DE19756392A1 - Verfahren und Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und von Verbrennungsprozessen - Google Patents
Verfahren und Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und von VerbrennungsprozessenInfo
- Publication number
- DE19756392A1 DE19756392A1 DE1997156392 DE19756392A DE19756392A1 DE 19756392 A1 DE19756392 A1 DE 19756392A1 DE 1997156392 DE1997156392 DE 1997156392 DE 19756392 A DE19756392 A DE 19756392A DE 19756392 A1 DE19756392 A1 DE 19756392A1
- Authority
- DE
- Germany
- Prior art keywords
- catalyst
- exhaust gas
- ammonia
- denitrification
- iron
- Prior art date
- Legal status (The legal status is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the status listed.)
- Withdrawn
Links
Classifications
-
- B—PERFORMING OPERATIONS; TRANSPORTING
- B01—PHYSICAL OR CHEMICAL PROCESSES OR APPARATUS IN GENERAL
- B01J—CHEMICAL OR PHYSICAL PROCESSES, e.g. CATALYSIS OR COLLOID CHEMISTRY; THEIR RELEVANT APPARATUS
- B01J23/00—Catalysts comprising metals or metal oxides or hydroxides, not provided for in group B01J21/00
- B01J23/70—Catalysts comprising metals or metal oxides or hydroxides, not provided for in group B01J21/00 of the iron group metals or copper
- B01J23/74—Iron group metals
- B01J23/745—Iron
-
- B—PERFORMING OPERATIONS; TRANSPORTING
- B01—PHYSICAL OR CHEMICAL PROCESSES OR APPARATUS IN GENERAL
- B01D—SEPARATION
- B01D53/00—Separation of gases or vapours; Recovering vapours of volatile solvents from gases; Chemical or biological purification of waste gases, e.g. engine exhaust gases, smoke, fumes, flue gases, aerosols
- B01D53/34—Chemical or biological purification of waste gases
- B01D53/74—General processes for purification of waste gases; Apparatus or devices specially adapted therefor
- B01D53/86—Catalytic processes
- B01D53/8621—Removing nitrogen compounds
- B01D53/8625—Nitrogen oxides
- B01D53/8628—Processes characterised by a specific catalyst
Landscapes
- Chemical & Material Sciences (AREA)
- Engineering & Computer Science (AREA)
- Environmental & Geological Engineering (AREA)
- Chemical Kinetics & Catalysis (AREA)
- General Chemical & Material Sciences (AREA)
- Analytical Chemistry (AREA)
- Biomedical Technology (AREA)
- Oil, Petroleum & Natural Gas (AREA)
- Health & Medical Sciences (AREA)
- Materials Engineering (AREA)
- Organic Chemistry (AREA)
- Exhaust Gas Treatment By Means Of Catalyst (AREA)
- Catalysts (AREA)
Description
Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Verminderung von bei der Ver
brennung entstehenden Stickoxiden mittels eines Katalysators. Insbesondere betrifft
die Erfindung ein Verfahren zur Entstickung von Abgasen, bei dem das mit Stickoxi
den verunreinigte Abgas bei einer Reaktionstemperatur von 200 bis 370°C im Bei
sein eines neuartigen Katalysators auf der Basis von mit Sauerstoff verbrücktem
Eisen und mit dem Reduktionsmittel Ammoniak oder mit einer Ammoniak abgeben
den Substanz in Kontakt gebracht wird.
Neben Kohlenmonoxid (CO) und den Kohlenwasserstoffen (HC) gehören die
Stickoxide (NOx) zu den umweltgefährdenden und am meisten beachteten Primär
schadstoffen, die beim Betrieb von Feuerungen oder bei der Verbrennung oder bei
chemischen Prozessen entstehen. Der Begriff "Stickoxide (NOx)" hat sich dabei als
terminus technicus für die Summe der Stickoxide, nämlich Stickstoffmonoxid (NO),
Stickstoffdioxid (NO2) samt seinem Dimeren (N2O4), Distickstofftrioxid (N2O3), das
aus NO und NO2 entstehen kann, sowie Lachgas Distickstoffmonoxid (N2O) einge
führt. Bei der Verbrennung entsteht primär NO, das auch den Hauptanteil am NOx
ausmacht. Alle genannten Stickstoffoxide sind Gase, die in individueller Weise als
Umweltgifte wirken, insbesondere in der Atmosphäre durch Umwandlungsprozesse
und müssen deshalb aus den Abgasen entfernt werden, bevor sie in die Atmosphäre
gelangen. Abgase enthalten je nach Herkunft zwischen 50 und 10 000 mg NOx pro
Nm3,tr. Dabei entspricht 1 mg NOx/Nm3,tr rd. 0,5 ppm, falls auf NO2 bezogen wird.
Die am meisten verbreiteten Verfahren zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen
stellen allesamt Varianten der Methode der "selektiven katalysierten Reduktion" dar,
kurz NH3-SCR genannt, weil Ammoniak (NH3) als das am selektivsten wirkende
Reduktionsmittel bekannt ist und die Methode im Angelsächsischen als "Selective
Catalytic Reduction" bezeichnet wird.
Die Wirksamkeit des SCR-Verfahrens beruht darauf, daß die im Abgas enthaltenen
Stickoxide durch Zugabe von Ammoniak in Gegenwart von Sauerstoff (O2) an
geeigneten Katalysatoren unter Bildung von Stickstoff (N2) und Wasser (H2O)
umgesetzt werden. Als Katalysatoren kommen vorwiegend oberflächenreiche
Wabenkörper auf Titandioxid-Basis (TiO2) zum Einsatz, die Wolframtrioxid (WO3) und
Vanadiumpentoxid (V2O5) in unterschiedlichen Mengen enthalten. Während V2O5 als
Aktivkomponente fungiert, ist der Zusatz von WO3 vorwiegend zur Stabilisierung der
Anatas-Phase des Titandioxids notwendig. Die Reaktionsgleichung, die der er
wünschten Umsetzung zugrunde liegt, lautet:
4 NO + 4 NH3 + O2 ↔ 4 N2 + 6 H2O (Gl. 1)
Neben der erwünschten Reaktion zur Verminderung der Stickoxide ist je nach
Katalysator, Gaszusammensetzung und Temperatur mit einer Reihe von Neben
reaktionen zu rechnen [1]. Dabei ist die Oxidation von NH3 (Gleichung 2) wegen des
eintretenden Ammoniakverlusts unerwünscht, während die Reaktion nach Gleichung
5 das Ziel des SCR-Verfahrens ins Gegenteil verkehrt und zusätzliche Stickoxide
produziert. Beim Ablauf der Reaktionen gemäß den Gleichungen 3 und 4 wird die Bil
dung von Distickstoffoxid (N2O, Lachgas) beobachtet, welches als gefährliches Treib
hausgas einzustufen ist.
4 NH3 + 3 O2 ↔ 2 N2 + 6 H2O (Gl. 2)
4 NH3 + 4 NO + 3 O2 ↔ 4 N2O + 6 H2O (Gl. 3)
2 NH3 + 2 O2 ↔ N2O + 3 H2O (Gl. 4)
4 NH3 + 5 O2 ↔ 4 NO + 6 H2O (Gl. 5)
Es wurde eine Vielzahl von Untersuchungen zum Mechanismus der SCR-Reaktion
an V2O5-haltigen Katalysatoren veröffentlicht. Während ältere Arbeiten von einem
Langmuir-Hinshelwood-Mechanismus ausgehen [2], gilt es heute als gesichert, daß
Ammoniak an den aktiven Zentren V=O und V-OH adsorbiert wird und mit NO aus
der Gasphase reagiert [3, 4]. Demnach läuft der Prozeß nach einem sog. Eley-
Rideal-Mechanismus ab. Zur Kinetik der SCR-Reaktion an V2O5-Katalysatoren liegt
eine Reihe von Publikationen vor [5, 6].
Zur Übertragung der SCR-Methode auf die Belange der Technik ist allerdings die
Verwendung eines gesundheitlich unbedenklichen Reduktionsmittels unabdingbar.
Selbst bei stationären Großanlagen werden aufgrund des ständig wachsenden
Sicherheitsaufwands, der mit der Lagerung und dem Transport von NH3 verbunden
ist, seit längerem Bestrebungen unternommen, das giftige Ammoniak durch Harnstoff
als Reduktionsmittel zu ersetzen.
Bei der thermischen Zersetzung (Thermolyse) von Harnstoff entstehen primär je ein
Molekül Ammoniak und ein Molekül Isocyansäure.
NH2CONH2 ↔ NH3 + HNCO (Gl. 6)
Die gebildete Isocyansäure reagiert in einem zweiten Schritt mit Wasser über die
instabile Carbamidsäure zu Ammoniak und Kohlendioxid.
HNCO + H2O ↔ NH3 + CO2 (Gl. 7)
Da Isocyansäure eine äußerst reaktive Verbindung ist, muß bei optimaler Reaktions
führung gearbeitet werden, um die Bildung einer Reihe von höhermolekularen Ver
bindungen zu vermeiden. Entscheidend ist hierbei die jeweilige Thermolysetempe
ratur sowie ein möglichst schnelles Erhitzen des Harnstoffs. Daraus folgt, daß bei der
Dosierung des in Wasser gelösten Harnstoffs (rd 100 g Harnstoff lösen sich bei 20°C
in 100 ml Wasser) die Größe der eingespritzten Tropfen einen maßgeblichen Para
meter darstellt. Bei möglichst kleiner Tropfengröße ist die Bedingung des raschen
Erhitzens am besten erfüllt.
Die NOx-Minderung in sauerstoffhaltigen Abgasen von Verbrennungskraftmaschi
nen (Dieselmotoren) wurde von Held et al. [7] durchgeführt. An mit Kupfer ausge
tauschten Zeolithen (insbesondere Calcium und Aluminium enthaltende Silikate)
vom ZSM-Typ wurden bei einer Abgastemperatur von ca. 450°C und einer Raum
geschwindigkeit (definiert als das Verhältnis von Gasvolumenstrom zu Kataly
satorvolumen) von 6.000/h NOx-Umsätze bis 95% erzielt. Bei einer Erhöhung auf
30.000/h sank der NOx-Umsatz allerdings bis auf 20% ab.
Koebel et al. [8] erzielte im Temperaturbereich von 250 bis 400°C nahezu voll
ständige NOx-Umsetzung an einem SCR-Katalysator auf TiO2/V2O5-Basis. Die
Harnstofflösung wurde in einem Pyrolysator (350°C heiße Schüttung von rost
freien Stahlmuttern) vorbehandelt und die entstandenen Produkte NH3 und HNCO
anschließend dem synthetischen Abgas beigemischt. In entsprechenden Untersu
chungen an Motorenabgasen wurden im Temperaturbereich von 270 bis 380°C
Umsätze über 90% gemessen, wobei die Harnstofflösung direkt in das Abgas
eingesprüht wurde.
Weisweiler et al. [9] erreicht mit Harnstoff als Reduktionsmittel an einem zeolith
haltigen Fe2O3-Katalysator im Temperaturbereich zwischen 350 und 550°C NOx-
Umsätze über 80%. Hierbei erweist sich die Dosierung der wäßrigen Harnstoff
lösung mittels einer Zweistoffdüse als besonders geeignet.
Hug et al. [10] berichtet über die Ausrüstung eines Fährschiffes mit einer SCR-Anlage.
Als Katalysatoren kommen Vollextrudate zum Einsatz, die im wesentli
chen aus TiO2 als Trägermaterial und V2O5 als katalytisch aktive Komponente
sowie WO3 und weiteren Metalloxiden als Promotoren bestehen. Im Stationär
zustand werden bei ca. 350°C über 95% der enthaltenen Stickstoffoxide reduziert.
Aus der DE-OS 24 54 514 ist ein Verfahren zur Verminderung von Stickoxiden
bekannt, bei dem die Stickoxide mit einem Metallsulfatkatalysator im Abgas, in
dem auch Ammoniak vorhanden ist, zusammengeführt werden. Als Metallsulfat
katalysator wird Kupfersulfat, Mangansulfat, Nickelsulfat, Eisensulfat, Kobaltsulfat,
Zinksulfat oder Aluminiumsulfat oder Gemische dieser Stoffe verwendet.
Bei diesem bekannten Verfahren ist ferner vorgesehen, daß man das Metallsulfat
in einer Menge von 0,05 bis 20 Ma.-%, bezogen auf das Gewicht von Katalysator
und Träger, verwendet und daß man das Molverhältnis NH3 : NOx wie 0,67 : 1 bis
4 : 1 einsetzt. Die Entstickungsreaktion soll im Temperaturbereich von 350 bis
450°C ablaufen.
Aus der DE-OS 36 42 980 ist ein Verfahren zur katalytischen Reduktion von in
Abgas enthaltenem NO mit dem Reduktionsmittel NH3 bekannt, bei dem das NO-haltige
Gas mit NH3 gemischt und die Mischung bei 185 bis 500°C zur Reaktion
gebracht wird, wobei der Katalysator aus einem sauren Träger sowie den kata
ytisch aktiven Sulfaten CuSO4, MnSO4, FeSO4 und/oder Fe2(SO4)3 besteht und die
in einer Menge von 0,5 bis 20 Ma.-% auf dem Träger aufgebracht sind. Bei diesem
bekannten Verfahren ist vorgesehen, daß der saure Träger aus Siliciumdioxid
(SiO2), Aluminiumsilikaten oder Aluminiumoxid (α-Al2O3) besteht und daß dem
NO-haltigen Gas NH3 im Molverhältnis NO : NH3 = 1 : 0,7 bis 1 : 1,3 zugesetzt
wird.
Die DE-OS 41 25 004 offenbart ein Verfahren zur Entstickung der bei der Herstel
lung von Zement anfallenden Abgase, bei dem die mit Rohmehl beladenen Abga
se bei 300 bis 450°C mit NH3 in Gegenwart eines Katalysators zur Reaktion ge
bracht werden, wobei das NH3 dem Abgas in einem Molverhältnis NO : NH3 =
1 : 0,7 bis 1 : 1,5 zugegeben wird und bei dem katalytisch aktives Eisensulfat oder
eine Mischung aus Eisensulfat und Mangansulfat verwendet wird. Das Verfahren
kann besonders vorteilhaft durchgeführt werden, wenn das Abgas bei 300 bis
450°C dem Vorwärmer entnommen, mit NH3 gemischt und einem Zyklon- oder
Wirbelschichtreaktor zugeführt wird, in dem sich ein Katalysator befindet, der aus
einem Träger besteht, der mit der katalytisch aktiven Substanz dotiert ist, und daß
das Abgas nach Verlassen des Zyklon- oder Wirbelschichtreaktors in den
Vorwärmer zurückgeführt wird. Bei dem vorbekannten Verfahren hat sich
alternativ als Katalysator kristallines Eisensulfat oder eine Mischung aus kristalli
nem Eisensulfat und kristallinem Mangansulfat bewährt, wobei der Katalysator
Teilchengrößen von 50 bis 500 µm aufweist.
In der deutschen Patentanmeldung P 43 13 479.3 wurde ein Verfahren zur Ent
stickung der bei der Herstellung von Zement anfallenden Abgase vorgeschlagen,
wobei dem Abgas nach Verlassen des Drehrohrofens bei einer Temperatur von
750 bis 950°C Ammoniak ohne Katalysator zugegeben wird und das Molverhältnis
NOx : NH3 = 1 : 0,8 bis 1 : 1 beträgt, und bei dem das Abgas in der weiteren Folge
bei einer Temperatur von 300 bis 450°C mit einem Katalysator in Kontakt gebracht
wird, der als aktive Substanz Eisensulfat oder eine Mischung aus Eisensulfat und
Mangansulfat enthält. Auch bei diesem Verfahren ist vorgesehen, daß als Kataly
sator kristallines Eisensulfat oder eine Mischung aus kristallinem Eisensulfat und
kristallinem Mangansulfat verwendet wird, wobei der Katalysator Teilchengrößen
von 50 bis 500 µm einnimmt und im Abgasstrom vor dem obersten Zyklon des
Vorwärmers in einer Menge von 0,1 bis 3 g/Nm3,tr verteilt wird.
Bei der Durchführung der bekannten Verfahren hat sich gezeigt, daß in einigen
Fällen im entstickten Abgas noch NH3 vorhanden ist, das nicht nur in geringsten
Mengen (größer 3 ppm NH3) zu Geruchsbelästigungen führt, sondern auch als
Emission limitiert ist. Ammoniak sollte daher möglichst quantitativ aus dem Abgas
entfernt werden. Dieser sogenannte Ammoniak-Schlupf muß bereits bei der
Entstickungsreaktion vermieden werden, denn eine nachträgliche Entfernung des
NH3 aus dem Abgas würde das Entstickungsverfahren mit zu hohen Kosten be
lasten.
Die DE 44 17 453 offenbart deshalb ein Verfahren samt einem mit Ammoniak
beladenen Katalysator, bei dem das mit NOx verunreinigte sowie Sauerstoff und
Wasserdampf enthaltende Abgas bei einer Reaktionstemperatur von 350 bis
500°C in Gegenwart eines Eisensulfat enthaltenden Katalysators mit NH3 oder mit
einer bei 350 bis 500°C NH3-abgebenden Substanz in einem Reaktor in Kontakt
gebracht wird, wobei das Molverhältnis NOx : NH3 zwischen 0,9 : 1 und 1,1 : 1
liegt. Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß als Katalysator FeSO4,
Fe2(SO4)3, FeSO4.x H2O (x = 1, 4, 7) und/oder Fe2(SO4)3.9H2O verwendet wird,
wobei der Katalysator entweder vor dem Eintrag in den Reaktor mit 1 bis 6 Mol
NH3 pro Mol Katalysator bei 20 bis 80°C während 1 bis 10 s beladen oder vor dem
Eintrag in den Reaktor mit der NH3-abgebenden Substanz gemischt wird.
Die Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und
anderen thermischen Prozessen wie etwa Glasschmelzbetriebe sowie Verbren
nungsprozesse der verschiedensten Art wird dadurch sehr erschwert, daß die Ab
gase mit hohen Mengen von Feststoffen, die das feste Produkt selbst oder Ver
brennungsrückstände darstellen, belastet sind. Zur Durchführung der eingangs
vorgestellten Entstickung nach dem SCR-Prinzip und in Kenntnis aller vorgenann
ter Varianten bietet sich ein staubförmiger SCR-Katalysator an, der ein- oder
mehrmals mit dem Stickoxid enthaltenden Gas sowie dem Reduktionsmittel in
Kontakt treten muß, ohne daß die Entstickungsreaktion behindert wird.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein SCR-Verfahren zur Ent
stickung eines hohe Staubanteile enthaltenden Abgases so auszugestalten, daß
eine wirksame Minderung der Stickoxide gewährleistet ist. Die Aufgabe besteht
darin, die folgenden Forderungen zu erfüllen:
- 1) Der Katalysator muß eine hohe SCR-Aktivität aufweisen, damit dieser auch bei Verdünnung durch im Abgas vorhandene Feststoffe noch aktiv ist.
- 2) Der Hauptbestandteil des SCR-Katalysators muß produktverträglich sein, damit der Katalysator entweder das Produkt mitbildet oder dem Produkt beigemischt werden kann.
- 3) Der SCR-Katalysator darf keine oder nur solche Nebenbestandteile enthalten, die produktverträglich sind.
- 4) Der Katalysator sollte keine aufwendige und damit kostspielige Vorbehandlung notwendig haben.
- 5) Der dem SCR-Prozeß zugeführte Katalysator muß bereits in seiner aktiven Form vorliegen.
- 6) Der Katalysator muß als in einfacher Weise handhabbares Pulver vorliegen.
- 7) Der Katalysator muß als so feines Pulver vorliegen, daß die Abgasförderung nicht beeinträchtigt wird.
- 8) Der Temperaturbereich höchster Aktivität des SCR-Katalysators (sog. Tem peraturfenster) muß mit der Temperatur des Abgasteilstranges übereinstim men, in dem die Entstickung durchgeführt wird.
- 9) Der SCR-Prozeß muß so geführt werden, daß der SCR-Katalysator optimale Reaktionsbedingungen vorfindet hinsichtlich seiner Verweilzeit und damit Kontaktzeit im Sekundenbereich.
- 10) Der an sich saure Katalysator darf sich nicht mit basischem Staub beladen, damit seine Aktivität nicht beeinträchtigt wird.
- 11) Der SCR-Katalysator muß kostengünstig verfügbar sein.
Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird dadurch gelöst, daß ein
sehr aktiver SCR-Katalysator auf der Basis von mit Sauerstoff verbrücktem Eisen
verwendet wird, der im folgenden näher erläutert wird, wobei auf die chemischen
Zusammenhänge eingegangen werden muß. Der neuartige Katalysator erfüllt alle
vorgenannten 11 Punkte der Anforderungen.
Es ist bekannt, daß viele der Eisenoxide keinerlei SCR-Aktivität entwickeln. Dem
Fachmann ist aber auch bekannt, daß Eisen(III)oxid, gemeint ist die α oder γ-Form
des Fe2O3, einen mäßig aktiven SCR-Katalysator darstellen kann, je nach
dem, welche "Vorgeschichte" solche Eisenoxide durchlaufen haben.
Erfindungsgemäß wird ein besonders aktiver SCR-Katalysator vorgestellt. Die Vor
läufersubstanz, aus der der Katalysator gewonnen wird, enthält die Atome von
Eisen, Sauerstoff und Wasserstoff untereinander so verknüpft, daß ein wasser
haltiges Eisenoxidhydroxid mit (Fe-O-Fe)-Bindungen, also oxoverbrücktes
Eisen mit Wassermolekülen als Liganden vorliegt, das dann durch eine milde
Wärmebehandlung wie etwa eine Trocknung bei 100-110°C über 15-20 Minuten
in ein Feststoff-Pulver von rotbrauner Farbe überführt wird. Der so erhaltene SCR-Katalysator
ist chemisch gesehen ein Eisenoxidhydroxid mit noch geringen An
teilen von Wasser : (FeOOH)x.aq mit x ≧ 1. Im folgenden soll diese besonders
SCR-aktive Substanz in Anlehnung an die Sauerstoff-Verbrückung des Eisens als
OFe-Katalysator benannt werden.
Als Fallbeispiel werden die bei der Enteisenung von Trink-, Mineral- und Gruben
wässern in großen Mengen anfallenden Eisenoxidhydroxid-Niederschläge heran
gezogen, die als Vorläufersubstanz zur Gewinnung des erfindungsgemäßen SCR-Katalysators
dienen. In Wasserwerken und in Betrieben, die Mineralwässer anbie
ten, sowie in Grubenbetrieben werden den Wässern durch Einblasen von atmos
phärischer Luft weitestgehend die gelösten Eisenverbindungen entzogen, indem
das zweiwertige Eisen zum dreiwertigen und damit unter den herrschenden Bedin
gungen nicht mehr löslichem Eisen oxidiert wird, das dann in Form von wasser
haltigem Eisenoxidhydroxid, also (FeOOH)x.aq mit x < 1 ausfällt. Die chemisch
übliche Bezeichnung für solche Kondensate lautet Isopolybasen.
Der chemisch-technologische Ablauf wird im folgenden näher erläutert: Das in den
Wässern gelöste zweiwertige Eisen, beispielsweise das Hydrogencarbonat des
Fe(II), wird durch die erwähnte Luftoxidation in dreiwertiges Eisen, Fe(III) bzw.
Fe3+, umgewandelt. Die damit vorliegenden [Fe(H2O)6]3+-Ionen (siehe Formel 1)
unterliegen nämlich sehr stark der Hydrolyse und können als Kation-Säuren
bezeichnet werden (siehe Strukturformel 2). Fortschreitende Kondensation führt
schließlich zur Bildung von dreidimensionalen, hochmolekularen, kolloiden
Kondensaten, den Isopolybasen, mit der Brutto-Zusammensetzung (FeOOH)x.aq
(siehe Strukturformel 3; aq entspricht Wasser, H2O). Unter zunehmender
Schwerlöslichkeit des Fe(III) erfolgt letztlich die Ausflockung des genannten Nie
derschlags.
Die folgende milde Trocknung des feuchten Gutes bei Temperaturen möglichst
nicht weit über 110°C während 15-20 min, beispielsweise in einer Wirbelschicht,
führt dann zu dem als Erfindung genannten SCR-aktiven OFe-Katalysator, für den
eine BET-Oberfläche (N2-Adsorption) von 205 m2/g ermittelt wurde. Die geringe
Kristallisationsfähigkeit und damit Feinkörnigkeit des Pulvers (d50 = 1 µm) impliziert
die große Oberflächenaktivität. Die außerdem in hohem Maß vorhandenen Gitter
störungen im Partikel führen zu energiereichen ("aktiven") Zuständen, aus denen
sich ein weiterer Beitrag zu der hohen katalytischen Aktivität herleitet.
Vorläufersubstanzen zur Gewinnung des erfindungsgemäßen OFe-Katalysators
fallen also in Form von Niederschlägen bei der Enteisenung von Wässern in
großen Mengen an, sodaß regionale Kapazitäten von 10.000-100.000 t/a nicht
selten sind. In natürlichen Wässern sind nämlich wechselnde Mengen von ge
löstem Fe(II), meist als Hydrogencarbonat, enthalten. Im Grundwasser liegen die
Eisengehalte typischerweise bei 1-3 mg/l, können aber auch 10 mg Fe/l und in
Mineralwässern 10-40 mg Fe/l erreichen. In Moorwässern ist Eisen als Humin
säuresalz organisch gebunden. In Grundwässern von Braunkohlegebieten ist
Eisen bis zu 40 mg/l sulfatisch enthalten. Beim in das städtische Rohrleitungsnetz
eingespeisten Trinkwasser darf der Eisengehalt 0,1 mg/l nicht überschreiten.
Mangan als das Eisen begleitende Element macht etwa 1 Ma.-% in der
Niederschlags- Trockensubstanz aus. Arsen, das bei der Fällung mitgerissen wird,
ist üblicherweise mit höchstens 0,01 mg As/l in den Wässern enthalten; in
seltenen Fällen treten höhere Gehalte bis zu 20 mg As2O3/l auf.
In überraschender Weise wurde gefunden, daß die SCR-Aktivität des erfindungs
gemäßen OFe-Katalysators die Aktivität des vorbekannten Katalysators Eisensul
fat, genauer Eisen(II)sulfat-Monohydrat (FeSO4.H2O), übertrifft. Beispielsweise
wird bei einem Molverhältnis NO : NH3 = 1 : 1, einem Sauerstoffgehalt des Abga
ses von 3 Vol.-%, einer Raumgeschwindigkeit von 10.000/h und einer Belastung
des OFe-Katalysators von 20 l/g.h ein Umsatz der Stickoxide von über 90% im
Temperaturbereich von 200 bis 300°C erreicht. Wird der OFe-Katalysator mit
Ofenmehl aus Zementofenanlagen im Massenverhältnis 1 : 1 bis 1 : 30 verdünnt,
so sinkt der NOx-Umsatz etwa auf die Hälfte ab, wobei sich der Temperaturbereich
maximalen NOx-Umsatzes von 230 bis 370°C erstreckt.
Unter denselben Bedingungen erbringt der vorbekannte Eisensulfat-Katalysator,
der eine BET-Oberfläche von maximal 10 m2/g aufweist, einen NOx-Umsatz von
rd 80% im Temperaturfenster zwischen 350 und 500°C, während bei der Kataly
satorverdünnung FeSO4 : Ofenmehl = 1 : 1 etwa 50% NOx-Umsatz und bei der
hohen Katalysatorverdünnung FeSO4 : Ofenmehl = 1 : 30 nur noch 20% NOx-
Umsatz bei 400-500°C gemessen werden.
Überraschenderweise wurde also demnach gefunden, daß der erfindungsgemäße
OFe-Katalysator einen Niedertemperatur-SCR-Katalysator darstellt, der unter
technischen Bedingungen am vorteilhaftesten bei Temperaturen von 200 bis
370°C eingesetzt wird, vorzugsweise bei 350°C, wenn die hohe Verdünnung durch
den im Abgas befindlichen Staub berücksichtigt wird.
Nach der Erfindung ist es vorgesehen, daß als SCR-Katalysator die OFe-Sub
stanz in Form von Pulver, das eine Korngröße von 0,5 µm-5 µm aufweist, dem
Abgasstrom dort zugeführt wird, wo Temperaturen im Bereich 200 bis 370°C vor
herrschen. Vorzugsweise ist eine solche Zugabestelle vorgesehen, an der die
Staubbelastung des Abgases am geringsten ist. Die hierbei benötigte Menge an
OFe-Katalysator ist so bemessen, daß diese Substanz im Zementrohmehl ver
bleiben kann, ohne daß es zu Störungen der Zementqualität kommt, zumal eine
bestimmte Menge Eisenoxid (Normzement in der BRD: 0,5-4,5 Ma.-% Fe2O3
sowie 0-0,6 Ma.-% Mn) im Zementklinker vorhanden sein muß.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist deshalb vorgesehen, daß der OFe-Katalysator
dem Abgas in einer Menge von 0,1 bis 5 g/Nm3,tr zugegeben wird. Die
vergleichsweise geringe Katalysatormenge kann mit Staub der Abgasleitung, mit
Zementklinker oder Zementrohmehl oder anderen Feststoffen mit dem Ziel der
besseren Lagerung und Dosierbarkeit verdünnt werden. Die Zumischung von
teilweise calciniertem Rohmehl, das einen beträchtlichen Anteil an freiem CaO
enthält, kann dazu dienen, daß im Abgas vorhandenes freies Schwefeldioxid
(SO2) dadurch als Calciumsulfat (CaSO4) gebunden wird.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß im Abgas das Mol
verhältnis NO : NH3 = 1 : 0,8 bis 1 : 1,2 beträgt, wobei die unterstöchiometrische
Fahrweise bevorzugt wird, sodaß ein Ammoniakschlupf mit Sicherheit vermieden
und trotzdem ein hoher NOx-Umsatz erreicht wird.
Nach der Erfindung wird neben Ammoniak-Gas oder Ammoniak-Wasser als NH3
abgebende Substanz vorzugsweise Harnstoff, Ammonium-Hydrogencarbonat,
-Carbonat, -Carbaminat (auch Carbamat genannt) sowie die Ammoniumsalze von
ein-, zwei- oder dreibasischen Carbonsäuren wie -Formiat, -Acetat, -Oxalat
eingesetzt. Oberhalb von 200°C ist die Zerfallsgeschwindigkeit dieser Substanzen
unter Bildung von NH3 so hoch, daß ständig genügend NH3 verfügbar ist.
Nach der Erfindung ist ferner vorgesehen, daß der OFe-Katalysator vor Zudo
sierung in den Abgaskanal in einem Reaktionsgefäß mit NH3-Gas beladen wird.
Wird als Reaktionsgefäß eine Wirbelschicht eingesetzt, so kann als Wirbelgas
abgekühltes Abgas oder Luft verwendet werden, die 0,1 bis 5 Vol.-% NH3 enthal
ten. Unter diesen Bedingungen kann eine solche Menge an NH3 auf den OFe-Katalysator
geladen werden, daß diese Menge nahstöchiometrisch zum NOx-Gehalt
während der Einwirkungszeit des OFe-Katalysators im Abgaskanal steht.
Das erfindungsgemäße Verfahren sieht eine Kontaktzeit des NOx-haltigen Ab
gases mit dem OFe-Katalysator im genannten optimalen Temperaturfenster von
0,2 Sekunden bis mehrere Sekunden Dauer vor.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß das Abgas, das die
thermische Anlage, etwa den Drehrohrofen bei der Zementklinkerproduktion, ver
lassen hat, bei 800 bis 950°C mit Ammoniak oder einer NH3-abgebenden Sub
stanz, etwa Harnstoff, im Molverhältnis NO : NH3 = 1 : 0,8 bis 1 : 1,2 ohne Zugabe
eines Katalysators in Kontakt gebracht wird, wobei nach dieser als SNCR-Verfahren
(selective noncatalytic reduction) vorbekannten Umsetzung bereits bis
etwa 40% der Stickoxide entfernt werden, jedoch ein erheblicher NH3-Schlupf
verbleibt. Diese NH3-Beladung des Abgases kommt in den kälteren Teilen der
Abgasanlage als willkommenes Reduktionsmittel bei 200 bis 370°C mit dem OFe-Katalysator
nach dem SCR-Verfahren in Kontakt, sodaß hier entsprechend
weniger Reduktionsmittel benötigt und ein Ammoniak-Schlupf zuverlässig vermie
den wird.
Erfindungsgemäß ist der Ort der NH3-Zugabe und der Katalysator-Dosierung zur
Durchführung des SNCR-Verfahrens bei Zementofenanlagen nach dem Wärme
tauscher-Prinzip die Rohrleitung zwischen dem untersten und dem zweituntersten
Zyklon, dagegen bei Zementofenanlagen nach dem LEPOL-Prinzip der Bereich
der sog. Heißkammer in Richtung Drehrohrofen.
Erfindungsgemäß ist der Ort der NH3-Zugabe sowie der Dosierung des OFe-Katalysators
nach dem SCR-Verfahren bei Zementofenanlagen nach dem Wärme
tauscher-Prinzip das Gasaustrittsrohr (Tauchrohr) des obersten und damit kälte
sten Zyklons, dagegen bei Zementofenanlagen nach dem LEPOL-Prinzip, also mit
Rostvorwärmung, das Gasaustrittsrohr an der Heißkammer (Zwischengas-Ent
staubung).
In einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung wird beim Einsatz des
Katalysators in Zementofenanlagen zumindest ein Teil des Katalysators rezirku
liert. Hierzu wird der dem Abgasstrom zudosierte Katalysator vor der Mahl
trocknung in einem Verdampfungskühler zusammen mit dem Feststoff abgeschie
den, rückgeführt sowie erneut aufgegeben und erzielt somit eine mehrfache Kon
taktzeit mit den Stickoxiden. Im Ausführungsbeispiel (Fig. 1) wird die Kreislauffüh
rung beschrieben.
Entsprechend der Erfindung wird das Verfahren sowie der OFe-Katalysator zur
Entstickung von Abgasen der Zementherstellung verwendet. Die Abgase der Ze
mentofenanlagen enthalten ca. 500 bis 2000 mg NOx/Nm3,tr. Mit dem erfindungs
gemäßen Verfahren werden Entstickungsleistungen bis 90% erreicht.
Der Einsatz des OFe-Katalysators erweist sich für die Entstickung von Zement
ofenabgasen deshalb als besonders vorteilhaft, weil der pulverförmige, einfach
dosierbare und äußerst preiswerte Katalysator auch noch in der hohen Ver
dünnung wirkt und zudem problemlos in den Zementklinker als sogar notwendige
Eisenkomponente eingebaut wird. Selbst Spuren von Arsen in der Substanz des
OFe-Katalysators im Bereich bis 1 g/kg Trockensubstanz und darüber werden sich
beim Verklinkerungsprozeß nicht nachteilig auswirken, da der Fachmann weiß,
daß das Spurenelement Arsen unter den im Prozeß herrschenden Bedingungen
im Klinker zu 90% und in den Stäuben des äußeren Kreislaufs zu rd 10% praktisch
quantitativ eingebunden wird. Das ansonsten leicht verflüchtigbare As2O3 wird
nämlich in Gegenwart von CaO durch Luftsauerstoff zu schwerstflüchtigen Cal
ciumarsenaten wie Ca(AsO3)2, Ca2As2O7 und Ca3(AsO4)2 oxidiert.
Der Gegenstand der Erfindung wird nachfolgend anhand von zwei Ausführungs
beispielen näher erläutert.
Fig. 1 zeigt die Entstickung eines Abgases aus der Zementherstellung nach dem
Wärmetauscher-Prinzip und Fig. 2 nach dem LEPOL- oder Rostvorwärmer-
Prinzip.
Fig. 1 zeigt die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Entstickung
von Abgasen, die bei der Zementherstellung nach dem Wärmetauscher-Prinzip
anfallen. Die Herstellung des Zements umfaßt das Gewinnen und Aufbereiten der
Rohstoffe, das Brennen des Rohstoffgemisches zu Zementklinker, das Herstellen
der Zumahlstoffe sowie das gemeinsame Vermahlen von Klinker und Zuschlag
stoffen.
Die Rohstoffe, nämlich im wesentlichen Kalkstein und Ton, werden trocken auf
gemahlen und liefern das Rohmehl. Das Rohmehl wird durch Wärmetausch mit
dem heißen Abgas in der Zyklonvorwärmung aufgeheizt und anschließend im
Drehrohrofen zu Zementlinker gebrannt. Je nach Bauart des Brennofens wird das
Brenngut (typischerweise 100 bis 150 t/h) während ca. 1 bis 2 h auf die Sinter-
Temperatur von 1450°C gebracht und danach möglichst schnell abgekühlt. Im
Drehrohrofen bilden sich bei den hohen Temperaturen der Brennerflamme in er
heblicher Menge Stickoxide, die aus den Abgasen (typischerweise 100.000 -
150.000 Nm3,tr/h) entfernt werden müssen.
Aus der Bevorratung (1) über die Mahlanlage (23), die auch als Homo
genisierungs- und Trocknungseinrichtung wirkt, wird das Zementrohmehl über die
Leitung (2) in die Leitung (3a) des aus mehreren Zyklonen bestehenden Vor
wärmers eingebracht. Das Rohmehl wird im Abgasstrom suspendiert, der in der
Leitung (3a) fließt, und gelangt über die Leitung (3b) in den Zyklon (4), wo eine
Abtrennung der Feststoffpartikel erfolgt, die ihrerseits über die Leitung (5) in die
Leitung (6a) gelangen, wo sie erneut im Abgasstrom suspendiert werden, der in
der Leitung (6a) fließt. Die Suspension gelangt dann über die Leitung (6b) in den
Zyklon (7), wo eine abermalige Abtrennung der Feststoffteilchen erfolgt, die über
die Leitung (8) in die Leitung (9a) gelangen, wo sie erneut im Abgasstrom
suspendiert werden. Das Abgas aus dem Zyklon (7) gelangt in die Leitung (3a).
Aus der Leitung (9a) tritt die Feststoffsuspension über die Leitung (9b) in den
Zyklon (10) ein, wo die festen Bestandteile abgetrennt werden. Während das
Abgas über die Leitung (6a) abströmt, werden die Feststoffteilchen über die Lei
tung (11) der Leitung (12a) zugeführt, in der sie im Abgasstrom suspendiert wer
den, der aus dem als Drehrohrofen gestalteten Brennofen (13) in die Leitung (12a)
gelangt. Die Feststoffsuspension tritt über die Leitung (12b) in den Zyklon (14) ein,
wo die Trennung der Feststoffsuspension erfolgt. Während das Abgas über die
Leitung (9a) abströmt, gelangen die im Zyklon (14) abgeschiedenen Feststoffe
über die Leitung (15) in den Brennofen (13), wo sie langsam der Flamme entge
genfließen, die durch den Brenner (16) erzeugt wird. Der Zementklinker wird aus
dem Drehrohrofen (13) über die Leitung (17) entnommen. Das Brenngut hat in der
Leitung (15) eine Temperatur von 800 bis 900°C erreicht, während in der Leitung
(12a) eine Abgastemperatur von 1000 bis 1200°C herrscht. Auf dem Weg durch
die einzelnen Zyklone des Vorwärmers kühlt sich das Abgas entsprechend ab, da
die Wärmeenergie vom Brenngut sukzessive aufgenommen wird. Das Abgas tritt
in die Leitung (3a) mit einer Temperatur von ca. 530°C ein und kühlt sich in der
Leitung (3b) sowie im Zyklon (4) ab, sodaß aus dem Zyklon (4) das Abgas mit
einer Temperatur von 330 bis 380°C in Richtung Feinentstaubung über die Leitung
(18a, 18b) durch das Saugzuggebläse (24) gefördert wird.
In einem süddeutschen Zementwerk als Fallbeispiel wird der größere Anteil des
Abgases (etwa 70%) samt Reststaub über die Leitungen (25) und (26) in die
Rohmühle (23) geführt, in die das frische Rohmaterial (1) zur Trocknung, Vor
wärmung und Vermahlung geleitet wird. Danach gelangt das Abgas zur Ent
staubung in das Elektrofilter (27) und über das Gebläse (28) zum Kamin (29). Vom
Abgas getrennter Staub wird über die Leitung (31) mit dem Rohmehlstrom aus
Leitung (30) vereinigt und dann wie schon beschrieben über die Leitungen (32)
und (2) dem Vorwärmungssystem bei (3a) zugeführt. Der nicht zur Mahltrocknung
verwendete Anteil des Abgases (etwa 30%) gelangt über die Leitung (33) in den
Verdampfungskühler (34) zur Konditionierung mittels Wasser, danach über Lei
tung (35) in das Elektrofilter (36) und wird vom Saugzug (37) zum Kamin (38)
gefördert. Im Elektrofilter (36) abgeschiedener Staub gelangt in die Leitung (39),
vereinigt sich mit dem Feststoff aus dem Verdampfungskühler (34) aus Leitung
(40) und fließt durch die Leitungen (41), (42) und (2) zur Rohmehlaufgabe. Ist die
Rohmühle (23) nicht in Betrieb, und das ist mindestens eine Stunde täglich oder
mehr der Fall, wird der gesamte Abgasstrom (Direktbetriebsweise) aus Leitung
(25) über Leitung (33) dem Verdampfungskühler zugeführt, wobei der ausgetra
gene Feststoff über die Leitungen (40), (41), (42) und (2) in das Zyklonsystem bei
(3a) zurückgeführt wird.
Die Zufuhr des Ammoniak-abgebenden Mediums erfolgt erfindungsgemäß aus der
Bevorratung (21) über Leitung (22) in das Rohr (18a). Aus dem Vorratsbunker (19)
wird der OFe-Katalysator mit einem mittleren Teilchendurchmesser d50 von 1 µm
über die Leitung (20) in das Rohr (18a) eingeblasen oder mittels eines Zellenrades
dosiert. In Leitung (18a) weist das Abgas mit ca. 60-80 g Feststoff/Nm3,tr die
geringste Beladung auf, wobei die Temperatur von etwa 330 bis 380°C in vorzügli
cher Weise auf das Temperaturfenster maximaler Aktivität des OFe-Katalysators
abgestimmt ist, wenn in Betracht gezogen wird, daß der OFe-Katalysator weitest
gehend kalt dosiert wird und sich im Abgasstrom noch aufheizen muß. [Eine Do
sierung in die Leitung (6a) bei etwa 500 bis 550°C ist wenig vorteilhaft, zumal hier
neben einer nur kurzen Reaktionsstrecke insbesonders hohe Feststoffbeladungen
von 600 bis 1000 g/Nm3,tr angetroffen werden und somit der Katalysator zu stark
verdünnt wird].
Der OFe-Katalysator sowie das Reduktionsmittel (etwa aus der Harnstofflösung)
treffen in den Leitungen (18a), (18b), im Gebläse (24) sowie in den Leitungen (25),
(26) bzw. (33) auf die zu reduzierenden Stickoxide. Es ist besonders vorteilhaft,
daß hier der ohnehin vorhandene, sehr lange "Rohrreaktor", nämlich die Strecke
von (18a) bis (26) bzw. (33), für den Entstickungsprozeß verfügbar ist, sodaß die
Investition eines zusätzlichen Apparates, etwa eines zwischengeschalteten
Zyklons zur Verlängerung der Verweilzeit des Katalysators oder zur weiteren
Feststoffabscheidung im Sinne einer geringeren Katalysatorverdünnung nicht
unbedingt nötig ist. Der geringere Teil des Abgases (ca. 30%) trägt über die
Leitung (33) auch OFe-Katalysator in den Verdampfungskühler (34) ein. Die Kon
ditionierung mit Wasser in (34) kann sich vorteilhaft hinsichtlich der Aktivität des
OFe-Katalysators durch Wasseraufnahme auswirken. Besonders vorteilhaft ist es
auch, daß sich der mit dem Feststoff in (34) abgeschiedene und gegebenenfalls
zusätzlich aktivierte OFe-Katalysator über die Leitungen (40), (41) -und abwei
chend vom bekannten Zementofenbetrieb- im weiteren über die Leitungen (43)
und (44) wieder zur Katalysator-Aufgabestelle in die Leitung (18a) gelangt, womit
erfindungsgemäß für den über den Verdampfungskühler (34) geleiteten OFe-Katalysator
ein Kreislaufschluß gelungen ist. Erfindungsgemäß wird auch ein
Abscheidezyklon in Leitung (26) vorgeschlagen (in Fig. 1 nicht eingezeichnet), der
dann dazu dient, daß ein Teil der ansonsten an die Rohmühle abgegebenen
Katalysatormenge am Zyklonauslauf zurückgewonnen wird und sodann durch die
Leitungen (43) und (44) über Leitung (18a) erneut dem Kreislauf zugeführt wird.
Mit diesen Maßnahmen ist es möglich, den größten Teil des OFe-Katalysators zu
rezirkulieren, allerdings unter dem Investitionsaufwand des in die Leitung (26)
eingefügten Abscheidezyklons.
Fig. 2 zeigt die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Entstickung
von Abgasen, die bei der Zementherstellung nach dem Rostvorwärmer-Verfahren,
das auch LEPOL-Verfahren genannt wird, anfallen, welches besonders bei
feuchten sowie alkali- und chloridreichen Rohstoffen geeignet ist, heute aber kaum
noch 20% aller Zementofenanlagen ausmacht. Auch hier bilden sich bei den ho
hen Temperaturen der Verbrennung von Heizöl, Erdgas, Kohlestaub oder Ersatz
brennstoffen in erheblichem Maße Stickoxide, bis zu 2000 mg/Nm3,tr, auch wenn
Primärmaßnahmen zur Stickoxid-Minderung eingesetzt werden.
Das Rohmaterial wird aus dem Silo (1) über die Rohmühle (2) dem Granulierteller
(3) zugeführt, um dort unter Zugabe von Wasser (4) pelletisiert zu werden. Die 12-14
Ma.-% Wasser enthaltenden zentimetergroßen Pellets werden über Leitung
(5) der Trockenkammer (6) des Rostvorwärmers (7) aufgegeben, auf einem Wan
derrost (8) getrocknet sowie auf 150°C erwärmt. Die Pellets, die ein rd 40 cm
dickes Bett auf dem Wanderrost (8) bilden, werden in die durch eine Zwischen
wand abgetrennte Heißkammer (9) gefördert, wobei die Pellets auf 700 bis 850°C
erwärmt werden und dann über eine Rutsche (10) in den Drehrohrofen (11) von rd
90 m Länge bei einem Durchmesser bis zu 5,60 m gelangen. Der im Ofen (11),
welcher über die Flamme (12) seine Wärme bezieht, sich bildende Klinker wird
über den Rostkühler (13) als Produkt abgezogen. Das Ofenabgas tritt über die
Leitung (14) mit 1000 bis 1200°C in die Heißkammer (9) ein, steht im
Wärmetausch mit dem sich teilentsäuernden Pelletbett unter Abkühlung auf 300
bis 400°C und verläßt über die Leitung (15) den bis zu 60 m langen und bis zu
knapp 6 m breiten Rostvorwärmer (7), um in dem System von Zwischengas
zyklonen (16) entstaubt und über Leitung (17) vom Zwischengasgebläse (18)
durch Leitung (19) erneut in den Rostvorwärmer (7) gefördert zu werden. Das nun
von oben nach unten das Pelletbett auf dem Rost (8) der Trockenkammer (6)
durchströmende Abgas nimmt das verdampfte Wasser der Pellets auf und gelangt
mit einer Temperatur von 90 bis 150°C bei einem Wassertaupunkt von 50 bis
65°C über Leitung (20) und den Verteiler (21) in das Elektrofilter (22). Das
Gebläse (23) drückt das Abgas schließlich in den Kamin (24). Die Abführung des
Klinkerstaubes vom Rostkühler (13) geschieht über Leitung (25) und nach der
Feinentstaubung im Elektrofilter (26) fördert das Saugzuggebläse (27) über
Leitung (28) das Abgas in die Verteilung (21), wobei eine Vereinigung mit dem
Abgas aus (20) erfolgt. An weiteren drei Stellen der Anlage müssen Feststoffe
erfaßt werden. Der Rostdurchfall bei Wanderrost (8) wird über Leitung (29) erneut
dem Vorwärmer (7) aufgegeben. Dagegen muß der Zwischengasstaub aus den
Zwischengaszyklonen (16) genauso in ein Silo (30) wie der Elektrofilterstaub aus
dem Elektrofilter (22) in das Silo (31) aus dem System abgeführt werden und kann
gegebenenfalls dem Klinker zugemahlen werden. Der Staub aus dem Elektrofilter
(26) kann dem Rohmehl (1) zugemischt werden.
Erfindungsgemäß ist der "chemische Reaktor", in dem die Stickoxide des Abgases
mit dem Reduktionsmittel, etwa dem aus der 20-30%igen Harnstofflösung ent
stehenden Ammoniak, am OFe-Katalysator vernichtet werden, als derjenige Anla
genteil anzusehen, in dem der für die Katalysatorwirksamkeit optimale Tempe
raturbereich, nämlich 200 bis 370°C, angetroffen wird und zudem eine möglichst
niedere Staubbeladung herrscht. Als Reaktionsstrecke eignet sich in vorteilhafter
Weise die Leitung (15) zusammen mit dem Zyklonsystem (16), der Leitung (17),
dem Gebläse (18) sowie Leitung (19). Es wird deshalb gemäß der Erfindung das
Reduktionsmittel aus der Bevorratung (33) und der OFe-Katalysator aus (34) der
Leitung (15) zudosiert. Trotz der geringen Korngröße des OFe-Katalysators wird
ein sehr erheblicher Teil über ein Zellenrad bei (30) ausgetragen, wobei erfin
dungsgemäß ein Teil des Zwischengasstaubes samt Katalysator aus (30) über
Leitung (35) rezirkuliert wird. Dazu muß die Abscheideleistung von (16) und das
Saugzuggebläse (18) gegebenenfalls verstärkt werden. Je nach Bauart der Ze
mentofenanlage ist es aber auch vorteilhaft, die Zugabe von Reduktionsmittel und
von Katalysator bei den Stellen (33) bzw. (34) an die Stellen (36) bzw. (37) zu ver
legen und somit erst in die Leitung (17) zu dosieren, denn hier herrscht die nieder
ste Feststoffbeladung bei optimaler Reaktionstemperatur des OFe-Katalysators.
Es kann aber auch günstig sich auswirken, wenn sowohl an den Stellen (33) bzw.
(34) als auch an den Stellen (36) bzw. (37) jeweils anteilig dosiert wird, wobei
dann in den Zyklonen (16) abgeschiedener Feststoff samt Katalysator aus (30)
teilweise zur Dosierung bei (37) verwendet werden kann.
[1] KÖNIG, A., HELD, W., RICHTER, T., PUPPE, L.:
Katalytische Stickoxidverminderung bei Dieselmotoren.
VDI-Berichte 714 (1988) 309-325
[2] TAKAGI, M., KAWAI, T., SOMA, M., ONISH, T., TAMARU, K.: The Mechanism of the Reaction between NOx
[2] TAKAGI, M., KAWAI, T., SOMA, M., ONISH, T., TAMARU, K.: The Mechanism of the Reaction between NOx
and NH3
on V2
O5
in the
Presence of Oxygen. Journal of Catalysis 62 (1977) 441--446
[3] JANSSEN, F., VAN DEN KERKHOF, F., BOSCH, H., ROSS, J.: Mechanism of the Reaction of Nitric Oxide, Ammonia, and Oxygen over Vanadia Catalysts. J. Phys. Chem. 91(1987) 5921-5927
[4] OZKAN, U., YEPING, C., KUMTHEKAR, M.: Investigation of the Reaction Pathways in Selective Catalytic Reduction of NO with NH3
[3] JANSSEN, F., VAN DEN KERKHOF, F., BOSCH, H., ROSS, J.: Mechanism of the Reaction of Nitric Oxide, Ammonia, and Oxygen over Vanadia Catalysts. J. Phys. Chem. 91(1987) 5921-5927
[4] OZKAN, U., YEPING, C., KUMTHEKAR, M.: Investigation of the Reaction Pathways in Selective Catalytic Reduction of NO with NH3
over V2
O5
Catalysts: Isotopic Labeling Studies Using 18
O2
, 15
NH3
,
15
NO, and 15
N18
O. Journal of Catalysis 149 (1994) 390-403
[5] ODENBRAND, I., BAHAMONDE, A., PERDO, A., BLANCO, J.: Kinetic Study of the Selective Reduction of Nitric Oxide over Vanadia-Tungsta- Titania/Sepiolite Catalyst. Applied Catalysis B, Environmental 5 (1994) 117-131
[6] TUFANO, V., TURCO, M.: Kinetic Modelling of Nitric Oxide Reduction over a High-Surface Area V2
[5] ODENBRAND, I., BAHAMONDE, A., PERDO, A., BLANCO, J.: Kinetic Study of the Selective Reduction of Nitric Oxide over Vanadia-Tungsta- Titania/Sepiolite Catalyst. Applied Catalysis B, Environmental 5 (1994) 117-131
[6] TUFANO, V., TURCO, M.: Kinetic Modelling of Nitric Oxide Reduction over a High-Surface Area V2
O5
-TiO2
Catalyst.
Applied Catalysis B, Environmental 2 (1993) 9-26
[7] HELD, W., A. KÖNIG, TH. RICHTER, L. PUPPE Catalytic NOx-Reduction in Net Oxidizing Exhaust Gas SAE Technical Paper Series 900496, 1990
[8] KOEBEL, M., ELSENER, M., EICHER, H.: Mit Harnstoff gegen Stickoxide. Technische Rundschau 49 (1990) 74-78
[9] WEISWEILER, W., MAURER, B., WENDLER, M.: Dieselentstickung: NOx
[7] HELD, W., A. KÖNIG, TH. RICHTER, L. PUPPE Catalytic NOx-Reduction in Net Oxidizing Exhaust Gas SAE Technical Paper Series 900496, 1990
[8] KOEBEL, M., ELSENER, M., EICHER, H.: Mit Harnstoff gegen Stickoxide. Technische Rundschau 49 (1990) 74-78
[9] WEISWEILER, W., MAURER, B., WENDLER, M.: Dieselentstickung: NOx
-Entfernung aus sauerstoffreichen Abgasen mittels NH3
-ab
spaltender Reduktionsmittel.
Berichtsband KfK-PEF 122, Projekt Europäisches Forschungszentrum für Maß
nahmen zur Luftreinhaltung (PEF), Forschungszentrum Karlsruhe (1994)
[10] HUG, H. T., MAYER, A., HARTENSTEIN, A.: Off Highway Exhaust Aftertreatment: Combining Urea-SCR, Oxidation Catalysts and Traps. SAE Technical Paper Series 930363 (1993)
[10] HUG, H. T., MAYER, A., HARTENSTEIN, A.: Off Highway Exhaust Aftertreatment: Combining Urea-SCR, Oxidation Catalysts and Traps. SAE Technical Paper Series 930363 (1993)
Claims (17)
1. Verfahren zur Entfernung von Stickoxiden aus sauerstoffhaltigen Abgasen, bei
dem das Abgas im Temperaturbereich zwischen 200 und 500°C in Gegenwart von
Ammoniak oder einer Ammoniak abgebenden Substanz, wobei das Mol-Verhältnis
NOx : NH3 zwischen 0,8 : 1 und 1,1 : 1 liegt, mit einem Katalysator in Kontakt
gebracht wird, dadurch gekennzeichnet, daß als Katalysator ein noch gebundenes
Wasser (aq) enthaltendes Eisenoxidhydroxid (FeOOH)x.aq mit x < 0, verwendet
wird, das aus Vorläufersubstanzen nach Art von Isopolybasen (oxoverbrückte
Eisenatome mit Wassermolekülen als Liganden), welche bei der Enteisenung von
Wässern in großen Mengen anfallen, unter milder Trocknung um 100°C
entstehen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Katalysator als
Pulver im Korngrößenbereich von 0,5 bis 5 µm (d50 = 1 µm) eingesetzt wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Ka
talysator eine spezifische Oberfläche zwischen 100 und 250 m2/g aufweist.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Kata
lysator in einem Trocknungsreaktor, vorzugsweise einer Wirbelschicht, die auch
als zirkulierende Wirbelschicht ausgeführt sein kann, aus Isopolybasen durch
schonende Trocknung hergestellt wird.
5. Verfahren, nach dem die in Anspruch 1 genannten Isopolybasen zur Entstickung
von Abgasen direkt eingesetzt werden, wobei die Isopolybasen in dem heißen
Rauchgas sukzessive getrocknet und auf diese Weise in den SCR-Katalysator
überführt werden.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Trock
nung der Katalysator-Vorläufersubstanz, nämlich der Isopolybasen, so durchge
führt wird, daß das Eisenoxidhydroxid kein koordinativ gebundenes und/oder
adsorbiertes Wasser mehr enthält.
7. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß vor dem
Einsatz des Katalysators zur Entstickung von Abgasen die Oberfläche des Kataly
sators mit Ammoniak beladen wird, wozu vorzugsweise eine Wirbelschicht
Verwendung findet, die mit 0,1 bis 3 Vol.% Ammoniak enthaltendem Gas be
trieben wird.
8. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die
Kontaktzeit des Katalysators mit den Stickoxiden des Abgases 0,2 bis 10
Sekunden beträgt.
9. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Kataly
sator vor der Dosierung in das stickoxidhaltige Abgas auf Reaktionstemperatur,
vorzugsweise auf 250 bis 370°C aufgeheizt wird, wozu sich eine Wirbelschicht,
auch von der Art einer zirkulierenden Wirbelschicht eignet, die mit Abgas der
Anlage betrieben wird.
10. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß als Ammo
niak abgebende Substanz Harnstoff, Ammonium-Hydrogencarbonat oder -Carbo
nat, -Carbamat oder Ammoniumsalze ein-, zwei- oder mehrbasischer organischer
Säuren verwendet wird.
11. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß dem
Abgas bei einer Temperatur von 750 bis 950°C, vorzugsweise bei 800 bis 900°C,
Ammoniak oder eine Ammoniak abgebendes Medium nach Anspruch 10
zugegeben wird, wobei das Mol-Verhältnis NOx : NH3 = 1 : 0,8 bis 1 : 1,2 beträgt,
und daß danach das Abgas bei 200 bis 500°C mit dem Katalysator, der nach
Anspruch 1 gekennzeichnet ist, in Kontakt gebracht wird, wobei zum noch
vorhandenen NOx nahstöchiometrisch Ammoniak entsprechend Anspruch 10
nachdosiert wird.
12. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die
Katalysatorsubstanz so in den Prozeß integriert wird, daß diese Bestandteil des
Produktes wird, so daß keine Katalysator-Abtrennung nötig ist.
13. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß der
Katalysator in voller oder einer Teilmenge rezirkuliert wird, sodaß bezogen auf den
Anspruch 8 ein Mehrfaches der Einmal-Kontaktzeit resultiert.
14. Verwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 13 zur Entstickung von
Abgasen der Zementherstellung.
15. Verwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 13 zur Entstickung von
Abgasen aus thermischen Anlagen, wie etwa Glasschmelzöfen.
16. Verwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 13 zur Entstickung von
Anlagen der Energie- und Wärmeerzeugung, die mit fossilen Brennstoffen wie
Erdgas, Erdöl oder Kohle betrieben werden.
17. Verwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 13 zur Entstickung von
Abgasen aus Anlagen zur Verbrennung von Müll und anderen festen, flüssigen
oder gasförmigen Abfallstoffen.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1997156392 DE19756392A1 (de) | 1997-12-18 | 1997-12-18 | Verfahren und Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und von Verbrennungsprozessen |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1997156392 DE19756392A1 (de) | 1997-12-18 | 1997-12-18 | Verfahren und Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und von Verbrennungsprozessen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19756392A1 true DE19756392A1 (de) | 1999-07-01 |
Family
ID=7852437
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1997156392 Withdrawn DE19756392A1 (de) | 1997-12-18 | 1997-12-18 | Verfahren und Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und von Verbrennungsprozessen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19756392A1 (de) |
Cited By (9)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE10206028A1 (de) * | 2002-02-14 | 2003-08-28 | Man Nutzfahrzeuge Ag | Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung von Ammoniak |
| DE10305367A1 (de) * | 2003-02-10 | 2004-08-19 | Polysius Ag | Verfahren und Anlage zur Wärmebehandlung von mineralischen Rohstoffen |
| EP1921050A2 (de) | 2006-11-13 | 2008-05-14 | Montanuniversität Leoben | Verfahren und Vorrichtung zur thermischen Behandlung von Rohstoff |
| DE102008063488A1 (de) * | 2008-12-17 | 2010-06-24 | Emitec Gesellschaft Für Emissionstechnologie Mbh | Verfahren und Vorrichtung zur tropfenförmigen Zugabe eines flüssigen Reduktionsmittels in eine Abgasleitung |
| EP2508494A1 (de) * | 2011-04-04 | 2012-10-10 | ThyssenKrupp Polysius AG | Verfahren und Anlage zur Herstellung von Zementklinker |
| DE102011050677A1 (de) | 2011-05-27 | 2012-11-29 | Südbayerisches Portland-Zementwerk Gebr. Wiesböck & Co. GmbH | Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Zementklinker |
| CN113385008A (zh) * | 2021-06-28 | 2021-09-14 | 北京工业大学 | 一种利用铁碳复合材料作为sncr添加剂进行烟气脱硝的方法 |
| CN116459666A (zh) * | 2023-04-06 | 2023-07-21 | 天津中材工程研究中心有限公司 | 一种粉末状scr催化剂在水泥窑的使用方法 |
| CN116474551A (zh) * | 2023-04-06 | 2023-07-25 | 天津中材工程研究中心有限公司 | 一种scr催化剂在水泥窑的使用方法 |
Citations (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| US4093561A (en) * | 1976-02-10 | 1978-06-06 | Kyushu Refractories Co., Ltd. | Catalyst for the reduction of nitrogen oxides and method for the production thereof |
| US4666882A (en) * | 1984-07-17 | 1987-05-19 | Cbmm Internacional Ltda. | Method of preparation of catalyst and catalyst prepared by the method for converting nitrogen oxides in exhaust gases |
-
1997
- 1997-12-18 DE DE1997156392 patent/DE19756392A1/de not_active Withdrawn
Patent Citations (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| US4093561A (en) * | 1976-02-10 | 1978-06-06 | Kyushu Refractories Co., Ltd. | Catalyst for the reduction of nitrogen oxides and method for the production thereof |
| US4666882A (en) * | 1984-07-17 | 1987-05-19 | Cbmm Internacional Ltda. | Method of preparation of catalyst and catalyst prepared by the method for converting nitrogen oxides in exhaust gases |
Cited By (12)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE10206028A1 (de) * | 2002-02-14 | 2003-08-28 | Man Nutzfahrzeuge Ag | Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung von Ammoniak |
| DE10305367A1 (de) * | 2003-02-10 | 2004-08-19 | Polysius Ag | Verfahren und Anlage zur Wärmebehandlung von mineralischen Rohstoffen |
| EP1921050A2 (de) | 2006-11-13 | 2008-05-14 | Montanuniversität Leoben | Verfahren und Vorrichtung zur thermischen Behandlung von Rohstoff |
| DE102008063488A1 (de) * | 2008-12-17 | 2010-06-24 | Emitec Gesellschaft Für Emissionstechnologie Mbh | Verfahren und Vorrichtung zur tropfenförmigen Zugabe eines flüssigen Reduktionsmittels in eine Abgasleitung |
| EP2508494A1 (de) * | 2011-04-04 | 2012-10-10 | ThyssenKrupp Polysius AG | Verfahren und Anlage zur Herstellung von Zementklinker |
| DE102011050677A1 (de) | 2011-05-27 | 2012-11-29 | Südbayerisches Portland-Zementwerk Gebr. Wiesböck & Co. GmbH | Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Zementklinker |
| WO2012163663A1 (de) | 2011-05-27 | 2012-12-06 | Südbayerisches Portland-Zementwerk Gebr. Wiesböck & Co. GmbH | Verfahren und vorrichtung zur herstellung von zementklinker |
| US9873635B2 (en) | 2011-05-27 | 2018-01-23 | Sudbayerisches Portland-Zementwerk Gebr. Wiesbock & Co. Gmbh | Method and device for producing cement clinker |
| CN113385008A (zh) * | 2021-06-28 | 2021-09-14 | 北京工业大学 | 一种利用铁碳复合材料作为sncr添加剂进行烟气脱硝的方法 |
| CN113385008B (zh) * | 2021-06-28 | 2022-10-11 | 北京工业大学 | 一种利用铁碳复合材料作为sncr添加剂进行烟气脱硝的方法 |
| CN116459666A (zh) * | 2023-04-06 | 2023-07-21 | 天津中材工程研究中心有限公司 | 一种粉末状scr催化剂在水泥窑的使用方法 |
| CN116474551A (zh) * | 2023-04-06 | 2023-07-25 | 天津中材工程研究中心有限公司 | 一种scr催化剂在水泥窑的使用方法 |
Similar Documents
| Publication | Publication Date | Title |
|---|---|---|
| DE112007000814B4 (de) | Verfahren zur Herstellung eines selektiv reduzierenden Katalysators für die Rauchgas-Entstickung und Verfahren zur Entfernung von Stickoxiden aus Rauchgas mit diesem Katalysator | |
| US6054408A (en) | Catalyst for reducing the nitrogen oxide concentration in a flowing medium and method for producing the catalyst | |
| JP5576023B2 (ja) | 石炭燃焼公共施設のためのアンモニア酸化触媒 | |
| DE4023030C2 (de) | Trockenverfahren zur Behandlung von Verbrennungsabgasen | |
| KR100686381B1 (ko) | 넓은 활성온도 대역에서 질소산화물 및 다이옥신을제거하기 위한 천연망간광석을 포함하는 바나듐/티타니아계촉매 및 이의 사용방법 | |
| US7727499B2 (en) | Ammonia oxidation catalyst for power utilities | |
| DE3784586T2 (de) | Methode, um die Desaktivierung von Entstickungskatalysatoren zu verhindern. | |
| DE3854728T2 (de) | Methode zum Entfernen von NOx- und SOx-Emissionen aus Verbrennungssystemen unter Verwendung stickstoffhaltiger Verbindungen. | |
| DE3601378C2 (de) | ||
| DE102005005818A1 (de) | Verfahren zum Reinigen von Abgasen eines Sinterprozesses von Erzen in der Metallerzeugung | |
| DE60226137T2 (de) | Abgasreinigungsvorrichtung für eine abfallverbrennungsanlage | |
| DE19756392A1 (de) | Verfahren und Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von Zementofenanlagen und von Verbrennungsprozessen | |
| EP0622108B1 (de) | Verfahren zur Entstickung der bei der Herstellung von Zement anfallenden Abgase | |
| EP0274148A2 (de) | Verfahren zur katalytischen Reduktion von in einem Gas enthaltenem NO | |
| US20160038920A1 (en) | Catalysts possessing an improved resistance to poisoning | |
| DE3031286C2 (de) | Verfahren zum Behandeln von staub- und schwefeloxidhaltigem Rauchgas | |
| EP3428534A1 (de) | Hochwarmfestes, hoch erosionsbeständiges lanzensystem, reaktionsraum enthaltend das lanzensystem und verfahren zur verringerung der konzentration von schadstoffen in verbrennungsgasen | |
| DE3312890A1 (de) | Verfahren und vorrichtung zur reinigung von verbrennungsgasen aus beispielsweise haushaltsheizungen, verbrennungsmotoren oder dergl. feuerungen | |
| DE4417453C1 (de) | Verfahren zur Entstickung eines Abgases | |
| DE102019110624B4 (de) | Verfahren und Vorrichtung zur Verringerung der Konzentration von Stickoxiden eines Rauchgasstroms | |
| Yu et al. | Experimental investigation of simultaneous removal of SO2 and NOx using a heteropoly compound | |
| JP2638067B2 (ja) | 窒素酸化物の接触還元用触媒 | |
| AT396206B (de) | Verringerung, umwandlung und/oder beseitigung von bei verbrennungs- und/oder industriellen und/oder umweltentlastungs-prozessen anfallenden schadstoffen | |
| DE19652902A1 (de) | Verfahren zum Entfernen von Ammoniak oder Aminen, sowie deren Abbauprodukten aus Abgasen, insbesondere Abgasen einer Verbrennung | |
| WO1988004571A1 (fr) | PROCEDE DE REDUCTION DE L'EMISSION DE NOx PAR LES CHAUFFERIES |
Legal Events
| Date | Code | Title | Description |
|---|---|---|---|
| OP8 | Request for examination as to paragraph 44 patent law | ||
| 8139 | Disposal/non-payment of the annual fee |