DE19816853A1 - Verfahren zur Herstellung von Partikeln schmelzfähiger Treib- und Explosivstoffe - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Partikeln schmelzfähiger Treib- und ExplosivstoffeInfo
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Abstract
Es wird ein Verfahren zur Herstellung sphärischer Partikel schmelzfähiger Treib- und Explosivstoffe oder Oxidatoren, insbesondere Ammoniumdinitramid (ADN), vorgeschlagen. Dabei wird der kristalline Ausgangsstoff geschmolzen und in einer Matrixflüssigkeit, in welcher der Stoff nicht oder nur schwer löslich ist, emulgiert. Zur Kristallisation der dispersen Tropfen zu festen Partikeln wird die Emulsion unter den Schmelzpunkt abgekühlt und das in Kugelform ausfallende Kristallisat von der Matrixflüssigkeit abgetrennt.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von
Partikeln schmelzfähiger Treib- und Explosivstoffe und
Oxidatoren, insbesondere Ammoniumdinitramid (ADN).
Ammoniumdinitramid (ADN) ist als Oxidator für Treibstoffe
und als Explosivstoff von großer Bedeutung. In der Anwen
dung sind sowohl für die Herstellung als auch die Verar
beitung kompaktierfähige Partikeln erwünscht. Bei der
Herstellung herkömmlicher kristalliner Treib- und Explo
sivstoffe entstehen aber in der Regel sehr unregelmäßige
Partikeln. Dies gilt insbesondere auch für ADN.
Die Korneigenschaften, insbesondere die Kornform, lassen
sich vielfach durch Umkristallisation der kristallinen
Substanzen aus einer Lösung verbessern. Hierbei wird die
kristalline Substanz meist unter Erwärmen in einem oder
mehreren geeigneten Lösungsmitteln gelöst und durch
definiertes Abkühlen die Substanz auskristallisiert.
Dieser Vorgang kann gegebenenfalls mehrfach durchgeführt
werden. Infolge der Löslichkeitsunterschiede zwischen
Substanz und Verunreinigungen werden unerwünschte Be
gleitstoffe abgetrennt, weil sie entweder von vornherein
ungelöst bleiben, oder weil sie, wenn sie ebenfalls in
Lösung gehen, aufgrund ihrer geringen Konzentration in
der Matrixflüssigkeit verbleiben, wenn das Kristallisat
bereits ausgefallen ist.
Ebenfalls bekannt ist das Impfen von übersättigten Lösun
gen oder unterkühlter Schmelzen, bei dem Spuren von
Festsubstanz in Form von Keimen, die die Bildung der
festen Phase auszulösen vermögen, zugegeben werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
zur Herstellung gleichförmiger, insbesondere kugelförmi
ger Partikeln schmelzfähiger Treib- und Explosivstoffe
oder Oxidatoren, insbesondere Ammoniumdinitramid (ADN),
mit definierter Partikelgröße, deren Durchmesser in einem
weiten Bereich von wenigen µm bis zu einigen mm variiert
werden kann, vorzuschlagen.
Die erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgabe besteht in
folgenden Verfahrensschritten:
- 1. Schmelzen des Ausgangsstoffs;
- 2. Emulgieren der Stoffschmelze in einer Matrixflüssig keit, in welcher der Stoff nicht oder nur schwer löslich ist;
- 3. Abkühlen der Emulsion unter den Schmelzpunkt des Stoffs unter Rekristallisation der dispersen Tropfen zu festen Partikeln.
Im Gegensatz zu den bekannten Umkristallisationsverfahren
wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren der Treib- oder
Explosivstoff bzw. der Oxidator in eine Schmelze über
führt und mit einer Matrixflüssigkeit zusammengeführt, in
der der umzukristallisierende Stoff nicht oder nur schwer
löslich ist. Die Matrixflüssigkeit wird so ausgewählt,
daß sich der geschmolzene Stoff emulgieren läßt. Die
spätere Trennung des Phasengemischs erfolgt ausschließ
lich aufgrund der verschiedenen Schmelzpunkte von Aus
gangsstoff und Matrixflüssigkeit und nicht aufgrund von
Konzentrationsänderungen einer Lösung.
Die Schmelze kann mit im Treib- oder Explosivstoff bzw.
im Oxidator löslichen Additiven versetzt werden, mit
denen die spätere Produktqualität der ADN-Partikel hin
verbessert werden kann. Als Matrixflüssigkeit kommen
vornehmlich Öle, z. B. Paraffinöl oder Siliconöl in
Frage. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren werden kugel
förmige Partikel mit definierten Partikeleigenschaften,
wie z. B. mittlere Partikelgröße, Partikelgrößenvertei
lung, spezifische Oberfläche erhalten. Die kugelförmigen
Partikeln führen nicht nur zu einer hohen Energiedichte
und einem günstigen Abbrandverhalten.
Die Herstellung der Emulsion erfolgt durch Einbringen von
Energie in das fluide System. Dies kann durch Schütteln,
Rühren, durch Eintrag von Schwingungen in das System,
z. B. mittels Ultraschall oder auch durch Einspritzen der
Schmelze in die Flüssigkeit oder umgekehrt, erfolgen.
Durch die Zugabe von verschiedenen Additiven, wie z. B.
Emulgatoren und Stabilisatoren, können die Grenzflächen
spannung zwischen beiden Komponenten und die Viskosität
der äußeren Phase verändert, und somit die Herstellungs
bedingungen und die Stabilität der Emulsion beeinflußt
werden. Wird beispielsweise einer Emulsion von hydrophi
lem ADN in hydrophober Matrixflüssigkeit ein ebenfalls
hydrophober Emulgator, wie z. B. Siliciumdioxid, zuge
setzt, wird die Stabilität der Emulsion vergrößert und
die Koaleszenz, bei der die emulgierten Tröpfchen unter
Bildung einer kontinuierlichen Phase zusammenfließen,
vermindert. Folglich kann durch Zusatz eines solchen
Emulgators unter ansonsten gleichen Randbedingungen eine
Emulsion feinerer Tröpfchen erreicht werden. Umgekehrt
erhält man bei Zusatz eines Stabilisators unter ansonsten
gleichen Randbedingungen größere Tröpfchen der emulgier
ten Substanz.
Die aus ADN-Tröpfchen als disperser Phase und einer
Matrixflüssigkeit bestehende und über den Schmelzpunkt
von ADN temperierte Emulsion wird im dritten Schritt des
erfindungsgemäßen Verfahrens unter den Schmelzpunkt von
ADN abgekühlt, so daß die dispersen ADN-Tropfen zu festen
Partikeln auskristallieren. Der Kristallisationsvorgang
kann hierbei, neben der Anwendung eines speziell für die
Kristallisation erforderlichen Temperaturgradienten,
sowohl durch Eintragen mechanischer Energie, als auch
durch Zugabe von Kristallisationskeimen gesteuert werden.
Bei der Zugabe von Kristallisationskeimen, dem sogenann
ten Impfen, erreicht man eine mehr oder weniger rasche
Kristallisation. Als Keime können sowohl stoffeigene
Partikeln, z. B. ADN-Kristalle, als auch Fremdkeime zuge
setzt werden.
Der Eintrag mechanischer Energie bei der Kristallisation
zur Erzeugung eines möglichst feinkristallinen Produkts
kann mittels Rührer oder Ultraschall erfolgen, die über
die Konzentration der dispersen Phase gesteuert werden
können.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann sowohl kontinuierlich
als auch chargenweise durchgeführt werden. Bei einer
diskontinuierlichen Prozeßvariante, bei der die Herstel
lung der Emulsion und die Kristallisation der dispersen
Tropfen in einem Reaktor durchgeführt werden kann, eignen
sich z. B. verschiedene Rührer, wie Blatt- oder Propel
lerrührer, oder diskontinuierliche Zahnkranzdispergierer
zum Herstellen der Emulsion. Unter Eintrag von Rührener
gie wird die Emulsion anschließend abgekühlt, so daß
kugelförmige Partikeln auskristallisieren. Die beiden
Prozeßschritte des Emulgierens und des Rekristallisierens
können aber auch zeitlich und örtlich getrennt durchge
führt werden, wobei die Emulsion nach ihrer Herstellung
in einen zweiten Reaktor gefördert wird, in dem die
Rekristallisation, z. B. durch einen geeigneten Tempera
turgradienten, gezielt beeinflußt werden kann.
Bei einer kontinuierlichen Prozeßvariante wird die Emul
sion zunächst mittels Kolloidmühlen, statischen Mischern
oder kontinuierlichen Zahnkranzdispergiermaschinen herge
stellt und anschließend in die Kristallisationszone, z. B.
in einen Rohrreaktor oder Kaskadenkristallisator, geför
dert.
In jedem Fall ist eine Separationseinheit zum Trennen der
rekristallisierten Partikeln von der Matrixflüssigkeit
vorgesehen, wobei die Trennung durch Sedimentieren,
Filtrieren oder Zentrifugieren erfolgen kann. Nach dem
Abtrennen der Partikeln werden diese mit einem geeigneten
Lösungsmittel gewaschen und getrocknet.
Herstellung von kugeligem ADN aus einer Emulsion mit
einer Konzentration von 12 wt.%. Als Matrixflüssigkeit
der Emulsion wird Paraffinöl eingesetzt. Als Zusatzstoff
wird Siliziumdioxid (hydrophob) zugegeben. Das System
wird auf ν = 110°C temperiert, so daß das ADN im ge
schmolzenen Zustand vorliegt. Bei dieser Temperatur
werden die Komponenten mittels Blattrührer, mit einer
Drehzahl von n = 500 min-1 dispergiert, so daß eine
Emulsion entsteht. Die Emulsion wird dann auf ν = 20°C
abgekühlt. Unter Eintrag mechanischer Energie durch
einen Blattrührer kristallisieren kugelige ADN-Partikeln
aus. Die erzeugte Partikelgröße beträgt x50,3 = 420 µm
Das kugelige ADN wird dann mit n-Heptan gespült und
getrocknet.
Herstellung von kugeligem ADN aus einer Emulsion, deren
Matrixflüssigkeit Silikonöl ist. Nach der Temperierung
des Systems auf ν = 110°C wird die Emulsion mittels
Propellerrührer hergestellt und auf ν = 20°C abgekühlt.
Die erzeugte Partikelgröße beträgt x50,3 = 80 µm. Das
kugelige ADN wird dann mit n-Heptan gespült und getrock
net.
Kontinuierliche Herstellung von kugeligem ADN aus einer
Emulsion, deren Matrixflüssigkeit Paraffinöl ist. Nach
der Temperierung der Komponenten im Vorlagebehälter wird
die Emulsion mittels einer kontinuierlichen Zahnkranzdis
pergiermaschine hergestellt und in einem nachgeschalteten
Kristallisator erfolgt die Rekristallisation der
ADN-Partikeln. Die erzeugte Partikelgröße beträgt x50,3 =
3 µm. Nach der Separierung der ADN-Partikel und der Ma
trixflüssigkeit wird das kugelige ADN mit n-Heptan ge
spült und getrocknet.
Fig. 1 zeigt kristallines Ammoniumdinitramid (ADN) aus
der Synthese. Das Korn ist zerklüftet und kantig. Korn
größe und Kornform variieren stark. Fig. 2 und 3 zeigen
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren aus einer Paraffin
öl-Emulsion hergestellte sphärische Partikeln von Ammo
niumdinitramid (ADN) mit einem mittleren Korndurchmesser
unterhalb 500 µm in zwei verschiedenen Vergrößerungsmaß
stäben. Das Korn ist fast exakt kugelförmig und das
Kornspektrum ist relativ eng.
Claims (19)
1. Verfahren zur Herstellung von Partikeln schmelzfähi
ger Treib- und Explosivstoffe sowie Oxidatoren,
insbesondere Ammoniumdinitramid (ADN), gekennzeich
net durch folgende Schritte
- - Schmelzen des Stoffs;
- - Emulgieren der Stoffschmelze in einer Matrixflüs sigkeit, in welcher der Stoff nicht oder nur schwer löslich ist;
- - Abkühlen der Emulsion unter den Schmelzpunkt des Stoffs unter Rekristallisation der dispersen Tropfen zu festen Partikeln.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß als Matrixflüssigkeit Öle, insbesondere
Paraffinöl und/oder Siliconöl verwendet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn
zeichnet, daß der Schmelze lösliche Additive zur
Verbesserung der Eigenschaften der rekristallisier
ten Partikeln zugesetzt werden.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Verfahren konti
nuierlich oder chargenweise durchgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß die Emulsion aus der Schmelze
und der Matrixflüssigkeit durch Eintragen mechani
scher Energie hergestellt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die Schmelze und die Matrixflüssigkeit gerührt
werden.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die mechanische Energie durch Zahnkranzdisper
giermaschinen eingetragen wird.
8. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die mechanische Energie durch Kolloidmühlen
eingetragen wird.
9. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
daß als mechanische Energie Schallenergie, insbeson
dere Ultraschall, eingetragen wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß die Emulsion durch Einspritzen
der Schmelze in die Matrixflüssigkeit hergestellt
wird.
11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß zum Emulgieren der
Schmelze Additive zur Veränderung der Oberflächen
spannung zwischen Schmelze und Matrixflüssigkeit
zugesetzt werden.
12. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet,
daß als Additive Emulgatoren, insbesondere Silicium
dioxid, zugesetzt werden.
13. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet,
daß als Additive Stabilisatoren zugesetzt werden.
14. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß beim Abkühlen der Emul
sion Kristallisationskeime zugesetzt werden.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet,
daß als Kristallisationskeime Partikeln des suspen
dierten Stoffs zugesetzt werden.
16. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet,
daß als Kristallisationskeime Fremdkeime zugesetzt
werden.
17. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß beim Abkühlen der Emul
sion die Kristallisation durch Eintrag mechanischer
Energie beeinflußt wird.
18. Verfahren nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet,
daß die Emulsion beim Abkühlen gerührt wird.
19. Verfahren nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet,
daß die Emulsion beim Abkühlen Schallenergie,
insbesondere Ultraschall, ausgesetzt wird.
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| DE1998116853 DE19816853A1 (de) | 1998-04-16 | 1998-04-16 | Verfahren zur Herstellung von Partikeln schmelzfähiger Treib- und Explosivstoffe |
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