DE19720049A1 - Verfahren zur Steuerung eines motorischen Koordinatenmeßgerätes sowie Koordinatenmeßgerät zur Durchführung des Verfahrens - Google Patents
Verfahren zur Steuerung eines motorischen Koordinatenmeßgerätes sowie Koordinatenmeßgerät zur Durchführung des VerfahrensInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung ei
nes motorischen Koordinatenmeßgerätes sowie ein Koordina
tenmeßgerät zur Durchführung des Verfahrens.
Zum Stand der Technik gehören Koordinatenmeßgeräte,
welche aus einem Stativ, einem Tastsystem, einer häufig se
paraten Versorgungs- und Steuereinheit, zumeist einem
transportablen Bedienpult und einem oft ebenfalls separaten
Auswerterechner bestehen. Zur Lösung der Aufgabe, den Tast
kopf meßbar relativ zum Werkstück zu bewegen, besteht das
Stativ bei einem Koordinatenmeßgerät konventioneller Bauart
aus drei senkrecht aufeinander aufbauenden Linear-Achsen,
die eine translatorische Bewegung des Tastkopfes mit drei
Freiheitsgraden relativ zum Werkstück realisieren.
Bei vielen Meßaufgaben reichen die drei translatori
schen Freiheitsgrade jedoch nicht aus. So ist beispiels
weise bei Messungen an Werkstücken mit schraubenartiger
Form eine Drehachse günstig, zum Teil sogar unabdingbar für
eine praxisgerechte Durchführung der Messung. Auch wenn an
einem Werkstück in verschieden orientierten Bohrungen ge
messen werden soll, so kann entweder für jede Bohrungsori
entierung ein eigener Taster eingewechselt beziehungsweise
in einem Tasterbaum angeordnet werden, oder ein einziger
Taster mit Hilfe einer Drehschwenkeinrichtung jeweils ent
sprechend orientiert werden. Da manche Tastköpfe nur
leichte, einfache Taster zulassen und ein Tasterwechsel
zeitaufwendig ist, ist der Gebrauch von Drehschwenkeinrich
tungen zur Orientierung des Tasters oder des Tastkopfes
weit verbreitet, obwohl dadurch häufig Genauigkeit und Dy
namik des Koordinatenmeßgerätes eingeschränkt werden.
Bei der Verwendung von optischen Sensoren, deren Achse
nahezu senkrecht zur Werkstückoberfläche orientiert werden
muß, ist bei einem konventionellen Koordinatenmeßgerät der
Einsatz einer Drehschwenkeinrichtung, die zwei zusätzliche
Freiheitsgrade bietet, unumgänglich. Wünschenswert ist bei
Sensoren mit nichtrotationssymmetrischer Charakteristik,
wie bei den meisten Triangulationssensoren, ein zusätzli
cher dritter rotatorischer Freiheitsgrad, die Rotation um
die Längsachse des Sensors, um die Beobachtungsrichtung des
Sensors mit Bezug zur Oberflächenstruktur zu orientieren.
Ein weiteres Beispiel für eine Meßaufgabe, bei der
drei translatorische Freiheitsgrade nicht ausreichen, ist
die Antastung von tiefen, engen Bohrungen in einem Werk
stück. Hierbei tritt häufig das Problem auf, daß nicht nur
die Tastkugel Kontakt mit dem Werkstück hat, sondern daß
häufig auch der Schaft, auf dem die Tastkugel angeordnet
ist, das Werkstück berührt. Da diese Schaftantastungen
vermieden werden sollen, werden enge Bohrungen derart
angetastet, daß der Taststift schräg antastet, so daß die
Tastkugel mit dem Werkstück in Berührung kommt, daß aber
eine Schaftberührung mit dem Werkstück vermieden wird.
Diese Antastung kann nur mit einem Koordinatenmeßgerät
durchgeführt werden, welches wenigstens zwei rotatorische
Freiheitsgrade aufweist.
Es sind Koordinatenmeßgeräte bekannt, die mehr als die
drei translatorischen Freiheitsgrade aufweisen, insbeson
dere solche in Gelenkarm- oder Hexapodbauweise
(DE 195 34 535.5). Besonders vorteilhaft ist aus den
obengenannten Gründen hierbei eine Bauweise, die alle drei
translatorischen und drei rotatorischen Freiheitsgrade für
die Relativbewegung von Tastkopf und Werkstück zuläßt.
Hierbei tritt jedoch das Problem auf, daß, anders als
bei einem konventionellen kartesischen Koordinatenmeßgerät,
auch für die Ausführung einer geometrisch einfachen Bewe
gung in der Regel eine gekoppelte Bewegung mehrerer Achsen
stattfinden muß. Die Bedienung eines Koordinatenmeßgerätes
mit allen sechs Freiheitsgraden stellt daher besondere An
forderungen. Insbesondere erschwert die Verknüpfung von ro
tatorischen und translatorischen Bewegungen und das Fehlen
erkennbarer Drehachsen die praktische Nutzung der rotato
rischen Freiheitsgrade.
Das der Erfindung zugrunde liegende technische Problem
besteht darin, ein Verfahren zur Steuerung eines Koordina
tenmeßgerätes mit mehr als einem rotatorischen Freiheits
grad, vorzugsweise mit drei translatorischen und drei
rotatorischen Freiheitsgraden anzugeben, das es gestattet,
alle Freiheitsgrade vorteilhaft zur Lösung von Meßaufgaben
einzusetzen, wobei die Bedienung nicht mehr Unterschiede zu
der Bedienung eines konventionellen Koordinatenmeßgerätes
aufweist als unbedingt notwendig. Insbesondere soll auch
eine Betriebsart ermöglicht werden, die sich in der Bedie
nung von der eines konventionellen Koordinatenmeßgerätes
nicht unterscheidet. Darüber hinaus soll eine Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens angegeben werden.
Dieses technische Problem wird durch die Merkmale des
Anspruches 1 sowie durch die Merkmale der Ansprüche 15 oder
17 gelöst.
Dadurch, daß bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur
Steuerung eines motorischen Koordinatenmeßgerätes mit mehr
als einem rotatorischen Freiheitsgrad eine Aufspaltung der
allgemeinen Bewegung des Tastkopfes relativ zum Werkstück
in eine translatorische und eine rotatorische Bewegung vor
genommen wird, und daß die Aufspaltung unabhängig von den
Antriebsachsen gewählt werden kann, ist eine einfache Be
dienung des Koordinatenmeßgerätes unter Ausnutzung sämtli
cher Freiheitsgrade möglich.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht den Einsatz
bestehender Meßprogramme für konventionelle Koordinatenmeß
geräte sowie die Ausführung von Messungen zum Nachweis der
Genauigkeit des Koordinatenmeßgerätes gemäß für konventi
onelle Koordinatenmeßgeräte aufgestellten Normen. Darüber
hinaus ist das erfindungsgemäße Verfahren auch bei Koordi
natenmeßgeräten mit weniger als sechs Freiheitsgraden in
bestimmten Fällen vorteilhaft.
Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren werden bei einem
motorisch angetriebenen Koordinatenmeßgerät die Sollwerte
für die Bewegung des Tastkopfes relativ zum Werkstück einer
Transformation unterworfen, aufgrund derer die einzelnen
Achsen so angesteuert werden, daß der Tastkopf die ge
wünschte Bewegung ausführt. Die Sollwerte werden dabei bei
spielsweise durch ein automatisch ablaufendes Programm
(CNC-Betrieb), durch direkte Tastatureingabe oder auch über
Steuerhebel (Handbetrieb) eingegeben. Im CNC-Betrieb werden
in der Regel Positionen und Orientierungswinkel für den
Tastkopf vorgegeben, im Handbetrieb kartesische und/oder
Winkelgeschwindigkeiten.
Die allgemeine Bewegung eines starren Körpers im Raum
läßt sich beschreiben als Translation und Rotation mit je
weils drei Freiheitsgraden. Die Translation kann aus drei
Translationen jeweils in Richtung kartesischer Koordinaten
achsen zusammengesetzt werden, und die Rotation kann aus
drei aufeinander folgenden Drehungen um festgelegte Achsen
aufgebaut werden. Der Betrag und die Richtung der Trans
lation hängt dabei von der Lage der Drehachsen ab.
Erfindungsgemäß können Lage und Richtung der Drehach
sen für die Ausführung einer rotatorischen Bewegung in
einer der konkreten Aufgabe angepaßten Weise gewählt wer
den. Soll beispielsweise zur Vermeidung von Schaftanta
stungen die Richtung des Taststiftes geändert werden, wäh
rend dieser in eine Bohrung eingesenkt ist, so wird als
Zentrum der Drehbewegung der Tastkugel-Mittelpunkt gewählt
oder ein Punkt der Taststiftachse. Bei rotationssymme
trischen Werkstücken kann hierfür ein Punkt auf der Symme
trieachse des Werkstückes günstig sein. In der Regel wird
es jedoch vorteilhaft sein, wenn der Drehpunkt mit dem
aktuellen Tastkugel -Mittelpunkt zusammenfällt.
Erfindungsgemäß wird die Lage und Richtung der Dreh
achsen von Hand gewählt, oder sie werden automatisch einge
stellt. Die Lage und Richtung der Drehachsen werden vor
teilhaft einmal für jeden Meß- oder Lernlauf oder nur für
einen Meß- oder Lernlauf oder nur für einen Teil davon oder
nur für jede einzelne rotatorische Bewegung festgelegt.
Da bei einem Koordinatenmeßgerät mit sechs Freiheits
graden, beispielsweise bei einem Koordinatenmeßgerät der
unten beschriebenen Hexapodbauweise, in der Regel die rota
torische Stellung des Tastkopfes bezüglich Rotation um
seine eigene Achse schwer erkennbar ist, muß die Definition
der Drehachsen für die Handsteuerung hiervon möglichst un
abhängig sein. Als Parameter für die Beschreibung der rota
torischen Bewegung werden daher Azimut und Elevation der
Tastkopfachse bezüglich einer Basisebene des Koordinaten
meßgerätes sowie die Eigenrotation des Tastkopfes um die
Tastkopfachse bevorzugt und als Geschwindigkeitsparameter
die zeitliche Ableitung dieser Winkel. Die Basisebene des
Koordinatenmeßgerätes ist beispielsweise die Werkstückauf
nahme oder auch eine kinematische Basisfläche, etwa die
Ebene der Anlenkpunkte der Hexapodenbeine.
Die Geschwindigkeitsparameter für die rotatorische Be
wegung werden durch dieselben Bedienelemente eingegeben wie
die für die translatorische Bewegung, wobei die Bedien
elemente umschaltbar sind. Die Geschwindigkeitsparameter
für die rotatorische Bewegung können erfindungsgemäß aber
auch durch unterschiedliche Bedienelemente eingegeben wer
den. Die Bedienelemente sind vorteilhaft als Steuerhebel
ausgebildet. Es sind aber auch andere Bedienelemente denk
bar, beispielsweise ein Modell des Tastkopfes oder der
Plattform eines Hexapod-Koordinatenmeßgerätes, das direkt
die Vorgabe der Orientierung und/oder der Position des
Tastkopfes im Raum oder auch der translatorischen und/oder
rotatorischen Geschwindigkeiten erlaubt.
Erfindungsgemäß werden bei einer rotatorischen Bewe
gung, wenn der Drehpunkt im Tastkugel-Mittelpunkt liegt,
keine Antastpunkte aufgenommen. Nach Ausführung einer rota
torischen Bewegung oder vor einer erneuten Anpassung oder
bei Auswertung der entsprechenden Meßpunkte wird eine An
passung des Meßsystems an die Orientierung des Tastkopfes
vorgenommen oder verrechnet, beispielsweise ein Tasterge
wichtsausgleich, eine Tasterlagekorrektur oder eine der
Orientierung entsprechende Biegungskorrektur.
Durch Tastendruck oder Software-Kommando ist in jeder
translatorischen Position die Rückkehr zur rotatorischen
Null-Stellung bezüglich der Eigenrotation des Tastkopfes
oder bezüglich aller Winkel-Freiheitsgrade möglich.
Bei translatorischer Bewegung ist die Bedienung gleich
der eines konventionellen Koordinatenmeßgerätes ohne rota
torische Freiheitsgrade. Dieser Modus kann für Hand- und
auch für CNC-Betrieb vorgegeben werden.
Das Koordinatenmeßgerät kann eine Überwachung des Meß
volumens mit Software-Endschaltern aufweisen, die der je
weiligen translatorischen und rotatorischen Stellung ange
paßt reagieren. Die Software-Endschalter lassen eine abge
stufte Reaktion, je nach Betriebsart (Hand- oder CNC-Steue
rung, langsame oder schnelle Fahrt, Positionieren oder An
tasten) zu.
Das Koordinatenmeßgerät ist vorteilhaft ein Koordina
tenmeßgerät in Hexapodbauweise, in Hexapodbauweise mit ein
geschränkten Freiheitsgraden oder in Gelenkarmbauweise, ge
gebenenfalls mit zusätzlichem Drehtisch und/oder Dreh
schwenkeinrichtung.
Das Koordinatenmeßgerät kann aber auch ein kartesi
sches Koordinatenmeßgerät mit Drehschwenkeinrichtung sein,
gegebenenfalls mit zusätzlichem Drehtisch.
Die Aufspaltung der allgemeinen Bewegung des Tastkop
fes relativ zum Werkstück in eine translatorische und eine
rotatorische Bewegung, wobei die Aufspaltung unabhängig von
den Antriebsachsen wählbar ist, gilt für Automatik- oder
Halbautomatikbetrieb oder für die Handsteuerung.
Weitere Einzelheiten der Erfindung können den Unteran
sprüchen entnommen werden.
Auf der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Er
findung dargestellt.
Die Figur zeigt ein Hexapod-Koordinatenmeßgerät (1)
mit einem Gehäuse (2) und einer Grundplatte (3). Auf der
Grundplatte (3) ist ein Werkstück (4) angeordnet, sowie
eine Tasterwechseleinrichtung (5) und eine Kalibrierkugel
(6).
Darüber hinaus sind auf der Grundplatte (3) längenver
änderliche Beine (7 bis 12) allseitig schwenkbar gelagert
angeordnet.
Die längenveränderlichen Beine (7 bis 12) sind bei
spielsweise mittels Hydraulikzylindern in der Länge ver
änderbar.
Die Beine (7 bis 12) tragen eine Plattform (13), wel
che wiederum einen Ausleger (14) trägt, an welchem ein
Tastkopf (16) angeordnet ist.
Im folgenden wird die erfindungsgemäße Lösung der er
findungsgemäßen Aufgabenstellung für das Koordinatenmeßge
rät (1) in Hexapodbauweise beschrieben. Dieses Verfahren
läßt sich in analoger Weise auf andere Koordinatenmeßgeräte
mit rotatorischen Freiheitsgraden anwenden, etwa auf ein
Koordinatenmeßgerät in Gelenkarmbauweise oder auch auf ein
kartesisches Koordinatenmeßgerät mit Dreh- Schwenk-Ein
richtung.
Bei dem im folgenden beschriebenen bevorzugten Ver
fahren wird die Translation des Tastkopfes (16) des Koor
dinatenmeßgerätes durch die kartesischen Koordinaten (x, y,
z) des Mittelpunktes einer Tastkugel (15) in einem beliebi
gen kartesischen Koordinatensystem (KS1) beschrieben, das
fest mit der Werkstückauflage (Maschinenkoordinatensystem)
oder dem Werkstück (Objektkoordinatensystem) verbunden ist.
Es werden folgende Vektoren eingeführt (kursiv ge
schriebene Zeichen stellen Vektoren dar):
x = (x, y, z)T Vektor vom Ursprung von KS1 zum Tastkugel -Mittelpunkt;
pi Vektor vom Ursprung von KS1 zum Basis-Anlenkpunkt von Bein i, i = 1 bis 6;
li Vektor vom Basis-Anlenkpunkt von Bein i zum Plattform-Anlenkpunkt von Bein i, i = 1 bis 6;
qi Vektor vom Plattform-Anlenkpunkt von Bein i zum Tastkugel-Mittel punkt, i = 1 bis 6;
D Drehmatrix zur Beschreibung der Orientierung der Plattform;
Qi = DT.q Vektor vom Plattform-Anlenkpunkt von Bein i zum Tastkugel-Mittel punkt in einer definierten "Null stellung" der Plattform, i = 1 bis 6.
x = (x, y, z)T Vektor vom Ursprung von KS1 zum Tastkugel -Mittelpunkt;
pi Vektor vom Ursprung von KS1 zum Basis-Anlenkpunkt von Bein i, i = 1 bis 6;
li Vektor vom Basis-Anlenkpunkt von Bein i zum Plattform-Anlenkpunkt von Bein i, i = 1 bis 6;
qi Vektor vom Plattform-Anlenkpunkt von Bein i zum Tastkugel-Mittel punkt, i = 1 bis 6;
D Drehmatrix zur Beschreibung der Orientierung der Plattform;
Qi = DT.q Vektor vom Plattform-Anlenkpunkt von Bein i zum Tastkugel-Mittel punkt in einer definierten "Null stellung" der Plattform, i = 1 bis 6.
Qi und qi beziehen sich auf den jeweils aktuellen Tast
kugel-Mittelpunkt, das heißt, nach einem Tasterwechsel oder
bei Benutzung eines anderen Tasters aus demselben Taster
baum wird Qi von der Steuerung automatisch angepaßt. Die pi
und Qi sind der Steuerung zu jedem Zeitpunkt bekannt.
Die folgenden Rechnungen gelten für ein geometrisch
ideales Koordinatenmeßgerät in Hexapodbauweise; bei einem
realen Koordinatenmeßgerät sind Abweichungs-Vektoren einzu
führen, die beispielsweise die Abweichung der Lage der Ba
sispunkte der Beine von der Soll-Lage beschreiben.
Es gilt dann die grundlegende Beziehung:
x = pi + li + D.Qi, i = 1, . . ., 6 (1).
Für die Steuerung der sechs Freiheitsgrade sind im
wesentlichen drei verschiedene Aufgabenstellungen zu
unterscheiden:
Hierbei sind x und D vorgegeben, der Vektor x durch die
kartesischen Koordinaten der Zielposition des Tastkugel-
Mittelpunktes und die Drehmatrix D in bekannter Weise
durch die Zielorientierung der Plattform. Die sechs
Beinlängen
li = |li|, i = 1, . . ., 6,
sind zu berechnen, und durch Ansteuerung der entspre
chenden Antriebe ist die vorgegebene Position zu errei
chen. Hierfür folgt aus Gleichung (1):
li = |x - pi - D.Qi|, i = 1, . . ., 6.
Um bei einer translatorischen Positionierung Vorgaben
für die Bahn, die beispielsweise geradlinig verlaufen
soll, einzuhalten, können entsprechende Zwischenpunkte
berechnet werden. Ebenso können bei einer rotatorischen
Positionierbewegung Zwischenorientierungen der Plattform
berechnet werden. Dabei kann vorgegeben werden, ob
translatorische und rotatorische Bewegungen voneinander
getrennt oder gleichzeitig durchgeführt werden.
Aus den im Moment des Antastens gemessenen sechs
Beinlängen li, . . ., l6ist die Position x des Mittel
punktes der aktuellen Tastkugel (15) zu berechnen.
Dies ist aus Gleichung (1) nicht geschlossen möglich.
Es sind aber Näherungs- und Iterations-Verfahren
bekannt, um solche Problemstellungen zu lösen (E. M.
Mikhail, F. Ackermann, Observations and Least
Squares, New York 1976). Die Position x des Tastku
gel-Mittelpunktes im Moment des Antastens ist dann
der weiteren Auswertung durch Standardmeßsoftware
zugänglich, um beispielsweise Korrekturen, wie
Tastkugel-Radiuskorrektur oder Werkstück-Temperatur
kompensation oder Transformationen in weitere Koordi
natensysteme, durchzuführen und geometrische Elemente
zu berechnen.
Mit einem messenden Tastkopf wird bei Berührung des
Werkstücks in einem Intervall eine Kennlinie aufge
nommen, aus der der Antastpunkt berechnet wird. Dabei
kann jede einzelne, auf li bezogene Kennlinie ausge
wertet und danach die obige Umrechnung durchgeführt
oder für jeden Meßwert die obige Umrechnung durchge
führt und danach die so ermittelte Kennlinie ausge
wertet werden. In beiden Fällen wird eine Position x
des Tastkugel-Mittelpunktes (15) ermittelt, die, wie
oben beschrieben, der weiteren Auswertung zugänglich
ist.
Bei Handsteuerung eines motorischen Koordinatenmeßgerä
tes wird entweder ein handgesteuerter Meßlauf durchge
führt oder ein CNC-gesteuerter Meßlauf "gelernt". Hier
bei werden translatorische oder rotatorische (Winkel-)
Geschwindigkeiten durch Auslenkung von Steuerhebeln
vorgegeben, woraus die sechs Beinlängen-Änderungsge
schwindigkeiten zu berechnen und die sechs Antriebe ent
sprechend anzusteuern sind. Aus Gleichung (1) folgt
durch Ableitung:
dli/dt = dx/dt - dD/dt.Qi
und daher als Beinlängen-Änderungsgeschwindigkeit
dli/dt = (x - pi - D.Qi).(dx/dt - dD/dt.Qi)/li,
wobei li und x, wie unter Punkt 1 und Punkt 2 beschrie
ben, berechnet und dx/dt und dD/dt unter Verwendung der
Steuerhebelauslenkungen bestimmt werden. Dabei sind
jeweils relativ grobe Näherungswerte ausreichend.
Zur Entlastung des Bedieners werden translatorische und
rotatorische Bewegungen des Tastkopfes getrennt.
In dieser Betriebsart haben die Steuerhebel dieselben
Funktionen wie bei einem konventionellen Koordinaten
meßgerät, die Winkelgeschwindigkeiten der Plattform
sind Null:
dD/dt = 0.
Auch die übrigen Funktionen des Koordinatenmeßgerätes
sind weitgehend dieselben wie bei einem konven
tionellen Koordinatenmeßgerät. Wenn die Durchführung
bestimmter Messungen an Normen gebunden ist, die für
kartesische Koordinatenmeßgeräte erstellt wurden,
sollten diese Messungen in diesem Modus durchgeführt
beziehungsweise gelernt werden. Derselbe Modus kann
auch für den CNC-Betrieb des Koordinatenmeßgerätes
gewählt werden. Dann ist die Ausführung von Meßpro
grammen, die auf kartesischen Koordinatenmeßgeräten
erstellt wurden, möglich, ebenso wie umgekehrt die
Erstellung von Meßprogrammen für konventionelle
Koordinatenmeßgeräte auf einem Hexapod-Koordinaten
meßgerät.
Nach Umschaltung der Steuerhebelfunktionen werden mit
den Steuerhebeln Winkelgeschwindigkeiten oder andere
äquivalente Parameter vorgegeben. Es ist dann:
dx/dt = 0,
das heißt, der Drehpunkt ist hier der jeweils aktu
elle Tastkugel-Mittelpunkt. Dies bedeutet, daß den
vom Bediener veranlaßten Drehbewegungen solche Trans
lationsbewegungen der Plattform überlagert werden,
daß der Tastkugel-Mittelpunkt bezüglich KS1 ortsfest
bleibt. In diesem Modus ist dann keine Antastung mög
lich. Nach erneutem Umschalten können wieder transla
torische Bewegungen gesteuert werden.
Die Qi legen den Drehpunkt fest. Wenn ein anderer
Drehpunkt als der aktuelle Tastkugel-Mittelpunkt gewählt
werden soll, so sind für rotatorische Bewegungen alle Qi um
einen entsprechenden Vektor zu ergänzen; bei einem zum
Werkstück festen Drehpunkt ist dieser Vektor von der trans
latorischen Stellung der Plattform abhängig, aber für die
jeweilige rotatorische Bewegung fest.
Winkelparameter, die bei einem im wesentlichen hori
zontalen Tastkopf bei Handsteuerung für die meisten Meßauf
gaben besonders günstig sind, sind Azimut und Elevation der
Tastkopfachse und Eigenrotation des Tastkopfes um diese
Achse. Bei einem im wesentlichen vertikalen Tastkopf wer
den, um die Singularität bei senkrechter Stellung zu ver
meiden, Azimut und Elevation, bezogen auf eine senkrechte
Ebene, bevorzugt. Die Eigenrotation des Tastkopfes ist auch
dann der dritte Parameter. Es können aber auch andere Para
meter, etwa Euler-Winkel, verwendet werden.
Dieses Verfahren ermöglicht ein besonders einfaches
Steuern aller Freiheitsgrade eines Koordinatenmeßgerätes in
Hexapodbauweise, um diese für die Lösung von Meßaufgaben
einzusetzen. Die Tatsache, daß im Gegensatz zu konventio
nellen Koordinatenmeßgeräten mit Drehachsen hier keine phy
sikalischen Drehachsen vorgegeben sind, wird durch Wahl des
Tastkugel-Mittelpunktes als Drehpunkt genutzt. Falls not
wendig, können auch andere Drehpunkte oder sich nicht
schneidende Drehachsen, beispielsweise werkstück- oder
raumfeste Drehachsen vorgegeben werden. Dann kann auch ein
Antasten im rotatorischen Modus erlaubt sein.
1
Koordinatenmeßgerät
2
Gehäuse
3
Grundplatte
4
Werkstück
5
Tasterwechseleinrichtung
6
Kalibrierkugel
7
bis
12
Beine
13
Plattform
14
Ausleger
15
Tastkugel
16
Tastkopf
x Vektor
x Vektor
Claims (24)
1. Verfahren zur Steuerung eines motorischen Koordina
tenmeßgerätes mit mehr als einem rotatorischen Freiheits
grad,
dadurch gekennzeichnet,
- - daß die allgemeine Bewegung des Tastkopfes relativ zum Werkstück in eine translatorische und eine rotatorische Bewegung aufgespalten wird,
- - daß die Aufspaltung unabhängig von den Antriebsachsen wählbar ist,
- - daß die translatorische Bewegung und die rotatorische Be wegung des Tastkopfes durch geeignete Koordinaten be schrieben werden,
- - daß die Antriebe des. Koordinatenmeßgerätes durch eine Steuerung des Koordinatenmeßgerätes entsprechend in den gewählten Koordinaten gegebenen oder in die gewählten Koordinaten umgerechneten Sollwerten angesteuert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß Abweichungsvektoren eingeführt werden, die ein reales
Koordinatenmeßgerät (1) wiedergeben und daß die Abwei
chungsvektoren bei der Steuerung der Bewegung des Koordina
tenmeßgerätes (1) berücksichtigt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufspaltung für Automatikbetrieb oder Halbautoma
tikbetrieb oder bei Handsteuerung vorgenommen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Lage und/oder die Richtung der Drehachsen unabhän
gig von den Antriebsachsen gewählt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Lage und/oder die Richtung der Drehachsen von Hand
gewählt werden oder automatisch eingestellt werden.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Lage und/oder die Drehachsen für einen Meß- oder
Lernlauf oder für einen Teil des Meß- oder Lernlaufes oder
für jede einzelne rotatorische Bewegung oder einmal gene
rell für jeden Meß- oder Lernlauf festgelegt werden.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Lage und/oder Richtung der Drehachsen im Maschinen- oder
im Werkstück-Koordinatensystem festgelegt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Drehachsen durch den Mittelpunkt einer jeweils
aktuellen Tastkugel (15) oder durch einen Referenzpunkt am
Tastkopf (16) oder durch einen genäherten Antastpunkt oder
durch einen Punkt auf einer Symmetrieachse des Werkstückes
verlaufen.
9. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß als Parameter für die Beschreibung der rotatorischen
Bewegung Azimut und Elevation der Tastkopfachse bezüglich
einer Basisebene des Koordinatenmeßgerätes und die Eigen
rotation des Tastkopfes um die Tastkopfachse verwendet wer
den, und daß als Geschwindigkeitsparameter die zeitliche
Ableitung dieser Winkel verwendet werden.
10. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß bei einer rein rotatorischen Bewegung keine Antast
punkte aufgenommen werden.
11. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß nach Ausführung einer rotatorischen Bewegung oder vor
einer erneuten Antastung oder bei Auswertung der entspre
chenden Meßpunkte eine Anpassung des Meßsystems an die Ori
entierung des Tastkopfes vorgenommen oder verrechnet wird.
12. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß ein Tastergewichtsausgleich, eine Tasterlagekorrektur
und/oder eine der Orientierung entsprechende Bie
gungskorrektur vorgenommen wird.
13. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß in jeder translatorischen Position eine Rückkehr zur
rotatorischen Null-Stellung bezüglich der Eigenrotation des
Tastkopfes oder bezüglich aller Winkelfreiheitsgrade durch
führbar ist, und daß die Durchführung durch Tastendruck
oder Software-Kommando gestartet wird.
14. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Bedienung des Koordinatenmeßgerätes (1) bei trans
latorischer Bewegung gleich der Bedienung eines konventio
nellen Koordinatenmeßgerätes ohne rotatorische Freiheits
grade ist.
15. Koordinatenmeßgerät zur Durchführung des Verfah
rens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Koor
dinatenmeßgerät (1) ein Koordinatenmeßgerät in Hexapodbau
weise, ein Koordinatenmeßgerät in Hexapodbauweise mit ein
geschränkten Freiheitsgraden oder ein Koordinatenmeßgerät
in Gelenkarmbauweise ist.
16. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 15, dadurch ge
kennzeichnet, daß das Koordinatenmeßgerät (1) einen zusätz
lichen Drehtisch und/oder eine Drehschwenkeinrichtung auf
weist.
17. Koordinatenmeßgerät zur Durchführung des Verfah
rens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Koor
dinatenmeßgerät als ein kartesisches Koordinatenmeßgerät
mit Drehschwenkeinrichtung ausgebildet ist.
18. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 17, dadurch ge
kennzeichnet, daß das Koordinatenmeßgerät einen zusätzli
chen Drehtisch aufweist.
19. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 15 oder 17 da
durch gekennzeichnet, daß das Koordinatenmeßgerät (1) Be
dienelemente für die Eingabe der Geschwindigkeitsparameter
für die rotatorische Bewegung und für die Eingabe der Ge
schwindigkeitsparameter für die translatorische Bewegung
aufweist, und daß die Bedienelemente umschaltbar ausgebil
det sind.
20. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 15 oder 17, da
durch gekennzeichnet, daß das Koordinatenmeßgerät (1) Be
dienelemente für die Eingabe der Geschwindigkeitsparameter
für die rotatorische Bewegung aufweist, und daß weitere
Bedienelemente für die Eingabe der Geschwindigkeitspara
meter für die translatorische Bewegung vorgesehen sind.
21. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 19 oder 20, da
durch gekennzeichnet, daß die Bedienelemente als Steuer
hebel ausgebildet sind.
22. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 19 oder 20, da
durch gekennzeichnet, daß die Bedienelemente als Modell des
Koordinatenmeßgerätes zur Vorgabe von jeweils drei Parame
tern für Position, Orientierung, translatorischer Ge
schwindigkeit oder Drehgeschwindigkeit ausgebildet sind.
23. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 15 oder 17, da
durch gekennzeichnet, daß das Koordinatenmeßgerät (1) Soft
ware-Endschalter für die Überwachung des Meßvolumens auf
weist, und daß die Software-Endschalter als auf die jewei
lige translatorische und rotatorische Stellung der Platt
form angepaßt reagierende Endschalter ausgebildet sind.
24. Koordinatenmeßgerät nach Anspruch 23, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Software-Endschalter als eine abge
stufte Reaktion je nach Betriebsart zulassende Endschalter
ausgebildet sind.
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Legal Events
| Date | Code | Title | Description |
|---|---|---|---|
| OP8 | Request for examination as to paragraph 44 patent law | ||
| 8127 | New person/name/address of the applicant |
Owner name: LEITZ MESSTECHNIK GMBH, 35578 WETZLAR, DE |
|
| 8127 | New person/name/address of the applicant |
Owner name: HEXAGON METROLOGY GMBH, 35578 WETZLAR, DE |
|
| 8363 | Opposition against the patent | ||
| R037 | Decision of examining division or of federal patent court revoking patent now final | ||
| R107 | Publication of grant of european patent rescinded |
Effective date: 20130926 |