DE19826133A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung einer Fahrzeugbremsanlage - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung einer FahrzeugbremsanlageInfo
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Abstract
Es wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Steuerung einer Fahrzeugbremsanlage mit elektrisch betätigbaren Stelleinrichtungen an den Radbremsen vorgeschlagen. Dabei wird die Stelleinrichtung nach Maßgabe eines Bremswunsches des Fahrers gesteuert, in wenigstens einem Betriebszustand auf der Basis des mittels eines Schätzverfahren angepaßten Zusammenhangs zwischen einer den Bremsbelagwert repräsentierenden Größe und dem Bremsmoment oder der Bremskraft an dem Rad und/oder des mittels eines Schätzverfahrens ermittelten Nullwerts dieser Größe bei Abheben der Bremsbeläge von der Scheibe bzw. Trommel erfolgt.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur Steuerung einer Fahrzeugbremsanlage.
Eine Anforderung an das Regelsystem einer Fahrzeugbremsanla
ge ist die korrekte Einstellung des Lüftspiels zwischen
Bremsbelag und Bremsscheibe. Bei der klassischen hydrauli
schen Bremse sorgen Dichtringe für das Zurückziehen des Kol
bens im drucklosen Zustand und somit für das Abheben der
Bremsbeläge. In Verbindung mit der elektromechanischen Brem
se, beider die Zuspannung z. B. durch einen Elektromotor be
wirkt wird, muß das Lüftspiel durch Bestromung des Aktuators
in negative Richtung aktiv eingestellt werden.
Elektromoto
risch betriebene Radbremsen für Kraftfahrzeuge sind bekannt,
beispielsweise aus der WO-A 94/24453 oder der DE-A 195 26 645.
Die Größe des Lüftspiels ist mittels eines Bremsmomen
ten- oder Kraftsensors nicht zu ermitteln. Das Lüftspiel
wird deshalb über ein Wegsignal (Verfahrweg der Bremsbelä
ge), z. B. über einen Motordrehwinkel, der über eine feste
Kennlinie mit dem Verfahrweg der Bremsbeläge zusammenhängt,
eingestellt. Dabei ist die genaue Kenntnis des Nullweges
bzw. des Nullwinkels, bei welchem die Bremsbeläge die Brems
scheibe gerade berühren, wichtig. Soll nur ein Regler für
das Bremsmoment bzw. die Bremskraft verwendet werden, ist
ferner der Zusammenhang zwischen der Weggröße und der gere
gelten Größe entscheidend.
Es ist Aufgabe der Erfindung, Maßnahmen anzugeben, mit deren
Hilfe diese Nullgröße und/oder dieser Zusammenhang ermittelt
werden kann.
Dies wird durch die kennzeichnenden Merkmale der unabhängi
gen Patentansprüche erreicht.
Die nachfolgend beschriebene Lösung zeigt eine zuverlässige,
genaue Vorgehensweise zur Bestimmung des Nullweges bzw. des
Nullwinkels, an dem die Bremsbeläge die Bremsscheibe bzw.
-trommel gerade noch berühren bzw. sich gerade gelöst haben.
Durch die Schätzung ist diese Nullgröße jederzeit bekannt, so
daß eine zuverlässige Lüftspieleinstellung auch nach Bremsungen
im Stillstand und/oder zusätzliche Testbremsungen zur Identifi
kation der Nullgröße möglich ist. Ein Herantasten an den
Nullpunkt entfällt, so daß keine Zeit bei der Einstellung des
Lüftspiels verloren wird. Die beschriebene Vorgehensweise
schätzt zu jedem Zeitpunkt den Nullpunkt über das Bremsmoment-
bzw. das Zuspannkraftsignal und das Weg- bzw. Winkelsignal,
wodurch auch nach einer Stopbremsung das Lüftspiel korrekt und
schnell eingestellt werden kann.
Aufgrund des ausgeprägten Offsetdrifts des Momenten- bzw.
Kraftsensors sowie durch Verschleißerscheinungen und Tempera
tureinflüsse kann nicht davon ausgegangen werden, daß sich
während einer Bremsung der Berührwinkel der Bremsbeläge mit der
Scheibe nicht ändert. Ferner kann eine fehler- und/oder drift
behaftete Winkelmessung das Ergebnis verfälschen. Durch die
ständige Abschätzung des Nullpunkt werden diese Einflüsse
berücksichtigt. Es findet ein ständiger Abgleich des Momenten-
bzw. Kraftsensors statt, Fehler in der Weg- bzw. Winkelerfas
sung werden kompensiert und Kennlinien, die die Charakteristik
der Bremse repräsentieren angepaßt.
Auf diese Weise wird eine schnelle und genaue Lüftspielein
stellung auch unter Verwendung einer Bremsmomentenregelung
in allen Betriebszuständen, d. h. auch im Stillstand, ermög
licht.
Wird eine Steuerung der Radbremsen im Rahmen einer Bremsmo
menten- oder Bremskraftregelung mit einem einzigen Regler
durchgeführt, wird durch die beschriebene Vorgehensweise si
chergestellt, daß der dabei verwendete Zusammenhang zwischen
dem gemessenen Wegsignal und dem Momenten- bzw. Kraftsignal
ständig angepaßt wird. Die Steuerung wird dadurch vor allem
mit Blick auf den Komfort beim Bremsen (kein Sprung beim Um
schalten vom gemessenen Wert auf einen berechneten) und bei
der Lüftspieleinstellung verbessert.
Die Erfindung wird nachstehend anhand der in der Zeichnung
dargestellten Ausführungsformen näher erläutert. Dabei zeigt
Fig. 1 ein Übersichtsblockschaltbild einer Bremsanlage mit
einer elektromotorischen Zuspannung der Bremsen am Beispiel
eines Radpaars. Die Fig. 2 stellt ein Ablaufdiagramm eines
Bremsmomentenreglers für eine Radbremse dar. In Fig. 3 ist
beispielhaft die Variation der Momenten-/Winkelkennlinie ab
gebildet.
Fig. 1 zeigt ein Übersichtsblockschaltbild einer Bremsanla
ge mit einer elektromotorischen Zuspannung der Bremsen am
Beispiel eines Radpaares. Dieses Radpaar könnte einer Achse
oder einer Diagonalen des Fahrzeugs zugeordnet sein. Dabei
ist mit 10 das Bremspedal des Fahrzeugs dargestellt. Der
Bremswunsch des Fahrers wird über das Sensorsystem 12 durch
Winkel-, Weg- und/oder Kraftmessung erfaßt und über die Lei
tungen 14 einem elektronischen Steuerungssystem 16 zuge
führt. Dieses Steuerungssystem ist in einer vorteilhaften
Auslegung aus dezentral aufgeteilte Steuereinheiten aufge
baut. Das Sensorsystem 12 wie auch zumindest teilweise das
elektronische Steuerungssystem 16 sind redundant ausgeführt.
Das elektronische Steuerungssystem betätigt über die Aus
gangsleitungen 18 und 20 die Elektromotoren 23 und 24, bei
spielsweise mittels eines pulsweitenmodulierten Spannungs
signals unter Verwendung einer H-Brückenendstufe. In einem
vorteilhaften Ausführungsbeispiel werden Kommutator-
Gleichstrommotoren eingesetzt. Die Elektromotoren sind Teil
von Bremsenstellern 26 und 28. Die rotatorischen Bewegungen
dieser Motoren werden in den nachgeschalteten Getriebestufen
58 und 60 in translatorische Bewegungen umgeformt, die zu
Verschiebungen der Bremsbeläge 30 und 32 führen. Die Brems
beläge werden in den Bremssättel 34 und 36 geführt und wir
ken auf die Bremsscheiben 38 und 40 der Räder 1 und 2. Dane
ben ist in einem bevorzugten Ausführungsbeispiel eine elek
trisch betätigbare Federkraftbremse vorgesehen, mit deren
Hilfe der Bremsensteller in der aktuellen Position verrie
gelt werden kann, so daß der Elektromotor stromlos geschal
tet werden kann. Die Position des Bremsenstellers wird dann
ohne Energieaufwand gehalten.
An jedem Rad werden Kraft- oder Momentensensoren 42 und 44
eingesetzt, deren Signale über die Meßleitungen 46 und 48
dem elektronischen Steuerungssystem 16 zugeführt werden.
Mittels dieser Sensoren werden in einer Ausführungsvariante
die axiale Abstützkräfte der Steller bei einem Bremsvorgang
gemessen und bilden damit ein Maß für die auf die Brems
scheiben wirkenden Normalkräfte. Diese Variante wird im fol
genden Kraftmessung genannt. Unter Bremskraft wird daher die
Kraft verstanden, mit der die Bremsbacken gegen die Brems
scheibe bzw. -trommel drücken. In einer anderen Ausführungs
variante werden die radialen Abstützkräfte der Bremsbeläge
gemessen und bilden damit ein Maß für die in den Bremsschei
ben auftretenden Reibkräfte bzw. deren Reibmomente. Diese
Messung - wie auch die Verwendung eines direkten Momenten
sensors - wird im folgenden als Momentenmessung bezeichnet.
Zudem werden über die Sensoren 50 und 52 die Radgeschwindig
keiten erfaßt und über die Eingangsleitungen 54 und 56 dem
Steuerungssystem 16 übermittelt. Ferner sind Winkelsensoren
62 und 64 vorgesehen, deren Signale über die Leitungen 66
und 68 dem Steuerungssystem 16 zugeführt werden. Diese Win
kelsensoren sind in einem bevorzugten Ausführungsbeispiel
Hallsensoren, welche z. B. die Umdrehung des Elektromotors
des Bremsenstellers erfassen und pro Umdrehung mehrere Im
pulse liefern, deren Anzahl ein Maß für den zurückgelegten
Winkel und damit für den zurückgelegten Weg ist. In anderen
Ausführungsbeispielen werden andere Sensoren (z. B. induktive
Sensoren, Potis, etc.) zur Weg- oder Winkelmessung einge
setzt.
Im elektronischen Steuerungssystem 16 werden aus dem erfaß
ten Bremswunsch entsprechend vorprogrammierten Kennfeldern
Sollwerte für die einzelnen Radbremsen oder Gruppen von Rad
bremsen ermittelt. Diese Sollwerte entsprechen beispielswei
se den an einem Rad oder einem Radpaar einzustellenden
Bremsmomenten oder Bremskräften, deren Größen unter anderem
von der Achslastverteilung des Fahrzeugs abhängen. Aus den
ermittelten, gegebenenfalls radindividuellen Sollwerten wird
durch Vergleich mit den in den Sensoren 42 und 44 gemessenen
Istwerten der Bremskräfte bzw. Bremsmomente Regeldifferenzen
ermittelt, die Regelalgoritmen, zum Beispiel in Form zeit
diskreten PID-Reglern, zugeführt werden. Die Stellgröße die
ses Reglers wird zur Ansteuerung der Elektromotoren verwen
det, wobei entsprechende Ansteuersignale über die Leitungen
18 und 20 ausgegeben werden. Am Ende eines Bremsvorgangs ist
der Zeitpunkt für die Lüftspieleinstellung.
Fig. 2 zeigt ein Ablaufdiagramm eines Beispiels einer Reg
lerstruktur für eine Radbremse mit einem Momentenregler. Die
nachfolgend beschriebene Vorgehensweise wird im bevorzugten
Ausführungsbeispiel in Verbindung mit einer solchen Regler
struktur eingesetzt. In anderen Ausführungen werden auch an
dere Strukturen verwendet. Zum Beispiel kann die nachfolgend
beschriebene Vorgehensweise auch dann eingesetzt werden,
wenn die Lüftspieleinstellung im Rahmen einer Winkel- oder
Lageregelung erfolgt (Nullpunktsbestimmung wie nachfolgend
beschrieben), die Regelung des Bremsvorgangs als Momenten-
oder Bremskraftregelung.
Der Betätigungswinkel β des Bremspedals wird über die in
Fig. 1 dargestellten Sensoren 12 erfaßt. Über die Kennlinie
100, welche eine gewünschte Pedalweg-Bremsmoment-Charakte
ristik repräsentiert, wird aus dem Betätigungswinkel des
Bremspedals ein Bremsmomentvorgabewert MVOR ermittelt. In
einem bevorzugten Ausführungsbeispiel ist die Kennlinie 100,
d. h. die gewünschte Pedalweg-Bremsmoment-Charakteristik der
art vorgegeben, daß im Bereich des losgelassenen Bremspedals
eine negative Bremsmomentenvorgabe entsteht. Die Bedeutung
des negativen Bremsmomentenvorgabewerts bei einem Betäti
gungswinkel 0 des Bremspedals, d. h. bei einem losgelassenen
Bremspedal, ist die Vorgabe einer bestimmten Lüftspielein
stellung.
Während der Fahrt des Fahrzeuges wird die Zuspannkraft der
Bremsen im Rahmen einer Bremsmomentenregelung eingestellt.
Der von der Kennlinie 100 ermittelte Bremsmomentensollwert
MVOR wird als Bremsmomentensollwert MSOLL dem Regler 102 zu
geführt. Der Regler umfaßt dabei einen Regelalgorithmus, wo
bei sich in einem bevorzugten Ausführungsbeispiel ein Re
gelalgorithmus mit Proportional-, Integral- und Differen
tialanteil als geeignet erwiesen hat. Der Regler 102 berech
net in Abhängigkeit der Vorgabegröße MSOLL sowie des Ist-
Momentes MIST eine Stellgröße U nach Maßgabe des implemen
tierten Regelalgorithmus, welche an die Regelstrecke 104,
d. h. an den elektrisch betätigbaren Bremsensteller abgegeben
wird. Der Bremsensteller 104 verfügt über Meßeinrichtungen
zur Erfassung des Drehwinkels ϕ des Rotors des Elektromotors
sowie zur Erfassung des Bremsmoments MIST'. Das gemessene
Ist-Bremsmoment wird über das Schaltelement 106 als Ist-
Bremsmoment MIST an den Reger 102 zurückgeführt. Das Schal
telement 106 gibt den gemessenen Bremsmomentenwert als Ist-
Bremsmomentenwert an den Regler 102 weiter, wenn die Fahr
zeuggeschwindigkeit einen vorgegebenen Grenzwert überschrei
tet. Der Regler 102 nähert dabei das Ist-Bremsmoment an den
Bremsmomentensollwert und damit an den Fahrerwunsch an.
Die Fahrgeschwindigkeit V wird auf der Basis wenigstens ei
ner Radgeschwindigkeit nach bekannten Vorgehensweisen ermit
telt. Sie wird einer Schwellwertschaltelement 108 zugeführt,
welcher das Unterschreiten eines vorgegebenen Grenzwertes
von beispielsweise einigen Kilometern pro Stunde überprüft.
Befindet sich die Fahrgeschwindigkeit oberhalb dieses Grenz
wertes, d. h. bei größen Fahrgeschwindigkeiten, verbleibt das
Schaltelement 106 in der gezeichneten Position, während bei
Unterschreiten des Grenzwertes durch die Fahrgeschwindigkeit
das Schaltelement 106 durch ein entsprechendes Signal in die
nicht gezeichnete Stellung umgeschaltet wird. In dieser
Stellung verbindet das Schaltelement 106 das berechnete Ist-
Moment MIST" mit dem dem Regler zugeführten Ist-Moment
MIST.
Bei kleinen Geschwindigkeiten im Bereich des Stillstandes
ist das Bremsmomentensignal MIST' nicht mehr mit der Zu
spannkraft der Radbremsen korreliert. Daher wird dem Regler
102 ein Momentensignal zurückgekoppelt, welches wenigstens
aus dem Drehwinkel des Elektromotors ermittelt wurde. Zu
diesem Zweck ist eine Kennlinie 110 vorgegeben, in der der
Drehwinkel des Elektromotors in ein Bremsmoment MIST" umge
setzt wird. Als Drehwinkel wird dabei der Drehwinkel Δϕ ver
wendet, welcher in der Verknüpfungsstelle 112 aus dem am
Bremsensteller 104 gemessenen Drehwinkel ϕ und dem Nullwin
kel ϕ0, welcher beim Abheben der Bremsbeläge von der Scheibe
bzw. Trommel vorliegt, ermittelt wird. Die Differenz dieser
beiden Größen bildet den absoluten Drehwinkel Δϕ, welcher
der Kennlinie 110 zugeführt wird. Der Nullwinkel ϕ0 und/oder
die Kennlinienparameter h werden vom Schätzer 112 nach Maß
gabe des gemessenen Drehwinkels ϕ und des gemessenen
Bremsmoments MIST' im Rahmen der nachfolgend beschriebenen
Vorgehensweise geschätzt.
Liegen die Bedingungen (Block 115) für eine Lüftspielein
stellung vor, wird das Schaltelement 116 geschlossen. Die
Bedingungen sind z. B. losgelassenes Bremspedal (z. B. negati
ve Momentenvorgabe) und der Motordrehwinkel ϕ befindet sich
im Bereich des Nullwinkels ϕ0. Dem Sollmoment MVOR wird eine
Komponente M1 zugeschaltet, die über eine Kennlinie 124 mit
dem Drehwinkel Δϕ verknüpft ist. Liegen also die Bedingungen
für die Lüftspieleinstellungen vor, so wird das Sollmoment
über den Motordrehwinkel variiert und wird genau dann zu 0,
wenn der eingeregelte Motordrehwinkel dem gewünschten Lüft
spiel entspricht. Ist der Drehwinkel zu groß (positives Δϕ)
so wird in Folge der Aufschaltung von M1 das Sollmoment re
duziert, so daß eine negative Regeldifferenz am Eingang des
Reglers 102 zu einer negativen Ausgangsspannung und somit zu
einem entfernen der Bremsbeläge der Bremsscheibe bzw. -
trommel führt. Bei zu kleinen Drehwinkeln, d. h. bei negati
vem Δϕ ist der Vorgang umgekehrt.
Entscheidend für die Funktionsweise und den Komfort einer der
artigen Regelung ist die Genauigkeit der Kennlinie 110 bzw. die
Bestimmung des Nullwinkels ϕ0.
In Fig. 3 sind verschiedene Motorwinkel-Bremsmomenten-
Kennlinien des Aktuators dargestellt. Dabei ist das gemessene
Bremsmoment M (entspricht MIST') über dem gemessenen Winkel ϕ
aufgetragen. Die Kennlinie 1 zeigt eine Situation mit geringem
Belagverschleiß, mittlere Temperatur und nicht vorhandenem Sen
soroffset; Kennlinie 2a mit großem Belagverschleiß, mittlere
Temperatur, und nicht vorhandenem Sensoroffset; Kennlinie 2b mit
großem Belagverschleiß, kleiner Temperatur, und nicht vorhande
nem Sensoroffset; Kennlinie 2c: mit großem Belagverschleiß, gro
ßer Temperatur, und nicht vorhandenem Sensoroffset; Kennlinie 3
mit mittlerem Belagverschleiß, mittlerer Temperatur, und negati
vem Sensoroffset; Kennlinie 4a mit sehr großem Belagverschleiß,
mittlerer Temperatur, und positivem Sensoroffset; Kennlinie 4b
mit sehr großem Belagverschleiß, kleiner Temperatur, und positi
vem Sensoroffset; Kennlinie 4c mit sehr großem Belagverschleiß,
großer Temperatur, und positivem Sensoroffset.
Man sieht die große Variation der Kennlinien abhängig von den
genannten Größen, die es erforderlich macht, zur optimalen Re
gelung die Kennlinie an die sich ändernden Randbedingungen an
zupassen.
In einer Näherung läßt sich die Kennlinie als quadratische
Gleichung darstellen, wobei man über den Temperatureinfluß eine
Stauchung oder Streckung der Kennlinie, über den Belagver
schleiß oder eine temperaturbedingte Verdickung der Brem
sscheibe eine horizontale Verschiebung und über den Sensoroff
set eine vertikale Verschiebung der Kennlinie erhält. Somit er
gibt sich:
M = mtemp * s0 * (ϕabsolut-ϕ0)2 + Moffset (1)
mit M Bremsmoment
s0 bremsenspezifischer Konstante
ϕ0 Nullwinkel
ϕabsolut Drehwinkel
mtemp Faktor um den die Kennlinie bezogen auf die bremsen spezifische Konstante gestaucht oder gestreckt wird
Moffset Sensor Offsetfehler
s0 bremsenspezifischer Konstante
ϕ0 Nullwinkel
ϕabsolut Drehwinkel
mtemp Faktor um den die Kennlinie bezogen auf die bremsen spezifische Konstante gestaucht oder gestreckt wird
Moffset Sensor Offsetfehler
Liegt kein Bremsbelagverschleiß, keine Temperaturbelastung und
kein Offsetdrift vor, hängt der Bremsmomentenverlauf über fol
gende Beziehung vom Motordrehwinkel ab: M = S0*ϕabsolut)2. Da
sowohl der Drehwinkel als auch das Bremsmoment (oder die
Zuspannkraft) gemessen wird, können die fehlenden Parameter aus
diesen Größen geschätzt werden. Hierbei gibt es prinzipiell
zwei Möglichkeiten, eine Offline- oder eine Online-Schätzung.
Bei der Offline-Schätzung werden die gesuchten Parameter aus
einer Anzahl Meßergebnisse geschätzt. Bei der Online-Schätzung
wird dem Schätzergebnis bei jedem Schritt einen neuen Korrek
turvektor hinzuaddiert, der sich sowohl aus den neuesten Meßer
gebnissen, als auch aus dem vorherigen Schätzergebnis zusammen
setzt.
Zunächst sei die Offline-Schätzung beschrieben:
Aus Gleichung 1 ergibt sich
M = mtemp . s0 . ϕabsolut 2 - 2 . mtemp . s0 . ϕ0 . ϕabsolut + (mtemp . s0 . ϕ0 2 + Moffset) (2)
Werden mehrere Meßreihen aufgenommen, so ergibt sich folgende
Matritzengleichung:
Ist die Matrix Φ nicht quadratisch, dann kann Gleichung 3 in
dieser Form nicht gelöst werden, da sie für n<3 unterbestimmt
und für n<3 überbestimmt ist. Für den Fall n<3 kann jedoch eine
Regressionsparabel erstellt werden, so daß ein Bewertungskrite
rium minimiert wird. Führt man einen Fehlervektor e ein, so kann
Gleichung (3) wie folgt aufgelöst werden:
e = M - Φ . p (4)
Es muß jetzt also nur noch ein geeignetes Kriterium für die Mi
nimierung des Fehlers gefunden werden. Dieses Kriterium kann zum
Beispiel die Summe der Fehlerquadrate sein.
I = Σei 2 = e T . e (5)
I = (M - Φ . p)T .(M - Φ . p) = (M T - p T Φ T) . (M - Φ . p) = M T M - 2M T Φp + p T Φ T Φp (6)
Zur Minimierung wird die erste partielle Ableitung gebildet und
zu Null gesetzt.
Somit folgt für die Schätzung :
= (Φ T Φ)-1 Φ T M = Φ + M (8)
Es ergibt sich also als Lösung für den Schätzvektor die Mul
tiplikation der Pseudoinversen Matrix Φ + mit dem Meßvektor M.
Aus dem Schätzvektor lassen sich dann die unbekannten Größen ϕ0,
mtemp und Moffset berechnen.
Im folgenden wird die Online-Schätzung näher beschrieben.
Für den Betrieb im Fahrzeug bietet sich eine rekursive Berech
nung der Parameter an, um auch während des Betriebes ständig die
Parameter zu justieren. Die rekursive Lösung kann aus der Offli
ne-Methode abgeleitet werden, indem man Gleichung (8) zum k-ten
Zeitpunkt darstellt und sie auf den k+1-ten Zeitpunkt erweitert.
(k) = (Φ T(k)Φ(k))-1 Φ T(k)M(k) (9)
Die Matrix Φ und M setzen sich hierbei folgendermaßen zusam
men:
oder für den nächsten Abtastschritt:
Somit gilt für den Parametervektor im nächsten Schritt:
(k+1) = (Φ T(k+1)Φ (k+1))-1 Φ T(k+1)M(k+1) (14)
Durch Ausmultiplikation des Teils außerhalb der runden Klammern
ergibt sich schließlich mit Gleichung (12) und (13)
(k+1) = (Φ T(k+1)Φ(k+1))-1 . (Φ T(k)M(k) + ϕ T(k+1)m(k+1)) (15)
Aus Gleichung (8) erhält man:
(Φ T(k)M(k) = (Φ T(k)Φ(k)(k) (16)
Setzt man Gleichung (16) in Gleichung (15) ein, so erhält man:
(k+1) = (Φ T(k+1)Φ(k+1))-1 . (Φ T(k)Φ(k)(k) + ϕ T(k+1)m(k+1)) (17)
Hierbei läßt sich folgende Umformung durchführen:
oder
Φ T(k)Φ(k) = (Φ T(k+1)Φ(k+1) - ϕ T(k+1)ϕ(k+1) (19)
Somit ergibt sich mit Gleichung (19) und (17):
(k+1) = (Φ T(k+1)Φ(k+1))-1 . (Φ T(k+1)Φ(k+1)(k) - ϕ T(k+1)ϕ(k+1)(k)ϕ T(k+1)m(k+1)) (20)
(k+1) = (k) + (Φ T(k+1)Φ(k+1))-1 ϕ T(k+1) . (m(k+1)-ϕ T(k+1)(k)) (21)
Zur Vereinfachung wird der Spaltenvektor q eingeführt.
q(k+1) = (Φ T(k+1)Φ(k+1))-1 ϕ T(k+1) (22)
Somit folgt:
(k+1) = (k) + q(k+1) . (m(k+1) - ϕ(k+1)(k)) (23)
Der Term in den Klammern stellt aber entsprechend Gleichung (4)
gerade den Schätzwert des Modellfehlers dar, der mittels des ei
nen Schritt zuvor geschätzten Parametervektors berechnet wird.
ê(k+1) = (m(k+1) - ϕ(k+1)(k) (24)
Somit ergibt sich für den Parameterschätzvektor
(k+1) = (k) + q(k+1) . ê(k+1) (25)
Der Parameterschätzvektor für den k+1-ten Schritt berechnet sich
also aus dem Schätzvektor des letzten Abtastschrittes, dem Be
wertungsvektor q und dem Schätzwert des Modellfehlers. q läßt
sich wie bekannt vereinfachend nach folgendem Schema berechnen:
P(k+1) = P(k) + q(k+1)ϕ(k+1)P(k) (27)
Somit kann mittels der Gleichungen (26), (27), (24) und (25) ei
ne rekursive Online-Schätzung des Parametervektors durchgeführt
werden.
Verbessert werden kann die Schätzung durch eine Bewertung des
Arbeitspunktes. Üblicherweise wird die Kennlinie im hohen Momen
tenbereich nicht so sehr verrauscht sein, als im unteren Be
reich, daher sollten die Meßwerte bei hohen Momenten stärker be
wertet werden. Des weiteren bietet sich an, einen Vergessensfak
tor einzuführen, damit sich eingeschleppte Fehler bei fort
schreitender Schätzung immer weniger auswirken. Hierbei bietet
sich eine Schätzung entsprechend der aus der Literatur bekannten
IV-Methode an.
Der Bewertungsvektor q in Gleichung (26) berechnet sich aus der
Kovarianzmatrix P sowie aus dem neuen Meßwert des Motordrehwin
kels ϕ. Im folgenden soll der neue Meßwert nicht direkt in den
Bewertungsvektor eingehen, vielmehr soll ein berechneter Wert
ϕh (Gleichung 30 und 31), der aus den zuvor ermittelten Schätz
werten abgeleitet wird, als Bewertung dienen. Dadurch verklei
nert man den Fehler durch ein gestörtes Signal. Dies gilt vor
allem dann, wenn eines der zwei gemessenen Signale einen besse
ren Signal-Rausch-Abstand zeigt als das andere. Angenommen, das
Momentensignal ist das Signal mit der größeren Zuverlässigkeit,
so ergibt sich:
Wobei sich w wie folgt zusammensetzt:
mit
ergibt sich für den Winkel ϕb:
Der Hilfsschätzvektor h(k) setzt sich hierbei rekursiv aus dem
zuletzt berechneten Wert sowie aus der letzten Schätzung des Pa
rametervektors zusammen. Die Bewertung erfolgt mit der Variablen
γ, die im Bereich zwischen 0 und 1 liegen sollte:
h(k) = (l-γ) . h(k-1) + γ . h(k-1) (32)
Des weiteren gilt
ê(k+1) = m(k+1) - ϕ(k+1)(k) (33)
(k+1) = (k) + q(k+1) . ê(k+1) (34)
Hierbei stellt σ den Vergessensfaktor dar, der je nach Ar
beitspunkt verändert werden kann. Vorgeschlagen wird hierbei ei
ne Vergrößerung des Vergessensfaktors bei hohen Momenten, da zu
erwarten ist, daß dieser Bereich weniger gestört sein wird als
der Bereich geringer Bremsmomente. Der Faktor sollte im Bereich
0,95 bis 0,99 liegen.
Auch bei den rekursiven Schätzverfahren ist es notwendig, das
System entsprechend anzuregen. Bei geringer Anregung, kann keine
sichere Aussage über die Schätzparameter gemacht werden. Wird
das System nicht angeregt, so hätte man im Extremfall k Werte
paare zur Identifikation der Parameter, die allesamt beim selben
Bremsmoment aufgezeichnet wurden. Da der Rang der Matrix Φ in
diesem Fall auf 1 zusammenfällt (alle Zeilen der Gleichung sind
linear voneinander abhängig), ist eine Schätzung der gesuchten
Parameter nicht möglich. Daher wird entweder der Vergessensfak
tor bei einer starken Anregung erhöht, während er bei kleinen
Anregungen verkleinert wird, oder die Schätzung wird während
statischer Bremsphasen ausgesetzt und nur bei dynamischen Vor
gängen wieder gestartet.
Mittels dieser Verfahren ist es möglich, während einer Bremsung
die Parameter für die Ermittlung des Lüftspiels zu berechnen als
auch die Offsetdrift des Momentensensors zu detektieren und zu
kompensieren.
Neben der Erfassung eines Drehwinkelssignal wird in anderen
Ausführungen auch die Verfahren auch auf eine Wegmessung
(z. B. Messung des Weges der Bremsbeläge) eingesetzt.
Neben der Anwendung bei einer elektromechanischen Bremse
kann diese Vorgehensweise auch bei anderen Bremssystemen,
z. B. bei elektrohydraulischen oder elektropneumatischen
Bremsen, welche über die entsprechenden Sensoren verfügen,
zur Einstellung des Lüftspiels eingesetzt werden.
Claims (10)
1. Verfahren zur Steuerung einer Fahrzeugsbremsanlage mit
elektrisch betätigbaren Stelleinrichtungen an den Radbrem
sen, wobei die Stelleinrichtung nach Maßgabe eines Bremswun
sches des Fahrers gesteuert wird, dadurch gekennzeichnet,
daß in wenigstens einem Betriebszustand die Steuerung der
Stelleinrichtung auf der Basis des mittels eines Schätzver
fahren angepaßten Zusammenhangs zwischen einer den Bremsbe
lagweg repräsentierenden Größe und dem Bremsmoment oder der
Bremskraft an dem Rad und/oder des mittels eines Schätzver
fahrens ermittelten Nullwerts dieser Größe bei Abheben der
Bremsbeläge von der Scheibe bzw. Trommel erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Schätzung online oder offline erfolgt.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß der Zusammenhang als quadratische
Gleichung vorgegeben wird, deren Parameter mittels eines
Schätzverfahrens ermittelt werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß der Zusammenhang und/oder der
Nullwert durch die Schätzung an Verschleiß, Temperatur und
Sensoroffsetwerte angepaßt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die Steuerung anstelle einer Rege
lung auf der Basis eines gemessenen Bremsmoments oder einer
gemessenen Bremskraft erfolgt, wobei beim Umschalten kein
Sprung entsteht.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die Schätzung online erfolgt, so
daß der Zusammenhang und/oder der Nullwert ständig angepaßt
werden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß als Schätzverfahren die Methode
der kleinsten Fehlerquadrate eingesetzt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die den Bremsbelagweg repräsentie
renden Größe der Drehwinkel eines Elektromotors der Stel
leinrichtung ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die Berechnung eines Bremsmoments
bzw. einer Bremskraft abhängig von der gemessenen Weggröße,
dem Nullwert dieser Größe und den geschätzten Parameter des
Zusammenhangs zwischen der Weggröße und dem Bremsmoment bzw.
der Bremskraft erfolgt.
10. Vorrichtung zur Steuerung einer Fahrzeugsbremsanlage mit
elektrisch betätigbaren Stelleinrichtungen an den Radbrem
sen, wobei die Stelleinrichtung nach Maßgabe eines Bremswun
sches des Fahrers gesteuert wird, dadurch gekennzeichnet,
daß Mittel vorgesehen sind, die in wenigstens einem Be
triebszustand die Steuerung der Stelleinrichtung auf der Ba
sis des mittels eines Schätzverfahren angepaßten Zusammen
hangs zwischen einer den Bremsbelagweg repräsentierenden
Größe und dem Bremsmoment oder der Bremskraft an dem Rad
und/oder des mittels eines Schätzverfahrens ermittelten
Nullwerts dieser Größe bei Abheben der Bremsbeläge von der
Scheibe bzw. Trommel erfolgt.
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