DE19741609A1 - Halbleiterschichtanordnung zur lateralen Stromausbreitung sowie lichtemittierende Halbleiterdiode (LED) mit einer solchen Halbleiterschichtanordnung - Google Patents
Halbleiterschichtanordnung zur lateralen Stromausbreitung sowie lichtemittierende Halbleiterdiode (LED) mit einer solchen HalbleiterschichtanordnungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Halbleiterschichtanordnung zur lateralen Strom
ausbreitung gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 sowie eine
lichtemittierende Halbleiterdiode (LED) mit einer solchen Halbleiterschicht
anordnung gemäß Patentanspruch 6.
Die laterale Stromausbreitung von einer Ausgangs- hin zu einer Wirkfläche
im Halbleitermaterial ist ein bekanntes Problem, bei dem bspw. die aktive
Wirkfläche einer LED eine möglichst gleichmäßige und sich auf die gesamte
Wirkfläche erstreckende Stromverteilung erzielt werden soll. Die Ausgangs
fläche ist dabei die Kontaktfläche, die meist über einen Bonddraht kontak
tiert wird. Die Stromdichte direkt unter der Kontaktfläche ist daher am
höchsten. Da jedoch die Kontaktfläche auch als reflektierende Blende für
das freigesetzte Licht wirkt, ist eine gute Stromverteilung auch in die nicht
von der Kontaktfläche verdeckten Bereiche der Wirkfläche anzustreben.
Eine mögliche Lösung für LEDS wird in der EP 0 434 233 B1 dargestellt, indem
eine relativ dicke transparente Fensterschicht mit gegenüber der aktiven
Schicht geringem spezifischen Widerstand zwischen Ausgangs- und Wirk
fläche angeordnet wird. Die EP 0 551 001 A1 zeigt den dabei entstehenden
Effekt der quasi kegelförmig zunehmenden Stromausbreitung besonders
anschaulich. Die EP 0 434 233 B1 gibt die erforderliche Dicke einer derartigen
Fensterschicht mit 2 bis 30 µm an. Auch aus dem Artikel von Sugowa
ra/Itava/Ishikawa/Hatakoshi in Jpn. J. Appl. Phys. Vol. 31(1992), S. 2446-2451 ist
ein sogenannter "current spreading layer" von 7 µm Dicke (vgl. S. 2449) sowie
in Fig. 4 des Artikels die Verbesserung der Lichtausbeute deutlich zu ent
nehmen. Von Huang/Yu/Kuo/Fletcher/Osentowski/Stinson/Craford in Appl.
Phys. Letters 61 (9), 31. August 1992, S. 1045 ff. ist ebenso eine dicke Fenster
schicht zur Stromverteilung zu entnehmen, wobei in diesem Artikel eine
Dicke von 15 bis 45 µm angegeben wird.
Wesentlicher Nachteil dieser dicken Fensterschichten ist die gegenüber den
aktiven Schichten (Dicke < 1 µm) erhebliche Dicke der Schicht, was zu einem
hohen Materialaufwand und bei herkömmlichen Maschinen zu einer sehr
langen Epitaxiezeit führt. Durch entsprechend aufwendige und teure
Maschinen kann die Epitaxiezeit, nicht jedoch die Kosten gedrückt werden.
Außerdem sind bspw. dem Artikel von Lin, Wu, Jou, Chang/Lee/Tsai in
Electronics Letters 13. Oktober 1994, Vol. 30, No. 21 S. 1793 f. current
spreader aus Indium-Tin Oxid (ITO) zu entnehmen. Die Herstellungs- und
Materialkosten sind jedoch gegenüber herkömmlichen LED oder LEDS mit
den eingangs erwähnten dicken Fensterschichten noch erheblich höher.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Halbleiterschichtanordnung zur
lateralen Stromausbreitung vorzustellen, die kostengünstig und verfahrens
technisch einfach herstellbar ist und die erforderliche Stromausbreitung
sicherstellt oder noch verbessert. Aufgabe ist es des weiteren, eine
lichtemittierende Halbleiterdiode (LED) mit einer solchen Halbleiterschicht
anordnung vorzustellen, die dank einer verbesserten lateralen Stromaus
breitung eine sehr guten Lichtleistung aufweist und dabei einfach und
kostengünstig herstellbar ist.
Die Aufgabe der Halbleiterschichtanordnung zur lateralen Stromausbreitung
wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruchs 1 und die
Aufgabe zur lichtemittierenden Halbleiterdiode nach Anspruch 6 gelöst.
Die Stromaustrittsfläche, also die Fläche, aus der der Strom austritt, kann die
Berührungsfläche eines Kontaktpads oder einer damit in Verbindung
stehenden Metallisierungsschicht bspw. auf der Oberseite einer Halbleiter
diode sein. Grundsätzlich kann die Aufgabe der Stromausbreitung jedoch
auch außerhalb von LED- Anwendungen, bspw. bei Solarzellen, auftreten
und die Stromaustrittsfläche somit ein Bereich im inneren Halbleiter
material sein. Da nur bei Stromaustrittsflächen, die kleiner als die Wirk
flächen sind, direkt unter der Stromaustrittsfläche eine erheblich höhere
Stromdichte auftritt, erscheint die Verwendung der erfindungsgemäßen
Halbleiterschichtanordnung nur dann sinnvoll.
Aus der Theorie der Festköperphysik, bspw. aus Ibach/Lüth: Festkörper
physik-Einführung und Grundlagen, 4. Aufl. 1995 Springer Verlag, S. 368 ff.,
insb. S. 372 f. und S. 374, ist die Entstehung einer Anreicherungszone für
Majoritätsladungsträger in der Heterogrenzfläche zwischen zwei Halb
leiterschichten unterschiedlichen Materials oder Materialmischungs
verhältnisses zu entnehmen. Voraussetzung ist letztlich ein durch die unter
schiedlichen Materialen ergebende unterschiedlicher Bandabstand, so daß
es bei Einhaltung der Kontinuitätsbedingung des Fermi-Niveaus auf der
Seite der Halbleiterschicht mit geringerem Bandabstand zu einer Banddis
kontinuität und einer Anreicherungsraumladungszone der Majoritätsla
dungsträger kommt. Für die Anwendung zur Stromausbreitung ist dabei
eine möglichst große Banddiskontinuität im Majoritätsladungsträgerband
von Vorteil, da die entstehende Anreicherungsraumladungszone eine ent
sprechend große Menge an Majoritätsladungsträgern als quasi freies
Elektronengas enthält. Als vorteilhafter Effekt für die Stromausbreitung
erweist sich dabei, daß die Anreicherungsraumladungszone sich über die
gesamte Heterogrenzfläche zwischen den zwei Halbleiterschichten aus
bildet und bei entsprechend großer Banddiskontinuität es so zu einer sehr
guten zweidimensionalen Beweglichkeit der Majoritätsladungsträger
kommt, was von Ibach/Lüth auch als zweidimensionales Elektronengas (vgl.
Ibach/Lüth, S. 374: Ansatz waren dabei zwei unterschiedliche, n = dotierte
Halbleitermaterialien) bezeichnet wird.
Wird die Banddiskontinuität im Majoritätsladungsträgerband (für p-dotierte
Halbleiterschichten das Valenzband, für n-dotierte das Leitungsband ) sehr
gering oder gar annähernd Null, wie bei vereinzelten Heteroübergängen
des Types II der Fall, so kann aufgrund der geringen oder ganz fehlenden
Diskontinuität auch keine ausreichende Anreicherung der Majoritäts
ladungsträger erfolgen. Die sich dabei ergebende Anreicherung der
Minoritätsladungsträger ist wesentlich geringer und ohne nennenswerte
Verbesserung der Stromausbreitung, wenngleich eine Wirkung im Grund
satze auch da auftritt.
Die Effekte des zweidimensional frei beweglichen Elektronengases werden
jedoch, wie auch aus dem Lehrbuch der Experimentalphysik von Bergmann/
Schaefer, Bd. 6 - Festkörper HrSg. Raith, Verlag Walter de Gruyter 1992 auf S.
564 deutlich wird, bisher nur in der aktiven Schicht von LEDS zur Erzielung
sogenannter Potentialtöpfe auf Basis von Quanteneffekten eingesetzt,
insbesondere für Multiple-Quantum-Well-Strukturen oder, wie von Ibach/Lüth
auf S. 373 f. beschrieben, als modulationsdotierte Heteroübergänge,
jedoch wiederum in der aktiven Schicht. Hier wird nicht die hohe Beweg
lichkeit des zweidimensionalen Elektronengases genutzt. Die Verwendung
von Quantenfilmen dient zur Modifizierung der Zustandsdichte und bietet
die Möglichkeit, daß Material pseudomorph (verspannt) herzustellen, was
insbesondere in Laserdioden vorteilhaft eingesetzt werden kann, wie aus
Geng, Christian: Spontane Mischkristallordnung in AlGaInP - Laserstrukturen,
Shaker Verlag Aachen, 1997, Kap. 6, S. 95 ff. entnommen werden kann.
Zur Verbesserung der Stromausbreitung jedoch sind diese weitergehenden
Effekte ohne Bedeutung und entsprechende Maßnahmen, wie die gezielte
Wahl der Dotierungsmengen oder der geeigneten Bandabstände der zwei
Halbleiterschichten nicht unbedingt erforderlich, wenngleich für die Wirk
samkeit positiv. Die Dotierung kann grundsätzlich sowohl isotyp als auch
verschieden (p-n, p-i-n) sein. Der Effekt eines zweidimensionalen Elektronen
gases wird von Delagebeaudeuf/Linh: IEEE Transactions on Electron Devices,
Vol. ED-29, No. 6, June 1982, S. 955 ff. auch für pn-Heteroübergänge bei
sogenannten TEG (two-dimensional electron gas) -Fet nachgewiesen und
deren Rauscharmut herausgestellt. Wie daraus für sogenannte HEMT (Wigh
electron mobility transistors) nachgewiesen wurde, kann die Beweglichkeit
der Ladungsträger durch einen i-n Heteroübergang sogar noch verstärkt
werden, wobei das intrinsische Material den kleineren Bandabstand
aufweisen muß. Würde das intrinsische Material mit höherem Bandabstand
als das n-dotierte gewählt, kommt es zu keiner Anreicherungszone der
Majoritätsladungsträger, wie anhand des bekannten Bändermodells
nachvollzogen werden kann. Auch hier bei den HEMT wurde letztlich einzig
der Aspekt des verbesserten Frequenzverhaltens dieser Transistoren
untersucht und die laterale Stromausbreitung ist ohne Bedeutung.
Heterogrenzschichtfolgen mit isotypter Dotierung und hoher Diskontinuität
im Majoritätsladungsträgerband weisen eine sehr gute laterale
Stromausbreitung auf.
Durch eine Anordnung mehrerer solcher Heterogrenzflächen hinterein
ander wird die Stromausbreitung natürlich verbessert. Vorteilhaft ist auch
hierbei der besondere Effekt eines solchen sogenannten Übergitters, wie
von Ibach/Lüth auf S. 374 für die modulationsdotierten Heterostrukturen
benannt, wodurch sich die Anzahl der Anreicherungsraumladungszonen der
Majoritätsladungsträger um den Faktor 2n-1 (n - Anzahl der Schichtpaare)
erhöht, da bspw. eine oben und unten von je einer Halbleiterschicht
größeren Bandabstandes umgebene Halbleiterschicht sowohl auf ihrer
Ober- als auch auf ihrer Unterseite eine solche Anreicherungsraumladungs
zone der Majoritätsladungsträger aufweist. Die Stromausbreitung wird
durch eine Abfolge solcher Heterogrenzschichtfolgen wirkungsvoll
verbessert.
Die Anzahl der so paarweise hintereinander angeordneten Halbleiter
schichten ist vornehmlich durch den sich dabei insgesamt erhöhenden
Widerstand der Gesamtanordnung begrenzt. Ein Optimum wird im Bereich
zwischen 10 und 20 Schichtpaaren erwartet.
Indem man die beiden Schichten der Heterogrenzflächenschichtfolge(n) aus
Materialien oder Materialgemischen bildet, deren chemische atomare
Grundbestandteile nicht über die chemischen atomaren Grundbestandteile
hinausgehen, die auch in darunter liegenden Halbleiterschichten vorhanden
sind, läßt sich die gesamte Halbleiteranordnung zusammen mit den
anderen, bspw. aktiven Schichten durch entsprechende Regulierung der zu
geführten Stoffe oder deren Mischungsverhältnisse, also der Komposition,
in einem quasi kontinuierlichen Fertigungsprozeß in einer einzigen her
kömmlichen Epitaxieanlage ohne Umrüstung realisieren. Die Anforderungen
an die Genauigkeit der nachfolgenden Dotierung und die den Bandabstand
bestimmenden Mischungsverhältnisse sind gering.
Somit weist eine LED mit einer solchen erfindungsgemäßen Halbleiter
schichtanordnung zur lateralen Stromausbreitung eine sehr gute Licht
ausbeute auf und ist gleichzeitig äußerst einfach und kostengünstig herstell
bar. Von einer Kontaktfläche, die der Stromaustrittsfläche entspricht, hin
zur optisch aktiven Schicht wird wenigstens eine, vorzugsweise mehrere
Heterogrenzflächenschichtfolge(n) angeordnet, die je aus zwei ebenfalls
parallel angeordneten, isotypen Halbleiterschichten unterschiedlichen
Materials oder Materialmischungsverhältnisses bestehen, welche jeweils eine
Banddiskontinuität mit einer Anreichungszone für die Majoritäts
ladungsträger aufweisen.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen und
Figuren näher erläutert.
Fig. 1 Darstellung der stufenförmigen Stromausbreitung in einer
Heterogrenzflächenschichtfolge,
Fig. 2 kontinuierliche Stromausbreitung in einer Fenster-Halbleiter
schicht gemäß dem Stand der Technik,
Fig. 3 Bändermodell und Leitfähigkeitsverlauf einer Heterogrenz
flächenschichtfolge,
Fig. 4a Stromausbreitung an einer Heterogrenzschicht,
Fig. 4b Diskontinuität des Bändermodells und Majoritätsladungs
trägeranreicherung im Detail,
Fig. 5 LED mit Fensterschicht zur Stromausbreitung gemäß dem
Stand der Technik,
Fig. 6 gegenübergestellt einer LED mit Übergitter aus einer Hetero
grenzflächenschichtfolge mit gleich großer effektiver Wirk
fläche.
Fig. 1 zeigt die stufenförmige Stromausbreitung in einer Heterogrenz
flächenschichtfolge 2 von einer Austrittsfläche eines Kontaktes 1 hin zu
einer Wirkfläche 3, deren effektiv vom Strom durchflossene Fläche in der
vereinfachten Darstellung eindimensional als Aeff verdeutlicht wurde, wobei
natürlich die Stromausbreitung im dreidimensionalen Raum der Hetero
grenzflächenschichtfolge 2 quasi pyramidenförmig erfolgt. Die Hetero
grenzflächenschichtfolge 2 besteht aus einer Abfolge einzelner Halbleiter
schichten 2.1 und 2.2 unterschiedlichen Bandabstandes, was durch unter
schiedliche Halbleitermaterialien oder unterschiedliche Kompositionen, also
Mischungsverhältnisse eines Mischkristalls hervorgerufen wird. Dabei bildet
sich jeweils in einer Schicht 2.1 an der Seite zur anderen Schicht 2.2 eine
Majoritätsladungsträgeranreicherung und damit ein Stromkanal 2.3 aus.
Ladungsträger kommen somit in ein Gebiet sehr guter Leitfähigkeit,
welches jeweils gefolgt wird durch ein Gebiet schlechterer Leitfähigkeit, so
daß der Strom sich nicht geradlinig ausbreitet sondern seitlich abdriftet
und so die Stromausbreitung erheblich verstärkt wird.
Fig. 2 zeigt im Vergleich die Stromausbreitung in einer herkömmlichen
Fenster-Halbleiterschicht gleicher Dicke bzw. Tiefe d. Die Stromausbreitung
erfolgt kontinuierlich und erreicht bei der gleichen Dicke d nur eine
gegenüber der in Fig. 1 gezeigten deutlich kleineren effektiven Aeff Fläche
der Wirkfläche 3. Die Halbleiterschichtanordnung 2a ist gegenüber der in
Fig. 1 gezeigten aus einer einzigen, dicken Halbleiterschicht, während in der
Halbleiterschicht 2b der Fig. 1 gleicher Dicke d vier Heterogrenzflächen
schichtfolgen (4 × 2.1 & 2.2) angeordnet sind.
Die Abscheidung dieser Schichtdicken kann bspw. mittels metallorganischer
Gasphasenepitaxie (MOVPE) zuverlässig erfolgen.
Fig. 3 zeigt das Bändermodell und Leitfähigkeitsverlauf einer Heterogrenz
flächenschichtfolge. Die in Fig. 3a dargestellte Heterogrenzflächen
schichtfolge weist je eine Schicht 2.1 mit niedrigem und je eine Schicht 2.2
mit demgegenüber höherem Bandabstand ausgehend von der Austritts
fläche des Kontaktes 1 hin zur Wirkfläche 3 auf. Fig. 3b verdeutlicht die
unterschiedliche Leitfähigkeit, die zwischen einer sehr guten Leitfähigkeit
Shigh. In der Anreicherungszone und einer recht schlechten Leitfähigkeit Slow
in den Verarmungsgebieten schwankt. Zwar kann die durchschnittliche
mittlere Leitfähigkeit gegenüber einer gleichdicken einfachen Halbleiter
schicht durch diese Abfolge sich leicht erhöhen, was jedoch bei ent
sprechend begrenzter Anzahl von Heterogrenzschichtfolgen vernachlässig
bar ist. Demgegenüber entsteht durch die lokale, sich immer auf die
gesamte Heterogrenzfläche erstreckende Erhöhung der Leitfähigkeit eine
starke Aufspreizung der Stromausbreitung, die nur unwesentlich davon
beeinflußt wird, ob sich eine Verarmungszone oder das Halbleitermaterial
mit quasi mittlerer Leitfähigkeit anschließt. Aus Fig. 3c kann man im
Bändermodeil, bestehend aus dem Energieniveau des Valenzbandes EVB, des
Fermi-Niveaus EF und des Leitungsbandes ELB, noch deutlicher die Abfolge
von Anreicherungs- und Verarmungszonen erkennen. Beide Halbleiter
schichten 2.1 und 2.2 sind in diesem Ausführungsbeispiel p-dotiert (Fermi-Ni
veau in der Nähe des Valenzbandes).
Fig. 4a zeigt im Detail noch einmal die Stromausbreitung an einer
Heterogrenzschicht und Fig. 4b die entsprechende Diskontinuität des
Bändermodells und die Majoritätsladungsträgeranreicherung. So wird in
Fig. 4a die laterale Stromausbreitung (4) innerhalb der Heterogrenzfläche
der normalen Stromausbreitung (5) ohne den zweidimensionalen Strom
kanal gegenübergestellt. Deutlich erkennbar ist dabei, daß sich auf der Seite
der Heterogrenzfläche mit der Anreicherung von Majoritätsladungsträgern
in unmittelbarer Nähe zur Heterogrenzfläche eine seitliche Stromdrift
einstellt. Betrachtet man das Bändermodell gemäß Fig. 4b dazu, so wird die
Diskontinuität der Majoritätsladungsträger, hier die Anreicherung der
Elektronen bei n-dotierten Materialien deutlich. Die Diskontinuität (6) kann
dabei sogar das Fermi-Niveau (EF) erreichen und überschreiten, wodurch die
Anzahl der freien Majoritätsladungsträger stark ansteigt. Jedoch bereits bei
einer geringeren Diskontinuität kann eine laterale Stromausbreitung an der
Heterogrenzfläche grundsätzlich beobachtet werden, wenn auch nicht so
stark wie bei einem zweidimensional frei beweglichen Elektronengas. Die
der Anreicherungszone 6 gegenüberliegende Verarmungszone 7 hat keinen
wesentlichen Einfluß auf die Stromausbreitung, erhöht letztlich nur
geringfügig den Gesamtwiderstand der Schichtenfolge.
Die Fig. 5 und 6 ermöglichen noch einmal den Vergleich zweier an
nähernd wirkungsgleicher Halbleiterschichtanordnungen zur Stromaus
breitung, einerseits die dicke Fensterschicht 2a in Fig. 5 und dem gegen
über die Heterogrenzflächenschichtfolge 2b, beide in der Anwendung für
eine lichtemittierende Halbleiterdiode. Die Schichten im aktiven Bereich 3
stimmen weitgehend überein. So sind die obere Mantelschicht 3.1, die
aktive Zone 3.2, die untere Mantelschicht 3.3, die Reflexionsschicht 3.4 und
das Substrat 3.5 identisch. Einzig die Übergangsschicht 3.0 wurde zur
Gitteranpassung zur Heterogrenzflächenschichtfolge 2b eingefügt. Bei den
in den Fig. 5 und 6 handelt es sich als Ausführungsbeispiel um AlGalnP-LED-An
ordnungen, die gitterangepaßt auf einem GaAs-Substrat (3.5)
abgeschieden wurden. Angrenzend an das Substrat befindet sich eine
Reflexionsschicht 3.4, ein sogenannter Bragg-Reflektor aus abwechseln den
(AlxGa1-x)As-Schichten mit n-Dotierung verschiedener Komposition. Die
einzelnen Schichten des Bragg-Reflektors sind jeweils λ/4-dick, wobei λ die
Wellenlänge des emittierten Lichts ist, so daß es zu einer Reflexion des in
Richtung des Substrats abgestrahlten Lichtanteils kommt. Dieser Effekt wird
von Murtaza u. a. in IEEE Journal of Quantum Electronics, Vol. 31, no. 10, Oct.
1995, S. 1819 ff. grundlegend beschrieben.
Die untere Mantelschicht 3.3 der LED besteht sowohl in Fig. 5 als auch in Fig.
6 aus gitterangepaßtem (AlyGa1-y)InP, welches ebenfalls n-dotiert ist. Die
Komposition y wird so gewählt, daß der Bandabstand bzw. die Energielücke
der Mantelschicht 3.3 höher als die der aktiven Zone 3.2 bzw. des
emittierten Lichtes ist, um für dieses quasi durchlässig zu sein. Die aktive
Zone 3.2 selbst ist in diesen Ausführungsbeispielen undotiert und kann aus
einer einzelnen Schicht aus (AlzGa1-z)InP oder aus (Al2Ga1-a)InP-Quantenfilmen
mit (AlbGa1-b)InP-Barrieren bestehen, wobei 0≦a≦b≦1 gilt. Darauf befindet sich
die obere Mantelschicht 3.1 aus gitterangepaßtem (AlyGa1-y)InP mit höherem
Bandabstand als die aktive Zone 3.2 vergleichbar der unteren Mantelschicht
3.3, jedoch p-dotiert.
Als spezielle Ausgestaltung der Heterogrenzflächenschichtfolge 2b ist ein
Übergitter aus p-dotiertem GaP gefolgt von AlP gezeigt. Da dieses Material
system eine kleinere Gitterkonstante als GaAs bzw. (AlxGa1-x)InP besitzt, wird
zunächst eine Übergangsschicht 3.0 aus GaP dünn aufgewachsen, in der sich
die neue Gitterkonstante einstellen soll. Dann wird die Heterogrenzflächen
schichtfolge 2b als Übergitter in wechselnden paarweisen Schichten aus GaP
und AlP, jeweils p-dotiert aufgebracht.
Die laterale Stromausbreitung ist durch diese Heterogrenzflächenschicht
folge 2b gegenüber der in Fig. 5 in ihrer Dicke annähernd proportional
dargestellten Fensterschicht 2a aus GaP, p-dotiert, so stark verbessert, daß
diese dicke Fensterschicht entfallen kann.
Hinzuweisen ist auf die einfache Realisierung dieser Heterogrenzflächen
folge 2b aus GaP und AlP, da die chemischen atomaren Grundbestandteile
(Ga, Al, P) Stoffe bereits für die Herstellung der anderen Halbleiterschichten
(aktive Schicht weist alle diese Grundbestandteile auf) zur Verfügung stehen
und somit keine Anpassungen außer der entsprechenden Ansteuerung der
Epitaxie durchgeführt werden müssen. Grundsätzlich können auch die
Heterogrenzschichten auch aus unterschiedlichen Kompositionen eines
Mischkristalls bestehen, sofern sich an der Heterogrenzfläche die erforder
liche Banddiskontinuität einstellt. Die Grundbestandteile müssen auch nicht
alle in einer einzigen Schicht gemeinsam auftreten, sondern nur für den
Epitaxieprozeß insgesamt, was durch das Auftreten in mehreren unter
schiedlichen Schichten genauso gegeben ist.
Die dargestellten Ausführungsbeispiele basieren zwar immer auf einer
Stromaustrittsfläche eines Kontaktes 1, was jedoch ein Fachmann zweifels
frei problemlos auch auf andere Anwendungsfälle bzw. im Inneren einer
Halbleiteranordnung übertragen kann, bei denen eine verbesserte oder
gleichmäßige laterale Stromausbreitung erforderlich ist. Die Darstellungen
sind skizzenhaft und nicht maßstabsgetreu.
Claims (6)
1. Halbleiterschichtanordnung zur lateralen Stromausbreitung von einer
Stromaustrittsfläche hin zu einer parallel dazu angeordneten Wirkfläche,
wobei die Stromaustrittsfläche kleiner als die Wirkfläche ist, dadurch
gekennzeichnet, daß zwischen der Stromaustrittsfläche und der Wirk
fläche wenigstens eine Heterogrenzflächenschichtfolge angeordnet ist,
die aus zwei ebenfalls parallel angeordneten Halbleiterschichten unter
schiedlichen Materials oder Materialmischungsverhältnisses besteht
weiche eine Banddiskontinuität mit einer Anreichungszone für die
Majoritätsladungsträger aufweist.
2. Halbleiterschichtanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß mehrere Heterogrenzflächenschichtfolgen mit ihren zwei Halbleiter
schichten jeweils paarweise hintereinander angeordnet werden.
3. Halbleiterschichtanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Banddiskontinuität des Majoritätsladungsträgerbandes an der
Heterogrenzfläche mindestens 150 meV (Millielektronenvolt) beträgt.
4. Halbleiterschichtanordnung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Dicke jeder der Halbleiterschichten der Heterogrenzflächen
schichtfolge zwischen 20 nm und 200 nm liegt, wobei die Gesamtdicke der
Heterogrenzflächenschichtfolgen 5 µm nicht übersteigt, vorzugsweise
um 1 µm ist.
5. Halbleiterschichtanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Schichten der Heterogrenz
flächenschichtfolge(n) aus Materialien oder Materialgemischen gebildet
werden, deren chemische atomare Grundbestandteile nicht über die
chemischen atomaren Grundbestandteile hinausgehen, die auch in
darunter liegenden Halbleiterschichten vorhanden sind.
6. Verwendung einer Halbleiterschichtanordnung gemäß einem der
vorangehenden Ansprüche in einer lichtemittierenden Halbleiterdiode
(LED) zur lateralen Stromausbreitung von einer Stromaustrittsfläche einer
Kontaktfläche hin zu einer parallel dazu angeordneten Wirkfläche einer
optisch aktiven Schicht, wobei die Stromaustrittsfläche kleiner als die
Wirkfläche ist und der Bandabstand oder die Bändabstände der
Halbleiterschichtanordnung zur Stromausbreitung ein höheres Energie
niveau aufweisen als die optisch aktive Schicht und zwischen der Strom
austrittsfläche und der Wirkfläche wenigstens eine Heterogrenzflächen
schichtfolge angeordnet ist, die aus zwei ebenfalls parallel angeordneten
isotypen Halbleiterschichten unterschiedlichen Materials oder
Materialmischungsverhältnisses besteht, welche eine Banddiskontinuität
mit einer Anreichungszone für die Majoritätsladungsträger aufweist.
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