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Gebiet der Erfindung
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Die nach den methodischen Entwicklungen
der letzten Jahre in der Molekularbiologie gut studierten Beobachtungsebenen
sind die Gene selbst, die Übersetzung
dieser Gene in RNA und die daraus entstehenden Proteine. Wann im
Laufe der Entwicklung eines Individuums welches Gen angeschaltet
wird und wie Aktivieren und Inhibieren bestimmter Gene in bestimmten
Zellen und Geweben gesteuert wird, ist mit Ausmaß und Charakter der Methylierung
der Gene bzw. des Genoms korrelierbar. Insofern äußern sich pathogene Zustände in einem
veränderten
Methylierungsmuster einzelner Gene oder des Genoms.
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Die vorliegende Erfindung betrifft
Nukleinsäuren,
Oligonukleotide, PNA-Oligomere und ein Verfahren für die Charakterisierung,
Klassifizierung, Differenzierung, Grad-Einstufung, Einstufung, Therapie
und/oder Diagnose oder die Prädisposition
von Astrocytomen durch die Analyse der genetischen und/oder epigenetischen Parametern
von genomischer DNA und insbesondere dessen Cytosin-Methylierungsstatus.
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Stand der Technik
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Es wird vorhergesehen, daß in den
Vereinigten Staaten 2001 17,200 Erwachsene Hirntumore entwickeln
werden. Von den verschiedenen Klassen an Tumoren sind Gliome die
häufigsten,
von denen Atrocytome einer der am meisten verbreiteten sind. Diese
können
gemäß der WHO
Klassifikation in vier Kategorien eingestuft werden, pilocytische
Astrocytome, niedrig-Grad nichtpilocytische Astrocytome, anaplastische
Gliome und Glioblastome multiforme. Pilocytische Astrocytome (WHO
Grad I) sind die am meisten benignen und werden gewöhnlich in
Kindheitsfällen
gefunden. Sie bilden gelegentlich Zysten oder sind in Zysten eingeschlossen und
wachsen langsam und im allgemeinen nicht-invasiv. Die Behandlung
im ersten Fall erfolgt durch Chirurgie, die in einigen Fällen von
Bestrahlungstherapie gefolgt werden kann. Die Effektivität von Chemotherapie
und anderen Formen der Behandlung werden augenblicklich untersucht.
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Grad II Astrocytome schließen fibrilläre, gemistocytische
und protoplasmatische Astrocytome ein. Im Gegensatz zu Grad I Tumoren
sind sie infiltrativ. Die Behandlung erfolgt idealerweise durch
vollständige
chirurgische Entfernung, wo möglich.
In einigen Fällen
kann die Chirurgie durch Bestrahlungstherapie ergänzt werden.
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Eine grundlegende Eigenschaft von
astrocytotischen Gliomen ist eine Fähigkeit, einer anaplastischen Veränderung
unterzogen zu werden. Dies wird mit der Entwicklung von seriellen
genetischen Defekten in Zusammenhang gebracht, die für das geordnete
Fortschreiten von Eigenschaften der Malignität verantwortlich sind, d.h.
Hyperzellularität,
Anaplasie. Es ist wichtig, eine Unterscheidung zwischen Grad I pilocytischen
Astrocytomen und diffusiv infiltrierenden Grad II Tumoren zu treffen,
da nur die zuletzt genannte Gruppe weist eine Neigung auf, sich
in die malignen Grad III (z. B. anaplastische Astrocytome) und letztlich
Grad IV (z. B. Glioblastom multiforme) Tumore zu entwickeln.
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Anders als für Brustkrebs und die meisten
anderen Formen von Krebs gibt es keine etablierten Richtlinien zur
Einstufung von Astrocytomen. Die Diagnose erfolgt oftmals durch
Scanbildgebende Verfahren (z. B. MRI, CT), die von einer Biopsie
für die
histologische und cytologische Analyse gefolgt werden kann. Unter
der Verwendung solcher Verfahren kann die Unterscheidung zwischen
Grad I und Grad II Astrocytomen nicht immer klar sein.
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Die Diagnose durch solche Verfahren
verwendet nicht die molekulare Basis des Fortschreitens der Malignität. Weiterhin
bieten molekulare Marker den Vorteil, daß sogar Proben sehr kleiner
Größe und Proben, deren
Gewebearchitektur nicht erhalten wurde, relativ effizient analysiert
werden können.
Innerhalb des letzten Jahrzehnts wurde von zahlreichen Genen gezeigt,
daß diese
zwischen benignen und malignen Tumoren unterschiedlich exprimiert
werden. Jedoch wurde von keinem einzelnen Marker gezeigt, daß er für die Unterscheidung
zwischen den zwei Tumoren ausreichend ist. Von hoch-dimensionalen
mRNA-basierten Ansätzen wurde
kürzlich
gezeigt, daß sie
in der Lage sind, ein besseres Mittel zur Verfügung zu stellen, um zwischen verschiedenen
Tumortypen und benignen und malignen Läsionen zu unterscheiden. Die
Anwendung als ein Routine diagnostisches Werkzeug in einer klinischen
Umgebung wird jedoch durch die extreme Instabilität der mRNA,
die im Anschluß an
bestimmte auslösende
Faktoren (z. B. die Probensammlung) schnell auftretende Expressionsveränderungen
und, was am Wichtigsten ist, die große Menge an mRNA, die für die Analyse
benötigt
wird (Lipshutz, R. J. et al., Nature Genetics 21:20-24, 1999; Bowtell,
D. D. L. Nature genetics suppl. 21:25-32, 1999), und die oft nicht
von einer Routinebiopsie erhalten werden kann, behindert.
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Die aberrante DNA Methylierung innerhalb
von CpG Inseln ist in menschlichen malignen Erkrankungen verbreitet,
was zu einer Einstellung oder Überexpression
eines breiten Spektrums von Genen führt (Jones, P.A. Cancer Res
65:2463-2467, 1996). Von der abnormalen Methylierung wurde auch
gezeigt, daß sie
in CpG reichen regulatorischen Elementen in intronischen und kodierenden
Teilen von Genen von bestimmten Tumoren (Chan, M.F., et al1., Curr
Top Microbiol Immunol 249:75-86,2000) auftritt. Hoch charakteristische
DNA Methylierungsmuster konnten auch für Brustkrebs Zellinien gezeigt
werden (Huang, T. H.-M., et al., Hum Mol Genet 8:459-470, 1999).
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Die abnormale Methylierung von Genen
wurde mit dem Auftreten von Gliomen in Zusammenhang gebracht (z.B.
Epigenetic silencing of PEG3 gene expression in human glioma cell
lines. Maegawa et. al. Mol Carcinog. 2001 May;31(1):1-9. ). Es wurde
auch gezeigt, daß die
Analyse von Methylierungsmustern mit der Entwicklung von Astrocytomen
geringen Grades korreliert werden kann (Aberrant methylation of
genes in low-grade Astrocytomen. Costello JF, Plass C, Cavenee WK.
Brain Tumor Pathol. 2000;17(2):49-56). Jedoch sind die in solchen
Studien verwendeten Techniken (Restriktions-Landmark genomisches
Scanning, Imprinting-Analyse)
auf die Forschung begrenzt, sie sind für die Verwendung in einem klinischen
oder diagnostischen Aufbau ungeeignet und stellen keine Basis für die Entwicklung
eines mittleren oder Hochdurchsatz-Verfahren für die Analyse von Gliomen zur
Verfügung.
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5-Methylcytosin ist die häufigste
kovalent modifizierte Base in der DNA eukaryontischer Zellen. Sie spielt
beispielsweise eine Rolle in der Regulation der Transkription, beim
genetischen Imprinting und in der Tumorgenese. Die Identifizierung
von 5-Methylcytosin als Bestandteil genetischer Information ist
daher von erheblichem Interesse. 5-Methylcytosin-Positionen können jedoch nicht durch Sequenzierung
identifiziert werden, da 5-Methylcytosin das gleiche Basenpaarungsverhalten
aufweist wie Cytosin. Darüber
hinaus geht bei einer PCR-Amplifikation die epigenetische Information,
welche die 5-Methylcytosine tragen, vollständig verloren.
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Eine relativ neue und die mittlerweile
am häufigsten
angewandte Methode zur Untersuchung von DNA auf 5-Methylcytosin
beruht auf der spezifischen Reaktion von Bisulfit mit Cytosin, das
nach anschließender
alkalischer Hydrolyse in Uracil umgewandelt wird, welches in seinem
Basenpaarungsverhalten dem Thymidin entspricht. 5-Methylcytosin
wird dagegen unter diesen Bedingungen nicht modifiziert. Damit wird
die ursprüngliche
DNA so umgewandelt, daß Methylcytosin,
welches ursprünglich
durch sein Hybridisierungsverhalten vom Cytosin nicht unterschieden
werden kann, jetzt durch „normale"
molekularbiologische Techniken als einzig verbliebenes Cytosin beispielsweise
durch Amplifikation und Hybridisierung oder Sequenzierung nachgewiesen werden
kann. Alle diese Techniken beruhen auf Basenpaarung, welche jetzt
voll ausgenutzt wird. Der Stand der Technik, was die Empfindlichkeit
betrifft, wird durch ein Verfahren definiert, welches die zu untersuchende DNA
in einer Agarose-Matrix
einschließt,
dadurch die Diffusion und Renaturierung der DNA (Bisulfit reagiert nur
an einzelsträngiger
DNA) verhindert und alle Fällungs-
und Reinigungsschritte durch schnelle Dialyse ersetzt (Olek A, Oswald
J, Walter J. A modified and improved method for bisulphite based
cytosine methylation analysis. Nucleic Acids Res. 1996 Dec 15;24(24):5064-6).
Mit dieser Methode können
einzelne Zellen untersucht werden, was das Potential der Methode
veranschaulicht. Allerdings werden bisher nur einzelne Regionen
bis etwa 3000 Basenpaare Länge
untersucht, eine globale Untersuchung von Zellen auf Tausenden von möglichen
Methylierungsanalysen ist nicht möglich. Allerdings kann auch
dieses Verfahren keine sehr kleinen Fragmente aus geringen Probenmengen
zuverlässig
analysieren. Diese gehen trotz Diffusionsschutz durch die Matrix
verloren.
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Eine Übersicht über die weiteren bekannten
Möglichkeiten,
5-Methylcytosine nachzuweisen, kann aus dem folgenden Übersichtsartikel
entnommen werden: Rein, T., DePamphilis, M. L., Zorbas, H., Nucleic
Acids Res. 1998, 26, 2255.
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Die Bisulfit-Technik wird bisher
bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Zeschnigk M, Lich C, Buiting K, Doerfler
W, Horsthemke B. A single-tube PCR test for the diagnosis of Angelman
and Prader-Willi syndrome based on allelic methylation differences
at the SNRPN locus. Eur J Hum Genet. 1997 Mar-Apr;5(2):94-8) nur in
der Forschung angewendet. Immer aber werden kurze, spezifische Stücke eines
bekannten Gens nach einer Bisulfit-Behandlung amplifiziert und entweder
komplett sequenziert (Olek A, Walter J. The pre-implantation ontogeny
of the H19 methylation imprint. Nat Genet. 1997 Nov;17(3):275-6)
oder einzelne Cytosin-Positionen durch
eine „Primer-Extension-Reaktion"
(Gonzalgo ML, Jones PA. Rapid quantitation of methylation differences
at specific sites using methylation-sensitive single nucleotide
primer extension (Ms-SNuPE). Nucleic Acids Res. 1997 Jun 15;25(12):2529-31,
WO 95/00669) oder einen Enzymschnitt (Xiong Z, Laird PW. COBRA: a
sensitive and quantitative DNA methylation assay. Nucleic Acids
Res. 1997 Jun 15;25(12):2532-4) nachgewiesen. Zudem ist auch der
Nachweis durch Hybridisierung beschrieben worden (Olek et al., WO
99/28498).
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Weitere Publikationen, die sich mit
der Anwendung der Bisulfit-Technik zum Methylierungsnachweis bei
einzelnen Genen befassen, sind: Grigg G, Clark S. Sequencing 5-methylcytosine
residues in genomic DNA. Bioessays. 1994 Jun;16(6):431-6, 431; Zeschnigk
M, Schmitz B, Dittrich B, Buiting K, Horsthemke B, Doerfler W. Imprinted
segments in the human genome: different DNA methylation patterns
in the Prader-Willi/Angelman syndrome region as determined by the
genomic sequencing method. Hum Mol Genet. 1997 Mar;6(3):387-95;
Feil R, Charlton J, Bird AP, Walter J, Reik W. Methylation analysis
on individual chromosomes: improved protocol for bisulphite genomic
sequencing. Nucleic Acids Res. 1994 Feb 25;22(4):695-6; Martin V,
Ribieras S, Song-Wang X, Rio MC, Dante R. Genomic sequencing indicates
a correlation between DNA hypomethylation in the 5' region of the
pS2 gene and its expression in human breast cancer cell lines. Gene. 1995
May 19;157(1-2):261-4; WO 97/46705, WO 95/15373 und WO 97/45560.
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Eine Übersicht über den Stand der Technik in
der Oligomer Array Herstellung läßt sich
aus einer im Januar 1999 erschienenen Sonderausgabe von Nature Genetics
(Nature Genetics Supplement, Volume 21, January 1999) und der dort
zitierten Literatur entnehmen.
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Für
die Abtastung eines immobilisierten DNA-Arrays sind vielfach fluoreszenzmarkierte
Sonden verwendet worden. Besonders geeignet für Fluoreszenzmarkierungen ist
das einfache Anbringen von Cy3 und Cy5 Farbstoffen am 5'-OH der
jeweiligen Sonde. Die Detektion der Fluoreszenz der hybridisierten
Sonden erfolgt beispielsweise über
ein Konfokalmikroskop. Die Farbstoffe Cy3 und Cy5 sind, neben vielen
anderen, kommerziell erhältlich.
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Matrix-assistierte Laser Desorptions/Ionisations-Massenspektrometrie
(MALDI-TOF) ist eine sehr leistungsfähige Entwicklung für die Analyse
von Biomolekülen
(Karas M, Hillenkamp F. Laser desorption ionization of proteins
with molecular masses exceeding 10,000 daltons. Anal Chem. 1988
Oct 15;60(20):2299-301). Ein Analyt wird in eine lichtabsorbierende
Matrix eingebettet. Durch einen kurzen Laserpuls wird die Matrix
verdampft und das Analytmolekül
so unfragmentiert in die Gasphase befördert. Durch Stöße mit Matrixmolekülen wird
die Ionisa tion des Analyten erreicht. Eine angelegte Spannung beschleunigt
die Ionen in ein feldfreies Flugrohr. Auf Grund ihrer verschiedenen
Massen werden Ionen unterschiedlich stark beschleunigt. Kleinere Ionen
erreichen den Detektor früher
als größere.
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MALDI-TOF Spektrometrie eignet sich
ausgezeichnet zur Analyse von Peptiden und Proteinen. Die Analyse
von Nukleinsäuren
ist etwas schwieriger (Gut I G, Beck S. DNA and Matrix Assisted
Laser Desorption Ionization Mass Spectrometry. Current Innovations
and Future Trends. 1995, 1; 147-57). Für Nukleinsäuren ist die Empfindlichkeit
etwa 100 mal schlechter als für
Peptide und nimmt mit zunehmender Fragmentgröße überproportional ab. Für Nukleinsäuren, die
ein vielfach negativ geladenes Rückgrat
haben, ist der Ionisationsprozeß durch
die Matrix wesentlich ineffizienter. In der MALDI-TOF Spektrometrie
spielt die Wahl der Matrix eine eminent wichtige Rolle. Für die Desorption
von Peptiden sind einige sehr leistungsfähige Matrizes gefunden worden,
die eine sehr feine Kristallisation ergeben. Für DNA gibt es zwar mittlerweile
einige ansprechende Matrizes, jedoch wurde dadurch der Empfindlichkeitsunterschied
nicht verringert. Der Empfindlichkeitsunterschied kann verringert
werden, indem die DNA chemisch so modifiziert wird, daß sie einem
Peptid ähnlicher wird.
Phosphorothioatnukleinsäuren,
bei denen die gewöhnlichen
Phosphate des Rückgrats
durch Thiophosphate substituiert sind, lassen sich durch einfache
Alkylierungschemie in eine ladungsneutrale DNA umwandeln (Gut IG,
Beck S. A procedure for selective DNA alkylation and detection by
mass spectrometry. Nucleic Acids Res. 1995 Apr 25;23(8):1367-73).
Die Kopplung eines „charge
tags" an diese modifizierte DNA resultiert in der Steigerung der
Empfindlichkeit um den gleichen Betrag, wie er für Peptide gefunden wird. Ein
weiterer Vorteil von „charge
tagging" ist die erhöhte
Stabilität
der Analyse gegen Verunreinigungen, die den Nachweis unmodifizierter
Substrate stark erschweren.
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Genomische DNA wird durch Standardmethoden
aus DNA von Zell-, Gewebe- oder sonstigen Versuchsproben gewonnen.
Diese Standardmethodik findet sich in Referenzen wie Fritsch und
Maniatis eds., Molecular Cloning: A Laboratory Manual, 1989.
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Beschreibung
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Die offenbarte Erfindung stellt ein
Verfahren und Nukleinsäuren
zur Einstufung von Astrocytomen zur Verfügung. Sie beschreibt ein Mittel
zur Unterscheidung zwischen gesundem Gewebe, pilocytischem Astrocytom
(Grad I) und Grad II Astrocytomzellen. Dies stellt ein Mittel für die verbesserte
Einstufung und Grad-Einteilung von Hirmtumoren auf einem molekularen
Niveau im Gegensatz zu den augenblicklich verwendeten Verfahren
relativ subjektiver Natur, wie zum Beispiel histologische Analyse
und Scan-Imaging. Dies ist von besonderer Wichtigkeit aufgrund von
den verschiedenen Prognose und der Behandlung von Grad I und II
Astrocytom-Patienten. Die offenbarte Erfindung stellt die Mittel
für die
Entwicklung eines standardisiertes Verfahren der Eistufung von Astrocytomen
zur Verfügung,
das im Augenblick nicht existiert. Weiterhin zeigt die offenbarte Erfindung
Verbesserungen über
den Stand der Technik, da die augenblicklichen Verfahren der histologischen und
cytologischen Analyse erfordern, daß die Biopsie eine ausreichende
Menge an Gewebe enthält.
Das Verfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung kann zur Klassifizierung von kleinsten Proben verwendet
werden.
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Die Erfindung stellt die chemisch
modifizierte genomische DNA zur Verfügung, sowie Oligonukleotide und/oder
PNA-Oligomere zum Nachweis von Cytosin-Methylierungen, sowie ein
Verfahren, das besonders für die
Charakterisierung, Klassifizierung, Differenzierung, Grad-Einteilung,
Einstufung und Behandlung und/oder der Diagnose von Astrocytomen
geeignet ist. Die vorliegende Erfindung basiert auf der Entdeckung,
daß genetische
und epigenetische Parametern und, insbesondere die Cytosin-Methylierungsmuster
von genomischer DNA besonders für
die Charakterisierung, Klassifizierung, Differenzierung, Grad-Einteilung,
Einstufung und Behandlung und/oder der Diagnose von Astrocytomen
geeignet sind.
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Diese Aufgabe wird gemäß der vorliegenden
Erfindung gelöst,
indem eine Nukleinsäure
verwendet wird, die eine Sequenz von mindestens 18 Basen Länge der
chemisch vorbehandelten genomischen DNA gemäß einer der Seq. ID No.1 bis
Seq. ID No.120 enthält.
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Die chemisch modifizierte Nukleinsäure konnte
bisher nicht in Zusammenhang mit der Ermittlung von genetischen
und epigenetische Parametern gebracht werden.
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Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung
wird weiterhin durch ein Oligonukleotid oder Oligomer zur Detektion
des Cytosin-Methylierungszustandes in chemisch vorbehandelter DNA,
umfassend mindestens eine Basensequenz mit einer Länge von
mindestens 13 Nukleotiden gelöst,
die an eine chemisch vorbehandelte DNA gemäß einer der Seq. ID No. 1 bis
Seq. ID No. 120 hybridisiert. Die erfindungsgemäßen Oligomersonden stellen
wichtige und effektive Werkzeuge dar, die es zum ersten Mal ermöglichen,
spezifische genetische und epigenetische Parameter von Hirntumoren
zu ermitteln, insbesondere bei der Charakterisierung, Klassifizierung,
Differenzierung, Grad-Einteilung, Einstufung und Behandlung und/oder
der Diagnose von Astrocytomen. Bevorzugterweise umfaßt die Basensequenz
der Oligomere mindestens ein CpG Dinukleotid. Die Sonden können auch
in Form einer PNA (Peptide Nucleic Acid) vorliegen, die besonders
bevorzugte Paarungseigenschaften aufweist. Besonders bevorzugt sind
erfindungsgemäße Oligonukleotide,
bei denen das Cytosin des CpG Dinukleotids das 5. – 9. Nukleotid
vom 5'-Ende des 13-mers ist, im Falle von PNA-Oligomeren ist es
bevorzugt, daß das
Cytosin des CpG Dinukleotids das 4. – 6. Nukleotid vom 5'-Ende
des 9-mers ist.
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Die erfindungsgemäßen Oligomere werden normalerweise
in sogenannten „Sets"
eingesetzt, die für jedes
der CpG Dinukleotide eine der Sequenzen der Seq. ID No. 1 bis Seq.
ID No. 120 mindestens ein Oligomer umfassen. Bevorzugt ist ein Set,
das für
jedes der CpG Dinukleotide aus einer der Seq ID No. 1 bis Seq ID
No. 120 mindestens ein Oligomer umfaßt.
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Darüber hinaus stellt die Erfindung
ein Set von mindestens zwei Oligonukleotiden zur Verfügung, die als
sogenannte „Primer-Oligonukleotide"
zur Amplifikation von DNA-Sequenzen einer der Seq. ID No. 1 bis Seq.
ID No. 120 oder Abschnitten davon eingesetzt werden können.
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Im Falle der erfindungsgemäßen Sets
von Oligonukleotiden ist es bevorzugt, daß mindestens ein Oligonukleotid
an eine Festphase gebunden ist. Es ist weiter bevorzugt, daß alle der
Oligonukleotide eines Sets an eine Festphase gebunden sind.
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Die vorliegende Erfindung betrifft
weiterhin einen Satz von mindestens 10 n (Oligonukleotiden und/oder
PNA-Oligomeren), die zur Detektion des Cytosin-Methylierungszustandes
in chemisch vorbehandelter genomischer DNA (Seq. ID No. 1 bis Seq.
ID No. 120) dienen. These Sonden ermöglichen die Charakterisierung,
Klassifizierung, Differenzierung, Grad-Einteilung, Einstufung und/oder Diagnose
von genetischen und epigenetischen Parametern von Hirntumoren, genauer
gesagt Astrocytomen. Weiterhin ermöglichen die Sonden die Diagnose
der Prädisposition
gegenüber
Astrocytomen. Das Set von Oligomeren kann auch zur Detektion von
Single Nucleotide Polymorphismen (SNPs) in der chemisch vorbehandelten
DNA gemäß einer
der Seq. ID No. 1 bis Seq. ID No. 120 verwendet werden.
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Gemäß der vorliegenden Erfindung
ist es bevorzugt, daß eine
von der Erfindung zur Verfügung
gestellte Anordnung aus unterschiedlichen Oligonukleotiden und/oder
PNA-Oligomeren (ein sogenanntes "Array") ebenfalls an eine Festphase
gebunden vorliegt. Dieses Array von unterschiedlichen Oligonukleotid- und/oder
PNA-Oligomersequenzen kann dadurch gekennzeichnet sein, daß es auf
der Festphase in Form eines rechtwinkligen oder hexagonalen Gitters
angeordnet ist. Bevorzugterweise besteht die Festphasenoberfläche aus
Silizium, Glas, Polystyrol, Aluminium, Stahl, Eisen, Kupfer, Nickel,
Silber oder Gold. Möglich
sind jedoch auch Nitrocellulose sowie Kunststoffe wie zum Beispiel
Nylon, die in Form von Kugeln oder auch als Harz-Matrizes vorliegen
können.
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Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden
Erfindung ist daher ein Verfahren zur Herstellung eines auf einem
Trägermaterial
fixierten Arrays zur Analyse in Zusammenhang mit der Genregulation
assoziierten Erkrankungen, bei dem mindestens ein Oligomer gemäß der Erfindung
an eine feste Phase gekoppelt wird. Verfahren zur Herstellung von
solchen Arrays sind zum Beispiel aus der
US 5,744,305 mittels Festphasenchemie und
photolabilen Schutzgruppen bekannt.
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Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden
Erfindung betrifft einen DNA-Chip zur Charakterisierung, Klassifizierung,
Differenzierung, Grad-Einteilung, Einstufung, Behandlung und/oder
Diagnose von genetischen und epigenetischen Parametern von Astrocytomen.
Weiterhin ermöglicht
der Chip die Diagnose der Prädisposition
gegenüber
Astrocytomen. Der Chip enthält
mindestens eine Nukleinsäure
gemäß der vorliegenden
Erfindung. DNA-Chips sind zum Beispiel aus der
US 5,837,832 bekannt.
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Gegenstand der vorliegenden Erfindung
ist zudem ein Kit, das zum Beispiel aus einer Bisulfit enthaltenden
Reagenz, einem Satz von Primeroligonukleotiden umfassend mindestens
zwei Oligonukleotide, deren Sequenzen jeweils mindestens einen 18
Basenpaaren langen Abschnitt der im Anhang aufgeführten Basensequenzen
(Seq. ID No. 1 bis Seq. ID No. 120), Oligonukleotiden und/oder PNA-Oligomeren
sowie einer Anleitung zur Durchführung
und Auswertung des beschriebenen Verfahrens bestehen kann. Ein Kit
im Sinne der Erfindung kann jedoch auch nur Teile der vorgenannten
Bestandteile enthalten.
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Die Erfindung stellt weiterhin ein
Verfahren zur Ermittlung von genetischen und/oder epigenetischen Parametern
von genomischer DNA zur Verfügung.
Das Verfahren dient der Grad- Einstufung,
Einstufung, Behandlung und/oder der Diagnose von Astrocytomen, insbesondere
der Unterscheidung von Grad I und Grad II Tumoren. Das Verfahren
ermöglicht
die Analyse von Cytosin-Methylierungen und Single Nucleotide Polymorphismen,
wobei die folgenden Schritte enthalten sind:
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In einem ersten Verfahrensschritt
muß die
genomische DNA-Probe aus Gewebe oder zellulären Quellen isoliert werden.
Such Quellen können
Zellinien, histologische Objektträger, Körperflüssigkeiten, zum Beispiel cerebrospinale
Flüssigkeit
oder lymphatischer Flüssigkeit,
oder in Paraffin eingebettetes Gewebe; zum Beispiel, Hirn, zentrales
Nervensystem oder lymphatisches Gewebe einschließen. Die Extraktion kann durch Mittel
erfolgen, die Standard für
den Fachmann sind, diese schließen
die Verwendung von Detergenzlysaten, die Beschallung und Vortexen
mit Glasperlen ein. Sobald die Nukleinsäuren extrahiert wurden, wird
die genomische doppelsträngige
DNA in er Analyse verwendet.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kann die DNA vor der chemischen Behandlung gespalten werden, dies
kann durch jedes Standardmittel im Stand der Technik erfolgen, insbesondere
mit Restriktionsendonukleasen.
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Im zweiten Verfahrensschritt wird
eine genomische DNA-Probe derart chemisch behandelt, daß an der 5'-Position
unmethylierte Cytosinbasen in Uracil, Thymin oder eine andere vom
Hybridisierungsverhalten her dem Cytosin unähnliche Base umgewandelt werden.
Dies wird im folgenden unter „chemischer
Vorbehandlung" verstanden.
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Bevorzugt wird dazu die oben beschriebene
Behandlung genomischer DNA mit Bisulfit (Hydrogensulfit, Disulfit)
und anschließender
alkalischer Hydrolyse angewendet, die zu einer Umwandlung nicht
methylierter Cytosin-Nukleobasen in Uracil oder eine andere vom
Basenpaarungsverhalten her dem Cytosin unähnliche Base führt.
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Aus dieser chemisch vorbehandelten
genomischen DNA werden Fragmente unter Verwendung von Sätzen von
erfindungsgemäßen Primer-Oligonukleotiden
und einer bevorzugterweise hitzestabilen Polymerase amplifiziert.
Aus statistischen und praktikablen Erwägungen werden bevorzugterweise
mehr als zehn unterschiedliche Fragmente amplifiziert, die 100 – 2000 Basenpaare
lang sind. Die Amplifikation von mehreren DNA-Abschnitten kann simultan
in ein und demselben Reaktionsgefäß durchgeführt werden. Üblicherweise wird
die Amplifikation mittels der Polymerasekettenreaktion (PCR) durchgeführt.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
des Verfahrens umfaßt
der Satz von Primer-Oligonukleotiden mindestens
zwei Oligonukleotide, deren Sequenzen jeweils revers komplementär oder identisch
zu einem mindestens 18 Basenpaare langen Abschnitt der im Anhang
(Seq. ID No. 1 bis Seq. ID No. 120) aufgelisteten Basensequenzen
sind. Die Primer-Oligonukleotide
sind vorzugsweise dadurch gekennzeichnet, daß sie kein CpG Dinukleotid
enthalten. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens ist
die Sequenz der Primer Oligonukleotide so aufgebaut, daß sie nur
an die Astrocytom und/oder Hirngewebe spezifische DNA von Interesse
selektiv an hybridisiert und diese amplifiziert, wodurch die Amplifikation
von Hintergrund- oder nicht relevanter DNA minimiert wird. Im Zusammenhang
der vorliegenden Erfindung wird Hintergrund DNA als genomische DNA
bedeutend angenommen, die kein relevantes Gewebe-spezifisches Methylierungsmuster aufweist,
wobei in diesem Fall das relevante Gewebe Hirngewebe ist, genauer
gesagt Astrocyten- oder Astrocytomgewebe. Beispiele von solchen
in den Beispielen verwendeten Primern sind in Tabelle 1 enthalten.
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Erfindungsgemäß bevorzugt ist es, daß bei der
Amplifikation mindestens ein Primer-Oligonukleotid an eine Festphase gebunden
ist. Die unterschiedlichen Oligonukleotid und/oder PNA-Oligomersequenzen
können
auf einer ebenen Festphase in Form eines rechtwinkligen oder hexagonalen
Gitters angeordnet sein, wobei die Festphasenoberfläche bevorzugt
aus Silizium, Glas, Polystyrol, Aluminium, Stahl, Eisen, Kupfer,
Nickel, Silber oder Gold besteht, wobei auch andere Materialien,
wie Nitrocellulose oder Kunststoffe verwendet werden können.
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Die mittels der Amplifikation erhaltenen
Fragmente können
eine direkt oder indirekt nachweisbare Markierung tragen. Bevorzugt
sind Markierungen in Form von Fluoreszenzmarkierungen, Radionukliden
oder ablösbaren
Molekülfragmenten
mit typischer Masse, die in einem Massenspektrometer nachgewiesen
werden können,
wobei bevorzugt ist, dass die erzeugten Fragmente zur besseren Detektierbarkeit
im Massenspektrometer eine einzelne positive oder negative Nettoladung
aufweisen. Der Nachweis kann mittels Matrix assistierter Laser Desorptions/Ionisations
Massenspektrometrie (MALDI) oder mittels Elektrospray Massenspektrometrie
(ESI) durchgeführt
und visualisiert werden.
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Die im zweiten Verfahrensschritt
erhaltenen Amplifikate werden anschließend an einen Satz von Oligonukleotiden
und/oder PNA- Sonden der oder an ein Array hybridisiert. Die Hybridisierung
erfolgt dabei auf die unten angegebene Art und Weise. Der bei der
Hybridisierung verwendete Satz besteht bevorzugterweise aus mindestens
10 Oligonukleotid oder PNA-Oligomersonden.
Die Amplifikate dienen dabei als Sonden, die an vorher an einer
Festphase gebundene Oligonukleotide hybridisieren. Die nicht hybridisierten
Fragmente werden anschließend
entfernt. Die besagten Oligonukleotide umfassen mindestens eine
Basensequenz mit einer Länge
von 13 Nukleotiden, die revers komplementär oder identisch zu einem Abschnitt
der im Anhang aufgeführten
Basensequenzen ist, der mindestens ein CpG Dinukleotid enthält. Das
Cytosin des CpG Dinukleotids ist das 5. bis 9. Nukleotid vom 5'-Ende
des 13-mers aus
betrachtet. Für
jedes CpG Dinukleotid ist ein Oligonukleotid vorhanden. Die besagten
PNA-Oligomere umfassen mindestens eine Basensequenz mit einer Länge von
9 Nukleotiden, die revers komplementär oder identisch zu einem Abschnitt
der im Anhang aufgeführten
Basensequenzen ist, der mindestens ein CpG Dinukleotid enthält. Das
Cytosin des CpG Dinukleotids ist das 4. bis 6. Nukleotid vom 5'-Ende
des 9-mers aus gesehen. Für
jedes CpG Dinukleotid ist ein Oligonukleotid vorhanden.
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Im fünften Verfahrensschritt entfernt
man die nicht hybridisierten Amplifikate.
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Im letzten Verfahrensschritt detektiert
man die hybridisierten Amplifikate. Dabei ist bevorzugt, daß an den
Amplifikaten angebrachte Markierungen an jeder Position der Festphase,
an der sich eine Oligonukleotidsequenz befindet, identifizierbar
sind.
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Erfindungsgemäß bevorzugt ist es, daß die Markierungen
der Amplifikate Fluoreszenzmarkierungen, Radionuklide oder ablösbare Molekülfragmente
mit typischer Masse sind, die in einem Massenspektrometer nachgewiesen
werden können.
Der Nachweis der Amplifikate, Fragmente der Amplifikate oder zu
den Amplifikaten komplementäre
Sonden im Massenspektrometer ist bevorzugt, wobei man die Detektion
mittels Matrix assistierter Laser Desorptions/Ionisations Massenspektrometrie
(MALDI) oder mittels Elektrospray Massenspektrometrie (ESI) durchführen und
visualisieren kann. Zur besseren Detektierbarkeit im Massenspektrometer
können
die erzeugten Fragmente eine einzelne positive oder negative Nettoladung
aufweisen.
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Bevorzugt wird das vorgenannte Verfahren
zur Ermittlung von genetischen und/oder epigenetischen Parametern
von genomischer DNA verwendet.
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Die erfindungsgemäßen Oligomere oder Arrays derselben
sowie ein erfindungsgemäßes Kit
sollen zur Charakterisierung, Klassifizierung, Differenzierung,
Grad-Einstufung, Einstufung und/oder der Diagnose von Astrocytomen
verwendet werden. Weiter bevorzugt für die Differenzierung von Grad
I und II Astrocytomen oder der Diagnose der Prädisposition gegenüber Astrocytomen.
Gemäß der vorliegenden
Erfindung wird das Verfahren bevorzugterweise für die Analyse von wichtigen
genetischen und/oder epigenetischen Parametern innerhalb genomischer
DNA verwendet, insbesondere für
die Verwendung bei der Charakterisierung, Klassifizierung, Differenzierung,
Grad-Einstufung, Einstufung und/oder der Diagnose von Astrocytomen
und der Prädisposition
gegenüber
Astrocytomen.
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Das erfindungsgemäße Verfahren wird zum Beispiel
für die
Charakterisierung, Klassifizierung, Differenzierung, Grad-Einstufung,
Einstufung und/oder die Diagnose von Astrocytomen verwendet.
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Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren der
Seq. ID No. 1 bis Seq. ID No. 120 können für die Charakterisierung, Klassifizierung,
Differenzierung, Grad-Einstufung, Einstufung und/oder der Diagnose
von genetischen und/oder epigenetischen Parametern von genomischer
DNA verwendet werden, insbesondere zur Verwendung zur Differenzierung
von Grad I und II Astrocytomen.
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Die vorliegende Erfindung betrifft
weiterhin ein Verfahren zur Herstellung eines Diagnostikums und/oder
Therapeutikums zur Charakterisierung, Klassifizierung, Differenzierung,
Grad-Einstufung, Einstufung und/oder der Diagnose von Astrocytomen
durch Analyse von Methylierungsmustern von genomischer DNA. Das
Diagnostikum und/oder das Therapeutikum ist dadurch gekennzeichnet,
daß mindestens
eine Nukleinsäure,
gemäß der vorliegenden
Erfindung (Seq. ID No. 1 bis Seq. ID No. 120), gegebenenfalls zusammen
mit geeigneten Zusatz- und Hilfsstoffen, zu dessen Herstellung verwendet
wird.
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Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden
Erfindung betrifft ein Diagnostikum und/oder Therapeutikum für Astrocytome
durch Analyse von Methylierungsmustern von genomischer DNA, insbesondere
zur Verwendung zur Differenzierung von Grad I und II Astrocytomen oder
der Diagnose der Prädisposition
gegenüber Hirntumoren,
wobei das Diagnostikum und/oder Therapeutikum dadurch gekennzeichnet
ist, das es mindestens eine Nukleinsäure gemäß der Erfindung (Seq. ID No.
1 bis Seq. ID No. 120), gegebenenfalls zusammen mit geeigneten Zusatz-
und Hilfsstoffen enthält.
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Die vorliegende Erfindung betrifft
weiterhin die Diagnose und/oder Prognose nachteiliger Ereignisse für Patienten
oder Individuen, bei dem die mittels der Erfindung erhaltenen bedeutenden
genetischen und/oder epigenetischen Parameter innerhalb genomischer
DNA, wobei die Parameter mittels der vorliegenden Erfindung erhalten
wurden mit einem anderen Satz genetischen und/oder epigenetischen
Parameter verglichen werden können
und die so erhaltenen Unterschiede als Basis für eine Diagnose und/oder Prognose
nachteiliger Ereignisse für
Patienten oder Individuen dienen.
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Unter dem Begriff "Hybridisierung"
im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine Bindung unter Ausbildung
einer Duplex-Struktur eines Oligonukleotids an eine vollständig komplementäre Sequenz
im Sinne der Watson-Crick Basenpaarungen in der Proben DNA zu verstehen.
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Mit dem Begriff "funktionelle Varianten"
sind alle DNA-Sequenzen bezeichnet, die komplementär zu einer
DNA-Sequenz sind, die unter stringenten Bedingungen mit der Referenzsequenz
hybridisieren.
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"Genetische Parameter" im Sinne dieser
Erfindung sind Mutationen und Polymorphismen von Genen, die mit
der Genregulation assoziiert sind und zu deren Regulation weiterhin
erforderlicher Sequenzen. Insbesondere sind als Mutationen Insertionen,
Deletionen, Punktmutationen, Inversionen und Polymorphismen und besonders
bevorzugt SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms) zu bezeichnen.
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"Epigenetische Parameter" im Sinne
dieser Erfindung sind insbesondere Cytosin-Methylierungen und weitere chemische
Modifikationen von DNA-Basen von Genen, die mit der Genregulation
assoziiert sind und zu deren Regulation weiterhin erforderliche
Sequenzen. Weitere epigenetische Parameter sind beispielsweise die
Acetylierung von Histonen, die jedoch mit dem beschriebenen Verfahren
nicht direkt analysiert werden kann, sondern wiederum mit der DNA-Methylierung
korreliert.
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Im Kontext der vorliegenden Erfindung
wird der Begriff „Behandlung",
wie auf Astrocytome angewendet, als die Planung von geeigneten Verfahren
der Behandlung der Patienten (z.B. Chirurgie, Bestrahlungstherapie,
Chemotherapie) einschließend
angenommen.
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Die Erfindung soll nun im folgenden
anhand der Sequenzen und Beispiele unter Bezug auf die beigefügte Figuren
weiter verdeutlicht werden, ohne hierauf eingeschränkt zu werden.
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1
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1 zeigte
die Hybridisierung von Fluoreszenz-markierten Amplifikaten an ein
Oberflächengebundenes
Oligonukleotid. Probe I stammt von Grad I Astrocytom (Hirntumor)-Gewebe und Probe
II stammt von Grad II Astrocytom (Hirntumor)-Gewebe. Die Fluoreszenz
an einem Punkt zeigt die Hybridisierung des Amplifikats an. Die
Hybridisierung an ein CG Oligonukleotid zeigt an, daß die Methylierung
an der Cytosin-Position analysiert wird, die Hybridisierung an ein
TG Oligonukleotid zeigt an, daß keine
Methylierung an der Cytosin-Position
analysiert wird. Es kann gesehen werden, daß Probe I für die CG Positionen (wie in
Beispiel (1-4) gezeigt) der Amplifikate der Gene TGF-alpha (vergl. 1A), MLH1 (vergl. 1B), NF1 (vergl. 1C) und CSKN2B (1D) nicht methyliert war,
wohingegen im Vergleich Probe II ein höheres Ausmaß an Methylierung an denselben
Positionen aufwies.
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2
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Differenzierung von gesunden Kontrollproben
(markiert I) und Astrocytom Grad I (markiert II) (2A), und gesunden Kontrollproben und
Astrocytom Grad II (markiert III) (2B).
Hohe Wahrscheinlichkeit von Methylierung entspricht rot, Unsicherheit
schwarz und geringe Wahrscheinlichkeit grün. Die Marker auf der linken Seite
des Plots sind Gen Identifizierer, wobei die ersten 3 Ziffern sich
auf die Tabelle 1 beziehen. Die Hybridisierung wurde mit Cy5 markierten
Amplifikaten durchgeführt,
die durch Multiplex PCR Reaktionen erzeugt wurden, wie in Tabelle
1 gezeigt. Die Marker auf der rechten Seite geben die Signifikanz
(p-Wert, T-Test)
des Unterschieds zwischen dem Mittel der beiden Gruppen an. Jede
Reihe entspricht einem einzelnen CpG und jede Spalte den Methylierungsniveaus
einer Probe. Die CpGs sind nach ihrem Beitrag zu der Unterscheidung
für die
differenzielle Diagnose der zwei Läsionen geordnet, mit zunehmendem
Beitrag von oben nach unten.
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3 Differenzierung
von Astrocytom Grad I (1) und Astrocytom Grad II (2). Hohe Wahrscheinlichkeit von
Methylierung entspricht rot, Unsicherheit schwarz und geringe Wahrscheinlichkeit
grün. Die
Marker auf der linken Seite des Plots sind Gen und CpG Identifizierer.
Die Hybridisierung wurde mit Cy5 markierten Amplifikaten durchgeführt, die
durch Multiplex PCR Reaktionen erzeugt wurden, wie in Tabelle 1
gezeigt. Die Marker auf der rechten Seite geben die Signifikanz
(p-Wert, T-Test) des Unterschieds zwischen dem Mittel der beiden Gruppen
an. Jede Reihe entspricht einem einzelnen CpG und jede Spalte den
Methylierungsniveaus einer Probe. Die CpGs sind nach ihrem Beitrag
zu der Unterscheidung für
die differenzielle Diagnose der zwei Läsionen geordnet, mit zunehmendem
Beitrag von oben nach unten.
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4
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Trennung von Astrocytom Grad I (I)
und Astrocytom Grad II (II). Hohe Wahrscheinlichkeit von Methylierung
entspricht rot, Unsicherheit schwarz und geringe Wahrscheinlichkeit
grün. Die
Marker auf der linken Seite des Plots sind Gen und CpG Identifizierer.
Die Hybridisierung wurde mit Cy5 markierten Amplifikaten der Gene
MLHI, TGF-alpha und NF1 durchgeführt,
die alle durch Einzelgen-PCR Reaktionen erzeugt wurden. Jede Reihe
entspricht einem einzelnen CpG und jede Spalte den Methylierungsniveaus
einer Probe. Die CpGs sind nach ihrem Beitrag zu der Unterscheidung
für die
differenzielle Diagnose der zwei Läsionen geordnet, mit zunehmendem
Beitrag von oben nach unten.
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Sequenz ID Nos. 1 bis 120
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Die Sequenz ID Nos. 1 bis 120 zeigen
Sequenzen von Genen, die mit der Genregulation assoziiert sind,
gemäß der Erfindung.
Sequenzen, die ungerade Sequenznummern haben (z.B., Seq. ID No.
1, 3, 5,...) zeigen in jedem Fall Sequenzen der chemisch vorbehandelten
genomischen DNAs von verschiedenen Genen, die mit der Genregulation
assoziiert sind. Sequenzen, die gerade Sequenznummern aufweisen
(z.B., Seq. ID No. 2, 4, 6,...) zeigen in jedem Fall Sequenzen der
chemisch vorbehandelten genomischen DNAs von verschiedenen Genen,
die mit der Genregulation assoziiert sind, die komplementär zu den
voranstehenden Sequenzen sind (z.B., die komplementäre Sequenz
zu Seq. ID No. 1 ist Seq. ID No. 2, die komplementäre Sequenz
zu Seq. ID No. 3 ist Seq. ID No. 4, usw.)
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Seq. ID No. 121 bis Seq.
ID No. 136
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Seq. ID No. 121 bis Seq. ID No. 136
zeigen spezifische Oligonukleotid-Sequenzen, wie in den folgenden
Beispielen verwendet.
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Beispiel 1: Methylierungsanalyse
des Gens TGF-alpha
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Das folgende Beispiel betrifft ein
Fragment des Gens TGF-alpha, worin eine spezifische CG-Position auf ihren
Methylierungsstatus hin analysiert wird.
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Im ersten Schritt wird eine genomische
Sequenz unter Verwendung von Bisulfit (Hydrogensulfit, Disulfit)
derart behandelt, daß alle
nicht an der 5-Position der Base methylierten Cytosine so verändert werden,
daß eine
hinsichtlich dem Basenpaarungsverhalten unterschiedliche Base entsteht,
während
die in 5-Position methylierten Cytosine unverändert bleiben.
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Wird für die Reaktion Bisulfit verwendet,
so findet an den nicht methylierten Cytosinbasen eine Addition statt.
Zudem müssen
ein denaturierendes Reagenz oder Lösungsmittel sowie ein Radikalfänger zugegen sein.
Eine anschließende
alkalische Hydrolyse führt
dann zur Umwandlung von nicht methylierten Cytosin-Nukleobasen in
Uracil. Die chemisch umgewandelte DNA dient dann dazu, methylierte
Cytosine nachzuweisen. Im zweiten Verfahrensschritt verdünnt man
die behandelte DNA-Probe mit Wasser oder einer wäßrigen Lösung. Bevorzugt wird anschließend eine
Desulfonierung der DNA bei alkalischem pH-Wert durchgeführt. Im dritten
Schritt des Verfahrens amplifiziert man die DNA-Probe in einer Polymerasekettenreaktion,
bevorzugt mit einer hitzebeständigen
DNA-Polymerase. Im vorliegenden Fall werden Cytosine des Gens TGF-alpha
analysiert. Dazu wird mit den spezifischen Primeroligonukleotiden
GGTTTGTTTGGGAGGTAAG (Seq. ID No. 121) und CCCCCTAAAAACACAAAA (Seq.
ID No. 122) ein definiertes Fragment der Länge 533 bp amplifiziert. Die Einzelgen-PCR
Reaktion wurde auf einem Thermocycler (Epperdorf GmbH) unter der
Verwendung von Bisulfit DNA 10 ng, Primer jeweils 6 pmol, dNTP jeweils
200 μM,
1,5 mM MgC12 und 1 U HotstartTaq (Qiagen AG) durchgeführt. Die
anderen Bedingungen waren wie durch den Hersteller der Taq Polymerase
empfohlen. In der Multiplex PCR wurden bis zu 16 Primerpaare in
der PCR Reaktion verwendet. Die Multiplex PCR wurde gemäß der Einzelgen-PCR
mit den folgenden Modifikationen durchgeführt: Primer jeweils 0,35 pmol,
dNTP jeweils 800 μM
und 4,5 mM MgC12. Das Zyklusprogramm für die Einzelgen-PCR und die
Multiplex-PCR war wie folgt: Schritt 1, 14 min 96 °C; Schritt
2, 60 sec 96°C;
Schritt 3, 45 sec 55 °C;
Schritt 4 ,75 sec 72 °C;
Schritt 5, 10 min 72 °C;
die Schritte 2 bis 4 wurden 39fach wiederholt.
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Dieses Amplifikat dient als Probe,
die an ein vorher an einer Festphase gebundenes Oligonukleotid unter
Ausbildung einer Duplexstruktur hybridisiert, beispielsweise AAGTTAGGCGTTTTTTGT
(Seq. ID No. 123), wobei sich das nachzuweisende Cytosin an Position
382 des Amplifikats befindet. Der Nachweis des Hybridisierungsprodukts
beruht auf Cy3 und Cy5 fluoreszenzmarkierten Primer-Oligonukleotiden,
die für
die Amplifikation verwendet wurden. Nur wenn in der Bisulfit behandelten
DNA an dieser Stelle ein methyliertes Cytosin vorgelegen hat, kommt
es zu einer Hybridisierungsreaktion der amplifizierten DNA mit dem
Oligonukleotid. Somit kann der Methylierungsstatus des jeweiligen
zu untersuchenden Cytosins über
das Hybridisierungsprodukt abgeleitet werden.
-
Um den Methylierungsstatus der Position
zu überprüfen, wird
eine Probe des Amplifikats weiterhin an ein anderes Oligonukleotid
hybridisiert, das vorher an eine feste Phase gebunden wurde. Dieses
Oligonukleotid ist identisch zu dem Oligonukleotid, das vorher benutzt
wurde, um den Methylierungsstatus der Probe zu analysieren, mit
der Ausnahme der fraglichen Position. An der zu analysierenden Position
umfaßt
das Oligonukleotid eine Thymin-Base, im Gegensatz zu einer Cytosin-Base
d.h. die Sequenz AAGTTAGGTGTTTTTTGT (Seq. ID No. 124). Daher findet
die Hybridisierungsreaktion nur statt, falls ein nicht-methyliertes
Cytosin an der zu analysierenden Positionen vorhanden ist.
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Beispiel 2: Methylierungsanalyse
des Gens NF1
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Das folgende Beispiel betrifft ein
Fragment des Gens NF1, worin eine spezifische CG-Position auf ihren Methylierungsstatus
hin analysiert wird.
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Im ersten Schritt wird eine genomische
Sequenz unter Verwendung von Bisulfit (Hydrogensulfit, Disulfit)
derart behandelt, daß alle
nicht an der 5-Position der Base methylierten Cytosine so verändert werden,
daß eine
hinsichtlich dem Basenpaarungsverhalten unterschiedliche Base entsteht,
während
die in 5-Position methylierten Cytosine unverändert bleiben.
-
Wird für die Reaktion Bisulfit verwendet,
so findet an den nicht methylierten Cytosinbasen eine Addition statt.
Zudem müssen
ein denaturierendes Reagenz oder Lösungsmittel sowie ein Radikalfänger zugegen sein.
Eine anschließende
alkalische Hydrolyse führt
dann zur Umwandlung von nicht methylierten Cytosin-Nukleobasen in
Uracil. Die chemisch umgewandelte DNA dient dann dazu, methylierte
Cytosine nachzuweisen. Im zweiten Verfahrens schritt verdünnt man
die behandelte DNA-Probe mit Wasser oder einer wäßrigen Lösung. Bevorzugt wird anschließend eine
Desulfonierung der DNA bei alkalischem pH-Wert durchgeführt. Im dritten
Schritt des Verfahrens amplifiziert man die DNA-Probe in einer Polymerasekettenreaktion,
bevorzugt mit einer hitzebeständigen
DNA-Polymerase. Im vorliegenden Fall werden Cytosine des Gens NF-1
analysiert. Dazu wird mit den spezifischen Primeroligonukleotiden
TTGGGAGAAAGGTTAGTTTT (Seq. ID No. 129) und ATACAAACTCCCAATATTCC
(Seq. ID No. 130) ein definiertes Fragment der Länge 600 bp amplifiziert. Die Einzelgen-PCR
Reaktion wurde auf einem Thermocycler (Epperdorf GmbH) unter der
Verwendung von Bisulfit DNA 10 ng, Primer jeweils 6 pmol, dNTP jeweils
200 μM,
1,5 mM MgC12 und 1 U HotstartTaq (Qiagen AG) durchgeführt. Die
anderen Bedingungen waren wie durch den Hersteller der Taq Polymerase
empfohlen. In der Multiplex PCR wurden bis zu 16 Primerpaare in
der PCR Reaktion verwendet. Die Multiplex PCR wurde gemäß der Einzelgen-PCR
mit den folgenden Modifikationen durchgeführt: Primer jeweils 0,35 pmol,
dNTP jeweils 800 μM
und 4,5 mM MgCl2. Das Zyklusprogramm für die Einzelgen-PCR und die
Multiplex-PCR war wie folgt: Schritt 1, 14 min 96 °C; Schritt
2, 60 sec 96°C;
Schritt 3, 45 sec 55 °C;
Schritt 4 ,75 sec 72 °C;
Schritt 5, 10 min 72 °C;
die Schritte 2 bis 4 wurden 39fach wiederholt.
-
Dieses Amplifikat dient als Probe,
die an ein vorher an einer Festphase gebundenes Oligonukleotid unter
Ausbildung einer Duplexstruktur hybridisiert, beispielsweise AATTAAAACGCCCTAAAA
(Seq. ID No. 131), wobei sich das nachzuweisende Cytosin an Position
24 des Amplifikats befindet. Der Nachweis des Hybridisierungsprodukts
beruht auf Cy3 und Cy5 fluoreszenzmarkierten Primer-Oligonukleotiden,
die für
die Amplifikation verwendet wurden. Nur wenn in der Bisulfit behandelten
DNA an dieser Stelle ein methyliertes Cytosin vorgelegen hat, kommt
es zu einer Hybridisierungsreaktion der amplifizierten DNA mit dem
Oligonukleotid. Somit kann der Methylierungsstatus des jeweiligen
zu untersuchenden Cytosins über
das Hybridisierungsprodukt abgeleitet werden.
-
Um den Methylierungsstatus der Position
zu überprüfen, wird
eine Probe des Amplifikats weiterhin an ein anderes Oligonukleotid
hybridisiert, das vorher an eine feste Phase gebunden wurde. Dieses
Oligonukleotid ist identisch zu dem Oligonukleotid, das vorher benutzt
wurde, um den Methylierungsstatus der Probe zu analysieren, mit
der Ausnahme der fraglichen Position. An der zu analysierenden Position
umfaßt
das Oligonukleotid eine Thymin-Base, im Gegensatz zu einer Cytosin-Base
d.h. die Sequenz AATTAAAACACCCTAAAA (Seq. ID No. 132). Daher findet
die Hybridisierungsreaktion nur statt, falls ein nicht-methyliertes
Cytosin an der zu analysierenden Positionen vorhanden ist.
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Beispiel 3: Methylierungsanalyse
des Gens MLH1.
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Das folgende Beispiel betrifft ein
Fragment des Gens MLH1, worin eine spezifische CG-Position auf ihren
Methylierungsstatus hin analysiert wird.
-
Im ersten Schritt wird eine genomische
Sequenz unter Verwendung von Bisulfit (Hydrogensulfit, Disulfit)
derart behandelt, daß alle
nicht an der 5-Position der Base methylierten Cytosine so verändert werden,
daß eine
hinsichtlich dem Basenpaarungsverhalten unterschiedliche Base entsteht,
während
die in 5-Position methylierten Cytosine unverändert bleiben.
-
Wird für die Reaktion Bisulfit verwendet,
so findet an den nicht methylierten Cytosinbasen eine Addition statt.
Zudem müssen
ein denaturierendes Reagenz oder Lösungsmittel sowie ein Radikalfänger zugegen sein.
Eine anschließende
alkalische Hydrolyse führt
dann zur Umwandlung von nicht methylierten Cytosin-Nukleobasen in
Uracil. Die chemisch umgewandelte DNA dient dann dazu, methylierte
Cytosine nachzuweisen. Im zweiten Verfahrensschritt verdünnt man
die behandelte DNA-Probe mit Wasser oder einer wäßrigen Lösung. Bevorzugt wird anschließend eine
Desulfonierung der DNA bei alkalischem pH-Wert durchgeführt. Im dritten
Schritt des Verfahrens amplifiziert man die DNA-Probe in einer Polymerasekettenreaktion,
bevorzugt mit einer hitzebeständigen
DNA-Polymerase. Im vorliegenden Fall werden Cytosine des Gens MLH1
analysiert. Dazu wird mit den spezifischen Primeroligonukleotiden
TTTAAGGTAAGAGAATAGGT (Seq. ID No. 133) und TTAACCCTACTCTTATAACC
(Seq. ID No. 134) ein definiertes Fragment der Länge 568 bp amplifiziert. Die
Einzelgen-PCR Reaktion wurde auf einem Thermocycler (Epperdorf GmbH)
unter der Verwendung von Bisulfit DNA 10 ng, Primer jeweils 6 pmol,
dNTP jeweils 200 μM,
1,5 mM MgC12 und 1 U HotstartTaq (Qiagen AG) durchgeführt. Die
anderen Bedingungen waren wie durch den Hersteller der Taq Polymerase
empfohlen. In der Multiplex PCR wurden bis zu 16 Primerpaare in
der PCR Reaktion verwendet. Die Multiplex PCR wurde gemäß der Einzelgen-PCR
mit den folgenden Modifikationen durchgeführt: Primer jeweils 0,35 pmol,
dNTP jeweils 800 μM
und 4,5 mM MgCl2. Das Zyklusprogramm für die Einzelgen-PCR und die
Multiplex-PCR war wie folgt: Schritt 1, 14 min 96 °C; Schritt
2, 60 sec 96°C;
Schritt 3, 45 sec 55 °C;
Schritt 4 ,75 sec 72 °C;
Schritt 5, 10 min 72 °C;
die Schritte 2 bis 4 wurden 39fach wiederholt.
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Dieses Amplifikat dient als Probe,
die an ein vorher an einer Festphase gebundenes Oligonukleotid unter
Ausbildung einer Duplexstruktur hybridisiert, beispielsweise TTGTAGGACGTTTATATG
(Seq. ID No. 135), wobei sich das nachzuweisende Cytosin an Position
125 des Amplifikats befindet. Der Nachweis des Hybridisierungsprodukts
beruht auf Cy3 und Cy5 fluoreszenzmarkierten Primer-Oligonukleotiden,
die für
die Amplifikation verwendet wurden. Nur wenn in der Bisulfit behandelten
DNA an dieser Stelle ein methyliertes Cytosin vorgelegen hat, kommt
es zu einer Hybridisierungsreaktion der amplifizierten DNA mit dem
Oligonukleotid. Somit kann der Methylierungsstatus des jeweiligen
zu untersuchenden Cytosins über
das Hybridisierungsprodukt abgeleitet werden.
-
Um den Methylierungsstatus der Position
zu überprüfen, wird
eine Probe des Amplifikats weiterhin an ein anderes Oligonukleotid
hybridisiert, das vorher an eine feste Phase gebunden wurde. Dieses
Oligonukleotid ist identisch zu dem Oligonukleotid, das vorher benutzt
wurde, um den Methylierungsstatus der Probe zu analysieren, mit
der Ausnahme der fraglichen Position. An der zu analysierenden Position
umfaßt
das Oligonukleotid eine Thymin-Base, im Gegensatz zu einer Cytosin-Base
d.h. die Sequenz TTGTAGGATGTTTATATG (Seq. ID No. 136). Daher findet
die Hybridisierungsreaktion nur statt, falls ein nicht-methyliertes
Cytosin an der zu analysierenden Positionen vorhanden ist.
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Beispiel 4: Methylierungsanalyse
des Gens CSNK2B.
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Das folgende Beispiel betrifft ein
Fragment des Gens CSNK2B, worin eine spezifische CG-Position auf ihren
Methylierungsstatus hin analysiert wird.
-
Im ersten Schritt wird eine genomische
Sequenz unter Verwendung von Bisulfit (Hydrogensulfit, Disulfit)
derart behandelt, daß alle
nicht an der 5-Position der Base methylierten Cytosine so verändert werden,
daß eine
hinsichtlich dem Basenpaarungsverhalten unterschiedliche Base entsteht,
während
die in 5-Position methylierten Cytosine unverändert bleiben.
-
Wird für die Reaktion Bisulfit verwendet,
so findet an den nicht methylierten Cytosinbasen eine Addition statt.
Zudem müssen
ein denaturierendes Reagenz oder Lösungsmittel sowie ein Radikalfänger zugegen sein.
Eine anschließende
alkalische Hydrolyse führt
dann zur Umwandlung von nicht methylierten Cytosin-Nukleobasen in
Uracil. Die chemisch umgewandelte DNA dient dann dazu, methylierte
Cytosine nachzuweisen. Im zweiten Verfahrens schritt verdünnt man
die behandelte DNA-Probe mit Wasser oder einer wäßrigen Lösung. Bevorzugt wird anschließend eine
Desulfonierung der DNA bei alkalischem pH-Wert durchgeführt. Im dritten
Schritt des Verfahrens amplifiziert man die DNA-Probe in einer Polymerasekettenreaktion,
bevorzugt mit einer hitzebeständigen
DNA-Polymerase. Im vorliegenden Fall werden Cytosine des Gens CSNK2B
analysiert. Dazu wird mit den spezifischen Primeroligonukleotiden
GGGGAAATGGAGAAGTGTAA (Seq. ID No. 125) und CTACCAATCCCAAAATAACC
(Seq. ID No. 126) ein definiertes Fragment der Länge 524 bp amplifiziert. Die
Einzelgen-PCR Reaktion wurde auf einem Thermocycler (Epperdorf GmbH)
unter der Verwendung von Bisulfit DNA 10 ng, Primer jeweils 6 pmol,
dNTP jeweils 200 μM,
1,5 mM MgC12 und 1 U HotstartTaq (Qiagen AG) durchgeführt. Die
anderen Bedingungen waren wie durch den Hersteller der Taq Polymerase
empfohlen. In der Multiplex PCR wurden bis zu 16 Primerpaare in
der PCR Reaktion verwendet. Die Multiplex PCR wurde gemäß der Einzelgen-PCR
mit den folgenden Modifikationen durchgeführt: Primer jeweils 0,35 pmol, dNTP
jeweils 800 μM
und 4,5 mM MgC12. Das Zyklusprogramm für die Einzelgen-PCR und die
Multiplex-PCR war wie folgt: Schritt 1, 14 min 96 °C; Schritt
2, 60 sec 96°C;
Schritt 3, 45 sec 55 °C;
Schritt 4 ,75 sec 72 °C; Schritt
5, 10 min 72 °C;
die Schritte 2 bis 4 wurden 39fach wiederholt.
-
Dieses Amplifikat dient als Probe,
die an ein vorher an einer Festphase gebundenes Oligonukleotid unter
Ausbildung einer Duplexstruktur hybridisiert, beispielsweise TAGGTTAGCGTATTGGGA
(Seq. ID No. 127), wobei sich das nachzuweisende Cytosin an Position
50 des Amplifikats befindet. Der Nachweis des Hybridisierungsprodukts
beruht auf Cy3 und Cy5 fluoreszenzmarkierten Primer-Oligonukleotiden,
die für
die Amplifikation verwendet wurden. Nur wenn in der Bisulfit behandelten
DNA an dieser Stelle ein methyliertes Cytosin vorgelegen hat, kommt
es zu einer Hybridisierungsreaktion der amplifizierten DNA mit dem
Oligonukleotid. Somit kann der Methylierungsstatus des jeweiligen
zu untersuchenden Cytosins über
das Hybridisierungsprodukt abgeleitet werden.
-
Um den Methylierungsstatus der Position
zu überprüfen, wird
eine Probe des Amplifikats weiterhin an ein anderes Oligonukleotid
hybridisiert, das vorher an eine feste Phase gebunden wurde. Dieses
Oligonukleotid ist identisch zu dem Oligonukleotid, das vorher benutzt
wurde, um den Methylierungsstatus der Probe zu analysieren, mit
der Ausnahme der fraglichen Position. An der zu analysierenden Position
umfaßt
das Oligonukleotid eine Thymin-Base, im Gegensatz zu einer Cytosin-Base
d.h. die Sequenz TAGGTTAGTGTATTGGGA (Seq. ID No. 128). Daher findet
die Hybridisierungsreaktion nur statt, falls ein nicht-methyliertes
Cytosin an der zu analysierenden Positionen vorhanden ist.
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Beispiel 5: Differenzierung
von gesunden Proben und Astrocytom Grad I und Grad II, isoliert
von Cerebrum
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Um einen Bezug der Methylierungsmuster
zu einem bestimmten Tumortyp herzustellen, bedarf es zunächst der
vergleichenden Untersuchung der DNA-Methylierungsmuster von zwei
Gruppen von Patienten mit alternativen Formen eines Tumors, in diesem
Fall eine Gruppe von Astrocytom Grad I und einer anderen Gruppe
von Astrocytom Grad II, mit denjenigen von gesundem Gewebe (2A und B). Diese Untersuchungen wurden analog
den Beispielen 1-4 durchgeführt.
Die so erhaltenen Ergebnisse werden in einer Datenbank abgespeichert
und die CpG Dinukleotide identifiziert, die zwischen den beiden
Gruppen unterschiedlich methyliert sind. Dies kann durch Bestimmung
einzelner CpG Methylierungsraten erfolgen, wie dies z. B. durch
Sequenzieren relativ ungenau oder aber durch eine Methylierungssensitive „Primer-Extension-Reaktion"
sehr genau möglich
ist. Auch gleichzeitige Analyse des gesamten Methylierungsstatus
ist möglich,
und die Muster können
z.B. mittels Clustering-Analysen,
die z.B. durch einen Rechner durchgeführt werden können, verglichen
werden.
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Alle klinischen Proben wurden zur
Zeit der Chirurgie entnommen, d.h. in einer Routine klinischen Situation
(Santourlidis, S., Prostate 39:166-174, 1999, Florl, A.R., Br. J.
Cancer 80:1312-1321, 1999). Ein Panel von genomischen Fragmenten
von 64 verschiedenen Genen (aufgelistet in Tabelle 1) wurden Bisulphit-behandelt
und durch 6 Sets von Multiplex PCRs (mPCR) gemäß Beispiel 1 amplifiziert.
Die mPCR Reaktionen (I, J, K, L, M, N) der genomischen, Bisulphit-behandelten
DNA wurde unter Verwendung der Kombination von Primerpaaren wie
in Tabelle 1 gezeigt, durchgeführt.
Jedoch, wie dem Fachmann ersichtlich sein wird, ist es auch möglich, andere
Primer zu verwenden, die die genomische, Bisulphitbehandelte DNA
auf eine geeignete Weise amplifizieren. Jedoch sind die Primerpaare,
wie in Tabelle 1 aufgelistet, besonders bevorzugt. Um Astrocytome
Grad I von gesunden Kontrollproben zu differenzieren, wurden optimale
Ergebnisse durch Aufnahme von mindestens 6 CpG Dinukleotiden erhalten,
wobei die am meisten informativen CpG Positionen für diese
Unterscheidung innerhalb der Gene OAT, GP1B, cMyc, UNG, TIMP3 und
cABL (vergl. 2A, Tab.
1) lokalisiert sind. Um Astrocytome Grad I von gesunden Kontrollproben
zu differenzieren, wurden optimale Ergebnisse durch Aufnahme von
mindestens 6 CpG Dinukleotiden erhalten, wobei die am meisten informativen
CpG Positionen für
diese Unterscheidung innerhalb der Gene cMyc, EGR4, ApoA1, AR und
den Hitzeschockgenen (vergl. 2B,
Tab. 1) lokalisiert sind. Zusätzlich
zeigte die Hauptzahl der analysierten CpG Dinukleotide des Panels
verschieden Methylierungsmuster zwischen den zwei Phänotypen.
Die Ergebnisse belegen, daß Methylierungs-Fingerprints
in der Lage sind, eine differenzielle Diagnose von soliden malignen
Tumoren zur Verfügung
zu stellen und daher bei einer großen Zahl von klinischen Situationen
angewendet werden könnten.
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Beispiel 6: Differenzierung
von Astrocytom Grad I und Grad II Tumoren
-
Um einen Bezug der Methylierungsmuster
zu einem bestimmten Tumortyp herzustellen, bedarf es zunächst der
Analyse der DNA-Methylierungsmuster von zwei Gruppen von Patienten
mit alternativen Formen eines Tumors, in diesem Fall eine Gruppe
von Astrocytom Grad I und einer anderen Gruppe von Astrocytom Grad
II. Diese Untersuchungen wurden analog zu Beispiel 1 durchgeführt. Die
so erhaltenen Ergebnisse werden in einer Datenbank abgespeichert
und die CpG Dinukleotide identifiziert, die zwischen den beiden
Gruppen unterschiedlich methyliert sind. Dies kann durch Bestimmung
einzelner CpG Methylierungsraten erfolgen, wie dies z. B. durch
Sequenzieren relativ ungenau oder aber durch eine Methylierungssensitive „Primer-Extension-Reaktion"
sehr genau möglich
ist. In einer besonders bevorzugten Variante, wie in Beispielen
1 bis 4 verdeutlicht, kann der Methylierungsstatus von Hunderten
oder Tausenden von CpGs auf einem Oligomerarray analysiert werden.
Es ist auch möglich,
daß die
Muster durch zum Beispiel Clustering-Analysen, die z.B. durch einen
Rechner durchgeführ
werden können,
verglichen werden.
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Alle klinischen Proben wurden zur
Zeit der Chirurgie entnommen, d.h. in einer Routine klinischen Situation
(Santourlidis, S., Prostate 39:166-174, 1999, Florl, A.R., Br. J.
Cancer 80:1312-1321, 1999). Ein Panel von genomischen Fragmenten
von 56 verschiedenen Genen (aufgelistet in Tabelle 1) wurden Bisulphit-behandelt
und durch 6 Sets von Multiplex PCRs (mPCR), genannt I, J, K, L,
M und N in Tabelle 1, gemäß Beispiel
1 amplifiziert. Die mPCR Reaktionen der genomischen, Bisulphit-behandelten
DNA wurde unter Verwendung der Kombination von Primerpaaren wie
in Tabelle 1 gezeigt, durchgeführt.
Wie dem Fachmann ersichtlich sein wird, ist es auch möglich, andere
Primer zu verwenden, die die genomische, Bisulphit-behandelte DNA
auf eine geeignete Weise amplifizieren. Jedoch sind die Primerpaare,
wie in Tabelle 1 aufgelistet, besonders bevorzugt. Optimale Ergebnisse
wurden durch Aufnahme von mindestens 8 CpG Dinukleotiden erhalten,
wobei die am meisten informativen CpG Positionen für diese
Unterscheidung innerhalb der Gene CSKNB2, NF1, M1H1, EGR4, AR; TGF-alpha
und APOC2 (vergl. 3)
lokalisiert sind. Zusätzlich
zeigte die Hauptzahl der analysierten CpG Dinukleotide des Panels
verschieden Methylierungsmuster zwischen den zwei Phänotypen. Die
Ergebnisse belegen, daß Methylierungs-Fingerprints
in der Lage sind, eine differenzielle Diagnose von soliden malignen
Tumoren zur Verfügung
zu stellen und daher bei einer großen Zahl von klinischen Situationen angewendet
werden könnten.
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Beispiel 7: Differenzierung
von Astrocytom Grad I und Grad II Tumoren unter der Verwendung von
DNA Fragmenten, die vom Gen TGF-alpha, NF1 und M1H1 abgeleitet sind.
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Die Methylierungsmuster von CpG Inseln,
abgeleitet von den Genen TGF-alpha, NF1 und M1H1 wurden analysiert.
Um die Gene zu evaluieren, wurden bereits identifizierte differenzierende
Astrocytom Grad I und Grad II Tumore im Klassen-Vorhersage-Ansatz
(vergl. Beispiel 6) verwendet. Die Gene TGF-alpha, NF1 und M1H1
wurden aus genomischer Bisulfit behandelter DNA wie in Beispielen
1, 2 und 3 beschrieben, amplifiziert. Die DNA wurde aus Gewebeproben
von zwei Gruppen von Patienten mit alternativen Formen eines Tumors,
in diesem Fall eine Gruppe von Astrocytom Grad I und eine andere
Gruppe von Astrocytom Grad II. Optimale Ergebnisse wurden durch
die Aufnahme von mindestens 6 CpG Dinukleotiden erhalten, wobei
die am meisten informativen CpG Positionen für diese Unterscheidung innerhalb
der Gene TGF-alpha und NF1 und M1H1 (vergl. 4) lokalisiert sind. Die Ergebnisse validieren
die Ergebnisse der in Beispiel 6 gezeigten Methylierungs-Fingerprints
weiter.
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Tabelle 1
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Liste der Gene, Referenznummern und
Primer Oligonukleotide gemäß Beispielen
1-7 und 1-4.
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