DE19911607A1 - Verfahren und Vorrichtung zum Abstechen einer Metallschmelze - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Abstechen einer MetallschmelzeInfo
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Abstract
Es wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Abstechen einer Metallschmelze, insbesondere Stahlschmelze, aus einem metallurgischen Gefäß (1) vorgeschlagen, wobei die Schmelze (4) durch ein geöffnetes Abstichloch (6), das in die Gefäßbodenwand (2) eingelassen ist, aufgrund der Schwerkraft ausströmt und gleichzeitig die auf der Schmelze schwimmende Sclacke (5) bei geringer werdender Metallschmelzenhöhe über dem Abstichloch durch einen Hohlsog mit ausfließt. Um ein Vermischen von Schlacke mit der Schmelze beim Ausfließen zu verhindern, wird die ausströmende Schmelze einem Magnetfeld ausgesetzt, so daß die Corioliskraft durch eine elektromagnetische Gegenkraft kompensiert wird.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Abstechen einer
Metallschmelze, insbesondere Stahlschmelze, aus einem metallurgischen Gefäß,
wobei die Schmelze durch ein geöffnetes Abstichloch, das in den Gefäßboden
eingelassen ist, aufgrund der Schwerkraft ausströmt und gleichzeitig die auf der
Schmelze schwimmende Schlacke bei geringer werdender Metallschmelzenhöhe
mit ausfließt.
In diesem Zusammenhang werden unter dem Begriff metallurgisches Gefäß
sowohl Gefäße zum Aufschmelzen von Metall, wie Elektrolichtbogenöfen und
Konverter verstanden, als auch alle Gefäße, mit denen flüssiges Metall
transportiert oder weitergefördert wird, wie beispielsweise Transportpfannen oder
der Verteiler bei einer Stranggießanlage.
Die Herstellung von Stählen mit erhöhtem Reinheitsgrad gewinnt zunehmend an
Bedeutung und entspricht den Kundenanforderungen nach Stählen mit
verbesserten Eigenschaften. Eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherung
eines niedrigen Gehaltes von unerwünschten Einschlüssen in der Metallschmelze
ist das Verhindern des Mitlaufens von Frischschlacke beim Abstich und/oder das
Einziehen von Schlacke in den Schmelzestrahl bei nachfolgenden
Behandlungsschritten.
Das Mitlaufen von Frischschlacken führt zu Problemen bei der Desoxidation des
Stahls, Schwankungen im Legierungsausbringen, direkter Bildung zusätzlicher
Einschlüsse und reduziert die Wirksamkeit von synthetischen Schlacken. Das
Einziehen von Schlacken in den Stahl bei nachfolgenden Behandlungsschritten
führt zur Bildung von Einschlüssen im Stahl.
Aus der deutschen Patentschrift DE 33 27 671 ist ein metallurgischen Gefäß mit
einem Bodenabstichloch bekannt, welches ein schlackenarmes Abstichsystem
mittels eines Schwimmers oder Schlackenstoppers aufweist. Hierbei wird ein
Schwimmer, dessen spezifisches Gewicht zwischen dem der Stahlschmelze und
der der Schlacke liegt, in das Schmelzbad oberhalb des aufgrund des Ausfließens
bedingten Wirbels mit einer an einer Hubvorrichtung angebrachten Stange
eingebracht. Mit fallendem Schmelzbadspiegel bildet sich ausgehend von dem
Bodenabstichloch ein Wirbel in der Schmelze, der bei einer kritischen
Schmelzbadhöhe die Schlacke erfaßt und verwirbelt. Es kommt zu unerwünschten
Vermischungen von Schmelze und Schlacke. Zur Lösung dieses Problems schlägt
die DE 33 27 671 vor, durch Absenken eines Strömungskörpers und Halten kurz
über dem Gefäßboden oberhalb der Abstichöffnung den Wirbel zu binden und auf
diese Weise eine Verwirbelung und Einziehen der Schlacke in den Wirbel zu
verhindern. Bei einer derartigen Anordnung ist es aber notwendig, einen
Strömungskörper durch Schmelze und Schlacke zu führen, was mit einem
erhöhten Verschleiß und Umrüstzeiten verbunden ist.
Es ist grundsätzlich bekannt, mittels Magnetfeldern den Strömungsfluß von
Metallschmelzen in Stranggießkokillen zu beeinflussen. Ferner ist aus der
WO 94/03 294 ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Rühren einer
Metallschmelze in einem geschlossenen Behälter bekannt, um eine
Homogenisierung sowie einen Temperaturausgleich während der Erstarrung zu
bewirken. Die Rührwirkung entsteht durch elektromagnetische Kräfte aufgrund
eines magnetischen Wanderfeldes, welches in einer Spule erzeugt wird, die
außerhalb des Behälters um diesen herum angeordnet ist. Es kommt zu einer
Rührwirkung in vertikaler Richtung.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine
Vorrichtung zu schaffen, mit denen ein schlackefreier Abstich in einem
metallurgischen Gefäß möglich ist zur Herstellung von Stählen mit hohem
Reinheitsgrad.
Diese Aufgabe wird mittels des Verfahrens mit den Merkmalen nach Anspruch 1
sowie mit der Vorrichtung mit den Merkmalen nach Anspruch 5 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen offenbart.
Es wird erfindungsgemäß bei einem metallurgischen Gefäß mit Abstichloch
vorgeschlagen, daß oberhalb des Abstichloches in der Metallschmelze ein derartig
gerichtetes Magnetfeld erzeugt wird, daß die Schmelze eine elektromagnetische
Kraft als Gegenkraft zur Corioliskraft erfährt.
Die sich oberhalb des Abstichloches befindende Metallschmelze wird dem
wechselnden Magnetfeld - auch unter wanderndem Magnetfeld bekannt - einer
Rührspule ausgesetzt, wobei in der Metallschmelze durch die induzierte
Spannung Ströme induziert werden, sogenannte Wirbelströme. Die Wirbelströme
erzeugen nach der Lenzschen Regel ein magnetisches Feld. Die
elektromagnetische Kraft ist auch unter Lorentz-Kraft bekannt.
Bei der Ausfließbewegung aus einem Gefäß unterliegt eine Flüssigkeit der
Corioliskraft als Beschleunigungsmoment, das durch die Rotation der Erde
hervorgerufen wird. Die Corioliskraft macht sich darin bemerkbar, daß es zu einer
rotierenden Ausfließbewegung kommt, die auch als "Hohlsog" bekannt ist. Die
Drehrichtung des Dralls ist abhängig von dem Standort des Gefäßes. Bei einem
Standort des Behälters auf der Nordhalbkugel erfolgt die Drehung der Strömung -
von oben gesehen - gegen den Uhrzeigersinn, auf der südlichen Halbkugel im
Uhrzeigersinn. Diese Corioliskraft ist die Ursache für die Ausbildung eines
Strömungswirbels.
Aufgrund dieser Verwirbelung kommt es in den beschriebenen metallurgischen
Gefäßen zu einem Vermischen von Schmelze und Schlacke mit abnehmender
Schmelzehöhe. Es wird erfindungsgemäß eine elektromagnetische Gegenkraft zur
Corioliskraft aufgebracht und somit die Ausbildung der sogenannten
Hohlsogströmung beim Ausfließen der Schmelze verhindert. Dies wirkt einer
unerwünschten Vermischung von Schmelze mit Schlacke entgegen. Das
Magnetfeld der Rührspule ist dabei so ausgerichtet, daß die Lorentzkraft entgegen
der Corioliskraft gerichtet ist. Der Betrag der Lorentzkraft ist durch geeignete
Einstellung des Magnetfeldes an den Betrag der Corioliskraft anpaßbar.
Vorzugsweise wird vorgeschlagen, daß das Magnetfeld mittels einer
stromdurchflossenen Ring- oder Feldspule induziert wird. Durch eine geeignet
gewählte Stromstärke und Richtung ist das Magnetfeld und folglich die
Lorentzkraft in Richtung und Betrag so einstellbar, daß die Corioliskraft
kompensiert wird.
Es wird vorgeschlagen, daß der Betrag der auf die strömende Schmelze
wirkenden Lorentzkraft an die Menge der bereits abgestochenen Schmelze
angepaßt wird. Während des Abstichs kann der Betrag der Kraft verändert
werden. Die Abstichgewichtserfassung kann beispielsweise auf dem
Pfannentransportfahrzeug als Signal herangezogen werden.
Die stromdurchflossene Rührspule ist vorzugsweise unterhalb des Abstichloches
angeordnet. Sie befindet sich in einem entsprechend geformten Gehäuse, das
vorzugsweise ringförmig oder rechteckig ist. Das Gehäuse dient als Spritz- und
Wärmestrahlungsschutz.
Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen
und der nachfolgenden Beschreibung einer Ausführungsform der Erfindung.
Hierbei zeigen:
Fig. 1 eine Schnittansicht eines Ausschnitts eines
metallurgischen Gefäßes mit einer Rührspule, die am
Abstichloch angeordnet ist;
Fig. 2 eine Draufsicht auf ein metallurgisches Gefäß
einschließlich eines Abstichlochs nach Fig. 1;
Fig. 3 eine Draufsicht auf ein metallurgisches Gefäß
einschließlich eines Abstichlochs mit einer zweiten Art
von Rührspule.
Fig. 1 zeigt schematisch einen Ausschnitt eines metallurgischen Gefäßes 1 mit
Gefäßboden 2. Der Gefäßboden 2 ist mit einem feuerfestem Material 3
ausgemauert. Mit 4 ist die Schmelze, mit 5 die auf der Schmelze schwimmende
Schlacke bezeichnet, die sich durch metallurgische Vorgänge beispielsweise beim
Schmelzen und Legieren eines Metalls erzeugt wird und wegen der geringeren
Dichte auf der Schmelze schwimmt. Es ist ein Abstichloch 6 vorgesehen, das sich
durch die Ausmauerung 3 sowie die Gefäßwand erstreckt. Bei dieser
Ausführungsform befindet sich das Abstichloch in dem Gefäßboden 2. In
Verlängerung des Abstichloches 6 ist ein hier ringförmiges Gehäuse 9 an dem
Gefäßboden angeordnet. Das Gehäuse 9 nimmt eine Rührspule 7, hier eine
Ringspule, auf. Die Spule 7 ist so angeordnet, daß die austretende Schmelze 4
quer zu deren Aufspannfläche und durch deren Inneres fließt. Das Abstichloch 6
ist bei der gezeigten Ausführungsform mittels einer hin- und herbewegbaren
Verschlußplatte 8 zu verschließen und zu öffnen.
Die Draufsicht zeigt schematisch den Boden des metallurgischen Gefäßes 1 mit
einem Abstichloch 6, das seitlich an dem Gefäßboden angeordnet ist. Mit
strichpunktierter Linie ist die Rührspule 7 dargestellt. Durch die Abwärtsströmung
aufgrund der Schwerkraft erfährt die Schmelze 5 als Trägheitskraft durch die
Rotation der Erde die Corioliskraft und wird auf der Nordhalbkugel nach links, d. h.
entgegen dem Uhrzeigersinn, abgelenkt. Diese Corioliskraft und somit
Verwirbelung der Strömung wird erfindungsgemäß kompensiert. Kurz vor Beginn
des Abstichs der Schmelze durch Verschieben der Verschlußplatte wird die
Rührspule 7 eingeschaltet. Die stromdurchflossene Rührspule erzeugt eine
Magnetfeld, daß auch die Metallschmelze oberhalb des Abstichloches durchdringt.
Das sich bewegende Magnetfeld durchdringt die Metallschmelze, und der in der
Metallschmelze induzierte Strom verursacht eine (Lorentz-)kraft. Die Anordnung
der Rührspule und damit das Magnetfeld wird so gewählt, daß die auf die
Metallschmelze wirkende Kraft entgegen der Corioliskraft gerichtet ist. Auf diese
Weise wird die Strudelbildung beim Ausfließen der Schmelze verhindert, die
Schlacke befindet sich der Schmelze, ohne einen Strudel zu bilden. Ein Mitlaufen
von Schlacke während des Abstichs der Schmelze wird verhindert.
Neben der ringförmigen Rührspule nach Fig. 2 ist auch eine Rührspuleneinheit
denkbar, wie sie Fig. 3 zeigt. Das erforderliche Wandermagnetfeld in der
Metallschmelze oberhalb des Abstichloches wird von einzelnen Segmenten
aufgebracht 7a bis 7e, die um das Abstichloch herum angeordnet sind.
Claims (7)
1. Verfahren zum Abstechen einer Metallschmelze, insbesondere
Stahlschmelze, aus einem metallurgischen Gefäß, wobei die Schmelze durch
ein geöffnetes Abstichloch, das in den Gefäßboden eingelassen ist, aufgrund
der Schwerkraft ausströmt und gleichzeitig die auf der Schmelze
schwimmende Schlacke bei geringer werdender Metallschmelzenhöhe mit
ausfließt,
dadurch gekennzeichnet,
daß oberhalb des Abstichloches (6) in der Metallschmelze ein derartig
gerichtetes Magnetfeld erzeugt wird, so daß die Schmelze (4) eine
elektromagnetische Kraft als Gegenkraft zur Corioliskraft erfährt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß es sich bei dem Magnetfeld um ein wechselndes Magnetfeld handelt,
welches mittels mindestens einer Rührspule (7) induziert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Magnetfeld so einstellbar ist, daß die auf die ausströmende
Schmelze wirkende elektromagnetische dem Betrag der Corioliskraft
entspricht.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Betrag der auf die strömende Schmelze wirkenden
elektromagnetischen Kraft an die Menge der bereits abgestochenen
Schmelze angepaßt wird.
5. Vorrichtung zum Abstechen einer Metallschmelze, insbesondere
Stahlschmelze, aus einem metallurgischen Gefäß, umfassend ein in den
Gefäßboden oder bodennah eingelassenes Abstichloch, das zu öffnen und
verschließbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine stromdurchflossene Rührspule (7) um das Abstichloch (6) herum so
angeordnet ist, daß die Schmelze sich durch das von ihr induzierte
Magnetfeld bewegt und eine Kraft erfährt, die entgegen der Corioliskraft
wirkt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Gehäuse (9) zur Aufnahme der jeweiligen Rührspulen (7)
vorgesehen ist, das mit seiner gefäßseitigen Wand an der Gefäßbodenwand
(2) anliegt.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gehäuse an seiner der Gefäßbodenwand abgewandten Seite mit
einer Verschlußplatte (8) versehen ist, die durch eine Verschiebebewegung
das Abstichloch (6) verschließt bzw. öffnet.
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