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Die
Erfindung betrifft Cyanin-Farbstoffe für die Anwendung als Fluoreszenzmarker
im Bereich 600 bis 700 nm, die sich gut in Wasser lösen, eine
geringe Tendenz zur Aggregation aufweisen und mit einer Reaktivgruppe
versehen sind.
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Fluoreszenzfarbstoffe
werden als Marker auf vielfältige
Weise für
die Analyse eines Großteils
klinisch, biologisch, biochemisch oder chemisch relevanter Substanzen
(Trägermaterialien)
wie z.B. Zellen, Antikörper, Proteine,
Hormone, Nucleinsäuren,
Oligonucleotide, Kohlehydrate oder Amine und Mercaptane eingesetzt.
In Kombination mit der leicht detektierbaren, durch Laser induzierten
Fluoreszenz (LIF; Laser-Induced Fluorescence), sind schnelle Analysen
in den o.a. Gebieten möglich.
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Durch
kovalente Bindung kann eine größere Anzahl
Farbstoffmoleküle
an eine Probe angeheftet werden, als es im Fall einer unspezifischen
nicht-kovalenten Bindung möglich
ist, so daß die
Intensität
des Fluoreszenzlichtsignals stärker
ist. Außerdem
ermöglicht
eine kovalente Bindung die eindeutige Markierung einer spezifischen
Zielstruktur in einem Gemisch. Zur kovalenten Bindung des Fluoreszenzfarbstoffes
an die Probe werden die Farbstoffe deshalb mit reaktiv Gruppen versehen.
Entsprechende reaktiven Gruppen sind z.B. die Iodacetamidogruppe,
die Isothio-cyanatgruppe, N-Succinimidester von Alkylcarbonsäuren oder
Phosphoramidite der Hydroxyalkylgruppen.
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Als
Reaktionspartner stehen bei Antikörpern, Proteinen, Hormonen,
Nucleinsäuren,
und anderen Biomolekülen
u.a. Mercapto- (-SH),
Amino- (-NH2) und Hydroxygruppen (-OH) zur
Verfügung.
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Ganz
wesentlich für
die Verwendbarkeit der Fluoreszenzmarker ist ihre Löslichkeit
in wäßrigen Systemen.
Farbstoffe mit relativ geringer Wasserlöslichkeit neigen in wäßrigen Systemen
zur Bildung von Farbstoffaggregaten (Erscheinen der kürzerwelligen
Dimeren- oder H-Bande), die erheblich schlechter fluoreszieren.
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Ein
weiterer wichtiger Punkt besteht darin, daß die Tendenz, Farbstoffaggregate
zu bilden, generell auch mit der Tendenz zu unspezifischen nicht-kovalenten
Bindungen des Farbstoffes an beliebige Biomoleküle korreliert. Dimerisierung
oder die Farbstoffaggregation zu H-Aggregaten (mit gegenüber dem
Monomerspektrum kürzerwelliger
Absorption) in wäßrigen Medien,
kann durch eine bessere Wasserlöslichkeit
des Farbstoffes verhindert werden.
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Eine
Möglichkeit,
die Wasserlöslichkeit
zu erhöhen,
besteht in der Kombination dieser Farbstoffe mit Oligonucleotiden.
Die Wasserlöslichkeit
der Farbstoffe wird durch das Oligonucleotid erhöht, so daß man hier N-sulfo-alkylsubstituierte
Farbstoffe (WO 98 309 92) verwenden kann:
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Eine
generelle Lösung
des Problems Wasserlöslichkeit
und Farbstoffaggregation wird damit jedoch nicht erreicht.
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Weiterhin
ist bekannt, daß Arylsulfogruppen
gegenüber
N-Alkylsulfogruppen
zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserlöslichkeit eines Farbstoffes
führen
und damit zur Verhinderung von Dimeren oder H-Aggregaten. Entsprechende
Fluoreszenzmarker sind in
DE
39 12 046 und
US 5 268
486 beschrieben:
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Es
ist ferner allgemein bekannt, daß Arylsubstitution bei Cyaninfarbstoffen
die Tendenz zur J-Aggregation (gegenüber dem Monomerspektrum längerwellige
Absorption) erhöht.
Dementsprechend wurde auch gefunden, daß sowohl Farbstoffe der Struktur:
stark
zur Bildung von J-Aggregaten mit längerwelliger Absorption tendieren
(
DE 44 26 892 ), als
auch Farbstoffe der folgenden Struktur [MUJUMDAR et al.: Bioconjugate
Chem. 7 (1996) 356]
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Mit
den bisher bekannten Kombinationen von Sulfoalkylgruppen, durch
die die entsprechenden Farbstoffe zur Bildung von Dimeren oder H-Aggregaten
tendieren, oder Sulfoarylgruppen, durch die die entsprechenden Farbstoffe
zur Bildung von J-Aggregaten tendieren, wird das Problem nicht gelöst, die
Bildung von Dimeren, H-Aggregaten und J-Aggregaten zu verhindern
oder zumindest die Tendenz zur Aggregatbildung zu verringern.
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Es
ist die Aufgabe der Erfindung, neue Farbstoffe anzugeben, die die
oben genannten Nachteile nicht aufweisen und die insbesondere in
Wasser gut löslich
sind, eine geringe Tendenz zur Aggregation aufweisen, mit einer
reaktiven Gruppe versehen sind, und für die Anwendung als Fluoreszenzmarker
im Bereich 600 bis 700 nm geeignet sind.
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Diese
Aufgabe wird durch Cyanin-Farbstoffe mit den Merkmalen gemäß Anspruch
1 gelöst.
Vorteilhafte Ausführungsformen
und Verwendungen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
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Die
Grundidee der Erfindung besteht darin, durch eine neue Kombination
von Sulfonsäuresubstituenten
die bekannten Nachteile der Bildung verschiedener Farbstoffaggregate
zu beseitigen. Um die Fluoreszenzquantenausbeute nicht zu verringern
und um unspezifische nicht-kovalente Bindungen zu verhindern, kommt es
darauf an, jede Art der Farbstoffaggregatbildung zu vermeiden. Dieses
Ziel wird durch eine Kombination von Sulfoalkylgruppen und Sulfoarylgruppen
erreicht. Die erste Gruppe verhindert die Bildung von J-Aggregaten
und die zweite die Bildung von Dimeren oder H-Aggregaten. Des weiteren
ist eine reaktive Gruppe (s.o.) zur Bindung an Trägersubstanzen
vorgesehen. Die erfindungsgemäßen Cyanin-Farbstoffe
besitzen die folgenden Strukturen:
oder
wobei
n = 1, 2, R1, R2 = Wasserstoff oder die zur Vervollständigung
eines Benzenringes notwendigen vier CH-Gruppen; R3 = Sulfoalkyl
mit 3 oder 4 Kohlenstoffatomen; R4 = (CH
2)
mCOOH oder (CH
2)
mCH
2OH mit m = 2–5; und
X = Wasserstoff, Natrium, Kalium bedeuten. R4 umfaßt beispielsweise
die N-Hydroxysuccinimid-Ester
der Carboxygruppe (CH
2)
mCOOH
mit m = 2–5
und das Bis-(N,N-di-isopropyl)-β-cyanethyl-phosphoramidit der
Hydroxygruppe (CH
2)
mCH
2OH mit m = 2–5.
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Mit
den neuen Cyaninfarbstoffen läßt sich
für die
verschiedenen Anregungs-Lichtquellen wie z. B. einen He/Ne-Gaslaser
(633 nm), einen Kr/Ar-Gaslaser (647 nm) und Laserdioden (660–690 nm)
der Wellenlängenbereich
um 640 nm (Formel 1), 660 nm (Formel 2) und 680 nm (Formel 3) abdecken.
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In
den allgemeinen Formeln 1–3
steht R für
eine Carbonsäuregruppe
oder eine Methylenhydroxygruppe. In den Farbstoffen mit R = COOH
können
die Carbonsäuren
in ihre N-Succinimid-Ester umgewandelt werden, die dann direkt mit
Aminogruppen am Biomolekül
reagieren oder über
einen sog. Aminolinker mit Hydroxygruppen. In den Farbstoffen mit
R = CH2OH können die Hydroxygruppen in
Phosphoramidite umgewandelt werden, die direkt mit der freien 5'-OH-Gruppe von Nucleotiden
zu einer Phosphitbindung reagieren, die im Folgenden zu einer stabilen
Phosphatbindung oxidiert.
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Ausführungsbeispiele
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A) 2-(4-Acetanilino-1,3-butadienyl)-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-3H-indolium
Hydroxid, Innersalz:
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Ein
Gemisch aus 11,8 g 1-(4-Sulfobutyl)-2,3,3-trimethyl-3H-indolium Hydroxid
und 10,32 g Malondianil-Hydrochlorid in 80 ml Essigsäureanhydrid
wird 1 h bei einer Badtemperatur von 120°C zur Reaktion gebracht. Nach
Abkühlung
werden 300 ml Es sigsäureethylester
zugesetzt und der anfallende Niederschlag abgesaugt. Ausbeute: 15,8
g
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B) Kaliumsalz des 1-(5-Carboxypentyl)-2,3,3-trimethyl-5-sulfoindoliumbromids:
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2,8
g Kaliumsalz des 2,3,3-Trimethyl-5-sulfoindolenins und 2,1 g 6-Bromhexansäure werden
in Substanz 2 h bei einer Badtemperatur von 110°C unter Rühren zur Reaktion gebracht.
Nach beendeter Reaktion wird der ölige Rückstand mehrmals mit Aceton
versetzt, bis ein Feststoff zurück
bleibt. Ausbeute: 3,1 g
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C) 1-(5-Carboxypentyl)-2-[5-(1,3-dihydro-3,3-dimethyl-l-(4-sulfobutyl)-2H-indol-2-yliden)-penta-1,3-dienyl]-3,3-dimethyl-5-sulfo-3H-indolium
Hydroxid, Innersalz, Kaliumsalz:
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2,30
g der Verbindung aus A) und 2,36 g der Verbindung aus B) werden
in 20 ml Ethanol gelöst
und nach Zugabe von 2 g Kaliumacetat 20 min am Rückfluß erhitzt. Danach wird die
Lösung
unter weiterem Rühren auf
5–8°C gekühlt. Der
ausgefallene Niederschlag wird abfiltriert und mit Essigsäureethylester
gewaschen. Anschließend
werden 30 ml destilliertes Wasser zugegeben und die Suspension 1
h bei Raumtemperatur verrührt.
Danach wird abfiltriert, getrocknet und der Rohfarbstoff über Kieselgel
säulenchromatographisch
gereinigt. (λ =
646 nm in MeOH)
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A) 2-(4-Acetanilino-1,3-butadienyl)-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-benzo[e]-indolium
Hydroxid, Innersalz:
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34
g 3-(4-Sulfobutyl)-1,1,2-trimethyl-benzo[e]-indolium Hydroxid und
25,8 g Malondianil-Hydrochlorid werden in 100 ml Essigsäureanhydrid
1 h bei einer Ölbadtemperatur
von 120°C
zur Reaktion gebracht. Nach Abkühlung
wird mit 500 ml Essigsäureethylester
versetzt und abgesaugt. Ausbeute: 34,5 g
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B) Natriumsalz des 1-(5-Carboxypentyl)-2,3,3-trimethyl-5-sulfoindoliumbromids:
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2,61
g Natriumsalz des 2,3,3-Trimethyl-5-sulfoindolenins und 2,1 g 6-Bromhexansäure werden
in Substanz 2 h bei einer Badtemperatur von 110°C unter Rühren zur Reaktion gebracht.
Nach beendeter Reaktion wird der ölige Rückstand mehrmals mit Aceton
versetzt, bis ein Feststoff zurück
bleibt. Ausbeute: 2,9 g
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C) 1-(5-Carboxypentyl)-2-[5-(1,3-dihydro-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-2H-benzo[e]indol-2-yliden)-penta-1,3-dienyl]-3,3-dimethyl-5-sulfo-3H-indolium
Hydroxid, Innersalz, Natriumsalz:
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2,58
g der Verbindung aus A) und 2,28 g der Verbindung aus B) werden
in 20 ml Ethanol gelöst
und nach Zugabe von 2 ml Triethylamin 20 min. am Rückfluß erhitzt.
Nach beendeter Reaktion werden 0,8 g Natriumiodid zugesetzt, auf
Raumtemperatur abgekühlt
und der ausgefallene Niederschlag filtriert. Der Rückstand wird
mit Aceton verrührt,
filtriert, in Methanol aufgenommen und mit einem Tropfen halbkonzentrierter
HCl versetzt. Der nach Zugabe von Diethylether erhaltene Rohfarbstoff
wird durch Säulenchromatographie über Kieselgel
gereinigt.
(λ =
665 nm in MeOH)
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A) 2-(4-Acetanilino-1,3-butadienyl)-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-benzo[e]-indolium
Hydroxid, Innersalz:
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Substanz
A) wird analog Beispiel 2 hergestellt.
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B) Natriumsalz des 3-(6-Hydroxyhexyl)-7-sulfo-1,1,2-trimethyl-benzo[e]-indolium-iodid:
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3,11
g Natriumsalz des 7-Sulfo-1,1,2-trimethyl-benzo[e]-indolenins und 2,51
g 6-Iodhexanol werden 3 h in Substanz bei einer Badtemperatur von
115°C zur
Reaktion gebracht. Der Rückstand
wird nach Abkühlen mit
Aceton verrieben. Ausbeute: 3,2 g
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C) 2-[5-(1,3-Dihydro-3-(6-hydroxyhexyl)-1,1-dimethyl-7-sulfo-2H-benzo[e]indol-2-yliden)-penta-1,3-dienyl]-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-1H-benzo[e]indolium
Hydroxid, Innersalz, Natriumsalz:
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2,58
g der Verbindung aus A) und 2,7 g der Verbindung aus B) werden in
15 ml Methanol gelöst
und nach Zusatz von 2 ml Triethylamin 20 min. am Rückfluß erhitzt.
Nach beendeter Reaktion werden 0,8 g Natriumiodid zugesetzt, auf
Raumtemperatur abgekühlt,
mit Diethylether versetzt und filtriert. Der Rückstand wird mit Aceton verrührt, filtriert,
in Methanol aufgenommen und mit einem Tropfen halbkonzentrierter
HCl versetzt. Der Rohfarbstoff wird durch Säulenchromatographie über Kieselgel
gereinigt. (λ =
683 nm in MeOH).
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A) 2-(4-Acetanilino-1,3-butadienyl)-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-benzo[e]-indolium
Hydroxid, Innersalz:
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Substanz
A) wird analog Beispiel 2 hergestellt.
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B) Dinatriumsalz des 3-(5-Carboxypentyl)-6,8-disulfo-1,1,2-trimethyl-benzo[e]-indoliumbromid:
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4,13
g Dinatriumsalz des 6,8-Disulfo-1,1,2-trimethylbenzo[e]-indolenins und 2,15
g 6-Bromhexansäure
werden in Substanz 1,5 h bei einer Badtemperatur von 110°C erhitzt.
Der nach beendeter Reaktion verbleibende Rückstand wird mit Aceton verrieben.
Ausbeute: 4,9 g
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C) 2-[5-(3-(5-Carboxypentyl)-1,3-dihydro-1,1-dimethyl-6,8-disulfo-2H-benzo[e]indol-2-yliden)-penta-1,3-dienyl]-1,1-dimethyl-3-(4-sulfobutyl)-1H-benzo[e]indolium
Hydroxide, Innersalz, Dinatriumsalz:
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2,58
g der Verbindung aus A) und 3,05 g der Verbindung aus B) werden
in 20 ml einer Mischung aus Essigsäureanhydrid und Pyridin (4
: 1) unter Rühren
für 2 h
am Rückfluß erhitzt.
Nach dem Abkühlen
auf Raumtemperatur werden 100 ml Essigsäurethylester zugesetzt, abfiltriert
und mit Essigsäureethylester
gewaschen. Der Rückstand
wird in Methanol aufgenommen, mit 2 ml halbkonzentrierter HCl versetzt
und durch Zusatz von Diethylether ausgefällt. Der so erhaltene Rohfarbstoff
wird durch Säulenchromatographie über Kieselgel
gereinigt. (λ =
682 nm in MeOH).