DE19858154A1 - Verfahren und Einrichtung zur Kalibrierung von bewegbaren Vorrichtungen mit mindestens einem teilweise unbestimmten Geometrieparameter - Google Patents
Verfahren und Einrichtung zur Kalibrierung von bewegbaren Vorrichtungen mit mindestens einem teilweise unbestimmten GeometrieparameterInfo
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Abstract
Zur Kalibrierung von bewegbaren Vorrichtungen mit mindestens einem teilweise unbestimmten Geometrieparameter wird ein Prüfkörper in der bereits voll montierten Vorrichtung angeordnet sowie ein Prüforgan an einem relativ zu dem Prüfkörper bewegbaren Teil angebracht. Die Vorrichtung wird solange bewegt, bis das Prüforgan eine definierte Lage bezüglich einer Meßstelle an dem Prüfkörper einnimmt. Anschließend werden die die Lage der Vorrichtung repräsentierenden Parameter an der Meßstelle erfaßt und gespeichert. Dieser Vorgang wird für mehrere Meßstellen wiederholt. Aus den bekannten Ist-Größen des Prüfkörpers und den erfaßten Lageparametern werden Korrekturgrößen für fertigungs- und montagebedingte Abweichungen von Geometrieparametern der Vorrichtung bestimmt, die das Bewegungsverhalten derselben beeinflussen. Anschließend werden die Geometrieparameter mit den Korrekturgrößen korrigiert. Hierdurch ergibt sich ein Kalibrierverfahren, mit dem komplexe Strukturen, wie z. B. Hexapodaufhängungen, effizient kalibriert werden können.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung zur Kalibrierung von beweg
baren Vorrichtungen mit mindestens einem teilweise unbestimmten Geometriepara
meter.
Solche Vorrichtungen werden zur Handhabung oder zur Fertigung von Werkstücken
eingesetzt, beispielsweise in Werkzeugmaschinen. Im Zuge der Automatisierung kön
nen Werkstücke aufgrund eines vorgegebenen Ablaufprogramms, das die Auswahl
der Werkzeuge sowie die Relativbewegungen zwischen Werkzeug und Werkstück
steuert, hergestellt werden. Solche Steuerungen berücksichtigen für die Bestimmung
von Steuergrößen der Werkstück/Werkzeug-Relativbewegung Geometrieparameter
der zu steuernden Vorrichtung selbst.
Aufgrund von Fertigungs- und Montageungenauigkeiten sind diese Geometrieparame
ter allerdings nicht exakt bekannt, sondern vielmehr mit Toleranzen (Maß-, Lage- und
Winkeltoleranzen) behaftet. Aus diesen Toleranzen resultieren Abweichungen der Ki
nematik der bewegbaren Vorrichtung, was sich wiederum in Ungenauigkeiten der Re
lativbewegung bezüglich des zu fertigenden bzw. zu handhabenden Werkstückes nie
derschlägt.
In der älteren DE 196 36 099 A1 ist beispielsweise eine Hexapod-Lagerungseinrich
tung vorgeschlagen, bei der ein bewegbarer Träger über sechs Streben an einem
Rahmen aufgehängt ist. Des weiteren ist aus der älteren DE 196 36 102 A1 ein Ver
fahren zur Steuerung der Bewegung eines Trägers bekannt, bei dem die Vorgabe der
Bewegung sowie die Regelung der Bewegung des Trägers in einem Orthogonal-
Koordinatensystem erfolgt, wohingegen die Stellglieder zur Bewegung des Trägers
ein weiteres, in dem konkreten Fall ein nicht-orthogonales, Koordinatensystem definie
ren. Bei einer Parametertransformation zwischen-derrbeiden Koordinatensystemen
müssen für die Bewegung der Vorrichtung relevante Geometrieparameter, d. h. vor
allem Lage-, Längen- und Winkelmaße der Vorrichtung berücksichtigt werden. Es ist
ohne weiteres ersichtlich, daß Toleranzen der Geometrieparameter zu Transformati
onsfehlern und damit zu Fehlern in der Kinematik des Trägers führen.
Zur exakten Bestimmung der Geometrieparameter, z. B. zur Ermittlung der genauen
Lage der Gelenkpunkte einer Hexapod-Lagerung, muß die bewegbare Vorrichtung ka
libriert werden.
Der Gedanke, bewegbare Vorrichtungen oder Mechanismen hinsichtlich der exakten
Bestimmung der Lage ausgewählter, die Kinematik bestimmender Parameter festzu
legen (zu kalibrieren), ist im Bereich der Werkzeugmaschinen generell bekannt. Die
bisher angewendeten Kalibrierverfahren eignen sich jedoch nicht für komplexe Vor
richtungsstrukturen, da für diese eine hohe Anzahl von Parametern gleichzeitig be
stimmt werden müssen. Insbesondere eignen sich die bekannten Kalibrierverfahren
nicht für das Gebiet von Parallelstrukturen wie die genannten Hexapod-Lagerungen.
Gegenwärtig sind Verfahren bekannt, bei denen diejenigen Maschinenelemente einer
Vorrichtung, die lediglich kleine Abmessungen aufweisen, im ausgebauten Zustand
separat vermessen werden. Auf diese Weise wird ein Teil der für das Bewegungsver
halten der Vorrichtung relevanten Geometrieparameter ermittelt, wobei jedoch Monta
geungenauigkeiten nicht berücksichtigt werden. In einem zweiten Schritt wird dann die
Vorrichtung im zusammengebauten Zustand vermessen, indem beispielsweise ein in
seinen Abmessungen genau bekannter Prüfkörper mit einem Meßtaster abgetastet
wird. Dieses Verfahren ist dahingehend nachteilig, daß ein separates mehrachsiges
Vermessen von Geometrieparametern, beispielsweise Gelenkpunkten, mit unver
meidlichen Fehlern behaftet ist. Durch die anschließende Montage der Vorrichtung
werden weitere Ungenauigkeiten erzeugt, die mit den Messungen des zweiten
Schrittes nicht mehr erkannt werden können.
Weiterhin ist bekannt, mit mehreren Abtastorganen unterschiedlicher Länge zu arbei
ten. Bei diesem Verfahren tritt jedoch der Nachteil auf, daß durch den Wechsel der
Abtastorgane bei einer starken Verkopplung der Kinematik der zu bewegenden Vor
richtung bereits kleine Meßfehler, die beispielsweise durch den Wechsel der Taster
verursacht werden, zu großen Abweichungen bei der Bestimmung der Fehlergrößen
der Geometrieparameter führen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Einrichtung
zur Kalibrierung von bewegbaren Vorrichtungen mit mindestens einem teilweise un
bestimmten Geometrieparameter anzugeben, mit dem eine genaue kinematische Be
schreibung des Bewegungsverhaltens der bewegbaren Vorrichtung ermöglicht wird.
Hinsichtlich des Verfahrens wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch ein Verfahren
mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst.
Hinsichtlich der Einrichtung erfolgt die Aufgabenlösung erfindungsgemäß mit einer
Einrichtung der Merkmale des Anspruches 17.
Mit der Erfindung wird erstmals ein industrietaugliches Verfahren zur Kalibrierung
hochkomplexer bewegbarer Vorrichtungen, wie beispielsweise Vorrichtungen mit
Parallelkinematik, bereitgestellt. Da das Verfahren bei einer bereits vollständig in Ein
satzlage montierten Vorrichtung allein im zusammengebauten Zustand ausgeführt
wird, können aus einem zuvor durchgeführten Vermessen resultierende Fehler nicht
mehr auftreten. Überdies wird der für den Kalibriervorgang erforderliche Aufwand er
heblich vereinfacht. Das Verfahren eignet sich daher auch besonders für den Zweck
der Nachkalibrierung, um beispielsweise ein Setzen der Vorrichtung zu berücksichti
gen. Durch die Verwendung eines einzigen Prüforgans können überdies Kopplungs
fehler vermieden werden, so daß sich insgesamt mit dem erfindungsgemäßen Verfah
ren eine wesentlich verbesserte Genauigkeit bei der Bestimmung der für das Bewe
gungsverhalten der bewegbaren Vorrichtung relevanten Geometrieparameter ergibt.
Vorzugsweise wird ein in seinen Abmessungen bekannter Prüfkörper in der Vorrich
tung angeordnet und als Prüforgan ein Abtastorgan verwendet, das eine ihm eigene
Referenzstellung aufweist. Die Vorrichtung wird sodann bewegt, bis das Abtastorgan
an eine als Abtaststelle des Prüfkörpers ausgebildeten Meßstelle seine ihm eigene
Referenzstellung einnimmt. Aufgrund der Erfassung der Referenzstellung des Ab
tastorgans zu in ihrer Lage bekannten Meßstellen lassen sich mit demselben Ab
tastorgan Lage- bzw. Winkel-Istwerte bestimmen, die als bekannte Größen in ein li
neares Gleichungssystem eingesetzt werden, das die gesuchten kinematischen Kor
rekturgrößen als Unbekannte enthält.
Vorzugsweise wird ein Abtastorgan verwendet, das bei Auslenkung einen Impuls ab
gibt. Das Abtasten einer Meßstelle erfolgt dadurch, daß zur Annäherung an eine Refe
renzposition des Abtastorgans bezüglich einer ausgewählten Koordinatenrichtung,
d. h. eine translatorische oder rotatorische Bewegung, das Abtastorgan nach Aussen
dung eines Impulses zurückbewegt wird, bis keine Auslenkung mehr vorliegt, was an
hand der Aussendung der Impulse feststellbar ist. Hierdurch läßt sich iterativ die Refe
renzposition des Abtastorgans bezüglich einer ausgewählten Meßstelle einstellen,
woraufhin dann die Erfassung der die Lage der Vorrichtung repräsentierenden Para
meter erfolgt. Das Ansteuern der Referenzposition geschieht vorzugsweise automa
tisch durch eine Steuervorrichtung der bewegbaren Vorrichtung in Abhängigkeit der
von dem Abtastorgan erzeugten Impulse, wozu ein geeignetes Steuerprogramm in der
Steuervorrichtung vorgesehen wird. Hierdurch läßt sich eine große Anzahl von Meß
stellen automatisch abtasten, um die erforderliche Datenmenge zur Bestimmung der
Korrekturgrößen bereitzustellen.
Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird ein Werkstück in definierter
Lage in der Vorrichtung als Prüfkörper angeordnet. Weiterhin wird ein Bearbeitungs
werkzeug, beispielsweise ein Fräswerkzeug, als Prüforgan an der Vorrichtung relativ
bewegbar zu dem Prüfkörper angebracht. Mit Hilfe des Bearbeitungswerkzeuges wer
den dann an den Meßstellen Kalibrierbearbeitungen an dem Werkstück vorgenom
men, wobei an den jeweiligen Endpositionen des Bearbeitungswerkzeuges, die auch
als Meßstellen dienen, die Erfassung der die Lage der Vorrichtung repräsentierenden
Parameter, beispielsweise der Stellgrößen der kinematischen Struktur, erfolgt. Nach
dem sämtliche Kalibrierbearbeitungen an dem Werkstück durchgeführt worden sind,
um so beispielsweise eine Vielzahl verschiedener Meßstellen zu erzeugen, wird das
Werkstück bzw. die Endpositionen der jeweiligen Kalibrierbearbeitungen vermessen,
um so Lage- und Winkelformationen als Ist-Werte für die jeweiligen Meßstellen zu
bestimmen. Diese Ist-Werte finden dann wiederum Eingang in das bereits oben er
wähnte, lineare Gleichungssystem, mit dem die Korrekturgrößen berechnet werden.
Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung dieser Ausführungsform wird zur Anbringung
der Kalibrierbearbeitungen ein Schaftfräser verwendet. Mit den hergestellten Kali
brierbohrungen lassen sich fünf Koordinaten für eine Meßstelle bestimmen. Die feh
lende sechste Koordinate kann während der Bearbeitung mit einer zusätzlichen
Meßeinrichtung, z. B. unter Verwendung eines Spiegels und Messung der Ablenkung
eines Laserstrahls, bestimmt werden.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den weiteren Unteransprü
chen angegeben.
Im folgenden wird nun die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels mit Bezug
auf die Zeichnungen beschrieben. Diese zeigt in
Fig. 1 eine schematische Darstellung eines Abtastorgans,
Fig. 2 eine schematische Darstellung einer Meßstelle mit dem Abtastorgan in
einer Endposition,
Fig. 3 eine räumliche Darstellung eines Prüfkörpers mit mehreren Meßstellen,
Fig. 4 eine schematische Darstellung eines Beispiels einer Hexapod-
Werkzeugmaschine, und
Fig. 5 die Koordinatentransformationen der Maschine von Fig. 4.
Das Verfahren wird im folgenden mit Bezug auf eine herkömmliche Hexapod-
Werkzeugmaschine beschrieben, die ein Beispiel für eine Struktur mit Parallelkinema
tik darstellt. Bei einer solchen Hexapod-Werkzeugmaschine, wie sie beispielsweise in
der DE 196 36 099 oder der DE 196 36 102 vorgeschlagen ist, ist ein Träger, an dem
beispielsweise ein Bearbeitungswerkzeug wie ein Fräser vorgesehen ist, über sechs
in ihrer Länge verstellbare Streben an einer Gestellbasis gelenkig gelagert. Die Bewe
gungsvorrichtungen zur Längenverstellung der einzelnen Streben können z. B. als
Elektromotoren ausgebildet sein. An dem Träger ist eine Bearbeitungsvorrichtung
vorgesehen, deren Hauptspindel durch einen weiteren Motor angetrieben wird. Zur
Steuerung des Bewegungsablaufs des Trägers wird üblicherweise eine Bedieneinheit
vorgesehen, die mit der Hexapod-Werkzeugmaschine gekoppelt ist. Über diese Be
dieneinheit kann einerseits ein Ablaufprogramm eingegeben werden und andererseits
während des Betriebs Einfluß auf den Bewegungsablauf genommen werden. Die Ein
gabe des Ablaufprogramms sowie dessen Verarbeitung erfolgt dabei in den Koordina
ten eines orthogonalen Koordinatensystems X, Y, Z, A, B, C (drei translatorische Koordi
naten und drei rotatorische Koordinaten). Hingegen definieren die Streben ein nicht
orthogonales Koordinatensystem L1, L2 bis L6, so daß zur Einstellung der Sollgrößen
der Bewegungsregelung eine Koordinatentransformation J bzw. T erforderlich ist (vgl.
Fig. 4 und 5). Die Parameter der Transformationsmatrizen hängen von Geometriepa
rametern der bewegbaren Vorrichtung, hier beispielsweise den Positionen der Ge
lenkmittelpunkte und der Offset-Werte der Streben der Hexapod-Werkzeugmaschine
ab.
Die Lage dieser Gelenkmittelpunkte wird konstruktiv vorgegeben. Sie ist somit grund
sätzlich bekannt, jedoch aufgrund von Fertigungs- und Montagetoleranzen bei der
Vorrichtung im zusammengebauten Zustand teilweise unbestimmt. Aus diesen Grün
den muß die Vorrichtung im fertig montierten Zustand kalibriert werden. Gleichfalls
kann, beispielsweise nach einem längeren Betrieb oder nach einem Transport oder
Umbau der Vorrichtung eine Nachkalibrierung notwendig werden, um Abweichungen
von den konstruktiv vorgegebenen Geometrieparametern zu korrigieren. Die korrigier
ten Werte werden dann in den Transformationsmatrizen berücksichtigt, die bei Paral
lelstrukturen wie Hexapodaufhängungen eine starke Koordinatenverkoppelung bein
halten.
Zur Kalibrierung wird bei dem beschriebenen Ausführungsbeispiel ein in seinen geo
metrischen Abmessungen genauestens bekannter Prüfkörper 1, wie in Fig. 3 darge
stellt, verwendet. Dieser Prüfkörper 1 (Meßplatte) wird in der zu kalibrierenden, bereits
vollständig in der Arbeitsposition montierten Vorrichtung in definierter Lage befestigt.
Der Prüfkörper 1 weist eine Mehrzahl von Meßstellen auf, deren Lage zueinander,
d. h. deren Abstände und Winkel, exakt bekannt sind. In dem gezeigten Ausführungs
beispiel sind als Meßstellen Ausnehmungen vorgesehen, deren Wände zur Bestim
mung von rotatorischen Koordinaten zum Teil gegeneinander geneigt sind. Anstelle
der Ausnehmungen können auch Aufbauten verwendet werden.
Die Orte der Meßstellen befinden sich sowohl am Rand als auch in der Nähe der Mitte
der Meßstelle. Mehrere dieser Meßstellen besitzen geneigte Grundplatten. Die Nei
gungen erfolgen vorzugsweise um beide Achsen einer als Montageebene für den
Prüfkörper, d. h. die Meßplatte, fungierenden Tischebene des Maschinenteils, jeweils
in beide Richtungen.
Zur Kalibrierung wird weiterhin an einem relativ zu dem Prüfkörper 1 bewegbaren Teil
der Vorrichtung ein Prüforgan in Form eines Abtastorgans 2 (Meßtaster) angebracht,
das mit dem Prüfkörper bzw. dessen Meßstellen zusammenwirkt. Bei einer Hexapod-
Werkzeugmaschine kann der Meßtaster 2 in die Spindel des Bearbeitungswerkzeuges
eingespannt werden. Der Meßtaster 2 zum Abtasten der Meßstellen des Prüfstücks ist
in Fig. 1 schematisch dargestellt. Der Meßtaster 2 weist einen Mittelstab 3 auf, der mit
einem Ende mit der bewegbaren Vorrichtung verbunden wird, und an seinem gegen
überliegenden Ende drei sich gleich beabstandet radial erstreckende Arme bzw.
Querstreben 4 aufweist. Die Querstreben sind sämtlich in einer gemeinsamen Ebene
angebracht, vorzugsweise unter einem Winkelabstand von 120° und weisen jeweils an
ihrem Ende als Taststück je eine Kugel 5 auf, wobei alle Kugeln 5 den gleichen
Durchmesser und den gleichen Abstand zu dem Mittelstab 3 besitzen, so daß die
Mittelpunkte der Kugeln 5 in einer Ebene senkrecht der Spindelachse liegen. Die
Querstreben 4 und Kugeln 5 sind dabei so dimensioniert, daß diese in an dem Prüf
körper (Meßplatte) vorgesehene Aussparungen an den Meßstellen eingreifen können,
wie in Fig. 2 gezeigt. Diese Aussparungen besitzen eine sehr genau gefertigte Grund
fläche 6, eine Seitenwand 7, an die zwei Kugeln 5 des Abtastorgans 2 angelegt wer
den können, sowie eine weitere Seitenwand 8 senkrecht zu der ersten Seitenwand 7,
die ebenfalls der Anlage der Kugeln 5 dient. Wie in Fig. 3 für die mittigen Meßstellen
gezeigt, kann eine solche auch aus einer Fig. 2 entsprechenden Anordnung bestehen,
die um eine in der Aufspannebene (Montageebene) des Prüfkörpers 1 verlaufende
Achse gekippt ist.
Nach dem Anbringen des Prüfkörpers 1 und des Prüforgans 2 in der bewegbaren
Vorrichtung erfolgt der eigentliche Kalibriervorgang unter Verwendung eines Steueral
gorithmus, mit dem das Prüforgan 2 nacheinander an verschiedenen Meßstellen des
Prüfkörpers so positioniert wird, daß das Prüforgan-an jeder der Meßstellen eine in
allen sechs Koordinaten definierte Stellung einnimmt, womit für jede Meßstelle die La
ge-Istwerte des Tasters aufgrund der bekannten Geometrie des Prüfkörpers 1 eben
falls bekannt sind.
Das Prüforgan ist hier ein Abtastorgan 2 (Meßtaster) und derart ausgebildet, daß die
ses bei Auslenkung aus seiner Referenzposition einen Impuls abgibt. Mit Hilfe der Im
pulse des Abtastorgans 2 an den Steueralgorithmus wird die Vorrichtung solange ite
rativ bewegt, bis das Abtastorgan 2 bezüglich einer Meßstelle seine ihm eigene Refe
renzstellung einnimmt, d. h. gerade keinen Impuls mehr aussendet. Dazu wird das
Abtastorgan 2 zunächst zügig in die Nähe einer abzutastenden Meßstelle des Prüf
körpers 1 gefahren, in der bei Berücksichtigung von Toleranzen der nicht kalibrierten
Anordnung noch keine Berührung des Abtastorgans 2 mit dem Prüfkörper 1 erfolgt
bzw. erwartet wird.
Anschließend wird zunächst eine Koordinatenrichtung ausgewählt, z. B. die translatori
sche Koordinatenrichtung senkrecht zu der Grundfläche der Meßstelle (vgl. Fig. 2).
Danach wird das Abtastorgan geradlinig auf den Prüfkörper 1 zubewegt, bis dieses
einen Impuls abgibt. Nach Auslösen des Impulses erfolgt sofort eine Bewegung in die
Gegenrichtung, bis keine Berührung mehr vorliegt. Anschließend erfolgt nacheinander
eine Bewegung um diejenigen Drehachsen, die parallel zu der Grundfläche der Meß
stelle liegen. Durch die Auswertung der Stellen, an denen Berührungsimpulse erzeugt
werden, werden die Winkel, die die Spindelachse bzw. der Mittelstab 3 des Abtastor
gans mit der Grundfläche bildet, ermittelt. Die Stellung der Spindelachse wird dabei
mit Hilfe des Steueralgorithmus solange iterativ korrigiert, bis die Achse des Mittelsta
bes 3 senkrecht auf der Grundfläche steht, wie dies in Fig. 2 gezeigt ist.
Anschließend erfolgt eine Annäherung des Abtastorgans 2 an die Seitenwand 7 in
Fig. 2. Dabei wird die Winkelstellung zur Grundfläche 9 der Meßstelle wieder überprüft
und gegebenenfalls korrigiert.
In einem dritten Schritt wird das Abtastorgan an die weitere Seitenwand 8 in Fig. 2 an
genähert. Die bisher eingestellten Lagen werden dabei nochmals geprüft und gegebe
nenfalls mit Hilfe des Steueralgorithmus iterativ korrigiert.
Am Ende dieser Prozedur befindet sich das Abtastorgan dann in seiner Referenzstel
lung für die betreffende Meßstelle, so daß die Lage-Istwerte des Abtastorgans 2 für
alle sechs Koordinaten genau bekannt sind.
In dieser Stellung werden dann die die Lage der Vorrichtung repräsentierenden Para
meter, vorzugsweise die variablen Stellgrößen der kinematischen Struktur, z. B. die
Meßwerte der Strebenlängen oder die Stellung der Linearmotoren der Hexapod-
Lagerung erfaßt, für die betreffende Meßstelle gespeichert und den Ist-Werten des
Abtastorgans für die betreffende Meßstelle zugeordnet.
Dieser Vorgang der Datenerfassung wird für mehrere Meßstellen mit demselben Ab
tastorgan 2 an der bewegbaren Vorrichtung im voll montierten Zustand durchgeführt.
Da die konstruktive Auslegung der bewegbaren Vorrichtung grundsätzlich bekannt ist,
läßt sich ein das Bewegungsverhalten abbildendes Gleichungssystem aufstellen, in
dem die fertigungs- bzw. montagebedingten Fehlergrößen als unbekannte Korrektur
größen enthalten sind. Dieses Gleichungssystem kann in einem Korrekturmodul in die
Steuervorrichtung integriert werden. Durch Einsetzen der für die einzelnen Meßstellen
erfaßten Lageparameter lassen sich unter Berücksichtigung der Ist-Werte für das Ab
tastorgan bei Abtastung einer ausreichenden Anzahl von Meßstellen die Korrektur
werte durch Lösung des Gleichungssystems bestimmen.
Die ermittelten Korrekturwerte werden dann in einem Speicher der Steuervorrichtung
gespeichert. Von dort stehen sie für die mit der Steuerung zu verwirklichenden Koor
dinaten-Transformationen J bzw. T zur Verfügung, so daß auf diese Weise fertigungs-
und montagebedingte Lagetoleranzen von das Bewegungsverhalten der Vorrichtung
beeinflussenden Geometrieparametern in der Steuerung kompensiert werden.
In einer alternativen Ausführungsform wird anstelle des in definierter Lage befestigten,
geometrisch genau bekannten Prüfkörpers ein Werkstück, beispielsweise eine Me
tallplatte, in genau definierter Lage in der bewegbaren Vorrichtung aufgespannt und
an mehreren Meßstellen einer Kalibrierbearbeitung unterworfen. In diesem Fall wird
als Prüforgan ein Bearbeitungswerkzeug, beispielsweise im Fall einer Hexapod-
Werkzeugmaschine, ein Schaftfräser verwendet, der in die Hauptspindel eines relativ
zu dem Werkstück bewegbaren Teils der bewegbaren Vorrichtung eingespannt ist.
Mit dem Schaftfräser werden dann eine Anzahl von kreisförmigen Kalibrierausneh
mungen bzw. an dem als Meßplatte fungierenden Werkstück hergestellt, die jeweils
eine Meßstelle im Sinne des ersten Ausführungsbeispiels darstellen. Für jede Meß
stelle wird das Bearbeitungswerkzeug ausschließlich geradlinig entlang einer Vor
schubachse in das Werkstück vorgetrieben, bis der Vorschub an einer Endposition
eingestellt wird. In dieser Stellung werden, wie in dem ersten Ausführungsbeispiel die
die Lage der bewegbaren Vorrichtung repräsentierenden Parameter, beispielsweise
die Stellgrößen der einzelnen Vorschubantriebe erfaßt und der betreffenden Meßstelle
zugeordnet gespeichert. Dieser Vorgang wird wieder für eine Vielzahl von Meßstellen
wiederholt, wobei die Vorschubachsen für verschiedene Meßstellen auch zueinander
geneigt werden können.
Im Unterschied zu dem ersten Ausführungsbeispiel erfolgt die Bestimmung der Lage-
Ist-Werte des Prüforgans in den Koordinatenrichtungen durch eine genaue Vermes
sung der Kalibrierbearbeitungen zueinander. Zur Bestimmung der translatorischen
Lageparameter werden die Mittelpunkte der gefrästen Aussparungen herangezogen.
Aus der Neigung des Bodens der Aussparung lassen sich zwei weitere rotatorische
Koordinaten bestimmen, so daß insgesamt jeder Aussparung fünf Koordinatenwerte
zugeordnet werden können. Die fehlende sechste Koordinate kann während der Kali
brierbearbeitung mit einer zusätzlichen Meßeinrichtung, z. B. unter Verwendung eines
Spiegels, und Messung der Ablenkung eines Laserstrahls bestimmt wird. In diesem
Fall wird die Entkopplung der resultierenden Gleichungen zur Berechnung der Korrek
turwerte in gleicher Weise erreicht, wie bei dem ersten Ausführungsbeispiel.
Wird auf die Bestimmung der sechsten Koordinate verzichtet, ist das resultierende
Gleichungssystem ebenfalls lösbar, jedoch vergrößert sich der Restfehler etwas.
Claims (19)
1. Verfahren zur Kalibrierung einer bewegbaren Vorrichtung mit mindestens ei
nem teilweise unbestimmten Geometrieparameter mit den folgenden Verfah
rensschnritten:
- 1. Anordnen eines Prüfkörpers in der zu kalibrierenden, montierten Vorrichtung;
- 2. Anbringen eines Prüforgans an einem relativ zu dem Prüfkörper bewegbaren Teil der Vorrichtung, zum Zusammenwirken mit dem Prüfkörper an mehreren Meßstellen;
- 3. Bewegen der Vorrichtung, bis das Prüforgan eine definierte Lage bezüglich ei ner Meßstelle einnimmt;
- 4. Erfassen der die Lage der Vorrichtung repräsentierenden Parameter an dieser Meßstelle und Zuordnen dieser Lageparameter zu der Meßstelle;
- 5. Wiederholen der Verfahrensschritte (3) und (4) für weitere Meßstellen;
- 6. Ermittlung von Korrekturgrößen für das Bewegungsverhalten der Vorrichtung beeinflussende Geometrieparameter durch Einsetzen der für die Meßstellen erfaßten Lageparameter in ein Gleichungssystem, das das Bewegungsverhal ten der Vorrichtung repräsentiert;
- 7. Korrigieren der Geometrieparameter des Gleichungssystems mit den Korrek turwerten.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein in seinen Ab
messungen bekannter Prüfkörper an der Vorrichtung angeordnet wird;
als Prüforgan ein Abtastorgan verwendet wird, das eine ihm eigene Referenzstellung
aufweist; und die Vorrichtung bewegt wird, bis das Abtastorgan an einer als Abtaststel
le des Prüfkörpers ausgebildeten Meßstelle seine ihm eigene Referenzstellung ein
nimmt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Abta
storgan verwendet wird, das bei Auslenkung einen Impuls abgibt, und daß zur Annä
herung an die Referenzposition des Abtastorgans bezüglich einer ausgewählten Ko
ordinatenrichtung das Abtastorgan nach Aussendung eines Impulses zurückbewegt
wird, bis keine Auslenkung mehr vorliegt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß eine Steuervor
richtung zur Bewegung der bewegbaren Vorrichtung mit dem Abtastorgan derart ge
koppelt ist, daß erstere in Abhängigkeit der von dem Abtastorgan erzeugten Impulse
bezüglich der jeweiligen Koordinatenrichtung bewegt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
zunächst eine translatorische Koordinate als Referenzposition des Abtastorgans ange
fahren wird und anschließend diejenigen rotatorischen Koordinaten bestimmt werden,
deren Achsen in einer Normalebene der zunächst angefahrenen translatorischen Ko
ordinate liegen.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß
ein Abtastorgan zur Erfassung von allen sechs Raumkoordinaten verwendet wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß
ein Prüfkörper verwendet wird, der mehrere Meßstellen aufweist.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Werkstück in
definierter Lage in der Vorrichtung als Prüfkörper angeordnet wird;
ein Bearbeitungswerkzeug, beispielsweise ein Fräswerkzeug als Prüforgan an der Vorrichtung angebracht wird;
an den Meßstellen mit dem Bearbeitungswerkzeug Kalibrierbearbeitungen an dem Werkstück vorgenommen werden und an jeweiligen Endpositionen des Bearbeitungs werkzeuges an den Meßstellen die Erfassung der die Lage der Vorrichtung repräsen tierenden Parameter erfolgt; und daß nach den Kalibrierbearbeitungen diese an dem Werkstück vermessen werden zur Bestimmung der Lage der Meßstellen zur Ermitt lung der Korrekturgrößen.
ein Bearbeitungswerkzeug, beispielsweise ein Fräswerkzeug als Prüforgan an der Vorrichtung angebracht wird;
an den Meßstellen mit dem Bearbeitungswerkzeug Kalibrierbearbeitungen an dem Werkstück vorgenommen werden und an jeweiligen Endpositionen des Bearbeitungs werkzeuges an den Meßstellen die Erfassung der die Lage der Vorrichtung repräsen tierenden Parameter erfolgt; und daß nach den Kalibrierbearbeitungen diese an dem Werkstück vermessen werden zur Bestimmung der Lage der Meßstellen zur Ermitt lung der Korrekturgrößen.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß als Kalibrierbear
beitung eine kreisförmige Aussparung hergestellt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die räumliche La
ge des Mittelpunktes des Bodens der Aussparung vermessen wird, sowie die Neigung
des Bodens in zwei Richtungen.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß
eine weitere Koordinate für die jeweilige Meßstelle durch eine separate Meßeinrich
tung während der Kalibrierbearbeitung ermittelt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß
die Kalibrierbearbeitungen entlang einer einachsigen, geradlinigen Vorschubrichtung
des Bearbeitungswerkzeuges in die Endposition erfolgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß
die Vermessung des Werkstückes außerhalb der Vorrichtung erfolgt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß
zumindest eine Kalibrierbearbeitung an einer Meßstelle unter einem Anstellwinkel der
Vorschubbewegung gegenüber einer Aufspannebene des Werkstückes ausgeführt
wird, der sich von dem Anstellwinkel einer weiteren Meßstelle unterscheidet.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß
die Bewegungssteuerung der Vorrichtung durch ein Bewegungsablaufprogramm er
folgt, wobei die mit dem Ablaufprogramm definierten Bewegungen in einem ersten
Koordinatensystem, vorzugsweise einem orthogonalen Koordinatensystem, vorgege
ben sind, hingegen die Stellglieder der Vorrichtung ein zweites Koordinatensystem,
beispielsweise nicht-orthogonales Koordinatensystem bilden, und daß die Koordina
tentransformation zwischen den beiden Koordinatensystemen die Korrekturwerte be
rücksichtigt.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß
als Stellgrößen der Stellglieder der Vorrichtung als die Lage der Vorrichtung repräsen
tierenden Parameter verwendet werden.
17. Einrichtung zur Kalibrierung einer Vorrichtung nach zumindest einem der An
sprüche 1 bis 16, gekennzeichnet durch ein Prüforgan in Einspannung in der Vor
richtung und einen mit der Vorrichtung verbindbaren Prüfkörper mit Meßstellen, die
mehrachsige Meßstellen bilden, und einer Positionserfassungseinrichtung für das
Prüforgan unter Einsatz einer Maschinensteuerung der Vorrichtung.
18. Einrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß das Prüforgan
ein Meßtaster (2) mit kugelförmigen, in einer Ebene angeordneten Taststücken (5) ist,
wobei die Taststücke (5) äquidistant zu einer Hauptachse der Vorrichtung, vorzugs
weise unter einem Winkelabstand von 120° in Umfangsrichtung, angeordnet sind.
19. Einrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß das Prüforgan
ein Bearbeitungswerkzeug für ein Probewerkstück ist, zur Schaffung von Meßstellen
an dem Probewerkstück unter einachsigem Vorschub des Bearbeitungswerkzeugs zur
externen Vermessung der Meßstellen des Probewerkstückes.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998158154 DE19858154B4 (de) | 1998-12-16 | 1998-12-16 | Verfahren und Einrichtung zur Kalibrierung von bewegbaren Vorrichtungen mit mindestens einem teilweise unbestimmten Geometrieparameter |
Applications Claiming Priority (1)
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