DE19933506A1 - Zelluläre Aufnahme von DNA - Google Patents
Zelluläre Aufnahme von DNAInfo
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Abstract
Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues System zur zellulären Aufnahme von Nukleinsäuren, Stoffen, die eine Nukleinsäurekomponente enthalten, oder genetischer Information. Insbesondere betrifft die Erfindung eine Nukleinsäure, enthaltend eine Nukleotidsequenz mit mindestens einer Signalsequenz, welche die Aufnahme der Nukleinsäure in eine Zelle bewirkt, Verfahren zu ihrer Herstellung sowie ein Verfahren zur Identifizierung derartiger Nukleotidsequenzen.
Description
Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues System zur zellulären Aufnahme von
Nukleinsäuren, Stoffen, die eine Nukleinsäurekomponente enthalten, oder geneti
scher Information. Insbesondere betrifft die Erfindung eine Nukleinsäure, enthal
tend eine Nukleotidsequenz mit mindestens einer Signalsequenz, welche die
Aufnahme der Nukleinsäure in eine Zelle bewirkt, Verfahren zu ihrer Herstellung
sowie ein Verfahren zur Identifizierung derartiger Nukleotidsequenzen.
In der biomedizinischen Forschung ist ein gesamtes Fachgebiet, die Vektoren
entwicklung, mit der Einschleusung rekombinanter DNA in Zellen von Interesse
befaßt. Bis heute hat sich kein Vektorsystem auf breiter Basis durchgesetzt.
Darüber hinaus sind die bekannten Verfahren zur Herstellung anwendbarer
Vektoren vergleichsweise komplex und teuer.
Die Anwendung viraler und nicht-viraler Vektoren zur Einschleusung rekombinan
ter genetischer Information (z. B. DNA) in Zielzellen wird in der Molekularbiologie,
molekularen Medizin und Gentherapie vor allem durch die Komplexität der
Systeme extrem aufwendig, kostenintensiv und biologisch nur äußerst schwer
kontrollierbar. Die Übertragung von Nukleinsäure-Transportfunktionen, ins
besondere DNA-Transportfunktionen, auf die einzuschleusende Nukleinsäure,
z. B. eine DNA, selbst würde den konzeptionell einfachsten und in methodischer
Hinsicht am besten umsetzbaren Weg darstellen. Jedoch sind artifizielle DNA-
Elemente (DNA-cis-Elemente), welche die zelluläre Aufnahme von DNA ver
mitteln, bisher unbekannt.
Somit liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein in biologischer
und technischer Hinsicht möglichst einfach ausführbares System zur Einschleu
sung genetischer Information, wie beispielsweise DNA, in Zellen bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird durch die in den Ansprüchen gekennzeichneten Ausfüh
rungsformen der vorliegenden Erfindung gelöst.
Die vorstehend definierte Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird insbesondere
dadurch gelöst, daß Transportsignale zur Einschleusung "nackter" Nukleinsäu
ren, wie beispielsweise rekombinanter DNA, in Zellen von cis-Elementen, wie
beispielsweise DNA-cis-Elementen, übernommen werden, die sich auf der ein
zuschleusenden Nukleinsäure selbst befinden. Daher wird erfindungsgemäß eine
Nukleinsäure, enthaltend eine Nukleotidsequenz mit mindestens einer Signalse
quenz, welche die Aufnahme der Nukleinsäure in eine Zelle bewirkt, bereit
gestellt.
Die Begriffe "Nukleinsäure" und "Nukleotidsequenz" umfassen endogen ex
primierte, halbsynthetische, synthetische oder chemisch modifizierte Nukleinsäu
remoleküle, die vorzugsweise im wesentlichen aus Desoxyribonukleotiden
und/oder Ribonukleotiden und/oder modifizierten Nukleotiden bestehen. Die
"Signalsequenz" der erfindungsgemäßen Nukleinsäure ist mindestens ein Teil der
Nukleotidsequenz und ist somit ein cis-Element der erfindungsgemäßen Nu
kleinsäure und bewirkt deren Aufnahme in eine Zelle. Beispielsweise handelt es
sich bei der Signalsequenz einer erfindungsgemäßen DNA somit um ein DNA-cis-
Element.
Vorzugsweise enthält die erfindungsgemäße Nukleinsäure weiter mindestens
eine zu transportierende zweite Nukleotidsequenz und/oder eine oder mehrere
mit der ersten und/oder zweiten Nukleotidsequenz kovalent verknüpfte und/oder
komplexierte Komponenten, die biologisch aktiv und keine Nukleinsäuren sind.
Der Ausdruck "eine zu transportierende zweite Nukleotidsequenz" bedeutet eine
heterologe oder homologe, rekombinante Nukleotidsequenz, die beispielsweise
einen für mindestens ein Polypeptid und/oder ein RNA-Transkript von Interesse,
z. B. für mindestens eine Antisense-Nukleinsäure und/oder für mindestens ein
Ribozym kodierenden Bereich und/oder einen oder mehrere Kontrollbereiche
und/oder eine partiell oder vollständig doppelsträngige RNA (z. B. eine RNAi beim
sog. "post translational gene silencing", PTGS) umfassen kann.
Der Ausdruck "für mindestens ein Polypeptid kodierender Bereich" bedeutet, daß
der entsprechende Nukleotidsequenzbereich mindestens einen offenen Leserah
men (ORF) bzw. ein oder mehrere Exons, zwischen denen gegebenenfalls ein
oder mehrere nicht-translatierte Bereiche (z. B. Introns) eingefügt sind, enthält,
der bzw. die für die Aminosäuresequenz, d. h. die Primärstruktur, eines Polypep
tids kodiert bzw. kodieren. Der mindestens für ein Polypeptid kodierende Bereich
kann dabei in Bezug auf die Zelle heterolog oder homolog sein. Der Ausdruck
"für mindestens eine Antisense-Nukleinsäure kodierender Bereich" bedeutet, daß
der entsprechende Nukleotidsequenzbereich mindestens für eine Nukleinsäure
kodiert, die zur Bindung an eine Ziel-RNA befähigt ist und so deren biologische
Funktion, z. B. die Translation einer mRNA inhibiert. Der Ausdruck "für minde
stens ein Ribozym kodierender Bereich" bedeutet, daß der entsprechende Nu
kleotidsequenzbereich mindestens für eine Nukleinsäure, kodiert, die zur Spal
tung einer Ziel-mRNA befähigt ist und so deren Translation inhibiert. Vorzugs
weise handelt es sich bei einem solchen Ribozym um ein Hammerhead-Ribozym.
Der Begriff "Kontrollbereich" umfaßt sämtliche bei der Genregulation, d. h.
insbesondere bei der Regulation der Expression von Genen, mitwirkende Nukleo
tidsequzenzen, wie beispielsweise Promotoren, Enhancer, Operatoren, Trans
kriptionsstartsignale und Polyadenylierungssignale.
Der Begriff "Promotor" bezeichnet einen Nukleotidsequenzabschnitt, durch den
der Initiationspunkt und die Initiationshäufigkeit der Transkription (mRNA-Syn
these) eines Gens festgelegt werden.
Der Begriff "Enhancer" bezeichnet Nukleotidsequenzabschnitte, wie sie beispiels
weise im 5'- oder 3'-flankierenden Bereich von Genen, insbesondere solcher
eukaryotischer und viraler Herkunft zu finden sind, welche die Effizienz der
Transkription erhöhen. Die cis-aktiven Enhancer-Elemente können selbst über
Distanzen von einigen Kilobasen ihre Wirkung entfalten. Sie funktionieren in
beiden Orientierungen und sind positionsunabhängig, d. h., sie können z. B. im 5'-
Bereich eines durch sie kontrollierten Gens liegen oder können auch z. B. im 3'-
Bereich oder sogar beispielsweise in einem Intron lokalisiert sein.
Der Begriff "Operator" bezeichnet in der vorliegenden Erfindung einen Nukleotid
sequenzabschnitt, an dem regulatorisch wirkende Proteine (beispielsweise
Repressoren oder Aktivatoren) binden, um dadurch die Aktivitäten von beispiels
weise angrenzenden Strukturgenen, wie z. B. des für ein Polypeptid kodierenden
Bereichs, zu blockieren (negative Regulation) oder zu aktivieren (positive Regula
tion).
Der Begriff "Transkriptions/Translationsstartsignal" umfaßt insbesondere Kon
trollbereiche im 5'-flankierenden Bereich von für Polypeptide kodierenden Nukleo
tidsequenzabschnitten, wie beispielsweise TATA- und CCAT-Boxen, sowie die
unmittelbar im 5'-flankierenden Bereich eines Transkriptionsstarts befindlichen
sog. "Kozak"-Sequenzen (M. Kozack (1991) "An analysis of vertebrate mRNA
sequences: intimations of translational control", J. Cell Biol. 115 (4), 887-903)
sowie Ribosomenbindungsstellen und IRES-Elemente (engl. "internal ribosomal
entry sites").
Ein "Polyadenylierungssignal" bezeichnet Nukleotidsquenzen, die für die Addition
eines Poly(A)-Schwanzes an eine mRNA und zur Prozessierung des 3'-Endes der
mRNA benötigt werden. Die Polyadenylierungssignale für die Addition eines
poly(A)-Schwanzes an mRNA-Moleküle von Säugern enthalten beispielsweise
zwei Elemente: Die AAUAAA-Sequenz 20 bis 30 Nukleiotide vor und einen
diffusen GU-reichen Abschnitt direkt nach dem 3'-Ende des für die mRNA
kodierenden Nukleotidsequenzabschnitts.
Der Begriff "biologisch aktive Komponente" umfaßt alle biologisch aktiven
Strukturen, die aus einzelnen oder mehreren Molekülen sämtlicher Substanz
klassen mit biologischer Funktion außer den Nukleinsäuren, beispielsweise
Peptide, z. B. Polypeptide, wie Proteine, Lipide, z. B. Phospholipide, Saccharide,
z. B. einzelne Zucker, Oligo- und Polysaccharide aufgebaut sind. Des weiteren
können solche biologisch aktiven Komponenten selbstverständlich auch Cofakto
ren, prosthetische Gruppen, Ionen usw. enthalten.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Nukleinsäure
ist (sind) der (die) Kontrollbereich(e) zur Regulation der Expression des minde
stens einen für mindestens ein Polypeptid und/oder für mindestens eine Anti
sense-Nukleinsäure und/oder für mindestens ein Ribozym kodierenden Bereichs
befähigt. Der Ausdruck "zur Regulation der Expression befähigt" bedeutet, daß
der bzw. die Kontrollbereiche die Transkription und/oder Translation des minde
stens einen für mindestens ein Polypeptid und/oder für mindestens eine Anti
sense-Nukleinsäure und/oder für mindestens ein Ribozym kodierenden Bereichs
in positiver und/oder negativer Weise beeinflußt bzw. beeinflussen.
Der Begriff "Zelle" umfaßt sowohl prokaryotische Zellen, wie beispiesweise
Protozoen und Bakterien, z. B. E. coli, Bacillus spec. und Agrobacteriurne fa
ciens, als auch eukaryotische Zellen, wie beispielsweise Pilze, wie Hefen, z. B.
Saccharomyces cerevisiae, Schistosaccharomyces pombe und Pichia pastoris,
Pflanzenzellen, z. B. Tomatenzellen, Kartoffelzellen und Arabidopsis spec.,
Nematodenzellen, z. B. C. elegans, Insektenzellen, z. B. D. melanogaster und Sf9-
Zellen, sowie Säugerzellen, wie beispielsweise Kulturzellen wie Zellen von
Endothel-, Leber-, Muskel- und Hirnzellinien, z. B. humane Kulturzellen (z. B. HeLa,
ECV 304, MCF-7, A431) oder Kulturzellen anderer Säuger (z. B. BHK, CHO, PV-1)
sowie Zellen, die einem an einer krankhaften Störung leidenden Patienten,
beispielsweise einem Menschen oder einem Tier, beispielsweise zur Gentherapie,
entnommen wurden.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft einen Vektor, der
mindestens die wie vorstehend definierte Nukleinsäure enthält. Der Begriff
"Vektor" bedeutet dabei ein DNA- und/oder RNA-Replikon, das zur Amplifikation
und/oder Expression der Nukleotidsequenz der erfindungsgemäßen Nukleinsäure
verwendet werden kann. Der Vektor kann jegliche wie vorstehend definierte
Kontrollbereiche und/oder andere Nukeotidsequenzabschnitte im 5'- und/oder 3'-
Bereich der Nukleotidsequenz, die zur Kontrolle ihrer Expression befähigt sind,
enthalten. Der Vektor kann zusätzlich weitere Nukleotidsequenzen, die für
Aminosäuresequenzen kodieren, die zur Detektion und/oder Reinigung von
Proteinen, beipielsweise eines Polypeptids, das von der erfindungsgemäßen
Nukleotidsequenz kodiert wird, geeignet sind, im 5'- und/oder 3'-Bereich der
erfindungsgemäßen Nukleotidsequenz enthalten. Vorzugsweise enthält der
erfindungsgemäße Vektor weitere Elemente, welche die stabile Integration der
erfindungsgemäßen Nukleinsäure, die wie vorstehend definiert beispielsweise für
mindestens ein Polypeptid und/oder mindestens eine Antisense-Nukleinsäure
und/oder mindestens ein Ribozym kodieren kann, in das Genom eines Wirts
organismus und/oder die transiente Expression der erfindungsgemäßen Nukleo
tidsequenz ermöglichen. Ferner enthält der erfindungsgemäße Vektor vorzugs
weise Selektionsgene, wie beispielsweise ein oder mehrere Antibiotikaresi
stenzgene, welche die einfache Selektion mit dem erfindungsgemäßen Vektor
transformierter Zeilen ermöglichen. Die hierfür notwendigen Arbeitsschritte sind
einem Fachmann bekannt.
Noch ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft einen Wirts
organismus, der mindestens die erfindungsgemäße Nukleinsäure oder den
erfindungsgemäßen Vektor enthält. Der Begriff "Wirtsorganismus" umfaßt
sowohl Pilze, Pflanzen, Tiere und Menschen, als auch Teile dieser, insbesondere
deren Zellen, wie beispielsweise die vorstehend angebenen eukaryotischen und
prokaryotischen Zellen.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft ein Verfahren zur
Herstellung der erfindungsgemäßen Nukleinsäure oder des erfindungsgemäßen
Vektors, umfassend die Schritte:
- a) Züchten des erfindungsgemäßen Wirtsorganismus in einem geeigneten Medium unter geeigneten Bedingungen und
- b) Isolieren des gewünschten Produkts aus dem Medium und/oder dem Wirtsorganismus.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft ein Verfahren zur
Identifizierung einer Nukleotidsequenz, die mindestens eine die Aufnahme einer
Nukleinsäure in eine Zelle bewirkende Signalsequenz enthält, umfassend die
Schritte:
- a) Isolieren einer Nukleinsäure, die von Zellen selektiv aus einer Vielzahl von Nukleinsäuren aufgenommen wird, wobei die Vielzahl der Nukleinsäuren Nukleotidsequenzen aufweisen, die sich mindestens teilweise voneinander unterscheiden, und
- b) Bestimmen der Nukleotidsequenz der in Schritt (a) isolierten Nukleinsäure.
Der Begriff "Vielzahl von Nukleinsäuren" umfaßt endogen exprimierte, halbsyn
thetische, synthetische oder chemische modifizierte Nukleinsäuremoleküle, die
Nukleotidsequenzen aufweisen, die sich mindestens teilweise voneinander
unterscheiden. Beispielsweise können die Nukleotidsequenzen der Vielzahl von
Nukleinsäuren einen variablen Teil, der sich von den variablen Teilen der Nukleo
tidsequenzen der anderen Nukleinsäuren unterscheidet und einen invariablen Teil,
der in jeder Vielzahl von Nukleinsäuren im wesentlichen identisch ist und bei
spielsweise als Bindungsstelle von PCR-Primern dienen kann, umfassen. Wie
vorstehend definiert, ist die Herkunft der Nukleotidsequenzen der Vielzahl der
Nukleinsäuren in keiner Weise begrenzt. Die Nukleotidsequenzen der Vielzahl von
Nukleinsäuren können beispielsweise chemisch synthetisiert sein, und/oder von
dem Genom jeglicher biologischer Systeme, die genetische Information enthal
ten, stammen. Der Ausdruck "biologische System, die genetische Information
enthalten" umfaßt dabei sowohl prokaryotische und eukaryotische Zellen als
auch biologische Systeme, die sich nicht selbständig replizieren können, wie
Bakteriophagen, Viren und Viroide. So kann die Vielzahl der Nukleinsäuren
beispielsweise von einer representativen Bibliothek, wie beispielsweise einer
cDNA-Bibliothek oder einer genomischen Bibliothek, des Genoms eines solchen
biologischen Systems stammen.
Ein Beispiel einer Vielzahl von Nukleinsäuren umfaßt einen DNA-Pool mit DNA-
Spezies, die beispielsweise eine Länge von 15 bis mehreren tausend Basenpaa
ren aufweisen, wobei der randomisierte Anteil, d. h. der variable Teil der Nukleo
tidsequenzen der DNA-Spezies, beispielsweise 5 bis 150 Basenpaare umfaßt und
beidseitig terminale Primersequenzen, beispielsweise von 5 bis 40 Basenpaare
Länge, angefügt sind.
Die für das erfindungsgemäße Verfahren verwendeten Zellen können, wie
vorstehend definiert, sämtliche eukaryotische und prokaryotische Zellen sein.
Bevorzugte Zellen sind Säugerzellinien, wie beispielsweise BHK, Hela und ECV
304.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des vorstehend definierten Verfah
rens umfaßt das Isolieren der Nukleinsäure
- a) das Inkontaktbringen der Zellen für einen geeigneten Zeitraum, beispiels weise von 1 min bis 48 Stunden, vorzugsweise 24 Stunden, mit der Vielzahl von Nukleinsäuren, beispielsweise einem DNA-Pool mit einer ausreichenden Komplexität und in einer ausreichenden Menge, beispiels weise 1 ng bis 10 µg pro 107 Zellen, wobei die Zellen selektiv Nukleinsäu ren aus der Vielzahl von Nukleinsäuren aufnehmen,
- b) das Isolieren der Nukleinsäure-haltigen Bestandteile der Zellen, (iii) das Detektieren der von den Zellen selektiv aus der Vielzahl der Nuklein säuren aufgenommenen Nukleinsäuren in den Nukleinsäure-haltigen Be standteilen der Zellen von (ii), und
- c) das Isolieren der im Schritt (iii) detektierten, selektiv von den Zellen aufge nommenen Nukleinsäuren.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform umfaßt das vorstehend definierte
Verfahren weiter
- a) das Wiederholen der Schritte (i) bis (iv), bis sich der Anteil der aus der Vielzahl von Nukleinsäuren selektiv aufgenommenen Nukleinsäuren an den Nukleinsäure-haltigen Bestandteilen der Zellen nicht mehr ändert, wobei jeweils im Schritt (i) die im Schritt (iv) isolierten Nukleinsäuren mit den Zellen in Kontakt gebracht werden.
Vorzugsweise umfaßt das Detektieren der von den Zellen selektiv aufgenomme
nen Nukleinsäuren im Schritt (iii) gleichzeitig die Amplifikation dieser Nukleinsäu
ren, beispielsweise mittels Amplifikation in lebenden Zellen, z. B. E. coli, oder
mittels einer PCR, vorzugsweise einer präparativen PCR. Dabei werden bei der
PCR Primer eingesetzt, die beispielsweise an die terminalen Primersequenzen der
wie vorstehend definierten DNA-Spezies im DNA-Pool binden. Ferner umfaßt das
erfindungsgemäße Verfahren in einer bevorzugten Ausführungsform weiter ein
oder mehrere Waschschritte, beispielsweise nach dem Schritt des Inkontakt
bringens der Zellen mit der Vielzahl von Nukleinsäuren im Schritt (i).
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft ein Kit zur Ein
schleusung von Nukleinsäuren in Zellen, umfassend die wie vorstehend definierte
Nukleinsäure und/oder den wie vorstehend definierten Vektor und/oder den wie
vorstehend definierten Wirtsorganismus.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung betrifft ein Arzneimittel,
enthaltend die erfindungsgemäße Nukleinsäure oder den erfindungsgemäßen
Vektor und gegebenenfalls einen pharmazeutisch verträglichen Träger und/oder
Hilfsstoff und/oder ein Verdünnungsmittel.
Die vorliegende Erfindung beschreibt somit ein neuartiges System zur Einschleu
sung von Nukleinsäuren, beispielsweise rekombinanter DNA oder einzelsträngiger
Nukleinsäuren, in Zellen, wie beispielsweise menschliche Zellen, über neuartige
cis-Elemente, beispielsweise DNA-cis-Elemente, welche die Transportfunktion
von bisher benutzten viralen Komponenten oder nicht-viralen Vektoren ersetzen
können. Solche DNA-cis-Elemente können beispielsweise "nackte", doppel
strängige oder partiell oder vollständig einzelsträngige DNA in Säugerzellen
einschleusen und stellen daher konzeptionell den einfachsten denkbaren Nu
kleinsäure- bzw. DNA-Transfer in Zellen dar. Damit kann die aufwendige Kom
plexierung rekombinanter DNA über virale oder nicht-virale Vektorkomponenten
in der Biomedizin substantiell unterstützt oder ersetzt werden. Es ist ebenfalls
möglich, daß rekombinante Gene von Interesse in der molekularen Medizin, wie
beispielsweise solcher in der Gentherapie, mit zusätzlichen erfindungsgemäßen
DNA-Transportelementen versehen werden und so direkt einsetzbar sind, was
eine drastische Vereinfachung von Protokollen in der somatischen Gentherapie
zur Folgen hat.
Daher betrifft eine weitere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung die
Verwendung der erfindungsgemäßen Nukleinsäure oder des erfindungsgemäßen
Vektors oder des erfindungsgemäßen Wirtsorganismus zur Herstellung eines
gentherapeutischen Arzneimittels. Zum Beispiel kann die erfindungsgemäße
Nukleinsäure oder der erfindungsgemäße Vektor oder der erfindungsgemäße
Wirtsorganismus zur gentherapeutischen Behandlung von Patienten, die an
Krankheiten bzw. krankhaften Störungen leiden, die mit Hilfe der Gentherapie
behandelt werden können, verwendet werden.
Die zelluläre Aufnahme rekombinanter Nukleinsäuren über die erfindungsgemä
ßen Nukleotidsequenzen, die Teil der einzuschleusenden Nukleinsäuren selbst
sind, bedeutet sowohl in technischer als auch in biologischer Sicht eine massive
Vereinfachung gegenüber gegenwärtigen Verfahren. Auch in der biomedizi
nischen und molekularbiologischen Forschung bedeutet daher die zelluläre
Aufnahmer "nackter" Plasmid-DNA eine deutliche und nachhaltige Verbesserung
des gegenwärtigen Standes der Technik.
Die Figuren zeigen:
Fig. 1 ist eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Selek
tionsprotokolls zur Identifizierung von zellulären DNA-Importsigna
len.
Das folgende Beispiel erläutert die vorliegende Erfindung näher, ohne sie ein
zuschränken.
In der Fig. 1 ist das Selektionsprotokoll zur Identifizierung von DNA-Signalse
quenzen, welche die Aufnahme von DNA in Kulturzellen bewirken, gezeigt. Es
wurden 10 µg eines DNA-Pools mit Zellen der Säugerzellinie BHK in Kontakt
gebracht. Die Länge der DNA-Spezies betrug 146 Basenpaare, umfassend einen
randomisierten Anteil mit 100 Basenpaaren und terminale Primersequenzen mit
je 23 Basenpaaren. Die Komplexität des DNA-Pools betrug 1013 unterschiedliche
DNA-Moleküle bzw. Spezies. Die BHK-Zellen (ca. 107 Zellen) wurden mit dem
DNA-Pool für 24 Stunden inkubiert. Nach dem ausgiebigen Waschen folgte die
Isolierung der Nukleinsäure-haltigen Bestandteile der Zellen (intrazelluläre Frak
tion). Dieses Isolat diente sodann als Matrize für eine präparative PCR mit Hilfe
von Primern, die an die terminalen Primersequenzen der eingesetzen DNA-Spe
zies bindeten. Im nächsten Selektionsschritt wurden die mit Hilfe der präparati
ven PCR erhaltenen und danach isolierten Amplifikate wieder mit BHK-Zellen
inkubiert. Nach fünf solcher Selektionstypen mit den BHK-Zellen wurde die
Aufnahme von DNA-Spezies aus dem DNA-Pool bereits um einen Faktor von 10
bis 100 gesteigert. Wird nach diesem Selektionsschema der Punkt erreicht, an
dem auch nach weiteren Selektionsrunden keine weitere Verbesserung der
zellulären DNA-Aufnahme erfolgt, werden die selektierten DNA-Spezies kloniert
und strukturell sowie funktionell charakterisiert.
Claims (18)
1. Nukleinsäure, enthaltend eine erste Nukleotidsequenz mit mindestens einer
Signalsequenz, welche die Aufnahme der Nukleinsäure in eine Zelle be
wirkt.
2. Nukleinsäure nach Anspruch 1, wobei die Nukleotidsequenz weiter minde
stens eine zu transportierende zweite Nukleotidsequenz und/oder eine oder
mehrere mit der ersten und/oder zweiten Nukleotidsequenz kovalent
verknüpfte und/oder komplexierte Komponenten enthält, die biologisch
aktiv und keine Nukleinsäuren sind.
3. Nukleinsäure nach Anspruch 2, wobei die zu transportierende zweite
Nukleotidsequenz einen für mindestens ein Polypeptid und/oder für minde
stens eine Antisense-Nukleinsäure und/oder für mindestens ein Ribozym
kodierenden Bereich und/oder einen oder mehrere Kontrollbereiche umfaßt.
4. Nukleinsäure nach Anspruch 3, wobei der (die) Kontrollbereich(e) einen
Promotor und/oder einen Enhancer und/oder einen Operator und/oder ein
Transkriptions/Translationsstartsignal und/oder ein Polyadenylierungssignal
umfaßt (umfassen).
5. Nukleinsäure nach Anspruch 3 oder 4, wobei der (die) Kontrollbereich(e)
zur Regulation der Expression des mindestens eine für mindestens ein
Polypeptid und/oder für mindestens eine Antisense-Nukleinsäure und/oder
für mindestens ein Ribozym kodierenden Bereichs befähigt ist (sind).
6. Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Zelle eine
Säugerzelle ist.
7. Vektor, der mindestens die Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 1 bis
6 enthält.
8. Wirtsorganismus, der mindestens die Nukleinsäure nach einem der An
sprüche 1 bis 6 oder den Vektor nach Anspruch 7 enthält.
9. Verfahren zur Herstellung der Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 1
bis 6 oder des Vektors nach Anspruch 7, umfassend die Schritte:
- a) Züchten des Wirtsorganismus nach Anspruch 8 in einem geeigneten Medium unter geeigneten Bedingungen und
- b) Isolieren des gewünschten Produkts aus dem Medium und/oder dem Wirtsorganismus.
10. Verfahren zur Identifizierung einer Nukleotidsequenz, die mindestens eine
die Aufnahme einer Nukleinsäure in eine Zelle bewirkende Signalsequenz
enthält, umfassend die Schritte:
- a) Isolieren einer Nukleinsäure, die von Zellen selektiv aus einer Vielzahl von Nukleinsäuren aufgenommen wird, wobei die Vielzahl der Nu kleinsäuren Nukleotidsequenzen aufweisen, die sich mindestens teilweise voneinander unterscheiden, und
- b) Bestimmen der Nukleotidsequenz der in Schritt (a) isolierten Nu kleinsäure.
11. Verfahren nach Anspruch 10, wobei das isolieren der Nukleinsäure
- a) das Inkontaktbringen der Zellen für einen geeigneten Zeitraum mit der Vielzahl von Nukleinsäuren, wobei die Zellen selektiv Nukleinsäu ren aus der Vielzahl von Nukleinsäuren aufnehmen,
- b) das Isolieren der Nukleinsäure-haltigen Bestandteile der Zellen,
- c) das Detektieren der von den Zellen selektiv aus der Vielzahl der Nukleinsäuren aufgenommenen Nukleinsäuren in den Nukleinsäure haltigen Bestandteilen der Zellen von (ii), und
- d) das Isolieren der im Schritt (iii) detektierten, selektiv von den Zellen aufgenommenen Nukleinsäuren umfaßt.
12. Verfahren nach Anspruch 11, das weiter
- a) das Wiederholen der Schritte (i) bis (iv), bis sich der Anteil der aus der Vielzahl von Nukleinsäuren selektiv aufgenommenen Nukleinsäu ren an den Nukleinsäure-haltigen Bestandteilen der Zellen nicht mehr ändert, wobei jeweils im Schritt (i) die im Schritt (iv) isolierten Nu kleinsäuren mit den Zellen in Kontakt gebracht werden, umfaßt.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, wobei das Detektieren gleichzeitig
die Amplifikation der Nukleinsäuren umfaßt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, wobei das Detektieren
eine PCR umfaßt.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 14, das weiter ein oder
mehrere Waschschritte umfaßt.
16. Kit zur Einschleusung von Nukleinsäuren in Zeilen, umfassend die Nu
kleinsäure nach einem der Ansprüche 1 bis 6 und/oder den Vektor nach
Anspruch 7 und/oder den Wirtsorganismus nach Anspruch 8.
17. Arzneimittel, enthaltend die Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 1 bis
6 oder den Vektor nach Anspruch 7 und gegebenenfalls einen pharmazeu
tisch verträglichen Träger und/oder Hilfsstoff und/oder ein Verdünnungs
mittel.
18. Verwendung der Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 1 bis 6 oder des
Vektors nach Anspruch 7 oder des Wirtsorganismus nach Anspruch 8 zur
Herstellung eines gentherapeutischen Arzneimittels.
Priority Applications (3)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1999133506 DE19933506A1 (de) | 1999-07-16 | 1999-07-16 | Zelluläre Aufnahme von DNA |
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