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Die
Erfindung betrifft einen Sprungschuh für das Skispringen
oder Skifliegen. Der Sprungschuh stellt die Verbindung zwischen
dem Skispringer und dem Ski her. Die Schuhspitze wird im vorderen
Teil der Skibindung fixiert. An der Ferse ist der Sprungschuh frei
beweglich, wobei ein Band den Fersenabstand Sprungschuh-Ski begrenzt
und damit den Abstand zwischen dem Ski und dem Schuh des Springers
fixiert. Damit der Springer eine optimale Anlaufhocke einnehmen
kann, sind der Ski und/oder die Sohle des Sprungschuhs im Fersenbereich
erhöht.
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Der
Sprungschuh besitzt einerseits eine gewisse Festigkeit, ist andererseits
aber dennoch flexibel genug, um dem Skispringer für einen
maximalen Auftrieb und damit für große Weiten
die Vorlage während des Sprungs und die Skiführung
in der Luft zu ermöglichen.
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Heutige
Sprungschuhe besitzen einen bis zur Wade des Skispringers reichenden
steifen Hinterschaft, Wadenspoiler genannt. Beim Absprung schlägt
die Wade gegen den Wadenspoiler, was dem Ski einen Drehimpuls versetzt,
der dafür sorgt, dass die Skispitze früher angehoben
werden kann im Vergleich zu Schuhen ohne Wadenspoiler. So ist aus
DE 200 13 296 U1 ein
verstellbarer Wadenspoiler bekannt, der Dank einer individuellen
Einstellung für unterschiedliche Sprungbedingungen und
unterschiedliche Absprungwinkel im Fußgelenk und im Wadenbereich
des Springers es diesem ermöglicht, relativ schnell und
exakt in eine aerodynamische Flughaltung nach dem Absprung übergehen
zu können.
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Aus
der
DE 32 47 206 A1 ist
ein Skischuh für das Skifahren bekannt, der auf seiner
Vorderseite eine elastische Ver steifungseinrichtung aufweist, die entsprechend
dem Profil des Skischuhs gebogen und mit wenigstens einem Streifen
damit verbunden ist. Die Versteifungseinrichtung ist mit einer in
Vorwärtsrichtung elastisch biegbaren mit dem Skischuh verbundenen
Versteifungsleiste und einen austauschbaren Einsatzsteg ausgestattet,
der die Steifigkeit wahlweise vorgibt. Die Versteifungseinrichtung kann
mit dem unteren Teil des Skischuhs fest verbunden sein und obenseitig
einen hakenförmigen Vorsprung tragen, der in einen entsprechenden
Einschnitt am oberen Ende des Skischuhs selbst oder in seiner Zunge
einfassen kann. Die elastische Versteifungsvorrichtung hat die Aufgabe,
den Skischuh im Beinteil beweglicher zu machen. Während
des Vorwärtsbiegen des Beins beim Skifahren tritt eine
Widerlagerwirkung auf und bei dem nachfolgenden Ausweitungsstadium
eine schnelle elastische Rückführung in die Ausgangsstellung
der Versteifungseinrichtung. Für Skispringen ist dieser
Skischuh ungeeignet.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Skischuh für
das Skispringen bzw. Skifliegen in der Richtung weiter zu verbessern,
so dass der Skispringer den Ski nach dem Absprung noch schneller gegenüber
der Horizontalen anstellen kann, als es der derzeitige Stand der
Technik ermöglicht.
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Die
Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die im Anspruch
angegebenen Merkmale gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
geben die Unteransprüche an.
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Gemäß der
Erfindung ist ein blattfederartiges Element mit seinem unteren Ende
im Bereich der Zehenkappe des Sprungschuhs befestigt und im Übrigen
in einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung in die Zunge
des Sprungschuhs integriert. Je nach den biomechanischen Gegebenheiten
des Skispringers ist das blattfederartige Element mehr oder weniger
stark vorgebogen und in seinen Elastizitätseigenschaften
an den Springer angepasst. Das obere Ende des Federelements bzw.
der Zunge wird vor dem Sprung mit dem Unterschenkel des Skispringers fest
verbunden.
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Durch
die auf diese Weise hergestellte elastische Verbindung zwischen
der Schuhspitze des Sprungschuhs und dem Unterschenkel des Springers
wirkt beim Absprung, nämlich dann, wenn der Winkel zwischen
dem Unterschenkel und dem Fuß im Vergleich zur Anlauf-Hockstellung
vergrößert wird, ein Drehmoment auf die Schuhspitze,
welches die Schuhspitze in Richtung zum Unterschenkel zieht. Der
Skispringer wird dadurch wirkungsvoll in seinem Absprung unterstützt
und muss dieses Drehmoment nicht allein durch das Hochziehen von
Fuß und Zehen aufbringen. Der Ski wird noch früher
angestellt als bisher. Die Integration des blattfederartigen Elements
in den Sprungschuh sichert die Regelkonformität im Skisprung
bzw. Skifliegen.
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Anhand
eines Ausführungsbeispiels soll die Erfindung näher
erläutert werden. In den zugehörigen Zeichnungen
zeigt:
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1 Sprungschuh
und Unterschenkel eines Skispringers in Hockstellung des Springers
und
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2 Sprungschuh
und Unterschenkel eines Skispringers beim Absprung.
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Eine
Luftwiderstand reduzierende Hockstellung nach 1 nimmt
der Skispringer während des Anlaufs auf der Schanze ein.
Der Oberkörper des Springers liegt nahezu parallel zu den
Skiern auf den Oberschenkeln. Das Schienenbein bildet mit dem Schuhspann
einen spitzen Winkel. An der Zehenkappe 4 des Sprungschuhs 1 ist
ein blattfederartiges Element 2 mit seinem unteren Ende
geeignet befestigt, beispielsweise kraftschlüssig mittels
einer Niet- oder Klebverbindung. Es ist aber auch eine formschlüssige
Verbindung möglich. Das Federelement 2 folgt der Kontur
Schuhspann-Vorderschaft-Schienenbein. Außerdem folgt es,
wie auch die Zunge, der Rundung von Sprungschuh und Unterschenkel.
Vor dem Sprung wird das obere Ende des Federelements 2 am
Unterschenkel fixiert. Dies kann beispielsweise mit Hilfe eines
Klettbandes 3, eines Schnürbandes, eines Riemens
oder einer Klammer erfolgen. im Übergang vom Schuhspann
zum Schaft ist das blattfederartige Element 2 bzw. die
Zunge mit einem integrierten blattfederförmigen Element 2 von
einem Riemen 5 fixiert. Der Riemen 5 kann aber
auch unterhalb des blattfederartigen Elements 2 geführt
sein.
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Das
Federelement 2 ist so vorgespannt, dass entgegen der Federkraft
sein unterer Federschenkel von der Zehenkappe 4 und sein
oberer Federschenkel vom Unterschenkelbefestigungsmittel 3 gehalten
werden. Der Skispringer bringt die nötige Gegenkraft entgegen
der Vorspannkraft des Federelements 2 in der Anlaufphase
allein durch sein Gewicht im Zusammenspiel mit der Hebelwirkung
in gehockter Haltung auf, so dass er seine Muskelkraftressourcen
für den Absprung schonen kann. Die Kräftepfeile
zeigen, dass das Schienenbein des Springers entgegen der Federkraft
auf das Federelement 2 wirkt, welches seinerseits eine
Kraft auf die Fußspitze ausübt. Die Federkraft
und Federlänge des Federelements 2 lassen sich
sehr gut an die individuellen biomechanischen und sonstigen Gegebenheiten
des Skispringens anpassen. Die Reaktionskraft der Feder auf den
Unterschenkel unterstützt die Kontrolle der Balance des
Sportlers während des Anlaufs.
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In 2 ist
die Springschuh-Unterschenkel-Situation in der Absprungphase schematisch
dargestellt. Während es beim Anlauf auf eine möglichst hohe
Endgeschwindigkeit ankommt, ist beim Absprung ein exaktes Timing
entscheidend, um eine möglichst weite Flugbahn einzuleiten.
Der Absprung ist somit nicht nur der schwierigste, sonder auch der entscheidende
Teil eines Sprungs. Ein Ziel ist es, möglichst schnell
eine aerodynamische Ski- und Körperhaltung einzunehmen.
Hierbei spielt ein optimaler Anstellwinkel des Skis eine große
Rolle, der einerseits einen geringen Luftwiderstand schaffen soll
und andererseits im weiteren Verlauf des Sprungs die tragende Wirkung
des Luftwiderstandes optimal nutzen soll.
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Beim Übergang
von der Hockhaltung in die Vorlagehaltung wird das System Skispringer-Springschuh 1 -Ski-Bakken
und damit die Schwerkraftwirkung auf das federelastische Element 2 aufgehoben. Das
blattfederartige Element 2 zieht jetzt die Schuhspitze
des Sprungschuhs 1 an der Schuhkappe 4 hoch und
damit die Skispitze, soweit es das hintere Begrenzungsband erlaubt
und unterstützt damit den Springer beim Anstellen des Skis.
Das Federelement 2 entspannt sich dabei entsprechend. Der
Springer muss nicht mehr versuchen, allein durch das Hochziehen
von Fuß und Zehen einen schnellen Anstellwinkel herzustellen,
sondern er kann sich auf eine je nach fortgeschrittener Flugphase
optimale Flughaltung konzentrieren, wozu auch die Korrektur des
Anstellwinkels und seiner Vorlage zählt. Die Kräftepfeile veranschaulichen,
wie sich das Federelement 2 entspannt und, da das Schienenbein
ein Festlager bildet, die freie Schuhspitze hochzieht und damit
den Sprungschuh 1 nach vorn anstellt.
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In
der Landephase wirkt wiederum die Landehaltung des Springers vereint
mit der Schwerkraft auf das Federelement 2.
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Beim
Zurücklaufen zur Schanze und beim Aufstieg wird das Befestigungsmittel 3 am
Unterschenkel gelöst. Das Federelement 2 stellt
sich vom Unterschenkel ab und wirkt in keiner Weise behindernd.
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Das
Federelement 2 ist, wie bereits ausgeführt, mit
seinem unteren Ende im Bereich der Zehenkappe 4 befestigt.
Die Befestigung kann separat erfolgen, zusammen mit der Befestigung
der Zunge an der Zehenkappe oder auch durch alleinige Befestigung
der Zunge, in welche dann das Federelement 2 integriert
ist. Für eine große Hebellänge und damit eine
optimale Wirkung sollte das Federelement 2 möglichst
weit vorn an der Zehenkappe befestigt sein. Obwohl nicht Voraussetzung
für die Erfindung, wird vorzugsweise unabhängig
von der Befestigungsweise des unteren Endes des Federelements 2 dieses
in die Zunge des Sprungschuhs integriert. Die Zunge polstert auf
diese Weise das Federelement 2 ab. In einer weiteren vorteilhaften
Ausgestaltung reicht die Zunge bis zum freien Schienenbein des Springers.
Es ist aber ebenso möglich, dass das Federelement 2 mit
seinem Oberteil über die Zungenlänge ragt. Die
obere Verbindung des Federelements 2 bzw. der Zunge mit
dem Springer erfolgt z. B. mit einem Klettband entweder direkt am
Unterschenkel oder indirekt am Hinterschaft (Wadenspoiler) des Sprungschuhs.
Auch ist es möglich, dass ein Befestigungsmittel 3 integraler
Bestandteil des Federelements 2 oder der Zunge ist.
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Als
Material für das Federelement 2 eignet sich insbesondere
ein glasfaserverstärkter Kunststoff, aber selbstverständlich
sind auch weitere Federmaterialien einsetzbar, beispielsweise eine
Stahlblattfeder. Das Federelement 2 kann sowohl in den Elastizitätseigenschaften
als auch in seiner Vorspannung an den Springer gut angepasst werden.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 20013296
U1 [0003]
- - DE 3247206 A1 [0004]