DE19716777A1 - Verfahren zum Betreiben eines Handhabungsgerätes an einer Kunststoffverarbeitungsmaschine - Google Patents
Verfahren zum Betreiben eines Handhabungsgerätes an einer KunststoffverarbeitungsmaschineInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines
Handhabungsgerätes an einer Kunststoffverarbeitungsmaschine, insbe
sondere an einer Spritzgießmaschine,
- - bei dem fertig hergestellte Artikel aus dem Werkzeugbereich der Maschine mit einem Handhabungsgerät entnommen werden,
- - wobei die Maschine für das Öffnen und Schließen des Werkzeugs einen von einer ersten Steuerung beaufschlagten Antrieb aufweist,
- - wobei das Handhabungsgerät für die Entnahme des Artikels einen von einer zweiten Steuerung beaufschlagten Antrieb aufweist,
- - wobei sowohl die Werkzeugbewegung und/oder -geschwindigkeit als auch die Bewegung und/oder Geschwindigkeit des den Artikel greifenden Teils des Handhabungsgeräts von Sensoren registriert werden,
- - wobei beim Öffnen des Werkzeugs in Abhängigkeit von der Werkzeugöffnungsbewegung und/oder -geschwindigkeit die Bewegung und/oder Geschwindigkeit des den Artikel greifenden Teils des Handhabungsgeräts funktional vorgegeben wird und
- - wobei beim Schließen des Werkzeugs in Abhängigkeit von der Bewegung und/oder Geschwindigkeit des den Artikel greifenden Teils des Handhabungsgeräts die Werkzeugschließbewegung und/oder -ge schwindigkeit funktional vorgegeben wird.
Ein Verfahren dieser Art ist aus der DE 41 10 948 C2 bekannt. Um bei
der Herstellung von Kunststoffteilen im Spritzgießverfahren Zykluszeit
einzusparen, beginnt die Entformung des fertig gespritzen Formteils
mittels eines Roboters nicht erst bei vollständiger Öffnung des
Werkzeugs, sondern der Roboter taucht bereits in den Werkzeugbereich
ein, sobald das Werkzeug genügend geöffnet ist.
Bei dem vorbekannten Verfahren ist vorgesehen, daß - wie bei der
gegenständlichen Erfindung - der Robotergreifarm bereits möglichst
frühzeitig in den Werkzeugbereich eintaucht, wobei zwischen der
Bewegung des Werkzeugs und der Bewegung des Robotergreifarms ein
funktionaler Zusammenhang vorgegeben ist. Um die vorgegebene
Relation zwischen den beiden Bewegungen kann ein Toleranzband
definiert werden. Wird - was im Betrieb jeweils durch Sensorelemente
festgestellt wird - das Toleranzband verlassen, findet eine Nachregelung
des Handhabungsautomaten statt, d. h. wenn z. B. aufgrund einer
Störung des Betriebs der Spritzgießmaschine der gewünschte
Funktionszusammenhang zwischen der Bewegung von Werkzeug und
Roboter nicht mehr gegeben ist, regelt die Steuerung des Roboters
automatisch den Greifarm nach, so daß die Störung ohne Folgen auf den
Entformvorgang bleibt. Lediglich wenn die Nachregelung infolge einer
gravierenden Störung nicht mehr möglich ist, ist dort vorgesehen, daß
eine Notabschaltung der Spritzgießmaschine und des Handhabungs
automaten stattfindet.
Die vorbekannte Verfahrensweise hat den Vorteil, daß im Rahmen
gewisser, eher geringfügiger Störungen des Spritzgießprozesses eine
Nachregelung des Roboters erfolgt und damit über weite Strecken
hinweg ein ordnungsgemäßer Herstellungsprozeß gewährleistet wird.
Gleichzeitig geht mit dieser Vorgehensweise aber auch der Nachteil
einher, daß ein sehr aufwendiges und damit teures System erforderlich
ist: Es muß eine Regelungseinheit vorgesehen werden, die nach Vorgabe
des funktionalen Zusammenhangs zwischen Werkzeug- und
Roboterbewegung die jeweiligen Bewegungen überwacht und bei
Verlassen des vorgegebenen Toleranzbandes eine eigenständige
Nachregelung vornimmt.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein
Verfahren der gattungsgemäßen Art zu schaffen, mit dem es möglich ist,
einen möglichst kurzen Spritzgießzyklus mit entsprechend schneller
Entformung des fertigen Teils aus der Spritzgießmaschine zu
gewährleisten, ohne daß eine aufwendige und damit teure apparative
Ausstattung notwendig ist.
Die Lösung der Aufgabe durch die Erfindung ist dadurch
gekennzeichnet,
- - daß unter Verzicht auf eine Regelung der Bewegung und/oder der Geschwindigkeit des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) in Abhängigkeit von der Werkzeugbewegung und/oder -geschwindigkeit oder umgekehrt durch die erste (5) und/oder zweite (7) Steuerung eine permanente Beobachtung der Bewegung und/oder Geschwindigkeit des Werkzeugs (4) und des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) durchgeführt wird,
- - daß eine permanente Prüfung in der ersten (5) und/oder zweiten (7) Steuerung vorgenommen wird, ob sich die Bewegung und/oder die Geschwindigkeit des Werkzeugs (4) und des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) relativ zueinander innerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereichs und damit außerhalb eines unzulässigen Bereichs (11) befinden, und
- - daß beim Öffnen des Werkzeugs (4) die Bewegung des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) unterbrochen wird, sobald das vorgegebene Toleranzband verlassen und damit der unzulässige Bereich (11) erreicht wird, oder
- - daß beim Schließen des Werkzeugs (4) die Bewegung des Werkzeugs (4) unterbrochen wird, sobald das vorgegebene Toleranzband verlassen und damit der unzulässige Bereich (11) erreicht wird.
Bei dieser Lösung wird also bewußt auf eine Nachregelung von Roboter
bzw. Werkzeug verzichtet, auch wenn der zulässige Bereich, innerhalb
dem sich das Verhältnis der Bewegungen von Werkzeug und Roboter
bewegen darf- unzulässigerweise - z. B. infolge einer Funktionsstörung
des Spritzgießprozesses - verlassen wird. Statt dessen ist vorgesehen, daß
die Bewegung des Roboters bzw. des Werkzeugs in einem solchen Falle
unterbrochen wird, bis sich das vorgegebene Verhältnis der Bewegungen
oder Geschwindigkeiten wieder im zulässigen Bereich befindet.
Vorteilhafterweise wird es damit möglich, eine sehr einfach aufgebaute
Spritzgießanlage mit Entformroboter zu schaffen, bei der der Aufwand
an Regelungshard- und -software gering bleibt. Weiterhin ist die Anlage
betriebssicherer, da keine kompliziert arbeitenden Elemente (Regelungs
systeme), die auch immer störanfällig sind, erforderlich sind.
Fortbildungsgemaß ist vorgesehen, daß beim Öffnen des Werkzeugs (4)
Auswerferelemente bereits vor der vollständigen Öffnung des Werkzeugs
betätigt werden. Weiterhin kann vorgesehen werden, daß bei der Öffnung
des Werkzeugs Kernzugelemente bereits vor der vollständigen Öffnung
des Werkzeugs betätigt werden. Schließlich ist angedacht, daß beim
Schließen des Werkzeugs erst nach Beginn der Schließbewegung das
Einlegen von Einlegeteilen in das Werkzeug (4) mittels eines
Handhabungsgeräts abgeschlossen wird. In diesen Fällen wird also
derselbe Grundgedanke, wie er für die Entformung des Teils mittels des
Roboters gilt, auch für die Auswerfer, die Kernzüge und die Plazierung
der Einlegeteile angewendet: Diese Funktionen finden nicht erst bei
vollständig geöffnetem Werkzeug statt, sondern laufen bereits an, wenn
die Öffnungsbewegung begonnen hat und erster Raum für die
Ausführung der genannten Funktionen gegeben ist.
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt.
Die Figur zeigt schematisch ein Werkzeug einer Spritzgießmaschine und
einen Roboter zur Entformung eines fertigen Formteils.
Von einer Kunststoffverarbeitungsmaschine 2 - in gegebenen Falle einer
Spritzgießmaschine - ist das zweiteilige Werkzeug 4 sowie der
Werkzeugantrieb 6 zu sehen. Das eine Teil des Werkzeugs 4 ist auf einer
festen Werkzeugaufspannplatte angeordnet und daher ortsfest (rechter
Werkzeugteil). Das andere Teil ist relativ zum ersten bewegbar, wodurch
sich das Werkzeug 4 öffnen und schließen kann. Das Werkzeug 4 ist in
der Figur in einer teilgeöffneten Position zu sehen, d. h. der
Öffnungsvorgang (in Richtung der Koordinate x) hat bereits begonnen, er
ist jedoch noch nicht abgeschlossen, so daß sich das Werkzeug gerade in
seiner Öffnungsbewegung befindet (s. Koordiate x und deren zeitliche
Ableitung (Geschwindigkeit)).
Im Werkzeug 4 befindet sich der zu entformende Artikel 3, der aus dem
Werkzeug zu entnehmen ist. Hierfür ist ein Handhabungsgerät 1
vorgesehen, das einen Greifteil 9 aufweist. Dieses Teil 9 kann relativ zum
Werkzeug 4 bewegt werden, nämlich in Richtung y.
Die Bewegung (x) des Werkzeugs 4 wird über den Werkzeugantrieb 6
von einer ersten Steuerung 5 bewerkstelligt. Für die Bewegung (y) des
Robotergreifers 9 ist ein Antrieb 8 verantwortlich, der von einer zweiten
Steuerung 7 betrieben wird. Die Aufteilung in zwei Steuereinheiten, die
in jedem Falle miteinander Daten austauschen können, ist willkürlich;
natürlich können beide Steuerungen 5 und 7 in eine Einheit
zusammengefaßt sein.
Von den Steuerungen 5 bzw. 7 werden die Bewegungen und ggf. auch
die Geschwindigkeiten (x, y und deren zeitliche Ableitungen) registriert,
weshalb Wegaufnehmer und ggf. Geschwindigkeitsaufnehmer 10 sowohl
am Werkzeugantrieb 6 als auch am Antrieb des Roboters angeordnet
sind.
Um die Zykluszeit des Herstellungsprozesses inclusive Entformung
möglichst kurz zu halten, fährt der Greifer 9 bereits vor der vollständigen
Öffnung des Werkzeugs 4 in den Werkzeugbereich ein (s. Figur), um so
früh wie möglich mit der Entformung beginnen zu können. Allerdings
muß gewährleistet sein, daß keine Kollision zwischen Handhabungsgerät,
insbesondere dem Greifer 9, und dem Werkzeug 4 stattfindet. Deshalb ist
um das Werkzeug 4 herum ein räumlicher Ausdehnungsbereich
vorgegeben, in den der Greifer 9 nicht gelangen darf; es handelt sich
dabei um einen unzulässigen Bereich 11 (schraffierter Bereich in der
Figur), der als "Sicherheitsabstand" einzuhalten ist.
Aufgrund des unzulässigen Bereichs 11 ergibt sich für den Greifer 9 ein
entsprechender zulässiger Bereich (das Komplement zu 11), in dem sich
der Greifer 9 aufhalten darf. Aufgrund dessen kann eine Beziehung
zwischen der Werkzeugbewegung x und der Bewegung des Greifers y
vorgegeben werden, die einem zulässigen Betrieb entspricht. Diese
Beziehung wird in der oder den Steuerungen 5 und 7 hinterlegt. Über die
Sensoren 10 kann die Steuerung zu jedem Zeitpunkt feststellen, ob sich
der Greifer 9 bei einer aktuellen Werkzeugposition x im zulässigen
Bereich befindet. Typischerweise findet eine solche Überprüfung alle 10
bis 20 ms statt.
Hat sich aufgrund einer Betriebsstörung oder aufgrund eines anderen
Ereignisses während der Öffnung das Werkzeug 4 nicht so schnell
geöffnet, wie es der vorgegebenen Beziehung zwischen x und y
entspricht, registriert das die Steuerung nach Auswertung der aktuellen
Positionen x und y. Damit beim Werkzeugöffnen der Greifer 9 nicht in
den unzulässigen Bereich 11 hineinfährt, nimmt die Steuerung 5 bzw. 7
nunmehr eine Unterbrechung der Bewegung des Greifers 9 vor, so daß
dies verhindert wird. Entsprechend wird beim Schließen des Werkzeugs 4
die Werkzeugschließbewegung unterbrochen, sobald die erlaubte
Toleranz verlassen wird.
Aufgrund der hohen Abtastrate wird eine Kollision zwischen Werkzeug 4
und Greifer 9 wirksam verhindert, obwohl keinerlei Regelungssystem
vorgesehen ist, das versuchen würde, den Greifer in seinen zulässigen
Bereich zurückzuregeln. Die erläuterte Anlage ist daher im Vergleich mit
den aus dem Stand der Technik bekannten Anlagen kostengünstiger. Die
erfindungsgemäße Anlage arbeitet insofern lediglich im Master-Slave-
Betrieb, der für die gewünschte Aufgabe jedoch völlig ausreicht.
1
Handhabungsgerät
2
Kunststoffverarbeitungsmaschine
3
Artikel
4
Werkzeug der Maschine
5
erste Steuerung
6
Werkzeugantrieb
7
zweite Steuerung
8
Antrieb des Handhabungsgeräts
9
greifender Teil des Handhabungsgeräts
10
Sensoren
11
unzulässiger Bereich für die Position
Claims (4)
1. Verfahren zum Betreiben eines Handhabungsgerätes (1) an einer
Kunststoffverarbeitungsmaschine (2), insbesondere an einer Spritzgieß
maschine,
- - bei dem fertig hergestellte Artikel (3) aus dem Werkzeug bereich der Maschine (2) mit einem Handhabungsgerät (1) entnommen werden,
- - wobei die Maschine (2) für das Öffnen und Schließen des Werkzeugs (4) einen von einer ersten Steuerung (5) beaufschlagten Antrieb (6) aufweist,
- - wobei das Handhabungsgerät (1) für die Entnahme des Artikels (3) einen von einer zweiten Steuerung (7) beaufschlagten Antrieb (8) aufweist,
- - wobei sowohl die Werkzeugbewegung und/oder -geschwin digkeit als auch die Bewegung und/oder Geschwindigkeit des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) von Sensoren (10) registriert werden,
- - wobei beim Öffnen des Werkzeugs (4) in Abhängigkeit von der Werkzeugöffnungsbewegung und/oder -geschwindigkeit die Bewegung und/oder Geschwindigkeit des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) funktional vorgegeben wird und
- - wobei beim Schließen des Werkzeugs (4) in Abhängigkeit von
der Bewegung und/oder Geschwindigkeit des den Artikel (3)
greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) die Werkzeug
schließbewegung und/oder -geschwindigkeit funktional vorge
geben wird,
dadurch gekennzeichnet, - - daß unter Verzicht auf eine Regelung der Bewegung und/oder der Geschwindigkeit des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) in Abhängigkeit von der Werkzeugbewegung und/oder -geschwindigkeit oder umgekehrt durch die erste (5) und/oder zweite (7) Steuerung eine permanente Beobachtung der Bewegung und/oder Geschwindigkeit des Werkzeugs (4) und des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) durchgeführt wird,
- - daß eine permanente Prüfung in der ersten (5) und/oder zweiten (7) Steuerung vorgenommen wird, ob sich die Bewegung und/oder die Geschwindigkeit des Werkzeugs (4) und des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) relativ zueinander innerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereichs und damit außerhalb eines unzulässigen Bereichs (11) befinden, und
- - daß beim Öffnen des Werkzeugs (4) die Bewegung des den Artikel (3) greifenden Teils (9) des Handhabungsgeräts (1) unterbrochen wird, sobald das vorgegebene Toleranzband verlassen und damit der unzulässige Bereich (11) erreicht wird, oder
- - daß beim Schließen des Werkzeugs (4) die Bewegung des Werkzeugs (4) unterbrochen wird, sobald das vorgegebene Toleranzband verlassen und damit der unzulässige Bereich (11) erreicht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß beim
Öffnen des Werkzeugs (4) Auswerferelemente bereits vor der
vollständigen Öffnung des Werkzeugs betätigt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei der
Öffnung des Werkzeugs Kernzugelemente bereits vor der vollständigen
Öffnung des Werkzeugs betätigt werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß beim
Schließen des Werkzeugs erst nach Beginn der Schließbewegung das
Einlegen von Einlegeteilen in das Werkzeug (4) mittels eines
Handhabungsgeräts abgeschlossen wird.
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| DE19716777C2 (de) | 2000-02-17 |
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| 8327 | Change in the person/name/address of the patent owner |
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Effective date: 20121101 |