DE19711932A1 - In vitro-Verfahren zum Prognostizieren des Krankheitsverlaufs von Patienten mit Mammakarzinom und/oder zum Diagnostizieren eines Mammakarzinoms - Google Patents
In vitro-Verfahren zum Prognostizieren des Krankheitsverlaufs von Patienten mit Mammakarzinom und/oder zum Diagnostizieren eines MammakarzinomsInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft ein in vitro-Verfahren zum Prognostizieren des
Krankheitsverlaufs von Patienten mit Mammakarzinom und/oder zum Diagnosti
zieren eines Mammakarzinoms, Kits, die zum Durchführen dieses Verfahrens
geeignet sind, sowie die Verwendung von T1-spezifischen Antikörpern oder
Fragmenten davon oder von T1-spezifischen Oligonukleotiden zum Bestimmen
von T1-Protein bzw. T1-mRNA in Patienten mit Mammakarzinom.
Mammakarzinome, insbesondere invasive Mammakarzinome, sind maligne Tu
more mit extrem unterschiedlichem und bisher unvorhersagbarem klinischen
Verlauf. Das invasive Mammakarzinom ist bei Frauen der am häufigsten auftre
tende maligne Tumor; an ihm erkrankt im statistischen Mittel jede 16. Frau. Bei
bestehendem Mammakarzinom wird als primäre therapeutische Maßnahme zu
nächst der Mammatumor entfernt. Für die Prognose und weitere Therapiepla
nung gelten heute in erster Linie der Nodalstatus, aber auch die Tumorgröße,
der histologische Typ, der Differenzierungsgrad sowie der Hormonrezeptorstatus
als wichtige Parameter. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Beurteilung des axil
liären Lymphknotenstatus. So wird z. B. bei Patienten mit zum Zeitpunkt der Tu
mordiagnose bzw. Operation bereits bestehendem Lymphknotenbefall im Ach
selbereich (Nodal-positiv, N(+)) in der Regel sofort eine Chemotherapie durchge
führt, gegebenenfalls unterstützt von einer zusätzlichen Strahlentherapie. Patien
ten mit negativem axilliären Lymphknotenstatus (Nodal-negativ, N(0)) haben ge
nerell eine bessere Prognose und werden deshalb in der Regel weder chemo
therapeutisch noch strahlentherapeutisch nachbehandelt. Statistisch entwickeln
jedoch bis zu 30% der als N(0) eingestuften Patienten ein Rezidiv (Yuan 1992).
Diese hohe Rezidivrate zeigt, daß die bisher bekannten Prognosefaktoren den
Krankheitsverlauf nur sehr unvollständig beschreiben.
In den letzten Jahren wurde eine große Zahl von Molekülen im Hinblick auf ihre
mögliche Verwendung als Prognosefaktoren für das Mammakarzinom untersucht
(zur Übersicht: Schmitt et al., 1994; Hoskins and Weber, 1995), z. B. (Proto)On
kogene wie c-erbB-2 (Allred et al., 1992, Archer et al., 1995), das Tumorsup
pressorgen p53 (Barnes et al., 1993, Lipponen et al., 1993), der Urokinase-Typ-
Plasminogenaktivator uPA (Jaenicke et al., 1993; Wilhelm et al., 1994), das Ad
häsionsmolekül E-Cadherin (Rasbridge et al., 1993; Graff et al., 1995) und das
Zytoskelettprotein Vimentin (Sommers et al., 1992). Die Vimentinsynthese korre
liert mit dem invasiven Wachstum von Mammakarzinom-Zellinien in vitro
(Thompson et al., 1991) und teilweise mit schnell wachsenden invasiven dukta
len Brustkarzinomen mit schlechter Prognose in vivo (Domagala et al., 1990).
Mögliche Prognosefaktoren bilden weiterhin zytometrisch bestimmte morphome
trische und Texturmerkmale sowie DNS-Parameter (Auer et al., 1994).
Keiner der oben erwähnten Faktoren erlaubt jedoch eine ausreichend zuverläs
sige Prognose des weiteren Krankheitsverlaufs nach Mammakarzinomentfer
nung.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Verfahren bereitzustellen, das eine aus
reichend zuverlässige Prognose des weiteren Krankheitsverlaufs bei Mamma
karzinompatienten erlaubt.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein in vitro-Verfahren zum Progno
stizieren des Krankheitsverlaufes von Patienten mit Mammakarzinom und/oder
zum Diagnostizieren eines Mammakarzinoms gelöst, das das qualitative oder
quantitative Bestimmen von T1-Protein und/oder T1-mRNA in aus dem Patienten
gewonnenem Probenmaterial umfaßt.
Das T1-Protein ist ein extrazelluläres, lösliches Glykoprotein von 60-70 kDa
(Werenskiold, 1992) mit Homologie zu Mitgliedern der Immunglobulin-Super
familie, insbesondere dem karzinomembryonalen Antigen (Klemenz et al., 1989).
Das Molekül wurde in einer Analyse früher Effekte von Onkoproteinen (p21ras
und p39v-mos) auf die Genexpression in Fibroblasten identifiziert (Werenskiold et
al., 1989). In der Maus erfolgt eine Synthese des T1-Proteins nur in embryonalen
Geweben, sie ist im adulten Tier nicht nachweisbar (Rößler et al., 1995 a,b). Die
Funktion des T1-Proteins ist noch nicht vollständig geklärt, doch gibt die lsolie
rung einer zweiten, membranständigen Variante des Moleküls (T1-M) Hinweise
auf eine Funktion als Zytokinrezeptor. Das membranständige T1-M-Protein weist
große Ähnlichkeit mit dem IL-1-Rezeptor Typ 1 auf, besitzt jedoch keine Affinität
zu den Zytokinen IL-1 α und β (Rößler et al., 1995 b; Danescu and Werenskiold,
1995) oder IL-1ra (Gayle et al., 1996). T1-M stellt einen neuen Mastzell-spezif
ischen Zytokinrezeptor dar (Rößler et al., 1995 b; Thomassen et al., 1995). Die
Onkogen-induzierbare lösliche Variante des T1-Proteins ist eine verkürzte Form
dieses Rezeptors und entspricht dessen Liganden-bindender Domäne. Rekom
binant hergestelltes, lösliches T1 aus der Maus (Rupp et al., 1995) blockiert das
Wachstum von Mastzellen.
In Mammakarzinomen der Maus ist eine Überexpression des löslichen T1-
Proteins bisher ausschließlich in invasiv wachsenden, schlecht differenzierten
Tumoren beobachtet worden. Sowohl das Tumorstroma als auch die anaplasti
schen Tumorzellen synthetisieren T1. In situ-Hybridisierungen zeigen eine er
höhte Expression von T1 in Tumorzellen an der Peripherie von Tumorzellkom
plexen und - möglicherweise von den Tumorzellen induziert - in den unmittelbar
diesen benachbarten Stromazellen (Rößler et al., 1993). Die Induktion der T1-Ex
pression in den Tumorzellen korreliert mit deren phänotypischer Transformati
on und wird von einem Verlust der E-Cadherin- und Zytokeratin-Produktion be
gleitet. Sie wird von einem AP1-abhängigen Promotor des T1-Gens gesteuert,
der nur in nicht-hämopoetischen (z. B. fibroblastischen) Zellen aktiv ist
(Thomassen et al., 1995). Während der phänotypischen Transformation der
epithelialen Tumorzellen erfolgt die Induktion von T1 deutlich vor derjenigen des
ebenfalls AP1-abhängigen, mesenchymalen Zytoskelettproteins Vimentin und
bildet daher einen frühen Marker für den Transformationsprozeß.
Überraschenderweise hat sich nunmehr gezeigt, daß das Auftreten oder Fehlen
einer T1-Transkription bzw. -Expression eine Aussage über den zukünftigen
Krankheitsverlauf erlaubt, insbesondere Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit
des Auftretens eines Rezidivs oder der Entwicklung bzw. des Wachstums von
Metastasen. Wie in den Beispielen ausführlich erläutert werden wird, korreliert in
Patienten mit einem N(0)-Nodalstatus überraschenderweise ein hoher T1-Wert
mit einer guten Prognose, während in Patienten mit N(+)-Nodalstatus ein hoher
T1-Protein- bzw. T1-mRNA-Spiegel eine schlechte Prognose bedeutet.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird das T1-Protein und/oder die T1-
mRNA in einer Tumorgewebeprobe des Patienten bestimmt. Dazu werden z. B.
Gewebeschnitte nach üblichen Verfahren angefertigt und fixiert und anschlie
ßend entweder einen Immuntest zum Nachweis vorhandenen T1-Proteines oder
einer Hybridisierung mit markierten oder markierbaren Oligonukleotiden oder
DNA-Fragmenten unterworfen. Wahlweise kann aus dem Tumorgewebe nach
üblichen Verfahren Gesamt-RNA oder Poly(A)⁺-mRNA isoliert werden, die dann
z. B. nach gelelektrophoretischer Auftrennung oder nach Fixierung an eine feste
Matrix wiederum durch Hybridisieren mit einem markierten oder markierbaren
Oligonukleotid bestimmt werden kann.
T1-Protein ist nicht nur im Tumorgewebe selbst nachweisbar, sondern auch in
verschiedenen Körperflüssigkeiten betroffener Patienten. In einer bevorzugten
Ausführungsform wird das erfindungsgemäße Verfahren mit einer Blut- oder
Serumprobe durchgeführt.
Für die Bestimmung der T1-mRNA stehen eine Reihe von Verfahren zur Verfü
gung. Wie oben bereits angedeutet, ist es zum einen möglich, T1-mRNA in situ
oder in entsprechenden RNA oder mRNA-Präparaten durch Hybridisieren mit
einer entsprechenden Oligonukleotidsonde oder einem DNA-Fragment nachzu
weisen. Die Oligonukleotidsonde bzw. das DNA-Fragment kann selbst ein meß
bares Signal abgeben, z. B. radioaktiv markiert sein, oder durch Wechselwirkung
mit anderen Molekülen zur Signalgebung fähig sein. Zur besseren Auswertung
der entsprechenden Tests empfiehlt es sich in den meisten Fällen, eine Amplifi
kation des Signales herbeizuführen. Üblicherweise wird dazu die nachzuweisen
de Target-Nukleinsäure amplifiziert.
Für die Amplifizierung der Target-Sequenz, d. h. der T1-mRNA, mit dem PCR-Ver
fahren (Polymerase-Ketten-Reaktion) wird zunächst nach bekannten Verfah
ren eine cDNA-Kopie hergestellt. Diese cDNA-Kopie wird anschließend einer
PCR unterworfen. Die Sequenz des menschlichen T1-Genes ist bereits bekannt
(Tominaga et al., 1992), die Auswahl geeigneter Oligonukleotide zur Durchfüh
rung der reversen Transkription und des PCR-Verfahrens liegt daher im Bereich
fachmännischen Könnens. Ein Beispiel eines geeigneten Oligonukleotides ist
das Oligonukleotid mit der Sequenz 5'-CTT TGA TCA CCT GAA CTT TCT CTA
GCA-3' oder ein Fragment davon. Ein weiterer geeigneter Primer ist der anti
sense-Primer 5'-AGT TTT CGG TTG TTG GTG CAT TTC-3' oder ein geeignetes
Fragment davon. Bevorzugte Primer entstammen dem 3'-untranslatierten Be
reich und/oder dem Bereich der Exons 8 und 9. Primer aus den genannten Be
reichen haben den Vorteil, daß sie nur mit der für das tumorassoziierte T1-S-
Protein kodierenden RNA hybridisieren, nicht jedoch mit der durch alternatives
Spleissen entstandenen T1-M-mRNA. Einer der spezifischen Primer, sense-
oder anti-sense-, kann gegebenenfalls durch einen kommerziell erhältlichen
Random-Primer ersetzt werden. Im Stand der Technik sind inzwischen eine Rei
he weiterer Verfahren bekannt, mit denen Target-Nukleinsäuren amplifiziert wer
den können. In diesem Zusammenhang wird z. B. verwiesen auf das Q-NASBA-Ver
fahren, bei dem die in der Probe vorliegende mRNA durch die konzertierte
Aktion von reverser Transkriptase, RNAse H und T7-Polymerase amplifiziert wird
(Kievits et al., 1991). Eine weitere Möglichkeit ist der Nachweis von nach rever
ser Transkription erhaltener DNA durch die sogenannte "Strand Displacement
Amplification" (SDA) (Walker et al., 1996, sowie darin zitierte Literatur). Dem
Fachmann sind noch eine Reihe weiterer Verfahren bekannt, die zum Nachweis
oder der Bestimmung der T1-mRNA ebenfalls herangezogen werden können.
Die gebildeten Amplifikations-Produkte werden auf dem Fachmann bekannte
Weise nachgewiesen. So kann z. B. durch den Einbau Digoxigenin-haltiger Nu
kleotide und anschließende Umsetzung mit enzymkonjugierten anti-Digoxigenin-
Antikörpern die mit dem PCR-Verfahren synthetisierte DNA sichtbar gemacht
werden. Mit dem anti-Digoxigen-Antikörper kann jedes zur Signalgebung fähige
Enyzm konjugiert werden, z. B. alkalische Phosphatase, saure Phosphatase,
Peroxidase, β-D-Galaktosidase, Glucoseoxidase und Meerrettichperoxidase. In
Abhängigkeit vom verwendeten Substrat kann die T1-mRNA quantitativ, z. B.
durch Messung der Absorption oder der Fluoreszenz löslicher Produkte, oder
zumindest qualitativ nachgewiesen werden.
Zum Beispiel eignet sich der von Boehringer Mannheim erhältliche, mit alkali
scher Phosphatase konjugierte anti-Digoxigenin-Antikörper gut zum Bestimmen
der vorhandenen T1-mRNA. Dem Fachmann ist bekannt, daß es noch weitere
Möglichkeiten des Nachweises amplifizierter Nukleinsäuren, z. B. durch den Ein
bau biotinmarkierter Nukleotide und anschließende Umsetzung der Produkte mit
Avidin- oder Streptavidin-konjugierten Enzymen, die eine Signalgebung ermögli
chen, gibt. Ein solches Enzym kann schließlich auch an ein drittes Oligonukleo
tid gekoppelt sein, das einem Teilstück eines Strangs einer der amplifizierten
Nukleinsäuren komplementär ist.
Die folgende Tabelle gibt Aufschluß über üblicherweise verwendete Enzyme und
in Verbindung mit diesen Enzymen möglicherweise zu verwendende chromoge
ne Substrate.
| Enzyme | |
| Chromogen | |
| 1. Alkalische Phosphatase und saure Phosphatase | 4-Methylumbelliferylphosphat (*), Bis(4-Methylumbelliferylphosphat), (*) 3-0-Methylfluoreszein, Flavon-3-Diphosphattriammoniumsalz (*), p-Nitrophenylphosphatdinatriumsalz |
| 2. Peroxidase | Tyraminhydrochlorid (*), 3-(p-Hydroxyphenyl)-Propionsäure (*), p-Hydroxyphenethylalkohol (*), 2,2'-Azino-di-3-ethylbenzthiazol insulfonsäure (ABTS), ortho-Phenylendiamindihydrochlorid, o-Dianisidin, 5-Aminosalicylsäure, p-Ucresol (*), 3,3'-dimethyloxybenzidin, 3-Methyl-2-benzothiazolinhydrazon, Tetramethylbenzidin |
| 3. Meerrettichperoxidase | H2O2 + Diammoniumbenzidin, K2O2 + Tetramethylbenzidin |
| 4. β-D-Galaktosidase | o-Nitrophenyl-β-D-galaktopyranosid, 4-Methylumbelliferyl-β-D-galaktosid |
| 5. Glukoseoxidase | ABTS, Glukose und Thiazolylblau |
Anm: (*): fluoreszierendes Produkt
Der Nachweis der Amplifikations-Produkte kann nach Gelelektrophorese des
Reaktionsgemisches im Gel erfolgen, er kann aber auch in Lösung oder nach
Bindung an eine feste Matrix erfolgen. Auf dem Markt ist derzeit eine Vielzahl
von Systemen erhältlich, die dem Nachweis von amplifizierter DNA dienen und
auf die Bedürfnisse des Nachweises von T1-mRNA zugeschnitten werden kön
nen.
Während die oben erwähnten Verfahren die reverse Transkription und/oder
Amplifikation der nachzuweisenden Nukleinsäure, im vorliegenden Fall der
T1-mRNA involvieren und dadurch einen Nachweis auch geringster Mengen T1-mRNA
ermöglichen, beruhen andere Verfahren auf dem Nachweis der Moleküle
durch Amplifikation des Signals. Ein Beispiel dafür ist bDNA-Verfahren (Pachl et
al., 1994), bei dem die nachzuweisende Nukleinsäure über Hybridisierung mit
einem Oligonukleotid an eine feste Matrix gekoppelt wird, über eine weitere Hy
bridisierung mit einem zweiten Oligonukleotid an eine verzweigte DNA, die wie
derum mit einer Vielzahl von mit einem signalgebenden Enzym gekoppelten Oli
gonukleotiden hybridisiert. Durch die Verzweigung der DNA ist das Anheften ei
ner großen Menge signalgebender Enzymeinheiten pro vorhandenem Targetmo
lekül möglich.
In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das
Probenmaterial einem für T1 spezifischen Antikörper oder Fragmenten eines
solchen ausgesetzt. Geeignete Antikörperfragmente sind z. B. Fab- und F(ab)2-Frag
mente. Die Antikörper oder Antikörperfragmente können beispielsweise di
rekt mit dem Gewebeschnitt inkubiert werden oder aber einem Immuntest ausge
setzt werden, bei dem Proteinextrakt z. B. an Mikrotiterplatten fixiert wird, auf ei
ner Gelmatrix aufgetrennt oder auf andere Weise dem Antikörper zugänglich
gemacht und mit diesem in Kontakt gebracht wird. Bei den Antikörpern kann es
sich um monoklonale oder polyklonale Antikörper handeln, es können z. B.
Maus-, Kaninchen- oder Ratten-Antikörper sein. Die Antikörper sollten spezifisch
mit dem T1-Protein bzw. ausgewählten Epitopen dieses Proteines reagieren. In
einer Ausführungsform wird das Verfahren mit Antikörpern durchgeführt, die für
das p9-Peptid oder das p16-Peptid aus Maus-T1 (Werenskiold, 1992) spezifisch
sind. Das p9-Peptid stammt aus einem Bereich, der eine vollständige Immunglo
bulin-ähnliche Halbdomäne des Proteins überspannt. Das p16-Peptid entspricht
dem carboxyterminalen Teil des Proteins und enthält keine mit dem IgC2-Motiv
der Immunglobulinsuperfamilie verwandte Sequenz. Die Antikörper können ge
gen das p9- oder p16-Peptid aus der Maus oder korrespondierenden Peptiden
anderer Säugetiere gerichtet sein, solange sie mit dem entsprechenden
T1-Protein menschlicher Herkunft kreuzreagieren.
In einer bevorzugten Ausführungsform sind die Antikörper gegen antigene De
terminanten des menschlichen, löslichen T1-Protein gerichtet. Zur Minimierung
der Gefahr einer Kreuzreaktion mit vollständigem Membran-gebundenen Rezep
tor empfiehlt es sich, ein Peptid zu wählen, das im T1-Rezeptor nicht vorhanden
ist. In einer bevorzugten Ausführungsform ist der Antikörper gegen ein Peptid
gerichtet, das die Sequenz p-SKEC umfaßt. Der für dieses Peptid kodierende
Bereich liegt zwischen den Exons 8 und 9 und wird nur für das lösliche Protein
(T1-S), nicht aber für den Rezeptor (T1-M) exprimiert.
Erfindungsgemäß wird weiter ein Kit zur Verfügung gestellt, der zum Durchfüh
ren des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignet ist. Der Kit enthält T1-
spezifische Antikörper oder Fragmente davon sowie gegebenenfalls Mittel, den
Antikörper oder seine Fragmente nachzuweisen. Bei diesen Mitteln kann es sich
beispielsweise um enzymkonjugierte anti-Ig-Antikörper handeln, die spezifisch
an die jeweils verwendeten anti-T1-Antikörper binden. Der Nachweis dieser Anti
körper kann mit üblichen Methoden, die bereits oben diskutiert worden sind, er
folgen. Die dafür erforderlichen Mittel, z. B. Enzymsubstrat, können im Kit eben
falls zur Verfügung gestellt werden. Der Kit kann weiterhin so aufgebaut sein,
daß die zum Nachweis geeigneten Antikörper bzw. Antikörperfragmente an eine
feste Phase gekoppelt vorliegen. Die feste Phase kann z. B. die Form von Mikro
partikeln, z. B. Glas-, Polyacrylamid- oder Sephadexkugeln haben, oder aus Mi
krotiterplatten bestehen. Andere Möglichkeiten der Fixierung der Antikörper an
eine feste Matrix sind ebenfalls eingeschlossen.
Bei dem im erfindungsgemäßen Kit vorgesehenen Antikörper bzw. Fragmenten
davon kann es sich um einen monoklonalen oder polyklonalen Antikörper han
deln. Dieser wird auf dem Fachmann bekannte Weise durch Immunisieren mit
dem jeweils gewünschten Antigen, z. B. dem p9- oder p16-Peptid, hergestellt.
Ausreichende Mengen dieser Peptide können durch rekombinante Expression in
eukaryontischen Systemen, z. B. im Vacciniavirussystem (Werenskiold, 1992),
oder in prokaryontischen Wirten, z. B. in E. coli, B. subtilis oder Streptomyceten,
zur Verfügung gestellt werden. In einer weiteren Ausführungsform werden statt
natürlicher oder rekombinant exprimierter Proteine synthetisch hergestellte Pep
tide zum Immunisieren verwendet. Besonders bevorzugt sind dabei Peptide, die
die Sequenz p-SEKC umfassen.
In einer weiteren Ausführungsform wird ein Kit zur Verfügung gestellt, der zum
Nachweis von T1-spezifischen Nukleinsäuren, bevorzugt T1-spezifischer mRNA
geeignet ist. Der Kit enthält mindestens ein Oligonukleotid, das zur T1-mRNA
komplementär ist, daher mit dieser hybridisieren kann und gegebenenfalls als
Primer für die reverse Transkription und/oder die Polymerasekettenreaktion die
nen kann. Kits, die letztlich der Durchführung einer PCR dienen sollen, können
weiterhin ein oder mehrere weitere Oligonukleotide enthalten, die dem sense-
Strang der T1-mRNA entsprechen und in Kombination mit dem ersten Oligonu
kleotid die Amplifikation der T1-mRNA erlauben.
Ein erfindungsgemäßer Kit zum Nachweis der T1-mRNA kann darüber hinaus
die zur reversen Transkription und/oder zur Amplifikation notwendigen Enzyme,
z. B. reverse Transkriptase, DNA-Polymerase, RNAse H, T7-Polymerase
und/oder Mittel zum Nachweis der amplifizierten Produkte enthalten. Die Amplifi
kations-Produkte können beispielsweise durch eingebaute modifizierte Nukleoti
de nachgewiesen werden, z. B. digoxigenierte oder biotinylierte Nukleotide, oder
aber durch Hybridisierung eines markierten oder markierbaren Oligonukleotids,
das zur T1-mRNA oder ihrem komplementären Strang komplementär ist, nach
gewiesen werden. Eine weitere Möglichkeit des Nachweises liegt in der Verwen
dung modifizierter Primer, die beispielsweise an ihrem 5'-Ende mit einem Anti
gen verbunden sind, das von einem enzymgebundenen Antikörper erkannt wird.
In der Literatur finden sich ungezählte Beispiele solcher Nachweisverfahren, die
dem Fachmann vertraut sind und die Ausgestaltung des Kits im einzelnen be
stimmen.
Wie bereits erwähnt, ist die Nukleotidsequenz des T1-Genes und damit der ko
dierenden Bereiche der T1-mRNA bekannt. In Kenntnis der Sequenz kann der
Fachmann ohne weiteres geeignete Primer aussuchen. Bevorzugte Ausfüh
rungsformen sehen die Verwendung eines Oligonukleotids mit der Sequenz
5'-CTT TGA TCA CCT GAA CTT TCT CTA GCA-3' als erstem Oligonukleotid und
die eines Oligonukleotids mit der Sequenz 5'-AGT TTT CGG TTG TTG GTG
CAT TTC-3' als weiterem Oligonukleotid vor. In bevorzugten Ausführungsformen
ist mindestens eines der Oligonukleotide an seinem 5'-Ende mit einem Antigen
oder einem zur Signalgebung fähigen Enzym konjugiert.
Die Erfindung betrifft weiterhin die Verwendung von T1-spezifischen Antikörpern
oder Fragmenten solcher Antikörper zum Nachweisen der Gegenwart von T1-
Protein in Gewebeproben, Blut- oder Serumproben eines Patienten mit Mamma
karzinom. Der Nachweis des T1-Proteines kann mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erfolgen. Die Erfindung betrifft auch die Verwendung von T1-
spezifischen Oligonukleotiden zum Nachweisen von T1-mRNA in Probenmaterial
aus Patienten mit Mammakarzinom. Bei dem verwendeten Oligonukleotid kann
es sich um sense- oder anti-sense-Oligonukleotide handeln.
Die Abbildungen und die folgenden Beispiele erläutern die Erfindung.
Abb. 1: Nachweis humaner T1-mRNA-Spezies in kultivierten Zellen und in
Primärgewebe. Gesamt-RNA (10 µg, Spuren 1, 3, 5) oder Poly(A)⁺-RNA (1 µg,
Spuren 2, 4) aus etablierten Keratenozyten der Haut (Ha-Cat, Spuren 1, 2) und
Mastzellen (HMC-1, Spuren 3, 4) sowie aus reifer Plazenta (5) wurden mit einem
1%igen Agarosegel fraktioniert, auf eine Nylonmembran transferiert und mit T1-
spezifischen Proben hybridisiert.
A: Hybridisierungsprobe aus dem ORF (Positionen 45-602 der cDNA-Sequenz
nach Tominaga, 1992); detektiert werden 3 mRNA-Spezies mit Größen von 5 kb,
2,7 kb und 2 kb.
B: Hybridisierungsprobe aus dem 3'-untranslatierten Bereich (Position 990-1310
der cDNA-Sequenz nach Tominaga, 1992); detektiert spezifisch die 2,7 kb-T1-
mRNA (sowie unspezifisch 28 S rRNA in Gesamt-RNA-Proben). Die Position der
ribosomalen RNA (28 S und 18 S) ist links angegeben.
C: Semiquantitative RT-PCR zum Nachweis der 2,7 kb-T1-mRNA. T1-positive
Gesamt-RNA aus Planzenta wurde in T1-negativer Gesamt-RNA der Zellinie
U2OS seriell verdünnt und die RNA-Gemische wurden revers transkribiert. Al
quots der cDNA, die jeweils 25 ng RNA-Gemisch/Test entsprechen, wurden mit
tels PCR analysiert (siehe Material und Methoden: 25 ng für T1-PCR, 1 µl dar
aus für Aktin-PCR). Die Menge von Plazenta-RNA (in ng) pro 25 ng Gesamt-
RNA ist über den Spuren angegeben. (Null: Reaktion nur mit T1-negativer RNA;
Minus: Negativkontrolle, d. h. PCR ohne cDNA-Matrize). Je 10 µl der Reaktions
produkte wurden in einem 2% TBE (TrisboratIEDTA-Puffer) Gel aufgetrennt und
mit Ethidiumbromid angefärbt.
Abb. 2: Semiquantitative RT-PCR zum Nachweis von 2,7 kb T1-mRNA in
Gesamt-RNA aus Mammakarzinomen. Durchführung siehe Material und Metho
den. Es wurden je 10 µl der Reaktionsprodukte auf Agarosegelen aufgetrennt
und Ethidiumbromid angefärbt.
Quantitative Auswertung: Densitometrische Bestimmung der Etidiumbromidin
tensität der spezifischen Amplifikate der Aktin- und T1-mRNA. Die beobachtete
T1-mRNA-Expression wurde wie folgt bewertet:
Signalstärke T1: Aktin < 0,1: T1-negativ, Klasse I
Signalstärke T1: Aktin = 0,1 bis 1: T1-positiv, Klasse II
Signalstärke T1: Aktin < 1: T1-positiv, Klasse III
Signalstärke T1: Aktin = 0,1 bis 1: T1-positiv, Klasse II
Signalstärke T1: Aktin < 1: T1-positiv, Klasse III
Abb. 3: Metastasierung in Nodal-negativen Patientinnen. Aufgetragen ist
die Anzahl überlebender Patientinnen in Abhängigkeit von der Zeit und unterteilt
nach Patientinnen, deren Mammakarzinom-Zellen T1-negativ bzw. T1-positiv
war.
Abb. 4: Nachweis von T1-Protein in Mammakarzinomen. Die Immunfärbung
wurde wie in Beispiel 5 angegeben durchgeführt.
A) Duktales Karzinom; B) Duktolobuläres Karzinom.
T1-spezifische Signale (dunkle Färbung) können nur in Tumorzellen, nicht aber
in umgebenden Stroma beobachtet werden.
1.1 Für die Isolierung von Gesamt-RNA aus tiefgefrorenem Tumorgewebe
wurde das Gewebe zunächst unter flüssigem Stickstoff in einem RNAse
freien Mörser pulverisiert. Zu je 100 mg pulverisierten Gemisches wurde 1
ml Gua SCN-Lösung (4 M Guanidiniumisothiocyanat, 25 mM Natriumcitrat
pH 7,0, 0,5% Natriumlauroylsarcosinat, 0,1 M β-Mercaptoethanol) pipet
tiert. Die Suspension wurde in ein Eppendorf-Reaktionsgefäß (ERG) über
führt. Zu dieser Suspension wurden nacheinander 90 µl 2 M NaAcetat pH
4,0 (1/10 Vol.), 900 µl wäßriges Phenol und 180 µl Chloroform/Isoamyl
alkohol (49 : 1; v:v) zupipettiert, wobei nach jedem Schritt sorgfältig gemischt
wurde. Anschließend wurde 15 min auf Eis und 10 min bei RT inkubiert und
danach 10 min mit 10000 × g zentrifugiert.
Die wäßrige Phase wurde vorsichtig abgehoben und in ein neues ERG
transferiert. Die RNA wurde mit 900 µl Isopropanol (1 Vol.) bei -20°C gefällt
(< 1 Std.).
Sobald die RNA gefällt vorlag, wurde auf RNAse-freies Arbeiten geachtet
(RNA-Lösung wurde stets auf Eis gekühlt, es wurde nur frisch autoklavier
tes Wasser verwendet; das Tragen von Handschuhen war obligatorisch).
Zur Reinigung der RNA wurde eine zusätzliche Ethanolfällung durchge
führt: Die Isopropanol-gefällte RNA wurde abzentrifugiert (4°C; 10000 g; 10
min) und mit 70%igem Ethanol gewaschen. Das Pellet wurde in 300 µl
H2Obidest vollständig gelöst und danach mit 1/10 Vol. Na-Acetat (s. o.) und
900 µl (3 Vol.) eiskaltem Ethanol(absolut) versetzt. Die RNA wurde erneut bei -
20°C über Nacht gefällt. Nach Zentrifugation bei 4°C (20 min; 10000 × g)
wurde das Pellet mit 70% Ethanol gewaschen, getrocknet und in 20-50 µl
H2Obidest aufgenommen. Die RNA wurde entweder bei -70°C oder in Et
hanol bei -20°C aufbewahrt.
1.2 Poly(A)⁺-RNA wurde unter Verwendung von Poly(A)-Quicksäulen (Strata
gene, Heidelberg, DE) angereichert oder durch Chromatographie auf Oli
go(dT)-Zellulose isoliert, wie beschrieben in Maniatis, T., et al., 1982, Mo
lecular Cloning: A Laboratorv Manual; Cold Spring Harbor, N.Y.
Zum Durchführen von Northern Blots wurden zunächst 5 pg RNA glyoxyliert
und auf einem 1%igen Agarosegel aufgetrennt, (McMaster et al., 1977). Die
Gele wurden vor dem Transfer auf Biodyne-Membranen (Pall Ultrafine Filtra
tion Co., Glen Cove N.Y.) mit Akridinorange gefärbt. Die RNA wurde an
schließend durch einstündiges Backen bei 80°C an der Membran fixiert.
RNA-Blots wurden mindestens 3 Stunden in Hybridisierungspuffer (50%
Formamid, 10 mM Tris-Hydrochlorid pH 7, 5, 2 × SSC (20 × SSC: 3 M NaCl +
0,3 M Natriumcitrat), 5 × Denhardt's Lösung (50 × Denhardt's Lösung: 1% Fi
coll, 1% Polyvinylpyrrolidon, 1% Rinderserumalbumin), 1% Natriumdodecyl
sulfat und 0,1 mg denaturierte DNA pro ml) vorinkubiert. Anschließend wur
den sie in frischem Puffer, enthaltend 0,5 × 106 bis 2 × 106 cpm radiomarkier
ter Sonde pro ml 15 Stunden bis 3 Tage bei 45°C in einem rollenden Ofen
(Bachhofer) hybridisiert. Die Filter wurden gründlich in 0,1 × SSC, 0,1% SDS
bei 65°C gewaschen und autoradiographiert.
Für die Durchführung der PCR-Reaktion wurde 1 pg Gesamt-RNA 5 Minu
ten bei 95°C denaturiert, in 20 µl RT-PCR-Puffer (50 mM KCl, 20 mM Tris,
2,5 mM MgCl2, 0,1 mg/ml Rinderserumalbumin, jeweils 1 mM dATP, dCTP,
dGTP und TTP pH 8,4, 0,5 Einheiten RNasin, 0,09 OD260-Einheiten Ran
dom-Primer (BRL, Eggenstein, DE) aufgenommen und mit 200 Einheiten
Moloney-Maus-Leukämievirus (MMLV) Reverser Transkriptase (BRL) ver
setzt. Die Reaktionsansätze wurden 10 Minuten bei 20°C und anschließend
45 Minuten bei 42°C inkubiert und die Reaktion dann durch 5 Minuten Er
wärmen auf 95°C beendet. Für die Amplifikation wurden die cyclischen Re
aktionen in einem Thermalcycler (TC1, Perkin Elmer, Überlingen, DE)
durchgeführt. Jeder Zyklus bestand aus 1 Minute Denaturieren bei 94°C, 1
Minute Hybridisieren bei 55°C und 3 Minuten Polymerisation bei 72°C. Es
wurden 30 Amplifikationszyklen durchgeführt. Im letzten Zyklus wurde die
Polymerisation um 10 Minuten verlängert.
In jedem Amplifikationstest wurde ein 10 µl Aliquot des Reversen-
Transkriptionscocktails verwendet. Die Aliquots wurden in einem Gesamt
volumen von 50 µl in RT-PCR-Puffer inkubiert, der 10 pmol jedes der bei
den spezifischen Primer, und 1 Einheit DNA-Polymerase (AmpliTaqu, Per
kin Elmer) enthielt. Nach Vervollständigung der Reaktion wurden die Pro
ben mit Chloroform extrahiert und die Reaktionsprodukte nach Auftrennung
der Aliquots der Reaktion auf 2%igen Agarosegelen beobachtet.
Für die semiquantitative PCR-Analyse werden parallele Ansätze mit ver
schiedenen cDNA-Verdünnungen (entsprechend 500 ng/125 ng/31 ng Ge
samt-RNA) für die T1-PCR-Reaktion (50 µl) eingesetzt. Aus dem fertig
pipettierten, aber noch nicht amplifizierten Reaktionsgemisch werden 2 µl
entnommen und in einem separaten 50 µl Ansatz zusammen mit 10 pm Ak
tinprimer unter den gleichen Bedingungen, wie für die qualitative PCR be
schrieben, amplifiziert. Für die Auswertung werden gleiche Mengen der
amplifizierten T1-Ansätze und der Aktinreaktionen auf 2%igen Agarosege
len elektrophoretisiert. Das Verhältnis der Bandenstärken der T1- bzw. Ak
tin-spezifischen Banden wird densitometrisch bestimmt.
Gefrierschnitte gefrorenen Tumorgewebes von 7 bis 9 µm Dicke wurden bei
-20°C geschnitten, auf Silan-beschichtete Objektträger übertragen und in 4%
Paraformaldehyd (PAF) in phosphatgepufferter Kochsalzlösung (PBS) (137
mM NaCl, 2,7 mM KCl, 4,3 mM Dinatriumhydrogenphosphat, 1,4 mM Kali
umdihydrogenphosphat, pH 7,3) 30 Minuten fixiert. Fixierte Schnitte wurden
bei 43°C getrocknet. Vor der Hybridisierung wurden die Schnitte 5 Minuten
bei Raumtemperatur in PBS rehydriert, mit Proteinase K (2 µg/ml in 100 mM
Tris, 5 mM EDTA, pH 8) 5 bis 10 Minuten bei 37°C behandelt und 5 Minuten
in 4% PAF in PBS bei Raumtemperatur refixiert. Anschließend wurden die
Proben 3 × 3 Minuten in PBS gewaschen und 10 Minuten unter tropfenwei
sein Zusatz von 0,25% Essigsäureanhydrid in 100 mM Triäthanolamin inku
biert. Die Schnitte wurden mindestens 1 Stunde bei 37°C in 50% Formamid,
2 × SSC (0,3 M NaCl, 30 mM Natriumcitrat, pH 7) vorhybridisiert. Anschlie
ßend wurden jedem Gefrierschnitt 20 µl Hybridisierungspuffer (50% Forma
mid, 2 × SSC, 10% Dextransulfat, 0,1% SDS, 250 µg/ml denaturierte Lachs
sperma-DNA, pH 7), enthaltend 1 × 106 cpm 35S-markierte RNA-Sonde, zuge
fügt und die Hybridisierung 16 bis 18 Stunden bei 42°C in einer feuchten
Kammer durchgeführt. Die Schnitte wurden 3 × für 20 Minuten in 4 × SSC bei
42°C gewaschen, mit RNAse A (20 µg/ml in 0,5 M NaCl, 10 mM Tris, 5 mM
EDTA, pH 8) 30 Minuten bei 37°C behandelt, 1 × mit 2 × SSC und 1 × mit 1 ×
SSC 30 Minuten bei 42°C gewaschen, in Ethanol dehydriert und luftgetrock
net. Die trockenen Objektträger wurden in Kodak NTB-2 Fotoemulsion
(Tecnomara, Fernwald) getaucht, 1 bis 3 Wochen exponiert, dann entwickelt
(Kodak D19) und fixiert (Unifix, Kodak). Schließlich wurden die Schnitte mit
Hämatoxylin und Eosin gefärbt, dehydriert, in Eukitt (Kindler, Freiburg, DE)
eingebettet und unter Verwendung eines Zeiss Axioskops mit Hell- und Dun
kelfeldeinrichtung angesehen.
Die T1-mRNA-Expression wurde in Gesamt-RNA und Poly(A)⁺-angereicherter
RNA analysiert, die aus kontinuierlichen Keratinozyten (Ha-Cat) und reifer Pla
zenta isoliert worden waren. Die Northern Blot-Hybridisierung mit Sonden, die
den 5'-Teil des offenen Leserasters der T1-cDNA enthalten, zeigte 3 Transkripte
von 2 kb, 2,7 kb und 5 kb (Abb. 1A). Die Größe der letztgenannten 2
Transkripte stimmt gut mit Ergebnissen überein, die in Mäusezellen erhalten
worden sind, in denen eine T1-mRNA von 5 kb den Transmembranrezeptor T1-M
und eine T1-mRNA von 2,7 kb das tumorassoziierte lösliche T1-Protein ko
diert. Die Hybridisierung mit einem Fragment des 3'-nicht-translatierten Berei
ches (Positionen 45-602 der cDNA-Sequenz nach Tominaga, 1992) der huma
nen T1-cDNA bestätigte die Identität der humanen 2,7 kb mRNA mit der das
ausgeschiedene T1-Protein kodierenden Spezies (Abb. 1B).
Für einen empfindlicheren Nachweis von T1-mRNA in Tumoren wurde ein semi
quantitativer RT-PCR-Test etabliert. Für die ausgeschiedene tumorassoziierte
T1-Variante spezifische PCR-Primer wurden so ausgewählt, daß sie zur Erzeu
gung eines 322 bp-Fragmentes im 3'-nicht-translatierten Bereich führten. Als
interne Kontrolle wurden Aktinsequenzen koamplifiziert. Nach RT-PCR von RNA-
Präparationen, die sich in Northern-Blot-Hybridisierungen als positiv erwiesen
hatten, wurden Amplifikationsprodukte der erwarteten Größe erhalten. Die
quantitative Auflösung des Verfahren wurde in einem Verdünnungsexperiment
demonstriert. Es wurde eine Verdünnungsreihe von T1-positiver Plazenta-RNA
in T1-negativer RNA gleicher Konzentration angelegt und mittel RT-PCR analy
siert. Wie in Abb. 1C gezeigt ist, wurde eine lineare Abnahme des T1-
spezifischen Amplifikationsproduktes in Reaktionen beobachtet, die 25 bis 1,5
ng Plazenta-RNA enthielten. Aufgrund der Gegenwart ansteigender Mengen T1-
negativer RNA in diesem Test wurden konstante Mengen Aktin-spezifischer Pro
dukte in allen Reaktionen erhalten.
Es wurde die Gesamt-RNA aus frisch eingefrorenem Gewebe von 41 Patienten
mit invasivem Mammakarzinom und 6 Patienten mit Mastopathie isoliert; als
positives Kontrollgewebe wurde Plazenta verwendet. Die Expression der 2,7 kb
T1-mRNA wurde mittels des oben beschriebenen semiquantitativen RT-PCR
untersucht.
Für die quantitative Bewertung der T1-Expression wurden die coamplifizierten
Aktinsequenzen aus der gleichen Probe als interner Standard verwendet (siehe
Abb. 2).
In allen 6 Proben von Mastopathiepatienten wurde keine T1-mRNA oder nur ver
nachlässigbar geringe Mengen nachgewiesen. Im Gegensatz dazu zeigten die
T1-mRNA-Spiegel in aus Tumorgewebe gewonnener RNA eine hohe Variabilität.
Die quantitative Auswertung erfolgte densitometrisch (siehe Legende zu Abb. 2).
Für die weitere Analyse wurde ein Klassifikationsschema mit 3 Kategorien ver
wendet. Die T1-mRNA-Spiegel wurden wie folgt bewertet:
- (I): T1-negativ: T1-Amplifikationsprodukt nicht nachweisbar oder nur sehr schwach sichtbar (T1: Aktin < 0,1);
- (II): T1-positiv: mittlere T1-mRNA-Werte, eindeutig nachweisbar, aber schwächer als das Aktinsignal (T1: Aktin = 0,1 bis 1);
- (III): T1-positiv: hohe T1-mRNA-Werte, Signal gleich stark oder stärker als das Aktinsignal (T1: Aktin < 1).
Beispiele für das Bewertungsmuster sind in Abb. 2 gezeigt. Bei Anwendung
dieses Schemas umfaßte die Klasse I alle 6 Mastopathie-Proben und 34% der
Tumore (N = 13). 49% der Tumore (N = 21) wurden als II bewertet und 17% der
Tumore (N = 7) zeigten hohe T1-mRNA-Spiegel (III) (siehe Tabelle 2).
Bei den 40 untersuchten Karzinomen handelte es sich um 12 lobuläre Karzino
me, 7 duktolobuläre und 21 duktale Karzinome. Bei diesen Tumoren wurde fol
gende T1-Expression festgestellt:
TABELLE 2
Die T1-Expression zeigte keine Korrelation mit dem Tumorgrading.
T1-Expression und Tumorgröße korrelierten wie folgt:
TABELLE 3
Zwischen T1-Expression und Nodalstatus wurden folgende Zusammenhänge
beobachtet:
TABELLE 4
Von 32 beobachteten Patienten überlebten den Beobachtungszeitraum von 47
Monaten 24 Patienten (75%). Innerhalb dieses Zeitraums traten Karzinome in 16
der beobachteten Patienten wieder auf (50%). Bei einer univariaten Analyse aller
Patienten erlaubte die T1-Messung keine Vorhersage über Rezidiv oder Überle
ben. Die klassischen Prognosefaktoren Lymphknotenstatus und Tumorgröße
waren dagegen von hohem prognostischem Wert.
Die Nodal-negative Gruppe umfaßte 18 Patienten, von denen 7 (39%) ein erneu
tes Karzinom entwickelten. In der Nodal-negativen Patientengruppe war der
Grad der T1-Expression ein starker prognostischer Indikator für ein Wiederauf
treten der Erkrankung, vergleichbar dem bekannten Ki67-Marker, während sich
die Tumorgröße als prognostisch wertlos erwies. Keiner der 8 Nodal-negativen,
T1-positiven Patienten entwickelte während des Beobachtungszeitraums eine
beide überlebten während des Beobachtungszeitraums. Im Gegensatz dazu
entwickelten 5 von 8 Nodal-negativen, T1-negativen Patienten (62,5%) ein er
neutes Karzinom und 2 (25%) starben innerhalb des Beobachtungszeitraums
(siehe Abb. 3).
Die Nodal-positive Patientengruppe umfaßte 14 Patienten, von denen 9 ein Kar
zinomrezidiv entwickelten. Von diesen waren nur 4 T1-negativ. In einem Patien
ten wurden zum Zeitpunkt der Operation Metastasen diagnostiziert. Die 3 Nodal
negativen Patienten ohne Metastasen blieben karzinomfrei. Von den 10 Nodal
positiven, T1-positiven Patienten entwickelten 8 (80%) ein erneutes Karzinom
und 6 (60%) verstarben innerhalb des Beobachtungszeitraums.
5 µm dicke Gewebeschnitte von Formalin-fixierten, in Paraffin eingebettetem
Gewebe wurden deparaffiniert und mit einem polyklonalen Antiserum gegen die
carboxyterminale Sequenz von T1-S (Rössler, 1995a) inkubiert (8,5 µg IgG/ml).
Die T1-spezifische Immunreaktion wurde mittels eines sekundären biotinylierten
anti-Kaninchen-Antikörpers, eines Avidinperoxidasekomplexes und Diamino
benzidinfärbung nachgewiesen (Immunostaining Kit: Vectastain Elite ABC Kit,
Vector Laboratories via SERVA, Heidelberg, FRG). T1-spezifische Färbung:
braun, Gegenfärbung mit Hämatoxylin: blau. Die Analyse belegt die Anwesenheit
von T1-Protein in den Tumorzellen, nicht aber im umgebenden Stroma
(Abb. 4). Die Ergebnisse der immunhistochemischen Analyse entsprechen
daher denen der in situ-Hybridisierung mit T1-spezifischen Sonden.
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Claims (22)
1. In vitro-Verfahren zum Prognostizieren des Krankheitsverlaufs von Patienten
mit Mammakarzinom und/oder zum Diagnostizieren eines Mammakarzinoms,
umfassend das qualitative oder quantitative Bestimmen von T1-Protein und/oder
T1-mRNA in aus dem Patienten gewonnenem Probenmaterial.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß T1-Protein
und/oder T1-mRNA einer Tumorgewebeprobe des Patienten bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß T1-Protein in einer
Blut- oder Serumprobe bestimmt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß
T1-mRNA mit einem auf PCR beruhenden Verfahren bestimmt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
das Probenmaterial einem für T1 spezifischen Antikörper oder Fragmenten da
von ausgesetzt wird und T1-Protein qualitativ oder quantitativ bestimmt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Antikörper ein
monoklonaler oder polyklonaler Antikörper ist.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Antikörper ge
gen das p9-Peptid gerichtet ist.
8. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Antikörper ge
gen das p16-Peptid gerichtet ist.
9. Kit, dadurch gekennzeichnet, daß er zum Durchführen eines Verfahrens nach
einem der Ansprüche 1 bis 3 und 5 bis 8 geeignet ist und einen T1 -spezifischen
Antikörper oder Fragmente enthält.
10. Kit nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß der T1-spezifische Anti
körper ein monoklonaler Antikörper ist.
11. Kit nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß der T1-spezifische Anti
körper ein polyklonaler Antikörper ist.
12. Kit nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß der
T1-spezifische Antikörper gegen das p9-Protein gerichtet ist.
13. Kit nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß der
T1-spezifische Antikörper gegen das p16-Protein gerichtet ist.
14. Kit, dadurch gekennzeichnet, daß er zur Durchführung eines Verfahrens
nach einem der Ansprüche 1 bis 4 geeignet ist und mindestens ein Oligonukleo
tid enthält, das zur T1-mRNA komplementär ist, sowie gegebenenfalls ein oder
mehrere weitere Oligonukleotide, die die Amplifikation von T1-spezifischer
mRNA und/oder eines dazu komplementären Stranges erlauben.
15. Kit nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß er weiterhin RNAse H
und reverse Transkriptase enthält.
16. Kit nach einem der Ansprüche 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, daß das
zur T1-mRNA komplementäre Oligonukleotid die Sequenz 5'-CTT TGA TCA
CCT GAA CTT TCT CTA GCA-3' aufweist.
17. Kit nach einem der Ansprüche 14 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß das
weitere Oligonukleotid die Sequenz 5'-AGT TTT CGG TTG TTG GTG CAT TTC-3'
als weiterem Oligonukleotid vor. In bevorzugten Ausführungsformen aufweist.
18. Verwendung eines T1-spezifischen Antikörpers oder von Fragmenten davon
zum Nachweisen der Gegenwart von T1-Protein in Gewebeproben, Blut- oder
Serumproben eines Patienten mit Mammakarzinom.
19. Verwendung eines T1-spezifischen Oligonukleotids zum Nachweisen von
T1-mRNA in Gewebeproben, Blut- oder Serumproben eines Patienten mit
Mammakarzinom.
20. Verwendung nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, daß das T1-
spezifische Oligonukleotid zur T1-mRNA komplementär ist.
21. Verwendung nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, daß die Sequenz
des T1-spezifischen Oligonukleotids einem Teil der Sequenz der T1-mRNA ent
spricht.
22. Verwendung nach einem der Ansprüche 19 bis 21, dadurch gekennzeichnet,
daß die T1-mRNA ganz oder teilweise amplifiziert wird.
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| EP (1) | EP0970378A2 (de) |
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