DE19853667A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-AktorenInfo
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Abstract
Zur Schwingungsbedämpfung mit passiver elektrischer Beschaltung wird der Piezo-Effekt benutzt. Ein Piezo-Aktor (PZ) wird zwischen zwei gegeneinander schwingende Massen (M1, M2) verspannt und elektrisch mit Widerständen und/oder Dioden und/oder Varistoren und/oder Kapazitäten abgeschlossen. Die Schwingungsenergie wird dadurch in Wärme umgesetzt, was eine Dämpfung der Schwingung bewirkt. Dies ist besonders vorteilhaft für eine Schwingungsbedämpfung bei sich bewegenden oder rotierenden Elementen, wo eine Zuleitung zu einem externen Leistungsteil technische Probleme aufwirft. Die Schwingungsbedämpfung nach der Erfindung besitzt den Vorteil, daß sie verschleißfrei ist und daß die Schwingungsenergie an einem anderen Platz freigesetzt werden kann als am Ort der Schwingung selbst. Der Piezo-Aktor (PZ) kann auch noch in seinem Resonanzpunkt betrieben werden, wobei seine Schwingungsbedämpfung dann besonders gut ausgeprägt ist.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine entsprechende
Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren ohne
Schwingungsmessung.
Aufgrund der stetigen Steigerung der Dynamik in der elektri
schen Antriebstechnik, insbesondere beim Einsatz von Dreh
feldmaschinen, wurden in den letzten Jahre erhebliche Fort
schritte erzielt. Durch die erhöhte Dynamik stößt man jedoch
immer häufiger an mechanische Grenzen, weil Eigenfrequenzen
des mechanischen Aufbaus von elektrischen Antrieben angeregt
werden.
Es ist bekannt, durch geeignete Regelkonzepte, diese Eigen
frequenzen durch den elektrischen Antrieb nicht anzuregen.
Damit kann jedoch nicht immer verhindert werden, daß die ge
nannten Eigenfrequenzen durch einen Bearbeitungs- oder Bewe
gungsprozeß angeregt werden.
Eine aktive Bedämpfung durch den elektrischen Antrieb ist bis
zu gewissen Grenzen noch möglich. Bei hochdynamischen An
triebssystemen liegen die maximal bedämpfbaren Eigenfrequen
zen zur Zeit unter 800 Hz.
Werden jedoch Schwingungen angeregt, die nicht in radialer
Richtung wirken, so können diese bei einem rotierenden Motor
jedoch nicht bedämpft werden. Gleiches gilt für Linearmoto
ren, falls eine Schwingung angeregt wird, die nicht in Rich
tung der Bewegungsachse des Motors wirkt. Es gibt somit Ei
genschwingungen der Mechanik, die durch regelungstechnische
Maßnahmen in den Bewegungs- oder Bearbeitungsmotoren nicht
beherrschbar sind.
Solche Schwingungen können zu einer erhöhten Lärmbelästigung,
zu einem verstärkten Werkzeugverschleiß bei Bearbeitungsma
schinen, zu Bearbeitungsfehlern am zu fertigenden Werkstück
und auch zu Materialermüdungen in der Maschine selbst führen.
Alle diese Effekte sind in hohem Maße unerwünscht.
Bisher bekannte Lösungen zur Vermeidung dieser genannten Pro
bleme beschränken sich auf eine mechanische Dämpfung mit Vis
koseflüssigkeiten (z. B. hydrostatische Lager) oder andere
dämpfende Materialien, die die Schwingungsenergie durch Rei
bung bedämpfen. In anderen Fällen wird aus Gründen des Auf
wandes auf Schwingungsdämpfer verzichtet und die im vorange
henden geschilderten Probleme der Eigenschwingungen werden
bewußt in Kauf genommen.
Eine andere bekannte Strategie besteht darin, daß man ver
sucht, die Eigenschwingungen nicht anzuregen. Beim Einsatz
von elektrischen Antrieben für industrielle Bearbeitungsma
schinen erkauft man sich diese Stabilität dann jedoch durch
eine Verlängerung der Bearbeitungsdauer (langsamere Drehzah
len, geringere Beschleunigung etc.).
Häufig wird das Problem der Eigenschwingung herkömmlicherwei
se durch eine andere Konstruktion (z. B. mechanische Verstär
kung an kritischen Punkten des Aufbaus der Maschine) abgemil
dert. Mit einer weiteren Steigerung der Motordynamik und den
damit verbundenen erhöhten Anforderungen an Genauigkeit und
Flexibilität stoßen diese bisher bekannten Lösungen jedoch
zusehens an ihre Grenzen.
Daher wurde zur Lösung der eingangs geschilderten Probleme
der Eigenschwingung bereits der Einsatz von Piezo-Aktoren zur
aktiven Schwingungsbedämpfung vorgeschlagen (siehe hierzu Pa
lis, F.: Ladra, U.; Dzhantimirov, S.: Control of piezoelectric
actuators in sliding mode operation. EUROMECH 373, 11.-13.
März 1998, Magdeburg, 1998). Dabei wird über eine Schwin
gungsmessung durch Beschleunigungssensoren ein Stellsignal
zur regelungstechnischen Ansteuerung eines Piezo-Aktors gene
riert, um eine aktive Gegenbewegung zu der zu bedämpfenden
Schwingung zu erzeugen. Hierzu ist jedoch die Bereitstellung
eines hochdynamischen, elektrischen Stellgliedes zur Ansteue
rung des Piezo-Aktors erforderlich. Ein solches Stellglied
ist jedoch mit erheblichem Entwicklungsaufwand verbunden und
sehr kostenintensiv.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine aktive
Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren zu schaffen, welche
auf eine Schwingungsmessung einerseits und auf ein hochdyna
misches, elektrisches Stellglied andererseits verzichtet.
Gemäß der vorliegenden Erfindung wird diese Aufgabe durch ein
Verfahren zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren ohne
Schwingungsmessung gelöst, welches dadurch gekennzeichnet
ist, daß
- - mindestens ein Piezo-Aktor zwischen zwei gegeneinander schwingende Massen verspannt wird und
- - Schwingungsenergie, welche auf jeden Piezo-Aktor einwirkt, in Wärme umgesetzt wird, indem jeder Piezo-Aktor durch pas sive Beschaltung mit einem ohmschen Widerstand zur Aufnahme der Schwingungsenergie elektrisch abgeschlossen wird.
Desweiteren wird die im vorangehenden geschilderte Aufgabe
durch eine entsprechende Vorrichtung zur Schwingungsbedämp
fung mit Piezo-Aktoren gelöst, welche sich dadurch auszeich
net, daß
- - mindestens ein Piezo-Aktor zwischen zwei gegeneinander schwingende Massen verspannt angeordnet ist und
- - jeder Piezo-Aktor zur Umsetzung von einwirkender Schwin gungsenergie in Wärme mit einem ohmschen Widerstand und/ oder einer Diode, insbesondere einer Zenerdiode, und/oder einem Varistor und/oder einer Kapazität elektrisch kurzge schlossen ist.
Nach einer ersten vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens
sowie der Vorrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung wird
ein Schutz jedes Piezo-Aktors vor Überspannung erreicht, in
dem jeder Piezo-Aktor mit einer zum ohmschen Widerstand par
allel geschalteten Diode, insbesondere einer Zenerdiode, und/
oder einem Varistor und/oder einer Kapazität elektrisch abge
schlossen/kurzgeschlossen wird.
Zum Schutz gegen eine Erdpolarisierung jedes Piezo-Aktors
wird nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Ver
fahrens sowie der Vorrichtung gemäß der vorliegenden Erfin
dung jeder Piezo-Aktor zusätzlich mit einer zum ohmschen Wi
derstand parallel angeordneten Kombination aus in Serie ge
geneinander gepolter Diode und Zenerdiode elektrisch abge
schlossen/kurzgeschlossen.
Gemäß der vorliegenden Erfindung wird zur Schwingungsbedämp
fung mit passiver Beschaltung jedes Piezo-Aktors der Piezo-
Effekt genutzt. Aufgrund der lediglich passiven Schaltung ist
eine Schwingungsbedämpfung nach der vorliegenden Erfindung
besonders interessant für sich bewegende oder rotierende Ele
mente, wo eine Zuleitung zu einem externen Leistungsteil zur
Versorgung eines hochdynamischen, elektrischen Stellgliedes
mit elektrischer Energie technische Probleme aufwirft. Die in
der vorliegenden Erfindung vorgeschlagene Schwingungsbedämp
fung besitzt darüber hinaus den Vorteil, daß sie verschleiß
frei ist und daß die Schwingungsenergie an einem anderen Ort
freigesetzt werden kann als am Ort der Schwingung selbst.
Darüber hinaus ist vorteilhaft, daß der Piezo-Aktor gemäß der
Erfindung auch in seinem Resonanzpunkt betrieben werden kann.
Gerade im Resonanzpunkt ist die erreichte Schwingungsbedämp
fung besonders gut ausgeprägt.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Verfah
rens sowie der Vorrichtung nach der vorliegenden Erfindung
lassen sich besonders vorteilhaft Torsionsschwingungen be
dämpfen, welche durch eine an einer drehenden Welle befestig
te erste Masse hervorgerufen werden. Dies wird dadurch er
reicht, daß jeder Piezo-Aktor gegen eine auf der Welle dreh
bar gelagerten zweiten Masse abgestützt angeordnet wird.
Eine andere vorteilhafte Ausgestaltung des Verfahrens sowie
der Vorrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung ermöglicht
eine besonders vorteilhafte Schwingungsbedämpfung einer Un
wucht, welche durch einen rotatorischen Antrieb mit einer er
sten Masse hervorgerufen wird. Dies wird erreicht, indem der
Antrieb über einen oder mehrere Piezo-Aktoren mit einer
Grundfläche mit einer zweiten Masse - z. B. ein entsprechendes
Maschinenbett - mechanisch verbunden wird.
Weitere Vorteile und Details der vorliegenden Erfindung erge
ben sich anhand der folgenden Beschreibung vorteilhafter Aus
führungsbeispiele und in Verbindung mit den Figuren. Es zei
gen:
Fig. 1 ein Blockschaltbild der elektrischen Beschaltung eines
Piezo-Aktors zur Schwingungsbedämpfung nach der vorlie
genden Erfindung,
Fig. 2 Aufbau einer Schwingungsbedämpfung einer Torsions
schwingung an einem elektrischen Antrieb in seiner Sei
tenansicht sowie einer Vorderansicht und
Fig. 3 eine Schwingungsbedämpfung einer Unwucht einer elektri
schen Maschine mit Piezo-Aktoren nach der vorliegenden
Erfindung.
Piezoelektrische Aktoren sind in besonders guter Weise geeig
net für die Aufgaben der hochfrequenten Schwingungsbedämpfung
ab 100 Hz bis etwa 20 kHz. Sie können bei kleinen Abmessungen
sehr große Kräfte entwickeln (etwa 30 kN), besitzen jedoch
nur einen kleinen Stellbereich (typischerweise 100 µM).
Dieser kleine Stellbereich reicht in der Regel für die
Schwingungsbedämpfung aus. Die Ansteuerung eines solchen Pie
zo-Aktors ist recht einfach, denn die Bewegungen werden mit
einer elektrischen Spannung ausgelöst. Dynamisch verhält sich
dieser Piezo-Aktor wie ein Kondensator, der bei mechanischem
Druck eine Ladungsänderung erfährt (Piezo-Effekt). Bei den
Piezo-Aktoren mit aktiver Beschaltung zur Schwingungsbedämp
fung nach dem Stand der Technik wird allerdings regelmäßig
der inverse Piezo-Effekt genutzt, der eine Längenänderung
oder eine Druckänderung als Folge einer Ladungsänderung er
zeugt.
Der mechanische Aufbau eines solchen Piezo-Aktors besitzt je
doch auch Eigenfrequenzen, die zu Resonanzerscheinungen füh
ren, wenn dieser mit diesen Frequenzen angeregt wird. Deshalb
kann man den Piezo-Aktor für die aktive Schwingungsbedämpfung
nur bis zu etwa 80% der niedrigsten. Eigenfrequenzen nutzen.
Diese liegt - je nach Abmessung - in einem typischen Bereich
von größer 3000 Hz. Wie bereits eingangs geschildert, ist ei
ne aktive Schwingungsbedämpfung mit Schwingungsmessung und
Bedämpfung durch einen mit einem Leistungssteller (Stell
glied) gegenphasig angesteuerten Piezo-Aktor bereits Stand
der Technik.
Mit der vorliegenden Erfindung wird jedoch eine aktive
Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren passiver Beschaltung
geschaffen. Dafür wird nicht, wie nach dem Stand der Technik
üblich, der inverse Piezo-Effekt genutzt, sondern der Piezo-
Effekt, nach dem der Piezo-Aktor bei mechanischen Druck eine
Leistungsänderung erfährt.
Der Piezo-Aktor wird z. B. zwischen zwei gegeneinander schwin
genden Massen verspannt und mit elektrischen Widerständen ab
geschlossen. Die Schwingungsenergie wird dabei in Wärme umge
setzt, was auf die Schwingung dämpfend wirkt.
In der Darstellung nach Figur. 1 ist ein Blockschaltbild der
elektrischen Beschaltung eines solchen Piezo-Aktors PZ ge
zeigt. Der Piezo-Aktor ist durch den bereits erwähnten ohm
schen Widerstand R elektrisch kurzgeschlossen, indem die
Schwingungsenergie in Wärme umgesetzt wird. Neben diesen Wi
derstand R zum Aufnehmen der Schwingungsenergie sind weitere
Bauelemente zum Überspannungsschutz vorgesehen. Der Überspan
nungsschutz erfolgt unsymmetrisch, da ab einer Spannung Upol
entgegen der Polarisation des Piezo-Aktors PZ eine Endpolari
sierung einsetzen kann. In Polarisationsrichtung kann hier
eine größere Spannung wirken, die jedoch durch die Durch
schlagsfestigkeit des Piezo-Materials begrenzt ist. Nach dem
in der Darstellung gemäß Fig. 1 gezeigten Beispiel ist zum
Schutz gegen Durchschlagen ein Varistor V eingesetzt, der
parallel zum Widerstand R angeordnet ist und ebenfalls den
Piezo-Aktor PZ elektrisch kurzschließt. Anstelle eines Vari
stors V könnte ebenso gut auch eine Supressordiode eingesetzt
werden.
Als Schutz gegen eine Entpolarisierung dient eine Kombination
aus einer Diode D und einer Zenerdiode Z, diode Z, die in Serie ge
schaltet, gegeneinander gepolt angeordnet sind. Diese Serien
schaltung von Diode D und Zenerdiode Z ist ebenfalls parallel
zum Widerstand R angeordnet und schließt somit ebenfalls den
Piezo-Aktor PZ elektrisch kurz. Die Absorbtionsleistungen der
elektrischen Bauelemente sind entsprechend den Werten des
Piezo-Aktors PZ zu dimensionieren.
Der Widerstand R kann außerdem für eine bestimmte Frequenz f
nach der folgenden Berechnungsvorschrift optimiert werden:
R = 1/(2πfC) mit C = Kapazität des Piezo-Aktors PZ.
In der Darstellung nach Figur. 2 ist eine erste mögliche Anwen
dung der aktiven Schwingungsbedämpfung nach der vorliegenden
Erfindung zur Bedämpfung einer Torsionsschwingung eines elek
trischen Antriebes A gezeigt. Der linke Teil der Darstellung
zeigt eine Seitenansicht mit einem elektrischen Antrieb A mit
einer Motorwelle W, an der eine erste Masse M1 in Form einer
Scheibe kraftschlüssig befestigt ist. Dies wird auch daran
deutlich, daß die Achse der Motorwelle W, welche durch eine
strichpunktierte Linie angedeutet ist, durch die Masse M1 in
Form der Scheibe verläuft. Darüber hinaus ist eine zweite
Masse M2, ebenfalls in Form einer Scheibe, drehbar auf der
Motorwelle W gelagert.
Der elektrische Antrieb A treibt somit die Scheibe mit der
Masse M1 an. Dabei stellt sich eine Torsionsschwingung ein,
die bedämpft werden soll. Die Eigenfrequenz liegt dabei vor
teilhafterweise in einem Frequenzbereich unterhalb von
2.000 Hz. Als Dämpfglieder werden Piezo-Aktoren PZ einge
setzt, die sich gegen die auf der Welle drehbar gelagerte
zweite Masse M2 abstützen. Im rechten Bereich der Darstellung
nach Figur. 2 ist eine Schnittdarstellung durch die Scheibe mit
der Masse M2 gezeigt. Erkennbar ist die Motorwelle W, auf der
die Masse M2 über ein Lager L drehbar gelagert ist. Zu erken
nen sind zwei Zapfen Z1M1 und Z2M1 der anderen Scheibe mit der
Masse M1, die in entsprechende Aussparungen der drehbar gela
gerten Scheibe mit der Masse M2 ragen. Links und rechts von
den genannten Zapfen sind jeweils Piezo-Aktoren PZ ange
bracht, welche sowohl mit dem jeweiligen Zapfen Z1M1 bzw. Z2M1
und der zweiten Scheibe mit der Masse M2 in Berührkontakt
stehen. Erkennbar sind darüber hinaus zwei Spannschrauben S1
und S2, über die der Berührkontakt zwischen Piezo-Aktoren PZ
und den entsprechenden Zapfen hergestellt wird.
Das Trägheitsmoment der zweiten drehbar gelagerten Scheibe
mit der Masse M2 muß ausreichend groß sein, daß die Bewegun
gen der Masse M2, die durch die Schwingungen entstehen, ver
nachlässigbar klein sind. Außerdem ist die Steifigkeit der
Piezo-Aktoren PZ (z. B. über die Länge) so zu wählen, daß die
Amplituden, die entstehen, in einem günstigen Arbeitsbereich
des Piezo-Aktors PZ liegen. Die Piezo-Aktoren PZ werden, wie
in der Darstellung nach Fig. 1 bereits erläutert, passiv be
schaltet, so daß ein Teil der Schwingungsenergie in Wärme um
gesetzt wird und damit eine Dämpfung in das System einge
bracht wird. Mit diesem Aufbau läßt sich auch eine Anregungs
frequenz, die z. B. durch eine Bearbeitung mit der Scheibe der
Masse M1 - beispielsweise in Form eines Fräsers - dämpfen.
In der Darstellung nach Fig. 3 ist ein weiteres Ausführungs
beispiel einer aktiven Schwingungsbedämpfung einer Unwucht
der Piezo-Aktoren gemäß der vorliegenden Erfindung gezeigt.
Bei diesem Ausführungsbeispiel wird die erste Masse M1 durch
den Antrieb A mit der Motorwelle W gebildet. Zum Bedämpfen
der Unwucht des Antriebes A, z. B. eines hochtourigen Motors,
werden ebenfalls Piezo-Aktoren PZ eingesetzt. Der Antrieb A
ist über Piezo-Aktoren PZ mit einem Maschinenbett verbunden,
welches eine zweite Masse M2 besitzt. Besonders vorteilhaft
arbeitet eine aktive Schwingungsbedämpfung nach der vorlie
genden Erfindung, wenn die Anregungsfrequenz unterhalb von
2.000 Hz liegt. Die Steifigkeit der Piezo-Aktoren PZ wird so
gewählt, daß die auftretenden Amplituden in einem günstigen
Arbeitsbereich der Piezo-Aktoren liegen. Die elektrische Be
schaltung der Piezo-Aktoren PZ erfolgt wiederum auf die be
reits anläßlich der Darstellung nach Fig. 1 gezeigte Art und
Weise.
Im folgenden soll die Bemessung der einzelnen Parameter zur
Schwingungsbedämpfung einer Unwucht, wie in der Darstellung
nach Fig. 3 gezeigt, näher erläutert werden. Bei einer high
speed-cuting-Anwendung wird ein elektrischer Antrieb mit bei
spielsweise 40.000 U/min. Maximaldrehzahl eingesetzt. Der An
trieb hat einen Läuferdurchmesser (2R) von 5 cm. Falls eine
Unwucht von 4 g vorliegt, so erzeugt diese bei 40.0000 U/min.
eine pendelnde Kraft von
FZ = ω2.r.m = 1754.6 N (1)
Amplitude und einer Frequenz von 666,66 Hz (Ω/2π), die von
der Motoraufspannung bzw. Motorbefestigung aufgefangen wird.
Problematisch wird diese Schwingungsanregung vor allem dann,
wenn sie eine Maschinenresonanz trifft und sich damit die
Kraftamplituden aufschaukeln und erheblich größere Amplituden
erzeugen. Zur Schwingungsbedämpfung wird der elektrische An
trieb A über Piezo-Aktoren PZ aufgespannt. Diese weisen vor
teilhafterweise eine Gesamtsteifigkeit von 33 N/µm auf. Die
pendelnde Kraft von 1754,6 N erzeugt stationär eine Auslenkung
von
Durch die Massenträgheit wird jedoch die tatsächliche Aus
lenkung kleiner ausfallen.
Nimmt man eine Gesamtmasse des elektrischen Antriebes von
10 kg an, so berechnet sich die Auslenkung folgendermaßen:
Da diese Auslenkung klein gegenüber der stationären Auslen
kung ist, kann näherungsweise die Steifigkeit des Piezo-
Aktors PZ vernachlässigt werden. Die potentielle Energie, die
in einer solchen Auslenkung enthalten ist, berechnet sich
nach der folgenden Berechnungsvorschrift:
Der dem Ausführungsbeispiel zugrundeliegende Piezo-Aktor PZ
besitzt eine Spannung von 100 V bei einer Auslenkung von
90 µm. Bei der im vorangehenden dargestellten resultierenden
Auslenkung erzeugt jeder Piezo-Aktor PZ somit eine Span
nungsamplitude von ca. 11,1 V. Der zugrundegelegte Piezo-
Aktor PZ besitzt beispielsweise eine Kapazität von 43 µF(C).
Die in dieser Kapazität gespeicherte elektrische Energie be
stimmt sich nach folgender Berechnungsvorschrift:
Man erkennt, daß die potentielle Energie und die elektrische
Energie nicht gleich groß sind. Dies liegt daran, daß nicht
die gesamte elektrische Energie in Bewegung umgesetzt werden
kann. Ein Kopplungsfaktor k, der die Wurzel der Verhältnisse
bezeichnet, beträgt hier etwa 0,789.
Als elektrisches Modell für die Vorgänge im Piezo-Aktor PZ
läßt sich eine Kapazität mit einer Stromquelle verwenden.
Wird nun der Piezo-Aktor passiv mit einem Widerstand R be
schaltet, so wie in der Darstellung nach Fig. 1 gezeigt, so
wird die verbrauchte Leistung und damit die Dämpfung maximal,
wenn Anpassung vorliegt. Dies ist der Fall, wenn R = 1/(ωC).
Daraus resultiert ein Widerstand von 5,55 W, wobei 20 W ge
nügen, um die Anregungsleistung zu vernichten. Diese Beschal
tung ist für Frequenzen <ω breitbandig. Die vernichtete Lei
stung steigt sogar mit sinkender Frequenz. Für Frequenzen
oberhalb von ω sinkt die vernichtete Leistung schnell ab
(bei dreifacher Frequenz etwa auf 1/5), bis sie schließlich
unbedeutend wird. Um die Leistung, die freigesetzt werden
kann, zu berechnen, wird die Ladungsänderung folgendermaßen
ermittelt:
Der Strom besitzt eine Amplitude von ca. 2 A. Damit läßt sich
eine Wirkleistung P von ca. 11 W verbrauchen, welche nach der
folgenden Berechnungsvorschrift ermittelt werden kann:
Eine Alternative zu der im vorangehenden vorgestellten akti
ven Schwingungsbedämpfung nach der vorliegenden Erfindung be
steht in dem Einsatz des Piezo-Aktors als Bremse. Dazu muß
jedoch auch die Schwingung gemessen werden, was beispielswei
se über einen Beschleunigungssensor erfolgen kann. Die
Schwingungsenergie wird dann durch einen Reibungsvorgang ver
nichtet. Dieser Vorgang ist gegenüber der im vorangehenden
geschilderten Schwingungsbedämpfung dann nicht mehr ver
schleißfrei. Der Reibungsvorgang kann beispielsweise durch
Zufassen des Piezo-Aktors hervorgerufen werden, beispielswei
se wie bei einer Scheibenbremse.
Claims (10)
1. Verfahren zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren ohne
Schwingungsmessung, dadurch gekennzeich
net, daß
- 1. mindestens ein Piezo-Aktor (PZ) zwischen zwei gegeneinander schwingende Massen (M1, M2) verspannt wird und
- 2. Schwingungsenergie, welche auf jeden Piezo-Aktor (PZ) ein wirkt, in Wärme umgesetzt wird, indem jeder Piezo-Aktor (PZ) durch passive Beschaltung mit einem ohmschen Wider stand (R, NTC, PTC) zur Aufnahme der Schingungsenergie elek trisch abgeschlossen wird.
2. Verfahren zur Schwingungsbedämpfung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß jeder
Piezo-Aktor (PZ) zum Schutz vor Überspannung zusätzlich mit
einer zum ohmschen Widerstand (R, NTC, PTC) parallel geschalte
ten Diode (D), insbesondere einer Zenerdiode (Z), und/oder
einem Varistor (V) und/oder einer Kapazität (C) elektrisch
abgeschlossen wird.
3. Verfahren zur Schwingungsbedämpfung nach Anspruch 1 oder
2, dadurch gekennzeichnet, daß je
der Piezo-Aktor (PZ) zum Schutz gegen Entpolarisierung zu
sätzlich mit einer zum ohmschen Widerstand (R, NTC, PTC) paral
lel angeordneten Kombination aus in Serie gegeneinander ge
polter Diode (D) und Zenerdiode (Z) elektrisch abgeschlossen
wird.
4. Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren,
dadurch gekennzeichnet, daß
- 1. mindestens ein Piezo-Aktor (PZ) zwischen zwei gegeneinander schwingende Massen (M1, M2) verspannt angeordnet ist und
- 2. jeder Piezo-Aktor (PZ) zur Umsetzung von einwirkender Schwingungsenergie in Wärme mit einem ohmschen Widerstand (R, NTC, PTC) und/oder einer Diode (D), insbesondere einer Zenerdiode (Z), und/oder einem Varistor (V) und/oder einer Kapazität (C) elektrisch kurzgeschlossen ist.
5. Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß jeder
Piezo-Aktor (PZ) zum Schutz vor Überspannung zusätzlich mit
einer zum ohmschen Widerstand (R, NTC, PTC) parallel geschalte
ten Diode (D), insbesondere einer Zenerdiode (Z), und/oder
einem Varistor (V) und/oder einer Kapazität (C) elektrisch
kurzgeschlossen ist.
6. Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung nach Anspruch 4 oder
5, dadurch gekennzeichnet, daß je
der Piezo-Aktor (PZ) zum Schutz gegen Entpolarisierung zu
sätzlich mit einer zum ohmschen Widerstand (R, NTC, PTC) paral
lel angeordneten Kombination aus in Serie gegeneinander ge
polter Diode (D) und Zenerdiode (Z) elektrisch kurzgeschlos
sen ist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 6 zur Bedämp
fung einer Torsionsschwingung, welche durch eine an einer
drehenden Welle (W) befestigten ersten Masse (M1) hervorgeru
fen wird, dadurch gekennzeichnet,
daß jeder Piezo-Aktor (PZ) gegen eine auf der Welle (W) dreh
bar gelagerte zweite Masse (M2) abgestützt angeordnet ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 6 zur Schwin
gungsbedämpfung einer Unwucht, welche durch einen rotatori
schen Antrieb (A) mit einer ersten Masse (M1) hervorgerufen
wird, dadurch gekennzeichnet, daß
der Antrieb über einen oder mehrere Piezo-Aktoren (PZ) mit
einer Grundfläche mit einer zweiten Masse (M2) mechanisch
verbunden ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3 zur Bedämpfung
einer Torsionsschwingung, welche durch eine an einer drehen
den Welle (W) befestigten ersten Masse (M1) hervorgerufen
wird, dadurch gekennzeichnet, daß
jeder Piezo-Aktor (PZ) gegen eine auf der Welle (W) drehbar
gelagerte zweite Masse (M2) abgestützt angeordnet wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3 zur Schwin
gungsbedämpfung einer Unwucht, welche durch einen rotatori
schen Antrieb (A) mit einer ersten Masse (M1) hervorgerufen
wird, dadurch gekennzeichnet, daß
der Antrieb über einen oder mehrere Piezo-Aktoren (PZ) mit
einer Grundfläche mit einer zweiten Masse (M2) mechanisch
verbunden wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998153667 DE19853667A1 (de) | 1998-11-20 | 1998-11-20 | Verfahren und Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren |
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| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998153667 DE19853667A1 (de) | 1998-11-20 | 1998-11-20 | Verfahren und Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19853667A1 true DE19853667A1 (de) | 2000-05-25 |
Family
ID=7888504
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1998153667 Withdrawn DE19853667A1 (de) | 1998-11-20 | 1998-11-20 | Verfahren und Vorrichtung zur Schwingungsbedämpfung mit Piezo-Aktoren |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19853667A1 (de) |
Cited By (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE10355624A1 (de) * | 2003-11-28 | 2005-07-07 | Volkswagen Ag | Vorrichtung zur Dämpfung von Schwingungen an einer Fahrzeug- oder Maschinenkomponente |
| WO2009118059A1 (de) * | 2008-03-26 | 2009-10-01 | Robert Bosch Gmbh | Vorrichtung und verfahren zur anregung und/oder dämpfung und/oder erfassung struktureller schwingungen einer plattenförmigen einrichtung mittels einer piezoelektrischen streifeneinrichtung |
| US8461735B2 (en) | 2009-02-23 | 2013-06-11 | Hanning Elektro-Werke Gmbh & Co. Kg | Magnetically levitated and controlled body of revolution |
| EP2161473A3 (de) * | 2008-09-09 | 2014-01-01 | Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. | Schwingungsgedämpftes Bauteil |
-
1998
- 1998-11-20 DE DE1998153667 patent/DE19853667A1/de not_active Withdrawn
Cited By (6)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE10355624A1 (de) * | 2003-11-28 | 2005-07-07 | Volkswagen Ag | Vorrichtung zur Dämpfung von Schwingungen an einer Fahrzeug- oder Maschinenkomponente |
| WO2009118059A1 (de) * | 2008-03-26 | 2009-10-01 | Robert Bosch Gmbh | Vorrichtung und verfahren zur anregung und/oder dämpfung und/oder erfassung struktureller schwingungen einer plattenförmigen einrichtung mittels einer piezoelektrischen streifeneinrichtung |
| US8406438B2 (en) | 2008-03-26 | 2013-03-26 | Robert Bosch Gmbh | Device and method for the excitation and/or damping and/or detection or structural oscillations of a plate-shaped device using a piezoelectric strip device |
| EP2161473A3 (de) * | 2008-09-09 | 2014-01-01 | Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. | Schwingungsgedämpftes Bauteil |
| US8461735B2 (en) | 2009-02-23 | 2013-06-11 | Hanning Elektro-Werke Gmbh & Co. Kg | Magnetically levitated and controlled body of revolution |
| DE102009009961B4 (de) * | 2009-02-23 | 2013-10-31 | Hanning Elektro-Werke Gmbh & Co. Kg | Rotationskörper |
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