DE19941163A1 - Verfahren zur Drehzahlsteuerung zwecks Minimierung der Innenpolygonbildung - Google Patents
Verfahren zur Drehzahlsteuerung zwecks Minimierung der InnenpolygonbildungInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke in einer vielgerüstigen kontinuierlichen Streckreduzierwalzstraße mit Einrichtungen zur Messung der Rohrwanddicke hinter der Streckreduzierwalzstraße, einer Rechnereinheit zur Meßwertverarbeitung und einer Einrichtung zur Drehzahlsteuerung der Antriebsmotoren. DOLLAR A Dabei wird durch rechnergesteuerte Veränderung der Drehzahlen der Antriebsmotoren während des Rohrdurchlaufes die Gesamtstreckung konstant gehalten und dadurch die Innenpolygonbildung auf ein Minimum reduziert.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke in einer
vielgerüstigen kontinuierlichen Streckreduzierwalzstraße mit Einrichtungen zur
Messung der Rohrwanddicke hinter der Streckreduzierwalzstraße, einer
Rechnereinheit zur Meßwertverarbeitung und einer Einrichtung zur Drehzahlsteuerung
der Antriebsmotoren.
Bei der Herstellung nahtloser und geschweißter Stahlrohre wird häufig das sogenannte
Streckreduzieren eingesetzt, um in sehr flexibler Weise aus wenigen
Vorproduktabmessungen eine Vielzahl in Durchmesser und Wanddicke
unterschiedlicher Fertigrohrabmessungen zu erzeugen. Der Vorteil dieses Verfahrens,
das ohne Innenwerkzeug auskommt, liegt in der schnellen und kostengünstigen
Variation von Wanddicke und Durchmesser.
Die Umformung des Rohres erfolgt beim Streckreduzieren in einer Vielzahl
hintereinander angeordneter Gerüste, wobei durch Drehzahlvariation in den einzelnen
Gerüsten eine Wechselwirkung zwischen den Gerüsten erzeugt und damit die
Wanddicke des Fertigrohres gezielt eingestellt wird. Die Umformung in der
Streckreduzierwalzstraße (SRW) erfolgt heute in der Regel in Dreiwalzengerüsten.
Damit das Walzgut bei der Reduktion des Rohrdurchmessers nicht in den Spalt
zwischen den Walzen eintritt und infolgedessen Oberflächenmarkierungen auftreten,
wird das Kaliber der Walzen nicht kreisrund sondern - im Dreiwalzengerüst dreiseitig -
oval ausgeführt. Diese dreiseitige Form des Kalibers ist grundsätzlich unvermeidbar.
Nur das letzte Gerüst einer eingesetzten Gerüstreihe wird im allgemeinen kreisrund
ausgeführt. Dies ist möglich, da die Durchmesseränderung in diesem Gerüst klein ist.
Es ist erforderlich, da das fertig gewalzte Rohr weitestgehend kreisrund sein soll.
Die "Ovalität" des Kalibers muß in Abhängigkeit von der Durchmesserreduktion, der
Wanddicke des Rohres etc. optimal eingestellt werden. Wird die Ovalität zu klein
gewählt, erhält man Markierungen und Beschädigungen der Außenoberfläche. Wird die
Ovalität zu groß gewählt, kommt es zu ausgeprägten Wanddickenungleichmäßigkeiten
im Querschnitt des streckreduzierten Rohres. Diese Wanddickenungleichmäßigkeiten
haben eine sechseckige Form (beim Dreiwalzengerüst) und werden als Innenpolygon
bezeichnet. Wie alle Wanddickenabweichungen so bedeutet auch die
Innenpolygonbildung eine Qualitätseinbuße. Da die Innenpolygonbildung u. a. von der
Wanddicke oder besser gesagt vom Verhältnis Wanddicke zu Rohrdurchmesser
abhängig ist, benötigt man zur Erzeugung eines großen Wanddickenbereiches in der
Regel unterschiedliche Kalibrierungen der Walzen, d. h. unterschiedliche Ovalitäten der
Walzenkalibrierung. Da das Vorhalten von Walzgerüsten einen erheblichen Aufwand
bedeutet, setzt man im allgemeinen nur zwei unterschiedliche Kalibrierungen ein, eine
runde mit geringer Ovalität der Kaliberöffnung für dickwandige Rohre sowie eine ovale
mit großer Ovalität der Kaliberöffnung für dünnwandige Rohre. Im übrigen wird
versucht die Innensechskantbildung klein zu halten, indem die mittlere Zugspannung
oder der "Zug" im Walzgut bei der Umformung optimal eingestellt wird.
Wählt man ein bestimmtes Maß der Innenpolygonbildung, so stellt man durch
Versuche fest, daß sich das Polygonmaß in Abhängigkeit vom Zug linear ändert. Zur
Änderung des Zuges wird die Wanddicke des Vorrohres geändert. Da die Steigung und
die Lage der Kurve von vielen Einflußgrößen (Verhältnis Wanddicke zu Durchmesser
des Rohres, Kaliberform, Walzendurchmesser, Temperatur, Werkstoff, . . .) abhängig ist,
bedarf es eines großen Versuchsaufwandes, um für ein komplettes Walzprogramm
eine Zugoptimierung durchzuführen. Hat man diese Optimierung mit viel Mühe
durchgeführt, erzielt man trotzdem nicht immer innenpolygonarme Rohre, da aktuelle
Änderungen der Einflußgrößen unvermeidbar sind. In dieser Situation kann wieder
versucht werden, die Innenpolygonbildung zu reduzieren, indem die Luppenwanddicke
geändert wird. Dies ist aber je nach Rohrwalzverfahren der vorgeschalteten
Umformstufe nicht ohne Zeitverlust und Aufwand möglich. Letztendlich sind viele
Rohrhersteller mit diesem Problem der Qualitätseinbuße aufgrund von
Innenpolygonbildung konfrontiert, treiben einen erheblichen Aufwand um die
Produktqualität zu verbessern oder nehmen geringe Produktqualität in Kauf.
Neben den Wanddickenabweichungen, die im Querschnitt des Rohres auftreten und
über der Länge des Rohres nahezu konstant sind, gibt es Wanddickenabweichungen,
die über der Länge der Rohre auftreten. Es existieren zwar
Drehzahlsteuerungsverfahren und -einrichtungen mit denen diese
Wanddickenabweichungen über der Länge des Walzgutes ausgeglichen werden, nicht
jedoch Drehzahlsteuerungsverfahren zur Reduzierung der Innenpolygonbildung. Für
die oben beschriebene Zugoptimierung ist eine gezielte Variation der
Luppenwanddicke erforderlich. Die Luppenwanddicke kann aber nicht Steuerungsglied
eines Regelkreises sein, da sie in einem anderen, unabhängig vom SRW arbeitenden
Walzaggregat erzeugt wird. Nach dem Stand der Technik muß eine
Innenpolygonbildung infolge aktuell sich ändernder Umformbedingungen in Kauf
genommen werden und es muß ein erheblicher Aufwand getrieben werden, um im
Vorfeld der Produktion eine Optimierung durchzuführen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, unter Einsatz der Drehzahlsteuerung der
Walzen ein Verfahren zur Minimierung der Innenpolygonbildung beim Streckreduzieren
nahtloser Rohre zu schaffen.
Zur Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß durch
rechnergesteuerte Veränderung der Drehzahlen der Antriebsmotoren während des
Rohrdurchlaufes die Gesamtstreckung konstant gehalten und dadurch die
Innenpolygonbildung auf ein Minimum reduziert wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren löst das eingangs beschriebene Problem des
Standes der Technik dadurch, daß während des Produktionsprozesses eine Reduktion
der Innenpolygonbildung mittels eines Regelkreises und Variation eines
Zugparameters durchgeführt wird. Der Zugparameter definiert eine Änderung der
Drehzahlreihe und damit der Zugverteilung im Walzwerk in der Weise, daß die
Gesamtstreckung im Walzwerk unbeeinflußt bleibt. Da zwischen dem Parameter der
Zugverteilung und der Innenpolygonbildung ein eindeutiger Zusammenhang existiert,
gelingt es, die Innenpolygonbildung automatisch zu reduzieren, ohne die Wanddicke
des Vorrohres zu beeinflussen.
Der Zugparameter wird so definiert, daß bei seiner Änderung die Drehzahlverhältnisse
in einer Walzgerüstgruppe erhöht werden und zugleich in einer anderen
Walzgerüstgruppe vermindert werden, so daß die Streckung des Rohres insgesamt
konstant bleibt. Hierbei wird davon Gebrauch gemacht, daß die die
Innenpolygonbildung beeinflussenden Größen innerhalb der Gerüstreihe der
Streckreduzierwalzstraße im allgemeinen sehr unterschiedlich sind. Vergleicht man
den einlaufseitigen Bereich der Streckreduzierwalzstraße mit dem auslaufseitigen, so
stellt man hier
- - ein kleineres Verhältnis von Rohrwanddicke zu Rohrdurchmesser
- - ein größeres Verhältnis von Rohrdurchmesser zu Walzendurchmesser
- - eine höhere Temperatur
- - eine größere Kaliberovalität
fest. Hinzu kommen Einflüsse von der Bauweise des SRW, wie zum Beispiel eine
festgelegte Charakteristik der einstellbaren Drehzahlkurven.
Eine Änderung des Zuges hat hinsichtlich der Innenpolygonbildung unterschiedliche
Effekte, abhängig davon, ob sie im einlaufseitigen oder im auslaufseitigen Bereich des
SRW stattfindet. Mithin ergibt sich eine Abhängigkeit der Innenpolygonbildung vom
Zugparameter. Damit ist die Voraussetzung für einen Steuerungsvorgang zur
Reduzierung der Innenpolygonbildung gegeben.
Ein möglicher Regelkreis sieht wie folgt aus. Das Polygonmaß an dem aus dem SRW
auslaufenden Rohr wird während des Rohrdurchlaufes meßtechnisch erfaßt (z. B.
mittels US-Wanddickenmessung), die Abhängigkeit des Polygonmaßes bei Variation
des Zugparameters wird ermittelt und der Parameter so eingestellt, daß die
Innenpolygonbildung minimal ist.
Die Konstanz der Streckung wird z. B. dadurch sicher gestellt, daß die
Drehzahlvariation schon bei der Prozeßplanung für jede Abmessung des
Walzprogrammes so definiert wird, daß der mittlere Zug im SRW gleich bleibt. Auch
kann während des Produktionsbetriebes ein adaptives Berechnungsverfahren hierfür
eingesetzt werden.
Die Erfindung wird anhand der Abb. 1 bis 4 erläutert:
Abb. 1 beschreibt die Ausbildung eines Innenpolygons und die Berechnung des Polygonmaßes P. Die Wanddicke des Rohres im Bereich des Kalibergrundes der Walze wird hier mit sa gekennzeichnet, die Wanddicke im Bereich der Mitte der Kaliberflanke mit sb. Aufgrund der sechseckig symmetrischen Ausbildung der Rohrinnenkontur findet man Rohrquerschnittsbereiche sa und sb nahezu gleicher Deformation jeweils an sechs Stellen. Die an diesen Steilen gemessenen Wanddickenwerte werden wie in der Abb. 1 angegeben gemittelt. Das Polygonmaß P hat einen positiven Wert, wenn die Stelle der kleineren Wanddicke im Kalibergrund liegt, es hat einen negativen Wert, wenn die Stelle der kleineren Wanddicke in der Mitte der Kaliberflanke liegt.
Abb. 1 beschreibt die Ausbildung eines Innenpolygons und die Berechnung des Polygonmaßes P. Die Wanddicke des Rohres im Bereich des Kalibergrundes der Walze wird hier mit sa gekennzeichnet, die Wanddicke im Bereich der Mitte der Kaliberflanke mit sb. Aufgrund der sechseckig symmetrischen Ausbildung der Rohrinnenkontur findet man Rohrquerschnittsbereiche sa und sb nahezu gleicher Deformation jeweils an sechs Stellen. Die an diesen Steilen gemessenen Wanddickenwerte werden wie in der Abb. 1 angegeben gemittelt. Das Polygonmaß P hat einen positiven Wert, wenn die Stelle der kleineren Wanddicke im Kalibergrund liegt, es hat einen negativen Wert, wenn die Stelle der kleineren Wanddicke in der Mitte der Kaliberflanke liegt.
Abb. 2 veranschaulicht die Abhängigkeit des Polygonmaßes vom Zug. Das
Polygonmaß nimmt mit größer werdendem Zug linear zu. Bei kleinen Zugwerten ist es
negativ, bei großen Zugwerten positiv. Der Zugwert, bei dem das Polygonmaß gleich
Null ist wird als "optimaler Zug" bezeichnet.
Abb. 3 stellt eine mögliche Variation der Zugverteilung dar, bei der die
Gesamtstreckung in der Streckreduzierwalzstraße konstant bleibt. Beim Zugverlauf ZP1
wird im einlaufseitigen Bereich der Streckreduzierwalzstraße der Zug und damit die
Streckung des Walzgutes höher als im auslaufseitigen Bereich. Bei der Zugverteilung
ZP2 sind Zug und Streckung über den Gerüstplätzen etwa gleich verteilt. Bei ZP3 sind
Zug und Streckung in den einlaufseitigen Gerüsten kleiner als in den auslaufseitigen.
In Abb. 4 ist die Abhängigkeit des Polygonmaßes vom Zugparameter ZP
dargestellt. In diesem Beispiel nimmt das Polygonmaß mit Erhöhung des
Zugparameters linear zu. ZP1, ZP2 und ZP3 sind konkrete Zustände der Zugvariation,
die stufenlos einstellbar ist. Aus der während des Walzbetriebes ermittelten
Abhängigkeit des Polygonmaßes vom Zugparameter wird der Wert des Zugparameters
bestimmt, für den das Polygonmaß gleich Null ist.
Claims (5)
1. Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke in einer vielgerüstigen
kontinuierlichen Streckreduzierwalzstraße mit Einrichtungen zur Messung der
Rohrwanddicke hinter der Streckreduzierwalzstraße, einer Rechnereinheit zur
Meßwertverarbeitung und einer Einrichtung zur Drehzahlsteuerung der
Antriebsmotoren,
dadurch gekennzeichnet,
daß durch rechnergesteuerte Veränderung der Drehzahlen der
Antriebsmotoren während des Rohrdurchlaufes die Gesamtstreckung konstant
gehalten und dadurch die Innenpolygonbildung auf ein Minimum reduziert wird.
2. Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß durch Veränderung der Drehzahlen der Antriebsmotoren die
Drehzahlverhältnisse in einer Walzgerüstgruppe erhöht werden und zugleich in
einer anderen Walzgerüstgruppe vermindert werden, so daß die Streckung des
Rohres insgesamt konstant bleibt.
3. Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Polygonmaß an dem aus dem SRW auslaufenden Rohr (z. B. mittels
US-Wanddickenmessung) während des Rohrdurchlaufes meßtechnisch erfaßt
wird, die Abhängigkeit des Polygonmaßes bei Variation des Zugparameters
ermittelt wird und der Parameter so eingestellt wird, daß die
Innenpolygonbildung minimal ist.
4. Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke nach Anspruch 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Sicherstellung der Konstanz der Streckung bei der Prozeßplanung die
Drehzahlvariation für jede Abmessung des Walzprogrammes so definiert wird,
daß der mittlere Zug im SRW gleich bleibt.
5. Verfahren zur Steuerung der Rohrwanddicke nach Anspruch 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß während des Produktionsbetriebes ein adaptives Berechnungsverfahren für
die Drehzahlvariation eingesetzt wird.
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