DE19905655A1 - Verfahren zur Herstellung von Furfural durch verzögerte Entspannung - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Furfural durch verzögerte EntspannungInfo
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Abstract
In der bisherigen Herstellung von Furfural wird angesäuerter pentosanreicher Rohstoff isobar mit Wasserdampf durchströmt. Dabei ergeben sich Ausbeuten in der Größenordnung von nur 50%, da es wegen Siedepunkterhöhung bei jedem Druck unmöglich ist, mit Wasserdampf die sich bildende Pentoselösung zum Sieden zu bringen, weshalb das entstehende Furfural zunächst in der flüssigen Phase verbleibt, wo es mit noch nicht umgesetzter Pentose und mit sich selbst zu Verlustprodukten reagiert. DOLLAR A Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren werden die Verlustreaktionen vermieden, indem die Reaktionsflüssigkeit nach instantanem Aufheizen durch Wasserdampfkondensation und Abstellen der Dampfzufuhr durch gesteuerte Entspannung während der gesamten Reaktionsdauer im Siedezustand gehalten wird. Dadurch muß das Furfural in statu nascendi in den Dampfzustand übergehen, wo die genannten Verlustreaktionen nicht stattfinden können. DOLLAR A Die Furfuralausbeute von Chargenreaktoren wird ohne großen Aufwand von etwa 50% auf nahezu 100% gesteigert. DOLLAR A Im nachstehenden Schema ist 1 der Reaktor, 2 das Dampfeinlassventil, 3 das Entspannungsventil, 4 das Rückstandentleerungsventil und 5 ein Regelgerät.
Description
Chemische Reaktoren müssen so konstruiert sein, daß sie den Charak
teristika des beabsichtigten Prozesses Rechnung tragen. In der Herstel
lung von Furfural ist das bisher nicht der Fall gewesen. Für die erste
industrielle Herstellung von Furfural benutzte die Firma QUAKER OATS
zufällig vorhandene Reaktoren eines stillgelegten Getreidebehandlungs
verfahrens, und solche Reaktoren werden bis heute eingesetzt. Später
bauten die Firmen ROSENLEW und ESCHER WYSS Furfuralanlagen mit Reakto
ren, die ursprünglich für die Herstellung von Zellstoff aus Holz kon
struiert waren. Demzufolge kann gesagt werden, dass keine der heute in
dustriell verwendeten Furfuralreaktoren entworfen worden sind, um den
speziellen Anforderungen der Furfuralherstellung zu genügen, und es
ist deshalb nicht überraschend, dass die mit diesen Reaktoren erziel
ten Ausbeuten nicht einmal 60% überschreiten.
Die hauptsächlichen Ausbeuteverluste werden durch eine Reaktion von
Furfural mit Xylose verursacht, so dass die Forderung nach hoher Aus
beute verbietet, Furfural und Xylose an der gleichen Stelle aufkommen
zu lassen. Alle existierenden Furfuralreaktoren verletzen diese For
derung. Durch gezielte Eliminierung dieses Fehlers erlaubt das nach
stehend beschriebene Verfahren ein Erreichen von Ausbeuten in der
Größenordnung von 100%.
In der analytischen Chemie wird die Umwandlung von Pentosan oder Pen
tose zu Furfural zur quantitativen Bestimmung dieser Substanzen benutzt.
Das ist möglich, weil gezeigt werden konnte, dass bei dem verwendeten
Verfahren die Ausbeute gesichert 100% beträgt(1). Das Verfahren be
steht in einem atmosphärischen Aufschluss von Pentosan oder Pentose in
siedender 12-prozentiger mit NaCl gesättigter wässriger Salzsäure.
Demgegenüber wird in den oben geschilderten
derzeitigen industriellen Furfuralverfahren das Rohmaterial in einem
Druckreaktor einem Wasserdampfstrom ausgesetzt, der durch Kondensation
eine Aufheizung auf konstante Temperatur und ein Ausschleppen des ge
bildeten Furfurals bewirkt. Die Furfuralreaktion wird entweder durch
zugegebene Schwefelsäure oder durch diverse aus dem Rohmaterial gebil
dete Carboxylsäuren (hauptsächlich Essigsäure und Ameisensäure) ka
talysiert. Ein fundamentaler Unterschied gegenüber den analytischen
Furfuralprozess liegt dabei in der Tatsache, dass in letzterem das Re
aktionsmedium durch entsprechende Wärmezufuhr im Siedezustand gehalten
wird, während bei den industriellen Verfahren bei jedem Druck eine
Dampfkondensation prinzipiell nicht in der Lage ist, das Reaktionsmedium,
eine wässrige Xyloselösung, zum Sieden zu bringen, weil die Xylose
eine Siedepunkterhöhung bewirkt. Der Unterschied ist in Abb. 1
erläutert. Sie zeigt Phasendiagramme für Furfural in einer bei 110°C
siedenden wässrigen Lösung (12% HCl gesättigt mit NaCl) und in einer
bei 101°C siedenden wässrigen Lösung (Xyloselösung). Wird in der
ersteren, den analytischen Furfuralprozess repräsentierenden Lösung
eine kleine Furfuralkonzentration ξ erzeugt, so ergibt sich der im
Dampffeld liegende Punkt A, was besagt, dass jegliches in dieser sie
denden Lösung erzeugte Furfural instantan in den Dampfzustand über
geht, wo es nicht mit Pentose reagieren kann, weil Pentose nicht flüch
tig ist. Demzufolge sind in diesem Fall Verlustreaktionen zwischen Fur
fural und Pentose unmöglich, was die erwiesene Ausbeute von 100% er
klärt.
Wird dagegen in dem zweiten System eine kleine Furfuralkonzentration ξ
erzeugt, und wird dieses System bei Atmosphärendruck durch Wasser
dampfkondensation erhitzt, so ergibt sich Punkt B, der im Flüssigkeits
feld liegt. Demzufolge wird in den derzeitigen industriellen Furfural
reaktoren das Reaktionsmedium nicht zum Sieden gebracht, weshalb das
in Lösung bleibende Furfural mit Pentose zu Furfuralpentose reagieren
kann, was die bekannten hohen Ausbeuteverluste erklärt. Das durch den
Dampfstrom bewirkte Ausschleppen von Furfuraldampf ändert an dieser
Aussage nur wenig, da das ein langsamer und ineffektiver Prozess ist,
welcher dem Ablauf der Verlustreaktionen in der flüssigen Phase reich
lich Zeit läßt.
Da der wesentliche Unterschied zwischen dem 100% Ausbeute ergebenden
analytischen Furfuralverfahren und den höchstens 60% Ausbeute erge
benden industriellen Verfahren in der Tatsache liegt, dass im ersten
Falle das Reaktionsmedium siedet, während es im zweiten Falle nicht
siedet, war es naheliegend, für die industrielle Furfuralherstellung
ein Verfahren zu suchen, bei welchem das Reaktionsmedium im Siedezustand
gehalten wird. In Anbetracht der Tatsache, dass eine indirekte Beheizung
durch Wanderhitzung bei riesigen, mit nicht rührbarem Feststoff ge
füllten Furfuralreaktoren nicht praktikabel wäre, ist es das Wesen
dieser Erfindung, das zur Erzielung hoher Ausbeute erforderliche Sieden
des Reaktionsmediums durch verzögerte Entspannung von hohem auf nie
drigeren Druck zu bewirken. Auf diese Weise wird ohne jeglichen Mi
schungsbedarf ein gleichmäßiges Sieden bis in molekulare Bereiche er
zwungen.
Das neue Verfahren ist schematisch in Abb. 2 gezeigt. Ein thermisch
gut isolierter, mit angesäuertem Rohmaterial gefüllter Reaktor 1 wird
auf eine Temperatur T1 erhitzt, indem Wasserdampf durch Ventil 2 einge
lassen wird, während die Ventile 3 und 4 geschlossen sind. Während
des sehr kurzen Erhitzungsvorgangs kondensiert der Wasserdampf, wodurch
sich der Feuchtigkeitsgehalt der Charge erhöht. Dann wird Ventil 2 ge
schlossen und ein Leckventil 3 so geöffnet, dass durch allmähliche
Entspannung ein stetiger kleiner Strom von Produktdampf austritt, der
ein Sieden im Reaktor aufrechterhält. Das bewirkt einen langsamen Tem
peraturabfall. Wenn auf diese Weise eine geeignet gewählte Temperatur
T2 erreicht ist, wird das Leckventil 3 geschlossen, womit die erste
"verzögerte Entspannung" beendet ist. Wenn am Ende dieser Zeitspanne
kein Furfural mehr austrat, wird die Reaktion durch Öffnen des Ventils
4 mit einem Ausschießen des Rückstands terminiert. Wenn jedoch noch
Furfural austrat, wird der Reaktor erneut durch Wasserdampfeinspeisung
erhitzt und einer weiteren verzögerten Entspannung unterworfen. Dieses
Verfahren kann beliebig oft wiederholt werden. Alle Ventilbetätigungen
erfolgen automatisch durch ein Steuergerät 5.
Durch Wahl der Temperaturen T1 und T2 und durch Wahl der Säurekonzen
tration kann, falls erwünscht, erzwungen werden, dass eine einzige ver
zögerte Entspannung zur vollständigen Abwicklung des Prozesses aus
reicht, da hohe Temperaturen und ein hoher Säuregrad eine kurze Reak
tionszeit erlauben.
Es versteht sich, dass die Auslegung dieses Verfahrens kompliziert ist,
weil die Furfuralreaktion über einen größeren Temperaturbereich ab
läuft, beispielsweise zwischen 230°C und 160°C, aber wenn die Berech
nung erst einmal gemacht ist, erweist sich die praktische Realisierung
des Verfahrens aus äußerst einfach.
Da sich das Reaktionsmedium während der gesamten Reaktionszeit durch
die Aufrechterhaltung eines Leckstroms im Siedezustand befindet, liegt
die Furfuralausbeute entsprechend dem analytischen Furfuralprozess in
der Größenordnung von 100%.
(1) E. E. Hughes und S. F. Acree: Journal of Research of the National
Bureau of Standards, Volume 21 (1938) 327-336.
Claims (7)
1. Verfahren zur Herstellung von Furfural, dadurch gekennzeichnet,
dass ein geeignetes pentosanhaltiges Rohmaterial mit wäßriger
Schwefelsäure angesäuert und in einen Chargenreaktor eingebracht
wird, der zunächst durch Kondensation von eingespeistem Wasser
dampf auf eine Temperatur T1 erhitzt und dann einer verzögerten
Entspannung unterworfen wird, womit durch Aufrechterhaltung eines
stetigen kleinen Leckstroms die flüssige Phase im Reaktor in einen
kontinuierlichen Siedezustand versetzt wird, bis eine Temperatur T2
erreicht ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Aufheizen
und verzögertes Entspannen nur einmal erfolgen oder beliebig oft
wiederholt werden, bis kein Furfural mehr entsteht.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die ver
zögerte Entspannung im Temperaturbereich zwischen 280°C und 150°C,
vorzugsweise zwischen 230°C und 170°C erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Reak
tor thermisch gut isoliert ist.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Wand
des Reaktors beheizt werden kann.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass alle er
forderlichen Ventilbetätigungen automatisch von einem Steuergerät
vollzogen werden.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Tem
peraturbereich der verzögerten Entspannung und die Säurekonzen
tration der Charge so gekoppelt sind, dass sich eine optimale Pro
zessabwicklung ergibt.
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