DE19754342A1 - Mikroverkapseltes Kautschukadditiv - Google Patents
Mikroverkapseltes KautschukadditivInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine mikroverkapselten Schwefel enthal
tende Zusammensetzung, ein Verfahren zu ihrer Herstellung, ihre
Verwendung bei der Herstellung von Kautschuk und Kautschukmi
schungen und damit erzeugte Kautschukmischungen und -produkte.
Bei der Herstellung der meisten Kautschukmischungen wird Schwe
fel verwendet, um die Polymermoleküle während einer Hochtempe
raturvulkanisationsstufe (normalerweise etwa 150 bis 190°C) zu
vernetzen. Der Schwefel wird in die Kautschukmischung während
eines Mischprozesses eingemischt, bei dem die Temperatur norma
lerweise 110°C nicht überschreitet.
Schwefel existiert in verschiedenen allotropen Formen. Die in
der Kautschukindustrie am häufigsten verwendeten Schwefelmodifi
kationen sind kristallin (rhombischer oder monokliner Schwefel)
und schmelzen bei 124 bzw. 129°C. Der kristalline Schwefel ist
preisgünstig. Er ist bei Mischtemperaturen von ca. 100°C voll
ständig im Kautschuk löslich, zeigt aber nur begrenzte Löslich
keit bei Raumtemperatur. Die Löslichkeit bei Raumtemperatur
hängt von dem Kautschukpolymertyp und zu einem gewissen Teil von
den weiteren vorhandenen Mischungsbestandteilen ab, liegt aber
im allgemeinen in der Größenordnung von 1 Gew.-%, bezogen auf
das Polymer.
Schwefel wird, bezogen auf das Kautschukpolymer, normalerweise
in Konzentrationen von etwa 0,4 bis 5 Gew.-%, bevorzugter von
1,0 bis 4 Gew.-% und häufig im Bereich von 1,5 bis 3 Gew.-%, zu
Kautschukmischungen gegeben. Ein in der Reifenindustrie sehr
wichtiger Kautschukmischungstyp ist der, der für die Beschich
tung von stahlcordverstärkten Reifen verwendet wird. Diese Mi
schung enthält im allgemeinen 4 bis 5 Gew.-% Schwefel.
Aufgrund der oben beschriebenen begrenzten Löslichkeit von
Schwefel wird jeglicher Schwefel, der im Überschuß zu der bei
Raumtemperatur löslichen Menge in der ca. 100 bis 110°C heißen
Kautschukmischung gelöst war, aus der Mischung ausgeschieden,
wenn diese nach dem Vermischen oder nach Verarbeitungsschritten
wie Extrudieren oder Kalandrieren abkühlt. Wenn dieser Wechsel
stattfindet, fällt der im Kautschuk unlöslich gewordene Schwefel
aus und blüht an der Oberfläche des Kautschuks aus, d. h. er
migriert an die Kautschukoberfläche. Dort bildet sich dann eine
kristalline Schicht, die die natürliche Klebrigkeit und Haftfä
higkeit des Kautschuks zerstört, wodurch es praktisch unmöglich
wird, derartigen Kautschuk an anderen Kautschukkomponenten eines
komplexen Artikels, wie beispielsweise ein Reifen, zum Haften zu
bringen.
Es ist Stand der Technik dieses Problem durch die Verwendung
anderer allotroper Schwefelformen, nämlich von amorphem, unlös
lichem Schwefel, zu lösen. Dieser Schwefeltyp ist bei allen
Temperaturen unterhalb etwa 105°C in Kautschuk vollständig un
löslich und verhält sich somit wie ein inerter Füllstoff. Die
Schwefelpartikel, die in der Kautschukmischung während des Ver
mischens dispergiert werden, verbleiben dort wo sie sind, wenn
die Temperatur der Mischung nach dem Vermischen oder Verarbeiten
absinkt, so daß die Oberflächenklebrigkeit/-haftfähigkeit der
Mischung nicht nachteilig beeinflußt wird.
Amorpher, unlöslicher Schwefel weist jedoch eine Reihe gewichti
ger Nachteile auf. So ist er sehr teuer, und es ist sehr schwie
rig, ihn gleichförmig in der Kautschukmischung zu dispergieren.
Er ist zudem bei Lagerung als solcher oder in der Kautschukmi
schung instabil und kann sich leicht in die lösliche kristalline
Form umwandeln.
Bei dem Versuch die genannten Nachteile zu überwinden, wird
amorpher, unlöslicher Schwefel häufig in Form einer Mischung mit
Ölen oder anderen Dispergierhilfsmitteln verwendet, wobei jedoch
der Gehalt an unlöslichem Schwefel so niedrig wie 60 Gew.-% sein
kann. Dies verteuert die Verwendung des amorphen, unlöslichen
Schwefels weiter.
Die Instabilität von amorphem, unlöslichem Schwefel nimmt bei
hohen Temperaturen und bei Anwesenheit von Aminen oder Verbin
dungen mit Amingruppen zu. So induzieren Temperaturen über
100°C den Start der Umwandlung in kristallinen Schwefel. Eine
weitere Temperatursteigerung beschleunigt die Umwandlung. Die
Kautschukmischungsherstellung und -verarbeitung müssen daher
genau kontrolliert werden, um diese Umwandlung zu minimieren.
Die meisten organischen Beschleuniger, die in Kautschukmischun
gen verwendet werden, weisen Aminogruppen auf, die die Umwand
lung von amorphem, unlöslichem in kristallinen, löslichen Schwe
fel schon bei Raumtemperatur katalysieren. Viele in Kautschukmi
schungen verwendete Alterungs-/Abbauschutzmittel haben Amino
gruppen oder sind Amine, die ebenfalls die Umwandlung von amor
phem, unlöslichem Schwefel katalysieren. Diese Umwandlung kann
selbst im Rohmateriallager stattfinden, falls amorpher, unlösli
cher Schwefel in der Nähe solcher Chemikalien gelagert wird. Sie
kann aber auch in der Mischung stattfinden.
Der vorliegenden Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde,
Schwefel in Form einer Zusammensetzung zur Verfügung zu stellen
die zur Verwendung als Additiv in Kautschuk oder Kautschuk
mischungen geeignet ist. Diese soll leicht in den Kautschuk ein
arbeitbar und mit dem Kautschukmaterial gut verträglich sein,
eine hohe Wirksamkeit im Kautschuk oder in der Kautschukmischung
zeigen und sich durch gute Verteilbarkeit in dem Kautschukmate
rial auszeichnen. Die Zusammensetzung soll sich ferner durch
Stabilität bei Lagerung in der Nähe von basischen Substanzen
oder im Kautschuk bzw. Stabilität bei der Kautschukverarbeitung
bei Temperaturen unterhalb etwa 130°C auszeichnen.
Aufgabe der Erfindung ist es ferner, ein Verfahren zur Herstel
lung dieser Zusammensetzung bereitzustellen.
Schließlich ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, unter
Verwendung der Zusammensetzung erhaltene Kautschukmischungen und
-produkte bereitzustellen.
Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Zusammensetzung, die Schwe
fel enthält, und dadurch gekennzeichnet ist, daß der Schwefel
mit Beschichtungsmaterial unter Bildung von Mikrokapseln umhüllt
ist.
Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind Gegenstand der
Unteransprüche.
Der in den Mikrokapseln enthaltene Schwefel ist vorzugsweise
kristalliner Schwefel, wobei die Erfindung aber auch auf amor
phen Schwefel anwendbar ist. Es können auch Mischungen der be
kannten allotropen Formen des Schwefels verwendet werden.
Neben Schwefel können in den Mikrokapseln auch weitere Stoffe
enthalten sein, die beispielsweise aus der Schwefelquelle stam
men können, aus der der in die erfindungsgemäße Zusammensetzung
eingearbeitete Schwefel stammt. Dies können unter anderem Koh
lenwasserstoffe oder Mineralien sein. In der Regel liegt der
Anteil solcher Begleitstoffe unter 1 bis 2 Gew.-%, bezogen auf
Schwefel. Weitere Stoffe, die vorhanden sein können, sind dem
Schwefel zugesetzte Hilfsstoffe aus dessen Herstellungsprozeß
oder Lagerung. Beispielsweise werden unlöslichem Schwefel zur
Stabilisierung Halogene und andere Zusätze zugegeben.
Die erfindungsgemäßen Beschichtungsmaterialien zeichnen sich
durch gute Verträglichkeit mit den Bestandteilen der Kautschuk
mischungen aus. Als Beschichtungsmaterial werden insbesondere
Wachse, Paraffine, Polyethylen (PE), Ethylen-Vinylacetat-Copoly
mere, Polyvinylalkohole (PVA) und Mischungen derselben verwen
det, wobei Polyvinylalkohole wie Mowiol 8-88 (Handelsprodukt der
Firma Clariant, D-65926 Frankfurt), ein PVA auf Basis von Poly
vinylacetat mit einem Restacetylgehalt, und Polyethylenwachse
wie Vestowax A 616 (Handelsprodukt der Firma Hüls AG, Marl) be
sonders geeignet sind.
Ferner sind folgende Beschichtungsmaterialien zur Herstellung
der erfindungsgemäßen Mikrokapseln geeignet: Calciumkaseinat,
Calciumpolypektat, Polyacrylsäure und Derivate, Polycarbonate,
Polyethylenoxid, Polymethacrylatester, Polyorthoester, Polyvi
nylacetat, Polyvinylpyrrolidon und thermoplastische Polymere.
Weiter sind polymerisierbare flüssige Polyacrylatzusammensetzun
gen, die ein Katalysatorsystem aus Photoinitiator und thermi
schen Initiator enthalten können, polymerisierbare Mischungen
aus Dihydropyridin, Tetrazol und einem löslichen ionischen Salz,
Polyurethane, amorphe Polyester, die gegebenenfalls tertiäre
Amingruppen enthalten, Mischungen aus Polyaminozusammensetzungen
und Derivaten von 2,4,6-Triamino-1,3,5-triazin mit Aldehyden,
Mischungen aus Polyethylen und Polyvinylalkoholen, aminoplasti
sche Harze aus Umsetzungen von Triaminotriazin mit Aldehyden und
gegebenenfalls Polyaminoverbindungen, Amino-Aldehydharze, orga
nische Siliconpolymere, Polyvinyl-Polyolefin-Copolymere, grenz
flächenpolymerisierte Polymere mit funktionellen Methylengrup
pen, anionische polymere Tenside wie solche aus (Meth)acrylsäure
oder (Metha)crylonitril und Acrylamidsulphonsäure und/oder Sulp
hoalkylacrylat und Styrolharze geeignete Beschichtungsmateria
lien.
Ebenso sind Thermoplaste wie thermoplastische Polyamidschmelz
kleber wie Vestamelt 170 (EP = 122°C) und Vestamelt 550
(EP = 132°C) der Firma Hüls, Polyamidharze wie Reamide PAS 13
(EP = 115 bis 120°C) der Firma Henkel, Versamid (EP = 125 bis 135°C)
der Firma Cray Valley Products, Wolfamid 111 (EP = 120 bis
130°C) der Firma Viktor Wolf, Polyesterharze wie Dynapol
L850/L860 (EP = 120°C) der Firma Dynamit Nobel als Beschich
tungsmaterialien geeignet.
Den Beschichtungsmaterialien ist gemeinsam, daß sie im allgemei
nen in dem Temperaturbereich schmelzen, der für die Kautschuk
vulkanisation von Bedeutung ist, d. h. zwischen etwa 100 und
260°C. Bevorzugt schmelzen sie unterhalb von 150°C und weisen
vorzugsweise einen Schmelzpunkt im Bereich von 120 bis 140°C,
insbesondere von etwa 130°C auf. Die Beschichtungsmaterialien
sind dabei vor dem Schmelzen, vorzugsweise bis zu Temperaturen
von 120 bis 140°C, insbesondere bis etwa 130°C, in Kautschuk
oder in Kautschukmischungen unlöslich. Erst bei Temperaturen
oberhalb der Schmelztemperatur, z. B. von 120 bis 140°C, ins
besondere etwa 130°C, werden die Beschichtungsmaterialien in
Kautschuk löslich.
Bedingt durch dieses Schmelz- bzw. Löslichkeitsverhalten der
erfindungsgemäßen Beschichtungsmaterialien, die Schwefel in Form
von Mikrokapseln umhüllen, ähnelt das Verhalten der Mikrokapseln
im Kautschuk bzw. in Kautschukmischungen dem der Beschichtungs
materialien selbst. Bezogen auf beispielsweise kristallinen,
löslichen Schwefel als Kautschukadditiv hat dies den Vorteil,
daß kein Ausblühen/Ausschwefeln bei Temperaturen bis etwa 130°C
auftritt. Die durch das Beschichtungsmaterial gebildete Hülle
der Mikrokapsel wirkt bei allen Temperaturen von Raumtemperatur
bis 130°C als physikalische Barriere und vermittelt der Kau
tschukmischung so während der Lagerung und bei allen Verarbei
tungsschritten unterhalb dieser Temperatur Stabilität. Somit
bleibt unter anderem die Oberflächenklebrigkeit und -haftfähig
keit erhalten. Auch die Haltbarkeit des Schwefels selbst wird
erhöht, wenn er in Form der erfindungsgemäßen Zusammensetzung in
mikroverkapselter Form gelagert wird. So wird beispielsweise die
Anfälligkeit von amorphem, unlöslichem Schwefel gegen Umwandlung
in kristallinen Schwefel bei Lagerung in mikroverkapselter Form
unterdrückt bzw. verzögert.
Zusätzlich ermöglicht das Beschichtungsmaterial eine schnellere
und bessere Dispersion der Mikrokapseln und führt so zu einer
gleichmäßigeren Verteilung in der Mischung. Da sich die Mikro
kapseln wie die entsprechenden Beschichtungsmaterialien verhal
ten, werden auch nachteilige Staubentwicklungen, wie sie von
Schwefel bekannt sind, vermieden. Dies führt ferner zu dem vor
teilhaften Effekt, daß das Risiko von Staubexplosionen, die ein
großes Problem bei der Schwefelverarbeitung darstellen, deutlich
gesenkt wird bzw. nicht mehr auftritt.
Die Mikrokapseln der erfindungsgemäßen Zusammensetzung weisen im
Mittel (Gewichtsmittel) eine Größe von 1 bis 75 µm, vorzugsweise
3 bis 30 µm und insbesondere 5 bis 8 µm auf.
Die Mikrokapseln weisen insbesondere die folgende Zusammenset
zung auf:
- a) 99 bis 40 Gew.-%, bevorzugter 80 bis 50 Gew.-% und am mei sten bevorzugt etwa 70 bis 60 Gew.-% Schwefel und
- b) 1 bis 60 Gew.-%, bevorzugter 20 bis 50 Gew.-% und am mei sten bevorzugt etwa 30 bis 40 Gew.-% Beschichtungsmaterial.
Die erfindungsgemäßen Mikrokapseln können auf verschiedene Art
und Weise hergestellt werden. Wesentlich bei dem Verfahren ist,
daß vollständig umhüllter Schwefel in Form von Mikrokapseln der
oben beschriebenen Art und Größe erhalten wird.
Bevorzugt werden die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen herge
stellt, indem ein Gemisch, das Schwefel, geschmolzenes Be
schichtungsmaterial und gegebenenfalls weitere Hilfsstoffe wie
Tenside oder Dispergierhilfsmittel enthält, in einem Kühlturm
auf eine schnell rotierende Vorrichtung wie einen Drehteller
fließen gelassen wird und durch die hohe Fliehkraft nach außen
wandert. Durch den größeren Durchmesser am Rand werden die Teil
chen getrennt und die Bildung von Agglomeraten vermieden. Nach
dem Abschleudern vom Rand der rotierenden Vorrichtung fliegen
die Teilchen nach außen einzeln weg und kühlen sich dabei ab,
wodurch die Beschichtung erstarrt. Ein solches Verfahren läßt
sich kontinuierlich betreiben und ist daher sehr effizient.
Neben diesem Verfahren kommen aber erfindungsgemäß auch andere
Verfahren in Betracht, bei denen ein Gemisch, das Schwefel und
Beschichtungsmaterial sowie gegebenenfalls Hilfsstoffe wie bei
spielsweise Tenside enthält, in flüssiger, gelöster, suspendier
ter oder emulgierter Form zu Mikrokapseln einer Zusammensetzung
und Größe wie oben beschrieben verarbeitet wird.
Somit kommen zur Herstellung der erfindungsgemäßen Mikrokapseln
auch Verfahren wie Sprühtrocknung, Wirbelbettbeschichtung, Emul
sions- bzw. Suspensionsverfahren und Ausfällung in Betracht.
Beispielsweise können sich Mikrokapseln auch durch Abkühlen und
Absetzenlassen eines Gemisches, das Schwefel und Beschichtungs
material sowie gegebenenfalls Hilfsstoffe wie Tenside enthält,
in einem geeigneten Lösungsmittel bilden.
Beispielsweise kann flüssiger oder fester Schwefel bei erhöhten
Temperaturen und Drücken, zum Beispiel bei etwa 130°C und etwa
2,6 kPa (bar) in einem geeigneten Reaktor emulgiert werden und
unter Zusatz von geeigneten Tensiden wie anionischen, kationi
schen oder nicht-ionischen Tensiden mit geschmolzenem oder fein
emulgierten Beschichtungsmaterial umhüllt werden. Als anionische
Tenside kommen beispielsweise Benzolsulfonate in Frage, insbe
sondere n-C10- bis C13-Alkylbenzolsulfonate in Form ihrer
Natrium-, Calcium- oder Tetraethylammoniumsalze. Erfindungsgemäß geeig
nete weitere sind beispielsweise Naphthalin- oder Phenolsulfon
säure-Kondensationsprodukte. Diese sind als Handelsprodukte
Tamol® N Marken bzw. Tamol® PP von der Firma BASF AG erhältlich.
Als besonders geeignet hat sich Tamol® NN 9104 erwiesen.
Das Beschichtungsmaterial kann zusammen mit dem Schwefel in den
Reaktor eingebracht werden. Es kann aber auch erst kurz vor
Austrag zugemischt werden. Die Umhüllung kann sowohl in dem
Reaktor erfolgen, indem die Lösungsmittel abgezogen werden,
wobei die erfindungsgemäße Zusammensetzung ausfällt, oder durch
Sprühtrocknung des Gemisches. Falls die endgültige Beschichtung
erst beim Sprühtrocknen erfolgt, kann das Beschichtungsmaterial
auch erst in diesem Verfahrens schritt nach Austrag aus dem Reak
tor zugesetzt werden.
Es ist somit bei dem erfindungsgemäßen Verfahren auch möglich,
mehrschichtige Kapselhüllen zu erzeugen, indem die Beschich
tungsschritte mehrmals hintereinander durchgeführt oder auch
verschiedene bevorzugte Verfahren miteinander kombiniert werden.
Die so hergestellten erfindungsgemäßen Zusammensetzungen können
vorteilhaft als Kautschukadditiv bei der Herstellung von Kau
tschuk oder Kautschukmischungen, insbesondere solchen für die
Gummiherstellung verwendet werden.
Das vorteilhafte Verhalten des Beschichtungsmaterials im Kau
tschuk führt dabei wie oben beschrieben zu einer schnelleren und
besseren Dispersion des Additivs und so zu einer gleichmäßigeren
Verteilung in der Kautschukmischung.
Die physikalische Barriere aus Beschichtungsmaterial stellt
ferner sicher, daß unterhalb von etwa 130°C ein Ausschwefeln
vermieden wird. Neben diesem nachteiligen Verhalten werden aber
auch weitere chemische Reaktionen von Schwefel mit beliebigen
anderen Bestandteilen der Kautschukmischung vermieden.
Insbesondere kann so das Problem der Anvulkanisation, die bei
Temperaturen um etwa 110°C durch Reaktion von Schwefel als
Vulkanisationsmittel und organischem Vulkanisationsbeschleuniger
gestartet wird, vermieden werden.
Somit ist es ein weiterer Vorteil der vorliegenden Erfindung,
daß durch die Einbindung von Schwefel in bis 130°C im Kautschuk
beständige, d. h. undurchlässige, Mikrokapseln der Einsatz von
teuren Verzögerern, die der Unterdrückung der Anvulkanisation
dienen, vermieden wird. Insbesondere kann sich auf diese Weise
auch eine Vereinfachung bei der Steuerung des Verfahrens zur
Herstellung von Gummiartikeln wie Reifen etc. ergeben. Die Frei
setzung des eingekapselten Additivs erfolgt erst, wenn das Be
schichtungsmaterial schmilzt bzw. sich im Kautschuk auflöst.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch unter Verwendung
der erfindungsgemäßen Additivzusammensetzungen hergestellte
Kautschuke, Kautschukmischungen oder Kautschukprodukte.
Die Erfindung ist im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen
illustriert.
In einem 10 l Druckreaktor aus V4A Stahl wurden 3,00 kg handels
üblicher Mahlschwefel mit 6,55 kg Leitungswasser, 0,15 kg eines
Alkylbenzolsulfonats (Marlon A 365, anionisches Tensid der Firma
Hüls AG), 0,15 kg eines Naphthalinsulfonsäure-Kondensationspro
dukts (Tamol® NN 9104, kautschukverträgliches Tensid bzw. Dis
pergierhilfsmittel der Firma BASF AG) und 0,30 kg eines Poly
ethylenwachses mit einer Molmasse von etwa 1600 g/mol (Vestowax
A 616, niedermolekulares Niederdruckpolyethylen der Firma Hüls
AG) mit einem Schmelzpunkt von etwa 125°C vorgelegt und durch
Rühren mit dem eingebauten Ankerrührwerk homogenisiert. Dabei
wurde der Reaktor mit Dampf auf eine Temperatur von 128°C auf
geheizt. Durch das eingebaute Schauglas konnte beobachtet wer
den, daß der Schwefel bei einem im Kessel gemessenen Dampfdruck
von 2,6 bar nach etwa 30 Minuten aufgeschmolzen war. Nach weite
ren 10 Minuten Rühren und Umpumpen über einen Rotor-Stator-
Mischer (Dispax) wurde die entstandene Emulsion über eine be
heizte Leitung in einem Wirbelschicht-Sprühtrockner zerstäubt,
der im Umluftsystem mit auf 70°C geheiztem Stickstoff betrieben
wurde. Nach etwa 50 Minuten wurde der Sprühvorgang beendet.
Durch das Verdampfen des Wassers sank die Temperatur in der
Abluft auf 58 bis 60°C ab. Das erhaltene Produkt war ein feines
gelbbraunes Pulver. Die Ausbeute betrug 2,27 kg, das entspricht
63%. Der Schwefelgehalt des Produkts betrug 82 Gew.-%.
In einem 10 l Druckreaktor aus V4A Stahl wurden 3,00 kg handels
üblicher Mahlschwefel mit 6,55 kg Leitungswasser, 0,15 kg eines
Alkylbenzolsulfonats (Marlon A 365, anionisches Tensid der Firma
Hüls AG), 0,15 kg einem Naphthalinsulfonsäure-Kondensationspro
dukts (Tamol® NN 9104, kautschukverträgliches Tensid bzw. Dis
pergierhilfsmittel der Firma BASF AG) und 0,30 kg Polyvinylalko
hol (Mowiol 8-88, Handelsprodukt der Firma Clariant, D-65926
Frankfurt) vorgelegt und durch Rühren mit dem eingebauten Anker
rührwerk homogenisiert. Dabei wurde der Reaktor mit Dampf auf
eine Temperatur von 128°C aufgeheizt. Durch das eingebaute
Schauglas konnte beobachtet werden, daß der Schwefel bei einem
im Kessel gemessenen Dampfdruck von 2,6 bar nach etwa 30 Minuten
aufgeschmolzen war. Nach weiteren 10 Minuten Rühren und Umpumpen
über einen Rotor-Stator-Mischer (Dispax) wurde die entstandene
Emulsion über eine beheizte Leitung in einem Wirbelschicht-
Sprühtrockner zerstäubt, der im Umluftsystem mit auf 70°C ge
heiztem Stickstoff betrieben wurde. Nach etwa 50 Minuten wurde
der Sprühvorgang beendet. Durch das Verdampfen des Wassers sank
die Temperatur in der Abluft auf 58 bis 60°C ab. Das erhaltene
Produkt war ein feines gelbbraunes Pulver. Die Ausbeute betrug
2,37 kg, das entspricht 66%. Der Schwefelgehalt des Produkts
betrug 81 Gew.-%.
Mikroverkapselter Schwefel wurde wie in Beispiel 1 oder 2 her
gestellt. In einem nachgeschalteten Verfahrensschritt wurde dann
in der gleichen Anlage 2,37 kg mikroverkapselter Schwefel durch
durch Aufsprühen von 0,237 kg einer niedrigschmelzenden, wachs
artigen Substanz wie Pentaerythrit-tetra-stearat das zunächst
erhaltene Pulver aus Mikrokapseln in 0,1 bis 10 mm große Perlen
überführt. Diese enthielten praktisch keinen Staubanteil mehr,
waren freifließend und somit automatisch verwägbar.
Bedingt durch den niedrigen Schmelzpunkt der wachsartigen Sub
stanz, die die Perlen zusammenhält, wurden die Mikrokapseln beim
nachfolgenden Einarbeiten in Kautschukmischungen in ihrer ur
sprünglichen Form wieder freigesetzt.
Claims (12)
1. Zusammensetzung, die Schwefel enthält, dadurch gekennzeich
net, daß der Schwefel mit Beschichtungsmaterial unter Bil
dung von Mikrokapseln umhüllt ist.
2. Zusammensetzung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
sie kristallinen Schwefel enthält.
3. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Beschichtungsmaterial in
Kautschuk oder in Kautschukmischungen bis zu Temperaturen
von 120 bis 140°C, insbesondere bis etwa 130°C, unlöslich
ist.
4. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Beschichtungsmaterial bei
Temperaturen oberhalb von 120 bis 140°C, insbesondere ober
halb von 130°C, in Kautschuk oder in Kautschukmischungen
löslich ist oder schmilzt.
5. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Beschichtungsmaterial aus
gewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Wachsen, Paraffi
nen, Polyethylen, Ethylen-Vinylacetat-Copolymeren und Poly
vinylalkoholen und Mischungen derselben.
6. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Mikrokapseln eine Größe von
1 bis 75 µm, bevorzugter 3 bis 30 µm und am meisten bevor
zugt 5 bis 8 µm aufweisen.
7. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß sie
- a) 99 bis 40 Gew.-%, bevorzugter 80 bis 50 Gew.-% und am meisten bevorzugt 70 bis 60 Gew.-% Schwefel und
- b) 1 bis 60 Gew.-%, bevorzugter 20 bis 50 Gew.-% und am meisten bevorzugt 30 bis 40 Gew.-% Beschichtungsmate rial enthält.
8. Verfahren zur Herstellung einer Zusammensetzung gemäß einem
der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
ein Gemisch, das Schwefel und Beschichtungsmaterial in flüs
siger, gelöster, suspendierter oder emulgierter Form ent
hält, zu Mikrokapseln erstarrt.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß das
Gemisch auf eine rotierende Vorrichtung dosiert wird und
während der Bewegung nach außen erstarrt und Mikrokapseln
bildet.
10. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß das
Gemisch in einem Wirbelbett, in einer Emulsion oder Suspen
sion, durch Sprühtrocknung, durch Ausfällung oder durch
Abkühlen und Absetzen Mikrokapseln bildet.
11. Verwendung der Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 1
bis 7 oder hergestellt gemäß einem der Ansprüche 8 bis 10
als Kautschukadditiv zur Herstellung von Kautschuk oder
Kautschukmischungen, insbesondere solchen für die Gummiher
stellung.
12. Kautschuk, Kautschukmischung oder Kautschukprodukt,
der/die/das unter Verwendung einer Zusammensetzung gemäß einem
der Ansprüche 1 bis 7 oder hergestellt gemäß einem der An
sprüche 8 bis 10 erzeugt worden sind.
Priority Applications (4)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19754342A DE19754342B4 (de) | 1997-11-25 | 1997-11-25 | Mikroverkapseltes Kautschukadditiv, dessen Herstellung und Verwendung |
| AU16709/99A AU1670999A (en) | 1997-11-25 | 1998-11-18 | Microencapsulated sulphur |
| PCT/EP1998/007357 WO1999027013A1 (de) | 1997-11-25 | 1998-11-18 | Mikroverkapselter schwefel |
| ARP980105971 AR010960A1 (es) | 1997-11-25 | 1998-11-25 | Formulacion que contiene azufre microencapsulado, procedimiento para su elaboracion, su empleo como aditivo para la elaboracion de caucho o mezclas decaucho y caucho, mezclas o productos de caucho elaborados con la misma. |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19754342A DE19754342B4 (de) | 1997-11-25 | 1997-11-25 | Mikroverkapseltes Kautschukadditiv, dessen Herstellung und Verwendung |
Publications (2)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19754342A1 true DE19754342A1 (de) | 1999-08-12 |
| DE19754342B4 DE19754342B4 (de) | 2006-12-14 |
Family
ID=7851088
Family Applications (1)
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| DE19754342A Expired - Fee Related DE19754342B4 (de) | 1997-11-25 | 1997-11-25 | Mikroverkapseltes Kautschukadditiv, dessen Herstellung und Verwendung |
Country Status (4)
| Country | Link |
|---|---|
| AR (1) | AR010960A1 (de) |
| AU (1) | AU1670999A (de) |
| DE (1) | DE19754342B4 (de) |
| WO (1) | WO1999027013A1 (de) |
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