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Bereich
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Hier
wird ein Mokume-Schichtblock vorgestellt. Derartige Schichtblöcke können aus
dünnen Nichteisen-Metall-Blechen
unterschiedlicher Farbe, wie Platin, Gold, Palladium, Silber, Kupfer
und deren Legierungen hergestellt sein.
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Hintergrund
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Mokume-gane
(„Holzmaserung
in Metall”) beschreibt
das Bearbeiten mehrfarbiger geschichteter Nichteisen-Metalle, wobei
Muster entstehen, die an Baumrinde oder Tierfelle erinnern. Ursprünglich wurde
diese Technik zur Herstellung von Gefäßen und Geräten sowie Schwertbeschlägen und
-verzierungen benutzt.
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Die
C. Hafner GmbH + Co. KG Gold- und Silberscheideanstalt in 75173
Pforzheim, Deutschland, bietet ein Mokume-Gane Modul AU 585 RG/Pd
500 Ag 935 an, das 4 Lagen Rotgoldblech, 8 Lagen Palladium Legierung
und 3 Lagen Silberlegierung aus jeweils ca. 0,5 mm dicken Blechen
hat. Dieses Modul hat nach Angabe des Herstellers ein sehr kritisches Verarbeitungsverhalten
und ist nur für
sehr erfahrene Goldschmiede zu empfehlen. Im Übrigen ist dieses Modul sehr
hochpreisig.
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Zugrundeliegendes Problem
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Demzufolge
ist die Aufgabe, einen kostenbewussten Mokume-Schichtblock bereitzustellen,
der die Herstellung von Mosaik- und Kreuzdamast und anderen Mustern
oder Ornamenten, zum Beispiel Augenmustern ermöglicht, zudem einen deutlichen Farbkontrast
zwischen den einzelnen Lagen oder Schichten aufweist und eine gute Ätzbarkeit
einhergehend mit guter mechanischer Bearbeitbarkeit zeigt.
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Lösung
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Dazu
wird ein Mokume-Schichtblock insbesondere für Schmuckzwecke, mit wenigstens
einer ersten Lage aus einer ersten Legierung und wenigstens einer
zweiten Lage aus einer zweiten Legierung vorgeschlagen. Die erste
Legierung hat weniger als etwa 1000 Teile Silber und mehr als etwa
800 Teile Silber. Die zweite Legierung hat weniger als etwa 750 Teile
Silber und mehr als etwa 250 Teile Silber, und mehr als etwa 250
Teile Kupfer und weniger als etwa 750 Teile Kupfer.
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Die
zweite Legierung hat einen anderen, vorzugsweise niedrigeren, Schmelzpunkt
als die erste Legierung. Sie ist daher mit der ersten Legierung (Feinsilber,
Emailsilber, Medaillensilber, Sterlingsilber, Münzsilber oder Gebrauchssilber)
sehr gut zu verschweißen.
Dies ermöglicht
die Herstellung von Mosaik- und Kreuzdamast und anderen Mustern oder
Ornamenten. Außerdem
hat die zweite Legierung einen deutlichen Farbkontrast zu der ersten
Silber-Legierung. Weiterhin weist sie eine gute Ätzbarkeit und eine gute mechanische
Bearbeitbarkeit auf. So kann diese Silberlegierung die teureren
Materialien Platin, Gold, Palladium und Weißgold vollständig ersetzen. Überraschend
hat sich herausgestellt, dass der vorgestellte Mokume-Schichtblock
ein sehr gut verarbeitbares, duktiles und farbkontrastreiches Ausgangsmaterial
für attraktiven
und individuellen Schmuck sowie Ziergegenstände und Verzierungen bildet.
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Die
erste Legierung kann weniger als etwa 970 Teile Silber und mehr
als etwa 835 Teile Silber aufweisen.
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Des
weiteren hat sich eine Legierung als vorteilhaft herausgestellt,
bei der die erste Legierung weniger als etwa 950 Teile Silber und
mehr als etwa 900 Teile Silber aufweist.
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Gute
Ergebnisse wurden beispielsweise mit einer Legierung erreicht, bei
der die erste Legierung weniger als etwa 935 Teile Silber und mehr
als etwa 925 Teile Silber aufweist.
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Die
zweite Legierung kann etwa 719 Teile Silber und etwa 281 Teile Kupfer
aufweisen. Dies entspricht der eutektischen Legierung des Systems Ag-Cu.
Diese Silber-Kupfer Legierung hat eine Härte von ca. HV 97, sie hat
eine hohe Zugfestigkeit von ca. 363 N/mm2,
eine geringe Bruchdehnung von ca. 21%, eine große Elastizität und einen
Schmelzpunkt von ca. 779°C.
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Die
zweite Legierung kann weniger als etwa 700 Teile Silber und mehr
als etwa 300 Teile Silber, und mehr als etwa 300 Teile Kupfer und
weniger als etwa 700 Teile Kupfer aufweisen.
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Gute
Ergebnisse wurden beispielsweise mit einer Legierung erreicht, bei
der die zweite Legierung weniger als etwa 600 Teile Silber und mehr
als etwa 400 Teile Silber, und mehr als etwa 400 Teile Kupfer und
weniger als etwa 600 Teile Kupfer aufweist.
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Des
weiteren hat sich eine Legierung als sehr vorteilhaft herausgestellt,
bei der die zweite Legierung etwa 500 Teile Silber oder weniger
als etwa 500 Teile Silber und etwa 500 Teile Kupfer oder weniger
als etwa 500 Teile Kupfer aufweist. Damit hat sie sehr gut zur ersten
Legierung kontrastierende Farben und ähnliche metallurgische und
verarbeitungstechnische Eigenschaften.
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Die
zweite Legierung erlaubt aufgrund ihrer Zusammensetzung ein einfaches Ätzen, das
in einer deutlich strukturierten Oberfläche resultieren kann. Diese
strukturierte Oberfläche
kann anschließend durch
Oxidation oder Sulfidation farblich abgesetzt und herausgestellt
werden.
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Die
erste Legierung kann 0 bis 200 Teile Kupfer, 0 bis 50 Teile Gold,
0 bis 50 Teile Aluminium, 0 bis 30 Teilen Gallium, 0 bis 30 Teile
Indium, 0 bis 50 Teile Silizium, 0 bis 30 Teile Zinn und/oder 0
bis 30 Teile Zink enthalten zur Einstellung der gewünschten Farbe
und/oder Festigkeit oder Verbesserung der Verarbeitbarkeit und Verschweißbarkeit
des Schichtblocks.
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Die
zweite Legierung kann 0 bis 50 Teile Gold, 0 bis 50 Teile Aluminium,
0 bis 30 Teilen Gallium, 0 bis 30 Teile Indium, 0 bis 50 Teile Silizium,
0 bis 30 Teile Zinn und/oder 0 bis 30 Teile Zink enthalten zur Einstellung
der gewünschten
Farbe und/oder Festigkeit oder Verbesserung der Verarbeitbarkeit und
Verschweißbarkeit
des Schichtblocks.
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Unter
Teilen der Metalle sind hier Gewichtsteile verstanden, wobei die
einzelnen Teile so bemessen sind, dass die Summe aller (Gewichts)teile
einer Legierung 1000 ergibt.
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Die
Lagen des Mokume-Schichtblocks können
als Bleche von etwa 0,2 bis etwa 4 mm in abwechselnder Reihenfolge
zu einem Block mit mehr als 2 bis etwa 40 Schichten geschichtet
und verschweißt
sein.
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Zunächst werden
die Bleche oder Stäbe
aus der ersten und der zweiten Legierung gereinigt, in abwechselnder
Farbfolge aufeinandergestapelt und danach sorgfältig miteinander verschweißt. Die
Verschweißung
kann in der offenen Flamme oder in einem Ofen erfolgen. Allen Vorgehensweisen
ist gemeinsam, dass kein Lot benutzt wird. Die aneinander anliegenden
Nichteisen-Metalle bilden beim Schweißvorgang an ihrer Grenze eine
neue Legierung, die diese verbindet. Ist die Verbindung der Platten
nicht durchgehend, können
Fehler entstehen, die erst zum Ende des nachfolgenden Bearbeitens
sichtbar werden.
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Der
fertig verschweißte,
gereinigte und an den Kanten versäuberte Schichtblock wird zu
einem im Querschnitt im Wesentlichen rechteckigen oder quadratischen
Stab vorzugsweise kalt ausgeschmiedet. Um ein Muster zu erzeugen,
wird er anschließend
um seine Mittel längsachse
tordiert und/oder gewalzt und in Längsrichtung in zwei oder mehr Scheiben
zerteilt (zum Beispiel zersägt).
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Aus
einem solchen Stab ist ein Schmuckstück, Ziergegenstand, Verzierung
durch Weiterverarbeiten erhältlich.
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Kurzbeschreibung der Figuren
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Weitere
Merkmale, Eigenschaften, Vorteile und mögliche Abwandlungen werden
für einen
Fachmann anhand der nachstehenden Beschreibung deutlich, in der
auf die beigefügte
Zeichnung Bezug genommen ist.
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1a ist
eine schematische perspektivische Darstellung Mokume-Schichtblocks,
der aus mehreren Blechen aus den zwei unterschiedlichen Legierungen
gebildet ist.
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1b ist
eine schematische perspektivische Darstellung Mokume-Schichtblocks,
der aus mehreren Blechen und Stäben
aus den zwei unterschiedlichen Legierungen gebildet ist.
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2a ist
eine schematische Draufsicht auf ein Beispiel eines tordierten Mokume-Stabes.
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2b ist
eine schematische Draufsicht auf ein Beispiel eines in Längsrichtung
zersägten
Mokume-Stabes zur Herstellung eines fugenlosen Rings.
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Detaillierte Beschreibung der Figuren
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1a, 1b zeigen
je einen Mokume-Schichtblock. Bleche und/oder Stäbe aus den zwei unterschiedlichen
Legierungen (die erste Legierung hat zwischen etwa 935 Teilen Silber
und etwa 925 Teilen Silber, der Rest ist im Wesentlichen Kupfer zu
etwa 50 Teilen, sowie geringen Anteilen Platin, Gold, Aluminium,
Gallium, Indium, Silizium, Arsen, Zinn und/oder Zink. Die zweite
Legierung hat etwa 500 Teile Silber und etwa 500 Teile Kupfer. Dabei können geringe
Anteile Platin, Gold, Aluminium, Gallium, Indium, Silizium, Arsen,
Zinn und/oder Zink in der zweiten Legierung enthalten sein) haben
sehr gut kontrastierende Farben und ähnliche metallurgische sowie
gute verarbeitungstechnische Eigenschaften.
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Diese
Bleche werden in der gewünschten Reihenfolge – in der 1 abwechselnd – zu einem Block geschichtet.
Daraus entsteht ein Mokume-Schichtblock durch die Verschweißung der
dünnen
Platten aus den verschiedenen Metallen oder Legierungen mit kontrastierenden
Farben. Das Verschweißen
erfolgt ohne Lot und resultiert in einem Mokume-Schichtblock aus
den laminierten Nichteisen-Metallen oder Lagenmetallen, der relativ
weich oder geschmeidig ist. Es handelt sich dabei um Metalle, die ähnliche
metallurgische und gute verarbeitungstechnische Eigenschaften haben.
Die Blöcke haben
dabei etwa 2 bis etwa 40 Schichten aus den beiden unterschiedlichen
Legierungen.
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Die
Bleche und/oder Stäbe
sind dabei so zusammengestellt, dass zwischen den Blechen jeweils ein
eindeutiger Farbkontrast besteht. Die einzelnen Bleche sind dabei
plan mit aufgerauter Oberfläche und
frei von Fremdkörpern,
Fett oder Oxydation. Die Verschweißung erfolgt durch Hitze, wodurch
eine Bewegung und Vermischung der Metalle an den Korngrenzen der
Berührungsflächen hervorgerufen
wird. Dabei kann eine neue molekulare Kristallstruktur entstehen,
eine blockartige Masse.
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Das
Aufschmelzen erfolgt bei einer Temperatur, die in der Nähe des Schmelzpunktes
der einzelnen Metalle/Legierungen liegt. Das so entstandene Halbzeug
kann warmausgehärtet
oder kaltausgehärtet
sein. Vor der Verformung zu einem prismatischen Stab (zum Beispiel
durch Walzen oder Tordieren), ist das Gefüge durch Schmieden mit anschließendem Ausglühen in einen
feinkörnigeren
Zustand zu bringen. Muster werden durch Weiterverarbeitung der Blöcke mit
unterschiedlichen Methoden eingebracht. Benutzt werden können Fräser, Stichel,
Bohrer, Stempel, Meißel
oder dergl.
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In
den Bindungszonen können
sich neue Legierungen mit anderen mechanischen Eigenschaften als
die erste und die zweite Legierung gebildet haben. Innerhalb der
Bindungszonen können
Gefügeaushärtungen
auftreten, die im Lauf der Umformung Scherbrüche und Kaltverschweißungen hervorrufen
können.
Diese können
durch Glühen
der Metalle vermieden werden können.
Die Festigkeit der Bindungszonen kann höher sein als eine Lötung. Evtl.
auftretende Risse können
durch geeignete Lote oder erneutes Verschweißen wieder verschlossen werden.
Vor dem Löten
oder erneuten Verschweißen kann
dazu das Metall oxidfrei gebeizt und dann zusammengeschmiedet werden.
Um Scherbrüche
oder Risse zu vermeiden, können
die Kopfseiten des Moduls vor dem Schmieden mit Lot flächig verlötet werden.
Nach dem Löten
und nach Umformungsschritten kann das Modul geglüht und anschließend in Wasser, Öl oder Alkohol
abgeschreckt werden.
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Dieses
Modul kann dann entweder mit der Technik des Mokume-gane oder der
Technik des Mokume-Damast weiter verarbeitet werden. Bei der Technik
des Mokume-gane entstehen durch Aufbrechen der Oberfläche und
anschließendes
Schmieden Bleche mit unregelmäßigen Mustern,
wie zum Beispiel Augenmuster. Bei der Technik des Mokume-Damast
werden nach dem Verschweißen
und Tordieren (Verdrehen) und Schmieden der geschichteten Metalle
zunächst
Stäbe hergestellt,
die anschließend weiter
verarbeitet werden. Im Gegensatz zu Mokume-gane entsteht hier bei
der Weiterverarbeitung ein regelmäßiges Muster, ähnlich den
Maserungen des Damaststahls. Der wie bei Mokume-Damast beschriebene
versäuberte
Schichtblock wird zu weiteren Verarbeitung zu Mokume-gane zunächst flach ausgeschmiedet.
Die späteren
Augenmuster und Linien entstehen durch das Aufbrechen der Oberfläche; indem
der Stab in Längsrichtung
zerteilt wird. Die oberen Schichten werden durchbohrt und/oder werden
Linien eingefräst.
Durch die Wegnahme von Material und das anschließende wieder Planschmieden
werden die unteren Schichten in die frei gewordenen Flächen gedrückt und
die Muster werden sichtbar.
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Ein
Schmuckstück,
wie zum Beispiel ein Ring, ist aus einem Stück wie folgt herzustellen:
Einer der wie zuvor beschrieben tordierten (2a) Mokume-Stab
wird an zwei voneinander beabstandeten Stellen durchgebohrt zwischen
den beiden Bohrstellen der Länge
nach aufgesägt.
Der Sägeschnitt
wird aufgespreizt (2b) und aufgeschmiedet. Dabei sind
die Schritte Zwischenglühen,
Richten, Schmieden, Feilen, Schmirgeln oftmals vor einer Endbearbeitung
durchzuführen.
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Ein
gelöteter
Ring ist aus einem Band herzustellen, das aus dem zuvor beschriebenen
tordierten Mokume-Stab hergestellt ist. Aus einem solchen Mokume-Stab
wird ein Metallstreifen oder auch -draht in der ermittelten Länge abgesägt, gerichtet,
gefeilt, rund gebogen und zugelötet.
Diese Schritte sind begleitet von Tätigkeiten wie Glühen, Beizen,
Richten, Feilen, Schmirgeln und Polieren oder Mattieren.
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Anstelle
der Ringe sind auch Anhänger,
Arm- und Fußreifen,
Ohrringe, oder dergl. aus dem Mokume-Schichtblock herstellbar. Es
können
auch Ziergegenstände
wie Schalen, Becher, Messergriffe, Besteckbeschläge, Gürtelschnallen, Knöpfe, oder
dergl. aus dem Mokume-Schichtblock
hergestellt werden.
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- L1
- erste
Legierung
- L2
- zweite
Legierung
- V
- Verschweißung
- B1
- erstes
Bohrloch
- B2
- zweites
Bohrloch
- LS
- Längsschnitt