DE218360A - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES PATENTAMT
KLASSE 48«. GRUPPE
CARL BENSINGER in MANNHEIM.
Patentiert im Deutschen Reiche vom !.Oktober 1907 ab.
Bronzen und sonstige kunstgewerbliche Metallgegenstände nach dem galvanischen Reproduktionsverfahren
werden seither entweder unter Benutzung eines Gips- oder Leimkernes u. dgl. dargestellt, der im galvanischen Bade
von außen mit Metall umgeben yird, oder
aber es werden vom positiven Modelle vielteilige Formschalen aus Gips oder Leim usw.
abgegossen, die dann zur negativen Matrize
ίο zusammengesetzt werden; sodann wird im Innern der negativen Matrize der galvanische
Hohlkörper erzeugt und die Matrize später zerschlagen.
Dies sind die hauptsächlich in Betracht kommenden galvanischen Reproduktionsverfahren,
die sehr erhebliche Fabrikationsschwierigkeiten mit sich bringen und die eben darum
die erzeugten Gegenstände sehr verteuern. Die Hauptschwierigkeiten bestehen z. B.
ao darin, daß man aus Gips oder Leim überhaupt keine Abgüsse erhalten kann, die die
feinsten und kleinsten Linien wiedergeben, selbst wenn das Originalmodell aufs peinlichste
vorgearbeitet war; das liegt einmal in der ganzen Art der Gips- oder Leimformung,
weil wegen deren Weichheit und sukzessiven Eintrocknung darauf kein Druck ausgeübt
werden kann und eben darum jedes Stück, das aus diesen nicht. tadellosen negativen
Formen herauskommt, von Künstlerhand nachgearbeitet und nachziseliert werden muß. Daß
dies umständlich und teuer ist, erhellt auf den ersten Blick; außerdem aber geht gerade
die richtige künstlerische Linie durch die Nacharbeiter meistens verloren. Ein anderer,
sehr erheblicher Übelstand besteht darin, daß die Gips- oder Leimkerne bzw. die Matrizen
vor dem Galvanisieren sorgfältigst getrocknet und imprägniert werden müssen, eine Prozedur
von oft wochenlanger Dauer, und dennoch ist es schwer zu vermeiden, daß die galvanische
Säure in den Gips- oder Leimkern oder, Matrize eindringt, später wieder zutage tritt
und die galvanisch dargestellte Figur bzw. das Metallbild im Laufe der Zeit zerstört.
Alle diese Schwierigkeiten und noch viele .andere werden vermieden durch Verwendung
eines Kernes oder einer Matrize aus Zelluloid.
Die Technik, Zelluloidhohlkörper zu pressen bzw. zu blasen, ist in den letzten Jahren so
erheblich vorgeschritten, daß selbst die schwierigsten und kompliziertesten Modelle von Hohlkörpern
mit allen möglichen Unterarbeiten und Verzierungen nach der Erfindung heute erreicht werden können dank der Plastik, die
das Zelluloid an und für sich besitzt, dank seiner Fähigkeit, sich zusammenkitten und
schweißen zu lassen, dank seiner größen Widerstandsfähigkeit gegen Säuren und gegen
Wasser und vor allem dank seiner Eigenschaft, durch das scharfe Einpressen in die
Matrizenwandungen (solche bestehen aus Metall) durchaus scharfe Abdrücke erzielen zu
lassen, die haarscharf dieselben Linienführungen wiedergeben, die den von Künstlerhand
erzeugten Originalmodellen eigentümlich und so überaus schätzbar sind.
Man hat das Zelluloid zwar bisher schon zur Herstellung einfacher Gegenstände, die
sich aus einem Stück fertigen lassen, wie
Stock- oder Schirmgriffe, benutzt, nicht aber zur fabrikmäßigen Erzeugung von Nachbil-."
düngen von Werken der Kunst oder des Kunstgewerbes, welche, mit Unterschneidungen
versehen, aus einzelnen Teilen zusammengesetzt werden müssen. Gerade bei solchen
Gegenständen aber bietet das Zelluloid den bisher gebrauchten Materialien gegenüber die \
bereits erwähnten Vorteile.
Zu diesem Zwecke wird folgendermaßen vorgegangen: Das Originalmodell wird in Gips
oder sonst einer Modelliermasse dargestellt. Das Modell wird in so viele Teile geteilt, als
nötig sind, um jeden Teil der Zelluloidpreß- bzw. Blasetechnik anzupassen, weil auf diese
Weise durch späteres Zusammenfügen der ge-■ eigneten Linien bzw. Hohlkörperteile alle
Unterschneidungen an der Figur leicht erreicht werden können.
ao Dank der Klebefähigkeit des Zelluloids ist es sodann ein leichtes, die einzelnen Teile zusammenzufügen.
Das so erhaltene Zelluloidbild (Hohlkörper) wird in seinen Nähten fein verschabt und verputzt.
Hierbei sind selbstverständlich, trotz feinster Nacharbeit, die einzelnen Stoßnähte
der Teile immer noch dem Auge sichtbar.
Das stört aber nicht, weil diese Teile durch den galvanischen Überzug verdeckt werden,
mit dem der Zelluloidkörper in einem galvanischen Bade auf bekannte Weise versehen
wird, nachdem er, mit einer im galvanischen Bade gut leitenden Masse, wie z. B. Graphit,
Metallpulver, sorgfältig umstächen ist. ,
Daß dieses Galvanisieren des Körpers außen oder innen oder innen und außen geschehen
kann,' bedarf keiner weiteren Erwähnung. Auf diese. Weise erhält man Gußbronze-Imitationen
von außerordentlicher Haltbarkeit und Billigkeit in der Darstellung, weil von den einmal
vorhandene» Formen Tausende und Abertausende von Zelluloidabdrücken mit absoluter
Identität untereinander und mit dem : Originalmodell erzeugt werden können.
Es ist auch möglich, nachdem der galva- 45·'
nische Außen- oder Innenüberzug erzielt ist,'{' den eigentlichen Zelluloidhohlkörper, der ja
nur die Dienste eines Kernes oder einer Form versieht, wie seither Gipskern oder Leimkern
usw., aus der Galvano-Umhüllung heraus- oder abzubrennen oder durch geeignete Lösemittel
heraus- oder abzulösen. .
Claims (1)
- Patent-Anspruch :Verfahren zur Herstellung von mit Unterschneidungen versehenen Nachbildungen der Gußtechnik unter Verwendung von ZeHuloid, dadurch gekennzeichnet, daß zunächst ein Zelluloidkörper durch Verkittung einzelner nach den bekannten Preß- und Blaseverfahren für Zelluloidgegenstände ; hergestellter Stücke erzeugt und dann der so geschaffene Zelluloidkörper zur Verdeckung der bis dahin noch sichtbaren Stoßnähte in bekannter Weise mit einem Metallüberzug auf galvanoplastischem Wege versehen wird. '·■■.'■■ .■■■'■'■-■ '■■■.■■_ !i ~ . . \
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