DE19847178A1 - Verfahren und Vorrichtung zum Glätten von Oberflächen von Werkstücken aus Holz und Holzwerkstoffen - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Glätten von Oberflächen von Werkstücken aus Holz und HolzwerkstoffenInfo
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Abstract
Die Erfindung beinhaltet eine Vorrichtung zum Glätten von Oberflächen an Werkstücken aus Holz und Holzwerkstoffen nach einer Formgebung durch spanende Verfahren. Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung für das Ultraschallglätten wird erreicht, daß im Kontaktbereich von Sonotrode und Werkstück Grenzflächenreibung auftritt, die die zum Glätten erforderliche Wärme erzeugt. Dabei erfolgt die Schwingung im wesentlichen parallel zu der zu glättenden Oberfläche. Der erforderliche Energieeintrag wird durch den über die Zustellung der schwingenden Sonotrode bewirkten Druckes auf die zu glättende Fläche und eine Relativbewegung zwischen Werkstück und Sonotrode (Vorschubbewegung) erreicht. Nachstehende Zeichnung Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Anordnung zum Ultraschallglätten einer rechtwinkligen Schmalfläche.
Description
Die Erfindung beinhaltet eine Vorrichtung zum Glätten von Oberflächen an Werkstücken aus
Holz und Holzwerkstoffen nach einer Formgebung durch spanende Verfahren.
Die Formgebung in der Holzbearbeitung erfolgt vornehmlich durch spanende Verfahren (z. B.
Fräsen). Dabei werden von den Werkzeugschneiden die Holzfasern nicht immer vollständig ab
getrennt, sondern teilweise nur angeschnitten. Diese Holzfasern richten sich bei Kontakt mit
wäßrigen Substanzen wieder auf; außerdem ist die Saugfähigkeit gefräster Flächen, insbesondere
bei Holzwerkstoffen, z. B. Mitteldichte Faserplatte, sehr groß, so daß wegen der Penetration für
eine deckende Beschichtung große Lackmengen aufgebracht werden müssen. Das führt zu einer
großen Anzahl notwendiger Verarbeitungsschritte und langer Fertigungszeiten wegen der mehr
fach notwendigen Applikations-, Trocknungs- und Schleifprozesse.
Durch das Schleifen der gefrästen Flächen kann der Lackaufwand gemindert werden. In diesem
Fall trennen eine Vielzahl geometrisch unbestimmter Schneiden die Mehrzahl der Fasern ab.
Aber durch den Schleifvorgang werden zum Teil auch Holzfasern nur angedrückt, die sich nach
dem Kontakt mit flüssigen Beschichtungen wieder aufrichten.
In DD 292 412 A5 wird ein Rotationsreibglättverfahren vorgestellt, das die angeschnittenen Fa
sern nicht abtrennt, sondern an die gefräste Oberfläche drückt. Durch das Zusammenwirken von
Reibungswärme infolge der Rotation des schneidenlosen Glättwerkzeuges und Anpreßdruck
wird die Profiloberfläche thermo-mechanisch vergütet indem die Fasern an der Oberfläche ver
klebt werden. Der Effekt der Verklebung beruht darauf, daß durch die am Glättwerkzeug auftre
tende Temperatur holzeigene Klebstoffe aktiviert werden. Mit dem Rotationsreibglätten können
unter idealen Bedingungen geschlossene Oberflächen mit hohem Glanzgrad hergestellt werden.
Der thermo-mechanische Glätteffekt beruht auf der allgemeinen Eigenschaft des Holzes, sich
unter gleichzeitiger Einwirkung von Temperatur und Druck bleibend zu verformen. Durch die
Einwirkung von Wärme und Druck werden oberflächennahe Zell- und Faserstrukturen verpreßt
und die Dichte der Oberflächenzone erhöht. Infolge der Wärmeeinwirkung werden holzeigene
Klebstoffe aktiviert, die ein Verkleben der durch die spanende Bearbeitung angerissenen Fasern
bewirken. Durch das Glätten können Oberflächen mit sehr geringer Rauheit hergestellt und die
mechanischen Eigenschaften im Vergleich zu nur gefrästen oder geschliffenen Flächen deutlich
verbessert werden.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Werkzeugtemperatur beim Rotationsreibglätten nur durch die
Änderung der Spindeldrehzahl geregelt werden kann. Dabei wird die Temperatur des Glättwerk
zeuges durch einen berührungslos arbeitenden Temperaturfühler gemessen. In Abhängigkeit vom
Absolutwert und dem Anstieg der Temperatur wird über einen Regelungsansatz, der auf speziel
len Fuzzy-Regeln basiert, die Drehzahl des Werkzeuges beeinflußt (DE 195 18 365 A1). Diese
Regelung ist kompliziert und reagiert unzuverlässig auf Änderungen der Glättbedingungen. Au
ßerdem wird der Anfangsbereich des Profilverlaufes, d. h. die Einlaufzone des Glättwerkzeuges,
nicht ausreichend geglättet, weil zu Beginn des Glättvorganges das Glättwerkzeug allein durch
Reibwärme auf die Solltemperatur hochgeheizt werden muß.
Eine weitere Möglichkeit der thermo-mechanischen Vergütung von Profilflächen besteht darin,
ein ebenso schneidenloses Glättwerkzeug in einem separaten Werkzeughalter mittels einer übli
chen Heizpatrone elektrisch zu erwärmen, so daß auf die Rotation und die Regelung der Dreh
zahl des Glättwerkzeuges verzichtet wird (Sandig, C.; Fuchs, L: "Neue Methoden zum Glätten
von Profilen", Vortragsband Möbeltage in Dresden 06.-08. 05. 1998, S. 59-65). Die Messung und
Regelung der Glättwerkzeugtemperatur ist aber auch bei diesem Verfahren erforderlich, indem
die Heizleistung in Abhängigkeit von der Temperatur des Glättwerkzeuges gezielt verändert
wird.
Nachteil der beschriebenen Glättverfahren ist, daß zur Regelung die Temperatur an einer Fläche
des Werkzeuges erfaßt wird, die zum gleichen Zeitpunkt nicht im Kontakt mit dem zu glättenden
Werkstück steht. Die Regelung reagiert damit auf einen Meßwert der nur mittelbar im Zusam
menhang mit der im Eingriff befindlichen Oberflächentemperatur des Werkzeuges steht. Infolge
der Trägheit der elektrischen Beheizung ist es außerdem erforderlich, die Temperatur des Glätt
werkzeuges auch während Arbeitsunterbrechungen auf einem hohen Niveau zu halten. Dies stellt
u. U. ein Gefährdungspotential für angrenzende Baugruppen dar.
Die Trägheit der durch Reibung oder elektrischer Energie beheizten Werkzeuge führt dazu, daß
die Rauheit von Teilbereichen der zu glättenden Profilabschnitte zu groß ist oder das Werkzeug
ständig beheizt werden muß. Die notwendige Überwachung und Beeinflussung der Temperatur
der Glättwerkzeuge erfordert aufwendige technische Applikationen, die industriell bisher nicht
umgesetzt wurden.
Wesen der in DE 196 53 317 dargestellten Erfindung ist es, den Glätteffekt mittels Ultraschall zu
erreichen. Durch die Schwingung des ultraschallerregten Glättwerkzeuges entsteht im Kontakt
bereich von Werkstück und Glättwerkzeug Wärme. Auf eine Aufheizung des Glättwerkzeuges
vor Beginn der Bearbeitung und die Regelung der Werkzeugtemperatur während der Bearbeitung
kann verzichtet werden. Mit dem beschriebenen Verfahren wird eine Plastifizierung der Holzo
berfläche und Aktivierung holzeigener Klebstoffe durch Ultraschall erreicht.
Der Nachteil der bekannten Lösungen besteht in einem nur schwachen Glätteffekt, weshalb die
so geglätteten Flächen den Anforderungen an nachfolgende Oberflächenveredlungen durch Folien
und/oder Lacke oft nicht genügten. Ziel der Erfindung ist es, den Glätteffekt wesentlich zu
verbessern.
Erfindungsgemäß wird dieses Ziel durch die in den Patentansprüchen aufgeführten Merkmale
erreicht. Wesentlich für die Lösung des Problems ist die Abhängigkeit der durch Ultraschall er
zeugten Reibungswärme von der Schwingungsrichtung. Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung
wird erreicht, daß im Kontaktbereich von Sonotrode und Werkstück Grenzflächenreibung auf
tritt, die die zum Glätten erforderliche Wärme erzeugt. Dabei muß die Schwingung im wesentli
chen parallel zu der zu glättenden Oberfläche erfolgen, das heißt in einem Winkel von 45° . . . 90°
zur Flächennormalen des zu glättenden Profils gerichtet sein. Der zum Ultraschallglätten erfor
derliche Energieeintrag wird durch den mittels einer Zustellung bewirkten Druckes der schwin
genden Sonotrode auf die zu glättende Fläche und eine Relativbewegung zwischen Werkstück
und Sonotrode (Vorschubbewegung) erreicht.
Die Erfindung wird nachstehend an Hand zweier Ausführungsbeispiele näher erläutert. Die zu
gehörigen Zeichnungen zeigen
Fig. 1: Vorrichtung zum Glätten einer ebenen Außenkontur (rechtwinklige Schmalfläche),
Fig. 2: Vorrichtung zum Glätten profilierter stabförmiger Elemente.
Mit dem in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel lassen sich Außenkonturen an plattenförmi
gen Werkstücken mittels Ultraschall glätten. Dabei kann sowohl das Werkstück als auch die
durch den Ultraschallwandler in Schwingung versetzte Sonotrode in Vorschubrichtung bewegt
werden. Um einen exakten Bahnverlauf der Sonotrode gegenüber der Kontur des Werkstückes zu
gewährleisten, ist es zweckmäßig, das Werkstück unmittelbar nach dem Fräsvorgang auf einer
CNC-Bearbeitungsmaschine mittels Ultraschall zu glätten, das heißt ohne dessen Lage zwi
schenzeitlich zu verändern. Durch die Zustellung der Sonotrode gegenüber der gefrästen Kontur
werden die zum Glätten erforderlichen Kräfte erzeugt, so daß in der Druckzone (Kontaktbereich
von Werkzeug und Werkstück) die Grenzflächenreibung auftritt. An einem Holzwerkstoff
(Mitteldichte Faserplatte) wurden im dargestellten Ausführungsbeispiel die Rauheit RZ von 100 µm
an der gefrästen rechtwinkligen Schmalfläche auf 20 µm nach dem Ultraschallglätten verrin
gert. Bei Vorschubgeschwindigkeiten ≦ 3 m/min sind Rauheiten RZ < 10 µm möglich. Dabei
wurde ein Leistungseintrag von 0,1 . . . 0,4 J/mm2 realisiert. Dieser Leistungseintrag hängt von der
Kraft ab, mit der die Sonotrode gegen das Werkstück gepreßt wird.
Beim Ultraschallglätten an Holz ist neben der Minderung der Rauheit auch der Effekt der Ver
dichtung der Oberfläche vorteilhaft. An Laubholzarten geringer Dichte (z. B. Pappel, Erle, Linde)
wurde die Erhöhung der Oberflächenhärte durch das Ultraschallglätten auf das 2- bis 3fache ge
genüber der gefrästen Fläche nachgewiesen.
Für das Ultraschallglätten profilierter, stabförmiger Werkstücke gemäß Fig. 2 wird das Werk
stück von der Sonotrode allseitig umschlossen. Dadurch entsteht eine ringförmige Kontaktzone
um das Werkstück in der die Grenzflächenreibung stattfindet, wobei die Schwingungsrichtung
parallel zur Stabachse der Werkstücke verläuft (Fig. 2). Im Gegensatz zum Glätten plattenförmi
ger Werkstücke (Fig. 1) ist die Vorschub- und Schwingungsrichtung in diesem Ausführungsbei
spiel gleichgerichtet. Diese Anwendung eignet sich insbesondere zum Glätten dünner stabförmi
ger Bauteile, da die auf die Glättfläche wirkenden radialen Kraftkomponenten gegeneinander
gerichtet sind und sich damit aufheben. Die in Vorschubrichtung wirkenden Axialkräfte sind
gegenüber konventionellen Glättverfahren gering, da die Reibwerte zwischen Sonotrode und
Holz/Holzwerkstoff kleiner 0,1 sind. Zum Erreichen einer höheren Produktivität beim Glätten
stabförmiger Werkstücke können mehrere Durchführungen nebeneinander an einer Sonotrode
angeordnet werden.
Das Maß der Durchführung muß in seinem Querschnitt so bemessen sein, daß ein Untermaß des
Querschnittes gegenüber dem ungeglätteten Werkstück eingehalten/realisiert wird, so daß eine
Verdichtung an der Profiloberfläche erfolgen kann. Die Form der Durchführung kann von einer
Kreisform abweichen, wenn entsprechend profilierte und mit einem ausreichenden Aufmaß ver
sehene gefräste Rohlinge verwendet werden.
Claims (9)
1. Vorrichtung zum Glätten von Oberflächen an Werkstücken aus Holz und Holzwerkstoffen mit
einem schneidenlosen ultraschallerregten Glättwerkzeug, das direkt oder indirekt durch Be
wegung des Werkstückes entlang der gefrästen Kontur geführt und formschlüssig mit linien
hafter oder flächiger Berührung unter konstantem Druck gegen die zu glättende Oberfläche
gepreßt wird, dadurch gekennzeichnet, daß
die Schwingungsrichtung des Glättwerkzeuges an der Kontaktstelle mit der Flächennormalen
jedes Profilabschnittes einen Winkel von 45° . . . 90° bildet.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Glättwerkzeug parallel zu der
zu glättenden Fläche schwingt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Einstellung des Glät
tungsgrades die Schwingungsamplitude und/oder die Vorschubgeschwindigkeit und/oder die
Zustellung des Glättwerkzeuges gegenüber der zu glättenden Fläche einstellbar sind.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kontur des Glättwerkzeuges
gegenüber dem Profil der zu glättenden Fläche ein Aufmaß aufweist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Bahn des Glättwerkzeuges
gegenüber der Bahn des Fräswerkzeugs durch eine definierte Zustellung korrigierbar ist, wobei
diese Zustellung in Abhängig von der Steifigkeit der Vorrichtung 0,1 mm bis 1 mm, vorzugswei
se 0,1 mm bis 0,6 mm beträgt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Glättwerkzeuge so ange
ordnet sind, daß einzelne Profilzonen durch mehrere voneinander unabhängige Glätt
einrichtungen bearbeitet werden, deren Glättwerkzeuge im jeweiligen Profilabschnitt das
Werkstück unter konstantem Druck linienartig oder flächig berühren.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Winkel der Schwingungsrich
tung des Glättwerkzeugs zur Bearbeitungsfläche einstellbar ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 4 zum Glätten stabförmiger Werkstücke, dadurch gekenn
zeichnet, daß das Glättwerkzeug den Profilquerschnitt allseitig formschlüssig umgibt und die
Schwingung in Vorschubrichtung der Werkstücke gerichtet ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß eine Formkorrektur des Glätt
werkzeuges gegenüber dem ungeglätteten Profilquerschnitt derart erfolgt, daß sich ein annä
hernd gleichmäßiger Druck in allen Profilzonen einstellt.
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|---|---|
| DE19847178C2 (de) | 2003-05-22 |
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