DE19923362A1 - Verfahren zur Bewertung des Kontaktzustandes eines Leistungsschalters - Google Patents
Verfahren zur Bewertung des Kontaktzustandes eines LeistungsschaltersInfo
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Abstract
Es wird ein Verfahren zur Bewertung des Kontaktzustandes eines Leistungsschalters vorgeschlagen, bei dem für jede auftretende Kurzschlußausschaltung das Produkt aus der Lichtbogenbrenndauer (t¶Libo¶) und einem Effektivwert des Kurzschlußstromes (I¶KS¶) während der Lichtbogenbrenndauer (t¶Libo¶) gebildet wird. Die gebildeten Produkte werden summiert. Die Summe dieser Produkte wird als Kriterium für den aktuellen Kontaktzustand herangezogen. DOLLAR A Es wird ein Grenzwert (MAX) für die Summe der Produkte vorgegeben, bei dessen Erreichen eine Revision des Leistungsschalters erforderlich ist. Die Bewertung des Kontaktzustandes erfolgt getrennt für jede Phase des Schalters.
Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Bewertung des Kontaktzustandes ei
nes Leistungsschalters gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und kann bei Hoch
spannungsleistungsschaltern in metallgekapselten Anlagen oder in Freiluftanlagen ein
gesetzt werden.
Um den aktuellen Kontaktzustand eines Hochspannungs-Leistungsschalters zu ermit
teln, muß üblicherweise vor und hinter dem Schaltgerät eine Meßmöglichkeit auf die
Hauptstrombahn (Sammelschiene) geschaffen werden. Folglich muß ein Teil einer das
Schaltgerät enthaltenden Schaltanlage außer Betrieb gehen. Beispielsweise kann ein
erster Meßpunkt am Schnellerdungsschalter des zu messenden Feldes und ein zwei
ter Meßpunkt am Schnellerdungsschalter des benachbarten Feldes vorgesehen sein.
Die Sammelschiene ist somit innerhalb der Meßkette und muß zur Bestimmung des
Kontaktabbrandes außer Betrieb gehen, d. h. es ist eine nachteilige Freischaltung er
forderlich.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Bewertung des Kontaktzu
standes eines Leistungsschalters der eingangs genannten Art anzugeben, mit dessen
Hilfe Freischaltungen am Feld einer Schaltanlage vermieden werden.
Diese Aufgabe wird in Verbindung mit den Merkmalen des Oberbegriffes erfindungs
gemäß durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 angegebenen Merkmale gelöst.
Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen insbesondere darin, daß mit Hilfe
einer einzigen Berechnungsformel die eine aussagekräftige Größe zur Zustandsein
schätzung von Leistungsschaltern darstellende Kontaktbelastung sowohl für kleine
Kurzschlußströme als auch für große Kurzschlußströme mit jeweils beliebigem Gleich
anteil richtig bewertet wird. Das vorgeschlagene Verfahren kumuliert die Kontaktbela
stung trotz unterschiedlicher Abbrandmechanismen sowohl bei großen als auch bei
kleinen Kurzschlußströmen in zutreffender Art und Weise und führt somit auf eine sehr
unkomplizierte Art und Weise zu einer zuverlässigen Einschätzung des jeweils aktuel
len Kontaktzustandes.
Weitere Vorteile sind aus der nachstehenden Beschreibung ersichtlich.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen gekennzeich
net.
Die Erfindung wird nachstehend anhand des in der einzigen Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels erläutert.
In der Figur ist ein typischer zeitlicher Kurzschlußstromverlauf dargestellt. Der Zeitpunkt
des Kurzschlußeintritts ist mit t = t0 bezeichnet. Der mittels eines Stromwandlers erfaß
te, nach dem Zeitpunkt t0 stark ansteigende Strom i wird mit Hilfe eines Schutzrelais
erkannt, welches eine Ausschaltung des Leistungsschalters veranlaßt. Zum Zeitpunkt t1
beginnt der Stromfluß in der Auslösespule des Leistungsschalterantriebs. Dementspre
chend wird der Zeitraum von t0 bis t1 als Schutzrelaiszeit bezeichnet.
Zum Zeitpunkt t = t1' erfaßt ein erster Näherungsschalter im Leistungsschalterantrieb
den Beginn der Bewegung des beweglichen Kontaktes des Leistungsschalters. Mit an
deren Worten gibt t1' den Zeitpunkt des Verlassens der Anfangsstellung des Leistungs
schalters an. Die beweglichen Kontakte des Leistungsschalters sind über eine Schalt
stange starr mit dem Leistungsschalterantrieb gekoppelt, so daß die Bewegung des
Antriebs ein genaues Abbild der Bewegung der Leistungsschalterkontakte darstellt.
Dementsprechend wird der Zeitraum von t1 bis t1' als Reaktionszeit tR bezeichnet. Der
Zeitpunkt der galvanischen Kontakttrennung des Leistungsschalters ist mit t2 bezeich
net. Dementsprechend ist der Zeitraum von t1 bis t2 die Ausschalteigenzeit ta.
Der Lichtbogen ist zum Zeitpunkt t3 gelöscht. Dementsprechend ist der Zeitraum von t2
bis t3 die Lichtbogenbrenndauer tLibo. Zum Zeitpunkt t = t4 ist die mittels eines zweiten
Näherungsschalters erfaßte Endstellung des beweglichen Kontakts des Leistungs
schalters nach der Ausschaltung erreicht. Der Zeitraum von t1' bis t4 wird auch als Be
wegungszeit tB des beweglichen Schaltkontakts des Leistungsschalters bezeichnet.
Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, den sich durch Kurzschlußausschaltungen nach
und nach verschlechternden, aktuellen Kontaktzustand des Leistungsschalters gemäß
folgender Berechnungsformel zu bewerten:
Σ IKS 1,7.tLibo < MAX
Dabei entspricht IKS dem Effektivwert eines Kurzschlußstromes in kA zwischen den
beiden Zeitpunkten t2 und t3. Die Zeitspanne tLibo zwischen den beiden Zeitpunkten t2
und t3 entspricht der Lichtbogenbrenndauer in ms. Bei der Ermittlung des Effektivwertes
des Kurzschlußstromes IKS ist der Gleichstromanteil mit zu berücksichtigen. Der Grenz
wert MAX ist je nach vorliegendem Schaltertyp unterschiedlich vorzugeben. Bei 60 Hz-
Netzen verkürzt sich die zweite Halbwelle des Lichtbogens und der Wert für MAX kann
deshalb im Vergleich zu 50 Hz-Netzen um 10% erhöht werden.
Die vorstehende Berechnungsformel ist für jede Phase des Leistungsschalters separat
anzuwenden.
Die Anwendung der Berechnungsformel erfolgt unter Einsatz eines Monitoringsystems,
dem bei jeder Kurzschlußausschaltung die jeweils aktuellen Werte für IKS und tLibo bzw.
die zur Ermittlung dieser Werte geeigneten Größen zugeleitet werden und das die Be
rechnung, Summenbildung zur Bewertung und zweckmäßig auch die Anzeige des je
weils aktuellen Kontaktzustandes (via Bildschirm) vornimmt. Dabei werden nur die Be
lastungen durch Kurzschlußausschaltungen betrachtet, d. h. die Kontaktbelastung bei
einer Kurzschlußeinschaltung wird nicht berücksichtigt und Ein/Ausschaltungen mit Be
triebsströmen werden nicht in die Berechnungsformel einbezogen. Eine bei Kurzschluß
auftretende Open-Close-Open-Schaltung (OCO-Schaltung) wird doppelt gewichtet, d. h.
wie zwei Kurzschlußausschaltungen gezählt. Eine bei Kurzschluß auftretende Close-
Open-Schaltung (CO-Schaltung) wird wie eine Kurzschlußausschaltung gezählt.
Die durch das Monitoringsystem 2 zu bildende Lichtbogenbrenndauer kbo berechnet
sich zu:
tLibo = t3 - t2
Der Zeitpunkt t3 kann dadurch ermittelt werden, daß der Effektivwert des Stromes klei
ner oder gleich einem Grenzwert nahe Null detektiert wird (Schwellwertdetektion). Die
Bestimmung des Zeitpunktes t3 mittels Schwellwertdetektion kann durch einen zu hoch
eingestellten Schwellwert oder durch "Stromschwänze", welche sich durch eine Entla
dung der Hauptinduktivität des Stromwandlers ergeben können, verfälscht werden. Ei
ne genaue Bestimmung des Zeitpunktes t3 ist durch Berechnung des Nulldurchganges
des mit einem Rückrechnungsalgorithmus zur Rekonstruktion verzerrter Meßwandlersi
gnale berechneten Verlaufes des primärseitigen Kurzschlußstromes möglich.
Der Zeitpunkt t2 berechnet sich zu:
t2 = t4 - tB - tR + ta
Dabei ergeben sich für unterschiedliche Leistungsschalter jeweils unterschiedliche typi
sche und konstante Ausschalteigenzeiten ta, so daß für die Berechnung ein für den be
treffenden Leistungsschalter typischer, konstanter Wert für ta vorgegeben wird. Die Be
wegungszeit tB berechnet sich zu:
tB = t4 - t1
Die Reaktionszeit tR berechnet sich zu:
tR = t1' - t1
Somit ist die Lichtbogenbrenndauer tLibo durch Messung der Zeitpunkte t1, t1' und t4 und
Eingabe an das Monitoringsystem 2 berechenbar.
Durch die vorgeschlagene Berechnungsformel kommt klar zum Ausdruck, daß es für
die Bewertung des Kontaktzustandes von Wichtigkeit ist, ob es sich beispielsweise um
eine relativ hohe Anzahl von Kurzschlußausschaltungen mit relativ kleinem Kurz
schlußstrom oder um eine relativ kleine Anzahl von Kurzschlußausschaltungen mit re
lativ großem Kurzschlußstrom handelt. Stets wird der Einfluß des einzelnen Kurz
schlußfalles auf den Kontaktzustand individuell und richtig bewertet.
Wie bereits vorstehend erwähnt, erfolgt zweckmäßig eine visuelle Anzeige des jeweils
aktuellen Kontaktzustandes, beispielsweise durch Balkenanzeige eines jeweils aktuel
len Wertes im Bereich von 0% bis 100%. Bei Erreichen der 100%-Marke ist eine Re
vision des Leistungsschalters durchzuführen. Der Grenzwert MAX ist selbstverständlich
derart vorzugeben, daß bei Überschreiten der 100%-Marke noch eine Sicherheitsre
serve besteht, so daß eine unmittelbare Gefährdung des Schalters bei Ausschaltungen
unter dem Nennstrom keinesfalls zu erwarten ist.
Zusätzlich zur Balkenanzeige erfolgt zweckmäßig eine Einzelauflistung aller erfaßten
Kurzschlußausschaltungen, wobei jeweils die ausgeschalteten Kurzschlußstrom-
Effektivwerte der einzelnen Phasen einschließlich des jeweiligen Ausschaltzeitpunktes
angegeben werden.
Bei den vorstehenden Erläuterungen wird davon ausgegangen, daß der zeitliche Kurz
schlußstromverlauf und somit der Effektivwert des Kurzschlußstromes mit hinreichen
der Genauigkeit erfaßt werden kann, d. h. es werden mehr oder weniger ideale Bedin
gungen an das Übertragungsverhalten sowie die Genauigkeitsklasse der zur Messung
eingesetzten Stromwandler vorausgesetzt. In der Praxis kann jedoch ein durch Nichtli
nearitäten des Stromwandlers (Wandlersättigung) sowie im Netz auftretende Ober
schwingungen verzerrtes Meßsignal (Sekundärstrom des Stromwandlers) auftreten.
Auch unter diesen erschwerten Bedingungen muß eine aussagekräftige Abschätzung
der Schalterkontaktbelastung und eine Bewertung der Kontaktzustandes möglich sein,
d. h. es ist erforderlich, den Effektivwert des Kurzschlußstromes mit hinreichender Ge
nauigkeit zu ermitteln. Bei einem infolge Oberschwingungen und/oder Wandlersätti
gung und/oder Signalbegrenzung verzerrtem Sekundärstrom eines Stromwandlers wird
deshalb ein dem Kurzschlußstrom näherungsweise entsprechendes rekonstruiertes
Signal mit Hilfe eines Rückrechnungsalgorithmus gebildet.
Claims (8)
1. Verfahren zur Bewertung des Kontaktzustandes eines Leistungsschalters,
dadurch gekennzeichnet, daß für jede auftretende Kurzschlußausschaltung das Pro
dukt aus der Lichtbogenbrenndauer (tLibo) und dem Effektivwert des Kurzschlußstromes
(IKS) während der Lichtbogenbrenndauer (tLibo) gebildet wird, daß die gebildeten Pro
dukte summiert werden und daß die Summe dieser Produkte als Kriterium für den ak
tuellen Kontaktzustand herangezogen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Grenzwert
(MAX) für die Summe der Produkte vorgegeben wird, bei dessen Erreichen eine Revi
sion des Leistungsschalters erforderlich ist.
3. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Bewertung des Kontaktzustandes getrennt für jede Phase des
Schalters erfolgt.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekenn
zeichnet, daß der Effektivwert des Kurzschlußstromes (IKS) mit 1, 7 potenziert wird.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Lichtbogenbrenndauer (tLibo) durch Ermittlung des Beginns (t1) des
Stromflusses in einer Auslösespule des Leistungsschalterantriebs und durch Ermittlung
des Beginns (t1') sowie des Endes (t4) der Bewegung eines beweglichen Schaltkontak
tes des Leistungsschalters bestimmt wird.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekenn
zeichnet, daß eine bei Kurzschluß auftretende Open-Close-Open-Schaltung wie zwei
Kurzschlußausschaltungen gezählt wird.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekenn
zeichnet, daß eine bei Kurzschluß auftretende Close-Open-Schaltung wie eine Kurz
schlußausschaltung gezählt wird.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekenn
zeichnet, daß eine Darstellung der Bewertung des aktuellen Kontaktzustandes durch
eine visuelle Anzeige erfolgt.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE1999123362 DE19923362C5 (de) | 1999-05-21 | 1999-05-21 | Verfahren zur Bewertung des Kontaktzustandes eines Leistungsschalters |
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