DE19903986A1 - Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen - Google Patents
Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von HalogenkohlenwasserstoffenInfo
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Abstract
Toxische Halogenkohlenwasserstoffe wie DDT, HCH, insbesondere Halogenaromaten wie TCB, PCB, PCP und PCDD/PCDF, lassen sich, in Substanz oder als Verunreinigung in Abfallölen oder in kontaminierten Böden und bodenähnlichen Feststoffen, nur unter drastischen Reaktionsbedingungen oder gar nicht mit Metallen dehalogenieren. Nach dem vorliegenden Verfahren sollen Halogenkohlenwasserstoffe unter milden Reaktionsbedingungen dehalogeniert werden können. DOLLAR A Eine reduktive Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen unter besonders milden Reaktionsbedingungen läßt sich verfahrensgemäß dadurch erreichen, daß die Dehalogenierungsreaktion in Gegenwart eines Amins ausgeführt wird. Durch die so bewirkte Steigerung der Reaktivität können nicht nur besonders reaktive Metalle wie Kalium und Natrium als Reduktionsmittel Verwendung finden, sondern auch weniger reaktive wie Eisen, Aluminium und Magnesium. DOLLAR A Es gelingt erstmals, praxisrelevante Probleme mit toxischen Halogenkohlenwasserstoffen zu lösen, insbesondere in Bezug auf die Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen in Abfallölen aller Art und in Böden oder bodenähnlichen Materialien jeder Zusammensetzung.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von Halogen
kohlenwasserstoffen durch chemische Umsetzung mit reduzierenden Metallen in
Gegenwart einer Wasserstoff liefernden Verbindung, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß die Dehalogenierungsreaktion in Gegenwart eines Amins ausgeführt wird.
Als Halogenkohlenwasserstoffe werden hier aliphatische, aromatische und gemischt
aliphatisch-aromatische Kohlenwasserstoffe verstanden, die mindestens ein Halo
genatom im Molekül enthalten einschließlich solcher Kohlenwasserstoffe, die neben
Halogen auch andere funktionelle Gruppen enthalten, z. B. Chlorphenole.
Wasserstoff liefernde Verbindungen sind hier alle Verbindungen, die Wasserstoff for
mal als Protonen oder als Wasserstoffatome abgeben können zur Absättigung von
Anionen bzw. Radikalen, beispielsweise Alkohole, Amine, aliphatische Kohlenwasser
stoffe.
Halogenkohlenwasserstoffe sind toxisch. Dies ist auf die Gegenwart von Halogen im
Molekül zurückzuführen. Toxische Halogenkohlenwasserstoffe lassen sich demnach
detoxifizieren, wenn man das Halogen entfernt. Schon die Anwesenheit eines einzi
gen Halogenatoms im Molekül verursacht eine unverhältnismäßig hohe Toxizität. Es
ist daher erforderlich, mehrfach halogensubstituierte Halogenkohlenwasserstoffe
derart zu dehalogenieren, daß alle Halogenatome entfernt werden. Dies ist che
misch nur dann möglich, wenn man reduktiv dehalogeniert.
Halogenaromaten wie polychlorierfe Bephenyle (PCB), Phenole (PCP) und poly
chlorierfe Dibenzodioxine und Dibenzofurane (PCDD/PCDF)) weisen eine besonders
hohe Toxizität auf. PCDD/PCDF, die gemeinhin unter dem Begriff "Dioxine" zusam
mengefaßt werden, gelten als Ultragifte. Ebenfalls toxisch sind aliphatische Halo
genverbindungen, wie Hexachlorcyclohexane (HCH) oder gemischt alipha
tisch/aromatische Verbindungen wie Trichlor-bis-(chlorphenyl)ethan (DDT), auch
wenn es nicht üblich ist, diese Verbindungen als Ultragifte einzuordnen. Alle genann
ten Verbindungen sind neben anderen Halogenkohlenwasserstoffen in der Umwelt
weit verbreitet und besitzen, wegen ihrer Bioverfügbarkeit, ein hohes Gefährdungs
potential, das zu annullieren eine wichtige umweltrelevante Forderung ist.
Es gibt zahlreiche Verfahren, die sich mit der reduktiven Dehalogenierung von Halo
genkohlenwasserstoffen befassen. Nach EP 0 099 951 werden PCB mit einer feindis
persen Dispersion geschmolzenen Natriums bei 100 bis 160°C dehalogeniert; nach
US-P 4.973.783 Halogenaromaten mit Alkalimetall in Gegenwart von Hydrosiloxanen,
nach US-P 4.639.309 halogenierte Kohlenwasserstoffe mit Natrium oder Kalium bei
100°C unter mechanischer Abrasion der gebildeten Halogenide; nach US-P
4.950.833 Halogenaromaten mit Alkalimetall in Gegenwart von Ammoniumsalzen
bei 40 bis 60°C; nach der kanadischen Anmeldung 2026506, in der eine ganze Reihe
weiterer Verfahren zum Stand der Technik diskutiert werden, Halogenaromaten mit
feindispersem Natrium oder Calcium in Gegenwart von Methanol, Ethanol oder Iso
propanol bei Temperaturen knapp unter 100°C. Von besonders guter Wirksamkeit
soll ein Verfahren nach EP 0 225 849 sein, nach dem halogenierte aliphatische oder
aromatische Verbindungen mit Natrium in einem inerten Lösungsmittel in Gegen
wart eines C1- bis C5-Alkohols als Wasserstoff liefernde Verbindung bei einer Tempe
ratur von 100 bis 150°C umgesetzt werden.
Die genannten Verfahren weisen einige gravierende Nachteile auf. Die wichtigsten
Nachteile sind, daß die Verfahren auf die Verwendung von Alkali- und Erdalkalime
tall eingeschränkt sind, daß in der Regel bei Temperaturen über dem Schmelzpunkt
des Natriums und daher unter Schutzgas gearbeitet werden muß und daß die Ver
fahren auf das homogene flüssige Medium angewiesen sind. Sie sind keinesfalls ge
eignet, wirklich praxisrelevante Probleme zu lösen, etwa die Dehalogenierung von
PCB in Schlämmen, Dioxinen in nassen Böden, PCP in Sanden, HCH im Gemisch mit
Abfällen aller Art in Sonderdeponien und dergleichen mehr.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur
Verfügung zu stellen, nach dem sich Halogenkohlenwasserstoffe, gleich welcher
Herkunft und wo immer sie in Substanz oder als Verunreinigung in anderen Materiali
en vorhanden sind, ohne die genannten Einschränkungen und Nachteile in che
misch-technisch einfacher Weise dehalogenieren lassen.
Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Halogenkohlenwasserstoffe in Gegen
wart einer Wasserstoff liefernden Verbindung mit reduzierenden Metallen dehalo
genierfwerden derart, daß die Dehalogenierungsreaktion in Gegenwart eines Amins
ausgeführt wird.
Brauchbare Amine im Sinne dieser Erfindung sind aliphatische primäre, sekundäre
oder tertiäre Amine oder Diamine oder Amine mit weiteren funktionellen Gruppen,
insbesondere Aminoalkohole, sowie Gemische dieser Amine oder Gemische dieser
Amine mit Wasserstoff liefernden Verbindungen aus anderen Verbindungsklassen.
Es ist völlig überraschend, daß schon die Gegenwart geringer Mengen an Aminen
Dehalogenierungsreaktionen derart zu beschleunigen vermag, daß beispielsweise
die Dehalogenierung von Trichlorbenzol mit feindispersem Natrium, die ohne Amin
Reaktionstemperaturen um 120°C und Reaktionszeiten größer als 30 Minuten erfor
dert, nach Zugabe geringer Mengen eines Amins unter sonst gleichen Bedingungen
bei Raumtemperatur spontan und im Bruchteil einer Sekunde unter Verpuffung ab
läuft.
Man könnte annehmen, daß das Amin die Dehalogenierungsreaktion dadurch för
dert, daß es mit dem Natrium zunächst ein Amid bildet, welches dann als hochreak
tive Zwischenstufe mit der Chlorverbindung besonders heftig reagiert. Das kann je
doch nicht zutreffen, weil auch tert. Amine gleichermaßen beschleunigend wirken.
Es ist unter einem praktischen Aspekt nützlich sich vorzustellen, daß die Rolle des
Amins darin besteht, substantiv auf die Metalloberfläche aufzuziehen und diese da
durch vor der Ausbildung von reaktionshemmenden Schichten zu schützen, welche
aus über Radikalanionen angebundenen Halogenkohlenwasserstoffen und anfäng
lich gebildeten Metallhalogeniden bestehen.
Diese ohne Aminzugabe entstehenden Schichten desaktivieren die Metalloberflä
che derart, daß die Reaktion auch mit hochreaktiven Metallen, wie Natrium und
Kalium, schnell zum Erliegen kommt. Weniger reaktive Metalle, wie Eisen, Zink, Alu
minium, Magnesium sind aus demselben Grunde überhaupt nicht verwendbar. Erst
in Gegenwart von Aminen können auch sie eingesetzt werden. Für die Zwecke der
Erfindung sind Lithium, Kalium, Calcium, Natrium, Magnesium, Aluminium, Zink, oder
Eisen oder deren Legierungen besonders tauglich.
Welches Metall jeweils zur Verwendung gelangt, hängt von der Aufgabenstellung
ab. Für die Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen in Substanz sind Kali
um und Natrium in Gegenwart von Aminen viel zu reaktiv, so daß in derartigen Fäl
len das Substrat verdünnt werden muß, etwa durch Sand oder andere Inertstoffe.
Hier empfiehlt sich die Anwendung von Eisen, Magnesium, Aluminium und auch Zink,
wobei die Anwendung des letzteren nur auf Sonderfälle beschränkt bleibt, weil es
selbst als toxisch einzustufen ist. Die Reaktionen mit diesen Metallen lassen sich mit
Vorteil unter intensiver Durchmischung bei etwas angehobenen Temperaturen aus
führen, etwa bei 40 bis 160°C. Für die Dehalogenierung von halogenierien Kohlen
wasserstoffen in Feststoffen, z. B. von Dioxinen als Verunreinigung in Filterstaub, wird
vorzugsweise Natrium eingesetzt; diese Reaktion läuft in einer Kugelmühle in Ge
genwart von Aminen bei Raumtemperatur ab.
Wie bereits erkennbar, gibt es eine enge Beziehung zwischen der Konzentration der
Halogenkohlenwasserstoffe, dem Redoxpotential des Metalls, der Temperatur, der
Reaktionszeit und der Durchmischung des Reaktionsgemisches bzw. der Partikelgrö
ße des Metalls. Das Reaktionsgeschehen ist jedoch praktisch unabhängig von der
Art der Halogenkohlenwasserstoffe und von der Art des Amins. Der Fachmann hat es
somit in der Hand festzulegen, wie eine Dehalogenierungsreaktion den Umständen
entsprechend ausgeführt werden soll. Folls erforderlich, liefert ein einfacher Vorver
such im Labormaßstab die optimale Kombination der Reaktionsparameter.
Bei einer vorgegebenen hohen Konzentration an Halogenkohlenwasserstoffen
(wobei auch die Zahl der Halogenatome im Molekül zählt) und einer hohen Reaktivi
tät des Metalls bei intensiver Durchmischung sind in Gegenwart von Amin sehr kurze
Reaktionszeiten bei niedriger Ausgangstemperatur zu ervvarfen (Beispiel: HCH in
50%iger Konzentration verpufft bei Durchmischung mit feindispersem Natrium in le
diglich stöchiometrischer Menge bei Raumtemperatur im Bruchteil einer Sekunde).
Bei einer geringeren Konzentration an Halogenkohlenwasserstoffen und einer niedri
gen Reaktivität des Metalls sind mittlere Reaktionszeiten bei moderat angehobenen
Temperaturen zu erwarten. Die Reaktionszeiten lassen sich erheblich verkürzen, wenn
die Temperatur signifikant erhöht wird (Beispiel: Dioxine in einem aufgearbeiteten,
pulverisierten Boden benötigen mit Eisenpulver in Gegenwart von Amin eine Reakti
onszeit von etwa einer 30 Sekunden bei 350°C. Wenn man Magnesiumspäne in
überstöchiometrischer Dosierung einsetzt und mit dem Halogenkohlenwasserstoff in
Gegenwart einer Wasserstoff liefernden Verbindung und eines Amins in einer Kugel
mühle vermahlt, so ergibt sich für eine vollständige Dehalogenierung eine Reakti
onszeit von etwa 15 min bei Raumtemperatur.
Es ist demnach in das Belieben des Fachmannes gestellt, den Umständen entspre
chende Bedingungen für die Dehalogenierungsreaktion zu wählen, d. h. je nach der
Art des Ausgangsmaterials uncl nach der Aufgabenstellung.
Die durch Elektronentransfer gebildeten Radikalanionen benötigen Wasserstoff zur
Bildung des Kohlenwasserstoffs aus dem Halogenkohlenwasserstoff. Dieser wird von
den Wasserstoff liefernden Verbindungen bereitgestellt. Für den Fall, daß als Be
schleuniger prim. oder sek. Amine eingesetzt werden, kann der Wasserstoff auch aus
dieser Quelle stammen. Dies gilt besonders für Amine mit OH-Gruppen, also für Ami
noalkohole. Werden tert. Amine verwendet, so muß in jedem Fall eine Wasserstoff
liefernde Verbindung zugesetzt werden, vorzugsweise ein nicht sonderlich reaktiver
Alkohol, etwa Butanol.
Die Metalle werden mindestens in stöchiometrischer Menge zugesetzt. Die Amine in
einer Menge, daß für ein Halogen ein Wasserstoff zur Verfügung steht, also bei prim.
Aminen ½ Äquivalent/Halogen und bei sek. Aminen 1 Äquivalent/Halogen. Bei Ver
wendung von Diaminen, etwa Ethylendiamin, kann man alle 4 H in Rechnung set
zen. Bei Verwendung von tert. Aminen bezieht man den Wasserstoff aus einer Was
serstoff liefernden Verbindung, z. B. aus Butanol oder Isopropanol, in die Rechnung
ein; die Aminmenge kann dann auf 1/10 Äquivalent/Halogen reduziert werden. Auch
beim Einsatz von prim. und tert. Aminen kann man Amin einsparen und ein Gemisch
aus Alkohol und Amin zusetzen. Die Aminmenge darf jedoch keinesfalls unter 1/10
Äquivalent/Halogen absinken, weil dann die Metalloberfläche ihre Reaktivität
schnell verliert. Die Menge an eingesetzten Metallen und Aminen kann unter einem
kineffischen Aspekt erhöht werden. Wenn 1000 l Altöl mit 360 g PCB (z. B. mit im Mittel
6 Cl pro Molekül Biphenyl) stark verunreinigt sind, so genügen zu dessen vollständi
ger Dehalogenierung 276 mg Natrium und 222 mg Propylamin. Um die Stoßzahl in
dieser extremen Verdünnung zu erhöhen, kann man die Natrium- und Aminmenge
ohne weiteres verzehnfachen, ohne daß dadurch irgendwelche Nachteile auftre
ten. Man kann den Überschuß an beidem bei gleicher Wirksamkeit aber auch hal
bieren, wenn man Natrium besonders feindispers auf einen feindispersen Träger auf
bringt und das Amin in einer dispergierenden chemischen Reaktion (DCR) auf Calci
umhydroxid. Setzt man beispielsweise n-Butanol als Wasserstoff liefernde Verbindung
hinzu, läßt sich der zehnfache Überschuß an Amin wieder auf 222 mg reduzieren. Es
versteht sich von selbst, daß die Größe der wirksamen Metalloberfläche von maß
geblicher Bedeutung ist.
Im Falle von Dehalogenierungsreaktionen in Feststoffmischungen empfiehlt es sich
stets, Amine und Wasserstoff liefernde Verbindungen an feindisperse Feststoffe zu
adsorbieren und so einzubringen; hierdurch wird eine größere Homogenität des Re
aktionsgemisches und damit eine kürzere Reaktionszeit erreicht. Der Dispersionsgrad
der feindispersen Feststoffzubereitung läßt sich optimieren, wenn man sie, wie im vor
stehenden Beispiel bereits erwähnt, im Verlaufe einer dispergierenden chemischen
Reaktion (DCR) herstellt.
Man kann die Amine und deren Kombination mit Wasserstoff liefernden Verbindun
gen dem Reaktionsgemisch aus Halogenkohlenwasserstoffen und Metallen in ihrer
Gesamtmenge zusetzen oder in Form von Teilmengen im Verlaufe der Reaktion.
Letzteres kqnn den Vorteil haben, daß die reaktionshemmende Schicht aus Radika
lanionen im Verlaufe ihrer Bildung immer wieder abgelöst wird, ohne daß ein beige
gebener Alkohol in einer Konkurrenzreaktion das Metall, etwa Natrium, unter Wasser
stoffentwicklung verbrauchen kann. Man kann den Prozeß auch so lenken, daß die
reaktionshemmende Schicht in dem Maße abgelöst wird, in dem sie sich bildet, d. h.
durch eine kontinuierliche Zugabe über die gesamte Reaktionszeit, was technisch
sehr einfach zu realisieren ist.
Duktile Metalle wie Lithium, Kalium und Natrium lassen sich extrem feindispers mit
Hilfe von Mühlen hoher Friktion sehr gleichmäßig auf einen inerten Träger aufmahlen,
z. B. auf Aluminiumoxid oder auf Silikate. Hierdurch wird die Oberfläche derart ver
größert und dadurch derart reaktiv, daß dieser Feststoffzubereitung bereits pyro
phore Eigenschaften zukommen. Um sie dennoch frei, d. h. ohne Schutzgas hand
haben zu können, kann man sie mechanisch oder chemisch inerfisieren. Mecha
nisch inertisieren bedeutet ihre Umhüllung mit hydrophoben Feststoffen, z. B. Talkum.
Chemisch inertisieren bedeutet ihre Belegung mit einem Hydrophobierungsmittel,
z. B. einem langkettigen Amin, z. B. Stearylamin.
Was die technische Durchführung der Dehalogenierungsreaktionen betrifft, so sind
die folgenden Kategorien von praktischer Bedeutung.
Wenn die Halogenkohlenwasserstoffe in Substanz vorliegen und flüssig sind oder
werin sie als Verunreinigung in Flüssigkeiten vorliegen, z. B. in Trafoölen, Kondensator
flüssigkeiten, Hydraulikölen, Abfallölen und dergleichen, kann man die Reaktion dis
kontinuierlich, ggf. nach Verdünnung mit einem Inertstoff, durchführen oder konti
nuierlich in einem Strömungsreaktor. Hierzu werden dem Strom der Flüssigkeit vor
Eintritt in den Reaktor alle erforderlichen Zutaten beigemischt derart, daß sie in dem
Reaktor, der zur Wärmeabfuhr oder zur Wärmezufuhr ausgerüstet ist, wirksam wer
den. Über die Temperatur und die Rohrlänge kann die erforderliche Verweilzeit ein
gestellt werden für einer vorgegebene Fließgeschwindigkeit bei bekannter Reaktivi
tät. Die Komponenten können auch so lange im Kreislauf gehalten werden bis zur
vollständigen Dehalogenierung aller Halogenkohlenwasserstoffe.
Wenn die Halogenkohlenwasserstoffe als Verunreinigung in Feststoffen vorliegen, die
wasserfrei sind oder nahe wasserfrei, z. B. Aschen, Filterstäube, so können sie diskon
tinuierlich oder kontinuierlich in einem Intensivmischer, in einem Drehrohr, in der Wir
belschicht oder in einem Flugstromreaktor dehalogeniert werden. Im wasserfreien
Medium kann Natrium eingesetzt werden. In einem nahezu wasserfreien Medium
Madnesium. Man kann auch hier Natrium einsetzen, wenn man zuvor thermisch
oder, weitaus günstiger, chemisch trocknet, etwa durch Zugabe von Absorptionsmit
teln wie Calciumoxid oder Aluminiumalkoholaten. Man kann das Feststoffgemisch,
das alle Reaktionspartner enthält, auch kurzzeitig auf eine relativ hohe Temperatur
erhitzen, z. B. für einige Sekunden auf bis zu 400°C, etwa in einem Flugstromreaktor.
Diese Vorrichtung ist immer dann vorzuziehen, wenn große Mengen an kontaminier
ten Feststoffen mit preiswerten Metallen, wie Eisenpulver oder Aluminumschuppen,
schnell und besonders ökonomisch dekontaminiert werden sollen.
Wenn die Halogenkohlenwasserstoffe als Verunreinigung in Böden oder bodenähn
lichen Materialien, z. B. in Sedimenten, industriellen Abfallstoffen und Nebenproduk
ten, vorliegen, die wasserhaltig sind, müssen sie zur Dehalogenierung mit Alkalime
fallen vollständig getrocknet, zur Verwendung mit anderen Metallen weitgehend
getrocknet werden. Zur Dehalogenierung in einem Flugstromreaktor oder in der Wir
belschicht müssen die Substrate zudem zu einer feinpulverisierten Form aufgeschlos
sen werden, damit alle Reaktionspartner homogen in der Feststoffmatrix verteilt sind.
Die Trocknung kann thermisch erfolgen oder chemisch durch Zugabe von Absorpti
onsmitteln. Ein sachgerechter Aufschluß kann durch Mahlen des getrockneten Ma
terials erfolgen. Eine Feststoffdispersion mit optimalen Eigenschaften erhält man
durch Aufschluß und zugleich Trocknung der wasserhaltigen Substrate mit Hilfe einer
dispergierenden chemischen Reaktion (DCR) unter Verwendung von hydrophobem
Calciumoxid. Falls es erforderlich ist, eine thermisch oder chemisch getrocknete,
durch Mahlen oder durch chemischen Aufschluß (DCR) hergestellte Feststoffdisper
sion vollends zu trocknen, so geschieht dies besonders vorteilhaft durch Zugabe von
Aluminiumalkoholaten. Wegen des in der Hydrolyse des Alkoholats gebildeten Alko
hols erübrigt sich die gesonderte Zugabe einer Wasserstoff liefernder Verbindung.
Wenn die Halogenkohlenwasserstoffe als Verunreinigung in der Gasphase vorliegen
oder in die Gasphase übergeführt worden sind, z. B. thermisch durch Austreiben aus
einer Feststoffdispersion, so können sie mit Vorteil zusammen mit einem Amin und
einer Wasserstoff liefernde Verbindung durch einen beheizbaren Festbettreaktor
geleitet werden, in dem sich das reduzierende Metall, etwa Eisenpulver auf einem
granulierten Träger, befindet. Die thermisch aus einer Feststoffdispersion ausgetrie
benen Halogenkohlenwasserstoffe können auch kondensiert oder adsorbiert wer
den und, in einem zweiten Schritt, einer verfahrensgemäßen Dehalogenierungsreak
tion unterworfen werden.
Die mit der Erfindung erzielten Vorteile lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Durch die erfindungsgemäße Verwendung von Aminen zur Dehalogenierung von
Halogenkohlenwasserstoffen in Substanz oder als Verunreinigung in Gasen, Flüssig
keiten und Feststoffen werden bekannte chemische Reaktionen signifikant erleich
tert; andere Dehalogenierungsreaktionen werden so überhaupt erst für eine voll
ständige Entfernung von Halogen aus Halogenkohlenwasserstoffen nutzbar. Durch
die vielfältige Ausgestaltung der Erfindung gelingt es erstmals, praxisrelevante Pro
bleme zu lösen, insbesondere in Bezug auf die Dehalogenierung von Halogenkoh
lenwasserstoffen in Abfallölen aller Art, in ölartigen Rückständen und in verunreinig
ten Böden und bodenähnlichen Materialien unterschiedlicher Zusammensetzung.
Claims (19)
1. Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen
durch chemische Umsetzung mit reduzierenden Metallen in Gegenwart einer Was
serstoff liefernden Verbindung dadurch gekennzeichnet, daß die Dehalogenie
rungsreaktion in Gegenwart eines Amins ausgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß Halogenkohlen
wasserstoffe mit Lithium, Kalium, Calcium, Natrium, Magnesium, Aluminium, Zink,
oder Eisen oder deren Legierungen in Gegenwart von Aminen dehalogeniert wer
den.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß aliphatische pri
märe, sekundäre oder tertiäre Amine oder Diamine oder Amine mit weiteren funk
tionellen Gruppen oder Gemische dieser Amine Verwendung finden.
4. Verfahren nach Anspruch 1 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß aliphati
sche primäre, sekundäre oder tertiäre Amine oder Diamine oder Gemische dieser
Amine neben Wasserstoff liefernden Verbindungen aus anderen Verbindungsklassen
Verwendung finden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß aliphatische pri
märe, sekundäre oder tertiäre Amine oder Diamine oder Gemische dieser Amine
neben Wasserstoff liefernden Verbindungen aus anderen Verbindungsklassen Ver
wendung finden in Form einer feindispersen, staubförmigen Feststoffzubereitung.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß aliphatische pri
märe, sekundäre oder tertiäre Amine oder Diamine oder Gemische dieser Amine
neben Wasserstoff liefernden Verbindungen aus anderen Verbindungsklassen Ver
wendung finden in Form einer Feststoffzubereitung, welche mit Hilfe einer dispergie
renden chemischen Reaktion hergestellt wurde.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Amine
oder deren Gemische für sich oder in Kombination mit Wasserstoff liefernden Ver
bindungen aus anderen Verbindungsklassen oder ihre zugehörigen feindispersen,
staubförmigen Feststoffzubereitungen dem Reaktionsgemisch in einem Schritt oder
in mehreren Schritten oder kontinuierlich während des Ablaufs der Dehalogenie
rungsreaktion zugesetzt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die reduzieren
den Metalle in feindisperser Form eingesetzt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die reduzieren
den Metalle in feindisperser Form auf einem feindispersen inerten Trägerstoff einge
setzt werden.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Zubereitung
aus feindispersem Lithium, Kalium und Natrium oder deren Legierungen auf einem
feindispersen inerten Trägerstoff mechanisch oder chemisch inertisiert wird.
11. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich
net, daß die reduktive Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen durch
geführt wird an festen, flüssigen oder gasförmigen Mischungen der Halogenkohlen
wasserstoffe mit anderen Materialien.
12. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich
net, daß wasserhaltige Mischungen von Halogenkohlenwasserstoffen mit anderen
Materialien vor Beginn der Dehalogenierungsreaktion thermisch oder chemisch
durch Zugabe von Absorptionsmitteln getrocknet werden.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß als Absorptions
mittel Calciumoxid oder Aluminiumalkoholate verwendet werden.
14. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich
net, daß wasserhaltige Mischungen von Halogenkohlenwasserstoffen mit bindigen
oder pastösen anderen Materialien vor Beginn der Dehalogenierungsreaktion ther
misch-mechanisch oder mit Hilfe einer dispergierenden chemischen Reaktion auf
geschlossen werden unter Bildung einer feindispersen, pulverförmigen, weitgehend
trockenen Feststoffzubereitung.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß die feindisperse,
pulverförmige, weitgehend trockene Feststoffzubereitung vollends getrocknet wird
durch die Zugabe von Calciumoxid oder Aluminiumalkoholaten.
16. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich
net, daß flüchtige Halogenkohlenwasserstoffe aus einer feindispersen, pulverförmi
gen, weitgehend trockenen Feststoffzubereitung thermisch ausgetrieben und in der
Gasphase zur Dehalogenierung gelangen.
17. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich
net, daß die reduktive Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen durch
geführt wird bei Temperaturen zwischen Raumtemperatur und 400°C.
18. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich
net, daß die Dehalogenierungsreaktion in einem heizbaren Reaktionsrohr, in einem
Intensivmischer, im Drehrohr, in einem Wirbelschicht- Festbett- oder in einem Flug
stromreaktor ausgeführt wird.
19. Anwendung des Verfahrens nach einem der vorstehenden Ansprüche zur
Dechlorierung von Chloraromaten in Substanz oder zur Entfernung von Chloraroma
ten aus Abgasen, Altölen, Hydraulikölen, Trafoölen, Kondensatorölen, Filterstäuben,
Aschen, Böden, industriellen Produktionsrückständen und industriellen Neben- und
Abfallprodukten.
Priority Applications (5)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19903986A DE19903986A1 (de) | 1999-02-02 | 1999-02-02 | Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen |
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Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19903986A DE19903986A1 (de) | 1999-02-02 | 1999-02-02 | Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen |
Publications (1)
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