Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Einbringen von
Bohlen, insbesondere von Spundbohlen oder Kanaldielen in
Erdreich mit Hilfe von Vibrationsbären.
Das Einbringen von Bohlen, insbesondere von Spundbohlen
oder Kanaldielen ins Erdreich, wird für den temporären
oder verlorenen Verbau verwendet, um z. B. verbaute Gräben
oder Baugrubenumschließungen herzustellen.
Der Einsatz dieser Bohlen als konstruktives Element bei
Bauwerken, wie z. B. bei Fundamenten und Wänden ist
ebenfalls möglich.
Verfahren, diese Bohlen durch Vibrationsbären in Erdreich
einzubringen, sind z. B. aus BMT 2, April 1995
(Bauverfahrenstechnik) bekannt. Hier kommen
Vibrationsbären zum Einsatz, deren Arbeitsfrequenz mit 30
bis 50 Hz weit über den Eigenfrequenzen des normalen
Baugrundes liegt und daher ein erschütterungsarmes
Arbeiten ermöglichen.
Um gerade bei Böden mit großer Lagerungsdichte das
Einbringen der Bohlen ins Erdreich zu vereinfachen,
werden zur Unterstützung der Rammtätigkeit im
wesentlichen zwei Rammhilfen verwendet.
Hierbei handelt es sich zum einem um eine Spülung mit
Wasser und zum anderen um die Anordnung von
Entlastungsbohrungen. Beide Methoden sind z. B. aus der
Zeitschrift TIEFBAU 3/1995 bekannt.
Bei der bekannten Spülmethode werden an der Spundbohle
Spüllanzen angebracht, durch die Wasser am unteren Ende
der Bohlen ins Erdreich eingepreßt wird. Der Spüldruck
richtet sich hier nach der Bodenbeschaffenheit. Durch
diese Aufschwemmung des Bodens am Ende der Bohlen wird
eine Baugrundauflockerung erreicht, die es ermöglicht,
mit einem geringeren Arbeitsaufwand die Bohlen
einzutreiben.
Bei der Bohrmethode werden Entlastungsbohrungen, deren
Durchmesser sich nach der Bodenbeschaffenheit richten, in
der Spundwandtrasse niedergebracht, um die angetroffene
Lagerungsdichte zu verringern.
Bei der Wasserspülung hat es sich als nachteilig
erwiesen, daß die Bodenauflockerungen nicht wieder
nachträglich verdichtet werden können, so daß es bei
Belastung des Grundes zum Beispiel zu Setzungen kommen
kann, die insbesondere Gebäudeschäden hervorrufen können.
Weiterhin ist nachteilig, daß es bei Betrieb eines
Hochfrequenzvibrationsbären zu einer Abstrahlung von
kinetischer Energie kommt, die zu Schäden an der
benachbarten Bausubstanz führt. Ebenfalls wird eine
verstärkte Schallabstrahlung beobachtet. Dies umso mehr,
da die Bohlen im aufstehenden Zustand wie große
schallerzeugende Membranen wirken.
Bei der Verwendung von hochfrequent betriebenen
Vibrationsbären hat es sich gezeigt, daß mit zunehmender
Eindringtiefe der Bohlen und der damit verbundenen
höheren Leistungsaufnahme die Drehzahl unter den
Hochfrequenzbereich fallen kann, so daß dies wiederum zu
einer unerwünschten Schwingungsausbreitung im Bereich der
Eigenfrequenzen des Bauuntergrundes und der
Überschreitung vorgegebener Mindestwerte der
Schwinggeschwindigkeit führt.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren der eingangs
genannten Art derart zu verbessern, daß eine Auflockerung
des Baugrundes ausschließlich nur während der
Einbringtätigkeit der Bohlen erzeugt wird und die Schall-
und Schwingungsemission beim Einsatz von insbesondere
hochfrequenten Vibrationsbären über das bekannte Maß
hinaus reduziert wird.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß
unter gleichzeitiger Verwendung einer thixotropen
Bentonit-Suspension als Schmier- und Spülmittel und einem
niederfrequent bis hochfrequent betriebenen Vibrationsbär
die Bohlen ins Erdreich eingetrieben werden.
Wegen der thixotropischen Eigenschaften wird die
Bentonit-Suspension erst unter mechanischer
Beanspruchung, wie sie z. B. beim Einvibrieren der Bohlen
auftritt, flüssig und weist dabei, im Vergleich zu
Wasser, wesentlich bessere Schmierungseigenschaften auf.
Hierdurch wird erreicht, daß die Bohlen mit einem
geringeren Arbeitsaufwand in das Erdreich eingebracht
werden und der Schwingungsgeschwindigkeitsbeiwert
reduziert wird.
Darüberhinaus resultiert aus der Schmierung mit der
Bentonit-Suspension eine deutliche Verringerung der
Abstrahlung kinetischer Energie, wodurch Schäden an der
umliegenden Bausubstanz vermieden werden. Die
Schallemission wird so ebenfalls verringert.
Weiterhin ergibt sich durch die Thixotropie der Bentonit-
Suspension, daß sich diese im Ruhezustand wieder
verfestigt und sich so nach dem Einbringen der Bohlen,
oder aber auch nach dem Ziehen der Bohlen mit diesem
Verfahren ein optimaler und belastbarer Bauuntergrund
vorliegt.
Es ist von Vorteil, wenn die Bentonit-Suspension mit
Hilfe wenigstens einer an den Bohlen befestigten
Spüllanze im unteren Bereich der Bohlen in das Erdreich
eingepreßt wird, da in diesem Fall die Suspension nicht
nur den Boden im Fußbereich der Bohlen auflockert,
sondern auch von dort aus zur Oberfläche des Baugrundes
strömt und so auch noch die Mantelreibung zwischen der
Bohle und dem Erdreich herabsetzt.
Hierfür ist es von besonderem Vorteil, wenn die
thixotrope Bentonit-Suspension verpreßfähig und
insbesondere ohne Klumpenbildung aufbereitet wird, so daß
die Spüllanzen für die Bentonitschmierung mittels eines
Pumpaggregats permanent beaufschlagt werden können, um
die Suspension mit bis zu 250 bar Druck, d. h.
insbesondere mit hohem Druck bei geringem Durchfluß oder
aber mit geringem Druck bei hohem Durchfluß während des
Vibrationsvorgangs in das Erdreich einzupressen.
Als ebenfalls vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn vor
dem Einbringen der Bohlen der Baugrund mit Bohrungen
versehen wird, deren Durchmesser sich nach der
Bodenbeschaffenheit richtet. Die Position der Bohrungen
ergibt sich durch die Art der verwendeten
Spundbohlenprofile, so daß insbesondere im Bereich der
Schlösser zweier Bohlen eine leichtere Bodenverdrängung
erreicht wird.
Von Vorteil zeigt sich bei diesem Verfahren, daß die
Steuerung der Vorschubkraft am Vibrationsbär
nachgeschaltet wird, wodurch gewährleistet ist, daß das
Einvibrieren der Bohlen während der gesamten
Betriebsdauer und unabhängig von der Eindringtiefe der
Bohlen mit einer konstanten Frequenz von insbesondere 40
Hz erfolgt. Hierdurch wird sichergestellt, daß der
Vibrationsbär immer in hinreichend großen Abstand vom
Eigenfrequenzbereich des Bodens und der benachbarten
Bebauung von etwa 18 Hz arbeitet.
Bei dem hier vorgestellten Verfahren kann
vorteilhafterweise auch während des Einvibrierens der
Bohlen fortwährend an mehreren Meßstellen
rechnergesteuert die Emission der Schwingungen anhand
mehrerer Parameter kontrolliert und graphisch ausgewertet
werden. Somit wird gewährleistet, daß vorgebene
Grenzwerte der Schwinggeschwindigkeit und Schallemission
nicht überschritten werden.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zeigte sich, daß die
Schwingungs- und Schallemission gegenüber herkömmlichen
Verfahren um einen Faktor in der Größe von mindestens 2
bis 10 unterschritten wird.
Ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist in der anhängenden Zeichnung schematisch dargestellt
und wird im folgenden näher beschrieben.
An der Stelle des Baugrundes mit der Oberfläche 1, wo
eine Spundwand gesetzt werden soll, werden zunächst mit
einer Bohrschnecke 2 an den Orten senkrechte Bohrungen
mit einem Durchmesser von 150 bis 400 mm, insbesondere
von 250 mm eingebracht, wo sich bei der späteren
Spundwand die Verbindungsschlösser der einzelnen
Spundwandelemente 3a befinden.
An dem Spundwandelement 3a wird mittig eine Spüllanze 5
angebracht, die mit ihrer Düsenöffnung 6 am unteren Ende
des Wandelements 3a befestigt wird. Die Spüllanze 5 wird
sodann mittels einer hydrostatischen Pumpe 8 durch die
Verbindungsleitung 7 mit der Bentonit-Suspension
beaufschlagt, die zuvor klumpenfrei und verpreßfähig
durch einen Zementagitator und ein Mischaggregat
aufbereitet wurde.
Die Pumpe 8 erzeugt einen Druck von bis zu 250 bar, der
jedoch aufgrund von Reibungsverlusten in der
Verbindungsleitung 7 an der Düsenöffnung auf etwa 20-50
bar abgefallen ist.
Unter Einsatz der Bentonit-Spülung wird nun das
Spundwandelement 3a mit Hilfe eines vorschubgeregelten
Vibrationsbären 4 mit einer Frequenz von 30 bis 50 hz,
vorzugsweise mit 40 Hz senkrecht in den Baugrund
einvibriert, wobei die Schwingungs- und Schallemission
rechnerunterstützt fortwährend kontrolliert und gesteuert
wird.
Von dem nun einvibrierten Spundwandelement 3b wird die
Spüllanze 5 entfernt, so daß diese zum Einbringen des
nächsten Elementes wieder zu Verfügung steht.