktion teilweise modifiziert werden kann,
vor allem dann, wenn viel Keimprodukt eingesetzt wird;
erreicht wird aber nur eine beschränkte Verbesserung.
jo sich nun die Erscheinung der Selbstbeschleunigung
sowie die damit verbundenen Schwierigkeiten vermeiden, und es kann die Polymerisation oder Copolymerisation von Vinylchlorid in Mikrosuspension bei den
gebräuchlichen Temperaturen für die höchstmögliche
Reaktionsgeschwindigkeit in einer gegebenen Vorrichtung mit einer besseren Ausnutzung des Initiators und
einer außerordentlich geringen Krustenbildung durchgeführt werden; es werden somit geringere Mengen
Initiator benötigt und der Reaktionsbehälter wird
optimal ausgenutzt.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist durch die Ansprüche 1 —3 gekennzeichnet
Der Fortschritt der erfindungsgemäßen gegenüber der aus der DE-OS 17 45 220 bekannten Arbeitsweise
ergibt sich aus der Gegenüberstellung des weiter unten folgenden Beispiels 1 und des unter sonst identischen
Bedingungen durchgeführten Vergleichsversuchs B. Dieser Vergleich zeigt, daß durch die erfindungsgemäß
vorgenommene Aktivierung des Keimlatex die Polyme
risationsdauer von 15 auf 9 Stunden verringert der
Umwandlungsgrad um 4% erhöht und die Krustenbildunjj auf We derjenigen des Verfahrens des Standes der
Technik verringert wird.
Dispersionen erhalten, deren Feststoffgehalt höher liegt
als beim weiter unten folgenden Beispiel t des Verfahrens der Erfindung und die Krustenbildung ist
geringer, doch läßt sich dieses Beispiel der DE-OS nicht unmittelbar mit den erfindungsgemäß durchgeführten
Beispielen vergleichen, weil erfindungsgemäß in großtechnischem Maßstabe gearbeitet wurde, während in
den Beispielen der DE-OS durchweg in wesentlich kleinerem Maßstabe gearbeitet wurde. Wie oben
angegeben, bewirkt der selbstbeschleunigende kineti
sehe Ablauf der Vinylchlorid-Polymerisation Nachteile,
vor allem Schwierigkeiten beim Abkühlen. Zu Beginn der Reaktion, die langsam einsetzt, liegt man erheblich
unterhalb der Kühlkapazität des Polymerisationsbehäl-
ters; bei Polymerisatjonsende hingegen und während
einer bestimmten Zeitspanne muß der Reaktionsbehälter so stark wie möglich gekühlt werden, weil die
Grenze der Kühlkapazität erreicht wird. Insgesamt wird
somit eine lange Polymerisationsdauer benötigt
Diese Schwierigkeiten treten vor allem dann auf, wenn in großtechnischem Maßstäbe gearbeitet wird,
wie in den erfindungsgemäß geführten Beispielen, viel weniger jedoch, wenn mit erheblich kleinerem Reaktorvolumen gearbeitet wird wie im Beispiel 4 der DE-OS
17 45 220.
Als Metalle für das erfindungsgemäße Verfahren kommen vor allem in Frage: Eisen, Kupfer, Kobalt,
Nickel, Zink, Zinn, Titan, Vanadium, Mangan, Chrom
und Silber. Sie werden in Form von wasserlöslichen Salzen wie Sulfaten, Chloriden, Nitraten und Acetaten
in solcher Menge eingesetzt daß das Molverhältnis von Metallsalz zu Initiator 0,1 bis 10, vorzugsweise 0,1 bis 2
beträgt Die Salze können vor oder während der Polymerisation in das Reaktionsmedium eingebracht
werden.
Die komplexbildenden Mittel sind solche Verbindungen, die das Metall aus seiner wasserlöslichen Form in
eine in Vinylchlorid lösliche Form überführen und die weiterhin weder die Polymerisation noch die Aktivierung des Initiators durch das Metall in irgendeiner Form
hindern. Verbindungen, die diesen Bedingungen entsprechen, sind beispielsweise die in Wasser schwer
löslichen Monocarbonsäuren wie Perfluorbuttcrsäure, α-Bromlaurinsäure, Sulfosalicylsäure, Naphthensäure,
Octansäure; Polycarbonsäuren wie Bernsteinsäure, Weinsäure, Maleinsäure, Dihydroxymaleinsäure sowie
die entsprechenden Anhydride; Alkylphosphorsäuren wie Di-(2-äthyl)-hexylphosphorsäure; Lactone wie Ascorbinsäure und ihre Ester, y-Butyrolacton; Ketone mit
in (X- oder ^-Stellung gebundenen aktivierenden Gruppen für die Carbonylgruppe, beispielsweise Acetylaceton, 1,3-Dihydroxyaceton uncj Benzoin; und Carbazone wie Diphenylthiocarbazon.
Wieviel koinplexbildendes Mittel eingesetzt wird,
hängt von der Polymerisationstemperatur, von der Kühlkapazität des Reaktors und von der Reinheit der
Reaktionspartner ab. Die Menge kann bis zum stöchiometrischen Molverhältnis bezogen auf das
Metallsalz betragen.
Das komplexbildende Mittel führt in Gegenwart des
Metallsalzes zu einer im Monomeren löslichen Komplexverbindung, durch die das Metall in die organische
Phase überführt wird und dort eine aktivierende Wirkung auf den Initiator ausübt. Man kann auf diese
Weise den Initiator nach Belieben aktivieren, in dem man Menge und Zeitpunkt der Zugabe des komplexbildenden Mittels zum Reaktionsgemisch so modifiziert,
daß zu jedem Zeitpunkt der kinetische Ablauf der Polymerisation gesteuert wird. Die Polymerisation, die
in Abwesenheit des Aktivators zunächst langsam beginnt, wird mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens zu Beginn stark aktiviert und dann immer weniger,
in dem Maße, in dem die Reaktion fortschreitet. Auf diese Weise kann dank einer optimalen Nutzung der
Kühlkapazitäten des Reaktionsbehälters die Polymerisation in der geringstmöglichen Zeitspanne durchgeführt werden.
Dieses Ziel wird dann nicht erreicht, wenn die Gesamtmenge koniplexbildendes Mittel von Anfang an
eingebracht wird. In diesem Falle wird nämlich bei Polymerisationsbeginn dei Initiator zu schnell aktiviert;
er zersetzt sich dann zu schnell, und die Reaktion kann
wegen fehlenden Initiators nicht zu Ende geführt
werden.
Gemäß einer abgewandelten Form des Verfahrens wird der Initiator durch allmähliche Zugabe einer
monomerenlöslichen Metallkomplexverbindung aktiviert, die zuvor durch Reaktion eines Metallsalzes mit
einem der oben aufgezählten komplexbildenden Mitte! hergestellt worden ist Dabei wird die Komplexverbindung ebenfalls in solchen Mengen eingesetzt, daß das
ίο Molverhältnis von Metallkomplex zu Initiator 0,10 bis
10 beträgt
Die Aktivierung des Initiators durch die Komplexverbindung kann zu jeder Zeit unterbrochen werden, indem
man die Zugabe des komplexbildenden Mittels oder des
fertigen Komplexes unterbricht und/oder indem man
das Metallion aus seiner monomerenlöslichen Form in die wasserlösliche Form zurückführt Dies wird leicht
dadurch erreicht daß man dem Reaktionsgemisch ein Alkalisalz der Äthylendiaminotetraessigsäure, Nitrilo
triessigsäure, Diäthylentriaminpentaiv.-igsäure oder der
N(2-Hydroxyäihyl)-äthylendiaminotriea>S!'3säure zusetzt Diese Verbindungen werden in Mengen eingesetzt, die bis zum stöchiometrischen Molverhältnis
bezogen auf das Metallsalz betragen.
Das für die Polymerisation erforderliche Keimprodukt wird in an sich bekannter Weise durch Polymerisation in Mikrosuspension hergestellt Beispielsweise
werden Wasser, Vinylchlorid mit oder ohne Comonomerem, ein anionischer Emulgator und ein im
jo Monomeren löslicher Initiator zusammengegeben und
das Monomere oder die Monomeren werden in dem wäßrigen Medium fein dispergiert mit Hilfe energischer
mechanischer Mittel, beispielsweise einer Kolloidmühle, einer Schnellpumpe, eines Vibrationsmischers oder
j5 einer Ultraschall-Vorrichtung. Die erhaltene Mikrosuspension wird dann unter autogenem Druck und unter
mäßigem Rühren auf eine vorgegebene Temperatur erhitzt, die von dem angestrebten Molekulargewicht des
polymeren Produktes abhängt Das Keimprodukt liegt
dann vor als Dispersion mit Polymerisat- oder
CopL-iymerisatteilchen, deren Durchmesser 0,05 bis
2 μπι beträgt.
Damit das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt
werden kann, müssen die Teilchen des Keimproduktes
die Gesamtmenge des erforderlichen Initiators für die
Polymerisation nach dem Verfahren nach der Erfindung enthalten. Diese Menge beträgt 0,1 bis 5 Gew.-°/o,
bezogen auf das Polymerisat des Keimproduktes und wird vor der Polymerisation dieses Produktes einge
bracht.
Die in den Monomeren löslichen Initiatoren sind organische Peroxide, wie Diacylperoxide, beispielsweise
Lauroylperoxid, Decanoylperoxid und Caproylperoxid.
Die beim erfindungsgemäßen Polymerisationsverfah
ren eingesetzte Menje Keimprodukt muß so bemessen sein, daß das darin enthaltene Polymerisat mindestens
0,5 Gew.-°/o, vorzugsweise 0,5 bis 10 Gew.-%, ausmacht,
bezogen auf die Summe von Monomerem(en), das (die) polymerisiert werden soll(en), und Polymerisat des
Μ Keimproduktes,
Bezogen auf das Monomere, das polymerisiert werden soll, ist die Menge an vorhandenem Initiator
sehr gering, verglichen mit den bekannten Verfahren.
Eine größere Menge Keimprodukt, entsprechend
μ einem Polymerisatanteil von über 10 Gew.-%, kann
ebenfalls eingesetzt werden, bietet aber keine Vorteile, weil die Menge des Polymeren dann ziemlich groß ist,
bezogen auf das oder die Monomeren, und die Vorteile
des erfindungsgemäßen Verfahrens dadurch verringert werden.
Das im Polymerisationsmedium vorhandene Keimprodukt reicht aus, um die Dispersion des Monomeren
sicherzustellen, ohne daß die Dispersion erneut energisch durchmischt werden muß.
Als Comonomere für Vinylchlorid kommen die bei den bekannten Copolymerisationsverfahren gebräuchlichen
Monomeren in Frage. Hierzu gehören die Vinylester von Mono- und Polycarbonsäuren wie
Vinylacetat, Vinylpropionat und Vinylben/.oat; aliphati-Sehe
EstCr CV^O" l"*hiitiCf*li*» Fc ti»r nnH Q rr^mn htfrio
Ester. Amide und Nitrile von ungesättigten Mono- oder Polycarbonsäuren wie Acrylsäure, Methacrylsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure; Allylhalogenid, Vinylhalogenid oder Vinylidenhalogenid; Alkylvinyläther und
Olefine. Der Anteil an Comonomereneinheiten kann bis zu 25% des Copolymerisate ausmachen.
um die Stabilität der fviikrosuspension zu verbessern,
kann es zweckmäßig sein, vor und/oder im Verlauf der
Polymerisation einen anionischen Emulgator in Mengen bis zu 2 Gew.-%, bezogen auf das Monomere oder
Monomerengemisch zuzugeben. Dieser Emulgator kann der gleiche sein, wie er bereits bei der Herstellung
des Keimproduktes verwendet wurde. Er wird ausgewählt unter den gebräuchlichen Verbindungen, wie
Fettsäureseifen, Alkylsulfaten. Alkylsulfonaten, Alkylarylsulfaten,
Alkylsulfobernsteinsäuren und Alkylphosphaten.
Dieser Emulgator kann gegebenenfalls kombiniert werden mit einem nichtionischen Tensid. beispielsweise
mit einem Kondensationsprodukt aus Äthylenoxid oder Propylenoxid und den zahlreichen organischen Hydroxyverbindungen.
Die Wassermenge muß beim erfindungsgemäßen Polymerisationsverfahren so bemessen sein, daß das
Gewichtsverhältnis von Monomeren oder Monomeremgemisch und Polymerisat des Keimproduktes zu
Wasser (einschließlich Wasser des Keimproduktes) 0,3 bis 1,5 beträgt.
Die Polymerisationstemperatur hängt ab von der angestrebten Qualität oder Beschaffenheit des Polymeren
und liegt allgemein bei 30 bis 70° C.
Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich besonders für die kontinuierliche Polymerisation, wie sie in
der FR-PS 14 85 547 ( = DE-OS 17 45 220) beschrieben
wird. In diesem Falle wird durch die Zugabe des komplexbildenden Mittels oder der Komplexverbindung
ein optimaler kinetischer Reaktionsablauf beibehalten und gleichzeitig ein konstanter und hoher
Umwandlungsgrad sichergestellt.
Die erfindungsgemäß erhaltenen Polymeren und Copolymeren auf der Basis von Vinylchlorid werden mit
Hilfe irgendeines üblichen Verfahrens aus dem Reaktionsmedium abgetrennt, beispielsweise durch Filtrieren,
Koagulieren und Abschleudern, Schuppenbildung oder Abblättern, Dekantieren durch Zentrifugieren
oder Zerstäubung.
Die erhaltenen Polymerisate und Copolymerisate eignen sich zur Herstellung von Folien, Filmen, Fäden,
Hohlkörpern oder zelligen Körpern und werden durch Kältendem, Extrudieren, Blasspritzen, Spritzen und
Formpressen verformt Weiterhin eignen sich die Polymeren und Copolymeren zur Herstellung von
Oberzügen aller Art, von zelligen Stoffen sowie zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen, die auf
beliebig bekannte Weise unter Verwendung von Plastisolen hergestellt werden: Oberziehen, Rotationsverformen
und Tauchformen.
Die nachfolgenden Beispiele dienen zur näherer Erläuterung des Verfahrens nach der Erfindung.
In einem Reaktionsbehälter mit Inhalt 25 mJ und mil
Rührwerk wurden vorgelegt:
12 000 kg Wasser
ίο 1 200 kg Keimprodukt, hergestellt durch Polymerisation
in Mikrosuspension, mit einer Kon zcntration von 33,3%, entsprechend 400 kg
Polyvinylchlorid, das 6 kg Laurylperoxic enthielt und dessen mittlerer Teilchen
ι■> durchmesser 0,4 μπι betrug;
60 kg Natriumdodecylbenzolsulfonat
03 kg Kupfersulfat
10 000 kg Vinylchlorid.
03 kg Kupfersulfat
10 000 kg Vinylchlorid.
Das Molverhältnis von Kupfersulfal zu Laurylperoxid betrug 0,13.
Das Ganze wurde unter autogenem Druck auf 52°C erhitzt und während des gesamten Reaktionsverlaufes
bei dieser Temperatur gehalten.
2ϊ Sobald die Temperatur des Reaktionsmediums 52°C
betrug, wurde mit der Zugabe einer wäßrigen Ascorbinsäurelösung begonnen, die 4 g Säure je I
enthielt. Viie Zulaufmenge, angegeben als Säuremenge, betrug während 3 h 65 g/h, während weiteren 3 h 45 g/h
jo und schließlich bis zum Ende der Reaktion 20 g/h.
Nach 9 h wurde der für eine beendete Reaktion charakteristische Druckabfall beobachtet. Die Säurezufuhr
wurde unterbrochen und das nicht umgesetzte Monomere abgeblasen.
r, Erhalten wurden 22 200 kg Dispersion, die 42,2 Gew.-% Polymer enthielt; dies entsprach einem reellen
Umwandlungsgrad von 89,7 Gew.-%, bezogen auf das eingesetzte Vinylchlorid.
Die auf den Reaktionsbehälterwänden gebildete dünne Polymerisathaut entsprach lediglich 0.1 Gew.-%
des eingesetzten Vinylchlorid.
Der mittlere Teilchendurchmesser des erhaltenen Polymerisats betrug 1,1 μπι.
Nach Zerstäuben und Vermählen besaß das erhaltene Polymerisat eine Viskositätszahl von 130. bestimmt
gemäß der französischen Norm T 51 -013.
Es wurde ein Plastisol hergestellt durch Vermischen
von 100 Gew.-Teilen erhaltenem Polyvinylchlorid und 60 Gew.-Teilen Dioctylphthalat; die Viskosität des
-,ο Plastisols, gemessen mit dem Brookfleld Viskosimeter
RTV(Nadel Nr. 7-20 UpM), betrug 20 P.
Zum Vergleich wurden verschiedene Versuche nach dem Stand der Technik durchgeführt
Vergleichsversuch A
Polymerisation in Mikrosuspension ohne Keimprodukt und ohne Aktivierung.
Im gleichen Reaktionsbehälter wie zuvor wurden vorgelegt:
Das Gemisch wurde zu einer Dispersion homogenisiert, deren organische Phase eine mittlere Korngröße
von 1 lim besaß. Darauf wurde unter autogenem Druck
| 12 000 kg | Wasser |
| 8 kg | Laurylperoxid |
| 100 kg | Natriumdodecylbenzolsulfonat |
| 10 000 kg | Vinylchlorid |
auf 520C erhitzt und diese Temperatur während der
gesamten Reaktion beibehalten.
Die Reaktionsgeschwindigkeit war unregelmäßig, zu Beginn außerordentlich langsam, wurde dann schneller
und während der letzten 2 h mußte der Reaktionsbehälter so stark wie möglich gekühlt werden. Nach 18 h war
die Reaktion beendet. Das nicht umgesetzte Monomere wurde abgeblasen; erhalten wurden 20 300 kg Dispersion,
die 4f. Gew.-% Polymerisat enthielt; dies entsprach einem Umwandlungsgrad von 83 Gew.-%, bezogen auf
das eingesetzte Vinylchlorid. Die auf den Reriktionsbehälterwänden
gebildeten Krusten machten I Clew.-% des eingesetzten Vinylchlorids aus.
Die graphische Darstellung in der Zeichnung zeigt die
Zunahme und Entwicklung der Polymerisationsgeschwindigkeit gemäß Beispiel I (Kurve I) und gemäß
Vergleichsversuch A (Kurve 2).
Der Vergleich zeigt, daß gegenüber dem erfindungsgemäßen Verfahren trotz größerer Menge Initiator dir
Reaktionszeit doppelt so lang und der Uinwandlungsgrad
geringer ist und daß die lOfachc Menge Krusten gebildet wird.
Vcrgleichsversuch B
Polymerisation gemäß dem Verfahren der DEi-OS 17 45 220 in Mikrosuspension mit Keimprodukt, aber
ohne Aktivierung.
Beispiel I wurde wiederholt, jedoch ohne Zugabe von Kupfersulfat und Ascorbinsäure.
Nach I5stündiger Reaktion wurden 22 000 kg Dispersion erhalten,die 40,5 Gew.-% Polymerisat enthielt; dies
entsprach einem Umwandlungsgrad von 85,1 Gew.-%, bezogen auf das eingesetzte Vinylchlorid. Die auf den
Reaktionsbehälterwänden abgeschiedenen Krusten machten 0,6 Gew.-% des eingesetzten Vinylchlorids aus.
Der mittlere Teilchendurchmesser des erhaltenen Polymeren betrug 1,08 μπι.
Verglichen mit Beispiel 1 zeigt sich, daß mit Hilfe der erfindungsgemäßen Aktivierung des Initiators die
Polymerisation in 9 h anstelle von 15 h durchgeführt werden kann, daß der Umwandlungsgrad um 4% erhöht
und eine 6fach geringere Krust^nmenge erhalten wird.
Vergleichsversuch C
Polymerisation in Mikrosuspension ohne Keimprodukt
und ohne Aktivierung, in Gegenwart von sich schnell zersetzenden Initiatoren.
In einen 120-l-Reaktionsbehäher mit Rührwerk
wurden eingebracht:
| 60 kg | Wasser |
| 0,160 kg | Lauroylperoxid |
| 0,120 kg | Isopropylpercarbonat |
| 0,4 kg | Natriumdodecylbenzolsulfonat |
| 40 kg | Vinylchlorid. |
Das Gemisch wurde zu einer Dispersion homogenisiert,
deren organische Phase eine mittlere Teilchengröße von 1 μπι besaß.
Darauf wurde unter autogenem Druck auf 52° C
erhitzt und diese Temperatur während der gesamten Reaktionsdauer beibehalten.
Nach 12-stündiger Reaktion erhielt man eine grobe
Dispersion, die eine große Menge Koagulat enthielt. Außerdem machten die auf den Reaktionsbehälter
abgeschiedenen Krusten 30% des eingesetzten Monomeren aus.
Beispiel 1 wurde wiederholt mit einem Keimprodukt, dessen mittlerer Teilchendurchmesser 0,25 μπι betrug,
ι Polymerisationtemperatur42°C.
Nach 12 h erhielt man 22 100 kg Dispersion, die 42,4
Gew.% Polymerisats enthielt; dies entsprach einem reellen Umwandlungsgrad von 89,7 Gew.-%, bezogen
auf das eingesetzte Vinylchlorid; erhaltener mittlerer ι» Teilchendurchmesser 0,6 μηΐ; Viskositätszahl des erhaltenen
Polymeren — 180.
I-in Plastisol, hergestellt durch Vermischen von 100
Gew.-Teilen erhaltenem Polyvinylchlorid mit 60 Ciew.% Dioctylphlhalal, besaß eine Viskosität von
π 75 P.
F.s wurde wie in Beispiel 1 verfahren, jedoch mit 9 500 kg Vinylchlorid und 700 kg Vinylarolal anuplli·
.'ι. von 10"000 kg Vinylchlorid.
Nach 9'/ib Reaktion erhielt man 22 400 kg Dispersion
eines Copolymerisats das 4,9% Vinylaectat-Einheiten enthielt; die Polymerisat-Konzentration betrug 42,6
Gew.-0Zo; dies entsprach einem reellen Umwandlungs-.
>-. grad von 91.4 Gew.%. bezogen auf die eingesetzten Monomeren.
Der mittlere Durchmesser der erhaltenen Teilchen betrug 1.1 μπι.
Die Viskositäiszahl des Copolymeren betrug 130 Ein
in Plastisol, hergestellt durch Vermischen von 100
Gew.-Teilen Copolymcrisat mit 60 Gew.-Teilen Dioctylphthalat. besaß eine Viskosität von 30 P; die
GelbildungstempcraUir, bestimmt nach Heinrichs,
»Modem Plastics«, April 1964. Seite 165, lag bei 144 C.
In dem gleichen Reaktionsbehälter wie in Beispiel 1 wurden vorgelegt:
4L 12 600 kg Wasser
1 070 kg Keimprodukt. enthaltend 39% oder 417,3 kg Polyvinylchlorid, das 6.3 kg Lauroylperoxid
enthielt und dessen mittlerer Teilchendurchmesser 0,4 μιτι betrug;
-π 84 kg Natriumdodecylbenzolsulfonat
-π 84 kg Natriumdodecylbenzolsulfonat
8 400 kg Vinylchlorid
0,42 kg Kupfersulfat
0,42 kg Kupfersulfat
Das Molverhältnis von Metallsalz zu Initiator betrug
ν. 0.1.
Es wurde auf 52°C erhitzt; dann wurden allmählich im
Verlajf von 12 h 840 g Dihydroxymaleinsäure zugegeben,
und zwar während 4 h 105 g/h. dann während 4 h 65 g/h und schließlich während 4 h 40 g/h.
5t Man erhielt 20 970 kg Polymerisatdispersion mit
einer Konzentration von 36,9%; dies entsprach einem Umwandlungsgrad von 87,1 Gew.-% bezogen auf das
eingesetzte Monomer. Auf den Reaktionsbehälterwänden hatte sich eine dünne Haut abgeschieden, die 0,12
bo Gew.-% des eingesetzten Vinylchlorids ausmachte. Der
mittlere Durchmesser der erhaltenen Teilchen betrug 1,1 μπι.
tn Beispiel 4 wurde wiederholt mit Bernsteinsäure
ansteile von Dähydroxyrnaleir.säure.
Nach Hstündiger Reaktion erhielt man 21070 kg
Polymerisatdispersion mit einer Konzentration von
IO
37%, entsprechend einem Umwandlungsgrad von 87,8%. Das Gewicht der abgeschiedenen Krusten
entsprach nur 0,15 Gew.-% des eingesetzten Vinylchlorids.
Die mittlere Teilthengröße betrug 1,08 μηι.
B c i s ρ i e I 6
Es wurde wie in Beispiel 4 verführen, jedoch mit 840 g
Vanadiumacetylacetonal anstelle von Kupfersulfal und Dihydroxymaleinsäure. Das Mo'verhältnis von Metallsal/
zu Initiator betrug 0,15. Die Metallkumplewerbiiidung
wurde dem auf 52'1C crhit/ien Keaktionsgcmisch
im Verlauf von 12'/2 h /ugeset/t, und /war während 4 h
105 g/h, dann wahrend 4 h h1) g/h und schließlich
während 4'/j h 40 g/h. Man erhielt 20 870 kg Polymerisatdispersion
mit einer Konzentration von 36,5%. was einem Umwaiidlungsgrad von 85,51Vo entsprach. Das
Gewicht der Krusten machte 0,18 (iew.-'Vo des
eingesetzten Monomeren aus. Der mittlere Teilchendiirchmesser
betrug 1,09 μηι.
Is wurden mehrere Versuche mit unterschiedlichen Aktiviertingsmitteln unter folgenden Bedingungen
durchgeführt:
Hin 200-ml-Glaskolben wurde evakuiert und mil
gasförmigem Vi 'ylehlorid gespült. Dann wurden darin vorgelegt:
60 ml entmineralisiertes Wasser,
10,5 g Keimprodukt, hergestellt durch Polymerisation in
Mikrosuspension, mit einer Konzentration von 34,9% entsprechend 3 g Polyvinylchlorid das 0,04 g Lauroylperoxid
enthielt und einen mittleren Teilchendurchmesser von 0,4 μηι besaß,
0,18 g Natriumdodecylbenzolsulfonat
30 g Vinylchlorid,
0,18 g Natriumdodecylbenzolsulfonat
30 g Vinylchlorid,
Aklivierungsmittel, bestehend entweder aus 10 χ 10 "'Mol Metallsal/ und 5 χ 10 5MoI komplexbildendem Mittel oder aus 10 χ 10 "' Mol zuvor
hergestellter M et a Il komplex verbindung.
Der Kolben wurde dann luftdicht abgeschlossen, in ein mit Thermostat bei 521C gehaltenes Wasserbad
gegeben und in Bewegung gehalten. Nach 5 h wurde der
Kolben abgekühlt, das nicht umgesetzte Monomere abgeblasen, das Wasser verdampft und das gebildete
Polymerisat isoliert.
Die verschiedenen Aktivierungsmittel sowie die erhaltenen Ergebnisse sind in der Tabelle zusammengefaßt.
Das Molverhältnis von Metallsalz zu Initiator betrug
in allen Versuchen I.
Die Tabelle zeigt deutlich die Wirkung der Aktivierungsniittel
auf den Polymerisationsbeginn.
Versuch
MeIaIKaI/
Komplexbildner
Polymerisat
(iew.-"/n bezogen
auf Vin>li:hlorid
auf Vin>li:hlorid
0,8
| (Ver | Kupfersulfat | Sulfosalicylsäure | 16 |
| gleichs- | Kupfersulfat | Naphthensäure | 3 |
| versuch) | Kupfersulfat | Octansäure | 5 |
| B | Kupfersulfal | Bernsteinsäure | 4,4 |
| C | Kupfersulfat | Weinsäure | 16 |
| D | Kupfersulfat | Maleinsäureanhydrid) | 4,1 |
| H | Kupfersulfat | Di(2-äthyl)hexy !phosphorsäure | 10.2 |
| F | Kupfersulfat | Ascorbinsäure | 23 |
| (1 | Kupfersulfat | ; -Butyrolacton | 14 |
| II | Kupfersulfat | Benzoin | 2,8 |
| I | Kupfersulfat | Diphenylihiocarbazon | 3 |
| J | Eisensulfat | Ascorbinsäure | 2i |
| K | Nickelsulfat | Ascorbinsäure | 20 |
| L | Zinksulfat | Ascorbinsäure | 25 |
| M | Vanudiumsulfat | Ascorbinsäure | 59 |
| N | Manganessulfat | Ascorbinsäure | 12 |
| O | Chromsulfat | Ascorbinsäure | 23 |
| P | Zinnchlorid | Ascorbinsäure | 33 |
| Q | Kobaltnitrat | Ascorbinsäure | 10 |
| R | .Silbernitrat | Ascorbinsäure | 8,6 |
| S | Titanacetylacetonat | 1,3 | |
| T | Chromacetylacetonat | 6,6 | |
| U | Nickelacetylacetonat | 6,9 | |
| V | 1 | ||
| W | Hierzu I Blatt Zeichnungen | ||
| X | |||
Claims (3)
1. Verfahren zur Herstellung von Vinylchloridhomo- oder -copolymeren, die bis zu 25% Comonomereneinheiten enthalten, durch Polymerisieren des
oder der Monomeren in Mikrosuspension in Gegenwart einer Keimdispersion eines Vinylchloridhomo- oder -copolymeren mit einer Teilchengröße von 0,05 bis 2 μπι, die durch Polymerisation einer
wäßrigen, einen anionischen Emulgator enthaltenden vorhomogenisierten Monomerendispersion mit
einer Teilchengröße unterhalt 5 μπι in Gegenwart
eines monomerenlöslichen organischen Peroxidinitiators in einer Menge von 0,1 bis 5 Gew.-%,
bezogen auf das Polymerisat des Keimproduktes, hergestellt worden ist, wobei das Keimprodukt die
Gesamtmenge des erforderlichen Initiators enthält und die im Keimprodukt enthaltene Polymerisatmenge mindestens 0,5 Gew.-%, bezogen auf die
Summe von Monomerein(n) und Polymerisat des
Keimproduktes, ausmacht und das Gewichtsverhältnis von Monomerem(n) und Polymerisat des
Keimprodukts zur Gesamtmenge des Wassers 03 bis 1,5 beträgt, dadurch gekennzeichnet,
daß man den Initiator mit einer monomerenlöslichen Metallkomplexverbindung aktiviert, wobei man
entweder fortlaufend die zuvor durch Reaktion eines wasserlöslichen Metallsalzes und eines komplexbildenden Mittels gebildete Metallkomplexverbindung
zusetzt oder di? Metallkomplexverbindung während des gesamten Verlaufs der Polymerisation durch
Reaktion zwischen dem wasserlöslichen Metallsalz und dem fortlaufend zugesetzten kompiexbiidenden
Mittel bildet und wobei das IV.olverhältnis von Metallsalz zu Initiator 0,1 bis 10 beträgt
Z Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man wasserlösliche Salze von Eisen,
Kupfer, Kobalt, Nickel, Zink, Zinn, Titan, Vanadium, Mangan, Chrom oder Silber verwendet.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als komplexbildende
Mittel Monocarbonsäuren, Polycarbonsäuren, Alkylphosphorsäuren, Lactone, Ketone oder Carbazone einsetzt.
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