DE19846392A1 - Verfahren zum Abtrocknen einer Betriebsbremse eines Fahrzeugs - Google Patents
Verfahren zum Abtrocknen einer Betriebsbremse eines FahrzeugsInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abtrocknen einer eine Bremsscheibe und Bremsbeläge umfassenden Betriebsbremse eines Fahrzeugs. DOLLAR A Die Aufgabe, das Ansprechverhalten der Betriebsbremse bei Regenfahrt, Schneematsch oder nassen Fahrbahnen zu verbessern und somit verkürzte Bremswege sicherzustellen, wird dadurch gelöst, daß zunächst eine Information über einen Nässegrad erzeugt und aufgrund dieser Information eine automatische Abtrocknungsfunktion aktiviert wird, welche die Bremsbeläge an die Bremsscheiben derart anlegt, daß im wesentlichen keine merkliche Fahrzeugverzögerung eintritt.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abtrocknen einer Betriebsbremse
eines Fahrzeugs.
Bei längeren Fahrten auf regennassen oder winterlichen Fahrbahnen ohne
regelmäßige Betätigung der Betriebsbremse schlägt sich ein Wasserfilm,
eventuell Salzwasser oder mit Straßenschmutz vermischtes Wasser auf den
Bremsscheiben nieder. Wird die Bremse in dieser Situation betätigt, ver
streicht zunächst wertvolle Zeit bis der Wasserfilm auf der Bremsscheibe
abgebaut ist und sich optimale Reibverhältnisse einstellen. Dies bedeutet
einen Bremswegverlust. Von besonderer Problematik ist dieser Effekt bei
großen Bremsscheiben und bei einer gezielten Führung von Kühlluft auf die
Bremsscheiben.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein einfaches und kostengünstiges Verfahren
zum Abtrocknen einer Betriebsbremse anzugeben.
Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 genannten Merkmale gelöst.
Demgemäß wird eine automatische Abtrocknungsfunktion in Abhängigkeit
einer Information über einen Nässegrad der das Fahrzeug umgebenden
Nässe aktiviert. Durch die Abtrocknungsfunktion werden die Bremsbeläge an
die Bremsscheiben angelegt, ohne daß eine merkliche Fahrzeugverzöge
rung eintritt. Durch das geringfügige Anlegen der Bremsbeläge an die
Bremsscheiben tritt ein Abtrocknungseffekt ein.
Die Abtrockungsfunktion kann insbesondere bei Fahrzeugen mit Bremsre
gelsystemen auf einfachste Art und Weise realisiert werden, da diese Fahr
zeuge bereits fremdkraftbetätigte Fahrzeugbremsen besitzen. Es ist somit
lediglich notwendig, eine Information über den Grad der das Fahrzeug um
gebenden Nässe zu erzeugen. Eine solche Information kann man beispiels
weise über die Auswertung des Scheibenwischerbetriebs, durch einen Re
gensensor, durch eine Feuchtigkeitssensor in der Heiz- und Klimaanlage
oder durch andere Sensor- oder Auswertemittel erhalten. Bei der Auswer
tung eines Scheibenwischerbetriebs kann beispielsweise die Aktivierungs
stufe berücksichtigt werden. Ab einem bestimmten Nässegrad wird die Ab
trockungsfunktion dann aktiviert. Durch die Abtrocknungsfunktion wird der
Bremsbelag leicht an die Bremsscheiben angelegt. Vorzugsweise erfolgt
dieses Anlegen zyklisch, wobei die Anleghäufigkeit von dem Grad der
Nässeinformation abhängig gemacht werden kann.
Die Aktivierung der Abtrockungsfunktion bzw. die Häufigkeit der Bremsbetä
tigung kann auch von der Fahrzeuggeschwindigkeit abhängig gemacht wer
den. Beispielsweise kann man eine Steuerung vorsehen, die die Ab
trocknungsfunktion erst ab Geschwindigkeiten über 80 oder 100 km/h akti
vieren.
Natürlich braucht die Abtrocknungsfunktion dann nicht aktiviert zu werden,
wenn gerade manuell gebremst wurde. Insofern kann auch die Auswertung
der letzten Bremsbetätigung, insbesondere der letzten manuellen Bremsbe
tätigung, auf die Aktivierung der Abtrocknungsfunktion Einfluß haben. Dazu
ist es möglich, die Stärke der manuellen Bremsung durch Bremsdrucksenso
ren und zusätzlich die Bremszeit zu ermitteln. Ferner kann die Beaufschla
gung des Bremslichtschalters ausgewertet werden. Beispielsweise kann die
Beaufschlagung des Bremslichtschalters einen Zähler in Gang setzen. Die
Aktivierung der Abtrocknungsfunktion wird dann - natürlich nur bei Vorliegen
der zusätzlich erforderlichen Voraussetzungen - ab einem bestimmten
Zählerwert aktiviert.
Einen Einfluß auf die Aktivierung der Abtrockungsfunktion kann gemäß einer
vorteilhaften Ausführungsform die Außentemperatur haben. Beispielsweise
könnte eine Außentemperatur von unter 0°C als Fahrt auf salznasser Fahr
bahn gewertet werden. Bei einer solchen Information könnte dann eine er
höhte Anzahl von Abtrocknungsvorgängen durchgeführt werden, um schmie
riges Salzwasser von den Bremsscheiben abzubauen.
Vorzugsweise wird die Abtrocknungsfunktion bei einer Information über eine
geringe Bremsrestbelagsdicke nicht aktiviert.
Die vorliegende Erfindung hat den Vorteil eines verbesserten Ansprechver
haltens der Betriebsbremse bei Regenfahrten, Schneematsch oder nassen
Fahrbahnen. Somit lassen sich die Bremswege verkürzen. In Verbindung mit
einem Vollverzögerungssystem kann ein minimaler Bremswert bei allen
Fahrbedingungen erreicht werden. Überdies vermeidet man ein vorzeitiges
Ansprechen des ABS-Systems, da die Gefahr von Reibwertdifferenzen an
den Bremsscheiben einer Achse vermieden wird. Schließlich kann auch
noch eine Verminderung von Korrosionsschäden an Bremsanlagen erreicht
werden. Der Aufwand für die Realisierung des erfindungsgemäßen Verfah
rens ist eher gering, da zumeist bereits vorhandene Hardwaresysteme aus
genützt werden.
Wichtig ist, daß das Anlegen der Bremsbeläge an die Bremsscheibe im we
sentlichen keine Verzögerung der Fahrzeug-Längsdynamik bewirkt und der
Belagsverschleiß auf geringstem Niveau gehalten wird. Es bedarf lediglich
eines leichten "Anschleifens" zum Entfernen des auf den Bremsbelägen und
-scheiben befindlichen Wasserfilms.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels und mit
Bezug auf die einzige Zeichnung näher erläutert. Die Zeichnung zeigt ein
einfaches schematisches Blockschaltbild einer einfachen Variante einer Vor
richtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Ein Steuergerät 10 empfängt Eingangssignale von einem Scheibenwischer
und einem Regensensor sowie die Geschwindigkeitsinformation v und die
Außentemperaturinformation T. Aufgrund der Daten entscheidet das Steuer
gerät 10, ob die Abtrocknungsfunktion aktiviert werden soll und mit welchem
Zyklus. Vorliegend wird eine Aktivierung der Abtrocknungsfunktion ab einer
Geschwindigkeit von über 80 km/h und bei Vorliegen eines Scheibenwi
scherbetriebs sowie eines Regensensorsignals, welches Auskunft über ei
nen zumindest geringen Niederschlag gibt, mit einem bestimmten Zyklus
eingeleitet. Fällt die Temperatur unter 0°C wird eine erhöhte Häufigkeit für
die nochfolgend noch zu erläuternde Betätigung der Bremsen gewählt.
Natürlich können auch andere Fahrzeuginformationen in das Steuergerät
einfließen, welches dann die Aktivierung der Abtrocknungsfunktion sowie die
Häufigkeit der Betätigung der Bremsen bestimmen.
Das Steuergerät 10 gibt in Abhängigkeit der ihm vorliegenden Informationen
einen Steuerbefehl an ein Bremsregelsystem 20, welches im Fahrzeug vor
handene Betriebsbremsen 30 durch Fremdkraft beaufschlagen kann. Die
Betriebsbremsen 30 umfassen eine Bremsscheibe 40 und in Bremssättel
angeordnete Bremsbeläge.
Entsprechend der vom Steuergerät 10 erhaltenen Anweisung beaufschlagt
das Bremsregelsystem 20 die Betriebsbremsen 30 des Fahrzeugs in der
vorgegebenen, zyklischen Weise derart, daß die Bremsbeläge in bestimmten
zeitlichen Abständen leicht an die Bremsscheiben 40 angelegt werden. Da
bei kann der Druckaufbau im Bremsregelsystem überwacht werden. Insbe
sondere wird ein Bremsdruck verwendet, bei dem noch keine, zumindest
keine wesentliche Fahrzeuglängsverzögerung erfolgt.
Durch das zyklische Anlegen der Bremsbeläge an die Bremsscheiben 40 tritt
ein Abtrocknungseffekt ein, so daß auch bei Regenfahrten, Schneematsch
oder nassen Fahrbahnen keine längeren Bremswege benötigt werden.
Insbesondere sind Geräte oder Systeme wie das Steuergerät 10 und das
Bremsregelsystem 20 in den meisten modernen Fahrzeugen bereits vorhan
den, so daß die Abtrocknungsfunktion äußerst einfach und kostengünstig zu
realisieren ist. Die zur Aktivierung der Abtrocknungsfunktion wesentlichen
Informationen können auf einem Datenbus liegen, der mit dem Steuergerät
10 in Verbindung steht. Das Steuergerät 10 entnimmt sich dann einfach die
erforderlichen Daten.
Claims (8)
1. Verfahren zum Abtrocknen einer eine Bremsscheibe und Bremsbelä
ge umfassenden Betriebsbremse eines Fahrzeugs, bei der eine In
formation über einen Nässegrad erzeugt und abhängig von dieser In
formation eine automatische Abtrocknungsfunktion aktiviert wird, wel
che die Bremsbeläge an die Bremsscheiben derart anlegt, daß im we
sentlichen keine merkliche Fahrzeugverzögerung eintritt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bremsbeläge bei der Aktivierung der Abtrocknungsfunktion
zyklisch an die Bremsscheiben angelegt werden, wobei die Häufigkeit
der Bremsbetätigung vom Nässegrad abhängig gemacht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Abtrocknungsfunktion in Abhängigkeit von der Fahrzeugge
schwindigkeit eingestellt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Aktivierung der Abtrocknungsfunktion in Abhängigkeit von der
letzten Bremsbetätigung, insbesondere der letzten manuellen Brems
betätigung erfolgt.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Information über die letzte Bremsung die Auswertung der Be
aufschlagung des Bremslichtschalters verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Häufigkeit der Bremsbetätigungen von der Außentemperatur
abhängig gemacht wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
bei einer geringen Bremsbelagsdicke die Abtrocknungsfunktion nicht
aktiviert wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Erzeugung der Information über den Nässegrad ein Regen
sensor und/oder ein Sensor zur Erfassung der Nässe auf einer Fahr
bahn verwendet und/oder ein Scheibenwischerbetrieb und/oder ein
Feuchtigkeitssensor einer Heiz- oder Klimaanlage berücksichtigt wird.
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Publications (1)
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